|
(Auszug aus: Leben aus der Kabbala ) Weißt du, warum nur alte Leute Geschichten und Legenden erzählen? Weil Legenden das cleverste auf der ganzen Welt sind. Alles auf der Welt ändert sich, und nur wahre Legenden bleiben. Legenden sind Weisheit, und um sie zu erzählen, muss man großes Wissen besitzen und Dinge sehen, die für andere verborgen sind. Deswegen muss man viel erlebt haben. Deswegen wissen nur die älteren Leute, wie man Legenden erzählt. So steht es im größten, ältesten Zauberbuch geschrieben, " Ein alter Mensch ist jemand, der Weisheit erlangt hat".
Kinder lieben Legenden, weil sie über die Vorstellungskraft und Intelligenz verfügen, sich alles auszumalen, und nicht nur das, was alle anderen normalerweise sehen. Wenn ein Kind erwachsen wird und dann immer noch sieht, was die anderen nicht sehen können, wird es weise und gescheit, und "erlangt Weisheit". Weil Kinder sehen, was Erwachsene nicht können, wissen sie, dass Phantasie Wirklichkeit ist. Sie bleiben "weise Kinder" so steht es im größten und ältesten Zauberbuch, "dem Sohar", geschrieben.
Es war einmal ein Zauberer, groß und vornehm und gutherzig, mit all den Eigenschaften, über die solche Zauberer normalerweise in den Kinderbüchern verfügen. Aber weil er so gutherzig war, wusste er nicht, mit wem er diese Gutherzigkeit teilen konnte. Er hatte niemanden, dem er seine Zuneigung zeigen konnte, mit dem er spielen konnte, Zeit verbringen oder an den er denken konnte. Der Zauberer hatte auch das Bedürfnis, gebraucht zu werden, weil es ziemlich traurig ist allein zu sein.
Was sollte er also tun? Er meinte, dass er einen Stein, nur einen kleinen aber wunderschönen, schaffen würde und das könnte vielleicht die Antwort sein." Ich werde den Stein streicheln und fühlen, als wäre immer etwas bei mir; und wir werden uns beide wohl fühlen, weil es ziemlich traurig ist, allein zu sein."
Er schwang seinen Zauberstab und im Nu erschien da ein Stein, genauso wie er es wünschte. Er begann den Stein zu streicheln, ihn zu umarmen und mit ihm zu reden, aber der Stein reagierte nicht. Er blieb kalt und gab überhaupt nichts zurück. Was immer er mit dem Stein machte, der Stein blieb das gleiche gefühllose Ding. Das gefiel dem Zauberer ganz und gar nicht. Wie konnte der Stein nicht reagieren? Er erschuf noch mehr Steine, Felsen, Hügel, Berge, Lande, die Erde, den Mond und die Galaxien. Aber sie alle waren gleich ... nichts. Er fühlte sich immer noch traurig und sehr einsam.
In seiner Traurigkeit dachte er, dass er anstelle der Steine eine Pflanze erschaffen könnte, die wunderschön blühen würde. Er würde sie gießen, ihr Luft und Sonnenlicht schenken, ein bisschen Musik vorspielen und die Pflanze wäre glücklich. Dann wären sie beide zufrieden, weil es ja traurig ist, allein zu sein.
Er fuchtelte mit seinem Zauberstab und schon stand da eine Pflanze, genau wie er sich das vorgestellt hatte. Er war so glücklich, er tanzte um die Pflanze herum, aber diese bewegte sich nicht. Sie tanzte weder mit ihm noch folgte sie seinen Bewegungen. Sie reagierte nur ein bisschen auf das, was ihr der Zauberer gab. Wenn er sie goss, wuchs sie; wenn er ihr kein Wasser gab, starb sie. Das war für einen so gutherzigen Zauberer nicht genug, denn er wollte von ganzem Herzen schenken. Er musste irgendwie mehr machen, denn es ist sehr traurig, allein zu sein. Also schuf er alle möglichen Pflanzen in allen Größen; Felder, Wälder, Obstgärten, Plantagen und Gehölze. Aber sie alle verhielten sich genauso wie die erste Pflanze, und wieder war er allein mit seiner Traurigkeit.
Der Zauberer überlegte lange. Was sollte er tun? Ein Tier erschaffen! Welches Tier? Einen Hund? Ja, einen süßen kleinen Hund, der immer bei ihm sein würde. Er würde mit ihm spazieren gehen, und der Hund würde an ihm hochspringen, umhertollen und mitlaufen. Wenn er zu seinem Palast nachhause kam (oder besser gesagt zu seinem Schloss, da er doch ein Zauberer war), würde der Hund sich freuen, ihn zu sehen, dass er auf ihn zulaufen und ihn begrüßen würde. Beide würden sie so fröhlich sein, denn es ist traurig, allein zu sein.
Er schwang wieder seinen Zauberstab und schwups gab es einen Hund, genauso wie er ihn sich vorstellte. Er begann für das Hündchen zu sorgen, fütterte ihn, gab ihm zu trinken und streichelte ihn. Er rannte sogar mit ihm herum, machte ihn sauber und ging mit ihm spazieren. Aber die Liebe eines Hundes besteht hauptsächlich daraus, immer in der Nähe seines Besitzers zu sein, wo immer der auch ist. Der Zauberer war traurig, als er sah, dass der Hund keine Gefühle erwidern konnte, obwohl er mit ihm so toll spielte und ihn überall mitnahm. Ein Hund kann kein wirklicher Freund sein, kann nicht schätzen, was er für ihn tut, versteht nicht seine Gedanken und Sehnsüchte, und wie sehr er sich um ihn bemühte. Aber genau das wollte der Zauberer. Also machte er andere Geschöpfe: Fische, Geflügel, Säugetiere, alles umsonst - keines von ihnen verstand ihn. Es war sehr traurig, allein zu sein.
Der Zauberer setzte sich und dachte nach. Dann begriff er, dass, wenn er einen wirklichen Freund haben wollte, dieser einer sein müsste, der nach dem Zauberer Ausschau hält, sich nach ihm sehnt, ihm ähnlich sein möchte, lieben könnte, so wie der Zauberer ist, ihn versteht, sein Partner ist. Partner? Ein wahrer Freund? Es müsste etwas sein, das ihm nahe war, das verstand, was er ihm gab, und sich für alles, was es erhält, erkenntlich zeigt. Auch Zauberer wollen lieben und geliebt werden. Dann würden sie beide zufrieden sein, denn es ist sehr traurig, einsam zu sein.
Daraufhin überlegte der Zauberer, einen Menschen zu erschaffen. Dieser könnte sein wahrer Freund sein! Er könnte wie der Zauberer sein. Er bräuchte nur Hilfe, um so zu sein wie der Zauberer. Dann würden sie beide glücklich sein, denn es ist sehr traurig, alleine zu sein. Damit sich alle beide wohl fühlen können, muss sich der Mensch als erstes einsam fühlen und traurig sein ohne den Zauberer.
Der Zauberer schwang seinen Zauberstab und schuf den Menschen in der Ferne. Der Mensch spürte den Zauberer nicht, der all die Steine, Blumen, Hügel, Felder, den Mond, Regen und Wind erschaffen hatte. Er wusste nicht, dass der Zauberer eine ganze Welt mit wunderschönen Dingen, wie zum Beispiel Computer und Fußball geschaffen hatte, nur um den Menschen glücklich zu machen und ihn an nichts mangeln zu lassen. Der Zauberer hingegen war weiterhin traurig, dass er allein war. Der Mensch wusste nichts über den Zauberer, der ihn erschaffen hatte, ihn liebte und auf ihn wartete und sagt, dass sich beide zusammen wohl fühlen würden, weil es ziemlich traurig ist, alleine zu sein.
Aber wie sollte ein Mensch, der zufrieden damit ist, alles zu haben, selbst einen Computer und Fußball, und der den Zauberer gar nicht kennt, nach diesem suchen wollen, mit ihm in Verbindung treten, ihm nahe sein, ihn lieben und sein Freund sein wollen und sagen: "Komm, wir werden uns beide wohl fühlen, weil es ganz schön traurig ist, einsam zu sein und ohne dich." Man kennt nur seine eigene Umgebung, und tut, was jeder in seiner Umgebung tut, redet wie die anderen, will, was auch die anderen wollen. Man versucht nirgends anzuecken, bittet brav um Geschenke, Computer und Fußball. Wie kann man da überhaupt wissen, dass es da einen Zauberer gibt, der traurig darüber ist, allein zu sein?
Aber der Zauberer ist gütig und gibt ständig Acht auf den Menschen, und wenn die Zeit reif ist, schwingt er seinen Zauberstab und klopft ganz leise am Herzen dieses Menschen an. Der Mensch glaubt, auf der Suche nach etwas zu sein und merkt nicht, dass es der Zauberer ist, der ihm zuruft: "Komm, wir werden uns beide wohl fühlen, es ist nämlich sehr traurig, ohne Dich zu sein."
Der Zauberer schwingt seinen Zauberstab ein weiteres Mal, und da spürt der Mensch plötzlich seine Anwesenheit. Er beginnt, an den Zauberer zu denken, dass es gut sei, mit ihm zusammen zu sein, denn alleine ist es sehr einsam. Durch ein neuerliches Schwingen des Zauberstabes fühlt der Mensch auch den magischen Turm der Güte und Macht, in welchem der Zauberer auf ihn wartet, und dass beide nur dort glücklich sein würden, denn es ist traurig, allein zu sein.
"Aber wo ist dieser Turm? Wie kann ich ihn erreichen? Welches ist der richtige Weg?" fragt sich der Mensch, verwundert und verwirrt. Wie kann er den Zauberer treffen? Noch immer spürt er den Luftzug des Zauberstabes in seinem Herzen, und er kann nicht schlafen. Er sieht ständig Zauberer und mächtige Türme und verliert dabei sogar seinen Appetit. So was passiert, wenn man unbedingt etwas will, es aber nicht finden kann, und es ist traurig, einsam zu sein. Aber um genauso wie der Zauberer zu sein - weise, groß, vornehm, gutherzig, liebend und ein Freund - genügt das Schwingen eines Zauberstabes nicht. Man muss lernen, selbst Wunder zu vollbringen.
So führt der Zauberer den Menschen heimlich und raffiniert, sanft und harmlos, zu dem höchsten und ältesten Zauberbuch, dem Buch des Sohar, und zeigt ihm den Weg zu dem mächtigen Turm. Der Mensch packt es, um geschwind den Zauberer, seinen Freund zu treffen und ihm zu sagen: "Komm, wir werden beide glücklich sein, weil alleine zu sein sehr traurig ist."
Aber der Turm ist von einer hohen Mauer umgeben, und viele Wächter vertreiben den Menschen und erlauben dem Zauberer und dem Menschen nicht zusammen zu sein, um glücklich zu sein. Der Mensch verzweifelt, der Zauberer versteckt sich hinter den verriegelten Toren des Turmes, die Mauer ist hoch, die Wachen schlagen wachsam zurück und niemand kann durch. Was wird geschehen...? Wie können sie bloß zusammen sein, gemeinsam sich wohl fühlen, weil es so traurig ist, alleine zu sein.
Jedes Mal, wenn der Mensch schwach wird und verzweifelt, spürt er plötzlich den Luftzug des Zauberstabes und läuft wiederum zu der Mauer, versucht die Wächter um jeden Preis zu umgehen! Er will die Tore nieder brechen, den Turm erreichen, die Stufen der Leiter erklimmen und den Zauberer erreichen.
Und jedes mal, wenn er vorstößt, und dem Turm und dem Zauberer näher kommt, werden die Wachen noch wachsamer, stärker und energischer, und versohlen ihm gnadenlos das Fell.
Aber mit jeder Runde wird der Mensch mutiger, stärker und weiser. Er lernt es, alle möglichen Tricks zu vollführen, Dinge zu erfinden, die nur ein Zauberer kann. Je mehr Niederlagen er erfährt, umso mehr will er den Zauberer, fühlt er seine Liebe zu ihm wachsen, und wünscht mehr als alles andere auf der Welt mit dem Zauberer eins zu sein, sein Gesicht zu sehen, denn es wird wunderbar sein, zusammen zu sein. Selbst wenn dem Menschen die ganze Welt gehörte - ohne den Zauberer wäre er einsam.
Dann, wenn er es nicht länger ohne ihn aushält, werden sich die Tore des Turmes öffnen, und der Zauberer, sein Zauberer, wird auf ihn zueilen und sagen, "Komm, wir passen zusammen, denn es ist sehr traurig, einsam zu sein."
Und seither sind sie treue Freunde, eng miteinander verbunden, und es gibt kein schöneres Vergnügen für sie als das, was sie zusammen haben bis in alle Ewigkeit. Sie sind so glücklich zusammen, dass sie sich nicht mal gelegentlich mehr daran erinnern, wie traurig es war, alleine zu sein.
Ende
Die Reihenfolge der Schirme verbirgt den Schöpfer vor uns. Diese Schirme existieren in uns selbst und in unseren Seelen. Der Schöpfer ist alles außerhalb von uns und unseren Seelen mit ihren störenden Schirmen.
Wir können nur diesen winzigen Teil der äußeren Umgebung, die unseren Schirm durchdringt, erfassen. Alles außerhalb von uns entzieht sich vollständig unserer Wahrnehmung. In der gleichen Weise sehen wir in dieser Welt nur jene Dinge, die auf unsere Netzhaut treffen, wenn sie in unserem Blickfeld kommen.
Unser Wissen über die spirituellen Welten kommt aus den Wahrnehmungen und Empfindungen, die durch die Seelen der Kabbalisten gewonnen wird, und an uns weitergegeben werden. Ihre Errungenschaften sind jedoch durch das Ausmaß ihrer spirituellen Vorstellungskraft begrenzt. Folglich existieren alle uns bekannten spirituellen Welten nur in Bezug auf diese Seelen.
Aufgrund des oben Gesagten kann die gesamte Schöpfung in drei Teile geteilt werden.
1. Der Schöpfer: Wir können über Ihn nicht sprechen, weil wir nur über solche Erscheinungen urteilen können, die in den Bereich unserer spirituellen Wahrnehmung fallen und unsere eingreifenden Schirme durchdrungen haben.
2. Der Zweck der Schöpfung: Dies ist unser Ausgangspunkt, von dem aus wir des Schöpfers Absicht erforschen beginnen. Während Manche Gründe anführen, dass Er sich hauptsächlich darauf konzentriert, seinen Kreaturen Freude zu bringen, können wir eigentlich aus Mangel an Information nichts über die Beziehung des Schöpfers zu uns sagen.
Der Schöpfer wünschte, dass wir Seinen Einfluss auf uns als Freude empfinden. Daher schuf Er unsere Sinnesorgane so, dass wir Seinen Einfluss auf uns als Freude erkennen.
Weil aber alle Wahrnehmung sich in der Seele vollzieht, ist es sinnlos über die anderen Welten zu sprechen, ohne zwischen diesem Thema und denen, die diese Welten erkennen, eine Verbindung herzustellen. Andere Welten existieren nicht, wenn die Seele nicht die Wahrnehmungsfähigkeit dazu hat. Die eingreifenden Schirme, die zwischen uns und dem Schöpfer stehen, stellen diese Welten dar. Olam stammt aus der Welt alama, was "Verhüllung" bedeutet. Die Welten existieren nur zu dem Zweck, auch nur einen kleinen Teil des Genusses (Licht), das von Ihm ausgeht, in unsere Seele zu lassen.
3. Die Seelen: sind die Einheiten, die vom Schöpfer erschaffen wurden, und die sich selbst als unabhängige Existenzen empfinden. Dieses Empfinden ist höchst subjektiv und im Wesentlichen sagt es der Seele, welche unser individuelles Sein darstellt, dass wir genau in dieser Art vom Schöpfer erschaffen wurden. In Wahrheit sind wir jedoch ein wesentlicher Bestandteil von Ihm.
Die Entwicklung eines Menschen von Anfang bis Ende, in welcher er vollständig mit dem Schöpfer in all seinen Eigenschaften verschmilzt, kann in fünf Stufen eingeteilt werden. Jede davon wird weiter in fünf Unterstufen unterteilt und so weiter. Im Ganzen gibt es 125 Stufen.
Jeder Mensch erfährt an einer bestimmten Stufe dieselben Gefühle und Einflüsse, genau wie jeder andere Mensch auf dieser Stufe. Jeder Mensch besitzt dabei die gleichen spirituellen Empfindungsorgane, sodass er das gleiche fühlt wie die anderen derselben Stufe. Gleichermaßen besitzt jeder Mensch in unserer Welt die gleichen Sinnesorgane, die zwar die gleichen Eindrücke liefern aber nicht ein Verstehen anderer Welten erlauben.
Daher können die Bücher der Kabbalah nur von denen verstanden werden, die dieselbe Stufe wie der Autor erreicht haben, da sowohl der Autor als auch der Leser über dieselben gemeinsamen Erfahrungen verfügen. Das gilt auch für Leser und Autoren, die Ereignisse dieser Welt beschreiben.
Aus den spirituellen Welten empfängt die Seele die Bewusstheit der Nähe des Schöpfers, genauso wie die spirituelle Erfüllung und die Erleuchtung, die aus der Vereinigung mit Ihm hervorgehen. Die Seele empfängt auch das so genannte "Licht des Schöpfers" oder die Fähigkeit, Ihn wahrzunehmen, wenn sie Seine Wünsche und Gesetze versteht. Wenn wir auf unserem spirituellen Weg voranschreiten, nehmen wir schrittweise das Heranrücken an Ihn wahr. Das ist der Grund, warum wir neue Erkenntnisse der Enthüllungen des Schöpfers an jedem Punkt unserer Reise spüren. Für jene, die nur unsere Welt erfassen, erscheint die Bibel wie eine Sammlung von Gesetzen und historischen Ereignissen, welche das Verhalten der Menschheit in dieser Welt beschreibt. Jene, die auf ihrem spirituellen Weg schon ein wenig fortgeschritten sind, beginnen jedoch die spirituellen Handlungen des Schöpfers hinter den Dingen und Taten unserer Welt wahrzunehmen.
Aus all dem wird klar, dass in der Schöpfung zwei Pole existieren: der Schöpfer und der Mensch, der vom Allmächtigen erschaffen wurde. Alle anderen Visionen, die vor uns auftauchen, seien es die Wahrnehmungen unserer Welt oder sogar der höheren Welten, sind nur verschiedene Phasen der Ent- und Verhüllungen des Schöpfers auf seinem Weg uns näher zu kommen.
|