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Shamati

Shamati Audio Hebräisch

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Shamati Glossar

Achor, Achoraim

wörtl. Rücken, Rück- oder Hinterseite
1. Ein Kli, in welches sich kein Licht Chochma kleidet.
2. Ein Kli, oder ein Teil vom Kli, welcher nicht im Sinne von geben oder empfangen agiert.

Bina

wörtl. Verständnis, Intelligenz, Unterscheidungsvermögen
Die zweite Schöpfungsphase, in der das Geschöpf nur noch geben will.

BYA

Abk. für die drei Welten: Brija, Yezira, Assija. Es fehlt die oberste Welt Azilut.

Chassadim, Licht Chassadim

wörtl. Güte
Licht mit der Eigenschaft, ohne Vorbehalt zu geben.

Chochma, Licht Chochma

wörtl. Weisheit
Licht, das sich vom Schöpfer bis zum erschaffenen Geschöpf ausbreitet.
Es ist die generelle Lebenskraft des ausgestrahlten, erschaffenen Wesens.

Dwekut

wörtl. Anhaftung, die Gleichheit der Eigenschaften mit dem Schöpfer.

Gadlut

wörtl. Größe, großer Zustand, Erwachsenenalter

GaR (Gimel Rishonot)

wörtl. „Die ersten drei“ [Sefirot] Keter, Chochma, Bina;
Lichter vom Rosh (Kopf), wo die Absichten gebildet werden

Gmar Tikun

wörtl. Das Ende der Korrektur, die Endkorrektur

Katnut

wörtl. Kleinheit, kleiner Zustand, Kindheit

Kedusha

wörtl. Heiligkeit
Immer im Gegensatz zu Tuma (Unreinheit, Entweihung)

Kli, Kelim

wörtl. Gefäß
Der Wunsch zu empfangen, der im ausgestrahlten Wesen ist.

Klipa, Klipot

wörtl. Schalen, Hüllen
Egoistische Absichten, böse Hüllen, unreine Kräfte. Das Verlangen, welches im Gegensatz zum Höheren Licht steht, also nur für sich empfangen will. Darum werden die Klipot als „tot“ bezeichnet.

liShma

wörtl. für Ihren Namen (den Namen der Tora), d. h. für den Schöpfer

lo liShma

wörtl. nicht für Ihren Namen (den Namen der Tora), d. h. nicht für den Schöpfer

Malchut

wörtl. Königreich
Die vierte und letzte Schöpfungsphase, in der das Geschöpf vollendet wird.

Massach

wörtl. Schirm
Die Kraft, um alles zurück zu weisen, was nicht mit der Absicht um zu geben empfangen werden kann

Mizwa, Mizwot

wörtl. Gebot, die Korrektur eines Verlangens

Panim

wörtl. Gesicht, Vorderseite
Der für das Empfangen oder das Geben vorgesehene Ort im Kli.

Shechina

Göttliche Gegenwart, Gegenwart des Schöpfers

Sitra Achra

Die andere, die schlechte Seite, steht der guten Seite gegenüber.

Tora

Das Licht von Seir Anpin. 
Im engeren Sinn: die 5 Bücher Mose

Tora und Mizwot

Das Empfangen des Lichts mit Hilfe der Korrektur der Verlangen.

WaK, Waw Kzawot

wörtl. 6 Kanten (Seiten, Ränder), der Körper (Guf) des Kli ohne den Kopf (Rosh), also ohne die Absicht

Zimzum

wörtl. Einschränkung, Beschränkung
Die Einschränkung der eigenen Wünsche

 

Vorwort zu den Shamati Artikeln

Shamati ist das wertvollste Buch der Welt, denn es hat die Kraft, einen Menschen zum Sinn seines Lebens zu führen. Shamati ist das Hauptwerk kabbalistischer Quellen. Es beinhaltet alle Grundsätze der spirituellen Arbeit eines Menschen. Die Artikel des Buches fassen alles zusammen, was ein Mensch benötigt, um in die Höhere Welt einzutreten. Sie umspannen die unendliche Tiefe aller 125 Stufen, die ein Mensch auf seinem spirituellen Weg durchlaufen kann und muss, bis er an das Ziel des Schöpfungsplans gelangt. Kein anderes Buch der Menschheitsgeschichte dringt tiefer in die spirituelle Arbeit des Menschen ein.

Woher kommt das Buch Shamati? Hier eine kurze Geschichte dazu: Unter allen Büchern und Manuskripten, die mein Lehrer Rav Baruch Ashlag (Akronym: Rabash) für den Unterricht verwendete, gab es ein spezielles persönliches Notizbuch, auf dessen Einband „Shamati” – Hebräisch für „Was ich hörte“ – geschrieben stand. Niemals verließ er das Haus, ohne dieses Buch bei sich zu tragen. Er hörte auch nie damit auf, es zu studieren und darin zu lesen.

Eines Tages gab er es mir zu später Stunde mit den Worten: „Nimm dieses Notizbuch und nutze es.“ Ich verstand sofort, dass sein Weg bald zu Ende gehen würde. Und tatsächlich verstarb er am nächsten Morgen. Bei Tagesanbruch stieg seine reine Seele in die unbekannten Höhen auf.

Das Notizbuch war sehr umfangreich und umfasste die Unterrichte seines Vaters, des großen Kabbalisten Yehuda Ashlag (1884 - 1954), der wegen seines Kommentars zum Buch Sohar den Beinamen Baal HaSulam (Herr der Leiter) erhielt.

Über Jahrtausende wurde das kabbalistische Wissen in einem kleinen Kreis, in verhüllter Form, von Lehrer an Schüler und von Generation zu Generation weitergegeben. Baal HaSulam, der wohl größte Kabbalist des zwanzigsten Jahrhunderts, bereitete eine Methode für unsere Generation vor, die uns alle stufenweise zum spirituellen Aufstieg führen kann. Während seiner Unterrichte war das Mitschreiben untersagt. Deshalb schrieb sein Sohn, Rav Baruch Ashlag, nach dem Unterricht die Worte seines Vaters nieder – Wort für Wort.

Aus diesem Grund sollten wir diese Worte genau befolgen und eben die von Baal HaSulam gewählte Form dieser Worte exakt beibehalten. Wir sollten danach streben, in seine Gedanken einzutauchen, damit wir denselben Weg einschlagen, der vom Text vorgegeben ist. So können wir den Gedanken von Baal HaSulam folgen. Es ist wichtiger, sich einem großen Kabbalisten anzuhaften, als auf die Schönheit der linguistischen Feinheiten zu achten. Unser Streben sollte vielmehr auf die Erfassung der inneren Schönheit dieser Texte ausgerichtet sein, wodurch unser Verständnis für die Artikel eine konstante Entwicklung erfahren wird, sodass wir tiefer und tiefer in deren Inhalt eindringen können.

In diesen Artikeln bezieht sich Baal HaSulam oft auf Aussprüche anderer Kabbalisten und deren höchste Erkenntnisse. Diese Zitate geben uns einen Einblick in die Tiefe des Themas. Sie helfen uns auch zu realisieren, dass wir die Methode der Anhaftung an den Schöpfer aus der Abstammungslinie der Kabbalisten erhalten – sie wird uns von dem allerletzten Kabbalisten dieser Linie übermittelt – vom großen Baal HaSulam.

Tatsächlich erläutern diese Texte die Arbeit, die ein Mensch auf sich nehmen muss, um die Gleichheit der Form, die Anhaftung und Verschmelzung mit dem Schöpfer zu erreichen. Für unsere Existenz gibt es in der gesamten Wirklichkeit keinen anderen Grund als dieses erhabene Ziel. In Übereinstimmung mit diesem Ziel ermöglicht der Mensch der Wirklichkeit, allen Welten und allem darin Existierenden den Aufstieg und die Anhaftung an den Schöpfer.

Daher müssen wir verstehen, dass sich das gesamte Universum, alle Geschöpfe und alle Welten innerhalb eines Menschen befinden. Jeder Mensch muss sich vorstellen, dass er dieser Mensch ist und er frei wählen und handeln kann. Er – und nur er – steht dem Schöpfer gegenüber und hat die Verantwortung und das Privileg, diese notwendige Arbeit zu verrichten, um die Übereinstimmung der Form und Anhaftung an den Schöpfer zu erreichen. Davon handelt das Buch Shamati.

Die Uhr tickt und die Zeit eilt. In allen Teilen der Welt gibt es Menschen, die ein zunehmendes Interesse an spirituellem Fortschritt und Aufstieg in sich spüren und sich fragen: „Was ist der Sinn meines Lebens?”

All diese Texte sollten als ein Gesamtwerk betrachtet werden, weil sie alle nur über das Gleiche sprechen. Sie beschreiben, wie das Geschöpf nach seinem Erschaffer sucht, wie es sich Ihm langsam annähert, um sich schließlich an Ihn anzuhaften.

Dies ließ mich die Einzigartigkeit und Wichtigkeit der Shamati-Artikel erkennen, und daher habe ich mich entschlossen, dieses Buch zu veröffentlichen und es der Welt zu enthüllen.

Die Übersetzung dieses Buches ist eine Gemeinschaftsarbeit vieler meiner langjährigen Schüler, die in ihrer Freizeit über Monate – wenn nicht Jahre – unentgeltlich daran gearbeitet und so dieses Werk ermöglicht haben.

Ich möchte mich für Ihre unermüdlichen Bemühungen, ihren Fleiß und ihre eingebrachte Zeit bedanken und entschuldige mich bei jenen, deren Erwähnung ich versehentlich vergessen habe.

An Übersetzung und Lektorat haben gearbeitet:

Masha Shayovich, Christiane Reinstrom, Matthias Bornefeld, Angela Contzen, Maureen Schön, Carmela Heilbronner, Elisabeth Prelog-Igler, Yossi Nachman, Susi Rosenberg, Max Nientiedt, Tammy Yusupov, Claudia Buro.

Ganz besonderer Dank gebührt Christiane Reinstrom für die Koordination der Arbeiten und dem inhaltlichen Abgleich an die englische Übersetzung, Eduard Yusupov für die exakte Angleichung der deutschen Übersetzung an das hebräische Original und Charlotte Danieli für Ihre intensive Zusammenarbeit mit dem Kamphausen Verlag.

  Dr. Michael Laitman

 

Shamati 1: Es gibt nichts außer Ihm - Ein Od Milvado

Ich hörte zum 1. Teil des Wochenabschnitts Jitro, am 6. Februar 1944


Es steht geschrieben: „Es gibt nichts außer Ihm“, was bedeutet, dass es keine andere Kraft in der Welt gibt, die über eine Möglichkeit verfügen würde, etwas gegen den Schöpfer zu tun. Und wenn der Mensch sieht, dass es in der Welt Dinge und Kräfte gibt, welche die Existenz der Höheren Kräfte verneinen, so ist der Grund dafür, dass so der Wille des Schöpfers ist.

Und dies gilt als eine Methode der Korrektur, die heißt „die linke Hand stößt weg, und die rechte Hand zieht heran“, was bedeutet, dass das, was die Linke wegstößt, als Korrektur erachtet wird. Das heißt, dass es in der Welt Dinge gibt, die von vornherein kommen, um den Menschen vom rechten Weg abzulenken und durch welche er von der Heiligkeit abgestoßen wird.

Und der Nutzen der Zurückweisungen besteht darin, dass mit ihrer Hilfe der Mensch ein Bedürfnis erhält und ein volles Verlangen danach, dass der Schöpfer ihm helfen möge, weil er sieht, dass er nicht mehr weiter weiß. Nicht nur, dass er nicht in der Arbeit vorankommt – er sieht, dass er sich zurückentwickelt, das heißt, er hat nicht einmal die Kraft, Tora und Mizwot[1] im Aspekt von lo liShma[2] auszuführen. Und [er sieht], dass er nur durch wahre Überwindung aller Hindernisse durch den Glauben über dem Verstand Tora und Mizwot ausführen kann.

Nicht immer hat er jedoch die Überwindungskraft im Glauben über dem Verstand [zu handeln]. Ohne sie müsste er, Gott behüte, vom Weg des Schöpfers abweichen, sogar von lo liShma.

Und derjenige, der immer denkt, das Zerbrochene sei größer als das Ganze, dass es also mehr Abstiege als Aufstiege gäbe, sieht nicht, dass diese Zustände ein Ende nehmen würden. Und er wird immer außerhalb der Heiligkeit verbleiben, weil er sieht, dass es ihm schwerfällt, auch nur die kleinste spirituelle Handlung auszuführen, denn nur durch die Überwindung kraft des Glaubens über dem Verstand wäre dies möglich. Und wie wird das Ende sein?

Dann gelangt er zu dem Entschluss, dass es niemanden gibt, der ihm helfen kann – außer dem Schöpfer Selbst. Das führt dazu, dass in seinem Herzen eine wahre Forderung an den Schöpfer entsteht, dass Er ihm seine Augen und sein Herz öffnen und ihn tatsächlich an eine ewige Anhaftung mit Ihm annähern möge. Folglich stellt sich heraus, dass alle von ihm erfahrenen Zurückweisungen vom Schöpfer kamen.

Das heißt nicht, dass er schlecht war und keine Fähigkeit zur Überwindung hatte. Und nur jemandem, der sich tatsächlich dem Schöpfer nähern will, um sich nicht mit dem Wenigen zufrieden zu geben, das heißt, damit er nicht auf der Stufe eines kleinen, unvernünftigen Jungen bleibt, gibt man Hilfe von Oben, damit er nicht sagen kann, dass er nun Tora und Mizwot und gute Taten habe, und was brauche er noch mehr?

Und es ist genauso, wenn der Mensch tatsächlich ein wahres Verlangen hat. Dann bekommt ein solcher Mensch Hilfe von Oben, und man zeigt ihm immer, wie er im jetzigen Zustand im Unrecht ist, das bedeutet, man sendet ihm Gedanken und Meinungen, die gegen die Arbeit gerichtet sind. All das nur, damit er sieht, dass er nicht Eins ist mit dem Schöpfer.

Und wie sehr er das auch überwinden möge, sieht er doch immer, dass er sich in einem Zustand fern der Heiligkeit befindet, verglichen mit anderen Arbeitenden, welche fühlen, dass sie in voller Einheit mit dem Schöpfer sind. Während er dagegen immer Klagen und Ansprüche hat, und das Verhalten des Schöpfers sich gegenüber nicht rechtfertigen kann.

Und es schmerzt ihn, dass er nicht Eins ist mit dem Schöpfer, bis er zu dem Gefühl gelangt, dass er absolut keinen Anteil an der Heiligkeit hat.

Und obwohl er eine gewisse Erweckung von Oben erhält, was ihn für eine gewisse Zeit belebt, so fällt er sofort in die Niedrigkeit zurück. Aber gerade dies macht ihm bewusst, dass nur der Schöpfer helfen kann, ihn an Sich anzunähern.

Der Mensch muss sich immer bemühen, den Weg zu gehen, auf dem er sich in Verschmelzung mit dem Schöpfer befindet, dass also alle seine Gedanken beim Schöpfer sind. Und selbst wenn er sich im schlimmsten Zustand befindet, wenn es keinen größeren Abstieg als diesen geben kann, darf er nicht aus der Herrschaft des Schöpfers austreten! Also [er darf nicht] behaupten, es gäbe eine andere Macht, die ihn nicht in die Heiligkeit eintreten lasse, und es in deren Kraft stünde, Gutes oder Böses zu tun. Das bedeutet, man darf nicht denken, dass Sitra Achra[3] über Kraft verfüge – dass es sie wäre, die den Menschen daran hindere, gute Taten auszuführen und den Weg des Schöpfers zu gehen, sondern im Gegenteil: Alles wurde vom Schöpfer gemacht.

Und wie Baal Shem Tow schrieb: „Derjenige, der sagt, dass es in der Welt eine andere Kraft gibt, also Klipot[4], dieser Mensch steht auf der Stufe, und ‚ihr dientet fremden Göttern.‘“ Und nicht durch Gedanken des Unglaubens begeht er ein Verbrechen, sondern er sündigt, indem er denkt, dass es eine andere Macht und Kraft außer der des Schöpfers gibt.

Mehr als das: Derjenige, der sagt, dass der Mensch über eigene Macht verfügt, das heißt, der sagt, dass er gestern selbst nicht den Weg des Schöpfers gehen wollte – auch für ihn gilt, dass er das Verbrechen des Unglaubens begeht; mit anderen Worten, dass er nicht glaubt, dass der Schöpfer allein Herr der Welt ist.

Doch wenn er gesündigt hat, dann muss er natürlich bereuen und bedauern, dass er das Gesetz gebrochen hat. Und hier muss man auch Bedauern und Schmerz ins rechte Licht rücken – in welchem Punkt er den Grund sieht, der ihn zur Sünde führte, denn es ist dieser Punkt, den er bedauern muss.

Dann muss der Mensch bereuen und sagen, dass er gesündigt hatte, weil der Schöpfer ihn von der Heiligkeit an einen schmutzigen Ort zurückwarf, in den Schmutz, den Platz von Abfällen. Mit anderen Worten: Der Schöpfer gab dem Menschen das Verlangen und die Sehnsucht, sich zu vergnügen und die Luft des stinkenden Ortes zu atmen.

(Und man kann sagen, dass aus einigen Stellen in Büchern hervorgeht, dass der Mensch manchmal als Schwein in diese Welt wiedergeboren wird. Das Gesagte muss man wie folgt erklären: Der Mensch bekommt das Verlangen, das zu genießen, was er bereits als Abfall bezeichnet hat, doch nun will er sich wieder davon ernähren.)

Und wenn der Mensch spürt, dass er sich gerade in einem Aufstieg befindet und ein wenig den Geschmack an der Arbeit fühlt, dann soll er nicht sagen: „Nun befinde ich mich in einem Zustand, in dem ich verstehe, dass es sich lohnt, Diener des Schöpfers zu sein.“ Vielmehr muss er wissen, dass er jetzt Gnade in den Augen des Schöpfers fand und der Schöpfer ihn deswegen annähert und er deswegen jetzt Geschmack an der Arbeit verspürt. Doch er soll darauf Acht geben, niemals aus der Macht der Heiligkeit auszutreten, indem er sagt, dass es noch jemanden außer dem Schöpfer gibt, der handelt und wirkt.

(Doch daraus folgt, dass Wohlgefallen in den Augen des Schöpfers zu finden oder umgekehrt, nicht vom Menschen selbst abhängt, sondern vom Schöpfer. Und warum er jetzt das Wohlgefallen des Schöpfers hat und dann wieder nicht – das zu verstehen liegt nicht in der Macht des Menschen mit seinem äußerlichen Verstand.)

In der Zeit, in der er bedauert, dass der Schöpfer ihn nicht annähert, soll er sich auch davor hüten, dies sich selbst zuzuschreiben, da er sich dadurch vom Schöpfer entfernt, denn er beginnt, für sich selbst zu empfangen. Und der Empfänger ist entfernt und muss das Exil der Shechina[5] bedauern, das heißt, dass er der Shechina Leiden zufügt.

Der Mensch soll es sich so vorstellen, dass, an welchem kleinen Organ es den Menschen auch schmerzt, dieser Schmerz immer vor allem im Verstand und im Herzen wahrgenommen wird; denn das Herz und der Verstand sind das Wesen des Menschen. Natürlich kann man die Kraft der Empfindung eines einzelnen Organs nicht mit der Kraft der Empfindung des menschlichen Organismus als Ganzen vergleichen, in dem hauptsächlich der Schmerz verspürt wird.

Gleiches gilt auch für den Schmerz, den der Mensch empfindet, weil er der Shechina fern ist. Denn der Mensch ist nur ein einzelnes Organ der heiligen Shechina, da die heilige Shechina die Gesamtheit der Seelen Israels darstellt. Daher ist die Empfindung eines Einzelschmerzes nicht zu vergleichen mit der Empfindung des allgemeinen Schmerzes. Das bedeutet, dass es die Shechina schmerzt, wenn ihre Organe von ihr entfernt sind und sie nicht alle ihre Organe versorgen kann.

(Man muss hier erwähnen, dass gerade hierüber die Weisen sagten: „Was sagt die Shechina in der Zeit, da der Mensch bedauert? – Es ist leichter als mein Haupt.“) Und indem er das Bedauern über die Entfernung nicht sich selbst zuschreibt, rettet er sich davor, in die Macht des Willens für sich zu empfangen zu geraten, welcher die Eigenschaft darstellt, die ihn von der Heiligkeit entfernt.

Das gleiche gilt, wenn der Mensch sich der Heiligkeit ein wenig nahe fühlt und er Freude daran hat, des Wohlwollens des Schöpfers würdig geworden zu sein. Auch dann ist ihm die Verpflichtung auferlegt zu sagen, dass das Wichtigste an seiner Freude darin besteht, dass es jetzt Oben, bei der heiligen Shechina Freude darüber gibt, dass sie ihn, ihr Einzelorgan, an sich annähern kann und ihn nicht nach außen wegstoßen muss.

Weil der Mensch würdig wurde, der Shechina Freude zu bereiten, freut auch er sich. Und das folgt der gleichen Weise wie Oben beschrieben, da die Freude des Einzelnen nur ein Teil jener Freude ist, die das Ganze hat. Mit Hilfe dieser Berechnungen verliert er seine Individualität und gerät nicht in die Macht von Sitra Achra, welche den Willen darstellt, für den eigenen Nutzen zu empfangen.

Der Wille zu empfangen stellt eine Notwendigkeit dar, weil das der ganze Mensch ist (denn alles, was es im Menschen außer diesem Wunsch gibt, gehört nicht zum Geschöpf, sondern wir führen es auf den Schöpfer zurück), doch der Wille, Genuss zu empfangen, muss korrigiert, altruistisch, um des Gebens willen sein. Das heißt, der Genuss und die Freude, welche der Wille zu empfangen empfindet, müssen darauf ausgerichtet sein, dass es Genuss im Himmel gibt, weil das Geschöpf genießt, da eben dies das Schöpfungsziel war – den Geschöpfen Genuss zu schenken. Und das wird als Freude der Shechina in der Höheren Welt bezeichnet.

Daher ist dem Menschen die Verpflichtung auferlegt, sich Ratschläge zu holen, wie er dem Schöpfer Genuss bereiten kann, und natürlich, wenn er einen Genuss haben wird, wird auch der Schöpfer diesen fühlen. Daher soll er immer danach streben, im Gemach des Schöpfers zu weilen und die Möglichkeit zu haben, sich in den Schatzkammern des Schöpfers zu vergnügen, wodurch er natürlich auch dem Schöpfer Genuss bereiten wird. Somit müssen all seine Bestrebungen um des Schöpfers willen sein.



[1] das Empfangen des Lichtes mit Hilfe der Korrektur der Verlangen

[2] nicht für den Namen der Tora

[3] die andere, die schlechte Seite, steht der guten Seite gegenüber

[4] böse Hüllen, unreine Kräfte

[5] göttliche Gegenwart

Ich hörte zum 1. Teil des Wochenabschnitts Jitro, am 6. Februar 1944


Es steht geschrieben: „Es gibt nichts außer Ihm“, was bedeutet, dass es keine andere Kraft in der Welt gibt, die über eine Möglichkeit verfügen würde, etwas gegen den Schöpfer zu tun. Und wenn der Mensch sieht, dass es in der Welt Dinge und Kräfte gibt, welche die Existenz der Höheren Kräfte verneinen, so ist der Grund dafür, dass so der Wille des Schöpfers ist.

Und dies gilt als eine Methode der Korrektur, die heißt „die linke Hand stößt weg, und die rechte Hand zieht heran“, was bedeutet, dass das, was die Linke wegstößt, als Korrektur erachtet wird. Das heißt, dass es in der Welt Dinge gibt, die von vornherein kommen, um den Menschen vom rechten Weg abzulenken und durch welche er von der Heiligkeit abgestoßen wird.

Und der Nutzen der Zurückweisungen besteht darin, dass mit ihrer Hilfe der Mensch ein Bedürfnis erhält und ein volles Verlangen danach, dass der Schöpfer ihm helfen möge, weil er sieht, dass er nicht mehr weiter weiß. Nicht nur, dass er nicht in der Arbeit vorankommt – er sieht, dass er sich zurückentwickelt, das heißt, er hat nicht einmal die Kraft, Tora und Mizwot1 im Aspekt von lo liShma2 auszuführen. Und [er sieht], dass er nur durch wahre Überwindung aller Hindernisse durch den Glauben über dem Verstand Tora und Mizwot ausführen kann.

Nicht immer hat er jedoch die Überwindungskraft im Glauben über dem Verstand [zu handeln]. Ohne sie müsste er, Gott behüte, vom Weg des Schöpfers abweichen, sogar von lo liShma.


Und derjenige, der immer denkt, das Zerbrochene sei größer als das Ganze, dass es also mehr Abstiege als Aufstiege gäbe, sieht nicht, dass diese Zustände ein Ende nehmen würden. Und er wird immer außerhalb der Heiligkeit verbleiben, weil er sieht, dass es ihm schwerfällt, auch nur die kleinste spirituelle Handlung auszuführen, denn nur durch die Überwindung kraft des Glaubens über dem Verstand wäre dies möglich. Und wie wird das Ende sein?

Dann gelangt er zu dem Entschluss, dass es niemanden gibt, der ihm helfen kann – außer den Schöpfer Selbst. Das führt dazu, dass in seinem Herzen eine wahre Forderung an den Schöpfer entsteht, dass Er ihm seine Augen und sein Herz öffnen und ihn tatsächlich an eine ewige Anhaftung mit Ihm annähern möge. Folglich stellt sich heraus, dass alle von ihm erfahrenen Zurückweisungen vom Schöpfer kamen.

Das heißt nicht, dass er schlecht war und keine Fähigkeit zur Überwindung hatte. Und nur jemandem, der sich tatsächlich dem Schöpfer nähern will, um sich nicht mit dem Wenigen zufrieden zu geben, das heißt, damit er nicht auf der Stufe eines kleinen, unvernünftigen Jungen bleibt, gibt man Hilfe von Oben, damit er nicht sagen kann, dass er nun Tora und Mizwot und gute Taten habe, und was brauche er noch mehr?

Und es ist genauso, wenn der Mensch tatsächlich ein wahres Verlangen hat. Dann bekommt ein solcher Mensch Hilfe von Oben, und man zeigt ihm immer, wie er im jetzigen Zustand im Unrecht ist, das bedeutet, man sendet ihm Gedanken und Meinungen, die gegen die Arbeit gerichtet sind. All das nur, damit er sieht, dass er nicht Eins ist mit dem Schöpfer.

Und wie sehr er das auch überwinden möge, sieht er doch immer, dass er sich in einem Zustand fern der Heiligkeit befindet, verglichen mit anderen Arbeitenden, welche fühlen, dass sie in voller Einheit mit dem Schöpfer sind. Während er dagegen immer Klagen und Ansprüche hat, und das Verhalten des Schöpfers sich gegenüber nicht rechtfertigen kann.

Und es schmerzt ihn, dass er nicht Eins ist mit dem Schöpfer, bis er zu dem Gefühl gelangt, dass er absolut keinen Anteil an der Heiligkeit hat.

Und obwohl er eine gewisse Erweckung von Oben erhält, was ihn für eine gewisse Zeit belebt, so fällt er sofort in die Niedrigkeit zurück. Aber gerade dies macht ihm bewusst, dass nur der Schöpfer helfen kann, ihn an Sich anzunähern.

Der Mensch muss sich immer bemühen, den Weg zu gehen, auf dem er sich in Verschmelzung mit dem Schöpfer befindet, dass also alle seine Gedanken beim Schöpfer sind. Und selbst wenn er sich im schlimmsten Zustand befindet, wenn es keinen größeren Abstieg als diesen geben kann, darf er nicht aus der Herrschaft des Schöpfers austreten! Also [er darf nicht] behaupten, es gäbe eine andere Macht, die ihn nicht in die Heiligkeit eintreten lasse, und es in deren Kraft stünde, Gutes oder Böses zu tun. Das bedeutet, man darf nicht denken, dass Sitra Achra3 über Kraft verfüge – dass es sie wäre, die den Menschen daran hindere, gute Taten auszuführen und den Weg des Schöpfers zu gehen, sondern im Gegenteil: Alles wurde vom Schöpfer gemacht.

Und wie Baal Shem Tow schrieb: „Derjenige, der sagt, dass es in der Welt eine andere Kraft gibt, also Klipot 4 dieser Mensch steht auf der Stufe: ‚Und ihr dientet fremden Göttern‘.“ Und nicht durch Gedanken des Unglaubens begeht er ein Verbrechen, sondern er sündigt, indem er denkt, dass es eine andere Macht und Kraft außer der des Schöpfers gibt.

Mehr als das: Derjenige, der sagt, dass der Mensch über eigene Macht verfügt, das heißt, der sagt, dass er gestern selbst nicht den Weg des Schöpfers gehen wollte – auch für ihn gilt, dass er das Verbrechen des Unglaubens begeht; mit anderen Worten, dass er nicht glaubt, dass der Schöpfer allein Herr der Welt ist.

Doch wenn er gesündigt hat, dann muss er natürlich bereuen und bedauern, dass er das Gesetz gebrochen hat. Und hier muss man auch Bedauern und Schmerz ins rechte Licht rücken – in welchem Punkt er den Grund sieht, der ihn zur Sünde führte, denn es ist dieser Punkt, den er bedauern muss.

Dann muss der Mensch bereuen und sagen, dass er gesündigt hatte, weil der Schöpfer ihn von der Heiligkeit an einen schmutzigen Ort zurückwarf, in den Schmutz, den Platz von Abfällen. Mit anderen Worten: Der Schöpfer gab dem Menschen das Verlangen und die Sehnsucht, sich zu vergnügen und die Luft des stinkenden Ortes zu atmen.

(Und man kann sagen, dass aus einigen Stellen in Büchern hervorgeht, dass der Mensch manchmal als Schwein in diese Welt wiedergeboren wird. Das Gesagte muss man wie folgt erklären: Der Mensch bekommt das Verlangen, das zu genießen, was er bereits als Abfall bezeichnet hat, doch nun will er sich wieder davon ernähren.)

Und wenn der Mensch spürt, dass er sich gerade in einem Aufstieg befindet und ein wenig den Geschmack an der Arbeit fühlt, dann soll er nicht sagen: „Nun befinde ich mich in einem Zustand, in dem ich verstehe, dass es sich lohnt, Diener des Schöpfers zu sein.“ Vielmehr muss er wissen, dass er jetzt Gnade in den Augen des Schöpfers fand und der Schöpfer ihn deswegen annähert und er deswegen jetzt Geschmack an der Arbeit verspürt. Doch er soll darauf Acht geben, niemals aus der Macht der Heiligkeit auszutreten, indem er sagt, dass es noch jemanden außer dem Schöpfer gibt, der handelt und wirkt.

(Doch daraus folgt, dass Wohlgefallen in den Augen des Schöpfers zu finden oder umgekehrt, nicht vom Menschen selbst abhängt, sondern vom Schöpfer. Und warum er jetzt das Wohlgefallen des Schöpfers hat und dann wieder nicht – das zu verstehen liegt nicht in der Macht des Menschen mit seinem äußerlichen Verstand.)

In der Zeit, in der er bedauert, dass der Schöpfer ihn nicht annähert, soll er sich auch davor hüten, dies sich selbst zuzuschreiben, da er sich dadurch vom Schöpfer entfernt, denn er beginnt, für sich selbst zu empfangen. Und der Empfänger ist entfernt und muss das Exil der Shechina5 bedauern, das heißt, dass er der Shechina Leiden zufügt.

Der Mensch soll es sich so vorstellen, dass, an welchem kleinen Organ es den Menschen auch schmerzt, dieser Schmerz immer vor allem im Verstand und im Herzen wahrgenommen wird; denn das Herz und der Verstand sind das Wesen des Menschen. Natürlich kann man die Kraft der Empfindung eines einzelnen Organs nicht mit der Kraft der Empfindung des menschlichen Organismus als Ganzen vergleichen, in dem hauptsächlich der Schmerz verspürt wird.

Gleiches gilt auch für den Schmerz, den der Mensch empfindet, weil er der Shechina fern ist. Denn der Mensch ist nur ein einzelnes Organ der heiligen Shechina, da die heilige Shechina die Gesamtheit der Seelen Israels darstellt. Daher ist die Empfindung eines Einzelschmerzes nicht zu vergleichen mit der Empfindung des allgemeinen Schmerzes. Das bedeutet, dass es die Shechina schmerzt, wenn ihre Organe von ihr entfernt sind und sie nicht alle ihre Organe versorgen kann.

(Man muss hier erwähnen, dass gerade hierüber die Weisen sagten: „Was sagt die Shechina in der Zeit, da der Mensch bedauert? – Es ist leichter als mein Haupt.“) Und indem er das Bedauern über die Entfernung nicht sich selbst zuschreibt, rettet er sich davor, in die Macht des Willens für sich zu empfangen zu geraten, welcher die Eigenschaft darstellt, die ihn von der Heiligkeit entfernt.

Das gleiche gilt, wenn der Mensch sich der Heiligkeit ein wenig nahe fühlt und er Freude daran hat, des Wohlwollens des Schöpfers würdig geworden zu sein. Auch dann ist ihm die Verpflichtung auferlegt zu sagen, dass das Wichtigste an seiner Freude darin besteht, dass es jetzt Oben, bei der heiligen Shechina Freude darüber gibt, dass sie ihn, ihr Einzelorgan, an sich annähern kann und ihn nicht nach außen wegstoßen muss.

Weil der Mensch würdig wurde, der Shechina Freude zu bereiten, freut auch er sich. Und das folgt der gleichen Weise wie Oben beschrieben, da die Freude des Einzelnen nur ein Teil jener Freude ist, die das Ganze hat. Mit Hilfe dieser Berechnungen verliert er seine Individualität und gerät nicht in die Macht von Sitra Achra, welche den Willen darstellt, für den eigenen Nutzen zu empfangen.

Der Wille zu empfangen stellt eine Notwendigkeit dar, weil das der ganze Mensch ist (denn alles, was es im Menschen außer diesem Wunsch gibt, gehört nicht zum Geschöpf, sondern wir führen es auf den Schöpfer zurück), doch der Wille, Genuss zu empfangen, muss korrigiert, altruistisch, um des Gebens willen sein. Das heißt, der Genuss und die Freude, welche der Wille zu empfangen empfindet, müssen darauf ausgerichtet sein, dass es Genuss im Himmel gibt, weil das Geschöpf genießt, da eben dies das Schöpfungsziel war – den Geschöpfen Genuss zu schenken. Und das wird als Freude der Shechina in der Höheren Welt bezeichnet.

Daher ist dem Menschen die Verpflichtung auferlegt, sich Ratschläge zu holen, wie er dem Schöpfer Genuss bereiten kann, und natürlich, wenn er einen Genuss haben wird, wird auch der Schöpfer diesen fühlen. Daher soll er immer danach streben, im Gemach des Schöpfers zu weilen und die Möglichkeit zu haben, sich in den Schatzkammern des Schöpfers zu vergnügen, wodurch er natürlich auch dem Schöpfer Genuss bereiten wird. Somit müssen all seine Bestrebungen um des Schöpfers willen sein.



[1] das Empfangen des Lichtes mit Hilfe der Korrektur der Verlangen

[2] nicht für den Namen der Tora

[3] die andere, die schlechte Seite, steht der guten Seite gegenüber

[4] böse Hüllen, unreine Kräfte

[5] göttliche Allgegenwart


 
 

Shamati 2 Shechina im Exil

Ich hörte im Jahr 1942

Der heilige Sohar sagt: „Er ist Shochen (Bewohner) und sie ist die Shechina (göttliche Gegenwart).“ Wir müssen diese Worte wie folgt interpretieren: Es ist bezüglich des Höheren Lichtes bekannt, dass man sagt, dass es in ihm keine Veränderungen gibt, wie es geschrieben steht: „Ich, der Schöpfer, verändere mich nicht.“ Alle Namen und Bezeichnungen beziehen sich nur auf die Kelim, die den in Malchut enthaltenen Willen zu empfangen darstellen, wobei Malchut die Wurzel der Schöpfung ist. Und von dort geht er aus und steigt er herab bis in diese Welt (Olam haSe), zu den Geschöpfen.

All diese Unterscheidungen, beginnend von Malchut, welche die Wurzel der Schöpfung der Welten ist, bis zu den Geschöpfen, werden Shechina genannt. Die allgemeine Korrektur besteht darin, dass das Höhere Licht in ihnen in äußerster Vollkommenheit scheinen wird. 

Und das Licht, welches in den Kelim scheint, heißt Shochen. Die Kelim werden im Allgemeinen Shechina genannt. Das heißt, dass das Licht inmitten der Shechina wohnt (Shochen). Das bedeutet, dass das Licht aus dem Grund Shochen genannt wird, weil es inmitten der Kelim wohnt. Somit wird die Gesamtheit der Kelim als Shechina bezeichnet.

Jene Zeit, bevor das Licht in ihnen in äußerster Vollkommenheit scheint, wird als „Zeit der Korrekturen“ bezeichnet. Das bedeutet, dass wir Korrekturen vollziehen, sodass das Licht in ihnen in Vollkommenheit scheinen kann. Und bis dahin bezeichnet man diesen Zustand als „Shechina im Exil.“ Das heißt, dass es in den Höheren Welten noch keine Vollkommenheit gibt.

Und unten, in dieser Welt (Olam haSe), sollte der Zustand sein, in dem das Höhere Licht im Willen zu empfangen weilt. Diese Korrektur wird als Empfangen, um zu geben erachtet. 

In der Zwischenzeit ist der Wille zu empfangen mit schändlichen und närrischen Dingen gefüllt, die keinen Platz schaffen, an dem die Herrlichkeit des Himmels offenbart werden kann. Das bedeutet, dass dort, wo das Herz zum Zelt der Begegnung mit dem Licht des Schöpfers werden sollte, es zu einem Ort von Abfall und Schmutz wird. Mit anderen Worten: Die Unwürdigkeit ergreift das ganze Herz. Das heißt „Shechina im Staub.“

Das heißt, dass sie zu Staub erniedrigt ist und jeder die Angelegenheiten der Heiligkeit verabscheut, und es besteht keinerlei Verlangen und Lust, sie aus dem Staub zu erheben, sondern im Gegenteil – es werden schändliche Dinge bevorzugt. Und das verursacht das Leiden der Shechina, weil man ihr keinen Platz im Herzen gibt, um ein Zelt der Begegnung für das Licht des Schöpfers zu sein.

 

Shamati 3: Das Wesen der spirituellen Erkenntnis

Ich hörte
Wir unterscheiden eine Vielzahl von Stufen und Kategorien in den Welten. Man muss wissen, dass immer, wenn die Rede von Stufen und Unterscheidungen ist, es sich um die Standpunkte des Erfassens durch die Seelen in den Welten handelt und dies in Übereinstimmung mit der Regel: „Das, was wir nicht erfassen, können wir nicht beim Namen nennen.“ Somit verweist das Wort „Name“ auf das Erfassen, ähnlich dem, wie der Mensch einer Sache erst dann den Namen gibt, wenn er davon etwas gemäß seines Erfassens begriffen hat.

Infolgedessen teilt sich die gesamte Realität vom Standpunkt des spirituellen Erfassens aus in drei Unterscheidungen:

  1. Azmuto (Sein Wesen)
  2. Ejn Sof (Unendlichkeit )
  3. Die Seelen
  1. Über Azmuto sprechen wir überhaupt nicht, da die Wurzel und der Ort der Schöpfung mit dem Schöpfungsgedanken beginnen, in dem sie in der Bedeutung von „Das Ende der Handlung liegt im Ursprungsgedanken“ eingeschlossen sind.
  2. Ejn Sof stellt den Schöpfungsgedanken dar, in der Bedeutung „Seines Wunsches, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.“ Dies wird als Ejn Sof bezeichnet, und genau dies ist die Verbindung zwischen Azmuto und den Seelen. Wir verstehen diese Verbindung für uns in dem Geheimnis des „Wunsches, den Geschöpfen Freude und Genuss zu schenken.“ Ejn Sof ist der Anfang des gesamten Prozesses und heißt „Licht ohne Kli.“ Aber darin liegt die Wurzel der Geschöpfe, also die Verbindung zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen, genannt „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.“ Dieser Wunsch beginnt in der Welt Ejn Sof und setzt sich fort bis zur Welt Assija.
  3. Die Seelen sind die Empfänger des Guten, welches in Seinem Wunsch Gutes zu tun enthalten ist.

Ejn Sof wird so genannt, weil dies jene Verbindung darstellt, die zwischen Azmuto und den Seelen existiert, und von uns als „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ verstanden wird. Und alles, was über diesen Wunsch hinausgeht, besprechen wir nicht. Ejn Sof ist der Anfang des gesamten Prozesses, welcher „Licht ohne Kli“ genannt wird. Dort fängt die Wurzel der Geschöpfe an, das heißt die Verbindung zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen, die wir „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ nennen. Dieser Wunsch beginnt in der Welt Ejn Sof und setzt sich fort bis zur Welt Assija.

Alle Welten an sich werden als „Licht ohne Kli“ definiert, worüber nicht gesprochen werden kann. Sie werden als Azmuto definiert, und man kann dort nichts erfassen.

Staune aber nicht, dass wir dort eine Vielzahl an Unterscheidungen treffen: Diese Unterscheidungen existieren dort potentiell. Und wenn dann die Seelen kommen, werden diese Unterscheidungen von ihnen enthüllt; sie bekommen die Höheren Lichter je nach dem, was sie korrigiert und geordnet haben. Somit haben die Seelen die Möglichkeit, diese zu empfangen – je nach ihrer eigenen Fähigkeit und Eignung. Und dann werden diese Unterscheidungen tatsächlich enthüllt. Aber in der Zeit, in welcher die Seelen das Höhere Licht [noch] nicht erfassen, werden sie noch als Azmuto angesehen.

Hinsichtlich der Seelen, die von den Welten empfangen, werden die Welten als „Ejn Sof“ bezeichnet. Denn die Verbindung, die zwischen den Welten und den Seelen besteht, also das, was die Welten den Seelen geben, stammt vom Schöpfungsgedanken, der die Wechselbeziehung zwischen Azmuto und den Seelen darstellt.

Wie bereits erwähnt wurde, nennen wir diese Verbindung „Ejn Sof.“ Wenn wir beten und den Schöpfer bitten, uns zu helfen und uns das Gewünschte zu geben, so beziehen wir uns auf Ejn Sof. Dort ist die Wurzel der Geschöpfe, die ihnen Freude und Genuss schenken will, genannt „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.“

Das Gebet richtet sich an den Schöpfer, der uns geschaffen hat. Sein Name ist „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.“ Er wird „Ejn Sof“ genannt, weil die Rede von dem Zustand vor der Einschränkung (Zimzum) ist. Sogar nach der Einschränkung fand in Ihm keinerlei Veränderung statt, so wie sich im Licht nichts verändert, und Er behält diesen Namen für immer.

Die ganze Vielfalt der Namen ergibt sich nur im Bezug auf die Empfänger. Deswegen ist der erste Name, der als die Wurzel der Geschöpfe enthüllt wird, Ejn Sof. Und dieser Name bleibt unverändert. Alle Einschränkungen und die gesamte Vielfalt der Veränderungen erfolgen nur in Bezug auf die Empfänger. Er dagegen leuchtet immer und endlos mit Seinem ersten Namen, welcher „Sein Wunsch, seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ ist. Deswegen beten wir zu dem Schöpfer, der Ejn Sof genannt wird, der ohne Einschränkung und ohne Ende leuchtet. Das Ende, welches anschließend gemacht wurde, ist die Korrektur für die Empfänger, damit sie Sein Licht empfangen können.

Das Höhere Licht besteht aus zwei Unterscheidungen: „Erfassender“ und „Erfasstes.“ Alles, was wir über das Licht zu sagen vermögen, geht vom Eindruck des Erfassenden von dem Erfassten aus. Doch keinen von beiden für sich allein – weder den Erfassenden noch das Erfasste – nennt man Ejn Sof. Vielmehr wird das Erfasste „Azmuto“ und der Erfassende als „Seelen“ bezeichnet. Es ist eine erneuerte Unterscheidung, welche ein Teil des Ganzen ist. Die Erneuerung besteht darin, dass in ihr der Wunsch zu empfangen abgedruckt ist. In diesem Sinne nennt man das Geschöpf „Jesh mi Ajn“ (Etwas aus Nichts).

Die Welten an sich werden als einfache Einheit definiert und es gibt keine Veränderung im Göttlichen. Dies ist die tiefe Bedeutung von „Ich, HaWaYaH, der Schöpfer, habe mich nicht verändert.“ In der Göttlichkeit gibt es keine Sefirot und Unterscheidungen.

Sogar die feinsten Bezeichnungen beziehen sich nicht auf das Licht selbst, weil es eine Unterscheidung von Azmuto ist, die nicht erfassbar ist. Sondern alle Sefirot und Unterscheidungen, über die gesprochen wird, beziehen sich auf das, was der Mensch in Ihm enthüllt hat. Denn der Schöpfer wollte, dass wir diese Fülle erfassen und als tiefe Bedeutung „Seines Wunsches, den Geschöpfen Gutes zu tun“ verstehen.

Um das erfassen zu können, was Er uns als „Seinen Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ zu erfassen und zu verstehen wünschte, hat Er diese Sinnesorgane geschaffen und uns gegeben, und diese Sinnesorgane erfassen ihre Eindrücke vom Höheren Licht.

Dementsprechend wurden uns viele Unterscheidungen gegeben, weil das allgemeine Sinnesorgan als Wille zu empfangen definiert wird. Er unterteilt sich in viele Einzelheiten, je nachdem, wie viel die Empfänger empfangen können. Daraus resultieren die vielen Unterteilungen und Einzelheiten, genannt Aufstiege und Abstiege, Ausbreitung und Verschwinden usw.

Da der Wunsch zu empfangen als „Geschöpf“ und „neuer Aspekt“ bezeichnet wird, beginnt das Sprechen genau an der Stelle, wo der Wunsch zu empfangen anfängt, Eindrücke zu empfangen. Das Sprechen stellt Unterscheidungen und Teile der Eindrücke dar. Denn hier gibt es bereits eine Wechselwirkung zwischen dem Licht und dem Willen zu empfangen.

Dies wird „Licht und Kli“ genannt. Doch über das Licht ohne Kli kann nicht gesprochen werden, da ein Licht, welches nicht vom Empfänger erfasst wird, als Azmuto gilt, worüber jegliche Äußerung verboten ist, da es unerreichbar ist. Und wie könnten wir etwas mit einem Namen versehen, das wir nicht erfassen?

Daraus lernen wir, dass wir zwei Dinge unterscheiden müssen, wenn unser Gebet an den Schöpfer die Bitte um Rettung, Heilung usw. enthält:

  1. den Schöpfer;
  2. das, was sich von Ihm ausbreitet.

Über den ersten Aspekt, Azmuto, ist, wie Oben erwähnt, das Sprechen verboten. Der zweite Aspekt ist das, was sich von Ihm ausbreitet. Es wird als das Licht erachtet, das sich in unsere Kelim erstreckt, das heißt in unseren Willen zu empfangen. Dies bezeichnen wir als Ejn Sof, was die Verbindung des Schöpfers mit der Schöpfung ist, genannt „Sein Wille, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.“ Der Wille zu empfangen wird als sich ausbreitendes Licht angesehen, welches letztendlich zum Willen zu empfangen gelangt.

Wenn der Wille zu empfangen das sich ausbreitende Licht empfängt, wird dieses Licht Ejn Sof genannt. Es gelangt zu den Empfängern durch vielerlei Hüllen, damit der Niedere in der Lage ist, es zu empfangen.

Es stellt sich heraus, dass all diese Unterscheidungen und Veränderungen speziell im Empfänger wirksam werden, je nachdem, wie er von diesen beeindruckt wird.
Wir müssen jedoch die besprochenen Dinge unterscheiden. Wenn wir von Aspekten in den Welten sprechen, dann sind dies potentielle Unterscheidungen. Und wenn der Empfänger diese Unterscheidungen erfasst, dann werden sie als „realisiert“ bezeichnet.

Spirituelles Erfassen ergibt sich, wenn Erfasstes und Erfassender zusammentreffen, da es ohne Erfassen keine Form für das Erfasste gibt, da es niemanden gibt, die Form des Erfassten anzunehmen. Daher wird dieser Aspekt Azmuto genannt, wo es keinen Platz für Äußerungen gibt. Wie können wir dann sagen, das Erfasste hätte seine eigene Form?

Wir können nur über die Eindrücke unserer Sinne sprechen, die wir von dem sich ausbreitenden Licht erhalten, welches „Sein Wille, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ ist und tatsächlich in die Hände der Empfänger gelangt – ähnlich wie wenn wir einen Tisch untersuchen. Unser Tastsinn gibt uns den Eindruck von etwas Hartem. Wir messen seine Länge und Breite entsprechend unseren Sinnesorganen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass jemand, der andere Sinnesorgane hat, dies ebenso empfindet. Ein Engel zum Beispiel sieht diesen Tisch mit seinen Sinnen. Darum können wir in Bezug auf einen Engel keine Form festlegen, da wir seine Sinnesorgane nicht kennen.

Da wir folglich kein Erfassen im Schöpfer besitzen, können wir auch nicht die Formen der Welten aus Seiner Perspektive beschreiben. Wir erfassen die Welten nur entsprechend unseren Sinnen und Empfindungen, da es Sein Wille ist, dass wir Ihn auf diese Art erfassen.

Dies ist die Bedeutung von „Das Licht verändert sich nicht“, sondern alle Veränderungen geschehen in den Kelim, in unseren Sinnesorganen. Alles wird gemäß unserer Einbildung bewertet. Wenn also viele Menschen eine spirituelle Sache untersuchen, so wird jeder einzelne diese entsprechend seiner Einbildung und Empfindung erfassen. Somit sieht jeder eine andere Form.

Genauso ändert sich in einem Menschen die Form selbst, je nach seinen Aufstiegen und Abstiegen, so wie Oben erwähnt, dass das Licht Einfaches Licht ist und alle Veränderungen nur im Empfänger stattfinden.

Möge uns Sein Licht gewährt werden und mögen wir auf den Wegen des Schöpfers schreiten und Ihm nicht der Belohnung wegen dienen, sondern um dem Schöpfer Genuss zu bereiten und die Shechina aus dem Staub zu erheben. Möge uns die Anhaftung an den Schöpfer und die Enthüllung des Schöpfers Seinen Geschöpfen gegenüber gewährt werden.

 

Shamati 3 Das Wesen des spirituellen Erfassens/der spirituellen Erkenntnis

 

Ich hörte
Wir unterscheiden eine Vielzahl an Stufen und Kategorien in den Welten. Man muss wissen, dass immer, wenn die Rede von Stufen und Unterscheidungen ist, es sich um die Standpunkte des Erfassens durch die Seelen in den Welten handelt und dies in Übereinstimmung mit der Regel: „Das, was wir nicht erfassen, können wir nicht beim Namen nennen“. Somit verweist das Wort „Name“ auf das Erfassen, ähnlich dem, wie der Mensch einer Sache erst dann den Namen gibt, wenn er davon etwas gemäß seines Erfassens begriffen hat.
Infolgedessen teilt sich die gesamte Realität vom Standpunkt des spirituellen Erfassens aus in drei Unterscheidungen:
1.        Azmuto (Sein Wesen)
2.        Ejn Sof (Unendlichkeit )
3.        Die Seelen


1.        Über Azmuto sprechen wir überhaupt nicht, da die Wurzel und  der Ort der Schöpfung mit dem Schöpfungsgedanken beginnen, in dem sie in der Bedeutung von: „Das Ende der Handlung liegt im Ursprungsgedanken“ eingeschlossen sind.
2.        Ejn Sof stellt den Schöpfungsgedanken dar, in der Bedeutung „Seines Wunsches, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.“ Dies wird als Ejn Sof bezeichnet, und genau dies ist die Verbindung zwischen Azmuto und den Seelen. Wir verstehen diese Verbindung für uns in dem Geheimnis des „Wunsches, den Geschöpfen Freude und Genuss zu schenken“. Ejn Sof ist der Anfang des gesamten Prozesses und heißt „Licht ohne Kli“. Aber darin liegt die Wurzel der Geschöpfe, also die Verbindung zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen, genannt „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Dieser Wunsch beginnt in der Welt Ejn Sof und setzt sich fort bis zur Welt Assija.
3.        Die Seelen sind die Empfänger des Guten, welches in Seinem Wunsch Gutes zu tun enthalten ist.

Ejn Sof wird so genannt, weil dies jene Verbindung darstellt, die zwischen Azmuto und den Seelen existiert und von uns als „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ verstanden wird. Und alles, was über diesen Wunsch hinausgeht, besprechen wir nicht. Ejn Sof ist der Anfang des gesamten Prozesses, welcher „Licht ohne Kli“ genannt wird. Dort fängt die Wurzel der Geschöpfe an, das heißt die Verbindung zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen, die wir „Sein Wunsch Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ nennen. Dieser Wunsch beginnt in der Welt Ejn Sof und setzt sich fort bis zur Welt Assija.

Der obige Absatz ist gleichlautend mit dem, was unter Punkt 2 steht. Ist das so richtig?? eli


Alle Welten an sich werden als „Licht ohne Kli“ definiert, worüber nicht gesprochen werden kann. Sie werden als Azmuto definiert, und man kann dort nichts erfassen.
Staune aber nicht, dass wir dort eine Vielzahl an Unterscheidungen treffen: Diese Unterscheidungen existieren dort potentiell. Und wenn dann die Seelen kommen, werden diese Unterscheidungen von ihnen enthüllt; sie bekommen die Höheren Lichter je nach dem, was sie korrigiert und geordnet haben. Somit haben die Seelen die Möglichkeit, diese zu empfangen - je nach ihrer eigenen Fähigkeit und Eignung. Und dann werden diese Unterscheidungen tatsächlich enthüllt. Aber in der Zeit, in welcher die Seelen das Höhere Licht [noch] nicht erfassen, werden sie noch als Azmuto angesehen.

Hinsichtlich der Seelen, die von den Welten empfangen, werden die Welten als „Ejn Sof“ bezeichnet. Denn die Verbindung, die zwischen den Welten und den Seelen besteht, also das, was die Welten den Seelen geben, stammt vom Schöpfungsgedanken, der die Wechselbeziehung zwischen Azmuto und den Seelen darstellt.


Wie bereits erwähnt wurde, nennen wir diese Verbindung „Ejn Sof“. Wenn wir beten und vom Schöpfer bitten, uns zu helfen und uns das Gewünschte zu geben, so beziehen wir uns zu Ejn Sof. Dort ist die Wurzel der Geschöpfe, die ihnen Freude und Genuss schenken will, genannt „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“.

Das Gebet richtet sich an den Schöpfer, der uns geschaffen hat. Sein Name ist: „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.“ Er wird „Ejn Sof“ genannt, weil die Rede von dem Zustand vor der Einschränkung (Zimzum) ist. Sogar nach der Einschränkung fand in Ihm keinerlei Veränderungen statt, so wie sich im Licht nichts verändert und Er behält diesen Namen für immer.

Die ganze Vielfalt der Namen ergibt sich nur im Bezug auf die Empfänger. Deswegen ist der erste Name, der als die Wurzel der Geschöpfe enthüllt wird, Ejn Sof. Und dieser Name bleibt unverändert. Alle Einschränkungen und die gesamte Vielfalt der Veränderungen erfolgen nur in Bezug auf die Empfänger. Er dagegen leuchtet immer und endlos mit Seinem ersten Namen, welcher „Sein Wunsch, seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ ist. Deswegen beten wir zu dem Schöpfer, der Ejn Sof genannt wird, der ohne Einschränkung und ohne Ende leuchtet. Das Ende, welches anschließend gemacht wurde, ist die Korrektur für die Empfänger, damit sie Sein Licht empfangen können.
Das Höhere Licht besteht aus zwei Unterscheidungen: „Erfassender“ und „Erfasstes“. Alles, was wir über das Licht zu sagen vermögen, geht vom Eindruck des Erfassenden von dem Erfassten aus. Doch keinen von beiden für sich allein – weder den Erfassenden noch das Erfasste - nennt man Ejn Sof. Vielmehr wird das Erfasste „Azmuto“ und der Erfassende als „Seelen“ bezeichnet. Es ist eine erneuerte Unterscheidung, welche ein Teil des Ganzen ist. Die Erneuerung besteht darin, dass in ihr der Wunsch zu empfangen abgedruckt ist. In diesem Sinne nennt man das Geschöpf „Jesh mi Ajn“ (Etwas aus Nichts).

Die Welten an sich werden als einfache Einheit definiert und es gibt keine Veränderung im Göttlichen. Dies ist die tiefe Bedeutung von: „Ich, HaWaYaH, habe mich nicht verändert.“ In der Göttlichkeit gibt es keine Sefirot und Unterscheidungen.

Sogar die feinsten Bezeichnungen beziehen sich nicht auf das Licht selbst, weil es eine Unterscheidung von Azmuto ist, die nicht erfassbar ist. Sondern alle Sefirot und Unterscheidungen, über die gesprochen wird, beziehen sich auf das, was der Mensch in Ihm enthüllt hat. Denn der Schöpfer wollte, dass wir diese Fülle erfassen und als tiefe Bedeutung „Seines Wunsches, den Geschöpfen Gutes zu tun“ verstehen.
Um das erfassen zu können, was Er für uns zu erfassen und zu verstehen wünschte, als „Seines Wunsches, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“, hat Er diese Sinnesorgane geschaffen und uns gegeben, und diese Sinnesorgane erfassen ihre Eindrücke vom Höheren Licht .

Dementsprechend wurden uns viele Unterscheidungen gegeben, weil das allgemeine Sinnesorgan als Wille zu empfangen definiert wird. Er unterteilt sich in viele Einzelheiten, je nachdem, wie viel die Empfänger empfangen können. Daraus resultieren die vielen Unterteilungen und Einzelheiten, genannt Auf- und Abstiege, Ausbreitung und Verschwinden usw.

Da der Wunsch zu empfangen als „Geschöpf“ und „neuer Aspekt“ bezeichnet wird, beginnt das Sprechen genau an der Stelle, wo der Wunsch zu empfangen anfängt, Eindrücke zu empfangen. Das Sprechen stellt Unterscheidungen und Teile der Eindrücke dar. Denn hier gibt es bereits eine Wechselwirkung zwischen dem Licht und dem Willen zu empfangen.

Dies wird „Licht und Kli“ genannt. Doch über das Licht ohne Kli kann nicht gesprochen werden, da ein Licht, welches nicht vom Empfänger erfasst wird, als Azmuto gilt, worüber jegliche Äußerung verboten ist, da es unerreichbar ist. Und wie könnten wir etwas mit einem Namen versehen, das wir nicht erfassen?

Daraus lernen wir, dass wir zwei Dinge unterscheiden müssen, wenn unser Gebet an den Schöpfer die Bitte um Rettung, Heilung und so weiter enthält:
1.        Der Schöpfer
2.        Das, was sich von Ihm ausbreitet.


Über den ersten Aspekt, Azmuto, ist wie oben erwähnt, das Sprechen verboten. Der zweite Aspekt ist das, was sich von Ihm ausbreitet. Es wird als das Licht erachtet, das sich in unsere Kelim erstreckt, das heisst, in unseren Willen zu empfangen. Dies bezeichnen wir als Ejn Sof, was die Verbindung des Schöpfers mit der Schöpfung ist, genannt „Sein Wille, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Der Wille zu empfangen wird als sich ausbreitendes Licht angesehen, welches letztendlich zum Willen zu empfangen gelangt.

Wenn der Wille zu empfangen das sich ausbreitende Licht empfängt, wird dieses Licht Ejn Sof genannt. Es gelangt zu den Empfängern durch vielerlei Hüllen, damit der Niedere in der Lage ist, es zu empfangen.

Es stellt sich heraus, dass all diese Unterscheidungen und Veränderungen speziell im Empfänger wirksam werden, je nachdem, wie er von diesen beeindruckt wird.
Wir müssen jedoch die besprochenen Dinge unterscheiden. Wenn wir von Aspekten in den Welten sprechen, dann sind dies potentielle Unterscheidungen. Und wenn der Empfänger diese Unterscheidungen erfasst, dann werden sie als „realisiert“ bezeichnet.


Spirituelles Erfassen ergibt sich, wenn Erfasstes und Erfassender zusammentreffen, da es ohne Erfassen keine Form für das Erfasste gibt, da es niemanden gibt, die Form des Erfassten anzunehmen. Daher wird dieser Aspekt Azmuto genannt, wo es keinen Platz für Äußerungen gibt. Wie können wir dann sagen, dass das Erfasste seine eigene Form hätte?
Wir können nur über die Eindrücke unserer Sinne sprechen, die wir von dem sich ausbreitenden Licht erhalten, welches „Sein Wille, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ ist und tatsächlich in die Hände der Empfänger gelangt - ähnlich wie wenn wir einen Tisch untersuchen. Unser Tastsinn gibt uns den Eindruck von etwas Hartem. Wir messen seine Länge und Breite entsprechend unseren Sinnesorganen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass jemand, der andere Sinnesorgane hat, dies ebenso empfindet. Ein Engel zum Beispiel sieht diesen Tisch mit seinen Sinnen. Darum können wir in Bezug auf einen Engel keine Form festlegen, da wir seine Sinnesorgane nicht kennen.

Da wir folglich kein Erfassen im Schöpfer besitzen, können wir auch nicht die Formen der Welten aus Seiner Perspektive beschreiben. Wir erfassen die Welten nur entsprechend unseren Sinnen und Empfindungen, da es Sein Willen ist, dass wir Ihn auf diese Art erfassen.

Dies ist die Bedeutung von „Das Licht verändert sich nicht, sondern alle Veränderungen geschehen in den Kelim, in unseren Sinnesorganen. Alles wird gemäß unserer Einbildung bewertet. Wenn also viele Menschen eine spirituelle Sache untersuchen, so wird jeder einzelne diese entsprechend seiner Einbildung und Empfindung erfassen. Somit sieht jeder eine andere Form.

Genauso ändert sich in einem Menschen die Form selbst, je nach seinen Auf- und Abstiegen, so wie oben erwähnt, dass das Licht Einfaches Licht ist und alle Veränderungen nur im Empfänger stattfinden.

Möge uns Sein Licht gewährt werden und wir auf den Wegen des Schöpfers schreiten und Ihm nicht der Belohnung wegen dienen, sondern um dem Schöpfer Genuss zu bereiten und die Shechina aus dem Staub zu erheben. Möge uns die Anheftung an den Schöpfer und die Enthüllung des Schöpfers Seinen Geschöpfen gegenüber gewährt werden.

 

Shamati 4 Was ist der Grund für die Schwere, die der Mensch in der Annullierung vor dem Schöpfer hat

Ich hörte am 6. Februar 1944

Wir müssen den Grund für die Schwere wissen, die man empfindet, wenn man sein „Selbst“ vor dem Schöpfer annullieren möchte und sich nicht mehr um seinen Eigennutz kümmern will. Man gelangt zu einem Zustand, als stünde die ganze Welt still, als sei man nun aber allein auf der Welt und ließe seine Familie und seine Freunde zugunsten der Annullierung vor dem Schöpfer zurück.

Doch es gibt einen einfachen Grund dafür, welcher „Mangel an Glauben[1]“ (Chissaron haEmuna) heißt. Das bedeutet, dass man nicht sieht, vor wem und um wessen willen man sich annullieren soll, und dass man die Existenz des Schöpfers nicht empfindet. Das verursacht bei einem die Schwere.

Sobald man aber beginnt, den Schöpfer zu spüren, sehnt sich die Seele nach Annullierung und danach, sich mit der Wurzel zu vereinen, sich in sie einzuschließen wie die Kerze in eine Fackel, ohne Denken und Ziel. Dies ergibt sich ganz natürlich, so wie sich eine Kerze vor einer Fackel annulliert.

Es folgt, dass die Hauptarbeit des Menschen darin liegt, zur Empfindung des Schöpfers zu gelangen, dass „die ganze Welt voll Seiner Glorie? ist.“ Darin liegt die ganze Arbeit, was bedeutet, dass man die gesamte Anstrengung nur dazu einsetzt und für nichts anderes.

Man sollte sich nicht irreführen lassen, irgendetwas zu erwerben. Vielmehr ist der Glaube an den Schöpfer das Einzige, das der Mensch braucht. Man sollte an nichts anderes denken – was bedeutet, dass die einzige Belohnung, die man für seine Arbeit möchte, darin liegt, dem Glauben an den Schöpfer würdig zu werden.

Und man muss wissen, dass es keinen Unterschied zwischen einer großen und einer kleinen Erleuchtung gibt, die der Mensch empfängt. Denn es gibt keine Veränderungen im Licht, sondern alle Veränderungen finden in den Gefäßen statt, welche die Fülle empfangen, wie es geschrieben steht: „Ich, der Herr, verändere mich nicht.“

Wenn man folglich in der Lage ist, seine Gefäße zu vergrößern, so vergrößert man in dem Maße sein Leuchten.

Doch womit kann man seine Gefäße vergrößern? Die Antwort ist: in dem Maße, in welchem man den Schöpfer lobpreist und Ihm dafür dankt, dass Er einen näher zu sich gebracht hat und dass man ein wenig mit der Verbindung zu Ihm belohnt wurde.

Je nachdem, wie man sich das Ausmaß der Wichtigkeit selbst vorstellt, wächst das Maß der Erleuchtung im Menschen. Man muss wissen, dass man nie das wahre Ausmaß der Wichtigkeit der Verbindung zwischen dem Menschen und dem Schöpfer kennen wird, weil man deren wahren Wert nicht schätzen kann. Stattdessen erreicht man deren Verdienst und Wichtigkeit, je mehr man diese wertschätzt. Darin liegt eine Kraft, und daher kann einem dieses Leuchten immerwährend gegeben werden.



[1] Glaube ist die Empfindung des Schöpfers 

 

 

Shamati 5 LiShma bedeutet Erwecken von Oben, und warum brauchen wir ein Erwachen von unten?

Ich hörte im Jahr 1945

Um liShma zu erreichen, liegt es nicht an uns, diesen Vorgang zu verstehen, weil der menschliche Verstand nicht in der Lage ist zu verstehen, wie es so etwas auf unserer Welt geben kann. Das ist deshalb so, weil man den Menschen nur verstehen lässt, dass, wenn er sich mit Tora und Mizwot beschäftigt, er auch etwas erfasst. Hier muss es einen Eigennutzen geben, weil der Mensch sonst nicht in der Lage ist, irgendetwas zu tun.

Stattdessen ist dies eine Erleuchtung von Oben, und nur wer diesen Geschmack erlebt hat, kann wissen und verstehen. Darum steht geschrieben: „Kostet und seht, dass der Schöpfer gut ist.“
Darum müssen wir verstehen, warum der Mensch nach Rat und Mitteln suchen muss, wie er liShma erreichen kann. Letzten Endes werden ihm keine Ratschläge helfen. Und wenn der Schöpfer ihm nicht die zweite Natur, die der Wille zu geben genannt wird, gibt, wird dem Menschen keine Mühe helfen, um liShma zu erreichen.

Die Antwort ist, wie unsere Weisen sagten (Awot, Kapitel 2,21): „Es liegt nicht an dir, die Arbeit zu vollenden, und du hast auch nicht die Freiheit, dich ihrer zu entledigen.“ Das bedeutet, dass es dem Menschen auferlegt ist, von unten[1] zu erwachen, zumal dies als Gebet bezeichnet wird.

Ein Gebet bedeutet Mangel, und ohne Mangel gibt es auch keine Füllung. Wenn jemand daher das Bedürfnis nach liShma hat, dann kommt die Füllung von Oben, und dann wird das Gebet von Oben erhört, das heißt, der Mensch erhält die Füllung seines Mangels. Um daher liShma vom Schöpfer zu erhalten, ist die Arbeit des Menschen nur in der Form des Mangels und eines Kli [Gefäß] nötig. Die Füllung kann der Mensch jedoch niemals von allein erlangen; vielmehr ist dies ein Geschenk des Schöpfers.

Doch das Gebet muss vollkommen sein; es muss aus der Tiefe des Herzens kommen. Das bedeutet, dass der Mensch hundertprozentig weiß, dass es niemanden auf der Welt gibt, der ihm helfen könnte, außer dem Schöpfer allein.

Doch woher weiß man, dass nur der Schöpfer allein helfen kann? Ein Mensch kann dieses Bewusstsein nur erlangen, wenn er alles Menschenmögliche getan hat, um zum Schöpfer zu gelangen und ihm nichts davon geholfen hat. Deshalb obliegt es einem Menschen alle Handlungen, die in der Welt möglich sind, zu unternehmen, um den Aspekt „für den Schöpfer“ zu erlangen. Dann kann er aus der Tiefe seines Herzens beten und dann erhört der Schöpfer sein Gebet.

Man muss wissen, dass, wenn man sich anstrengt, um zu liShma zu gelangen, man den Wunsch auf sich nehmen muss, die Arbeit ausschließlich dem Geben zuliebe zu verrichten, also nur zu geben und nichts zu empfangen. Erst dann beginnt man zu spüren, dass der gesamte Körper sich mit aller Kraft dagegen wehrt.

Daraus gelangt man zu der klaren Erkenntnis, dass es nur einen Ratschlag geben kann, um zu liShma zu gelangen: seine Klagen an den Schöpfer zu richten, damit er einem helfen möge, den Körper dazu zu bringen, sich bedingungslos dem Schöpfer zu unterwerfen. Denn man sieht, dass man selbst nicht in der Lage ist, seinen Körper zu überzeugen, sich vollkommen zu annullieren. Es stellt sich heraus, dass genau dann, wenn man sieht, dass es keine Hoffnung für den Körper gibt, von allein für den Schöpfer zu arbeiten, das Gebet aus tiefstem Herzen kommen kann. Und ein solches Gebet wird erhört.

Wir müssen wissen, dass man durch die Erlangung von liShma seinen Bösen Trieb tötet, weil der Böse Trieb den Willen zu empfangen darstellt. Und durch das Erlangen des Willens zu geben wird der Wille zu empfangen aufgelöst und handlungsunfähig gemacht. 

Das bedeutet, dass man ihn tötet. Indem der Böse Wille seiner Aufgabe entledigt wurde und er nichts mehr zu tun hat, da er nicht länger verwendet wird und damit außer Funktion gesetzt ist, wird dies als seine Tötung definiert.

Und wenn der Mensch sich innerlich fragt: „Welchen Lohn hat der Mensch von der Arbeit unter der Sonne?“, wird er sehen, dass es gar nicht so schwer ist, sich der Arbeit für den Schöpfer zu unterwerfen. Das hat zwei Gründe:

  1. Einerseits muss jeder, ob er will oder nicht, sich in dieser Welt anstrengen. Doch was bleibt von all diesen investierten Mühen?
  2. Andererseits empfängt jeder, der sich für liShma bemüht, während seiner Arbeit auch Genuss. Wie im Gleichnis des Maggid von Dubna, das von folgendem Vers handelt: „Aber nicht Mich hast du angerufen, Jakob, dass du dich um mich bemüht hättest, Israel.“

Er sagt, dies gleiche einem reichen Mann, der aus dem Zug steigt und nur eine kleine Tasche hat. Er legt sie an die Stelle, an der auch alle anderen Reisenden ihr Gepäck abstellen. Die Kofferträger nehmen die Gepäckstücke von dort und bringen sie zu den Hotels der Gäste.

Da der Gepäckträger dachte, der reiche Mann würde seine kleine Tasche selber tragen und keinen Träger benötigen, nahm er sich eines großen und schweren Koffers an. Als der reiche Mann dem Träger ein kleines Trinkgeld geben wollte, so wie er es immer zu zahlen gewohnt war, wollte dieser es nicht annehmen und sagte: „Ich habe einen großen und schweren Koffer in das Lager des Hotels getragen, bin dadurch müde geworden, und es hat mich viel Mühe gekostet, ihren Koffer zu schleppen. Und jetzt wollen Sie mich mit einem solch kleinen Trinkgeld entlohnen?“

Das bedeutet, dass, wenn jemand kommt und sagt, er hätte viele Mühen und Anstrengungen in die Erfüllung von Tora und Mizwot investiert, der Schöpfer zu ihm sagt: „Aber nicht Mich hast du angerufen, Jakob.“ Das heißt, nicht meinen Koffer hast du getragen, sondern das Gepäck von jemand anderem. Da du gesagt hast, dass du große Anstrengungen in Tora und Mizwot investiert hast, war deine Arbeit sicherlich für einen anderen Herren. Geh deshalb zu ihm, damit er dich entlohnt.

Das ist die Bedeutung von: „dass du dich um mich bemüht hättest, Israel.“ Das heißt: Wer für den Schöpfer arbeitet, empfindet keine Mühe, sondern im Gegenteil Genuss und große Begeisterung.

Wer aber für andere Ziele arbeitet als für den Schöpfer, darf sich bei Ihm nicht beklagen, weshalb der Schöpfer ihm keine Lebensenergie für seine Arbeit gibt. Denn er arbeitet nicht für den Schöpfer, damit dieser ihm den Lohn für seine Arbeit bezahlen möge. Stattdessen soll sich der Mensch bei denen beklagen, für die er gearbeitet hat, damit sie ihm Lebensenergie und Genuss geben.

Da es viele Ziele in lo liShma gibt, sollte der Mensch von dem Ziel, für das er gearbeitet hat, Belohnung verlangen, das heißt Genuss und Vitalität. Darüber wird gesagt: „Diejenigen, die sie [die Götzen] machen, sollen so sein wie ihre Taten – ein jeder, der auf sie vertraut hat.“

Aber das ist schwer zu verstehen, denn wir sehen doch, dass sogar einer, der das Joch des Himmlischen Königreichs ohne eine andere Absicht [als für den Schöpfer] auf sich nimmt, dennoch keinerlei Lebenskraft spürt, sodass man sagen könnte, dass ihn diese Lebenskraft verpflichten würde, das Joch des Himmlischen Königreichs auf sich zu nehmen. Doch er nimmt das Joch des Himmlischen Königreichs nur wegen des Glaubens über dem Verstand auf sich, das heißt, er tut es durch Überwindung mit Zwang, gegen seinen Willen.

Wenn dem so ist, stellt sich die Frage, warum sich jemand in einer Sache bemüht, bei der sein Körper jeden Augenblick danach trachtet, sich dieser Arbeit zu entledigen, zumal er keine Lebenskraft darin spürt?

Gemäß dem oben Gesagten folgt, dass, während man in Demut arbeitet und kein anderes Ziel als die Absicht zu geben verfolgt, die Frage lautet: „Warum gibt der Schöpfer ihm nicht Geschmack und Lebenskraft in der Arbeit?“

Die Antwort ist, dass man wissen muss, dass diese Angelegenheit eine große Korrektur ist. Wenn das Licht und die Vitalität sofort geleuchtet hätten, als man sich das Joch des Himmlischen Königreichs aufbürdete, dann hätte man Lebenskraft in der Arbeit. Mit anderen Worten: Der Wille zu empfangen hätte dieser Arbeit auch zugestimmt.

In diesem Zustand hätte er sicherlich zugestimmt, weil er seine Sehnsüchte befriedigen will, also er hätte für seinen eigenen Nutzen gearbeitet. Wäre das der Fall gewesen, wäre es nie möglich gewesen, liShma zu erreichen.

Dies ist so, weil man gezwungen wäre, für den eigenen Nutzen zu arbeiten, da man in der Arbeit für den Schöpfer mehr Genuss als in körperlichen Begierden fühlen würde. Also müsste man in lo liShma verbleiben, weil man Befriedigung in der Arbeit gefunden hat. Dort, wo es Befriedigung gibt, kann der Mensch nichts tun, denn ohne Gewinn kann man nicht arbeiten. Daraus folgt, dass, wenn man die Zufriedenheit in dieser Arbeit von lo liShma erhalten würde, man in diesem Zustand verbleiben müsste.

Dies wäre ähnlich dem, was die Leute sagen, dass, wenn Menschen einem Dieb hinterherjagen, um ihn zu fangen, auch der Dieb rennt und „Schnappt den Dieb!“ schreit. Dann ist es unmöglich zu erkennen, wer der wahre Dieb ist, um ihn zu fangen und ihm das Gestohlene wegzunehmen.

Aber wenn der Dieb, das heißt, der Wille zu empfangen, keinen Geschmack und keine Lebenskraft in der Arbeit zur Aufnahme der Last des Himmlischen Königreichs spürt, und wenn man in diesem Zustand mit Glaube über dem Verstand arbeitet, sich zwingend, und der Körper sich an diese Arbeit gewöhnt, das heißt gegen den Wunsch des eigenen Willens zu empfangen, dann hat man die Mittel, um zur Arbeit zu gelangen, die das Ziel verfolgt, „seinem Erschaffer Zufriedenheit zu bereiten.“

Dies deshalb, weil die haupsächliche Forderung an einen Menschen darin liegt, durch die eigene Arbeit zu Dwekut (Anhaftung) mit dem Schöpfer zu kommen, die als Gleichheit der Form bezeichnet wird, sodass alle seine Taten in der Absicht zu geben erfolgen.
Es ist so, wie der Vers sagt: „Dann wirst du Lust auf den Schöpfer haben.“ Die Deutung von „dann“ ist, dass man am Anfang der eigenen Arbeit keine Lust hatte, sondern seine Arbeit unter Zwang erfolgte.

Aber nachher, wenn man sich an die Arbeit in der Absicht zu geben gewöhnt hat und nicht auf sich selbst achtet - ob man Freude an der spirituellen Arbeit empfindet - sondern daran glaubt, dass man durch seine Arbeit dem Schöpfer Zufriedenheit bereitet, dann muss der  Mensch glauben, dass der Schöpfer die Arbeit der Unteren annimmt, unabhängig von der Menge und Form ihrer Arbeit. Der Schöpfer prüft die Absicht jeder Handlung genau und wenn sie Ihn zufrieden stellt, wird gewürdigt, „Lust auf den Schöpfer zu haben.“

Sogar während der Arbeit für den Schöpfer empfindet der Mensch Freude und Vergnügen, weil er nun tatsächlich für den Schöpfer arbeitet. Die Anstrengungen, die der Mensch in der Phase der Arbeit unter Zwang unternahm, qualifizieren ihn zur aufrichtigen Arbeit für den Schöpfer. Jetzt verstehen wir, dass der vom Menschen empfangene Genuss sich auf den Schöpfer bezieht, speziell für den Schöpfer.

Wenn der Mensch die Tora studiert und erreichen möchte, dass all seine Handlungen in der Absicht zu geben sein mögen, dann muss er sich bemühen, dass die Tora ihm stets als Stütze dienen möge. Und die Hilfe der Tora ist jener Nährboden, welcher Liebe, Ehrfurcht, Hochgefühl und Lebensmut und Ähnliches ist. Und all das muss er in der Tora finden, das heißt, die Tora muss ihm solcherlei Ergebnisse geben.



[1] auf seiner jetzigen Stufe

 

Shamati 6 Was bedeutet in spiritueller Arbeit „Stütze durch die Tora

Ich hörte im Jahr 1944

Wenn der Mensch die Tora studiert und erreichen möchte, dass all seine Handlungen in der Absicht zu geben sein mögen, dann muss er sich bemühen, dass die Tora ihm stets als Stütze dienen möge. Und die Hilfe der Tora ist jener Nährboden, welcher Liebe, Ehrfurcht, Hochgefühl und Lebensmut und Ähnliches ist. Und all das muss er in der Tora finden, das heißt, die Tora muss ihm solcherlei Ergebnisse geben.

Wenn der Mensch jedoch Tora studiert und keine solchen Ergebnisse hat, dann kann dies nicht Tora genannt werden, weil „Tora“ das Licht bedeutet, welches in die Tora gekleidet ist. Wie die Weisen sagten: „Ich erschuf den Bösen Trieb, ich schuf die Tora als Gewürz.“ Dies bezieht sich auf das darin eingeschlossene Licht, da das Licht, welches in der Tora enthalten ist, zum Guten zurückführt. 

Man muss auch wissen, dass die Tora sich in zwei Aspekte aufteilt:

  1. den Aspekt Tora
  2. den Aspekt Gebot (Mizwa).

Es ist unmöglich, den wahren Sinn dieser zwei Aspekte zu begreifen, bevor der Mensch nicht würdig wird, auf den Wegen des Schöpfers zu gehen, im Geheimnis der Worte: „Der Schöpfer ist für diejenigen, die Ihn fürchten.“ Denn während der Mensch sich in der Zeit der Vorbereitung darauf befindet, das Gemach des Schöpfers zu betreten, ist es unmöglich, die Wege der Wahrheit zu verstehen.

Doch kann man ein Beispiel anführen, dass sogar ein Mensch, der sich erst in der Vorbereitungsphase befindet, ein wenig verstehen kann. Es ist so wie die Weisen sagten: „Rabbi Josef sagte: ‚Ein Gebot rettet und beschützt, wenn man es erfüllt; doch die Tora rettet und beschützt sowohl, wenn man sich mit ihr beschäftigt, als auch, wenn man sich nicht mit ihr beschäftigt‘.“ 

Die Sache ist so, „wenn er sich mit ihr beschäftigt“ bedeutet zu der Zeit, wo man ein gewisses Licht hat. Denn das Licht, welches der Mensch erreichte, kann er nur zu der Zeit nutzen, in der das Licht bei ihm weilt, denn dann ist er in Freude darüber, da das Licht ihm leuchtet. Das wird als Gebot bezeichnet. Das heißt, der Mensch wurde noch nicht der Tora würdig und nur das Leuchten gibt ihm die Lebenskraft der Kedusha

Dem ist nicht so mit der Tora: Erreicht er in der Arbeit einen Weg, kann er diesen erlangten Weg auch dann nutzen, wenn er sich nicht mit ihr beschäftigt, also auch dann, wenn er kein Licht hat. Denn nur das Leuchten hat ihn verlassen, aber den in der Arbeit erreichten Weg kann er auch dann nutzen, selbst wenn das Leuchten ihn verlässt.

Doch man muss auch wissen, dass das Gebot zu der Zeit, wenn man sich damit beschäftigt, wichtiger ist, als die Tora, wenn man sich nicht mit ihr beschäftigt. „Wenn man sich mit ihr beschäftigt“ bedeutet, dass man nun das Licht erhält. Dies wird „beschäftigt sich mit ihr“ genannt, dass er nun das in ihr enthaltene Licht erhielt. Daher ist das Gebot zu der Zeit, wenn er Licht hat, wichtiger als die Tora zu der Zeit, wenn er kein Licht hat, das heißt, wenn es die Lebenskraft der Tora nicht gibt.

Einerseits ist die Tora wichtig, da er den Weg, welchen er in der Tora erreicht hat, nutzen kann, andererseits ist sie ohne Lebenskraft, die Licht genannt wird. Und da er zur Zeit eines Gebotes Lebenskraft, Licht genannt, erhält, ist das Gebot in dieser Hinsicht wichtiger.

Deswegen wird der Mensch, wenn es in ihm kein Leben gibt, als „böse“ angesehen, da er jetzt nicht sagen kann, dass der Schöpfer die Welt „gut und Gutes tuend“ lenke. Und dies nennt man, dass er „böse“ genannt wird, da er seinen Erschaffer verurteilt, denn nun empfindet er, dass es in ihm kein Leben gibt und er keinen Anlass zur Freude hat, sodass er sagen könne, dass er jetzt dem Schöpfer dafür dankbar sei, dass Er Ihm Genuss und Freude bereite.

Man kann nicht sagen, dass er glaubt, der Schöpfer lenke seine Vorsehung für die anderen in der Art von „gut und Gutes tuend“, da wir den Weg der Tora durch die Wahrnehmung unserer Sinnesorgane verstehen. Und wenn der Mensch die Güte und Freude nicht empfindet, was gibt es ihm, dass ein anderer Mensch Güte und Freude hat?

Wenn der Mensch tatsächlich glauben würde, dass sich die Vorsehung seinem Freunde als gütig offenbart, müsste ihm dieser Glaube Freude und Genuss bringen, da er ja glaubt, dass der Schöpfer die Welt mit einer Vorsehung von Güte und Freude lenkt. Doch wenn ihm dies nicht Lebenskraft und Freude schenkt, was ist dann der Nutzen davon, wenn er sagt, dass der Schöpfer über seinen Freund mit einer gütigen Vorsehung wacht? Denn das Wichtigste ist doch das, was der Mensch am eigenen Körper verspürt: entweder geht es ihm gut oder es geht ihm schlecht. Und dass es dem Freund gut geht, ist nur dann gut, wenn er genießen kann, dass es dem Freund gut geht.

Wir lernen also: Bezüglich der Empfindung des Körpers sind die Gründe unwichtig. Wichtig ist nur, ob er fühlt, dass es ihm gut geht. Dann sagt der Mensch, dass der Schöpfer gütig ist und Gutes tut, und wenn er sich schlecht fühlt, dann kann er nicht sagen, dass der Schöpfer sich ihm gegenüber gütig verhält.

Wenn er daher gerade die Tatsache genießt, dass es seinem Freund gut geht, und daraus gute Stimmung und Freude schöpft, dann kann er sagen, dass der Schöpfer ein guter Herrscher ist. Und wenn er keine Freude hat und fühlt, dass es ihm schlecht geht, wie kann er dann sagen, der Schöpfer sei gut und tue Gutes?

Wenn sich also der Mensch in einem Zustand befindet, in dem er keine Lebenskraft und keine Freude hat, befindet er sich bereits in einem Zustand ohne Liebe zum Schöpfer. Er kann seinen Erschaffer nicht rechtfertigen und sich freuen, wie es für einen angemessen ist, dem die Ehre zuteilwurde, einem großen und wichtigen König zu dienen.

Wir müssen wissen, dass das Höhere Licht in einem Zustand vollkommener Ruhe weilt, und jegliche Ausbreitung der Heiligen Namen des Schöpfers kommt durch die Unteren. Dies bedeutet, alle Namen, die das Höhere Licht hat, kommen durch die Erkenntnis der Unteren. Das heißt, das Höhere Licht wird gemäß ihrer Erkenntnisse benannt. Anders gesagt: So wie der Mensch das Licht erkennt, das heißt gemäß seinem Gefühl, diesen Namen gibt er ihm auch. Und wenn der Mensch nicht spürt, dass der Schöpfer ihm etwas gibt – welchen Namen kann er dem Schöpfer dann geben, wenn er von Ihm nichts bekommt? Wenn der Mensch daher an den Schöpfer glaubt, dann sagt er von jedem Zustand, den er spürt, dass er vom Schöpfer komme, dann verleiht er gemäß seiner Empfindung dem Schöpfer einen Namen.

Wenn der Mensch also spürt, dass es ihm in seinem Zustand gut geht, nennt er den Schöpfer „gut und Gutes tuend“, da er es so empfindet – er fühlt, dass er vom Schöpfer Gutes erhält. Dann wird der Mensch als Zadik (Gerechter) bezeichnet, weil er seinen Erschaffer (welcher der Schöpfer ist) rechtfertigt.

Und wenn der Mensch sich in seinem Zustand schlecht fühlt, kann er nicht sagen, dass der Schöpfer ihm Gutes schickt und wird daher als Rasha (Bösewicht) bezeichnet, weil er seinen Erschaffer verurteilt (marshia).

Doch so etwas wie einen Zwischenzustand gibt es nicht, in dem der Mensch sagen würde, dass es ihm gleichzeitig gut und schlecht gehe. Sondern es kann ihm nur entweder gut oder schlecht gehen.

Und unsere Weisen sagten[1], dass „die Welt entweder für vollendete Bösewichte oder für vollendete Gerechte erschaffen“ wurde. Weil es nicht möglich ist, dass der Mensch sich gleichzeitig gut und schlecht fühlt.

Wenn die Weisen sagen, es existiere ein Zwischenzustand (Bejnoni), liegt das daran, dass es bei den Geschöpfen den Aspekt der Zeit gibt und  sich dies auf zwei Zeiten [bezieht], die aufeinander folgen. So wie wir lernen, dass es Aufstiege und Abstiege gibt, was zwei Zeiten sind, in denen der Mensch mal Gerechter, mal Bösewicht ist. Doch es existiert nicht, dass der Mensch sich zur selben Zeit, im selben Moment, gut und schlecht fühlt.

Aus dem Gesagten folgt, dass das, was sie sagten, dass die Tora wichtiger sei als das Gebot, genau zu dem Zeitpunkt ist, wo man sich nicht mit ihr beschäftigt, das heißt wenn er kein Lebensgefühl hat, dann ist die Tora wichtiger als ein Gebot, das keine Lebenskraft hat.

Denn von einem Gebot, das kein Leben hat, kann er nichts bekommen. Während ihm dagegen in der Tora zumindest ein Weg in der Arbeit bleibt, durch den er empfing, als er sich mit der Tora beschäftigte. Und selbst wenn die Lebenskraft entwichen ist, bleibt ihm der Weg, den er nutzen kann. Es gibt Zeiten, da ein Gebot wichtiger ist als die Tora, nämlich dann, wenn es Lebenskraft im Gebot gibt, er jedoch keine Lebenskraft in der Tora hat.

Daher gibt es für ihn, „wenn er sich nicht damit beschäftigt“, also wenn er keine Freude und keine Lebenskraft in der Arbeit hat, keinen anderen Rat als das Gebet. Doch während des Gebets muss er wissen, dass er ein Bösewicht ist, weil er jetzt die Güte und den Genuss in der Welt nicht spürt, obwohl er Berechnungen anstellt, damit er glauben kann, der Schöpfer gebe nur Gutes.

Trotzdem sind nicht alle Gedanken des Menschen, die er hat, auf dem Wege der Arbeit wahr. Denn wenn in der Arbeit der Gedanke zur Handlung führt, also zu einer Empfindung in den Organen, sodass die Organe spüren, dass der Schöpfer gut ist und Gutes tut, dann müssen die Organe daraus Lebenskraft und Freude erhalten. Und wenn er keine Lebenskraft hat, was nützen dann alle Berechnungen, wenn seine Organe den Schöpfer jetzt nicht lieben, weil Er ihnen Fülle gibt?

Daher muss er wissen, wenn er weder Freude noch Lebenskraft in der Arbeit verspürt, dass dies ein Zeichen dafür ist, dass er böse ist, weil es ihm nicht gut geht. Und alle Berechnungen entsprechen nicht der Wahrheit, wenn sie nicht zur Tat führen – das heißt zur Empfindung in den Organen, dass der Mensch den Schöpfer liebt, da Er den Geschöpfen Gutes und Genuss schenkt.



[1] Talmud, Traktat Brachot 61

 

 

 

Shamati 7 Was es in der spirituellen Arbeit bedeutet, wenn die Gewohnheit zur zweiten Natur wird

Ich hörte im Jahr 1943

Wenn der Mensch sich an etwas gewöhnt, so wird dies für ihn zur Gewohnheit und jede Gewohnheit wird für den Menschen zur zweiten Natur. Deswegen gibt es nichts, was der Mensch nicht verspüren könnte. Das heißt, auch wenn der Mensch für etwas noch keinerlei Empfindung verspürt, kann er durch die Gewöhnung an die Sache zu einer Empfindung dafür gelangen.

Und man sollte wissen, dass es einen Unterschied zwischen den Empfindungen des Schöpfers und jenen des Geschöpfes gibt. Bei den Geschöpfen unterscheidet man zwischen dem Fühlenden und dem Gefühlten, den Erfassenden und dem Erfassten, das heißt, es gibt den Aspekt eines Fühlenden, der mit einer gewissen Wirklichkeit verbunden ist.

Hingegen ist eine Wirklichkeit ohne Fühlenden nur der Schöpfer selbst, der „im Allgemeinen von keinem Gedanken erfasst werden kann.“ Anders ist es beim Menschen, dessen ganze Wirklichkeit nur mit Hilfe des Fühlens dieser Wirklichkeit wahrgenommen wird. Und selbst die Wahrhaftigkeit der Wirklichkeit hat keine Gültigkeit, außer in Bezug auf den Fühlenden dieser Wirklichkeit.

Mit anderen Worten: der Fühlende empfindet das, was er fühlt, als die Wahrheit. Wenn er in seiner Wirklichkeit einen bitteren Geschmack verspürt, das heißt sich in dem Zustand, in dem er ist, schlecht fühlt und daran leidet, so wird ein solcher Mensch in der spirituellen Arbeit als Sünder bezeichnet, weil er den Schöpfer anklagt, der „Gut und Gütig“ genannt wird, da er die Welt nur mit Gutem beschenkt. Entsprechend seiner Empfindung hat jedoch der Mensch das Gefühl, er hätte vom Schöpfer das Gegenteil erhalten – Schlechtes, das heißt, er befindet sich in einem schlechten Zustand.

Aus dem Oben Gesagten sollten wir daher die Worte unserer Weisen verstehen[1]: „Die Welt wurde nur für vollkommene Sünder oder vollkommene Gerechte erschaffen.“ Diese Worte bedeuten, wie Oben erwähnt, dass der Mensch einen Geschmack wahrnimmt, entweder einen, den er in dieser Welt als gut empfindet – dann rechtfertigt er den Schöpfer und sagt, dass Er die Welt nur mit Gutem beschenkt. Oder er fühlt und nimmt einen bitteren Geschmack in der Welt wahr, dann ist er ein Sünder, weil er den Schöpfer beschuldigt.

Folglich wird alles entsprechend dem Empfinden des Menschen gemessen. Hingegen haben diese Empfindungen nichts mit dem Schöpfer zu tun, wie es im „Vers der Vereinigung“ heißt: „So wie du warst, wirst du immer und ewig sein; Mangel und Überschuss werden nicht in dir sein.“ Somit beziehen sich alle Welten und Veränderungen nur auf die Empfänger, so wie sie der Mensch erfasst.



[1] Talmud, Traktat Brachot 61

 

Shamati 8 Was ist der Unterschied zwischen dem Schatten der Heiligkeit und dem von Sitra Achra

Ich hörte im Juli 1944

Es steht geschrieben: „Bis der Tag kühl wird und die Schatten schwinden.“[1] Und man muss verstehen, was „die Schatten“ in der spirituellen Arbeit bedeuten und was zwei Schatten sind. Und zwar wird die Zeit, in der der Mensch noch nicht die Existenz der Höheren Lenkung spürt, welche die Welt durch die Eigenschaft „gut und Gutes tuend“ lenkt, als Schatten definiert, der die Sonne verbirgt.

Das bedeutet, so wie ein physischer Schatten, der die Sonne verbirgt, keinesfalls die Sonne selbst beeinflusst, die weiterhin aus voller Kraft leuchtet, so bewirkt ein Mensch, der die Existenz der Höheren Lenkung nicht verspürt, keinerlei Veränderungen Oben. Denn Oben ändert sich nichts, wie es geschrieben steht: „Ich bin der Herr (HaWaYaH), ich ändere mich nicht.“

Alle Veränderungen finden stattdessen in den Empfängern statt. Und in diesem Schatten, das heißt in dieser Verhüllung, müssen wir zwei Aspekte unterscheiden:

  1. Der Mensch ist noch in der Lage, alle Verdunkelungen und Verhüllungen, die er spürt, zu überwinden um den Schöpfer zu rechtfertigen und zu Ihm zu beten - damit Dieser seine Augen öffnen möge und er sehen würde, dass alle Verhüllungen, die er verspürt, vom Schöpfer kommen.
    Das heißt, der Schöpfer richtet das alles für ihn ein, damit er zu seinem Gebet findet und in ihm der Wunsch entfacht wird, sich an den Schöpfer anzuhaften. Und der Grund dafür liegt darin, dass er nur aufgrund der Leiden, die er vom Schöpfer bekommt, und dadurch, dass er seinem Elend entfliehen und die Leiden vermeiden möchte, alles tut, was in seiner Macht steht. Wenn er also Verhüllungen und Leiden bekommt, wird er mit Sicherheit zum bekannten Heilmittel greifen: Er wird mehr Gebete sprechen, um vom Schöpfer Hilfe zu bekommen, damit Er ihn aus dem Zustand herausziehen möge, in dem er sich befindet. In diesem Zustand glaubt er immer noch an die Lenkung des Schöpfers.
  2. Wenn er in den Zustand gelangt, in dem er sich nicht mehr überwinden und sagen kann, dass ihm alle Leiden und Schmerzen, die er verspürt, vom Schöpfer geschickt wurden, um ihm mit ihrer Hilfe einen Grund zum Aufstieg zu geben, dann verfällt er in den Zustand eines Ungläubigen. Denn er kann nicht [mehr] an die Höhere Lenkung des Schöpfers glauben und kann dann selbstverständlich nicht [mehr] beten.

Somit gibt es zwei Arten von Schatten, und so ist der Sinn der Worte: „...bis die Schatten weichen“[2] - das heißt, die Schatten werden aus der Welt schwinden.

Der Schatten der Klipa[3] heißt: „Ein anderer Gott ist unfruchtbar und kann keine Früchte tragen“[4], während es über die Heiligkeit (Kedusha) heißt: „Ich sitze unter dem Schatten, den ich begehre, und seine Frucht ist meiner Kehle süß“[5], das heißt, er sagt, dass alle Verhüllungen und Leiden, die er verspürt, aus dem Grunde kommen, dass der Schöpfer ihm diese Zustände schickte, damit er Raum haben würde, Arbeit über dem Verstand zu verrichten.

Und wenn er die Kraft hat, dies zu sagen, also dass der Schöpfer all diese Gründe für ihn in die Wege leitete, ist es zum Wohl des Menschen, denn dadurch kann er zur Arbeit um des Gebens willen und nicht zum eigenen Nutzen gelangen. Dann begreift der Mensch, dass der Schöpfer aus eben dieser Arbeit Genuss schöpft, die vollkommen über dem Verstand aufgebaut ist.

Also bittet der Mensch dann in seinen Gebeten den Schöpfer nicht darum, dass die Schatten aus der Welt verschwinden mögen, sondern er sagt dann: „Ich sehe, dass der Schöpfer wünscht, dass ich Ihm in dieser Form diene, die vollständig über dem Verstand ist.“ Und wenn dem so ist, sagt er bei allem, was er tut: „Natürlich hat der Schöpfer Genuss an dieser Arbeit, und was interessiert es mich dann, dass ich im Zustand der Verhüllung seines Angesichts arbeite?“ 

Da er um des Gebens willen arbeiten möchte, um dem Schöpfer Genuss zu bereiten, empfindet er keinerlei Entwürdigung in dieser Arbeit, das bedeutet, er hat nicht das Gefühl, dass für ihn das Gesicht des Schöpfers verhüllt ist oder dass der Schöpfer sich nicht an seiner Arbeit erfreut. Stattdessen willigt er in die Lenkung des Schöpfers ein: Wie auch immer der Schöpfer es wünscht, dass ein Mensch die Existenz des Schöpfers während der Arbeit wahrnimmt - der Mensch stimmt dem vollen Herzens zu. Denn der Mensch achtet nicht darauf, woraus er Genuss schöpfen kann, sondern darauf, woran der Schöpfer Genuss haben kann. So bringt ihm dieser Schatten Leben.

Dies wird „Seinen Schatten begehrte ich“ genannt; das heißt, er begehrt einen solchen Zustand, in dem er eine Anstrengung über dem Verstand unternehmen kann. Wenn sich der Mensch also nicht im Zustand der Verhüllung anstrengt, in dem er noch Raum hat, zu beten, dass der Schöpfer ihn an sich annähere, und es vernachlässigt, so wird ihm eine zweite Verhüllung geschickt, in welcher er nicht einmal mehr beten kann. Grund dafür ist das Vergehen, dass er sich nicht angestrengt hat, aus allen Kräften zum Schöpfer zu beten; daher gelangt er in diesen Zustand der Armseligkeit.

Doch nachdem er zu diesem Zustand gelangt, erbarmt man sich Oben seiner und gibt ihm wieder eine Erweckung. Und wieder beginnt der gleiche Ablauf, bis der Mensch sich schließlich im Gebet festigt und der Schöpfer sein Gebet erhört und der Schöpfer ihn an sich annähert und zum Guten zurückbringt.



[1] Hohelied 2, 17

[2] Hohelied 2,17

[3] Wörtl. Schalen, Hüllen; böse Hüllen, die unreinen Kräfte

[4] Sohar, Sulam-Kommentar, Mishpatim 166

[5] Hohelied 2,3

 

Shamati 9 Drei Dinge, die den Verstand des Menschen erweitern

Ich hörte im  im August 1942

Der heilige Sohar erklärt, was unsere Weisen gesagt haben: „Drei Dinge erweitern des Menschen Verstand. Diese sind: eine ansehnliche Frau, eine ansehnliche Behausung und ansehnliche Kelim (Gefäße).“ Er besagt: „Eine ansehnliche Frau ist die heilige Shechina (göttliche Gegenwart). Eine ansehnliche Behausung ist das Herz. Und ansehnliche Kelim sind seine Organe.“

Wir müssen erklären, dass die heilige Shechina nicht in ihrer wahren Form, einem Zustand von Lieblichkeit und Schönheit, erscheinen kann, außer man hat ansehnliche Kelim, welche die Organe sind, die vom Herzen ausgehen. Das bedeutet, um eine ansehnliche Behausung zu sein, muss der Mensch zuerst sein Herz reinigen, indem er den Willen für sich selbst zu empfangen annulliert und sich daran gewöhnt alle seine Handlungen um des Gebens Willen auszuführen, wodurch es dann zu ansehnlichen Kelim kommt. Das heißt, seine Verlangen, also seine Kelim, werden vom Empfangen für sich selbst geläutert und werden rein, was als Aspekt des Gebens erachtet wird.

Wenn jedoch die Behausung nicht ansehnlich ist, sagt der Schöpfer: „Ich und Er können nicht in der gleichen Behausung verweilen.“ Denn es muss zwischen dem Licht und dem Kli eine Angleichung der Form geben. Deshalb ist es so, dass, wenn der Mensch den Glauben in Reinheit auf sich nimmt – sowohl im Verstand als auch im Herzen –, er dann einer ansehnlichen Frau würdig wird, was bedeutet, dass sich die heilige Shechina ihm in Form von Lieblichkeit und Schönheit offenbart. Und dies erweitert seinen Verstand.

Das heißt, anhand des Genusses und der Freude, die er sodann verspürt, offenbart sich die heilige Shechina in den Organen und erfüllt die äußeren und inneren Kelim. Und das wird als das „Erweitern des Verstandes“ definiert.

Und dies kann man durch Neid, Lust und Ehre erlangen, die den Menschen aus der Welt herausheben. Neid wird als der Neid auf die heilige Shechina definiert, bekannt als Eifer in „Der Eifer des Herrn der Heerscharen.“ Ehre bedeutet, dass man die Ehre des Himmels vermehren möchte. Und Lust bedeutet „Das Begehren der Elenden hörst du, Herr“[1].



[1]  Psalm 10, 17 

 

Shamati 10 Was bedeutet „Mein Freund floh“ in der spirituellen Arbeit?

Ich hörte im Juli 1944

Man muss wissen, dass, sobald der Mensch beginnt, auf dem Weg zu wandeln, wo all sein Tun für den Schöpfer sein soll, er dann zu Aufstiegen und Abstiegen kommt. Und es kommt manchmal vor, dass der Abstieg des Menschen so groß ist, dass ihm der Gedanke kommt, vor der Tora und den Mizwot[1] zu fliehen, das bedeutet, es kommen ihm solche Gedanken, dass er keine Lust hat, unter der Herrschaft der Kedusha (Heiligkeit) zu sein.

Und dann muss der Mensch daran glauben, dass das Gegenteil der Fall ist, es also die Kedusha ist, die vor ihm flieht. Es ist nämlich so, dass, sobald der Mensch die Kedusha beflecken will, sie ihm zuvorkommt und als erste vor ihm flieht. Und wenn der Mensch dies glaubt und sich in der Zeit der Flucht überwindet, dann verwandelt sich „fliehen“ (barach) in „segnen“ (berach), so wie geschrieben steht: „Segne Schöpfer seine Kraft, und nimm die Taten seiner Hände an.“



[1] das Empfangen des Lichtes mit Hilfe der Korrektur der Verlangen

 

Shamati 11 Freude mit einem Erschauern

Ich hörte im Jahr 1948

Freude wird Liebe genannt. Sie ist Existenz. Und das gleicht einem Menschen, der sich ein Haus baut, ohne in den Mauern des Hauses Hohlräume[1] zu schaffen. Folglich hat er keine Möglichkeit, das Haus zu betreten, weil es keine Hohlräume in den Hausmauern gibt, durch welche das Betreten möglich wäre. Daher muss man einen Hohlraum erschaffen, durch den man in das Haus gelangen kann.

Deshalb muss es dort, wo es Liebe gibt, auch unbedingt Furcht geben, da die Furcht dieser Hohlraum ist. Das bedeutet, dass man die Furcht, man könnte die Absicht zu geben nicht erreichen, erwecken muss.

Daraus folgt, dass, wenn Liebe und Furcht zusammen sind, Vollständigkeit besteht. Andernfalls wollen sie sich gegenseitig auslöschen. Daher soll man sich bemühen, dass es sie beide gleichzeitig gibt.

Das ist die Bedeutung der Notwendigkeit für Liebe und Furcht. Die Liebe wird Existenz genannt, während die Furcht als Mangel und Hohlraum bezeichnet wird. Und nur wenn beide zusammen sind, besteht Ganzheit. Und das wird als „zwei Beine“ bezeichnet, und nur wenn der Mensch zwei Beine hat, kann er gehen.



[1] Im Original steht Chissaron (Mangel) 

 

Shamati 12: Die hauptsächliche Arbeit des Menschen

Ich hörte bei einer Mahlzeit am 2. Tag von Rosh HaShana, am 5. Oktober 1948


Die hauptsächliche Arbeit des Menschen muss darin bestehen, den Geschmack daran, dem Schöpfer Genuss zu bereiten, zu erreichen und zu verspüren. Denn alles, was der Mensch zu seinem eigenen Nutzen tut, entfernt ihn aufgrund der Unterschiedlichkeit der Form vom Schöpfer. Wenn er aber eine Handlung zum Nutzen des Schöpfers ausführt – und sei es auch nur die kleinste Tat – wird dies auf jeden Fall „Mizwa“ (Gebot) genannt.

Daher muss das hauptsächliche Bemühen des Menschen darin bestehen, die Kraft zu erlangen, die es ihm ermöglicht, einen Geschmack am Geben zu verspüren. Dies geschieht mittels der Verringerung der Kraft, die bewirkt, dass Geschmack am egoistischen Empfangen empfunden wird. Und dann erreicht man allmählich den Geschmack am Geben.

 

Shamati 13 Ein Granatapfel

Ich hörte bei der Mahlzeit in der 2. Nacht von Rosh HaShana am 5. Oktober 1948

Der „Granatapfel“ sagte er, deutet an, was die Weisen sagten, dass „sogar die Verbrecher in dir voller Mizwot (Gebote) sind, wie ein Granatapfel“[1]. Und er sagte, dass sich das Wort Rimon (Granatapfel) von dem Wort Romemut (Erhabenheit) ableitet, was die Bedeutung des Glaubens über dem Verstand ist. Dies bedeutet, dass „die Verbrecher in Dir voller Mizwot sind.“ Das Maß der Füllung entspricht der Fähigkeit, soweit wie man kann, über dem Verstand zu handeln, und das wird als Romemut bezeichnet.

Es gibt nur Leere dort, wo nichts existiert, wie geschrieben steht: „und hängte die Erde auf das Nichts.“ Somit entspricht das Maß der Erfüllung eines leeren Platzes dem, wie weit sich der Mensch durch Glauben über dem Verstand erhebt.

Das heißt, die Leere sollte mit Erhabenheit gefüllt werden, also mit Hilfe des Glaubens über dem Verstand. Und der Mensch sollte den Schöpfer darum bitten, ihm dazu diese Kraft zu geben. Und das bedeutet, dass all diese Leere nur erschaffen wurde, nicht damit sich der Mensch leer fühlt, sondern damit er sich mit der Erhabenheit des Schöpfers füllt, das heißt, dass er alles mit dem Glauben über dem Verstand annimmt.

Und das ist die Bedeutung von: „Gott aber hat es so gemacht, dass man sich vor Ihm fürchte.“ Mit anderen Worten: Wenn dem Menschen diese Gedanken der Leere kommen, dann hat er sie deswegen erhalten, damit er das Bedürfnis bekommt, Glauben über dem Verstand auf sich zu nehmen. Und dazu ist die Hilfe des Schöpfers vonnöten. Der Mensch muss den Schöpfer also darum bitten, dass Er ihm die Kraft geben möge, Glauben über dem Verstand anzunehmen.

Gerade dann benötigt der Mensch die Hilfe des Schöpfers, denn der äußere Verstand veranlasst ihn, das Gegenteil zu verstehen. Deswegen bleibt dem Menschen kein anderer Ausweg, als den Schöpfer um Hilfe zu bitten.

Und darüber steht geschrieben: „Das Verlangen des Menschen überkommt ihn jeden Tag, und wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er nicht die Oberhand gewinnen.“ Erst dann tritt der Zustand ein, in dem der Mensch versteht, dass niemand außer dem Schöpfer ihm helfen kann. Und das bedeutet  „Gott aber hat es so gemacht, dass man sich vor Ihm fürchte.“ Die Furcht ihrerseits bedeutet Glauben, denn erst dann braucht der Mensch die Errettung durch den Schöpfer.



[1] Traktat Eruwin 19

 

Shamati 14: Was ist die Erhabenheit des Schöpfers?

Ich hörte Im Jahr 1948

Romemut (Größe/Erhabenheit) des Schöpfers bedeutet, dass man den Schöpfer um Kraft bitten soll, im Glauben über dem Verstand zu handeln. Und für die Erhabenheit des Schöpfers gibt es zwei Auslegungen:

  1. Man soll sich nicht mit Wissen, welches der Verstand ist, füllen, um mit dessen Hilfe seine Fragen beantworten zu können, sondern wünschen, dass der Schöpfer seine Fragen beantworten möge. Das wird als Romemut des Schöpfers bezeichnet, da jegliches Wissen von Oben eingegeben wird und nicht vom Menschen ausgeht, was bedeuten würde, dass man sich seine Fragen selbst beantworten könnte. Und alles, was der Mensch selbst erklären kann, erklärt er mit Hilfe des äußeren Verstandes. Mit anderen Worten: Der Wille zu empfangen versteht, dass es sich lohnt, Tora und Mizwot[1] einzuhalten. Sollte jedoch der Glaube über dem Verstand den Menschen zur Arbeit verpflichten, dann wird das „dem Verstand des Willens zu empfangen entgegengesetzt“ genannt.
  2. Die Erhabenheit des Schöpfers heißt, dass der Schöpfer unentbehrlich für den Menschen wird, damit Er dessen Wünsche erfüllen möge.

Daher:

  1. Wenn der Mensch versucht, mit dem Glauben über dem Verstand zu handeln, dann sieht er, dass er leer ist, und folglich bedarf er dann des Schöpfers.
  2. Nur der Schöpfer kann dem Menschen diese Kraft verleihen – mit dem Glauben über dem Verstand zu handeln.

Es wird also das, was der Schöpfer gibt, als „Romemut des Schöpfers“ bezeichnet.



[1] das Empfangen des Lichtes mit Hilfe der Korrektur der Verlangen

 

Shamati 15 Die Bedeutung „anderer Götter“ in der spirituellen Arbeit“

Ich hörte am 3. August 1945

Es steht geschrieben: „Du sollst keine anderen Götter neben Mir haben.“ Und der Heilige Sohar erklärt, das man hier „Steine zum Abwägen“ braucht. Und diesbezüglich fragt er: „Wie wägt man die Arbeit mit Steinen ab, um damit etwas über den eigenen Zustand auf dem Weg des Schöpfers zu erkennen?“ Und er antwortet, dass bekannt ist, dass zu einer Zeit, wenn der Mensch beginnt, mehr als er es gewohnt ist zu arbeiten, der Körper beginnt, sich zu wehren und sich mit aller Kraft gegen diese Arbeit auflehnt, weil das Geben für den Körper ein Joch und eine schwere Bürde ist und er diese Arbeit nicht aushalten kann. Und der Widerstand des Körpers äußert sich im Menschen im Aufkommen von fremden Gedanken, wobei er zu fragen beginnt: „Wer und was?“ Und durch diese Fragen sagt sich der Mensch, dass diese Gedanken ihm sicherlich von der Sitra Achra (der anderen Seite) gesendet werden, um ihn bei der Arbeit zu stören.

Es heißt, dass, wenn der Mensch sagt, dass sie von der Sitra Achra kommen, er dann gegen das Geschriebene verstößt: „Du sollst keine anderen Götter haben neben Mir.“ Der Sinn besteht darin, dass der Mensch glauben muss, dass das von der Heiligen Shechina kommt, denn „es gibt nichts außer Ihm.“ Stattdessen zeigt die Heilige Shechina dem Menschen seinen wahren Zustand – wie er auf dem Wege des Schöpfers wandelt.

Das heißt, dadurch, dass sie ihm diese Fragen sendet, die als „fremde“ (ablenkende) Gedanken gelten, sieht sie, wie er auf diese Fragen antwortet, die als „fremde Gedanken“ gelten. All das muss der Mensch wissen – seinen wahren Zustand in der Arbeit – damit er weiß, was zu tun ist.

Dies ähnelt einem Gleichnis: Ein Mensch wollte wissen, wie sehr sein Freund ihn liebt. Natürlich würde dieser in seiner Anwesenheit [seine wahre Meinung nicht äußern und sich] aus Scham verstellen. Deswegen sendet der Mensch jemanden, der ihn bei seinem Freund schlecht macht, und dann sieht er in seiner Abwesenheit die Reaktion seines Freundes und kann die Wahrheit über das Maß der Liebe seines Freundes erfahren.

Wenn daher die Heilige Shechina einem Menschen ihr Angesicht zeigt – das bedeutet, wenn der Schöpfer einem Menschen Lebenskraft und Freude schenkt –, schämt sich der Mensch zu sagen, was er über die Arbeit des Gebens oder das „nichts für sich Empfangen“ denkt. Wenn sie ihm jedoch ihr Angesicht nicht zeigt, wenn also Lebenskraft und Freude abnehmen, was gleichbedeutend mit „nicht in ihrem Angesicht“ ist, dann kann der Mensch seinen wahren Zustand in Bezug auf das Geben erkennen.

Und wenn der Mensch glaubt, dass es „nichts gibt außer Ihm“, wie es geschrieben steht, und alle fremden Gedanken vom Schöpfer gesandt werden, was bedeutet, dass Er wirkt, dann weiß der Mensch natürlich schon, was zu tun und wie auf all diese schwierigen Fragen zu antworten ist. Und es scheint, als würde sie ihm Gesandte schicken, um zu sehen, wie er schlecht über sie redet, über Sein himmlisches Königreich. So kann man das Obige erklären.

Und der Mensch kann das so verstehen, dass alles vom Schöpfer ausgeht, weil doch bekannt ist, dass die Schläge, die der Körper auf den Menschen durch diese fremden Gedanken ausübt – und sie kommen ja nicht zum Menschen, wenn er sich nicht mit der Arbeit beschäftigt, dass diese Schläge dem Menschen in vollem Empfinden kommen, sodass diese Gedanken seinen Kopf zermalmen, und sie kommen besonders dann, wenn man Tora und Arbeit mehr als gewöhnlich ausgeführt hat. Das wird als „Steine zum Abwägen“ bezeichnet.

Es bedeutet, dass, wenn er diese Fragen verstehen will, ihm die „Steine“ in den Sinn kommen, sodass er anschließend das Ziel seiner Arbeit abwägt, ob es sich tatsächlich lohnt, mit ganzer Kraft und Seele für das Geben zu arbeiten. Und all seine Verlangen münden in die Hoffnung, dass alles auf dieser Welt zu Erlangende nur darin besteht, dem Erschaffer Zufriedenheit zu geben – und keinesfalls in irgendetwas Materiellem.

Und dann beginnt ein scharfer Streit, weil es ein Gesicht hierin und ein Gesicht hierin gibt. Und davor warnt das Geschriebene: „Du sollst keine anderen Götter neben Mir haben.“ Sagt nicht, dass ein anderer Gott euch Steine gab, um mit deren Hilfe eure Arbeit zu messen, sondern „neben Mir.“ Man sollte jedoch wissen, dass dies als „Neben Mir“[1] bezeichnet wird, damit der Mensch die wahre Form der Grundlage und des Fundaments sieht, auf welcher das Haus der Arbeit gebaut wird.

Die hauptsächliche Schwere dieser Arbeit liegt darin, dass diese zwei Aussagen einander widersprechen, denn einerseits muss sich der Mensch bemühen, dass all seine Arbeit auf die Erreichung der Anhaftung an den Schöpfer ausgerichtet sein möge und alle seine Wünsche nur darauf bezogen seien, dem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten und nicht sich selbst.

Andererseits sehen wir, dass dies nicht das Hauptziel ist, denn das Schöpfungsziel bestand nicht etwa darin, dass die Geschöpfe Ihm etwas geben, denn Er hat keinen Mangel, damit die Geschöpfe Ihm etwas geben könnten. Im Gegenteil: Das Ziel der Schöpfung ist dadurch gekennzeichnet, dass es Sein Wunsch ist, den Geschöpfen Gutes zu tun, das heißt, dass die Geschöpfe Freude und Genuss von Ihm erhalten.

Diese zwei Dinge widersprechen einander. Einerseits soll der Mensch geben und andererseits soll der Mensch empfangen. Mit anderen Worten: Es gibt eine Korrektur der Schöpfung, welche darin liegt, die Anhaftung zu erreichen, die als Gleichheit der Form angesehen wird, wobei alle seine Handlungen nur um des Gebens willen sein mögen. Danach kann man das Schöpfungsziel erreichen, welches darin besteht, vom Schöpfer Genuss und Güte zu empfangen.

Wenn daher der Mensch sich angewöhnt hat, auf dem Weg des Gebens zu schreiten, so hat er infolgedessen keine Kelim des Empfangens.  Wenn er auf dem Weg des Empfangens geht, besitzt er keine Gefäße (Kelim) des Gebens.

Somit erwirbt er mit Hilfe der „Steine zum Abwägen“ beide zusammen. Denn nach allen Verhandlungen, die er während der Arbeit hatte – als er sich überwunden und das Joch des himmlischen Königreichs in der Form des Gebens in Herz und Verstand auf sich genommen hatte –, folgt, dass dieser Mensch bereits empfängt, um zu geben. Da er, sobald er danach strebt, die höhere Füllung auf sich zu ziehen, bereits das solide Fundament hat, dass alles auf das Geben ausgerichtet sein soll. Selbst wenn er bereits ein wenig Erleuchtung errungen hatte, erhält er diese in der Absicht zu geben, weil das gesamte Fundament seiner Arbeit allein auf dem Geben erbaut wurde. Das wird als „er empfängt, um zu geben“ erachtet.



[1] wörtliche Übersetzung: Auf Meinem Angesicht

 

Shamati 16: Was ist „Tag des Schöpfers“ und „Nacht des Schöpfers“ in der [spirituellen] Arbeit

Ich hörte im Jahr 1941 in Jerusalem

Die Weisen sagten über den Vers: „Wehe denen, die sich sehnen nach dem Tag des Schöpfers. Wozu [dient] euch der Tag des Schöpfers? Er ist Finsternis und nicht Licht“[1],  dass dies dem Hahn und der Fledermaus gleiche, die auf das Sonnenlicht warteten. Der Hahn sagte zur Fledermaus: „Ich warte auf das Sonnenlicht, weil es meines ist, aber wozu brauchst du das Sonnenlicht?“[2]

Der Sinn der Frage besteht in Folgendem: Die Fledermaus hat doch keine Augen, um zu sehen – also welchen Nutzen hat sie vom Sonnenlicht? Im Gegenteil – für denjenigen, der keine Augen hat, stellt sich das Sonnenlicht als noch größere Finsternis dar.

Dieses Gleichnis muss man verstehen, also welchen Bezug die Augen zur Fähigkeit haben, im Licht des Schöpfers zu sehen, welches in der angeführten Aussage als „Tag des Schöpfers“ bezeichnet wird. Und als Beispiel wird die Fledermaus angeführt, dass jemand, der keine Augen hat, in Finsternis verbleibt.

Und außerdem muss man verstehen, was „Tag des Schöpfers“ bedeutet und was „Nacht des Schöpfers“ bedeutet. Was ist der Unterschied zwischen ihnen? Das Eintreten des Tages definieren wir bei Menschen mit dem Sonnenaufgang, doch wie unterscheiden wir den Tag des Schöpfers?

Und die Antwort besteht darin, dass dies dem Erscheinen der Sonne gleicht. Wenn die Sonne über der Erde aufgeht, nennen wir dies „Tag“, und wenn die Sonne nicht scheint, nennen wir dies „Finsternis.“ So ist es auch im Bezug auf den Schöpfer: Als „Tag“ wird die Offenbarung des Schöpfers bezeichnet und als „Finsternis“ die Verhüllung des Angesichts.

Das heißt, zur Zeit der Enthüllung des Angesichts, wenn dies einem so klar wie der Tag ist, so wird dies „Tag“ genannt, wie die Weisen über das Geschriebene (Psachim 2) sagten: „Wenn es Tag wird, erhebt sich der Mörder, um den Armen und Bedürftigen zu töten, und in der Nacht ist er wie ein Dieb.“ Und da er sagte, dass er „in der Nacht wie ein Dieb ist“, folgt, dass das Licht der Tag ist. Er sagt hier, wenn die Angelegenheit so klar wie das Licht ist, welches über die Seelen kommt, dann ist er ein Mörder und dann ist es möglich, ihn in seiner Seele zu retten. Also sehen wir, dass hinsichtlich des Tages die Gemara diese Angelegenheit so klar wie den Tag erachtet.

Somit bedeutet „Tag des Schöpfers“ die Lenkung des Schöpfers, die Weise, wie Er die Welt lenkt, die nur aus Wohlwollen stattfindet. Wenn zum Beispiel ein Mensch betet, wird sein Gebet umgehend erhört und er bekommt das Erwünschte, wofür er gebetet hat. Und wann immer er sich an den Schöpfer wendet, hat er Erfolg. Eben dies wird als „Tag des Schöpfers“ bezeichnet.

Dagegen bedeutet die Finsternis oder Nacht die Verhüllung des Angesichts. Dies führt zum Zweifel an der wohlwollenden Lenkung und zu fremden Gedanken. Das heißt, die Verhüllung der Lenkung führt dazu, dass beim Menschen all diese fremden Gedanken und Meinungen aufkommen. Dies wird als „Finsternis“ oder „Nacht“ bezeichnet. Mit anderen Worten spürt der Mensch einen Zustand, in welchem sich die ganze Welt für ihn verdunkelt hat.

Auf diese Weise kann man das Gesagte erklären: „Wehe denen, die sich sehnen nach dem Tage des Schöpfers. Wozu [dient] Euch der Tag des Schöpfers? Er ist Finsternis und nicht Licht.“ Diejenigen, die den Tag des Schöpfers erwarten, warten darauf, dass ihnen der Glaube über dem Verstand gegeben wird, dass dieser Glaube so stark sein wird, als würden sie mit eigenen Augen sehen, mit dem sicheren Gefühl, dass es so ist. Also dass der Schöpfer die Welt nur wohlwollend lenkt.

Das heißt, sie wollen nicht sehen, wie der Schöpfer die Welt wohlwollend lenkt, da sich Sehen und Glauben widersprechen. Anders gesagt, besteht Glauben gerade dort, wo es gegen den Verstand geht. Und wenn der Mensch etwas entgegen dem Verstand tut, dann wird dies Glauben über dem Verstand genannt.

Sie glauben also, dass die Weise, wie der Schöpfer seine Geschöpfe lenkt, im Aspekt von „Gut und Gutes tuend“ geschieht. Und dafür, dass sie das nicht in klarer Erkenntnis sehen, sagen sie nicht zum Schöpfer: „Wir wollen die Güte im Aspekt des Sehens innerhalb des Verstandes sehen.“ Vielmehr wollen sie, dass dies bei ihnen in Form des Glaubens über dem Verstand verbleibt.

Sie bitten jedoch den Schöpfer darum, ihnen die Kraft zu geben, damit dieser Glaube so stark sein möge, als würden sie dies im Verstand sehen, also dass es keinen Unterschied zwischen dem Glauben und dem Wissen innerhalb des Verstandes geben möge. Solch ein Zustand wird bei denjenigen, die eine Anhaftung an den Schöpfer begehren, als „Tag des Schöpfers“ bezeichnet.

Mit anderen Worten: Wenn sie das als Wissen fühlen, dann wird das Licht des Schöpfers, welches als die Höhere Fülle bezeichnet wird, in die Kelim des Empfangens eintreten, welche  Gefäße der Trennung genannt werden. Und das wollen sie deswegen nicht, weil es in den Willen zu empfangen eintritt, welcher den Gegensatz zur Heiligkeit darstellt, die dem Willen, für sich zu empfangen, entgegengesetzt ist. Sondern sie wollen eine Anhaftung an den  Schöpfer, die man nur mittels der Angleichung der Form erreichen kann.

Aber um dieses zu erreichen, das heißt, dass der Mensch den Wunsch und die Sehnsucht nach dem Schöpfer haben wird – obwohl er mit der Natur des Willens, nur für sich selbst zu empfangen, erschaffen worden ist – wie ist es dann möglich, etwas zu erreichen, das der Natur gänzlich entgegengesetzt ist? Aus diesem Grund muss sich der Mensch sehr anstrengen, bis er eine zweite Natur erlangt, welche der Wille zu geben ist.

Wenn der Mensch des Willens zu geben würdig wird, dann ist er befähigt, darin die Höhere Fülle ohne Makel zu empfangen, da alle Fehler nur aus dem Willen für sich selbst zu empfangen resultieren. Das heißt, selbst wenn er etwas tut, um zu geben, hegt er tief in seinem Inneren einen Gedanken, dass er eine Gegenleistung für diese Handlung des Gebens, die er nun ausführt, empfangen wird.

In einem Wort – der Mensch ist unfähig, irgendetwas zu tun, wenn er nicht eine Gegenleistung für diese Handlung erhält. Das heißt, er muss genießen. Und jeder Genuss, den der Mensch zum eigenen Nutzen empfängt, muss bei ihm wegen der Trennung eine Trennung vom Leben des Lebens bewirken.

Denn dies verhindert, sich in Anhaftung an den Schöpfer zu befinden, da Dwekut (Anhaftung) anhand der Gleichheit der Form gemessen wird. Daher ist es unmöglich, im reinen Geben ohne eine Beimischung des Empfangens durch eigene Kräfte zu sein. Um daher die Kräfte des Gebens zu erlangen, benötigt man eine zweite Natur, um die Kraft zu haben, die Gleichheit der Form zu erlangen.

Das heißt, der Schöpfer ist der Geber und empfängt dabei überhaupt nichts, da es Ihm an nichts mangelt. Dies bedeutet, dass das, was Er gibt, nicht aus einem Mangel heraus gegeben wird, denn wenn Er niemanden hätte, dem Er geben könnte, dann würde Er dies als Mangel empfinden.

Stattdessen müssen wir es als ein Spiel sehen. Es ist nicht so, dass sein Wunsch zu geben etwas ist, das Er braucht; sondern alles ist wie ein Spiel. Es ist wie unsere Weisen in Bezug auf  die Herrin sagten: „Sie fragte: ‚Was macht der Schöpfer, nachdem Er die Welt erschaffen hat ‘? Die Antwort war: ‚Er sitzt und spielt mit dem Lewiatan (einem Seeungeheuer)‘.“ Wie geschrieben steht: „Dieser Lewiatan, den Du erschaffen hast, um mit ihm zu spielen.“[3]

Der Lewiatan bezieht sich auf Dwekut und Verbindung (wie geschrieben steht „in jedem Zwischenraum Gehänge“). Dies bedeutet, dass das Ziel die Verbindung des Schöpfers mit den Geschöpfen ist. Dies ist nur ein Spiel; es ist keine Sache eines Wunsches oder Bedürfnisses.

Der Unterschied zwischen einem Spiel und einem Wunsch besteht darin, dass alles, was im Wunsch kommt, eine Notwendigkeit ist. Wenn jemand seinen Wunsch nicht erreicht, so ist er im Mangel. Im Spiel jedoch, selbst wenn er das Ziel nicht erreicht, wird es nicht als Mangel betrachtet, wie sie sagen: „Es ist nicht so schlimm, dass ich nicht erreichte, woran ich dachte.“ Denn der ganze Wunsch, den man dafür empfand, war nur spielerisch und nicht ernsthaft.

Es folgt, dass die endgültige Vollkommenheit darin besteht, dass jemandes Arbeit vollständig im Geben sein wird und er weder Wunsch noch Sehnsucht danach haben wird, Genuss für seine Arbeit zu empfangen.

Und dies ist eine hohe Stufe, weil sie im Schöpfer enthalten ist. Und dies wird „der Tag des Schöpfers“ genannt.

Der Tag des Schöpfers wird „Ganzheit“ genannt, wie geschrieben steht: „Es verdunkeln sich die Sterne der Dämmerung, hoffend auf Licht, doch es kommt nicht.“ Licht wird als Ganzheit betrachtet.

Wenn man die zweite Natur erreicht, welche der Wille zu geben ist, die der Schöpfer einem nach der ersten Natur, welche der Wille zu empfangen ist, gibt, und man nun des Willens zu geben würdig wird, dann ist man verpflichtet, dem Schöpfer in Ganzheit zu dienen, und dies wird als „der Tag des Schöpfers“ betrachtet.

Deshalb ist jemand, welcher der zweiten Natur noch nicht würdig wurde, um dem Schöpfer im Geben zu dienen, und erwartet, dessen würdig zu werden – das heißt, er hat sich bereits angestrengt und getan, was er konnte, um diese Kraft zu erlangen –, ein Mensch, der auf den Tag des Schöpfers wartet, damit er die Gleichheit der Form mit dem Schöpfer hat.

Wenn der Tag des Schöpfers kommt, ist er freudig erregt. Er ist glücklich, dass er aus der Herrschaft des Willens, für sich selbst zu empfangen, die ihn vom Schöpfer trennte, herausgekommen ist. Jetzt haftet er an den Schöpfer an und betrachtet dies für sich als Erreichung des Gipfels.

Dies steht im Gegensatz  zu jemandem, dessen Arbeit nur in der Selbsterfüllung besteht. Solange er denkt, dass er irgendeine Belohnung von seiner Arbeit haben wird, ist er glücklich, Doch wenn er sieht, dass der Wille zu empfangen keine Gegenleistung für seine Arbeit erlangen wird, dann verfällt er in Traurigkeit und Faulheit. Manchmal fällt er in [den Zustand, in welchem er] „all das Gute, dass er getan hat, bedauert“ und er sagt: „Darauf habe ich nicht geschworen.“ 

Überdies ist der Tag des Schöpfers das Erlangen der Kraft des Gebens. Wenn jemandem gesagt würde, dass dies sein Gewinn für die Beschäftigung mit der Tora und den Mizwot sei, dann würde er sagen: „Ich erachte dies als Dunkelheit und nicht als Licht“, denn dieses Wissen bringt ihn zur Dunkelheit.



[1] Amos 5, 18

[2] Talmud, Traktat Sanhedrin 98b

[3] Talmud, Traktat Awoda Sara, S. 3

 

Shamati 17: Was bedeutet es, dass Sitra Achra "Malchut ohne Krone" genannt wird?

Ich hörte im Jahr 1941 in Jerusalem

Krone bedeutet Keter, und Keter ist der Ausströmende und die Wurzel. Die Kedusha (Heiligkeit) ist mit der Wurzel verbunden, das heißt, die Kedusha wird als in Übereinstimmung der Form mit ihrer Wurzel angesehen. Das bedeutet, so wie unsere Wurzel, also der Schöpfer, nur geben möchte, wie geschrieben steht: „Sein Wunsch, den Geschöpfen Gutes zu tun“, so gibt die Kedusha nur dem Schöpfer.

Dies ist bei Sitra Achra[1] allerdings nicht so. Sie beabsichtigt, nur für sich selbst zu empfangen. Aus diesem Grund befindet sie sich nicht in Anhaftung an die Wurzel, welche Keter ist. Folglich heißt es über Sitra Achra, sie hätte keine Krone, das heißt, sie besitzt kein Keter, da sie von Keter getrennt ist.

Nun können wir verstehen, was unsere Weisen sagten: „Jeder, der  hinzufügt, nimmt weg.“[2] Also, wenn er daher zur Summe hinzufügt, nimmt er weg. Es steht geschrieben: „Gleiches gilt in Bezug auf das, was sich innerhalb befindet: ‚Und das Stiftszelt sollst du machen aus zehn Vorhängen‘“[3]. In Bezug auf das, was außerhalb ist, steht geschrieben: „Elf Vorhänge“[4], Buchstaben hinzufügend, also das Ajin (ע) zur Zwölf hinzufügen und von der Summe abziehen. Er zieht eins von der Nummer Zwölf ab aufgrund der Hinzufügung des Ajin zur Zwölf.[5]

Es ist bekannt, dass eine Berechnung nur in Malchut durchgeführt wird, welche die Höhe der Stufe ermittelt (durch das Or Choser in ihr). Ebenso ist bekannt, dass Malchut „der Wille für sich selbst zu empfangen“ genannt wird.

Wenn sie ihren Willen zu empfangen vor der Wurzel annulliert und nicht empfangen möchte, sondern der Wurzel nur geben möchte, wie die Wurzel, die der Wille zu geben ist, dann wird Malchut, Ani (Ich, אני) genannt, zu Ejn (Nichts, אין). Erst dann zieht sie das Licht von Keter an und erhält es, um ihren Parzuf zu bilden und zu zwölf Parzufim der Kedusha zu werden.

Wenn sie allerdings für sich selbst empfangen möchte, wird sie zu Ajin Ra (Böses Auge, Missgunst, Neid). Anders gesagt: Wo es eine Kombination von Ejn (Nichts) gab, also eine Annullierung vor der Wurzel, die Keter ist, wurde dies zu Ajin (Auge – das heißt dies ist die Betrachtung und Kenntnis innerhalb des Verstandes).

Dies wird „hinzufügen“ genannt. Es bedeutet, dass jemand Wissen zum Glauben hinzufügen und im Verstand arbeiten möchte. Mit anderen Worten: Sie sagt, es sei lohnenswerter, im Verstand zu arbeiten, und dann wird der Wille zu empfangen keinen Einwand gegen die Arbeit erheben.

Dies verursacht einen Mangel, das bedeutet, dass sie sich von Keter, genannt „der Wille zu geben“, die die Wurzel ist, trennten, wobei es keine Übereinstimmung der Form mit der Wurzel Keter mehr gibt. Aus diesem Grund wird Sitra Achra als „Malchut ohne Krone“ bezeichnet. Es bedeutet, dass Malchut von Sitra Achra keine Anhaftung an Keter hat. Daher haben sie nur elf Parzufim, ohne den Parzuf Keter.

Das ist die Bedeutung davon, was unsere Weisen sagten: „Neunundneunzig starben durch das Böse Auge“, da sie keine Erkenntnis von Keter haben. Das bedeutet, dass Malchut in ihnen, die der Wille zu empfangen ist, sich nicht vor der Wurzel, genannt Keter, annullieren möchte. Dies zeigt, dass sie aus dem Ani (Ich), „der Wille zu empfangen“ genannt, kein Ejn (nichts) machen wollen, was die Annullierung des Willens zu empfangen wäre.

Stattdessen wollen sie hinzufügen. Und das wird Böses Auge genannt. Das heißt, wo es Ejn[6] (nichts) mit Alef geben sollte, fügen sie das Böse Auge Ajin[7] Ra – hinzu. Deshalb fallen sie aufgrund der mangelnden Anhaftung an die Wurzel von ihrer Stufe ab.

Das meinten unsere Weisen, als sie sagten: „Zu allen, die überheblich sind, spricht der Schöpfer: ‚Er und Ich können nicht am gleichen Platz verweilen.‘“ Dies ist so, weil der Mensch zwei Herrschaften schafft. Wenn er sich jedoch im Zustand von Ejn befindet und sich selbst vor der Wurzel annulliert, das heißt, dass seine Absicht einzig dem Geben gilt, wie die Wurzel, findet man nur eine einzige Herrschaft vor – die Herrschaft des Schöpfers. Dann ist alles, was er auf der Welt empfängt, darauf ausgerichtet, dem Schöpfer zu geben.

Das ist die Bedeutung davon, was der Mensch sagte: „Die ganze Welt wurde nur meinetwegen erschaffen und ich, um meinem Erschaffer zu dienen.“ Aus diesem Grund muss ich sämtliche Stufen, die es in der Welt gibt, annehmen, um dadurch dem Schöpfer alles geben zu können, was „um meinem Erschaffer zu dienen“ heißt.



[1]  Die andere, die schlechte Seite, steht der guten Seite gegenüber.

[2] Sanhedrin 29

[3] 2. Buch Mose 26, 1

[4] 2. Buch Mose 26, 7

[5] Sohar, Pekudei, Punkt 249

[6] Alef ist der erste Buchstabe in dem Wort Ejn (nichts).

[7] Ajin ist der erste Buchstabe in dem Wort „Auge“.

 

Shamati 18: Was bedeutet „In Verborgenheit weine meine Seele“ in spiritueller Arbeit?

Ich hörte im Jahr 1940 in Jerusalem

Wenn sich über dem Menschen die Verhüllung des Spirituellen verstärkt und er in einen solchen Zustand gelangt, dass er keinerlei Geschmack an spiritueller Arbeit verspürt und überhaupt nicht in der Lage ist, sich Liebe und Ehrfurcht weder vorzustellen noch zu empfinden, und nicht in der Lage ist, irgendetwas in der Heiligkeit zu tun – dann hat er keinen anderen Rat, als nur zum Schöpfer zu weinen, dass Er sich seiner erbarmen und die Verhüllung von seinen Augen und seinem Herzen nehmen möge.

In der spirituellen Arbeit ist das Weinen ein großer und wichtiger Zustand. Und es ist wie die Weisen sagten: „Alle Tore sind verschlossen, außer den Toren der Tränen.“ Die Welt fragt diesbezüglich: „Wenn die Tore der Tränen nicht verschlossen sind, wozu braucht man dann überhaupt die Tore?“ Er sagt, dass dies einem Menschen gleiche, der von seinem Freund eine notwendige Sache erbittet. Und diese Sache berührt so sehr sein Herz, und er bittet, betet und fleht ihn aus aller Kraft an. Und sein Freund bleibt von all dem unberührt. Wenn er also sieht, dass es sinnlos ist, weiter zu flehen und zu bitten, bricht er in Tränen aus. 

Und darüber wird gesagt: „Alle Tore waren verschlossen, außer den Toren der Tränen.“ Wann sind die Tore der Tränen nicht verschlossen? Genau dann, wenn alle anderen Tore geschlossen sind. Dann ist Platz für die Tore der Tränen und man sieht, dass sie nicht verschlossen sind. Doch solange die Tore des Gebets offen stehen, gibt es keinen Platz für die Tore der Tränen, und das bedeutet, dass sie verschlossen sind. Wann sind aber die Tore der Tränen nicht verschlossen? Gerade dann, wenn alle anderen Tore verschlossen sind, sind die Tore der Tränen offen, weil es bis dahin noch eine Möglichkeit für Bitten und Flehen gibt.

Und das ist die Erklärung von: „In Verborgenheit weine meine Seele“, das bedeutet, wenn der Mensch in einen Zustand der Verhüllung gelangt, dann „weine meine Seele!“, weil ihm keine andere Möglichkeit bleibt. Daher sagt man: „Alles, was in deiner Hand und deiner Kraft ist zu tun – tue.“

 

Shamati 19 Was bedeutet „der Schöpfer hasst die Körper“ in der spirituellen Arbeit?

Ich hörte im Jahr 1943, in Jerusalem

Der heilige Sohar besagt, dass der Schöpfer die Körper hasst. Er [Baal HaSulam] sagte, man solle es so erläutern, dass der Wille zu empfangen gemeint ist, welcher Guf (Körper) genannt wird. Der Schöpfer erschuf Seine Welt zu Seiner Glorie, so wie es geschrieben steht: „Jeglichen, der sich nennt mit Meinem Namen, den ich zu Meiner Ehre geschaffen, gebildet und bereitet.“

Daher steht dieses im Widerspruch zur Behauptung des Körpers, dass alles für ihn, also nur zu seinem Nutzen ist. Und der Schöpfer sagt im Gegenteil, dass alles zum Nutzen des Schöpfers sein soll, und deshalb überlieferten unsere Weisen die Aussage des Schöpfers, dass „Ich und er […] nicht in einer gleichen Behausung verweilen [können].“

Daraus folgt, dass der Wille zu empfangen die Ursache ist, von der Anhaftung an den Schöpfer getrennt zu sein. Dieses wird erkannt, wenn das Böse, das heißt der Wille, für sich selbst zu empfangen, kommt und fragt: „Warum willst du zum Nutzen des Schöpfers arbeiten?“ Wir meinen, dass er wie ein Mensch sein Anliegen vorbringt, also mit dem Verstand begreifen will. Aber das ist nicht die Wahrheit, da er nicht fragt, wem der Mensch dient, was sicherlich eine verstandesgemäße Frage ist, die bei einem Menschen mit Verstand aufkommt.

Das Anliegen des Bösen ist jedoch eine körperliche Frage. Er fragt also: „Was soll euch dieser Dienst?“ Anders ausgedrückt: Welchen Verdienst wirst du für dein Bemühen erhalten? Das bedeutet, dass er fragt: Wenn du nicht zu deinem eigenen Nutzen arbeitest, was wird dann der Körper, welcher „Wille, für sich selbst zu empfangen“ genannt wird, davon haben?

Und da es sich um ein körperliches Anliegen handelt, kann man es nicht anders als mit einer körperlichen Antwort erwidern: „Er machte seine Zähne stumpf, und wäre er dort nicht gewesen, wäre er nicht erlöst worden.“ Warum? Weil es für den Willen, für sich selbst zu empfangen, keine Erlösung gibt, nicht einmal zur Zeit der Erlösung. Denn die Erlösung wird dann sein, wenn jeder Nutzen in die Gefäße des Gebens und nicht in die Gefäße des Empfangens hineinfließen wird.

Und der Wille, für sich selbst zu empfangen, muss immer in einem Mangel verbleiben, denn die Erfüllung des Willens zu empfangen bedeutet den Tod. Der Grund dafür ist, wie Oben erwähnt, dass die Schöpfung hauptsächlich zu Seiner Ehre war. (Dies steht im Geschriebenen beantwortet, dass es Sein Wille ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun und nicht Sich Selbst.)

Es soll erläutert werden, dass die Hauptsache der Schöpfung, allen zu offenbaren, dass das Ziel der Schöpfung „Gutes tuend für Seine Geschöpfe“ ist, erst dann vom Menschen wahrgenommen wird, wenn er sagt, er wurde erschaffen, um den Schöpfer zu ehren. Dann enthüllt sich in diesen Gefäßen das Schöpfungsziel, welches „Gutes tuend für Seine Geschöpfe“ ist.

Daher ist es dem Menschen auferlegt, sich immer selbst hinsichtlich des Zieles seiner Arbeit zu überprüfen. Das bedeutet, dass er sich in all seinen Handlungen fragen soll, ob der Schöpfer Zufriedenheit davon haben wird, denn er möchte die Angleichung der Form an den Schöpfer. Dies wird „Alle deine Taten sollten um des Schöpfers willen  geschehen“ genannt. In allem also, was der Mensch tut, möchte er, dass der Schöpfer Genuss daran hat, wie es geschrieben steht: „Seinem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten.“

Mit dem Willen zu empfangen muss man auch so umgehen, dass man zu ihm sagt: „Ich habe mich schon aus dem Grunde dafür entschieden, keinen Genuss empfangen zu wollen, weil du genießen möchtest. Aufgrund deines Verlangens muss ich vom Schöpfer getrennt sein, da Unterschiedlichkeit der Form Trennung und Entfernung vom Schöpfer verursacht.“

Und die Hoffnung des Menschen soll aus der Erwartung heraus entstehen, dass, da der Mensch sich nicht von der Herrschaft des Willens zu empfangen lösen kann und sich deshalb ständig in Aufstiegen und Abstiegen befindet, er würdig sein soll, dass der Schöpfer seine Augen öffnen und ihm Kraft zur Überwindung geben wird, um nur zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten. Wie es geschrieben steht: „Eins wünsche ich vom Schöpfer, das ich erbitte.“ Das „das“ ist also die heilige Shechina (Göttliche Gegenwart). Und er bittet zu „bleiben im Hause des Herrn all meine Lebenstage (Psalm 27, 4).

Das „Haus des Schöpfers“ ist die heilige Shechina. Aus dem Gesagten können wir die Auslegung unserer Weisen vom Geschriebenen verstehen: „Und nehmet euch am ersten Tage, der erste, der die Vergehen zählt.“ Wir müssen verstehen, warum es hier Freude gibt, wenn es hier Platz für eine Berechnung der Vergehen gibt.

Er sagte, dass wir wissen sollen, dass das Bemühen in der Arbeit von Wichtigkeit ist, weil es dann dort eine Berührung zwischen dem Menschen und dem Schöpfer gibt.

Das bedeutet, dass der Mensch fühlt, dass er den Schöpfer braucht, denn im Zustand des Bemühens sieht er, dass es keinen auf der Welt gibt, in dessen Hand es liegt, ihn aus dem Zustand, in dem er sich befindet, zu retten, außer dem Schöpfer allein. Dann sieht er, dass „Es […] nichts außer Ihm [gibt]“, das ihn aus dem Zustand, in dem er sich befindet, retten kann, und aus welchem er nicht entfliehen kann.

Dies wird „einen engen Kontakt mit dem Schöpfer zu haben“ genannt. Wenn man diesen Kontakt zu schätzen weiß, heißt das, dass der Mensch glauben soll, dass er dann in Anhaftung an den Schöpfer ist, was bedeutet, dass alle seine Gedanken nur zum Schöpfer gerichtet sind, gemeint ist, dass Er ihm helfen wird. Andernfalls sieht er, dass er sonst verloren ist. 

Wenn jedoch jemandem die persönliche göttliche Vorsehung zuteilwird und er sieht, dass es der Schöpfer ist, der alles tut, so wie es geschrieben steht, dass „Er allein alle Werke vollbracht hat, vollbringt und vollbringen wird“, dann hat der Mensch ohnehin nichts hinzuzufügen und keinen Platz für ein Gebet, dass der Schöpfer ihm helfen solle. Denn er sieht, dass sogar ohne sein Gebet sowieso der Schöpfer alles tut.

Deshalb gibt es dann für ihn keinen Platz, um gute Taten zu tun, da er sieht, dass auch ohne ihn alles schon vonseiten des Schöpfers getan ist. Also braucht er die Hilfe des Schöpfers, um irgendetwas zu tun. Und ohnehin hat er keinen Kontakt mit dem Schöpfer, denn erst in dem Maße, in welchem der Schöpfer ihm nicht hilft, hat der Mensch ein Bedürfnis des Kontakts mit dem Schöpfer, weil er sieht, dass er sonst verloren ist, wenn der Schöpfer ihm nicht hilft.

Daraus folgt, dass er nicht mehr den Kontakt mit dem Schöpfer hat, den er während seiner Arbeit hatte. Er sagte, dass dieses einem Menschen ähnelt, der sich zwischen Leben und Tod befindet und von seinem Freund erbittet, er solle ihn vom Sterben erretten. In welcher Weise bittet er seinen Freund? Sicherlich bemüht er sich mit allen dem Menschen zur Verfügung stehenden Kräften, seinen Freund zu bitten, er möge sich seiner erbarmen und ihn vom Tod erretten. Sicherlich vergisst er niemals, seinen Freund anzuflehen, weil der Mensch sieht, dass er sonst sein Leben verliert.

Derjenige jedoch, der seinen Freund um überflüssige, nicht wirklich notwendige Dinge bittet, dieser Bittende ist nicht so sehr an seinen Freund angehaftet, (auf) dass er ihm das Erbetene gebe, soweit, dass sein Geist nicht vom Bitten abgelenkt werde. Man sieht also, dass bei Dingen, die nicht wirklich überlebensnotwendig sind, der Bittende nicht so sehr an den Gebenden angehaftet ist.

Daher, wenn der Mensch fühlt, dass er vom Schöpfer erbitten muss, Er solle ihn vom Tod erretten, was bedeutet, aus dem Zustand heraus „Die Bösen werden in ihrem Leben Tote genannt“, dann ist der Kontakt zwischen dem Menschen und dem Schöpfer ein enger Kontakt. Deswegen ist die Arbeit des Gerechten ein Raum, wo die Hilfe des Schöpfers notwendig ist, ansonsten ist er verloren. Danach sehnen sich die Gerechten: nach einem Arbeitsraum also, der ihnen einen engen Kontakt mit dem Schöpfer ermöglicht.

Daraus folgt, dass, wenn der Schöpfer Raum für Arbeit gibt, diese Gerechten sich dann sehr freuen. Daher die Auslegung „Der erste zur Berechnung der Vergehen“, was ihnen eine Freude ist, da sie jetzt einen Raum für Arbeit haben. Jetzt haben sie Bedarf nach dem Schöpfer und können nun mit Ihm in einen engen Kontakt kommen. Denn man kann in das Gemach des Königs nur zu einem bestimmten Zweck hineinkommen.

Dies ist die Bedeutung von „Und nehmet euch.“ Und der Sinn ist, dass „alles […] in den Händen des Himmels [liegt], außer der Furcht vor dem Schöpfer.“ Das heißt, dass der Schöpfer eine Fülle von Licht geben kann, denn Er hat dieses. Aber Dunkelheit und ein Ort, wo Mangel herrscht – diese liegen nicht unter Seiner Herrschaft.

Und weil es eine Regel gibt, die besagt, dass es Furcht vor dem Schöpfer nur aus einem Ort des Mangels gibt, und Ort des Mangels wird der Wille zu empfangen genannt, heißt das, dass es nur dann Raum für Bemühung gibt. Worin? Wenn er Widerstand leistet.

Der Körper kommt und fragt: „Was soll euch dieser Dienst?“, und der Mensch hat darauf keine Antwort. Dann muss er das Joch des himmlischen Königreichs ohne Widerspruch über den Verstand hinaus annehmen „wie ein Ochse das Joch und wie ein Esel die Last“, ohne Widerspruch. Stattdessen sprach Er und Sein Wille geschah. Das wird euch genannt, was bedeutet, dass diese Arbeit genau euch und nicht Mir gehört. Arbeit bedeutet also das, was euer Wille zu empfangen erfordert.

Wenn der Schöpfer ihm jedoch eine Erleuchtung vom Himmel schickt, dann ergibt sich der Wille zu empfangen und annulliert sich wie eine Kerze vor einer Fackel. Und ohnehin hat er keine Mühe mehr, denn er braucht dann nicht mehr das Joch des himmlischen Königreichs zwangsweise auf sich zu nehmen „wie ein Ochse für das Joch und wie ein Esel für die Last [da ist]“, so wie es geschrieben steht: „Die ihr den Schöpfer liebt, hasset das Böse.“

Die Erläuterung dazu ist, dass nur aus dem Ort des Bösen heraus sich die Liebe zum Schöpfer ausbreitet. Das heißt, je mehr er Hass auf das Böse hat, also je mehr er sieht, wie ihn der Wille zu empfangen stört, die Vollkommenheit des Zieles zu erreichen, desto mehr ist er darauf angewiesen, der Liebe zum Schöpfer würdig zu werden.

Wenn er jedoch nicht fühlt, dass er Böses in sich hat, ist er nicht in der Lage, der Liebe zum Schöpfer würdig zu sein, denn er hat deswegen kein Verlangen danach, weil er bereits Befriedigung in der Arbeit findet.

Aus dem Gesagten folgt, dass der Mensch sich nicht darüber ärgern soll, wenn er mit dem Willen zu empfangen arbeitet, dass dieser ihn bei der Arbeit behindert. Und der Mensch wäre sicherlich stärker zufriedengestellt, wenn der Wille zu empfangen vom Körper fern geblieben wäre, was bedeutet, dass er seine Anliegen dem Menschen nicht vorgebracht hätte, um ihn damit bei der Arbeit der Einhaltung von Tora und Mizwot zu behindern. 

Der Mensch soll jedoch glauben, dass dieser bei der Arbeit behindernde Wille zu empfangen von Oben zu ihm kam. Denn man gibt ihm vom Himmel die Kraft für die Aufdeckung des Willens zu empfangen deswegen, weil es gerade dann Raum für Arbeit gibt, wenn der Wille zu empfangen erwacht.

Dann hat der Mensch engen Kontakt zum Schöpfer, der ihm helfen soll, den Willen zu empfangen in die Absicht zu geben umzuwandeln. Und der Mensch soll daran glauben, dass Zufriedenheit sich für den Schöpfer dadurch ausbreitet, dass er zu Ihm betet, Er solle ihn an Sich zur Stufe der Anhaftung annähern, welche „Angleichung der Form“ heißt. Dies ist die Stufe, wo der Wille zu empfangen null und nichtig und in die Absicht zu geben umgewandelt wird. Und darüber sagt der Schöpfer: „Meine Söhne haben mich besiegt. Anders ausgedrückt: Ich habe euch den Willen zu empfangen gegeben und ihr bittet Mich, euch stattdessen mit einem Willen zu geben auszustatten.“

Nun können wir das interpretieren, was in der Gemara (Traktat Chulin, S. 7) gesagt wird: Rabbi Pinchas Ben Jair war auf dem Weg, Gefangene zu befreien. Er kam zum Fluss Ginai und sagte zu ihm: „Ginai, teile deine Wasser und ich werde durch dich hindurchgehen.“ Der Fluss erwiderte: „Du wirst den Willen deines Schöpfers tun und ich werde den Willen meines Schöpfers tun. Du tust es vielleicht oder auch nicht, während ich es sicher tue.“

Er sagte, die Bedeutung ist, dass er dem Fluss, also dem Willen zu empfangen befahl, ihn durchzulassen und die Stufe, den Willen Gottes zu tun, zu erreichen, also alles zu tun, um seinem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten. Und der Fluss, das heißt der Wille zu empfangen, antwortete ihm, dass, da der Schöpfer ihn mit dieser Natur erschaffen hat, Genuss und Vergnügen empfangen zu wollen, er die Natur, die der Schöpfer ihm gegeben hat, nicht ändern möchte.

Und Rabbi Pinchas Ben Jair führte einen Krieg mit ihm, was bedeutet, dass er ihn zum Willen zu geben umwandeln wollte. Das heißt, dass er mit der Schöpfung, mit dem, was der Schöpfer in der Natur erschaffen hat, welches der Wille zu empfangen heißt, also mit der ganzen Schöpfung, die „Jesh me Ajn“ („Existenz aus dem Nichtexistierenden“) genannt wird, einen Krieg führte.

Und man soll wissen, dass während der Arbeit, wenn der Wille zu empfangen mit seinen Argumenten zum Menschen kommt, weder Diskussionen noch rationale Argumente, die der Mensch als gerecht empfindet, helfen. Obwohl man meint, dass diese Argumente gerechtfertigt sind, werden sie uns nicht beim Besiegen unseres Bösen helfen.

Stattdessen, wie es geschrieben steht: Er machte seine Zähne stumpf“, was bedeutet, den Weg nur mit Taten zu beschreiten und nicht mit Argumenten. Das bedeutet, dass der Mensch seine Kräfte gezwungenermaßen steigern soll, was das Geheimnis der Aussage unserer Weisen ist: Man zwingt ihn, bis er sagt, ich will.“ Das heißt, dass die Gewohnheit durch vermehrte Beharrlichkeit zur zweiten Natur wird.

Und der Mensch muss sich hauptsächlich darum bemühen, ein starkes Verlangen danach zu haben, sich den Willen zu geben anzueignen und den Willen zu empfangen zu überwinden. Die Bedeutung eines starken Willens ist, dass dieser an der Häufigkeit der zwischenzeitlichen Pausen und Ruhezeiten gemessen wird. Damit ist die Unterbrechung von einer Überwindung zur nächsten gemeint.

Manchmal bekommt der Mensch zwischendurch eine Unterbrechung, was Abstieg heißt. Und dieser Abstieg kann einen Moment oder eine Stunde oder einen Tag oder einen Monat lang andauern. Und danach beginnt er wieder von neuem, an der Überwindung des Willens zu empfangen zu arbeiten und sich zu bemühen, den Willen zu geben zu erreichen.

Ein starker Wille bedeutet, dass die Unterbrechung bei ihm nicht lange andauert und er gleich wieder zur Arbeit erwacht.

Dies ähnelt einem Menschen, der einen großen Stein zerbrechen möchte. Er nimmt einen großen Hammer und schlägt mit diesem mehrmals den ganzen Tag lang auf ihn ein, aber seine Schläge sind schwach, was bedeutet, dass er nicht mit einem Schwung auf den Stein schlägt, sondern den großen Hammer langsam senkt. Und er beschwert sich, dass diese Arbeit, den Stein zu zerbrechen, nichts für ihn ist, denn sicherlich braucht man einen Starken, der die Fähigkeit hat, diesen großen Stein zu zerbrechen. Und er sagt noch, dass er nicht mit solch großen Kräften geboren wurde, die ihm ermöglichen könnten, den Stein zu zerbrechen.

Wenn jedoch jemand diesen großen Hammer hebt und mit einem großen Schwung auf den Stein schlägt, also nicht langsam, sondern mit Kraftaufwand, dann gibt der Stein sofort nach und zerbricht. Und dies ist “wie ein [starker] Hammer, der Felsen sprengt.“

Ebenso ist es in der heiligen Arbeit, bei der die Empfangsgefäße in die Kedusha (Heiligkeit) hineingebracht werden: Obwohl wir einen starken Hammer haben, was bedeutet Worte der Tora, die uns gute Ratschläge geben, flieht der Mensch jedoch aus dem Kampf, wenn er nicht beständig ist, sondern mit großen Unterbrechungen dazwischen arbeitet. Und er sagt, dass er dafür nicht geschaffen wurde, sondern es für diese Arbeit jemanden braucht, der mit besonderen Fähigkeiten dafür geboren wurde.

Nichtsdestoweniger soll der Mensch glauben, dass jeder Mensch das Ziel erreichen kann. Allerdings muss er sich bemühen, ein jedes Mal seine Überwindungskräfte zu steigern, und dann kann er in kurzer Zeit den Stein zerbrechen.

Man soll dazu noch wissen, dass, damit das Bemühen einen Kontakt mit dem Schöpfer schaffen wird, es hierzu eine sehr harte Bedingung gibt. Und diese ist, dass das Bemühen in Form von Zierde sein muss. Denn Verherrlichung bedeutet dem Menschen etwas Wichtiges. Wenn das Bemühen jedoch nicht wichtig genommen wird, kann der Mensch nicht in Freude arbeiten. Also soll er Freude daran haben, dass er jetzt Kontakt mit dem Schöpfer hat.

Diese Sache wird mit der Zitrusfrucht angedeutet, wie über die Zitrusfrucht geschrieben steht Frucht vom Zitrusbaum, Hadar[1]“, welche von seiner Nase aufwärts rein sein soll. Es ist bekannt, dass es hierzu drei Aspekte gibt:                                                                      

  1. Zierde
  2. Geruch
  3. Geschmack.

Geschmack heißt, wenn die Lichter von Oben nach unten ausgebreitet werden, also unterhalb von Pe (Mund), dort, wo die Stufe von Gaumen und Geschmack ist, was bedeutet, dass die Lichter in die Gefäße des Empfangens fließen.

Geruch heißt, wenn die Lichter von unten nach Oben aufsteigen, die Lichter also in die Gefäße des Gebens fließen, in der Form von „empfängt und gibt nicht unterhalb von Gaumen und Kehle“, welche die Stufe ist von „Und er wird riechen in Gottesfurcht“, was über den Messias gesagt wird. Es ist bekannt, dass der Aspekt von Geruch der Nase zugeordnet ist.

Zierde ist Schönheit, welche oberhalb seiner Nase ist, die also keinen Geruch hat. Das bedeutet, dass es dort keinen Geschmack und keinen Geruch gibt. Was aber gibt es dort doch, was ihm ermöglicht zu überleben? Auf jeden Fall hat er jedoch den Aspekt der Verherrlichung in sich. Und das ist, was ihn erhält.

Wir erkennen bei der Zitrusfrucht, dass sie gerade dann Zierde in sich hat, bevor sie genießbar ist. Wenn sie aber genießbar ist, dann ist keine Zierde mehr in ihr.

Und das weist uns auf das Thema der Arbeit des ersten, der die Vergehen berechnet, wie Oben erwähnt, hin. Das heißt, dass gerade in der Zeit der Arbeit von „Und nehmet euch“, also der Arbeit während der Zeit, wo man das Joch des himmlischen Königreichs auf sich nimmt, bei der der Körper noch Widerstand leistet, es dann Raum für Freude an der Zierde gibt.

Die Verherrlichung wird also während dieser Arbeit erkennbar. Das heißt, dass er deshalb Freude an dieser Arbeit hat, weil ihm diese Arbeit Zierde und nicht Schmach bedeutet.

Mit anderen Worten: Der Mensch verachtet manchmal diese Arbeit, das Joch des himmlischen Königreichs auf sich zu nehmen, was eine Zeit des Empfindens von Dunkelheit ist, wenn er sieht, dass es außer dem Schöpfer keinen gibt, der ihn aus seinem Zustand erretten kann. Dann nimmt er über den Verstand hinaus das Joch des himmlischen Königreichs auf sich, in Form von „wie ein Ochse das Joch und wie ein Esel die Last.“

Und es soll ihm eine Freude sein, dass er dem Schöpfer jetzt etwas zu geben hat. Und dadurch, dass er dem Schöpfer etwas zu geben hat, hat der Schöpfer Genuss davon. Aber der Mensch besitzt nicht immer die Stärke zu sagen, dass dies eine schöne Arbeit ist, die Zierde genannt wird, sondern er verachtet diese Arbeit.

Und dies ist für den Menschen eine schwere Herausforderung, über diese Arbeit sagen zu können, dass er sie der Arbeit auf der Stufe der „Weiße“ vorzieht, dass er sie also jenem Zustand vorzieht, wo er keinen Geschmack von Finsternis während der Arbeit empfindet. Es bedeutet, dass er dann nicht mit dem Willen zu empfangen arbeiten muss, um sich damit einverstanden zu erklären, das Königreich des Himmels über dem Verstand auf sich zu nehmen.

Und wenn er sich doch überwindet und sagen kann, dass diese Arbeit ihm angenehm ist, da er jetzt die Mizwa (Gebot) vom Glauben über den Verstand hinaus einhält und diese Arbeit in Form von Schönheit und Zierde auf sich nimmt, dann heißt das „Eine Freude der Mizwa.“

Dies bedeutet, dass das Gebet wichtiger ist als die Erwiderung des Gebetes. Der Grund dafür ist, dass es im Gebet Raum für Mühe gibt und er den Schöpfer braucht, also das Erbarmen des Himmels erwartet. Und dann hat er einen wahren Kontakt mit dem Schöpfer, und dann befindet er sich im Gemach des Königs. Wenn jedoch das Gebet beantwortet ist, hat er bereits das Gemach des Königs verlassen, denn er hat sein Erwünschtes bereits genommen und ist gegangen.

Dementsprechend ist das Geschriebene „Lieblich dem Geruche sind deine Salben, wie Öl, das ausgeschüttet, dein Name“ zu verstehen. Öl wird das Höhere Licht genannt, während es fließt; ausgeschüttet, während des Einstellens der Fülle, zu der Zeit, wo nur ein Aspekt des Geruchs vom Öl zurückbleibt. (Geruch bedeutet also, dass jedenfalls eine Reshimo – Aufzeichnung, Erinnerung – dessen, was er gehabt hatte, zurückbleibt. Zierde jedoch heißt ein Ort, wo es überhaupt keinen Halt gibt, also sogar der Aspekt der Reshimo nicht leuchtet.)

Dies ist das Thema von Atik und Arich Anpin, was während der Ausdehnung der Fülle als Stufe von Arich Anpin bezeichnet wird, welches ein Aspekt von Chochma (Weisheit) ist. Und die Bedeutung von Atik kommt aus dem  hebräischen Ausdruck „WaJe’Atek (Und er rückte fort – Loslösung), was ein Aspekt des Schwindens von Licht ist, es also nicht leuchtet, was „Verhüllung heißt.

Das ist dann die Zeit des Widerstandes gegen die Einkleidung, die Zeit des Empfangens der Königskrone, die ein Aspekt von Malchut,  Königreich der Lichter, ist, angesehen als das Königreich des Himmels.

Darüber wurde im heiligen Sohar geschrieben, dass die heilige Shechina zu Rabbi Shimon sprach: „Es gibt keinen Ort, sich vor dir zu verbergen“ (Sohar Pinchas). Das bedeutet, dass sogar auch in der größten Verhüllung, die in der Wirklichkeit möglich ist, er trotzdem das Joch des himmlischen Königreichs mit riesiger Freude auf sich nimmt.

Und das ist deshalb, weil er der Linie des Willens zu geben folgt, er also das gibt, was er in seiner Hand hat. Und wenn der Schöpfer ihm mehr gibt, gibt er mehr. Und wenn er nichts zu geben hat, steht er wie ein Kranich mit vorgestrecktem Hals, der nach dem Schöpfer schreit, Er möge ihn von den bösen Wassern erretten. Daher hat er auch auf diese Weise Kontakt mit dem Schöpfer.

Der Grund, warum dieser Aspekt “Atik“ genannt wird und Atik als Höchste Stufe gilt, ist, dass jede Sache, je weiter sie von der Einkleidung entfernt ist, umso höher ist. Und der Mensch hat die Möglichkeit, an dem abstraktesten Ort, der „die absolute Null“ genannt wird, zu fühlen, weil dort die Hand des Menschen nicht hinreicht.

Das heißt, dass der Wille zu empfangen sich nur an einem Ort festhalten kann, wo es etwas Ausbreitung des Lichtes gibt. Und bis der Mensch seine Kelim reinigt, damit sie das Licht nicht beschädigen, ist er unfähig, das Licht in Form von „Ausbreitung der Gefäße“ zu ihm kommen zu lassen. Und nur wenn der Mensch auf den Wegen des Gebens schreitet, also an einem Ort, wo der Wille zu empfangen nicht ist, sei es im Verstand oder im Herzen, dann kann dort das Licht in absoluter Vollkommenheit erscheinen. Und das Licht erscheint bei ihm in einer Phase des Gefühls, die ihm das Fühlen der Erhabenheit des Oberen Lichtes ermöglicht. Wenn jedoch der Mensch seine Kelim noch nicht korrigiert hat, damit sie in der Absicht zu geben sein sollen, dann muss sich das Licht, wenn es in die Phase der Ausdehnung kommt, einschränken, und leuchtet nur entsprechend der Reinheit der Kelim. Daher erscheint das Licht dann in absoluter Kleinheit. Wenn das Licht dann in einer Ausdehnungsphase von einer Einkleidung der Gefäße ist, kann das Licht ohne jegliche Einschränkungen zum Nutzen des Unteren in absoluter Vollkommenheit und Klarheit leuchten.

Daraus folgt, dass die Wichtigkeit der Arbeit gerade dann von Bedeutung ist, wenn er den Zustand von Null erreicht, also in der Zeit, wo er sieht, dass er seine Wirklichkeit und sein Wesen im Ganzen annulliert, denn dann hat der Wille zu empfangen keinerlei Macht mehr und nur dann tritt er in die Kedusha (Heiligkeit) hinein.

Man sollte wissen: „Gott hat den einen gleich dem anderen gegenüber gemacht.“ Das bedeutet, je mehr die Kedusha sich enthüllt, desto mehr erwacht die Sitra Achra[2]. Das heißt, wenn der Mensch behauptet: „Es ist ganz meines“, dass also der ganze Körper zur Heiligkeit gehört, dann behauptet auch Sitra Achra ihm entgegen, dass der ganze Körper Sitra Achra dienen muss.

Daher soll der Mensch wissen, dass, wenn er sieht, dass der Körper behauptet, zur Sitra Achra zu gehören, und mit seiner ganzen Kraft die bekannten Fragen, die ein Aspekt von Wer und Was sind, herausschreit, dies dann ein Zeichen dafür ist, dass der Mensch auf dem Pfad der Wahrheit schreitet, was bedeutet, dass seine ganze Absicht darin besteht, seinem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten. Daher findet die hauptsächliche Arbeit gerade in diesem Zustand statt.

Und der Mensch muss wissen, dass dies ein Zeichen dafür ist, dass er mit dieser Arbeit ins Ziel trifft. Und das Zeichen ist, dass, da er kämpft und mit seinen Pfeilen auf den Kopf der Schlange zielt, sie schreit und mit Fragen von „Was und Wer“ argumentiert, was bedeutet: „Was bringt euch dieser Dienst?“, also: „Was werdet ihr damit gewinnen, dass ihr nur zum Nutzen des Schöpfers arbeitet und nicht zum Eigennutzen?“ Und die Frage von „Wer“ hat die Bedeutung von Pharaos Anliegen, der die Frage stellte: „Wer ist der Herr, auf dessen Stimme ich hören soll?“

Dem Anschein nach ist die Frage von „Wer” ein verstandesgemäßes Anliegen, denn es ist allgemeines Verhalten, dass, wenn man zu jemandem sagt: „Gehe für ihn arbeiten“, der Mensch dann fragt: „Für Wen?“ Daher, wenn der Körper argumentiert: „Wer ist der Herr, auf dessen Stimme ich hören soll?“ dann ist dies eine verstandesgemäße Argumentation.

Nach der Regel aber, dass der Verstand kein Objekt für sich selbst ist, sondern vielmehr einem Spiegel entspricht, der das widerspiegelt, was sich in den Sinnen befindet, erscheint es auf diese Weise im Verstand, was die Bedeutung ist von „Und die Söhne von Dan: Chushim (Sinne).“ Das bedeutet, dass der Verstand nur danach urteilt, was die Sinne ihm zur Betrachtung geben, damit er sich Erfindungen und Tricks ausdenken soll, die gemäß der Verlangen der Sinne sind.

Das heißt, was die Sinne fordern, versucht der Verstand ihnen zu verschaffen, aber der Verstand hat kein Verlangen aus sich selbst heraus, irgendeinen Anspruch für sich selbst zu stellen. Daher, wenn in den Sinnen sich Ansprüche des Gebens befinden, dann arbeitet der Verstand nach Linien des Gebens, und der Verstand stellt keine Fragen, da er lediglich den Sinnen dient.

Und der Verstand ähnelt einem Menschen, der in den Spiegel schaut, um zu sehen, ob er schmutzig ist. Und alle Stellen, die der Spiegel ihm als schmutzig zeigt, geht er waschen und reinigen, da der Spiegel ihm zeigte, dass es im Gesicht eines Menschen hässliche Dinge gibt, und man muss sie reinigen. 

Das Schwerste von allem ist jedoch, zu wissen, was ein hässliches Ding bedeutet: Ob der Wille zu empfangen, also das, was der Körper verlangt, nur zu seinem Nutzen zu tun, oder ob der Wille zu geben ein hässliches Ding ist, das der Körper nicht leiden kann. Und das kann der Verstand nicht herausfinden, wie im Beispiel vom Spiegel, der nicht sagen kann, was hässlich und was schön ist, sondern alles ist von den Sinnen abhängig, da nur die Sinne dies bestimmen.

Daher, wenn der Mensch sich angewöhnt, gezwungenermaßen zu arbeiten, entsprechend des Gebens zu arbeiten, dann geht auch der Verstand den Linien des Gebens nach. Und dann, in der Zeit, wo die Sinne sich schon daran gewöhnt haben, im Aspekt des Gebens zu handeln, gibt es für den Verstand keine Möglichkeit, die Frage nach dem „Wer“ zu stellen.

Das bedeutet, dass die Sinne dann die Frage „Was bringt euch dieser Dienst?“ nicht stellen, weil sie schon in der Absicht zu geben arbeiten, und ohnehin stellt der Verstand die Frage nach dem „Wer“ nicht mehr.

Man findet, dass die hauptsächliche Arbeit in der Frage „Was soll euch dieser Dienst?“ liegt. Und der Grund dafür, dass der Mensch die Frage des Körpers nach dem „Wer“ hört, darin liegt, dass der Körper sich nicht so sehr erniedrigen will. Daher stellt er die Frage nach dem „Wer“, was sich anhört, als würde er eine verstandesgemäße Frage stellen. Aber die Wahrheit ist, wie bereits Oben erwähnt, dass sich die hauptsächliche Arbeit im „Was“ befindet.



[1] Auf Hebräisch ist Zitrus “Hadar”, vom Wort Hidur (Schmuck)

[2] Die andere, die schlechte Seite, steht der guten Seite gegenüber.

 

Shamati 20: LiShma (Für Ihren Namen)

Ich hörte im Jahr 1945

Betreffend liShma. Damit ein Mensch liShma“ (für den Namen der Tora) erlangt, braucht er die Erweckung von Oben, weil dies ein Leuchten von Oben ist. Und es ist für den menschlichen Verstand unmöglich, dies zu verstehen, sondern nur jener, der es kostet, kennt es. Und darüber wird gesagt: „Kostet und sehet, dass der Herr gut ist.“

Wenn der Mensch daher das Joch des himmlischen Königreichs auf sich nimmt, dann muss diese seine Entscheidung von absoluter Vollkommenheit sein, also vollständig zu geben und nichts für sich selbst zu erhalten. Wenn der Mensch aber sieht, dass nicht alle seine Organe mit dieser Meinung übereinstimmen, dann gibt es nichts, was ihm helfen kann – außer dem Gebet, dem Schöpfer sein Herz auszuschütten, damit er ihm helfen möge, dass sein Körper einwilligen möge, zum Diener des Schöpfers zu werden.

Und sage nicht, dass liShma ein Geschenk von Oben ist, welchen Nutzen die Überwindung und Bemühungen und alle Heilmittel und Korrekturen des Menschen bringen, die er unternimmt, um liShma zu erreichen, wenn es doch vom Schöpfer abhängt? Diesbezüglich sagten unsere Weisen: „Du bist nicht frei, dich dessen zu entledigen.“ Vielmehr muss der Mensch das Erwachen von unten erbringen, und dies wird als „Gebet“ definiert. Doch es kann kein wahrhaftiges Gebet geben, wenn der Mensch zuvor nicht weiß, dass es ohne ein Gebet unmöglich ist, liShma zu erreichen.

Daher erschaffen die Handlungen und Heilmittel, die er anwendet, um liShma zu erreichen, die korrigierten Gefäße, um liShma zu empfangen. Dann kann er nach all seinen Handlungen ein wahres Gebet hervorbringen, weil er sah, dass ihm all seine Bemühungen nichts genützt haben. Erst dann kann er ein wahres Gebet aus der Tiefe seines Herzens hervorbringen, und erst dann erhört der Schöpfer sein Gebet und schenkt ihm liShma.

Wir müssen auch wissen, dass durch den Erwerb der Eigenschaft von liShma der Mensch seinen Bösen Trieb tötet. Dies ist so, weil der Böse Trieb als „Empfangen zum eigenen Nutzen“ bezeichnet wird. Und indem man das Geben erreicht, hebt der Mensch diesen Eigennutz auf. Und Tod bedeutet, dass man das Empfangsgefäß nicht mehr für sich selbst benutzt. Und da letzteres nun keine aktive Aufgabe mehr hat, wird es als tot bezeichnet.

Wenn der Mensch in Betracht zieht, was er für all seine Arbeit auf Erden erhält, dann wird er sehen, dass es gar nicht so schwer ist, sich dem Schöpfer aus zwei Gründen zu unterwerfen:

  1. Er muss sich so oder so in dieser Welt anstrengen – ob er will oder nicht.

Selbst während der Arbeit für den Schöpfer, wenn er liShma arbeitet, erhält er Genuss an der Arbeit selbst. Es ist wie der Maggid von Dubna über den Vers „Aber nicht Mich hast du angerufen, Jakob, dass du dich um mich bemüht hättest, Israel“, sagt. Es bedeutet, dass derjenige, der für den Schöpfer arbeitet, während seiner Arbeit keine Mühe, sondern Genuss und Hochgefühl empfindet.

Derjenige aber, der nicht für den Schöpfer arbeitet, sondern andere Ziele verfolgt, kann sich nicht beim Schöpfer beklagen, warum er ihm keine Lebenskraft für seine Bemühungen gibt, weil er andere Ziele im Auge hat. Doch er kann sich mit Klagen nur an denjenigen wenden, für den er arbeitet, damit dieser ihm Energie und Genuss während der Arbeit geben möge. Über ihn wird gesagt: „Jeder, der ihnen vertraut, soll so sein, wie diejenigen, die sie machten.“

Sei nicht überrascht, dass, wenn man das Joch des himmlischen Königreichs auf sich nimmt, das heißt, wenn man für den Schöpfer arbeiten will, man keinerlei Begeisterung und Energie verspürt – kein Gefühl von Leben und Genuss, sodass diese Lebenskraft einen zwingen würde, das Joch der Herrschaft des Schöpfers auf sich zu nehmen. Vielmehr muss man es gezwungenermaßen auf sich nehmen, gegen das eigene Urteil. Gemeint ist, dass der Körper dieser Sklaverei nicht zustimmt, warum der Schöpfer ihn nicht mit Lebenskraft und Genuss überschüttet.

Dies ist in der Tat eine große Korrektur. Wenn es sie nicht gäbe und wenn der Wille zu empfangen mit der Arbeit einverstanden wäre, könnte der Mensch niemals liShma erreichen, sondern er würde immer für seinen eigenen Nutzen arbeiten, um seine eigenen Wünsche zu erfüllen. Es gleicht dem, wie man sagt, wie ein Dieb [vor der Menschenmenge wegläuft und] lauter als alle anderen schreit: „Haltet den Dieb!“, wodurch vollkommen unklar wird, wer der Dieb ist, den man fangen muss, um ihm das Diebesgut wegzunehmen.

Doch wenn der Dieb, das heißt der Wille zu empfangen, keinen Geschmack daran findet, das Joch des himmlischen Königreichs anzunehmen, da der Körper sich daran gewöhnt, gegen seinen eigenen Willen zu arbeiten, verfügt er über Mittel, mit denen er die Arbeit beginnen kann, um seinem Erschaffer Freude zu bringen, da seine einzige Absicht nur auf den Schöpfer ausgerichtet sein sollte, wie es heißt: „Dann wirst du dich am Herrn erfreuen.“ Deswegen empfand er keinen Genuss in der Arbeit, als er dem Schöpfer vorher diente. Vielmehr geschah seine Arbeit aus Zwang.

Nun jedoch, wo er sich daran gewöhnt hat, für das Geben zu arbeiten, wird er es würdig, dem Schöpfer Freude zu bereiten, und die Arbeit selbst macht ihm Freude und gibt ihm Lebenskraft. Und dieses wird als Genuss betrachtet, der ebenfalls speziell für den Schöpfer ist.

 

Shamati 21: Wenn der Mensch fühlt, dass er sich in einem spirituellen Aufstieg befindet

Ich hörte am 9. November 1944

Wenn man sich in einem Zustand des Aufstiegs fühlt und man in gehobener Stimmung ist und fühlt, dass man nach nichts anderem als nach Spiritualität strebt, dann ist es gut, sich in die Geheimnisse der Tora zu vertiefen, um ihre Innerlichkeit zu erfassen.

Und selbst wenn man sieht, dass man trotz der Bemühungen nichts davon versteht, lohnt es sich dennoch, sich in die Geheimnisse der Tora zu vertiefen, auch wenn man hundertmal zur gleichen Sache zurückkehrt.

Wenn man nichts verstanden hat, sollte man nicht verzweifeln und sagen, dass dies keinen Zweck hat.

Und das aus zweierlei Gründen:

  1. Während der Mensch etwas erforscht und danach strebt, es zu verstehen, wird sein Streben selbst als „Gebet“ bezeichnet, da das Gebet der Chissaron (Mangel) ist, was bedeutet, dass er sich nach etwas sehnt, was ihm fehlt, damit der Schöpfer seinen Mangel erfülle.

Das Ausmaß des Gebetes wird anhand der Sehnsucht gemessen, zumal die Sehnsucht nach jener Sache, die man am meisten braucht, am größten ist. Je nachdem wie groß der Mangel einer Sache ist, in dem Maße sehnt man nach ihr.

Es gibt ein Gesetz, dass in dem Bereich, in welchen der Mensch seine größte Anstrengung investiert, der Mangel sich durch diese Anstrengung vergrößert und der Mensch die Erfüllung seines Mangels erhalten will. Und so ein Mangel (Chissaron) wird als „Gebet“ bezeichnet, als „Arbeit im Herzen“, denn: „Der Schöpfer möchte das Herz.“

Folglich ist er nur dann zu einem wahren Gebet fähig, denn, wenn er die Tora studiert, sein Herz verpflichtet ist, sich von allen anderen Wünschen zu befreien und dem Verstand Kraft zu verleihen, damit er in der Lage ist, zu denken und den Studiengegenstand genau zu untersuchen. Aber wenn das Herz keine Lust hat, kann der Verstand nichts eingehend prüfen. Daher sagten die Weisen: „Der Mensch soll nur immer das lernen, wozu sein Herz sich hingezogen fühlt.“

Und damit sein Gebet angenommen wird, muss es vollkommen sein. Wenn er sich daher eingehend dem Studium widmet, lässt er in sich dadurch ein vollkommenes Gebet entstehen, und dann kann dieses Gebet angenommen werden. Denn der Schöpfer erhört das Gebet. Es gibt aber eine Bedingung: Das Gebet muss vollkommen sein und darf keine Beimischung anderer Wünsche enthalten.

Der zweite Grund besteht darin, dass zu der Zeit, da sich der Mensch in gewissem Maß vom Materiellen gelöst hat und der Eigenschaft des Gebens näher gekommen ist, sich nun der Zeitpunkt besser dazu eignet, sich mit dem inneren Teil der Tora zu verbinden, der sich denjenigen offenbart, welche die Übereinstimmung mit dem Schöpfer erreicht haben. Denn: „Die Tora, der Schöpfer und Israel sind eins.“ Wenn jedoch der Mensch sich noch im Zustand des Empfangens für sich selbst befindet, gehört er zur Äußerlichkeit und nicht zur Innerlichkeit.

 

Shamati 22: Tora liSchma – Für Ihren Namen

Ich hörte am 6. Februar 1941

[Die Beschäftigung mit der] Tora wird hauptsächlich dann liShma genannt, wenn der Mensch lernt, um in vollkommener Klarheit im Verstand, ohne jeglichen Zweifel an der Klarheit der Wahrheit, zu wissen, dass es einen Richter und ein Gericht gibt.

Es gibt ein Gericht bedeutet, dass der Mensch die Wirklichkeit so sieht, wie sie vor seinen Augen erscheint. Das heißt, wir sehen, während wir im Glauben und Geben arbeiten, dass wir täglich wachsen und aufsteigen, da wir immer eine Verbesserung zum Guten sehen.

Wenn wir aber umgekehrt aus Empfangen und Wissen heraus arbeiten, sehen wir, dass wir jeden Tag abfallen, bis in die tiefste Niedrigkeit unserer Wirklichkeit.

Betrachten wir diese zwei Zustände, dann sehen wir, dass es ein Gericht und einen Richter gibt. Das ist so, da wir, solange wir nicht den wahren Gesetzen der Wahrheit der Tora folgen, augenblicklich bestraft werden. In diesem Zustand sehen wir, dass es ein gerechtes Urteil gibt. Das bedeutet, wir sehen, dass dies ganz genau der beste und am besten geeignete Weg zur Erlangung der Wahrheit ist.

Und dies wird als „gerechtes Urteil“ betrachtet, dass wir nur auf diese Weise zum endgültigen Ziel kommen können, das heißt, um im Verstand und aus vollständigem und absolutem, unübertreffbarem Verstehen heraus zu begreifen, dass wir nur auf dem Weg von Glaube und Geben das Ziel erlangen können.

Wenn deshalb jemand mit dieser Absicht studiert, um zu verstehen, dass es ein Gericht und einen Richter gibt, dann wird dies Tora liShma (für Ihren Namen) genannt.
Das ist auch die Bedeutung davon, was unsere Weisen sagten: „Groß ist das Studium, welches zu einer Handlung führt.“

Es scheint, als hätte es heißen sollen „das zu Handlungen führt“, womit gemeint ist, dass man viele Handlungen, in der Mehrzahl und nicht in der Einzahl, ausführen kann. Die Sache jedoch ist die, wie oben gesagt wurde, dass das Studium dem Menschen nur Glauben bringen soll. Und Glaube wird eine Mizwa (Gebot) genannt, welche die ganze Welt zur [Waagschale] des Verdienstes neigt.

Glaube wird „tun“ genannt, da gewöhnlich, wenn jemand eine Handlung ausüben möchte, er einen zwingenden Grund benötigt, um diese innerhalb des Verstandes auszuführen. Es ist so wie die Wechselbeziehung zwischen dem Verstand und der Handlung.

Wenn dennoch etwas über dem Verstand ist, dass der Verstand den Menschen dieses nicht ausführen lässt, sondern sogar im Gegenteil, dann muss man sagen, dass es in dieser Handlung keinen Verstand gibt, sondern es nur eine Handlung ist. Dies ist die Bedeutung von „Wenn jemand eine Mizwa ausführt, ist er glücklich, da er sich selbst und die ganze Welt der Waagschale des Verdienstes zugeneigt hat.“

Dies ist die Bedeutung von „Groß ist das Studium, das zu einer Handlung führt“, wobei eine Handlung ohne Verstand gemeint ist, genannt „über dem Verstand.“

 

Shamati 23: Die ihr den Schöpfer liebet, hasset das Böse

Ich hörte am 2. Juni 1931

„Die ihr den Schöpfer liebet, hasset das Böse. Der Schöpfer bewahrt die Seelen Seiner Frommen, aus der Hand der Bösewichte errettet er sie.“

Die Interpretation davon ist, dass es für den Menschen nicht ausreicht, den Schöpfer zu lieben und die Verschmelzung mit Ihm zu wollen, sondern er muss auch das Böse hassen. Der Hass drückt sich darin aus, dass er den Willen zu empfangen hasst, der als das Böse bezeichnet wird. Der Mensch sieht, dass er kein Mittel besitzt, das Böse loszuwerden, und gleichzeitig will er sich mit dieser Situation nicht zufriedengeben. Er fühlt die Verluste, die das Böse ihm einbringt, und sieht auch die Wahrheit, dass der Mensch allein nicht in der Lage ist, das Böse zu annullieren, weil es eine natürliche Kraft vonseiten des Schöpfers ist, welcher den Willen zu empfangen im Menschen einprägte.

Daher gibt uns dieser Vers Auskunft darüber, was der Mensch in der Lage ist zu tun – das Böse zu hassen. Dadurch wird der Schöpfer ihn vor diesem Bösen bewahren, wie es geschrieben steht: „Er bewahrt die Seelen Seiner Frommen.“ Worin besteht aber der Schutz? „Aus der Hand der Bösewichte errettet Er sie.“ Und dann hat der Mensch bereits Erfolg erzielt, denn er hat einen gewissen Kontakt zum Schöpfer. Auch wenn dieser Kontakt noch so klein ist, so ist er trotzdem ein erfolgreicher Mensch.

Tatsächlich führt das Böse seine Existenz fort und dient als Aspekt von Achoraim (der Rückseite) des Parzufs. Aber dies geschieht nur, wenn man sich korrigiert: Indem der Mensch das Böse bedingungslos hasst, wird das Böse zu einer Form von Achoraim korrigiert.

Der Hass resultiert daraus, dass, wenn der Mensch der Verschmelzung mit dem Schöpfer würdig werden will, er dem Brauch folgt, der unter Freunden üblich ist: Das heißt, wenn zwei Menschen sich bewusst werden, dass jeder von ihnen das Gleiche hasst, wie der Freund, und das Gleiche liebt, wie der Freund, dann gelangen sie zu einer ständigen Verbindung, wie es geschrieben steht: „Wie ein Holzpflock, der niemals umfallen wird.“

Da der Schöpfer zu geben liebt, müssen auch die Geschöpfe sich damit anfreunden, nur das Geben zu wünschen. Und genauso wie es dem Schöpfer verhasst ist, Empfänger zu sein, weil Er absolut vollkommen ist und nichts braucht, so muss auch der Mensch das Empfangen „für sich“ hassen.

Aus allem oben Gesagten folgt, dass der Mensch den Willen zu empfangen absolut hassen muss; denn alle Zerstörungen in der Welt resultieren nur aus dem Willen zu empfangen. Mittels des Hasses korrigiert er ihn und beugt sich der Kedusha (Heiligkeit).

 

Shamati 24: Aus der Hand der Frevler errettet Er sie

Ich hörte am 25. Juli 1944, bei der Beendigung des Sohar

Über den Vers: „Die ihr den Schöpfer liebet, hasset das Böse. Er hütet die Seelen seiner Frommen, aus der Hand der Frevler errettet Er sie.“ Er [Baal HaSulam] fragt: Worin besteht die Verbindung zwischen „Hasset das Böse“ und „Er errettet sie aus der Hand der Frevler?“

Um das zu verstehen, müssen wir zuerst die Worte unserer Weisen voranstellen: „Die Welt wurde nur für entweder vollkommene Gerechte oder für vollkommene Sünder erschaffen.“ Er fragt: Lohnt es sich, die Welt für vollkommene Sünder zu erschaffen, nicht aber für unvollkommene Gerechte?

Er antwortet: Vonseiten des Schöpfers gibt es nichts in der Welt, das zwei Bedeutungen hätte. Dies ist nur aus der Perspektive der Empfänger so, also gemäß der Empfindung der Empfänger. Damit ist gemeint, dass die Empfänger entweder einen guten Geschmack oder einen schrecklichen und bitteren Geschmack in der Welt verspüren. 

Denn was immer man tut, man denkt im Voraus nach, bevor man es tut, denn man tut nichts ohne Ziel. Entweder will man seinen gegenwärtigen Zustand verbessern oder jemandem schaden, doch kleine Dinge lohnen sich nicht für einen zielgemäß Handelnden.

Daher kommt es bei denjenigen, welche die Wege der Lenkung des Schöpfers in dieser Welt wahrnehmen, auf ihr Gefühl an, ob sie dieses als „gut“ oder „schlecht“ definieren. Daher sind „Die den Schöpfer Liebenden“, jene, die verstehen, dass das Schöpfungsziel darin bestand, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und um dorthin zu gelangen, das zu fühlen, verstehen sie, dass dies gerade durch Dwekut (Anhaftung) empfangen wird und durch die Annäherung an den Schöpfer. 

Wenn sie daher eine Entfernung seitens des Schöpfers verspüren, nennen sie das „schlecht.“ In diesem Zustand fühlt sich der Mensch schlecht, denn eine Übergangssituation existiert nicht. Mit anderen Worten: Der Mensch fühlt entweder die Existenz des Schöpfers und Seine Lenkung oder es scheint in seinen Augen so, dass „die Erde in die Hand der Frevler gegeben wurde.“

Und da er sich als ein Mann der Wahrheit fühlt, dass er sich also nicht selbst betrügen und sagen kann, dass er fühlt, wenn er nicht fühlt, so beginnt er sofort, zum Schöpfer zu rufen, dass Er sich seiner erbarmen und ihn aus der Herrschaft von der Sitra Achra und von allen fremden Gedanken befreien möge. Und da er Ihn allen Ernstes ruft, erhört der Schöpfer sein Gebet. (Vielleicht ist das die Bedeutung von „Nahe ist der Schöpfer allen, die in Wahrheit zu ihm rufen.“) Zu dieser Zeit „errettet Er sie aus der Hand der Frevler.“

Solange der Mensch nicht sein wahres Ich spürt, also das Maß seines Bösen in ausreichendem Maße, um ihn dazu zu erwecken, aus der Bedrängnis heraus, die man durch die Erkenntnis seines Bösen verspürt, zum Schöpfer zu rufen, ist er noch keiner Erlösung würdig. Weil er noch kein Kli für das Erhören des Gebetes enthüllt hat, das als „aus der Tiefe des Herzens“ bezeichnet wird. Denn der Mensch denkt, dass es immer noch ein wenig Gutes in ihm gibt. Das heißt, er steigt noch nicht in die Tiefe seines Herzens hinab. In der Tiefe seines Herzens denkt der Mensch, dass er immer noch ein wenig Gutes hat. Und er achtet nicht darauf, mit welcher Liebe und mit welcher Ehrfurcht er sich der Tora und den Mizwot gegenüber verhält. Deshalb sieht er die Wahrheit nicht.

 

Shamati 25: Dinge, die vom Herzen kommen

Ich hörte am 25. Juli 1944, während eines Festessens anlässlich der Fertigstellung eines Teils des Sohars

Bezüglich der Dinge, die vom Herzen kommen [und] ins Herz eindringen. Warum sehen wir, dass der Mensch, obwohl Dinge bereits ins Herz eingedrungen sind, dennoch von seiner Stufe fällt?

Denn wenn einer die Worte der Tora von seinem Lehrer hört, stimmt er der Meinung seines Lehrers sofort zu und beschließt, die Worte seines Lehrers mit seinem Herzen und seiner Seele zu beachten. Aber danach, wenn er in die Welt hinausgeht, sieht und begehrt er und wird von der Vielzahl der die Welt durchstreifenden Verlangen angesteckt, und er und sein Verstand, sein Herz und sein Wille werden vor der Mehrheit annulliert.

Solange er noch keine Kraft hat, die Welt nach der Waagschale der Verdienste zu beurteilen,  so überwältigen sie ihn und er vermischt sich mit ihren Verlangen. Und dann wird er wie ein Schaf zur Schlachtbank geführt. Und er hat keine Wahl – er ist gezwungen, alles, was die Mehrheit verlangt, zu denken, zu wünschen, zu ersehnen und zu wollen. Dann wählt er ihre fremden Gedanken und ihre widerlichen Begierden und Verlangen, welche dem Geiste der Tora fremd sind. In diesem Zustand hat er keine Kraft, die Mehrheit zu überwinden.

Stattdessen gibt es dann nur einen Ratschlag: an seinen Lehrer und an die Bücher anzuhaften. Dies heißt: „Aus dem Munde der Bücher und aus dem Munde der Autoren.“ Und nur indem er an ihnen festhält, kann er seinen Verstand und seinen Willen zum Besseren verändern. Allerdings werden ihm Diskussionen und scharfsinnige Argumente nicht helfen, seinen Verstand zu verändern, sondern einzig das Heilmittel von Dwekut (Anhaftung), weil dies ein wundersames Heilmittel ist, da die Dwekut ihn zum Guten zurückführt.

Nur während man sich in der Kedusha (Heiligkeit) befindet, kann man mit sich selbst diskutieren und sich schönen Spitzfindigkeiten hingeben, wozu der Verstand verpflichtet, um stets auf dem Pfad des Schöpfers zu gehen. Allerdings sollte der Mensch wissen, dass, selbst wenn er weise und sich sicher ist, dass er diese Scharfsinnigkeiten bereits nutzen kann, um Sitra Achra (die andere Seite) zu besiegen, er sich [trotzdem] in seine Gedanken einprägen muss, dass all dies wertlos ist.

Dies ist keine Waffe, die den Krieg gegen die Verlangen gewinnen kann, da all diese Konzepte nur eine Auswirkung sind, die er nach der oben erwähnten Dwekut erlangt hat. Mit anderen Worten: All die Konzepte, auf denen er sein Bauwerk aufbaut, indem er sagt, man müsse stets dem Weg des Schöpfers folgen, gründen sich auf Dwekut an seinen Lehrer. Wenn er folglich das Fundament verliert, dann sind alle Konzepte machtlos, da es ihm nun an der Grundlage mangelt.

Demgemäß darf man sich nicht auf seinen eigenen Verstand verlassen, sondern muss sich erneut an den Büchern und Autoren festhalten. Und nur dies kann ihm helfen – aber weder Scharfsinnigkeit noch Intellekt [können ihm helfen], da sie keinen Lebensgeist haben. 

 

Shamati 26: Die Zukunft des Menschen hängt von der Dankbarkeit für die Vergangenheit ab

Ich hörte im Jahr 1943

Es steht geschrieben: „Denn hoch erhaben ist der Schöpfer, und der Untere wird sehen“ – dass nur die Unteren die Erhabenheit sehen können. Die Buchstaben des Wortes „kostbar“ (jakar) sind die Buchstaben des Wortes „wird erkennen“ (jakir).

Das bedeutet, dass man je nach dem Maß der Wichtigkeit einer Sache, deren Erhabenheit erkennt. Denn sein Eindruck hängt vom Maß der Wichtigkeit ab. Der Eindruck bringt ihm Gefühle im Herzen und gemäß dem Grad der Erkenntnis der Wichtigkeit, genau im selben Maß, entsteht in ihm Freude.

Wenn daher der Mensch seine Niedrigkeit erkennt und sieht, dass er nicht mehr Sonderrechte hat als seine Mitmenschen, das heißt, er sieht, dass es viele Menschen in der Welt gibt, denen nicht die Kraft gegeben wurde, heilige Arbeit sogar in einfachster Form auszuführen, sogar ohne Absicht und in lo liShma (nicht für Ihren Namen), sogar in lo liShma von lo liShma und sogar in der Vorbereitung auf die Vorbereitung der Einkleidung der Kedusha (Heiligkeit), während ihm selbst der Wille und Gedanke gegeben wurden, dennoch von Zeit zu Zeit heilige Arbeit auszuführen, wenn auch in der einfachsten Form – wenn der Mensch die Wichtigkeit der heiligen Arbeit erkennen kann, dann soll er im Maß seiner Wichtigkeit dafür Lob und Dank erheben.

Denn die Wahrheit ist, dass wir unfähig sind, die Wichtigkeit davon zu schätzen, dass wir manchmal die Mizwot des Schöpfers auch ohne jegliche Absicht erfüllen können, und dann gelangt der Mensch zur Empfindung von Erhebung und Herzensfreude.

Und mittels des Lobes und des Dankes, die der Mensch erhebt, erweitert er seine Gefühle und wird von jedem Punkt der heiligen Arbeit inspiriert und erkennt, für wen er arbeitet, und dadurch steigt er immer höher auf. Und darin besteht das Geheimnis des Gesagten: „Ich danke Dir für jenes Gute, was Du mir getan hast“, also für die Vergangenheit. Und hierdurch kann der Mensch sofort mit Sicherheit sagen: „Und auch dafür, was Du in der Zukunft mit mir tun wirst.“

 

Shamati 27: Hoch erhaben ist der Schöpfer und der Untere wird sehen

Ich hörte am 5. März 1949, Tel Aviv

„Hoch erhaben ist der Schöpfer, und der Untere wird sehen.“ Wie kann es eine Gleichheit der Form mit dem Schöpfer geben, wenn der Mensch der Empfänger und der Schöpfer der Geber ist? Davon spricht der Vers: „ Hoch erhaben ist der Schöpfer, und der Erniedrigte wird sehen.“

Wenn sich der Mensch annulliert, folgt daraus, dass es keinerlei Herrschaft gibt, die ihn vom Schöpfer trennt. In diesem Zustand wird er „sehen“, das heißt, er wird des Lichtes Mochin de Chochma würdig.

„Und den Hochmütigen wird Er von der Ferne erkennen.“  Doch jemand, der überheblich ist, der also über seine eigene Herrschaft verfügt, ist [vom Schöpfer] entfernt, weil ihm die Gleichheit der Form fehlt.

„Niedrigkeit“ bedeutet nicht, dass der Mensch sich selbst vor anderen erniedrigt. In solch einem Fall wäre von „Bescheidenheit“ die Rede, und der Mensch fühlt Vollkommenheit in diesem Tun. Sondern „Niedrigkeit“ bedeutet, dass die Welt ihn verachtet. Ausgerechnet dann, wenn die Menschen [ihn] verachten, wird dies als Erniedrigung angesehen, und dann fühlt er keinerlei Vollkommenheit. Denn es ist ein Gesetz, dass, was die Menschen denken, auf eine Person wirkt. Daher fühlt er sich vollkommen, wenn die Menschen ihn wertschätzen; und derjenige, den die Menschen verachten, denkt über sich, er wäre niedrig.

 

Shamati 28: Ich werde nicht sterben, sondern leben

 

Ich hörte im Jahr 1943

Im Vers: „Ich werde nicht sterben, sondern leben“, muss der Mensch um zur Wahrheit zu gelangen, das Gefühl haben, dass, wenn er die Wahrheit (Emet) nicht erlangt, er sich wie tot fühlt, weil er leben möchte. Im Vers: „Ich werde nicht sterben, sondern leben“ ist also die Rede von demjenigen, der die Wahrheit erfassen möchte.

Das ist die Bedeutung von: „Jona Ben (der Sohn von) Amitai.“ Jona kommt vom hebräischen Wort Onaa  (Betrug, Täuschung), und Sohn (Ben) vom hebräischen Wort mevin (versteht). Er versteht, da er immer den Zustand betrachtet, in dem er sich befindet, und sieht, dass er sich selbst betrogen hat und nicht den Weg der Wahrheit geht.

Denn als Wahrheit wird das „Geben“ bezeichnet, also liShma; und das Gegenteil davon sind „Betrug“ und „Lüge“, also reines Empfangen, welches lo liShma bedeutet. Und dadurch wird er danach des Zustands von „Amitai“ würdig, also Emet (Wahrheit).

Das ist die Bedeutung von: „Deine Augen sind Turteltauben.“ Ejnaim (Augen) von Kedusha (Heiligkeit), welche Ejnaim der Heiligen Shechina  (göttliche Gegenwart) genannt werden, sind Jonim (Turteltauben) - sie täuschen uns, und wir denken, dass sie keine Augen hat, wie es im Heiligen Sohar steht: „Eine schöne Magd, die keine Augen hat.“

Die Wahrheit ist, dass derjenige, der der Wahrheit würdig3 wird, dann sieht, dass sie Augen hat. Und darin besteht der Sinn der Worte: „Wenn die Augen der Braut schön sind, bedarf ihr ganzer Körper keiner Prüfung.“   

 

Shamati 29 Wenn dem Menschen Gedanken kommen

Ich hörte im Jahr 1943

„Der Schöpfer ist dein Schatten“. Wenn der Mensch denkt, denkt auch der Schöpfer an ihn. Und wenn der Schöpfer denkt, wird es „der Berg des Schöpfers“ genannt. Dies ist die Bedeutung von „Wer wird auf den Berg des Schöpfers steigen, und wer wird auf Seiner heiligen Stätte stehen?“ „Wer reine Hände hat“ ist die Bedeutung von „Aber die Hände von Moses wurden schwer“ und „ein reines Herz“ bedeutet Herz.

 

Shamati 30: Das Wichtigste ist, nur geben zu wollen

Ich hörte am 20. März 1943

Das Wichtigste ist, nichts zu wollen, außer wegen Seiner Größe geben zu wollen, da jegliches Empfangen verdorben ist. Es ist unmöglich, aus dem Empfangen herauszukommen; man kann nur auf der zweiten Seite gehen, nämlich dem Geben.

Die aufrüttelnde Kraft, gemeint ist die ausdehnende Kraft und die Kraft, die zum Arbeiten verpflichtet, ist nur Seine Größe. Der Mensch sollte daran denken, dass er sich letztendlich anstrengen und arbeiten muss und durch diese Kräfte einen Nutzen und Genuss erlangt. Das heißt, mit der Kraft und Anstrengung, die ein Mensch gibt, kann er einen begrenzten Körper, der ein vorübergehender oder ewiger Gast sein kann, erfreuen. Das bedeutet, dass seine Energie in der Ewigkeit verbleibt.

Das ähnelt einem Menschen, der die Kraft hat, ein ganzes Land zu bauen, aber nur eine Hütte baut, die durch einen starken Sturm zerstört wird. Daraus folgt, dass all diese Kräfte umsonst waren. Wenn man jedoch in der Kedusha (Heiligkeit) verbleibt, dann verbleiben auch alle Kräfte in der Ewigkeit. Und nur von diesem Ziel sollte der Mensch das Fundament seiner Arbeit erhalten. Und alle anderen Grundlagen sind ungeeignet.

Die Kraft des Glaubens ist ausreichend, damit der Mensch im Geben arbeiten kann. Damit ist gemeint, dass der Mensch daran glauben kann, dass der Schöpfer seine Arbeit empfängt. Auch wenn diese Arbeit in seinen Augen nicht so wichtig ist, so erhält der Schöpfer trotzdem alles. Alle Arbeiten, welcher Art sie auch sein mögen, sind von Ihm gewünscht und willkommen, wenn der Mensch seine Arbeit Ihm widmet
 
Daraus folgt, dass, wenn der Mensch den Glauben nutzen möchte, um zu empfangen, ihm der Glaube nicht ausreichen wird. Das bedeutet, dass er in dieser Zeit Zweifel am Glauben hat. Der Grund ist, dass das Empfangen nicht die Wahrheit ist. Das bedeutet, dass der Mensch tatsächlich nichts von seiner Arbeit hat; nur der Schöpfer wird etwas von dieser Arbeit haben.

Daher sind die Zweifel des Menschen wahr. Mit anderen Worten: Diese fremden Gedanken, die auftauchen, sind für ihn wahre Argumente. Doch wenn der Mensch den Glauben nutzen möchte, um auf dem Weg des Gebens zu gehen, wird er sicherlich keine Zweifel am Glauben haben. Und wenn er aber zweifelt, muss er wissen, dass er sicherlich nicht auf dem Weg des Gebens gehen möchte, denn zum Geben reicht ihm der Glaube aus. 

 

Shamati 31: Alles, was dem Geist der Geschöpfe gefällt

Ich hörte

„Alles, was dem Geist der Geschöpfe gefällt[1]...“ Er fragte: „Aber wir haben festgestellt, dass die Größten und Berühmtesten [Weisen] Meinungsverschiedenheiten hatten.“ Demnach [gilt, dass man] „bei dem Geist der Geschöpfe keinen Wohlgefallen findet.“

Er antwortete, dass nicht „alles von den Geschöpfen“ gesagt wurde, sondern von „dem Geist der Geschöpfe“. Das bedeutet, dass nur die Körper im Streit sind, was wiederum heißt, dass jeder mit dem Willen zu empfangen arbeitet.

Allerdings ist „der Geist der Geschöpfe“ bereits Spiritualität. Und „erfreut“, dass der Gerechte, der die Belohnung vergrößert, diese für die gesamte Generation vergrößert. Und nur, weil sie noch nicht ihren Geist eingekleidet haben, können sie die Belohnung, die der Gerechte vergrößerte, nicht erlangen und verspüren.



[1] Sprüche der Väter 13, 3

 

Shamati 32: Das Schicksal ist eine Erweckung von Oben

Ich hörte am 10. Februar 1943

Das Schicksal ist eine Erweckung von Oben, wobei der Untere nichts dazu beiträgt. Dies ist die Bedeutung von „er warf ein Los (Pur) des Schicksals.“ Haman klagte und sagte: „…aber die Gesetze des Königs halten sie nicht ein.“

Dies bedeutet, dass die Versklavung für den Arbeitenden in einem Zustand von lo liShma (nicht für Ihren Namen) beginnt, das heißt im Empfangen für sich selbst. Warum wurde ihnen dann die Tora gegeben, sodass sie danach liShma würdig werden und man ihnen die Lichter und die höheren Erkenntnisse gibt?

Dann kommt der Kläger und fragt: „Warum wurden ihnen diese erhabenen Dinge gegeben, für die sie nicht arbeiteten und die sie nicht erhofften, sondern ihre ganzen Gedanken und Ziele waren nur Dinge, die ihre eigenen Bedürfnisse betreffen, genannt lo liShma?“ Dies ist die Bedeutung von „Der Frevler bereitet es vor, aber der Gerechte wird es tragen“.

Das bedeutet, dass er zunächst einmal im Zustand eines Frevlers gearbeitet hat, das heißt lo liShma, also für den Empfänger. Danach wird er liShma würdig, was bedeutet, dass nun all die Arbeit in den Bereich der Kedusha (Heiligkeit) eingeht, das heißt alles, um zu geben. Dies ist die Bedeutung von „der Gerechte wird es tragen“.

Das ist die Bedeutung von „Purim ist wie Jom Kippurim (Versöhnungstag).“ Purim ist eine Erweckung von Oben, und Jom Kippurim ist ein Erwachen von unten, das heißt durch Reue. Doch auch dort gibt es eine Erweckung von Oben, entsprechend den Losen, die es dort gab: „ein Los für den Schöpfer und ein Los für Asasel“, und der Schöpfer ist der Klärende.

 

Shamati 34: Der Vorteil des Landes

Ich hörte im Monat Tewet 1942

Es ist bekannt, dass nichts sich in seiner wahren Form offenbart, sondern nur aus seinem Gegenteil heraus, wie es geschrieben steht: „wie der Vorzug des Lichtes – aus der Finsternis.“[1] Das bedeutet, dass alles auf etwas anderes verweist und man gerade mit Hilfe des Gegensatzes das wahre Wesen des ihm Entgegengesetzten erkennen kann.

Und daher kann man nichts mit absoluter Klarheit erkennen, wenn es nichts gibt, was dem entgegengesetzt wäre. So könnte man zum Beispiel das Gute nicht schätzen, wenn es keinen Gegensatz dazu gäbe, der auf das Schlechte verweist, wie bitter – süß, Hass – Liebe, Hunger – Sättigung, Durst – Erfüllung, Trennung – Anhaftung. Daraus wird klar, dass es unmöglich ist, die Anhaftung zu lieben, bevor man nicht zum Hass der Trennung gelangt.

Um der Stufe des Hasses auf die Trennung würdig zu werden, muss man erst erfahren, was Trennung bedeutet, mit anderen Worten: wovon man entfernt ist. Erst dann kann man sagen, dass man diese Entfernung korrigieren möchte. Das bedeutet, dass der Mensch sich bewusst sein muss, von wem und wovon er entfernt ist. Erst dann kann er versuchen, diesen Zustand zu korrigieren und sich mit demjenigen zu verbinden, von dem er getrennt wurde. Das heißt, wenn der Mensch versteht, was er von der Annäherung an Ihn gewinnen wird, wird er den Schaden davon einschätzen können, in Entfernung zu bleiben.

Gewinn oder Verlust werden je nach Genuss oder Leid eingeschätzt. Der Mensch hält sich von dem fern, was ihm Leiden verursacht, und hasst es. Das Maß der Entfernung hängt vom Maß des Leidens ab, denn es liegt in der Natur des Menschen, Leiden zu meiden. Daher hängt eines vom anderen ab, gemeint ist, der Mensch bemüht sich und tut alles Mögliche, um sich von dem fernzuhalten, was Leiden hervorruft. Das heißt, Leiden ruft Hass hervor auf das, was Leiden verursacht, und in diesem Maße entfernt sich der Mensch.

Aus dem Gesagten folgt, dass der Mensch wissen muss, was „Gleichheit der Form“ bedeutet, um zu wissen, was er tun soll, um eine Anhaftung zu erreichen, welche als die „Gleichheit der Form“ bezeichnet wird. Und daraus wird er erfahren, was „Unterschiedlichkeit der Form“ und „Trennung“ bedeuten.

Aus den Büchern und von ihren Autoren ist bekannt, dass der Schöpfer gut ist und nur Gutes tut, das heißt, Seine Lenkung offenbart sich den Unteren als gut und gütig. Und daran sind wir verpflichtet zu glauben.

Wenn daher der Mensch sieht, was in der ihn umgebenden Welt geschieht und er beginnt, auf sich oder auf andere zu schauen, wie sehr alle an der Höheren Lenkung leiden und nicht genießen, wie es vonseiten einer guten und gütigen Lenkung kommen sollte, fällt es ihm schwer, in diesem Zustand zu sagen, dass die Höhere Lenkung sich gut und gütig verhält und den Unteren alles Gute sendet.

Doch es ist notwendig zu wissen, dass in dem Fall, wenn er nicht sagen kann, dass der Schöpfer nur Gutes schickt, er als „Bösewicht“ bezeichnet wird, weil die Empfindung von Leiden in einem bewirkt, das er den Schöpfer anklagt. Und nur, wenn er sieht, dass der Schöpfer Genüsse schickt, rechtfertigt er den Schöpfer, wie die Weisen sagten: „Als Gerechter wird derjenige bezeichnet, der die Handlungen des Schöpfers rechtfertigt – also behauptet, dass der Schöpfer die Welt gerecht lenkt.“

Wenn folglich der Mensch Leid verspürt, stellt er sich als entfernt vom Schöpfer heraus, weil er sich auf natürliche Weise kraft seiner Natur in einen Hasser desjenigen verwandelt, der ihm Leiden schickt. Folglich hasst der Mensch den Schöpfer auf diese Weise, anstatt Ihn zu lieben.

Was soll aber der Mensch tun, um Liebe zum Schöpfer zu erreichen? Dazu wurde uns eine Segula (ein Heilmittel) gegeben – die Beschäftigung mit Tora und Mizwot, weil das Licht darin den Menschen zum Schöpfer zurückführt. Denn in der Tora gibt es ein Licht, welches dem Menschen die Möglichkeit gibt, die Substanz des Zustands der Trennung vom Schöpfer zu verspüren. Und langsam, wenn der Mensch die Absicht hat, das Licht der Tora zu erfassen, entsteht in ihm allmählich der Hass auf die Trennung vom Schöpfer. Er beginnt, den Grund wahrzunehmen, der in ihm und seiner Seele die Trennung und Entfernung vom Schöpfer hervorruft.

Der Mensch muss daran glauben, dass die Lenkung des Schöpfers „gut und Gutes tuend“ ist. Doch da der Mensch in Selbstliebe versunken ist, welche in ihm die Gegensätzlichkeit der Form hervorruft, wurde die Korrektur geschaffen, welche als „um zu geben“ bezeichnet und „Gleichheit der Form“ genannt wird. Und nur in so einer Weise kann man diese Güte und den Genuss empfangen. Und dass er den Genuss nicht empfangen kann, den der Schöpfer geben möchte, ruft im Menschen den Hass auf die Trennung vom Schöpfer hervor. Dann hat er die Möglichkeit, die Größe des Nutzens der Gleichheit der Form zu erkennen, und dann beginnt er, nach der Anhaftung mit dem Schöpfer zu streben.

Somit verweist jede Form auf die zu ihr entgegengesetzte. Daraus folgt, dass alle Abstiege, die der Mensch fühlt, wenn er zur Trennung vom Schöpfer gelangt, ihm die Gelegenheit geben, zwischen diesen gegensätzlichen Zuständen zu unterscheiden. Aus den Abstiegen soll also der Mensch das Verständnis des Nutzens der Aufstiege erhalten. Anders hätte der Mensch keine Möglichkeit, die Wichtigkeit dessen wertzuschätzen, dass man ihn von Oben näher bringt und ihm Aufstiege gewährt. Und er hätte keine Möglichkeit, sich der Wichtigkeit bewusst zu werden, die er offenbaren könnte. Dies ist wie im Beispiel eines Menschen, dem man Essen gibt, der aber niemals Hunger verspürt hat.

Somit verursachen in ihm die Abstiege, also die Zeiten der Trennung, die Wichtigkeit der Anhaftung in den Aufstiegen. Und die Aufstiege rufen im Menschen den Hass auf Abstiege hervor, die ihm die Trennung bringt.

Der Mensch kann das Ausmaß des Bösen in den Abstiegen nicht einschätzen, das heißt, er spricht schlecht über die Höhere Lenkung und spürt nicht einmal, über wen er so schlecht spricht, um zu begreifen, dass er für so eine große Sünde bereuen muss. Dies wird „üble Nachrede über den Schöpfer“ genannt.

Aus dem Gesagten folgt, dass gerade dann, wenn der Mensch diese beiden Formen hat, er in der Lage ist, die Entfernung zwischen ihnen zu erkennen, wie es geschrieben steht: „Der Vorzug des Lichtes – aus der Finsternis.“ Das heißt, nur dann kann er die Anhaftung zum Schöpfer wertschätzen und hochhalten, mit Hilfe welcher man die Güte und den Genuss erreichen kann, die im Schöpfungsgedanken eingeschlossen sind, welcher Seinen Willen darstellt, den Geschöpfen Genuss zu schenken. Alles, was unseren Augen erscheint, sind nur Sachen, die der Schöpfer will, dass wir sie in einer Art erfassen, wie wir es tun, da sie Wege sind, um das vollständige Ziel zu erreichen.

Doch es ist nicht so einfach, der Anhaftung an den Schöpfer würdig zu werden. Es erfordert große Anstrengungen und Mühen, bis man es würdig wird, die Güte und den Genuss zu erfassen und zu verspüren. Und bis dahin ist es dem Menschen auferlegt, die Höhere Lenkung zu rechtfertigen, über seinem Verstand zu glauben, dass der Schöpfer alle Geschöpfe nur „gut und Gutes tuend“ lenkt, und zu sagen: „Sie haben Augen und sehen nicht.“

Dies ist so, wie die Weisen sagten: „Habakuk kam und setzte ein Prinzip fest“, wie geschrieben steht, „der Gerechte lebt in seinem Glauben.“ Das bedeutet, dass der Mensch sich nicht mit Einzelheiten beschäftigen soll, sondern seine ganze Arbeit auf einen Punkt konzentrieren muss, das heißt auf das Gesetz, welches „Glauben an den Schöpfer“ ist. Das ist es, worum er beten sollte, was bedeutet, dass der Schöpfer ihm helfen möge, mit dem Glauben über den Verstand zu gehen. Und im Glauben ist ein Heilmittel enthalten, mit dessen Hilfe der Mensch zum Hass auf die Trennung gelangt, das heißt, der Glaube ruft im Menschen indirekt Hass auf die Trennung vom Schöpfer hervor.

Wir sehen, dass es einen großen Unterschied zwischen Glauben, Sehen und Wissen gibt. Was zu sehen und zu wissen gegeben ist – wenn der Verstand den Menschen verpflichtet, dass es sich lohnt, eine Anstrengung zu unternehmen, und dies einmal beschließt, so reicht ihm diese Entscheidung bereits aus. Mit anderen Worten: So und in welcher Form er entschieden hat, so wird er auch die Handlung ausführen, weil der Verstand ihn in jeder Handlung begleitet, damit er so tut, wie der Verstand ihm sagt. Und der Verstand gibt dem Menschen zu verstehen, dass es notwendig ist, genauso zu entscheiden, wie der Verstand beschließt.

Der Glaube hingegen ist eine Angelegenheit eines möglichen Einverständnisses. In anderen Worten: Er überwindet den Verstand und sagt, dass es sich lohnt, so zu handeln, wie ihn der Glaube über dem Verstand verpflichtet. Aus diesem Grunde ist der Glaube über dem Verstand nur während einer Handlung brauchbar, also dann wenn er glaubt. Erst dann ist er bereit, sich über dem Verstand anzustrengen.

Umgekehrt, wenn er den Glauben auch nur für einen Augenblick verlässt, das heißt der Glaube auch nur für einen Augenblick geschwächt wird, hört er sofort auf, sich mit der Tora und spiritueller Arbeit zu beschäftigen, und es wird ihm nicht helfen, dass er zuvor die Bürde des Glaubens über dem Verstand auf sich genommen hat.

Wenn er jedoch eine Sache begriffen hat und denkt, dass diese ihm schadet, es etwas Lebensgefährliches sei – so braucht er keine wiederholten Erklärungen und Überlegungen, warum das gefährlich ist.

Sondern, weil er es einmal mit seinem Verstand begriffen hat, dass er sich gerade mit diesen Dingen beschäftigen sollte, die ihm von seinem Verstand vorgegeben werden –welche gut und welche schlecht sind –, so folgt er bereits dieser Entscheidung.

Wir erkennen den Unterschied darin, wozu ihn der Verstand und wozu ihn der Glaube verpflichtet, und was der Grund dafür ist, dass, wenn etwas auf Glauben basiert, wir uns ständig der Form des Glaubens erinnern müssen, anderenfalls fällt man von seiner Stufe in einen Zustand der Sünde. Diese Zustände können selbst an einem einzigen Tag geschehen; der Mensch kann an einem Tag mehrmals von seiner Stufe fallen, da es unmöglich ist, dass der Glaube über dem Verstand tagsüber nicht einen Moment stoppt.

Wir müssen wissen, dass der Grund, den Glauben zu vergessen, von der Tatsache stammt, dass Glaube über dem Verstand und den Gedanken gegen alle Verlangen des Körpers ist. Da die Verlangen des Körpers naturgemäß in uns eingeprägt sind, was Wille zu empfangen heißt, ob im Verstand oder im Herzen, zieht es den Körper folglich immer zu unserer Natur hin. Nur, wenn man am Glauben festhält, hat dies die Kraft, einen aus den Verlangen des Körpers herauszubringen, über den Verstand zu gehen, das heißt gegen den Verstand des Körpers.

Bevor er die Gefäße des Gebens erlangt, Anhaftung genannt, kann folglich kein Glaube in ihm auf permanenter Grundlage gefunden werden. Wenn Glaube für ihn nicht leuchtet, sieht er, dass er im niedrigsten Zustand ist, und all das kommt aufgrund der Ungleichheit der Form zu ihm, was der Wille für sich selbst zu empfangen ist. Diese Trennung schafft alle seine Qualen, ruiniert alle seine Konstruktionen und alle Anstrengungen, die er in die Arbeit investiert hat.

Er sieht, dass er sich in dem Moment, in dem er den Glauben verloren hat, in einem schlechteren Zustand befindet als zu dem Zeitpunkt, da er auf dem Weg der Arbeit im Geben gestartet ist. So erlangt er Hass auf die Trennung, da er sofort beginnt, Qualen in sich selbst und in der ganzen Welt zu spüren. Es wird schwer für ihn, Seine Vorsehung für die Geschöpfe zu rechtfertigen, sie als „gut und Gutes tuend“ anzusehen, und dann fühlt er, dass die ganze Welt für ihn verdunkelt ist, und er hat nichts, wovon er Freude empfängt.

Wenn der Mensch daher jedes Mal beginnt, den Makel seiner üblen Nachrede über die Vorsehung zu korrigieren, so erhält er Hass auf die Trennung. Und durch den Hass, den er in der Trennung empfindet, gelangt er dazu, die Anhaftung zu lieben. Anders gesagt: In dem Ausmaß, in dem er Leiden während der Trennung empfindet, nähert er sich der Anhaftung an den Schöpfer. Gleichermaßen gelangt er in dem Ausmaß, in dem er die Dunkelheit, welche schlecht ist, empfindet, zur Empfindung der Anhaftung, einer guten Sache. Dann kann er es, wenn er etwas Anhaftung empfängt, zunächst bewerten und weiß es dann wertzuschätzen.

Nun können wir verstehen, dass alle Leiden, die in der Welt existieren, nur eine Vorbereitung für die wahren Qualen sind. Dies sind die Qualen, die der Mensch erreichen muss, ansonsten wird er nicht in der Lage sein, irgendetwas Spirituelles zu erlangen, da es ohne Gefäß (Kli) kein Licht gibt. Diese Qualen, die wahren Qualen, heißen „Verleumdung der Vorsehung durch üble Nachrede.“ Dies ist, worum man betet, also nicht die Vorsehung zu verleumden, und es sind dies die Qualen, die der Schöpfer annimmt. Das ist die Bedeutung der Worte, dass der Schöpfer das Gebet jeden Mundes hört.

Der Grund, warum der Schöpfer auf diese Qualen antwortet, ist, dass man dann nicht für seine eigenen Empfangsgefäße um Hilfe bittet. Denn wir können sagen, dass, wenn der Schöpfer ihm alles, was er wünscht, gibt, dies bewirken könnte, dass er aufgrund der Unterschiedlichkeit der Form, die er dadurch erlangen würde, sich weiter vom Schöpfer entfernt. Vielmehr verhält es sich gegenteilig: Man bittet um Glauben, darum, dass der Schöpfer einem die Überwindungskraft geben möge, um die Gleichheit der Form zu erlangen, denn er erkennt, dass, wenn er nicht ständig im Glauben ist, das heißt, wenn der Glauben für ihn nicht leuchtet, ihm zweifelnde Gedanken über die Vorsehung kommen und er in einen Zustand des „Bösewichts“ gelangt, wobei er seinen Erschaffer anklagt.

Es zeigt sich, dass alle von ihm empfundenen Leiden aufgrund seiner üblen Nachrede über die Höhere Vorsehung sind. Doch was verletzt ihn? Anstatt den Schöpfer zu preisen und zu sagen: „Gepriesen sei Er, unser Gott, der uns zu seinen Ehren erschaffen hat“, was bedeutet, dass die Geschöpfe den Schöpfer ehren, so sieht er, dass das Verhalten der Welt nicht zu Seinen Ehren ist, da jeder Beschwerden und Forderungen hat, dass die Lenkung von offensichtlicher Vorsehung sein sollte, dass der Schöpfer die Welt im Sinne von „gut und Gutes tuend“ führt. Da es nicht offensichtlich ist, sagen sie, dass diese Vorsehung Ihn nicht verherrlicht, und das schmerzt Ihn.

Somit ist der Mensch durch die von ihm empfundenen Qualen gezwungen, abfällig zu reden. Daraus folgt, dass die Bitte an den Schöpfer, Er möge ihm die Kraft des Glaubens geben und er des Guten und Gütigen gewürdigt werden, nicht geschieht, weil er Gutes empfangen möchte, um sich selbst zu erfreuen, sondern um nicht abfällig zu reden; eben dies schmerzt ihn. Für sich selbst möchte er über dem Wissen glauben, dass der Schöpfer die Welt „gut und Gutes tuend“ lenkt, und er wünscht sich, dass sein Glaube in vollkommener Empfindung stark genug ist, als ob er innerhalb des Verstandes wäre.

Daher möchte er, wenn er sich mit der Tora und den Mizwot beschäftigt, das Licht des Schöpfers nicht zu seinem eigenen Vorteil anziehen, sondern er kann es nicht ertragen, unfähig zu sein, Seine Vorsehung, welche in Güte ist, zu rechtfertigen. Dies verursacht bei ihm Leiden, weil er den Namen des Schöpfers, dessen Name „gut und Gutes tuend“ ist, entweiht und sein Körper anderes behauptet.

Dies sind alle seine Qualen, denn indem er sich in einem Zustand der Trennung befindet, kann er Seine Lenkung nicht rechtfertigen. Dies bedeutet, dass der Zustand der Trennung von ihm gehasst wird. Und wenn er diese Leiden empfindet, vernimmt der Schöpfer sein Gebet, nähert ihn Sich an und er wird der Anhaftung würdig. Dies deshalb, da ihn die Qualen, die er aufgrund der Trennung spürt, dazu führen, dass er der Anhaftung würdig wird; und dann sagt man: „wie das Licht einen Vorzug hat vor der Finsternis.“

Dies ist die Bedeutung von „der Vorteil des Landes überall.“ Land ist die Schöpfung; überall bedeutet, dass man durch den Nutzen, das heißt, wenn man den Unterschied zwischen dem Zustand der Trennung und dem Zustand der Anhaftung erkennt, würdig wird, mit Anhaftung an „alles“ belohnt zu werden, da der Schöpfer „die Wurzel von allem“ genannt wird.



[1] Kohelet 2,13

 

Shamati 33: Die Lose vom Jom Kippur und bei Haman

Ich hörte am 12. Februar 1943

Es steht geschrieben: „Und Aaron werfe Lose über zwei Böcke: ein Los dem Schöpfer und das andere Los dem Asasel.“[1] Bei Haman steht geschrieben: „da wurde das Pur, das ist das Los, geworfen“[2] usw.

Man verwendet das Los dort, wo man keine Überprüfung im Verstand durchführen kann, weil der Verstand nicht so weit reicht, um unterscheiden zu können, was gut und was böse ist. In diesem Zustand wird das Los geworfen, wenn man sich nicht auf den eigenen Verstand verlässt, sondern auf das, was das Los sagt. Dementsprechend ist es so: Wenn das Wort „Los“ benutzt wird, sagt es aus, dass wir nun über den Verstand gehen.

Bezüglich des siebenten Adar, an dem Moses geboren wurde und an welchem Moses starb, müssen wir verstehen, was „Adar“ bedeutet. Es kommt vom Wort Aderet (Mantel), wie es in Elia geschrieben steht: „Und er warf seinen Mantel über ihn.“[3] Aderet kommt vom Wort Aderet Sear (Haar), die als Searot und Dinim definiert sind. In der spirituellen Arbeit sind dies fremdartige Gedanken und Ideen, die den Menschen vom Schöpfer entfernen.

Und hier geht es darum, sie zu überwinden. Obwohl der Mensch viele Widersprüche in Seiner Lenkung sieht, muss er sie dennoch durch Glauben über dem Verstand überwinden und sagen, dass sie wohlwollende Lenkung sind. Das ist die Bedeutung von dem, was über Moses geschrieben steht: „Und Moses verbarg sein Gesicht.“ Das bedeutet, dass er alle Widersprüche sah und sie durch Anstrengung mittels der Kraft des Glaubens über dem Verstand hielt.

Es ist, wie unsere Weisen sagten: Für „Und Moses verbarg sein Gesicht, denn er fürchtete sich hinzusehen“ wurde er belohnt mit „Das Bild des Schöpfers erblickt er“. Das ist die Bedeutung von „Wer ist blind wie mein Diener? Oder taub wie mein Botschafter?“

Es ist bekannt, dass Ejnaim (Augen) als „Vernunft“, „Verstand“ bezeichnet werden, also die Augen des Verstandes. Wenn wir eine Sache im Verstand begreifen, dann sagen wir: „Wir sehen aber, dass der Verstand und die Vernunft uns dazu zwingen, das zu sagen.“

Einer also, der über den Verstand geht, ist wie einer, der keine Augen hat, und er wird blind genannt, das heißt, er gibt vor, blind zu sein. Und auch einer, der nicht hören will, was die Kundschafter ihm sagen, und vorgibt, taub zu sein, wird  taub genannt. Das ist die Bedeutung von „Wer ist blind wie mein Diener? Oder taub wie mein Botschafter?“

Wenn man allerdings sagt: „Sie haben Augen und sehen nicht! Sie haben Ohren und hören nicht“, so bezieht sich das auf einen, der nicht dem gehorchen will, wozu der Verstand verpflichtet und was die Ohren hören, so wie über Joshua, den Sohn von Nun, geschrieben steht, dass niemals eine schlechte Sache sein Ohr betrat. Das ist die Bedeutung von Aderet Sear, dass er viele Widersprüche und Dinim hatte. Jeder Widerspruch wird Sear (Haar) genannt, und unter jedem Sear gibt es eine Delle. 

Das bedeutet, dass sie ein Loch in den Kopf macht, das heißt, dass der fremdartige Gedanke den Kopf des Menschen durchlöchert und durchdringt. Wenn der Mensch viele fremdartige Gedanken hat, dann gilt, dass er viele Searot hat, und das wird als Aderet Sear bezeichnet.

Das ist die Bedeutung von dem, was über Elisha geschrieben steht: „Und Elia ging von dort weg und fand Elisha, den Sohn Shafats, als er pflügte. Zwölf Ochsenpaare gingen vor ihm her, und er selbst war bei dem zwölften. Und Elia ging zu ihm und warf seinen Mantel ihm zu.“[4] (Mit Paar ist ein Ochsenpaar gemeint, da mit zwei Ochsen gleichzeitig gepflügt wurde, die verbunden waren; das wird Ochsenpaar (zemed bakar) genannt.)

Bakar (Ochse) bedeutet Bikoret (Kritik). Und zwölf bezieht sich auf die Ganzheit der Stufe (wie zwölf Monate und zwölf Stunden). Dies bedeutet, dass man bereits alle Unterscheidungen der Searot hat, die man auf der Welt haben kann. Aus den Searot wird dann Aderet Sear. Bei Elisha war dies jedoch in Form des Morgens von Josef, so wie geschrieben steht: „Der Morgen leuchtete und die Männer wurden fortgeschickt, sie und ihre Esel.“ Dies bedeutet, dass man bereits des Lichtes würdig wurde, welches über diesen Widersprüchen ruht. Denn durch die Widersprüche, Kritik genannt – wenn er sie überwinden will, geschieht dies durch das Anziehen des Lichtes auf sie. Dies ist so, wie geschrieben steht: „Demjenigen, der kommt, um rein zu werden, wird geholfen.“

Und da man das Licht bereits auf die gesamte Kritik gezogen hat und nichts weiter hinzuzufügen hat, da die gesamte Kritik in einem vervollständigt worden ist, enden die Widersprüche und die Kritik in einem von alleine. Dies folgt der Regel, dass es keine sinnlose Handlung gibt, da es keinen Handelnden gibt, der ohne Zweck handelt.

Tatsächlich müssen wir wissen, dass jene Dinge, die dem Menschen erscheinen, als würden sie der Lenkung von „gut und Gutes tuend“ widersprechen, nur dazu da sind, damit der Mensch gezwungen sei, dann, wenn er die Widersprüche überwinden möchte, das Höhere Licht auf die Widersprüche zu ziehen.

Sonst kann er diese nicht überwinden. Dies wird „die Erhabenheit des Schöpfers“ genannt, die er ausdehnt, wenn er die Widersprüche hat, die Dinim (Urteile) genannt werden.

Dies bedeutet, dass die Widersprüche nur aufgelöst werden können, wenn man sie überwinden möchte, indem man die Erhabenheit des Schöpfers ausdehnt. Daraus folgt, dass es eben jene Dinim sind, die das Anziehen der Erhabenheit des Schöpfers bewirken. Dies ist die Bedeutung von „und warf ihm den Mantel zu“. Dies bedeutet, dass man danach den ganzen Aderet Sear (Haar-Mantel) Ihm zuschreibt, also dem Schöpfer. Es bedeutet, dass man nun sieht, dass der Schöpfer ihm diesen Mantel mit Absicht gegeben hat, damit er das Höhere Licht darauf ziehe.

Dies kann man jedoch nur danach sehen, was bedeutet, nachdem man bereits das Licht erlangt hat, dass auf diesen Widersprüchen und Dinim ruht, die er zu Beginn hatte. Dies ist so, weil er sieht, dass es ohne die Searot (Haare), das heißt ohne die Abstiege, keinen Ort für das Höhere Licht gäbe, wo es verweilen könnte, da es kein Licht ohne Kli (Gefäß) gibt.

Daher sieht man, dass all die Erhabenheit des Schöpfers, die man erlangt hat, wegen der Searot (Haare) und der Widersprüche, die man hatte, war. Dies ist die Bedeutung von „der Schöpfer in der Höhe ist allmächtig.“ Es bedeutet, dass die Erhabenheit des Schöpfers durch Aderet erlangt wird, und dies ist die Bedeutung von „die Erhebung des Schöpfers ist in ihren Kehlen.“ Dies bedeutet, dass aufgrund der Mängel in der spirituellen Arbeit, dies einen dazu bringt, sich selbst weiter nach Oben zu bringen, da der Mensch ohne einen Schubs zu träge ist, eine Bewegung zu machen, und damit einverstanden ist, in dem Zustand zu verbleiben, in dem er sich befindet.

Wenn er jedoch auf eine niedrigere Stufe hinabsteigt, als er versteht, so gibt ihm das die Kraft der Überwindung, da man in so einem schlimmen Zustand nicht verweilen kann, weil man nicht damit einverstanden ist, in dem Zustand, in den man abgefallen ist, zu verbleiben.

Aus diesem Grund muss er sich jedes Mal überwinden und aus diesem Zustand des Abstiegs herauskommen. In diesem Zustand muss er die „Erhabenheit des Schöpfers“ auf sich ziehen. Dies ermöglicht ihm von Oben höhere Kräfte anzuziehen, da er sonst in absoluter  Niedrigkeit bleibt.

Daraus folgt, dass er jedes Mal durch die Searot allmählich die Erhabenheit des Schöpfers entdeckt bis er die Namen des Schöpfers, die dreizehn Eigenschaften der Gnade genannt werden, enthüllt. Dies ist die Bedeutung von „und der Ältere soll dem Jüngeren dienen“ sowie „der Böse soll es vorbereiten und der Gerechte soll es tragen“ und auch „du sollst deinem Bruder dienen“. Dies bedeutet, dass alle Versklavungen, das heißt alle Widersprüche, die gewesen sind, so erschienen sind, als würden sie die heilige Arbeit stören. Nun, indem man dem Licht des Schöpfers würdig wurde, das über diesen Widersprüchen ruht, sieht man im Gegenteil, dass sie der Kedusha (Heiligkeit) gedient haben. Das bedeutet, dass es durch sie einen Ort gab, an dem sich die Kedusha in ihre Kleider einkleiden konnte. Und dies wird „der Böse bereitet es vor und der Gerechte wird es tragen“ genannt, was bedeutet, dass sie den Kelim (Gefäßen) den Ort für die Kedusha gaben.

Nun können wir darlegen, was unsere Weisen schrieben: „Wurde er würdig, ist er ein Gerechter. Er nimmt seinen und seines Freundes Anteil am Garten Eden.“ „Wurde er schuldig, war er ein Bösewicht. Er nimmt seinen und seines Freundes Anteil an der Hölle.“[5] Dies bedeutet, dass man die Dinim und die fremdartigen Gedanken des Freundes übernimmt, was für die ganze Welt gilt und bedeutet, dass dies der Grund dafür ist, weshalb die Welt mit so vielen Menschen geschaffen wurde, von welchen jeder seine eigenen Gedanken und Meinungen hat, und die alle in einer einzigen Welt zugegen sind.

Dies ist mit Absicht so, damit jeder einzelne in allen Gedanken seines Freundes eingeschlossen sei. Sodass, wenn der Mensch bereut, der Verdienst daraus die Hitkalelut (Vermischung/Integration) sein wird.  Da der Mensch, der Reue tun will, verpflichtet ist, sich selbst und die ganze Welt mithilfe der Waagschale des Verdienstes zu beurteilen, da er selbst alle Meinungen und fremdartigen Gedanken der gesamten Welt beinhaltet. Dies ist die Bedeutung von  „Wurde er schuldig, ist er ein Bösewicht. Er nimmt seinen und seines Freundes Anteil an der Hölle“. Das bedeutet, als er noch ein Bösewicht war, was „schuldig“ genannt wird, bestand der eigene Anteil aus Searot, Widersprüchen und fremdartigen Gedanken. Ebenso war man mit dem Anteil seines Freundes in der Hölle vermischt, was bedeutet, dass man alle Meinungen aller Menschen in der Welt umfasste. Wenn man daher später zu „Wurde er würdig, ist er ein Gerechter“ übergeht, das heißt, nachdem man bereut, so „beurteilt er sich selbst und die ganze Welt mithilfe der Waagschale des Verdienstes“. So erlangt er seinen und seines Freundes Anteil am Garten Eden.

Dies ist so, weil man verpflichtet ist, auch für die fremdartigen Gedanken aller Menschen in der Welt das Höhere Licht anzuziehen, da man mit ihnen vermischt ist und man sie mithilfe der Waagschale des Verdienstes beurteilen muss. Und dies geschieht genau durch die Ausdehnung des Höheren Lichtes auf diese Dinim der Allgemeinheit.

Und obwohl sie dieses Licht nicht selbst bekommen können, das man für sie angezogen hatte, da sie keine Kelim haben, die bereit dafür wären, so hat man es dennoch auch für sie angezogen.

Dennoch müssen wir, gemäß der bekannten Regel, verstehen, dass wer die Ausdehnung des Lichtes in den Höheren Stufen bewirkt, so sagen die Weisen, dass in dem Maße, wie er Licht im Höheren bewirkt hat, er auch von jenen Lichtern bekommt, da er der Verursacher war. Und aus diesem Grund hätten auch die Bösewichte einen Teil des Lichtes erhalten sollen, das sie für die Gerechten verursacht haben. Um dies zu verstehen, muss man die Sache der Lose voranschicken. Es gab zwei Lose, so wie geschrieben steht, „ein Los für den Schöpfer und das andere für Asasel.“

Es ist bekannt, dass das Los eine Angelegenheit über dem Verstand ist. Wenn das Los daher über dem Verstand ist, dann bewirkt es, dass das andere Los für Asasel ist.

Dies ist die Bedeutung von „tosender Sturm auf dem Kopfe der Bösewichte.“ Dies ist so weil er das Höhere Licht durch diese Widersprüche ausdehnte. So vermehrt sich dadurch die Erhabenheit des Schöpfers. Dies ist für die Bösewichte ein Mangel, da ihr gesamtes Verlangen im Verstand ist. Und wenn sich das Licht vermehrt, das auf der Basis „über dem Verstand“ beruht, verblassen sie und werden untätig. Daher haben die Bösewichte nichts außer, dass sie den Gerechten halfen, die Erhabenheit des Schöpfers auszudehnen, und danach werden sie untätig. Und dies wird genannt: „Wurde er würdig, so nimmt er seinen und seines Freundes Anteil am Garten Eden.“ (Was folgt daraus? Nur derjenige, der geholfen hat, die Korrektur auszuführen, damit durch Gute Taten die Enthüllung des Lichtes zur Wirklichkeit wird, dessen Handlungen verbleiben in der Kedusha und er bekommt, was er Oben verursacht, damit es einen Ort der Ausdehnung des Lichtes gibt. In diesem Zustand bekommt der Untere das, was er dem Höheren verursacht.

Jedoch werden die Widersprüche und die Dinim aufgelöst, da sie durch die Erhabenheit des Schöpfers ersetzt werden, welche  „über dem Verstand“ enthüllt wird. Und sie wollen, dass die Erhabenheit insbesondere in den Kelim „im Verstand“ enthüllt werde. Daher werden sie aufgelöst. So kann das gedeutet werden).

Auch die fremdartigen Gedanken jedoch, die die Allgemeinheit verursachte, um die  Erhabenheit auf sie zu ziehen, dieses Licht bleibt für sie. Und wenn sie würdig werden, es zu bekommen, werden sie auch das Licht bekommen, das jeder Einzelne für sie angezogen hat.

Dies ist die Bedeutung von „ein Pfad, der durch den Riss eines Haares geht“[6], der zwischen rechts und links unterscheidet. Und zwei Lose, die an Jom Kippurim waren, was die „Reue aus Furcht“ ist. Ebenso war ein Los an Purim, was „Reue aus Liebe“ ist, da es damals vor dem Bau des Tempels war, als die Reue aus Liebe benötigt wurde. Und es musste vorher eine Notwendigkeit für den Akt der Reue gegeben haben. Diese Notwendigkeit verursacht Dinim und Searot.

Und dies ist die Bedeutung davon, dass Haman die Herrschaft von Oben gegeben wurde, im Sinne von „Ich stelle eine Herrschaft über euch auf, dass er über euch herrschen möge“.

Daher steht geschrieben, dass Haman „ein Pur (Los) geworfen hatte, und dies ist das Schicksal“ im Monat Adar, welcher der zwölfte Monat ist, wie die zwölf Ochsen, so wie bei Elisha geschrieben steht: „zwei Reihen, sechs in einer Reihe“, was der Monat Adar ist, was Aderet Sear bedeutet, welche die größten Dinim sind.

Von hier wusste Haman, dass er Israel besiegen würde, da im Monat Adar Moses gestorben war. Er wusste jedoch nicht, dass Moses in diesem Monat geboren wurde, gemäß dem Sinn von „und sie sahen, dass es gut war“. Dies ist so, weil, wenn man sich im schwierigsten Zustand stärkt, man der größten Lichter würdig wird, die die „Erhabenheit des Schöpfers“ genannt werden.

Dies ist die Bedeutung von „verwobene Seide.“ Indem man würdig wird für „ein[en] Pfad, der durch den Riss eines Haares geht“, „zwei Reihen, sechs in einer Reihe“, gilt „verwoben“ abgeleitet von den Worten „und er beseitigt“ [den] „Fremden“. Dies bedeutet, dass der Fremde, was die Sitra Achra ist, aufgelöst wird und verschwindet, da er die Aufgabe schon beendet hat.

Wir sehen, dass alle Dinim und Widersprüche nur gekommen sind, um die Erhabenheit des Schöpfers zu enthüllen. Daher war es mit Jakob, der ein glatter Mann ohne Haare war, unmöglich die Erhabenheit des Schöpfers zu enthüllen, da er keinen Grund und kein Bedürfnis hatte, sie auszudehnen. Und aus diesem Grunde konnte Jakob die Segnungen Isaaks nicht empfangen, da er keine Kelim hatte und es kein Licht ohne Kli (Gefäß) gibt. Daher riet ihm Rebekka, die Kleider Esaus zu nehmen.

Und dies ist die Bedeutung von „und seine Hand hält die Ferse Esaus.“ Dies bedeutet, dass, obwohl er keinerlei Haare hatte, er sie von Esau nahm. Und dies ist, was  Isaak sah und sagte: „Die Hände sind die Hände von Esau, aber die Stimme ist die Stimme Jakobs“. Das heißt Isaak gefiel diese Korrektur, die Jakob machte, und durch dies entstanden ihm Kelim für die Segnungen.

Und dies ist der Grund, warum wir eine so große Welt mit vielen Menschen benötigen. Es ist so, damit jeder in seinem Freund enthalten sein kann. Daraus folgt, dass jeder einzelne Mensch die Gedanken und Wünsche einer ganzen Welt umfasst. Deshalb wird der Mensch „eine kleine Welt für sich“ genannt. Und dies ist aus dem obigen Grund.

Und dies ist die Bedeutung von „nicht würdig.“ Das heißt, wenn der Mensch noch nicht würdig wurde, dann „übernimmt er seinen Teil und seines Freundes Teil in der Hölle“, was bedeutet, dass er in der Hölle seines Freundes eingeschlossen ist. Und noch mehr als das: Selbst wenn man bereits  seinen Teil der Hölle korrigiert hat, wenn man nicht den Teil seines Freundes korrigiert hat, also den Teil der Welt, der in einen integriert ist, so kann man noch nicht „ganz“ genannt werden.

Hieraus kann man verstehen, dass, auch wenn Jakob selbst glatt war, ohne Haare, er doch die Ferse Esaus festhält. Dies bedeutet, dass er die Haare nimmt, indem Esau in ihn integriert ist.

Wenn man daher würdig wird, sie zu korrigieren, übernimmt man den Teil seines Freundes im Himmel. Dies bezieht sich auf das Ausmaß der Erhabenheit des Höheren Lichtes, das man auf die Searot der Allgemeinheit ausdehnte. Man wird dessen würdig, obwohl die Allgemeinheit dies noch nicht empfangen kann, da ihnen die Eignung dazu fehlt.

Aus dem Gesagten können wir nun den Streit zwischen Jakob und Esau verstehen. Esau sagte: „Ich habe genug“, und Jakob sagte: „Ich habe alles“, das heißt: „zwei Reihen, sechs in einer Reihe“, das heißt innerhalb des Verstandes und über dem Verstand, was der Wille zu empfangen und das Licht der Dwekut (Anhaftung) ist.

Esau sagte: „Ich habe genug“, was das Licht ist, das in die Gefäße des Empfangens kommt, innerhalb des Verstandes. Jakob sagte, er habe alles, das heißt beide Unterscheidungen. Mit anderen Worten: Er nutzt die Gefäße des Empfangens und hat auch das Licht der Dwekut.

Und dies ist die Bedeutung der gemischten Menge (erev rav), welche das Kalb machte und sagte: „Dies ist dein Gott, oh Israel“, das heißt Ele (diese) ohne Mi (wer), was bedeutet, dass sie sich nur mit dem Ele verbinden wollten und nicht mit dem Mi. Dies bedeutet, dass sie nicht beides wollten, was das Mi und das Ele ist, was gemeinsam den Namen Elokim (Gott) bildet, was genug und alles bedeutet. Dies wollten sie nicht.

Dies ist die Bedeutung der Cherubim, welche Krawia und Patia sind. Ein Cherub an einem Ende, der die Unterscheidung von „genug“ ist, und ein Cherub am anderen Ende, der die Unterscheidung von „alles“ ist. Dies ist auch die Bedeutung des Geschriebenen: „Die Stimme, die zu ihm spricht von zwischen den zwei Cherubim.“

Wie kann dies jedoch sein, wo sie doch zwei Enden sind, die einander entgegengesetzt sind? Jedenfalls musste er Patia (einen Narren) machen und so empfangen. Und dies wird über dem Verstand genannt: Obwohl er nichts von dem versteht, was ihm gesagt wird, tut er es dennoch.

Was alles angeht, bezeichnet als Glaube über dem Verstand, so muss sich der Mensch anstrengen, in Freude zu arbeiten, da durch die Freude das wahre Maß von „alles“ in Erscheinung tritt. Wenn man keine Freude hat, so soll der Mensch sich betrüben, da er keine Freude hat, denn dies ist der vordergründige Platz zur Enthüllung der Freude – indem man über dem Verstand arbeitet.

Wenn man also keine Freude an dieser Arbeit hat, so soll man sich selbst deswegen peinigen. Und das ist die Bedeutung von dem Geschriebenen „dessen Herz willig ist“, was bedeutet, krank und bekümmert zu sein, da man keine Freude an dieser Arbeit hat.

Und das ist auch die Bedeutung von „denn du hast dem Schöpfer, deinem Gott, nicht mit Freude gedient bei Überfluss an allem.“ Stattdessen hast du „alles“ beiseite gelassen und nur „genug genommen. Also wirst du am Ende weit unten sein und es wird dir an allem mangeln, das heißt, du wirst das „genug“ ebenfalls verlieren. Aber in dem Maß, in dem man „alles hat und in  Freude ist, in diesem Maß wird man auch des „genug“ würdig.

Dementsprechend müssen wir „die Frauen, die Tammus beweinten[7]“ interpretieren. Rashi interpretiert,  dass sie Götzendienst verrichteten, weil er Blei in den Augen hatte, und sie es erhitzten, um das Blei aus seinen Augen zu schmelzen.

Wir sollten das Thema des Weinens interpretieren, also dass sie keine Freude hatten, weil es Staub in den Augen gab. Staub ist Bchina Dalet, also das Königreich des Himmels, was Glaube über dem Verstand ist.

Diese Unterscheidung trägt die Form von Staub, ist also unwichtig. Und diese Arbeit hat den Geschmack von Staub, das bedeutet, sie ist so unwichtig wie Staub. Das Gleichnis über die Frauen, die den Tammus beweinten, bedeutet, dass sie diesen Götzendienst verbrennen, weil durch die Erhitzung der Staub aus dem Blei herauskommt.

Dies deutet darauf hin, dass sie um die Arbeit weinen, die ihnen gegeben wurde, um über dem Verstand an Seine wohlwollende Lenkung zu glauben, während sie im Verstand nur Widersprüche in Seiner Lenkung sehen. Diese Arbeit ist die Arbeit der Kedusha, und sie wollen den Staub entfernen, also die Arbeit über dem Verstand, die „Staub“ genannt wird. Die Augen jedoch, als „Sehvermögen“ („Sehen“) bezeichnet, implizieren die Sicht Seiner Lenkung, damit sie innerhalb des Verstandes sei, und das wird als „Götzendienst“ bezeichnet.

Das gleicht einem Menschen, dessen Handwerk darin liegt, Töpfe und Gefäße aus Erde herzustellen, dessen Arbeit es ist, Tontöpfe herzustellen. Die Reihenfolge ist so, dass er zuallererst Kugeln aus Ton macht und dann schneidet und Löcher in die Kugeln macht. Als der kleine Sohn beobachtet, was sein Vater tut, schreit er: „Vater, warum zerstörst du die Kugeln?“ Der Sohn versteht aber nicht, dass das primäre Ziel seines Vaters die Löcher sind, da nur Löcher zu Gefäßen (Empfangsgefäßen) werden können, und der Sohn will die Löcher stopfen, die sein Vater in die Kugeln machte.

So auch hier. Der Staub in den Augen verschließt die Sicht eines Menschen. Wo immer er also hinschaut, findet er Widersprüche in der Lenkung. Dabei ist dies das vollständige Kli, durch welches er Funken bedingungsloser Liebe finden kann, genannt „Freude einer Mizwa.“ Darüber steht geschrieben: „Hätte der Schöpfer ihm nicht geholfen, hätte er nicht gewonnen.“ Das bedeutet, hätte der Schöpfer dem Menschen nicht diese Gedanken gegeben, wäre er unfähig gewesen, jeglichen Aufstieg zu erhalten.



[1] 3. Buch Mose 16,8

[2] Esther 3,7

[3] 1. Könige 19,19

[4] 1. Könige 19,19

[5] Hagiga 15a

[6] Sohar, Teil 15 und im Sulam Kommentar, Abschnitt 33, S. 56

[7] Ezekiel 8

 

Shamati 35: Die Lebenskraft der Kedusha

Ich hörte im Jahr 1945 in Jerusalem

Die Schrift sagt: „Das ist das Meer, groß und geräumig nach jeder Seite; dort ein Gewimmel, unzählig, von kleinen und großen Tieren“.[1]  

Das sollte man deuten:

  1. Das Meer – gemeint ist das Meer von Sitra Achra.
  2. Groß und geräumig – das heißt, sie [Sitra Achra] offenbart sich allen und ruft: „Gib! Gib!“, was große Gefäße des Empfangens bedeutet.
  3. Dort ist ein Gewimmel – das heißt, es gibt dort Höhere Lichter, auf denen der Mensch läuft und die er mit seinen Füßen betritt.
  4. Und unzählige dort vorhandene Tiere, kleine und große – gemeint ist die beim Menschen vorhandene kleine oder große Lebenskraft[2] – alles befindet sich in diesem Meer.

Und das, weil es eine Regel gibt: Alles, was man vom Himmel gibt, wird nicht zurückgenommen, sondern es verbleibt unten. Wenn der Mensch etwas von Oben herangezogen hat und er es danach befleckt, so bleibt dieses unten – aber nicht beim Menschen, sondern es fällt in das Meer von Sitra Achra.

Wenn der Mensch also irgendein Leuchten herangezogen hat und nicht in der Lage ist, es ständig zu halten, weil seine Kelim (Gefäße) noch nicht rein sind, um für das Licht geeignet zu sein, also dass der Mensch es in Gefäßen des Gebens empfängt wie das Licht, welches vom Gebenden kommt, so muss deshalb dieses Leuchten von ihm verschwinden.

In diesem Moment gerät dieses Leuchten in die Hände der Sitra Achra. Und so wiederholt sich dieses mehrere Male, das heißt, der Mensch zieht heran, und dann weicht es wieder von ihm.

Daher nehmen die Leuchten im Meer von Sitra Achra zu, bis das Fass voll wird. Also, nachdem der Mensch das ganze Maß der Bemühungen enthüllt, welches er zu enthüllen in der Lage ist, dann gibt ihm Sitra Achra alles zurück, was sie eigens in ihren Besitz gebracht hat, im Sinne des Gesagten: „Die Güter, die er verschlungen hat, wird er wieder ausspeien.“ Dementsprechend folgt, dass alles, was Sitra Achra in ihren Besitz brachte, nur ein Pfand war, also für die Zeit, in der sie Macht über den Menschen hat.

Und die Macht, die sie hat, ist dafür da, damit der Mensch die Möglichkeit hat, seine Gefäße des Empfangens zu untersuchen und sie in die Kedusha (Heiligkeit) hineinzuführen. Das bedeutet, dass, wenn sie den Menschen nicht beherrschen würde, der Mensch sich mit Wenigem zufrieden gäbe, und dann würden alle Gefäße des Empfangens des Menschen in Trennung (vom Schöpfer) verbleiben. Und der Mensch würde niemals in der Lage sein, die Gefäße zu versammeln, die zur Wurzel seiner Seele gehören, und sie in die Heiligkeit hineinzuführen und das Licht auszubreiten, welches zu ihm gehört.

Daher besteht die Korrektur darin, dass, jedes Mal, wenn er etwas heranzieht und anschließend einen Abstieg erlebt, er dann wieder von neuem anfangen muss, was neue Unterscheidungen bedeutet. Und was er in der Vergangenheit hatte, ist in die Sitra Achra gefallen, und sie hält das unter ihrer Herrschaft in Form eines Pfandes zurück, das heißt, danach bekommt der Mensch von ihr alles, was sie in all dieser Zeit von ihm bekam, zurück.

Doch man sollte auch wissen, würde es in der Kraft des Menschen liegen, irgendein Leuchten festzuhalten, und sei es auch ein kleines, es jedoch stetig wäre – dann würde der Mensch bereits als ganz gelten, also könnte er mit diesem Leuchten vorwärts schreiten. Dann muss es dem Menschen leidtun, wenn ein Leuchten verloren geht.

Und das gleicht einem Menschen, der einen Samen in die Erde legte, damit ein großer Baum daraus wird,  den Samen jedoch sofort wieder aus der Erde nahm. Wenn dem so ist, was ist dann der Nutzen der Arbeit, davon, dass er den Samen in die Erde steckte?

Überdies können wir sagen, dass er den Samen nicht nur aus der Erde nahm und ihn zum Verderben brachte, sondern man könnte sagen, dass er einen Baum mit gereiften Früchten aus der Erde zog und sie zum Verderben brachte.

Hier ist das Gleiche: Wenn er dieses kleine Leuchten nicht verloren hätte, hätte daraus ein großes Licht wachsen können. Folglich verlor er nicht unbedingt die Macht eines kleinen Leuchtens, sondern es ist so, als hätte er wirklich ein großes Licht verloren.

Und man soll wissen, dass die Regel so ist: Der Mensch kann nicht ohne Lebenskraft und Genuss leben, weil es aus der Wurzel der Schöpfung stammt, welche Sein Wunsch ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Daher kann jegliches Geschöpf nicht ohne Lebenskraft und Genuss existieren. Und daher ist jedes Geschöpf verpflichtet, sich aufzumachen und nach dem Ort zu suchen, von dem es Freude und Genuss beziehen kann.

Doch der Empfang des Genusses geschieht zu drei Zeiten: in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Der hauptsächliche Empfang des Genusses findet jedoch in der Gegenwart statt. Und obwohl wir sehen, dass der Mensch auch an der Vergangenheit und der Zukunft Freude hat, so ist es gerade aus dem Grunde, dass die Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart leuchten.

Wenn daher der Mensch keine Empfindung von Genuss in der Gegenwart findet, dann bezieht der Mensch Lebenskraft aus der Vergangenheit, und er kann anderen von vergangenen Zeiten erzählen, wie gut es ihm damals ging. Und daraus kann er Lebenskraft in der Gegenwart schöpfen. Oder er stellt sich vor, dass er hofft, dass es ihm in Zukunft gut gehen wird. Doch die Bewertung der Empfindung des Genusses in der Vergangenheit und der Zukunft hängt davon ab, wie sehr sie ihm in der Gegenwart leuchten. Und man sollte wissen, dass das sowohl den materiellen als auch spirituellen Genüssen eigen ist.

Und wie wir sehen, wenn der Mensch arbeitet, selbst auf materieller Ebene, ist die Reihenfolge so, dass er während der Arbeit Leid verspürt, weil er sich anstrengt. Der Grund, weshalb er aber in der Arbeit weitermacht, ist nur wegen der Kraft, die ihm von der Zukunft leuchtet, dass er eine Belohnung für seine Arbeit erhalten wird. Dies leuchtet einer Person in der Gegenwart, und deshalb ist er in der Lage, die Arbeit fortzusetzen.

Wenn er dagegen nicht in der Lage ist, sich die Belohnung vorzustellen, die er in Zukunft erhalten wird, so sollte der Mensch den Genuss am Zukünftigen nicht aus der Belohnung beziehen, die er in der Zukunft für seine Arbeit erhalten wird. Mit anderen Worten: Er wird nicht die Belohnung genießen, sondern er wird nicht an der Anstrengung leiden: Daher genießt er jetzt in der Gegenwart, was er in der Zukunft haben wird.

Die Zukunft leuchtet ihm in der Gegenwart dadurch, dass die Arbeit bald zu Ende sein wird, also die Zeit, in der er arbeiten muss, und er Ruhe bekommen wird. Es leuchtet ihm also in jedem Fall der Genuss der Ruhe, die er am Ende erhalten wird, was bedeutet, dass sein Gewinn sein wird, dass er keine Leiden haben wird, die er jetzt an der Arbeit empfindet, und das gibt ihm Kraft, um jetzt arbeiten zu können.

Und wenn der Mensch nicht in der Lage ist, sich vorzustellen, dass er bald der Leiden entledigt wird, die er jetzt erduldet, dann wird der Mensch verzweifelt und traurig werden, und dieser Zustand kann ihn dazu bringen, sich das Leben zu nehmen.

Daher sagten unsere Weisen: „Derjenige, der sich das Leben nimmt, hat keinen Anteil an der zukünftigen Welt, denn er nimmt nicht die Vorsehung an, mit welcher der Schöpfer die Welt in der Form von ‚gut, der Gutes tut‘ führt.“ Stattdessen sollte man glauben, dass diese Zustände zu ihm kommen, weil man Oben will, dass ihm dies eine Korrektur bringen möge. Das heißt, damit er Reshimot (Aufzeichnungen, Erinnerungen) von diesen Zuständen erhalte, um den Weg der Welt mit größerer Bedeutung und größerer Kraft verstehen zu können.

Und diese Zustände werden als Aspekt von Achoraim (Rückseite) bezeichnet. Und zu der Zeit, wenn er diese Zustände überwindet, wird er des Zustandes von Panim (Vorderseite, Gesicht) gewürdigt werden, das heißt, das Licht scheint ins Innere dieser Achoraim.

Gemäß der Regel, dass der Mensch nicht leben kann, wenn er keinen Ort hat, wo er Freude und Genuss erhalten kann, folgt, dass zu der Zeit, wenn der Mensch nicht in der Lage ist, aus der Gegenwart zu empfangen, er verpflichtet ist, in jedem Fall Lebenskraft zu beziehen, sei es von der Vergangenheit oder von der Zukunft. Das heißt, der Körper sucht sich die Lebenskraft mit allen Mitteln, die ihm zu seiner Verfügung stehen.

Dann, wenn der Mensch nicht damit einverstanden ist, Lebenskraft aus materiellen Dingen zu erhalten, hat der Körper keinen anderen Ausweg, als einzuwilligen, Lebenskraft von spirituellen Dingen zu bekommen, weil er keine andere Wahl hat.

Deswegen muss er einverstanden sein, Freude und Genuss aus Gefäßen des Gebens zu schöpfen, weil es unmöglich ist, ohne Lebenskraft zu leben. Dementsprechend folgt, dass, solange der Mensch daran gewöhnt ist, Tora und Mizwot im Sinne von lo liShma (nicht für Ihren Namen) auszuführen, also eine Gegenleistung für seine Arbeit zu bekommen, er tatsächlich die Möglichkeit hat, sich vorzustellen, dass er später irgendeine Gegenleistung erhalten wird, und schon kann er aufgrund dieser Berechnung arbeiten, dass er später Freude und Genuss bekommen wird.

Andererseits, wenn der Mensch nicht dafür arbeitet, um eine Belohnung zu erhalten, sondern ohne jegliche Gegenleistung arbeiten möchte – wie kann er sich vorstellen, später etwas zu haben, wovon er Lebenskraft erhalten wird? Er kann sich nämlich kein Bild machen, weil er nichts hat, worauf er zurückgreifen kann.

Daher gibt es in lo liShma keine zwingende Notwendigkeit, aus welcher man ihm von Oben Lebenskraft geben müsste, denn er hat Lebenskraft in der Vorstellung von der Zukunft, und von Oben gibt man keinen Luxus, sondern nur das Notwendige. Wenn daher der Mensch nur dem Schöpfer zuliebe arbeiten möchte, und er keineswegs Lebenskraft für andere Dinge erhalten möchte, dann gibt es keinen anderen Rat, als dass man von Oben verpflichtet ist, ihm Lebenskraft zu geben. Dies ist so, weil er nur die notwendige Lebenskraft erbittet, um sein Leben fortzusetzen. Und dann erhält er Lebenskraft aus der Struktur der heiligen Shechina (göttliche Gegenwart).

Es ist, wie unsere Weisen sagten: „Jeder, der mit der Gesellschaft bekümmert ist, wird belohnt und sieht den Trost der Gesellschaft.“ Denn als Gesellschaft wird die heilige Shechina bezeichnet, da Gesellschaft Versammlung bedeutet, also die Versammlung Israels, da Malchut die Gesamtheit aller Seelen ist.

Und da der Mensch keinerlei Belohnung für den eigenen Nutzen will, sondern zugunsten des Schöpfers arbeiten möchte, was heißt, die Shechina aus dem Staub zu erheben, damit sie nicht erniedrigt wird - was bedeutet, dass, wenn man nicht zugunsten des Schöpfers arbeiten möchte, sondern dass aus allem, was der Mensch sieht, sein eigener Nutzen erwachsen wird - dann gibt es Motivation für die Arbeit. Und was den Nutzen des Schöpfers angeht und der Mensch nicht sieht, dass er irgendeine Gegenleistung erhalten wird, dann lehnt sich der Körper gegen diese Arbeit auf, weil er den Geschmack von Staub an dieser Arbeit verspürt.

So ein Mensch will tatsächlich zugunsten des Schöpfers arbeiten, nur lehnt sich der Körper dagegen auf. Und er fleht den Schöpfer an, Er möge ihm Kraft geben, um dennoch arbeiten zu können, um die Shechina (göttliche Gegenwart) aus dem Staub zu erheben. Und daher wird er des Angesichtes des Schöpfers (Panim) gewürdigt, Der Sich ihm enthüllt, und die Verhüllung weicht von ihm.



[1] Psalm 104

[2] Lebenskraft (Chajut) und Tiere (Chajot) werden im Hebräischen mit den gleichen Buchstaben geschrieben.

 

Shamati 36: Was sind die drei Körper im Menschen?

Ich hörte am 19. März 1944

Der Mensch besteht aus drei Körpern:

  1. der innere Körper, welcher die Kleidung von Nefesh der Kedusha (Heiligkeit) ist
  2. Klipa (Schale) von Noga
  3. Schlangenhaut (Mishcha de Chivia).

Um sich von den letzteren zwei Körpern zu erretten, damit sie die Kedusha nicht stören, und um die Möglichkeit zu haben, nur den inneren Körper zu nutzen, gibt es für den Menschen den Rat, dass es ein Heilmittel gibt – nämlich ausschließlich darüber nachzudenken, was mit dem inneren Körper in Verbindung steht.

Das heißt, alle Gedanken des Menschen müssen ständig auf die Einzigkeit des Schöpfers gerichtet sein, darauf, dass es niemanden gibt außer Ihm. Er handelt und wird immer alle Handlungen vollziehen, und es gibt kein anderes Geschöpf in der Welt, das den Menschen von der Kedusha trennen kann.

Und da er nicht an die zwei äußeren Körper denkt, sterben sie, da sie keine Nahrung erhalten und nichts haben, wovon sie existieren könnten. Denn die Gedanken des Menschen an sie sind ihre Nahrung. Dies ist die Bedeutung von: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ Vor dem Sündenfall am Baum der Erkenntnis war der Unterhalt des Menschen nicht vom Brot abhängig, das heißt, er musste kein Licht und keinen Unterhalt anziehen – das Licht leuchtete ihm auch so.

Doch nach dem Sündenfall, als sich Adam haRishon an den Körper der Schlangenhaut angehaftet hatte, begann das Leben vom Brot, also von der Nahrung abhängig zu sein. Das bedeutet, dass man jedes Mal neue Nahrung für diese zwei neuen Körper heranziehen muss, und ohne Nahrung sterben sie ab. Und dies wurde zu einer großen Korrektur, um sich von diesen beiden Körpern zu erretten.

Und daher ist es dem Menschen auferlegt, sich zu bemühen und anzustrengen, keine Gedanken an diese zwei Körper zu verschwenden. Das ist so, wie die Weisen sagten: „Verbrecherische Gedanken sind schlimmer als das Verbrechen selbst“, weil eben Gedanken ihre Nahrung sind, und indem man sie also denkt, schöpfen diese Körper daraus ihre Lebenskraft.

Daher ist es notwendig, nur an den inneren Körper zu denken, da er die Kleidung der Nefesh der Kedusha darstellt. Man muss also nur daran denken, was sich „jenseits der Haut“ befindet. Mit anderen Worten: „Jenseits der Haut des Körpers“ heißt außerhalb des eigenen Körpers, was bedeutet, nicht an den eigenen Nutzen zu denken, sondern nur Gedanken zu pflegen, die zum Nutzen des Nächsten sind. Und das nennt man „jenseits der Haut.“

Denn jenseits der Haut können sich die Klipot (Plural für Klipa) nicht anhaften, denn die Klipot haften nur daran, was innerhalb der Grenzen der Haut ist, das heißt daran, was zum Körper gehört und nicht was außerhalb des Körpers ist, genannt „jenseits der Haut.“ Das heißt, die Klipot können sich an alles, was sich in den Körper „kleidet“ anhaften, und auf das, was sich nicht in den Körper „kleidet“, haben die Klipot keinen Zugriff.

Und wenn der Mensch sich ständig in Gedanken jenseits seiner Haut hält, hinter den Schranken des Körpers, dann wird er dessen gewürdigt, was geschrieben steht: „Und nachdem diese meine Haut zerstört ist, werde ich ohne mein Fleisch Gott sehen.“[1] „Diese“ ist die heilige Shechina (göttliche Gegenwart), die sich jenseits der Grenzen seiner Haut befindet. „Zerstört“ bedeutet, dass sie korrigiert wurde, um „jenseits meiner Haut“ zu stehen. Zu der Zeit wird der Mensch dann mit „ich werde ohne mein Fleisch Gott sehen“ gewürdigt.

Es bedeutet, dass die Kedusha kommt und sich in das Innere des Körpers kleidet, besonders dann, wenn der Mensch sich damit einverstanden erklärt, „jenseits seiner Haut“ zu arbeiten, gemeint ist ohne jegliche Kleidung. Die Frevler allerdings, die eben gerade zu einer Zeit arbeiten möchten, wo es ein Einkleiden in den Körper gibt, genannt „innerhalb der Haut“, sie werden  dann ohne Weisheit sterben. Denn dann haben sie keine Kleidung und ihnen wurde nichts gewährt. Jedoch sind es ausdrücklich die Gerechten, die mit der Einkleidung innerhalb des Körpers gewürdigt werden.



[1] Hiob 19, 26

 

Shamati 37: Ein Artikel für Purim

Ich hörte im Jahr 1948

Wir müssen in der Megilla[1] einige Feinheiten verstehen:

  1. Es steht geschrieben: „Nach diesen Begebenheiten machte der König Achaschwerosch Haman groß.“ [2] Wir müssen verstehen, was „Nach diesen Begebenheiten“ ist, was bedeutet, nachdem Mordechai den König gerettet hatte. Es erscheint vernünftig, dass der König Mordechai hätte befördern sollen. Aber wie heißt es? Dass Er Haman groß machte.
  2. Als Esther dem König sagte: „Denn wir sind verkauft worden, ich und mein Volk“, fragte der König: „Wer ist das, und wo ist er?“ Das bedeutet, dass der König nichts davon wusste, obgleich es ausdrücklich heißt, dass der König zu Haman sprach: „Das Silber ist dir gegeben, und dazu das Volk, mit ihm zu verfahren, wie es gut ist in deinen Augen.“Somit sehen wir, dass der König vom Verkauf wusste.
  3. Über „… zu tun nach dem Willen eines Jeglichen [Mannes]“ sagten unsere Weisen: „Rabba sagte: ‚zu tun entsprechend dem Willen sowohl von Mordechai als auch von Haman.‘“[3] Es ist bekannt, dass, wenn nur vom „König“ die Rede ist, sich dies auf den König der Welt bezieht. Wie kann es daher sein, dass der Schöpfer entsprechend dem Willen eines Bösen handeln möchte?
  4. Es steht geschrieben: „Mordechai wusste alles, was geschah.“ Das bedeutet, dass nur Mordechai wusste, denn zuvor heißt es: „und die Stadt Schuschan war verstört.“ Folglich wusste die ganze Stadt Schuschan davon.
  5. Es steht geschrieben: „denn eine Schrift, geschrieben im Namen des Königs, und mit dem Siegelringe des Königs besiegelt, darf kein Mensch widerrufen.“[4] Wie gab er also anschließend die zweiten Briefe heraus, welche die ersten Briefe letztendlich aufhoben?
  6. Was bedeutet es, dass unsere Weisen sagten: „An Purim soll man sich derart betrinken, bis man zwischen ‚verflucht sei Haman’ und ‚gesegnet sei Mordechai’ nicht mehr unterscheiden könne.“[5]?
  7. Was bedeutet es, dass unsere Weisen über den Vers „Und das Trinken geschah nach dem Gesetz“ sagten: Was bedeutet „nach dem Gesetz?“ Rabbi Chanan sagte im Namen von Rabbi Meir: „Nach dem Gesetz der Tora.“ Wie lautet das Gesetz der Tora? Mehr essen als trinken.

Um das oben Genannte zu verstehen, müssen wir zuerst die Angelegenheit von Haman und Mordechai verstehen. Unsere Weisen sagten über den Vers: „Entsprechend dem Willen eines jeden Mannes“, was Haman und Mordechai bedeutet. Wir sollten dies so darlegen, dass der Wunsch Mordechais „die Regel der Tora“ genannt wird, welche mehr essen als trinken ist. Und Hamans Wunsch ist das Gegenteil – mehr trinken als essen.

Wir fragten: „Wie kann es sein, dass Er ein Mahl gemäß des Willens eines Frevlers bereitet?“ Die Antwort dazu steht daneben geschrieben: „Es gibt keinen Zwang.“ Das bedeutet, dass das Trinken nicht zwingend war, und dies ist die Bedeutung von „keiner übte Zwang aus“.

Es ist so, wie unsere Weisen über den Vers „und Moses verbarg sein Gesicht, denn er scheute sich, zu Gott aufzuschauen.“[6] sagten. Sie sagten, dass als Dank für „Und Moses verbarg sein Gesicht“, er mit „er wird das Bild des Ewigen schauen“[7] belohnt wurde. Das bedeutet, dass gerade, weil er das nicht brauchte (was bedeutet, er konnte einen Massach (Schirm) darüber errichten), ihm infolgedessen erlaubt wurde, zu empfangen. Es steht außerdem geschrieben: „Ich leiste Beistand dem Helden.“[8] Das heißt, demjenigen, der heldenhaft ist und auf Seinen Wegen wandeln kann, hilft der Schöpfer.

Es steht geschrieben: „Und das Trinken geschah gemäß dem Gesetz.“[9] Was bedeutet „gemäß dem Gesetz“? Weil „keiner übte Zwang aus.“ Das bedeutet, dass er das Trinken nicht brauchte, doch sobald sie anfingen zu trinken, fielen sie in dessen Bann. Dies lässt darauf schließen, dass sie mit dem Trinken verbunden waren, was bedeutet, dass sie das Trinken brauchten. Andernfalls könnten sie nicht vorankommen.

Dies heißt „Zwang“, und bedeutet, dass sie die Methode Mordechais auslöschten. Dies ist auch die Bedeutung dessen, was unsere Weisen sagten, dass diese Generation dazu verurteilt war, zugrunde zu gehen, da sie die Mahlzeit eines Frevlers genossen.

Mit anderen Worten: Hätten sie das Trinken in Form von „keiner übte Zwang aus“ empfangen, hätten sie Mordechais Wunsch nicht ausgelöscht, und dies ist die Methode Israels. Jedoch, danach, als sie das Getränk in Form von „Zwang“ nahmen, folgte daraus, dass sie selbst das Gesetz der Tora zum Tode verurteilten, was der Aspekt Israels ist.

Dies ist die Bedeutung von mehr essen als trinken. Trinken bezieht sich auf die Enthüllung von Chochma (Weisheit), genannt „Wissen“. Essen, andererseits, wird als Or de Chassadim (Licht der Gnade) bezeichnet, was Glaube ist.

Dies ist die Bedeutung von Bigthan und Teresch, die an den König der Welt Hand anlegen wollten. „Und die Sache wurde kund dem Mordechai … die Sache wurde untersucht und für derart befunden.“ Diese Sache des Bittens geschah nicht auf einmal; und Mordechai erlangte es nicht auf leichte Weise, sondern nach großen Mühen wurde ihm die Sache dieses Makels offenbart. Sobald ihm dies klar enthüllt wurde, „wurden beide gehängt“, das heißt nach der Empfindung des darin enthaltenen Makels, wurden sie erhängt, was bedeutet, sie entfernten diese Handlungen und Verlangen aus der Welt.

„Nach diesen Dingen“, das heißt nach all der harten Arbeit und Anstrengung, die Mordechai aufgrund der Klärung geleistet hatte, wollte ihn der König für seine Anstrengung, nur liShma (für Ihren Namen) und nicht für sich selbst zu arbeiten, belohnen. Da es die Regel gibt, dass der Untere ohne Bedarf nichts empfangen kann, da es ohne Gefäß kein Licht gibt und ein Gefäß als Verlangen bezeichnet wird. Und da er für sich selbst nichts benötigt, wie kann ihm irgendetwas gegeben werden?

Hätte der König Mordechai gefragt, was er ihm für seine Mühen geben sollte, und da Mordechai ein Gerechter ist, dessen Arbeit nur darin liegt zu geben, ohne jegliches Bedürfnis Stufen aufzusteigen,  er sich aber mit wenig zufrieden gab, wollte der König das Licht der Weisheit geben, welches sich von der Linken Linie ausdehnt, und Mordechais Arbeit war nur von der Rechten Linie.

Was tat der König? Er beförderte Haman, was bedeutet, er gab der Linken Linie Wichtigkeit. Dies ist die Bedeutung von „und setzte seinen Stuhl über alle Minister[10]. Zusätzlich gab er ihm die Macht, was bedeutet, alle Sklaven des Königs knieten nieder und verneigten sich vor Haman, „denn so hatte es der König geboten“, damit er die Herrschaft bekäme. Und jeder akzeptierte ihn.

Die Sache des Kniens ist die Anerkennung der Herrschaft, da sie die Art von Haman bei der Arbeit mehr mochten als die Art von Mordechai. Alle Juden in Schuschan akzeptierten die Herrschaft Hamans, denn es war schwer für sie, Mordechais Sichtweise zu verstehen. Schließlich verstand jeder, dass die Arbeit des Gehens auf der Linken Linie, „Wissen“ genannt, für das Wandeln auf den Pfaden des Schöpfers leichter ist.

Es steht geschrieben, dass sie fragten: „Warum übertrittst du das Gebot des Königs?“ Da sie erkannten, dass Mordechai auf seiner Meinung über das Wandeln auf dem Pfad des Glaubens beharrte, gelangten sie in einen Zustand der Verwirrung und wussten nicht, welche Seite die richtige war.

Sie gingen und fragten Haman, wer Recht hätte, wie geschrieben steht: „sie sagten es Haman“, um zu sehen, ob die Worte Mordechais standhalten würden; denn er hatte ihnen gesagt, dass er ein Jude sei. Das bedeutet, dass der Weg des Juden‘ mehr essen als trinken‘ ist, was bedeutet, dass der Glaube die Grundlage bildet, und dies ist das ganze Fundament des Judentums.

Dies bewirkte bei Haman eine sehr große Störung. Warum sollte Mordechai mit ihm nicht einer Meinung sein? Demzufolge, als alle den Weg von Mordechai sahen, der behauptete, dass nur er den Weg des Judentums gehe, und jene, die einen anderen Weg nehmen als Götzenanbeter betrachtet werden – steht geschrieben: „Doch all das gilt mir nichts, in jedem Augenblick, da ich Mordechai, den Juden, am Tore des Königs sitzen sehe.“ Dies ist so, weil Mordechai behauptet, das Tor zum König sei allein durch ihn, nicht von Haman.

Nun können wir verstehen, warum geschrieben steht: „Mordechai wusste“, was bedeutet, dass es ausdrücklich Mordechai war, der  wusste. Aber es steht geschrieben: „und die Stadt Schuschan war verwirrt[11], was bedeutet, dass alle es wussten.

Wir sollten dies so darlegen, dass die Stadt Schuschan verwirrt war und nicht wusste, wer Recht hatte. Doch Mordechai wusste: Eine Herrschaft Hamans, würde, dies Gott bewahre, die Vernichtung des Volkes Israel bedeuten. Mit anderen Worten: Er würde ganz Israel aus der Welt auslöschen, das heißt, den Weg des Judentums des Volkes Israel,  dessen Arbeitsgrundlage der Glaube über dem Verstand ist, genannt „verhüllte Chassadim (Barmherzigkeit)“, dem Schöpfer mit geschlossenen Augen zu folgen und immer über sich selbst zu sagen: „Augen haben sie, und sehen nicht“, denn Haman stützt sich vollständig auf die Linke Linie, Wissen genannt, was das Gegenteil von Glauben ist.

Dies ist die Bedeutung der Lose, die Haman warf, wie es an Jom Kippur (Tag der Versöhnung) war, wie geschrieben steht: „ein Los für den Ewigen und ein Los für Asasel.“[12] Das Los für den Ewigen bedeutet die Eigenschaft von „rechts“, Chassadim (Barmherzigkeit) „essen“ genannt, was Glaube ist. Ein Los für Asasel ist die Linke Linie, im Grunde „zu Nichts gut“, und die ganze Sitra Achra (die andere Seite) geht hieraus hervor.

Demzufolge breitet sich eine Blockierung auf den Lichtern von der Linken Linie aus, da einzig die Linke Linie die Lichter einfriert. Dies ist die Bedeutung von „er ließ ein Pur fallen, das heißt, das Los[13], was bedeutet, es erklärt, was es fallen ließ. Es heißt „Pur“, welches Pe Or betrifft (ein Mund aus Licht, ausgesprochen Pe Or).

Durch das Los für Asasel wurden all die Lichter blockiert und man findet, dass er alle Lichter nach unten warf. Haman dachte: „Der Gerechte wird es vorbereiten und der Bösewicht wird es tragen.“

Mit anderen Worten: Haman dachte, dass er die Belohnung für alle Anstrengungen und Mühen, die Mordechai gemeinsam mit allen, die ihn begleiteten, auf sich genommen hatte, und die sie verdienten, nehmen würde.

Dies bedeutet, dass Haman dachte, dass er die Lichter, die durch die Korrekturen Mordechais erscheinen, in seinen eigenen Besitz nehmen würde. All dies geschah, weil er sah, dass ihm der König die Macht gab, das Licht von Chochma nach unten zu ziehen.  Als er daher zum König kam, um zu sagen „die Juden zu vernichten“, das heißt die Herrschaft Israels aufzuheben, was Glaube und Barmherzigkeit ist und das Wissen in der Welt offensichtlich zu machen, antwortete ihm der König: „Das Silber ist dir gegeben, ebenso das Volk, dass du mit ihnen tust was dir richtig erscheint.“ was bedeutet,  wie es in Hamans Augen gut erscheint, gemäß seiner Herrschaft, die links und Wissen ist.

Der Unterschied zwischen den ersten und den zweiten Briefen liegt im Wort „Juden.“ In der Abschrift des Textes (die Abschrift ist der Inhalt, der vom König heraus kam. Anschließend wird die Abschrift des Textes mit Interpretationen ausgelegt, sodass die Absicht der Abschrift erklärt wird.) Es stand geschrieben: „Es soll als Dekret herausgegeben werden in jedem einzelnen Land, offensichtlich für alle Völker, dass sie für diesen Tag bereit sein sollten. Und es steht nicht geschrieben, wer gemeint ist, sondern nur Haman interpretierte die Abschrift des Textes, so wie geschrieben steht: „Und es wurde geschrieben gemäß allem, was Haman befahl.“

 Und in den zweiten Briefen steht das Wort „Juden“ geschrieben, so wie geschrieben steht „Die Abschrift des Textes soll als Dekret herausgegeben werden in jedem einzelnen Land, offensichtlich für alle Völker und die Juden sollen für diesen Tag bereit sein, sich an ihren Feinden zu rächen.“

Als daher Haman vor den König trat, sagte ihm der König: „Das Silber, das vorbereitet wurde, wird dir gegeben, was bedeutet, dass du nichts weiter tun musst, da ‚das Volk ebenso (dir gegeben ist), damit du mit ihm tust, was dir richtig erscheint.‘“

Dies bedeutet, dass das Volk will bereits tun will, was dir richtig erscheint, was bedeutet, das Volk will deine Herrschaft annehmen. Aber der König sagte ihm nicht, er solle die Herrschaft Mordechais und der Juden aufheben. Es war hingegen im Vorfeld vorbereitet worden, dass es nun zu diesem Zeitpunkt eine Enthüllung von Chochma (Weisheit) geben würde, was so ist wie Gefallen in deinen Augen zu finden.

Die Abschrift des Textes „soll als Dekret herausgegeben werden, in jedem einzelnen Land, offensichtlich für alle Völker“. Dies bedeutet, dass dieses Dekret zur Bekanntmachung war, dass die Enthüllung von Chochma für alle Nationen ist.

Aber es stand nicht geschrieben, dass die Aspekte Mordechai und die Juden aufgehoben werden sollten, welche der Aspekt des Glaubens sind. Die Absicht war hingegen, dass es eine Enthüllung von Chochma (Weisheit) geben würde aber sie dennoch Chassadim (Barmherzigkeit) wählen würden.

Haman sagte, da nun die Zeit der Enthüllung von Chochma sei, so sei die Enthüllung von Chochma gewiss gegeben, um Chochma zu nutzen, denn wer tut etwas, das nicht zum Gebrauch ist?

Denn wenn es nicht genutzt wird, dann war die Handlung zwecklos. Es muss daher der Wille des Schöpfers sein. Und der Schöpfer hat diese Offenbarung gemacht, um Chochma zu benutzen.

Mordechais Behauptung war es, dass die Enthüllung nur zeigen soll, dass das, was sie für sich selbst nehmen, um in der rechten Linie zu gehen, was verborgene Chassadim sind, nicht geschieht, weil es keine Wahl gibt, und sie deshalb diesen Weg gehen.

Und dies sieht wie Zwang aus, was bedeutet, dass sie keinen anderen Rat haben, da es im Augenblick keine enthüllte Chochma gibt. Sondern jetzt, wo Chochma enthüllt ist, gibt es Raum für eine Wahl aus ihrem freien Willen heraus. In anderen Worten, sie ziehen den Weg von Chassadim der Linken vor, welche die Enthüllung von Chochma ist.

Dies bedeutet, dass die Enthüllung nur war, damit sie die Wichtigkeit von Chassadim aufdecken konnten, dass ihnen dies wichtiger ist als Chochma. Und dies ist so, wie unsere Weisen sagten: „Bis hierher unter Zwang, von hier an freiwillig.“ Und dies ist die Bedeutung von: „Die Juden erfüllten und nahmen auf sich.“ Daraus folgt, dass die Aufdeckung von Chochma jetzt nur deshalb kommt, damit sie den Weg der Juden freiwillig annehmen konnten.

Und hierin lag der Streit zwischen Mordechai und Haman. Die Behauptung Mordechais war, dass das, was wir nun sehen, dass der Schöpfer die Herrschaft von Chochma enthüllt, nicht ist, damit sie Chochma empfangen, sondern um Chassadim zu preisen.

Was bedeutet, dass sie nun Raum haben werden, zu zeigen, dass ihr Empfangen von Chassadim freiwillig geschieht, dass sie nun Raum haben Chochma zu empfangen, da nun die Zeit der Herrschaft der Linken ist, dass Chochma leuchtet und sie dennoch Chassadim wählen. Daher zeigen sie jetzt dadurch, dass sie Chassadim empfangen, dass die Rechte über die Linke herrscht.

Somit ist das Jüdische Dekret das Wichtigste. Und Haman behauptete das Gegenteil, denn was der Schöpfers nun offenbart, die Linke Linie, welche Chochma ist, dazu dient, um Chochma zu benutzen.  Sonst würde das bedeuten, dass der Schöpfer unnötig etwas getan hätte, das heißt, Er hätte etwas getan und es ist niemand da, um es zu genießen. Wir sollten daher nicht beachten, was Mordechai sagt, sondern alle sollten auf seine Stimme hören und die Offenbarung von Chochma nutzen, die nun erschienen ist.

Dementsprechend haben die zweiten Briefe die ersten nicht aufgehoben. Vielmehr lieferten sie eine Erklärung und Auslegung für die erste Abschrift des ersten Textes, dass die Veröffentlichung an alle Völker, die Offenbarung von Chochma, die nun scheint, für die Juden ist. Mit anderen Worten, dies ist so, damit die Juden freiwillig Chassadim wählen konnten und nicht, weil sie keinen anderen Weg wählen konnten.

Daher steht in den zweiten Briefen, „dass die Juden für diesen Tag bereit sein müssen, sich an ihren Feinden zu rächen“. Dies bedeutet, dass die Herrschaft, die Chochma nun hat, den Zweck hat, zu zeigen, dass sie Chassadim Chochma vorziehen, und dies wird „sich an ihren Feinden zu rächen“ genannt. Denn ihre Feinde wollen ausdrücklich Chochma, wohingegen die Juden Chochma zurückweisen.

Nun können wir verstehen, was wir über die Frage des Königs gefragt haben: „Wer ist er und wo ist er, dass er es wagt in seinem Herzen anzunehmen, so zu handeln?“ Und warum hat Er gefragt? Hatte doch der König selbst zu Haman gesagt: „Das Silber ist dir gegeben, und dazu das Volk, mit ihm zu verfahren, wie dir richtig erscheint.“

(Wie wir bereits gesagt haben, ist die Bedeutung hiervon, dass die Angelegenheit der Enthüllung von Chochma mit der Absicht geschieht, dass das Volk verfahren wird, wie es in seinen (Hamans) Augen gut ist, was bedeutet, dass es Wahlmöglichkeit gibt. Und dies wird genannt: „Das Volk soll so handeln, wie es dir richtig erscheint.“ Wenn es jedoch keine Enthüllung von Chochma gibt, gibt es keinen Raum für die Wahl, sondern sie nehmen die Chassadim, so scheint es, weil sie keine Wahl haben. 

Dies bedeutet, dass sich all dies ereignete, weil der König den Befehl gab, dass nun die Zeit gekommen sei, Chochma zu enthüllen. Die Absicht war, dass die Linke der Rechten dienen würde. Dadurch würde für alle offensichtlich, dass die Rechte wichtiger ist als die Linke, und aus diesem Grund wählen sie Chassadim.

Dies ist die Bedeutung der Megillat Esther. Und hier scheint ein Widerspruch in den Begriffen zu liegen, da Megilla (Schriftrolle) für alle galui (offengelegt) bedeutet, und Ester bedeutet, dass eine Hastara (Verhüllung) vorliegt. Es muss jedoch dargelegt werden, dass die gesamte Enthüllung deshalb geschieht, um Raum zu geben, die Verhüllung zu wählen.

Nun können wir verstehen, was die Weisen sagten: „An Purim soll man sich derart betrinken, bis man zwischen ‚verflucht sei Haman’ und ‚gesegnet sei Mordechai’ nicht mehr unterscheiden könne.“ Die Sache von Mordechai und Esther war vor dem Zweiten Tempel, und der Aufbau des Zweiten Tempels ist die Ausbreitung von Chochma, und Malchut wird „Der Tempel“ (Beit HaMikdash) genannt.

Dies ist die Bedeutung davon, dass Mordechai Esther zum König schickte, um für ihr Volk zu bitten und sie antwortete „Alle Diener des Königs […], daß Jeglicher, […] ohne gerufen zu sein, einem Gesetz (verfällt) – dem Tode; […] und ich bin nicht gerufen worden, zum König zu kommen diese dreißig Tage.“

Dies bedeutet, dass es bekanntermaßen verboten ist, den Aspekt GaR de Chochma nach unten auszubreiten. Und wer dennoch GaR de Chochma heranzieht (was drei Sefirot sind, jedes zehn umfassend, was dreißig ist) wird zum Tode verurteilt, weil die Linke Linie Trennung vom Leben der Leben verursacht.

„Außer denjenigen, denen der König das goldene Zepter reicht, auf dass er lebe.“ Gold (Sahaw) bedeutet Chochma und GaR. Dies bedeutet, dass man nur durch die Erweckung durch den Höheren am Leben bleiben kann, das heißt in Dwekut (Anhaftung), Leben genannt, nicht aber durch die Erweckung des Unteren.

Obwohl Esther Malchut ist, welche Chochma benötigt, so ist dies nur durch die Erweckung des Höheren. Wenn sie jedoch Chochma heranzieht, verliert sie ihren gesamten Aspekt. Diesbezüglich hatte Mordechai ihr geantwortet, (wenn) „Erleichterung und Rettung werden den Juden von einem anderen Ort zuteil werden.“ Was bedeutet, dass dadurch, dasssie  die Linke vollständig aufgehoben haben, und die Juden nur die rechte Linie, Chassadim, haben werden, dann „werden du und deines Vaters Haus vernichtet werden.“

Denn im Sinne von „der Vater (be)gründete die Tochter“ muss sie Chochma in sich haben. Es muss jedoch mehr Essen als Trinken geben. Wenn die Juden jedoch keinen anderen Rat haben werden, werden sie ihre linke Linie aufheben und so wird ihr ganzer Aspekt annulliert werden. Darüber hat sie gesagt: „Wenn ich umkomme, dann komme ich um.“

Anders gesagt, wenn ich gehe, bin ich verloren. Denn ich mag zur Trennung kommen, denn die Erweckung des Unteren verursacht Trennung vom Leben der Leben. Und wenn ich nicht gehe, dann „werden Erleichterung und Rettung den Juden von einem anderen Ort her zuteilwerden“, das heißt, auf andere Weise. Sie werden nämlich die linke Linie vollständig aufheben, so wie Mordechai es ihr gesagt hatte. Daher nahm sie den Weg Mordechais, indem sie Haman zum Festessen einlud, was bedeutet, dass sie die linke Linie heranzog, wie Mordechai ihr gesagt hatte.

Und anschließend schloss sie die Linke in die Rechte ein und so konnte die Enthüllung der Lichter unten sein und auch im Aspekt Dwekut bleiben. Dies ist die Bedeutung der Megillat Esther. Was bedeutet, dass sie  - obwohl das Licht von Chochma enthüllt ist – sie dennoch den Aspekt Esther (Verhüllung) annimmt, der dort ist, (denn Esther ist Hester- Verhüllung).  

Und in der Sache „und er wusste nicht“ wird in der Lehre der Zehn Sefirot[14] erklärt, dass, obwohl Lichter von Chochma leuchteten, es unmöglich ist ohne Licht von Chassadim zu empfangen, da dies zur Trennung führt. Doch wurde ein Wunder durch das Fasten und ihr Schreien gemacht, wobei sie das Licht von Chassadim heranzogen, und so konnten sie das Licht von Chochma empfangen.

Jedoch vor dem Ende der Korrektur (Gmar Tikun) gibt es so etwas nicht. Und da dieser Aspekt zum Aspekt von Gmar Tikun gehört, wenn er bereits korrigiert sein wird, so wie im heiligen Sohar steht „“SaM ist dazu bestimmt, ein heiliger Engel zu sein“, wird dann kein Unterschied zwischen Haman und Mordechai sein, und auch Haman wird korrigiert sein. Und dies ist die Bedeutung von An Purim soll man sich derart betrinken, bis man zwischen ‚verflucht sei Haman’ und ‚gesegnet sei Mordechai’ nicht mehr unterscheiden könne.“

Bezüglich der Worte „und sie wurden gehängt“ muss hinzugefügt werden, dass dies ein Hinweis auf die Hinrichtung am Baum ist, was bedeutet, dass sie verstanden, dass es die gleiche Sünde ist, wie die Sünde von Ez ha Daat (der Baum der Erkenntnis), da auch dort der Makel in GaR war.

Und hinsichtlich „er saß am Tore des Königs“ kann hinzugefügt werden, dass dies darauf hinweist, dass er saß und nicht stand, denn sitzen wird WaK genannt und stehen GaR.



[1] Megillat Esther (Esther Rolle) gemäß Das Buch Esther In dem Wort „Megilla“ (Schriftrolle) steckt das Wort „galui“ (enthüllt, offensichtlich),

[2] Esther 3,1 – die meisten anderen Zitate sind ebenfalls aus dem Buch Esther

[3] Traktat Megilla 12a

[4] Esther 8,8

[5] Traktat Megilla 7b

[6] 2. Buch Moses  3,6

[7] 4. Buch Moses 12,8

[8] Psalm 89,20

[9] Esther 1,8

[10] Esther 3,1

[11] Esther 3,15

[12] 3. Buch Moses 16,8

[13] Esther 3,7

[14] Teil 15, Or Pnimi, Punkt 217

 

Shamati 38: Die Furcht vor dem Schöpfer ist sein Schatz

Ich hörte am 31. März 1947

Eine Schatztruhe wird ein Behälter genannt, in welchen man Besitz hineingibt. Beispielsweise wird die Ernte in das Lager eingefahren, und wertvolle Dinge hebt man an einem geschützten Ort auf. Dies bedeutet, dass jedes Ding, das empfangen wird, einen Namen in Bezug auf das Licht bekommt. Und das Gefäß muss so sein, dass es in der Lage ist, die Dinge zu empfangen, so wie wir lernen: „Es gibt kein Licht ohne Gefäß“. Dies gilt auch in der körperlichen Welt.

Was ist also das Gefäß in der Spiritualität, in welchem wir die spirituelle Fülle empfangen können, die der Schöpfer geben möchte, damit dieses Gefäß für das Licht passend ist, das heißt, so wie in der körperlichen Welt, wo das Gefäß seinem Inhalt angepasst werden muss?

Zum Beispiel können wir nicht sagen, dass wir Schätze an Wein besitzen, die wir in neue Säcke abgefüllt haben und die den Wein vor dem Verderben schützen, oder dass wir viel Mehl in Fässer gefüllt haben. Sondern es ist üblich, dass für Wein Fässer und Krüge die passenden Gefäße sind, und für Mehl Säcke und nicht Fässer verwendet werden, usw...

Daraus ergibt sich die Frage, wie das spirituelle Gefäß beschaffen sein soll, aus dem wir einen großen Schatz von Höhere Fülle machen können?

Es gibt eine Regel, dass die Kuh mehr säugen möchte, als das Kalb saugen will. Dies liegt daran, dass es Sein Wille ist, den Geschöpfen Gutes zu tun. Und der Grund für den Zimzum (Einschränkung) - so müssen wir glauben - ist zu unserem Besten. Und bestimmt liegt die Ursache darin, dass wir nicht die geeigneten Gefäße für die Fülle haben, in denen diese empfangen werden kann. So wie sich die Gefäße dieser Welt für das eignen müssen, das man in sie hinein gibt. Daher müssen wir sagen, dass, wenn wir Gefäße hinzufügen, wir zusätzliche Fülle werden fassen können.

Darauf folgt die Antwort, dass der Schöpfer in seiner Schatzkammer einzig den Schatz der Furcht vor dem Schöpfer hat[1].

Doch wir sollten erörtern, was Ehrfurcht ist, dass sie das Gefäß ist. Aus eben diesem Gefäß macht man die Schatztruhe. Und in diese gibt man alle wichtigen Dinge hinein. Dann sagte der Weise: Die Furcht ist wie bei Moses geschrieben steht, wie die Weisen sagten[2]: „Als Verdienst für ‚Moses verbarg sein Gesicht, denn er fürchtete sich vor dem Hinschauen’ wurde er damit belohnt, das Bild des Ewigen zu sehen.“

Mit Ehrfurcht ist die Furcht vor dem großen Genuss gemeint, der dort weilt und den er nicht um des Gebens willen empfangen kann. Und zum Lohn dafür, dass er Furcht besaß, hat er sich selbst ein Gefäß geschaffen, in welchem er die Höhere Fülle empfangen kann. Dies ist die Arbeit des Menschen. Alles andere schreiben wir dem Schöpfer zu.

Nicht so ist es mit der Furcht. Denn die Bedeutung von Furcht ist nicht zu empfangen. Und was der Schöpfer gibt, gibt er nur zum Empfangen. Und dies ist die Bedeutung von: „Alles ist in den Händen des Schöpfers, außer der Furcht vor dem Schöpfer.“

Und dies ist das Gefäß, das wir benötigen, denn andernfalls werden wir Narren genannt werden, wie unsere Weisen sagten: „Wer ist ein Narr? Der das verliert, was man ihm gibt.“ Was bedeutet, dass die Sitra Achra (die andere Seite) die Fülle von uns nehmen wird, wenn wir uns nicht zum Zwecke des Gebens ausrichten können, denn dann geht es zum Gefäß des Empfangens, das die Sitra Achra und die Unreinheit ist.

Und dies ist die Bedeutung von „und ihr sollt die Mizwot [des ungesäuerten Brotes] wahren.“ Das Einhalten einer Mizwa bedeutet Furcht. Und obwohl es die Natur des Lichtes ist, sich selbst zu wahren, was bedeutet, dass das Licht sich entfernt, bevor man das Licht in den Gefäßen des Empfangens erhalten möchte, muss der Mensch jedoch selbst derjenige sein, der dies tut - und dies, so gut er kann, wie unsere Weisen sagten: „Passt auf euch ein wenig von unten auf, und Ich werde euch von Oben sehr bewachen.“

Und der Grund dafür, dass wir dem Menschen die Furcht zuschreiben – wie unsere Weisen sagten: „Alles liegt in den Händen des Schöpfers, außer der Furcht vor dem Schöpfer.“- liegt darin, dass Er alles geben kann, außer der Furcht. Dies liegt daran, dass das, was der Schöpfer gibt, mehr Liebe und nicht Furcht ist.

Die Furcht wird durch das Hilfsmittel der Tora und Mizwot erworben. Das heißt, wenn der Mensch sich mit Tora und Mizwot mit der Absicht beschäftigt, seinem Erschaffer Zufriedenheit zu bereiten, bringt diese Absicht, die die Handlungen der Mizwot und das Studium der Tora begleitet, den Menschen dazu, dieses zu erreichen. Andernfalls könnte der Mensch stehenbleiben, obwohl er die Tora und Mizwot in jedem Detail einhält – er würde dennoch auf der Stufe von Domem de Kedusha (des Bewegungslosen der Heiligkeit) verbleiben.

Daraus folgt, dass sich der Mensch immerzu an den Grund erinnern muss, der ihn dazu verpflichtet, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen. Dies forderten die Weisen mit „Möge eure Heiligkeit für Meinen Namen sein.“ Dies bedeutet, dass Ich eure Ursache sein möge, das heißt, dass all eure Arbeit darin bestehen möge, dass ihr Mir Freude bereiten möchtet, was bedeutet, dass all eure Taten zum Zwecke des Gebens sein mögen.

Unsere Weisen sagten[3], „Alles, was bewahrt wird, ist in der Erinnerung.“ Dies bedeutet, alle, die sich mit der Befolgung von Tora und Mizwot mit der Absicht beschäftigen, die Erinnerung durch “Wenn ich mich an Ihn erinnere, so lässt Er mich nicht in Ruhe schlafen“ zu erreichen. Daraus folgt, dass der hauptsächliche Zweck der Wahrung ist, der Erinnerung würdig zu werden.

Das heißt, der Wunsch, sich an den Schöpfer zu erinnern, ist die Ursache für die Befolgung von Tora und Mizwot[4]. Daraus folgt, dass der Grund und die Ursache für die Befolgung der Tora und Mizwot allein der Schöpfer ist. Denn ohne dies kann der Mensch sich nicht an den Schöpfer anhaften. Denn „Ich und er können nicht in derselben Bleibe sein“, aufgrund der Unterschiedlichkeit der Form.

Und der Grund dafür, dass Belohnung und Bestrafung nicht offengelegt sind, und man an Belohnung und Strafe nur glauben muss, liegt daran, dass der Schöpfer will, dass alle für Ihn arbeiten und nicht für eigene Zwecke. Denn dies ist der Zustand der Unterschiedlichkeit der Form zum Schöpfer. Und wenn die Belohnung und die Bestrafung offenbart wären, dann würde der Mensch aus Eigenliebe arbeiten, das heißt, damit der Schöpfer ihn liebe; oder aus Hass zu sich selbst, das heißt aus Furcht, der Schöpfer würde ihn hassen. Dies zeigt, dass aller Grund für die Arbeit nur der Mensch ist, nicht der Schöpfer. Und der Schöpfer will, dass Er der Grund sei, der ihn dazu zwingt.

Und aus dem Gesagten folgt, dass die Furcht gerade dann ist, wenn der Mensch seine Niedrigkeit erkennt und sagt, dass die Tatsache, dass er dem König dient, dass er Ihm geben will, diese ihm als großer Verdienst angerechnet werde und dies ihm wertvoller sei als jeder Wert, den er nennen könnte. Gemäß dem Grundsatz: Einem wichtigen Menschen zu geben, ist so, als wenn man von ihm bekommt.

Und gewiss, in dem Maße, wie der Mensch seine eigene Niedrigkeit fühlt, kann er beginnen, im selben Ausmaß die Größe des Schöpfers zu schätzen. Und in ihm wird das Verlangen erwachen, Ihm zu dienen. Wenn jedoch der Mensch überheblich ist, so sagt der Schöpfer „Ich und er können nicht in derselben Bleibe weilen.“

Und darin zeigt sich, dass „ein Dummkopf, ein Bösewicht und ein grober Mensch zusammen passen.“ Und der Sinn ist, dass er keine Ehrfurcht hat, was bedeutet, dass er sich nicht vor dem Schöpfer niedrig machen und sagen kann, dass es für ihn eine große Ehre sei, Ihm ohne jegliche Gegenleistung dienen zu können, er also keinerlei Weisheit vom Schöpfer erhalten kann und er ein Dummkopf bleibt. Und wer ein Dummkopf ist, ist ein Bösewicht. So wie die Weisen sprachen. „Der Mensch sündigt nicht, es sein denn, der Geist der Dummheit ist in ihn gefahren.“



[1] Talmud, Traktat Brachot 33b

[2] Talmud, Traktat Brachot 7

[3] Talmud, Traktat Brachot 20

 

 

Shamati 39: Und sie flickten Feigenlaub

Ich hörte am 16. Februar 1947

Das „Laub“ verweist auf den Schatten, den es auf das Licht wirft, also auf die Sonne.

Es gibt zwei Arten von Schatten:

  1. den Schatten, der vonseiten der Kedusha (Heiligkeit) kommt und
  2. den Schatten, der wegen einer Sünde kommt.

Es gibt also zwei Verhüllungen des Lichtes. So wie im Materiellen der Schatten die Sonne verbirgt, so gibt es eine Verhüllung des Höheren Lichtes, genannt „Sonne“. Sie kommt vonseiten der Kedusha und zwar aufgrund einer Wahl. Diese ist, wie es über Moses geschrieben steht: „Da verhüllte Moses sein Gesicht, denn er fürchtete sich, [Gott] anzusehen.“[1]

Der Schatten kommt aufgrund der Furcht. Denn „Furcht“ bedeutet, dass der Mensch sich fürchtet, die Fülle zu empfangen, weil er vielleicht nicht in der Lage sein wird, die Absicht  zu geben zu haben. Folglich kommt der Schatten aufgrund der Kedusha, was bedeutet, dass sich der Mensch an den Schöpfer anhaften möchte.

Mit anderen Worten wird Dwekut (Anhaftung) „geben“ genannt, und er fürchtet sich, des Gebens vielleicht nicht fähig zu sein.

Es stellt sich heraus, dass er an der Kedusha angehaftet ist, und das wird „ein Schatten, der vonseiten der Kedusha kommt“, genannt.

Und es gibt auch einen Schatten, der aufgrund einer Sünde kommt. Das bedeutet, dass die Verhüllung zum Menschen kommt, nicht aber, weil er nicht empfangen möchte. Ganz im Gegenteil, also, weil der Mensch empfangen möchte, um zu empfangen. Das ist der Grund, warum das Licht weicht, da der ganze Unterschied zwischen der Kedusha und der Klipa (unreine Hülle) darin besteht, dass die Kedusha geben möchte und die Klipa nur empfangen und überhaupt nichts geben will. Aus diesem Grund gilt dieser Schatten als vonseiten der Klipa kommend.

Es gibt keinen anderen Rat, aus dieser Situation herauszukommen, als den, wie es geschrieben steht: „Und sie flickten Feigenlaub zusammen und machten sich Gürtel.“[2] „Gürtel“ verweisen auf die Kräfte des Körpers, die sich in der Form des Schattens der Kedusha vereinten. Das bedeutet, dass, obwohl sie nun kein Licht haben, da sich die Fülle aufgrund der Sünde entfernte, sie sich dennoch überwinden, indem sie dem Schöpfer aus purer Kraft dienen, über dem Verstand, was „aus Kraft“ genannt wird.

Es steht geschrieben: „Und sie hörten die Stimme des Schöpfers …da versteckten sich der Mensch und sein Weib …“ das heißt, sie gingen in den Schatten. Das ist die Bedeutung von „da verhüllte Moses sein Gesicht“, das heißt, Adam haRishon (Der erste Mensch) tat das Gleiche wie Moses.

„Und [Gott] sprach zu ihm: ‚Wo bist du?‘ Und er sprach: ‚Deine Stimme hörte ich im Garten, und fürchtete mich, weil ich nackt war, und ich versteckte mich.‘“ „Nackt“ bedeutet bar des Höheren Lichtes.

Dann fragte der Schöpfer: „Was ist der Grund, dass du in den Schatten gegangen bist?“, genannt „und ich versteckte mich, denn ich bin nackt“. Ist es wegen des Schattens der Kedusha oder wegen der Sünde? Der Schöpfer fragte ihn: „Hast du von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, davon nicht zu essen?“, was bedeutet wegen der Sünde.

Wenn aber der Schatten wegen der Sünde kommt, wird er „Bilder, Bildhauer und Zauberer“ genannt, wobei „Gott das eine gegenüber dem anderen gemacht hat“[3].

So wie es in der Kedusha Kräfte gibt, um Veränderungen zu vollführen und Zeichen und Wunder zu zeigen, so gibt es auch in der Sitra Achra Kräfte. Das ist der Grund, aus welchem die Gerechten ihre Kräfte nicht nutzen, wegen „dem einen gegenüber dem anderen“, also um Sitra Achra keine Kräfte zu geben, das Gleiche zu tun wie sie.

Nur in außergewöhnlichen Zeiten verleiht der Schöpfer Sitra Achra nicht die gleiche Kraft, die es in Kedusha gibt. Es ist wie bei Elija auf dem Berg Karmel, der sagte: „Erhöre mich“, so dass sie nicht sagen, dass es Zauberkraft war, also dass es eine Kraft gibt, die das Höhere Licht verbergen kann.

Also: Gürtel, die vonseiten des Feigenlaubs kommen, welches von der Sünde des Baumes der Erkenntnis stammt, dieses Laub, also dieser Schatten, der durch die Sünde entsteht - da die Ursache nicht vonseiten der Kedusha kommt, wenn sie selbst entscheiden, den Schatten zu nehmen, sie aber den Schatten nehmen, weil es keinen anderen Rat für sie gibt - das kann nur funktionieren, um aus dem Zustand des Abstiegs herauszukommen. Danach muss die Arbeit jedoch aufs Neue beginnen.



[1] 2. Buch Mose 3, 6

[2] Genesis 3, 7

[3] Prediger 7, 14

 

Shamati 40. In welchem Maß soll man seinem Lehrer vertrauen?

Ich hörte im Jahr 1943

Es ist bekannt, dass es einen rechten Pfad und einen linken Pfad gibt. Rechts (jamin) kommt vom Wort Hejmin (er vertraute), Dies bezieht sich auf den Vers: „Und er vertraute auf den Schöpfer“[1], was der [aramäische] Targum[2] mit Hejmin übersetzt.

Wenn der Rav (Lehrer) zu seinem Schüler sagt, er solle den rechten Pfad nehmen, wobei rechts normalerweise „Vollkommenheit“ genannt wird, und links „Unvollkommenheit“, weil dort Korrekturen fehlen, so muss der Schüler in diesem Zustand den Worten seines Lehrers glauben, der ihm sagt, dass er der rechten Linie folgen soll, die als „Vollkommenheit“ bezeichnet wird.

Was ist die „Vollkommenheit“, welcher der Schüler folgen soll? Man muss sich ausmalen, dass man bereits des vollständigen Glaubens an den Schöpfer würdig geworden ist und in seinen Organen fühlt, dass der Schöpfer die Welt in Form von „gut und Gutes tuend“ führt, also dass die ganze Welt nur Gutes von Ihm bekommt.

Doch wenn er sich selbst betrachtet, sieht der Mensch, dass er arm und bedürftig ist. Und wenn er die Welt beobachtet, sieht er, dass die ganze Welt an Qualen leidet, jeder gemäß der Stufe, auf der er sich befindet.

Dazu sollte man sagen: „Sie haben Augen und sie sehen nicht.“ Sie“ bedeutet, dass solange der Mensch mehreren Herrschaften untersteht - „sie“ genannt - sie nicht die Wahrheit sehen. Was sind die mehreren Herrschaften? Solange der Mensch zweierlei Wünsche hat, sogar wenn er glaubt, dass die ganze Welt dem Schöpfer gehört, [meint er dennoch, dass] irgendetwas auch dem Menschen gehört.

Tatsächlich muss der Mensch seine Herrschaft vor der Herrschaft des Schöpfers annullieren und sagen, dass er nicht für sich selbst leben möchte und dass der einzige Grund, warum er existieren will, jener ist, dem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten. Dadurch annulliert also der Mensch seine eigene Herrschaft vollkommen und dann findet er sich in einer einzigen Herrschaft vor - und zwar der des Schöpfers. Erst dann kann der Mensch die Wahrheit sehen, wie der Schöpfer die Welt im Aspekt von „gut und Gutes tuend“ lenkt.

Solange man jedoch unter mehreren Herrschaften steht, also wenn man immer noch sowohl im Verstand als auch im Herzen zweierlei Wünsche trägt, ist man unfähig, die Wahrheit zu sehen. Stattdessen sollte der Mensch über den Verstand gehen und sagen: „Sie haben Augen“, doch sie sehen die Wahrheit nicht.

Wenn der Mensch sich folglich selbst untersucht und wissen möchte, ob er jetzt im Abstieg oder im Aufstieg begriffen ist, so kann er das ebenfalls nicht wissen. Das bedeutet, dass der Mensch denkt, dass er in einem Abstieg begriffen ist, und auch das ist falsch, da er jetzt in einem Zustand des Aufstiegs sein könnte, in dem er seinen wahren Zustand sieht, wie fern er von der heiligen Arbeit ist. Er ist also nun der Wahrheit näher gekommen.

Es könnte auch umgekehrt sein, dass der Mensch spürt, dass er sich  in einem Zustand des Aufstiegs befindet, während er in der Tat gerade vom Empfangen für sich selbst gelenkt wird, was „Abstieg“ genannt wird.

Nur derjenige, der bereits unter einer einzigen Herrschaft steht, kann die Wahrheit erkennen und wissen. Der Mensch muss also der Meinung seines Lehrers Vertrauen schenken und glauben, was dieser ihm sagt. Das bedeutet, dass der Mensch tun soll, wie sein Lehrer ihm sagte.

Und obwohl er viele Argumente und Lehren sieht, die mit der Meinung seines Lehrers nicht Hand in Hand gehen, sollte der Mensch dennoch der Meinung seines Lehrers Vertrauen schenken und sagen, dass das, was er versteht und was er in anderen Büchern sieht, was mit der Meinung seines Lehrers nicht übereinstimmt, er sagen muss, dass solange er unter mehreren Herrschaften steht, er die Wahrheit nicht verstehen kann und er nicht sehen kann, was in anderen Büchern geschrieben steht - die Wahrheit, von der sie sprechen.

Es ist bekannt, dass wenn der Mensch noch nicht würdig wurde, die Tora für ihn zu einer tödlichen Droge wird. Warum heißt es „Jener, der nicht würdig wurde, für ihn wird die Tora zu einer tödlichen Droge?“ Der Grund dafür ist, weil alle Lehren, die er lernt oder hört, ihm keinerlei Nutzen bringen werden, ihn dazu zu befähigen, das Leben zu erlangen, welche Dwekut (Anhaftung) an das Leben des Lebens ist. Ganz im Gegenteil, der Mensch entfernt sich immer mehr von der Anhaftung , da alles, was er tut, nur für die Bedürfnisse des Körpers ist, genannt „Empfangen für sich selbst“, welches als Trennung betrachtet wird.

Das heißt, dass der Mensch durch seine Taten in eine weitere Entfernung vom Leben des Lebens rückt, und das wird tödliche Droge genannt, da ihm dies Tod und nicht Leben bringt. Das bedeutet, dass man dem Geben noch ferner wird, welches als „Übereinstimmung der Form mit dem Schöpfer“ bezeichnet wird, mittels „Wie Er barmherzig ist, so sollst auch Du barmherzig sein.“

Wir sollten auch wissen, dass, wenn der Mensch mit der Rechten beschäftigt ist, die Zeit geeignet ist, die Höhere Fülle heranzuziehen, da „der Gesegnete an den Gesegneten anhaftet.“ Mit anderen Worten, da der Mensch nun im Zustand der Vollkommenheit ist, „gesegnet“ genannt, befindet er sich in diesem Moment in der Übereinstimmung der Form, da das Zeichen für die Vollkommenheit darin besteht, dass der Mensch in Freude ist. Anderenfalls gibt es keine Vollkommenheit.

Es ist, wie unsere Weisen sagten: „Die Shechina (göttliche Gegenwart) bleibt nur aus Freude aufgrund einer Mizwa.“ Die Bedeutung ist, dass die Mizwa der Grund dafür ist, warum es dem Menschen Freude bringt, also dass der Lehrer ihm sagte, er solle die Rechte Linie nehmen.

Es folgt, dass der Mensch die Anweisungen des Lehrers befolgt, dass ihm eine bestimmte Zeit zugewiesen ist, um in der Rechten zu gehen, und eine bestimmte Zeit, um in der Linken zu gehen. Die Linke widerspricht der Rechten, da links bedeutet, dass der Mensch für sich selbst berechnet und zu prüfen beginnt, was er bereits in der Arbeit des Schöpfers erworben hat, und sieht, dass er arm und bedürftig ist. Wie kann er also in Vollkommenheit sein?

Dennoch geht der Mensch aufgrund der Anweisung des Lehrers über seinen Verstand. Es folgt, dass seine gesamte Vollkommenheit auf über dem Verstand aufbaut und das wird Glaube genannt. Das ist die Bedeutung von „An jedem Ort, wo Ich der Grund dafür bin, dass Mein Name erwähnt wird, werde Ich zu dir kommen und dich segnen.“ „An jedem Ort“ bedeutet, obwohl der Mensch noch keines Segens würdig ist, „gab Ich dennoch Meinen Segen“, weil du einen Ort kreierst, also einen Platz der Freude, an welchem das Höhere Licht verweilen kann.



[1] Genesis 15, 6

[2] Übersetzung der 5 Bücher Mose in aramäische Sprache.

 

Shamati 41: Was ist Kleinheit und Größe im Glauben?

Ich hörte am Abend nach den Pessachfeiertagen am 29. März 1945

Es steht geschrieben: „Und sie glaubten an den Schöpfer und an Seinen Diener Moses.“ Wir müssen wissen, dass die Lichter von Pessach (Passahfest) die Macht haben, das Licht des Glaubens zu vermitteln. Man soll aber nicht denken, dass das Licht des Glaubens eine kleine Sache sei, da Größe und Kleinheit nur von den Empfängern abhängen.

Wenn der Mensch nicht auf dem Weg der Wahrheit arbeitet, denkt er, dass er zu viel Glauben hat und er das Maß an Glauben, das er besitzt, mit mehreren Menschen teilen kann, sodass sie dann ehrfürchtig und vollkommen sein werden.

Derjenige jedoch, der dem Schöpfer in Wahrheit dienen möchte und sich selbst jedes Mal prüft, um zu sehen, ob er bereit ist, mit Hingabe der Seele zu arbeiten „und mit deinem ganzen Herzen“ usw., derjenige sieht, dass es ihm immer an Glauben fehlt, also dass er immer zu wenig davon hat.

Nur wenn der Mensch Glauben besitzt, kann er fühlen, dass er immer vor dem König sitzt. Wenn der Mensch die Größe des Königs fühlt, kann er Liebe von zwei Seiten her enthüllen: von der Seite des Guten und von der Seite des strengen Gerichtsurteils. Daher braucht derjenige, der die Wahrheit sucht, das Licht des Glaubens. Wenn solch ein Mensch von Mitteln hört oder sieht, mit welchen man das Licht des Glaubens erlangen kann, dann ist er glücklich, als hätte er ein großes Vermögen gefunden.

Daher können jene Leute, welche die Wahrheit suchen, am Feiertag von Pessach, welches das Heilmittel [zum Erhalt] des Lichtes des Glaubens ist, dessen würdig werden, da dies die Zeit dazu ist, wie wir im Wochenabschnitt lesen: „Und sie glaubten an den Schöpfer und an Seinen Diener Moses.“

 

Shamati 42:Was bedeutet das Akronym Elul in der Arbeit?

Ich hörte am 15. Elul, dem 28. August 1942

Um dies zu verstehen, müssen wir noch einige andere Dinge verstehen.

  1. Die Sache der Königreiche, Erinnerungen und Shofarot (Mehrzahl von Shofar) und was die Bedeutung dessen ist, was die Weisen sagten: „Annulliere deinen Willen vor Seinem Willen, sodass Er Seinen Willen vor deinem Willen annulliert.“
  2. Die Worte der Weisen: „Die Bösen – sofort zum Tode! Und die Gerechten – sofort zum Leben.“
  3. Wie geschrieben steht: „Die Söhne Gershons: Liwni und Shimei.“
  4. Was im Heiligen Sohar geschrieben steht: „Yud ist ein schwarzer Punkt, der kein Weiß in sich hat.“
  5. Wie geschrieben steht: Malchut des Höheren wird zu Keter des Unteren.
  6. Was ist das, das die Freude bezeugt, wenn die Arbeit in Vollkommenheit ist?

Alle diese Dinge gehören zur Vorbereitung für den Monat Elul.

Um oben genannte Dinge zu verstehen, müssen wir das Ziel der Schöpfung verstehen, das, wie gesagt wurde, den Sinn hat, dass es Sein Wille ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und wegen des Tikuns (Korrektur), damit nicht der Fall von „Brot der Scham“ eintrete, wurde ein Zimzum (Einschränkung) gemacht. Und vom Zimzum dehnte sich der Massach (Schirm) aus. Dadurch wandelt man die Gefäße des Empfangens zum Geben um.

Und wenn man die Gefäße zum Zwecke des Gebens vorbereitet, bekommt man sofort das verborgene und kostbare Licht für die Geschöpfe. Das heißt, man bekommt das Gute und das Vergnügen, das im Schöpfungsgedanken war, Seinen Geschöpfen Freude zu bereiten.

Damit kann erklärt werden, was geschrieben steht:

„Annulliere deinen Willen vor Seinem Willen“, das heißt: Annulliere den Willen zu empfangen, der in dir ist, vor dem Willen zu geben, welcher der Wille des Schöpfers ist. Dies bedeutet, dass der Mensch die Eigenliebe vor der Schöpferliebe annullieren möge. Und das heißt, dass er sich selbst vor dem Schöpfer annullieren möge, was Dwekut (Anhaftung) genannt wird. Danach kann der Schöpfer in deinen Willen zu empfangen scheinen, da er nun schon in der Form des Empfangens, um zu geben, korrigiert ist.

Dies ist die Bedeutung von „damit Er Seinen Willen vor deinem Willen annullieren möge.“ Was bedeutet, dass der Schöpfer seinen Willen annulliert, das heißt die Einschränkung (Zimzum), die aufgrund der Ungleichheit der Form bestanden hat. Da es nun schon eine Angleichung der Form gibt, gibt es bereits eine Ausdehnung des Lichtes in den Willen des Niederen hinein, der eine Korrektur zum Zwecke des Gebens erfahren hat. Denn dies ist das Ziel der Schöpfung, den Geschöpfen Gutes zu tun, und nun kann dies verwirklicht werden.

Hier kann der Vers erklärt werden: „Ich bin meines Geliebten.“ Es bedeutet: Dadurch, dass das „Ich“ seinen Willen zu empfangen vor dem Schöpfer annulliert, in der Form des vollkommenen Gebens, erlangt es „und mein Geliebter ist mein“. Das heißt „und mein Geliebter“, welcher der Schöpfer ist, „ist mein“. Er gibt mir das Gute und das Vergnügen, das im Schöpfungsgedanken ist. Das heißt, was vorher verborgen und eingeschränkt war, wurde jetzt zur Enthüllung des Angesichts (Panim), da nun das Ziel der Schöpfung offenbart wurde, welches darin besteht, den Geschöpfen Gutes zu tun.

Und man muss wissen, dass die Gefäße des Gebens mit dem Namen Yud-Hej des Namens HaWaYaH benannt werden, und diese sind reine Gefäße. Dies ist die Bedeutung von: „Jeder Empfangende empfängt in einem reineren Gefäß.“ Dann wird er mit „und mein Geliebter ist mein“ gewürdigt. Und Er lässt ihm die ganze Fülle zuteil werden, das heißt, er wird der Enthüllung des Angesichts würdig.

Dafür gibt es jedoch eine Bedingung, denn der Mensch kann den Zustand der Enthüllung nicht erlangen, bevor er nicht den Zustand Achoraim (Rückseite) erhält, den Zustand der Verhüllung des Angesichtes, und sagt, dass ihm dies so wichtig sei, wie die Enthüllung des Angesichtes. Das heißt, man muss voller Freude sein, als hätte man schon die Enthüllung des Gesichtes erlangt.

Man kann jedoch nicht darin verharren und die Verhüllung im selben Ausmaß wie die Enthüllung schätzen, außer wenn der Mensch im Zustand des Gebens arbeitet. Nur dann kann er sagen: „Es ist mir nicht wichtig, was ich während der Arbeit fühle, denn für mich ist das Wichtigste, dass ich dem Schöpfer geben möchte. Und wenn der Schöpfer versteht, dass Er zufriedener sein wird, wenn ich im Zustand von Achoraim arbeite, bin ich einverstanden.“

Wenn er jedoch noch Funken des Empfangens hat, erwachen in ihm Gedanken und es fällt ihm dann schwer zu glauben, dass der Schöpfer die Welt „gut und Gutes tuend“ führt. Dies ist die Bedeutung des Buchstabens Yud im Namen HaWaYaH, der der erste Buchstabe ist, genannt „ein schwarzer Punkt, der kein Weiß beinhaltet.“ Das bedeutet, dass er vollkommene Dunkelheit und Verhüllung des Angesichts ist.

Wenn also ein Mensch in einen Zustand kommt, in dem er keinerlei Unterstützung hat, dann wird sein Zustand schwarz, was die niedrigste Unterscheidung in der Höheren Welt ist, und daraus wird Keter für den Niederen, da das Gefäß von Keter ein Gefäß des Gebens ist.

Denn die niedrigste Unterscheidung im Höheren ist Malchut, die nichts Eigenes hat, was bedeutet, dass sie nichts hat. Und nur auf diese Weise wird sie Malchut genannt. Was bedeutet, dass, wenn er das Königreich des Himmels auf sich nimmt – was in einem Zustand geschieht, in dem er nichts Eigenes hatund das mit Freude, wird danach daraus Keter, das ein Gefäß des Gebens ist, das reinste Kli. Anders gesagt, wird der Empfang von Malchut im Zustand der Dunkelheit danach zum Kli von Keter – zu einem Gefäß des Gebens.

Dies ist so, wie geschrieben steht: „Denn gerade sind die Wege des Schöpfers; Gerechte gehen auf ihnen, aber die Missetäter scheitern an ihnen.“

Dies bedeutet, dass die Bösewichte, jene, die in der Macht der Gefäße des Empfangens stehen, stürzen und unter ihrer Last zusammenbrechen werden, wenn sie zu diesem Zustand kommen.

Die Gerechten hingegen, also jene, die im Geben sind, werden dadurch erhöht, das heißt, sie erlangen Gefäße des Gebens. (Als Bösewichte sollen jene angesehen werden, in deren Herzen noch nicht festgesetzt ist, dass sie für die Erlangung der Gefäße des Gebens arbeiten müssen. Als Gerechte werden jene angesehen, in deren Herzen zwar bereits festgesetzt ist, dass sie die Gefäße des Gebens erlangen müssen, sie dazu aber noch nicht in der Lage sind.)

Denn im Heiligen Sohar steht geschrieben, dass die heilige Shechina (göttliche Gegenwart) zu Rabbi Shimon Bar Yochai sagte: „Es gibt keinen Ort, um sich vor Dir zu verbergen.“ Und deshalb enthüllt sie sich ihm. Dies ist die Bedeutung von dem, was Rashbi sagte: „Deswegen, und Sein Verlangen ist auf mir.“ Und dies ist „Ich bin meines Geliebten und mein Geliebter ist mein.“ Und dann wirkt er auf Waw-Hej, was die Bedeutung ist von: „Der Name ist unvollkommen, und der Thron ist nicht vollkommen, bis das Hej und das Waw sich verbinden.“ Das Hej wird „der Wille zu empfangen“ genannt, das endgültige und letzte Gefäß, in das das Waw hineinwirkt. Und dann wird Gmar Tikun sein, das Ende der Korrektur.

Dies ist die Bedeutung von: „Die Gerechten – unverzüglich zum Leben.“ Das bedeutet, dass der Mensch selbst sagen muss, in welches Buch sein Name eingetragen werden soll: ins Buch der Gerechten, also dass er möchte, dass ihm der Wille zu geben verliehen werde, oder nicht. Denn der Mensch hat in Bezug auf den Willen zu geben viele Ansichten, was bedeutet, dass der Mensch manchmal sagt: „Es stimmt, ich möchte, dass mir der Wille zu geben verliehen wird, möchte aber den Willen zu empfangen nicht vollständig aufgeben.“ Er möchte vielmehr zwei Welten für sich selbst – auch den Willen zu geben möchte er zu seinem Vergnügen.

Jedoch werden in das Buch der Gerechten nur diejenigen eingetragen, deren Wunsch es ist, ihre sämtlichen Gefäße des Empfangens so umzuwandeln, dass sie nur im Geben sind und nichts für sich selbst bekommen möchten. Und dies, damit man keinen Raum haben möge zu sagen: „Wenn ich gewusst hätte, dass der Wille zu empfangen annulliert werden muss, hätte ich nicht dafür gebetet.“ (Damit er später nicht sagt: „Dies ist nicht, worauf ich mich vereidigt habe.“)

Daher muss man ohne Vorbehalt sagen, was man damit meint, in die Bücher der Gerechten eingetragen zu werden, damit man sich später nicht beklagt.

Man muss wissen, dass sich in der spirituellen Arbeit sowohl das Buch der Gerechten als auch das Buch der Sünder im Menschen befinden. Das heißt, der Mensch muss selbst wählen und nach vollständiger Klärung wissen, was er möchte. Denn „Bösewichte“ und „Gerechte“ beziehen sich auf den gleichen Menschen.

Daher muss der Mensch sagen, wenn er ins Buch der Gerechten eingetragen werden will, dass er „sofort zum Leben“ [kommen möchte], das heißt am Leben der Leben angehaftet sei, dass er alles für den Schöpfer machen will. Und auch, wenn er sich in die Bücher der Sünder eintragen will, wo sich all diejenigen eintragen, die für sich selbst empfangen wollen, sagt er, dass sie dort sofort zum Tode eingetragen werden, das heißt, sein Wille zu empfangen wird annulliert werden, als ob er gestorben wäre.

Manchmal zweifelt der Mensch jedoch. Das heißt, der Mensch möchte nicht, dass bei ihm der Wille zu empfangen sofort erlischt. Es ist schwierig für ihn, umgehend zu entscheiden, dass alle seine Teile des Empfangens sofort getötet werden, das heißt, er ist nicht damit einverstanden, dass alle seine Wünsche zu empfangen auf einmal annulliert werden.

Er möchte vielmehr, dass die Funken des Empfangens allmählich und langsam annulliert werden und nicht alle auf einmal. Das heißt, ein wenig agieren die Gefäße des Empfangens und ein wenig die des Gebens. Daraus folgt, dass dieser Mensch keine feste und klare Ansicht hat.

Eine feste Ansicht ist, dass der Mensch einerseits behauptet: „Alles ist mein“, das heißt, alles ist zum Zwecke des Willens zu empfangen. Andererseits behauptet er: „Alles ist für den Schöpfer.“ Dies wird eine feste Ansicht genannt. Nur, was kann der Mensch tun, wenn der Körper nicht mit seiner Ansicht einverstanden ist, dass er möchte, dass alles für den Schöpfer sei?

In diesem Zustand kann man sagen, dass der Mensch alles tut, was er kann, damit es vollständig für den Schöpfer sei. Das heißt, er betet zum Schöpfer, ihm zu helfen, fähig zu sein, all seine Wünsche nur für den Schöpfer auszuführen. Dafür beten wir: „Gedenke unserer zum Leben und schreibe uns in das Buch des Lebens.“

Und daher steht „Malchut“ geschrieben, was bedeutet, dass er die Unterscheidung des schwarzen Punktes, der kein Weiß beinhaltet, auf sich nimmt. Dies ist die Bedeutung von: „Annulliere deinen Willen, damit euer Gedenken vor Mir aufsteigt“, und dann wird „Sein Wille vor deinem Willen annulliert“ werden. „Womit? Mit einem Shofar; was mit dem Shofar der Mutter bedeutet, gemeint ist, dies hängt von der Reue ab.“

Mit anderen Worten: Wenn er die Schwärze akzeptiert, muss er sich auch darum bemühen, dass es auf ehrbarem Wege geschieht und nicht auf unehrenhafte Weise. Dies wird „Shofar der Mutter“ genannt, was bedeutet, dass es für ihn schön und ehrenhaft ist.

Entsprechend muss interpretiert werden, was geschrieben steht: „Die Söhne Gershons, Liwni und Shimei.“ Wenn der Mensch sieht, dass man ihn von der Arbeit verbannt hat, muss er wissen, dass dies wegen Liwni geschieht; mit anderen Worten: weil er ausgerechnet das Weiße möchte. Dies bedeutet: Wenn einem das Weiße gegeben wird, das heißt, dass alles, was man tut, scheint, was bedeutet, dass man einen guten Geschmack bei der Tora und dem Gebet empfindet, dann ist der Mensch bereit zu hören und sich mit der Tora und den Mizwot zu beschäftigen.

Deshalb steht „Shimei“ geschrieben, was bedeutet, dass er gerade in der Form des „Weißen“ hören kann. Wenn er jedoch während der Arbeit eine Form der Schwärze sieht, kann er nicht damit einverstanden sein zu hören, diese Arbeit auf sich nehmen zu müssen. Daher muss er aus dem Gemach des Königs verbannt werden. Denn der Empfang des Königreichs des Himmels muss ein bedingungsloser Erwerb sein.

Wenn der Mensch sich jedoch bereit erklärt, die Arbeit nur unter der Bedingung auf sich zu nehmen, dass diese in der Weißen Form ist, das heißt, dass der Tag ihm scheinen wird, und wenn er nicht damit einverstanden ist, wenn ihm die Arbeit in schwarzer Form enthüllt wird, dann ist für diesen Menschen kein Platz im Gemach des Königs. Denn zum Gemach des Königs wird nur denjenigen Zutritt gewährt, die zum Zwecke des Gebens arbeiten möchten. Und wenn der Mensch zum Zwecke des Gebens arbeitet, ist es ihm nicht wichtig, was er selbst während der Arbeit fühlt.

Selbst in einem Zustand, in dem er die Form der Schwärze sieht, lässt ihn dies unbeeindruckt und er will nur, dass der Schöpfer ihm die Kraft gibt, alle Hindernisse zu überwinden. Das heißt, er bittet nicht darum, dass der Schöpfer ihm eine Form des Weißen gebe, sondern, dass er ihm Kraft gebe, alle Verhüllungen zu überwinden.

Jene Menschen, die daher zum Zwecke des Gebens arbeiten wollen, und wenn sie immer einen Zustand des Weißen haben, so erlaubt das Weiße ihnen, die Arbeit fortzusetzen. Denn während es scheint, kann der Mensch sogar zum Zwecke des Empfangens für sich selbst arbeiten.

Daher wird der Mensch niemals die Möglichkeit haben zu wissen, ob seine Arbeit in Reinheit geschieht oder nicht. Und dies bewirkt, dass er niemals Dwekut (Anhaftung) an den Schöpfer erlangen kann.

Daher wird einem von Oben die Form der Schwärze gegeben, und dann sieht man, ob die eigene Arbeit in Reinheit geschieht.

Das heißt, wenn er auch im Zustand der Schwärze in Freude sein kann, ist dies ein Zeichen, dass seine Arbeit in Reinheit geschieht. Denn der Mensch muss sich freuen und glauben, dass man ihm von Oben eine Gelegenheit gegeben hat, damit er zum Zwecke des Gebens arbeiten kann.

Dies ist so, wie die Weisen sagten: „ Alle Gierigen sind verärgert“, was bedeutet, wer im Empfangen für sich versunken ist, ärgert sich, denn er spürt immer einen Mangel. Er hat ewig das Bedürfnis, seine Empfangsgefäße zu füllen. Derjenige jedoch, der den Weg des Gebens gehen möchte, muss immer erfreut sein, das heißt in allen Formen, die zu ihm kommen, muss er voll Freude sein, da er keinerlei Absicht hegt, für sich selbst zu empfangen.

Daher sagt er, dass so oder so, wenn er wirklich zum Zwecke des Gebens arbeitet, er gewiss voll Freude darüber sein sollte, dass es ihm zuteil geworden sei, seinem Erschaffer Freude zu bereiten. Und wenn er fühlt, dass seine Arbeit noch immer nicht zum Zwecke des Gebens ist, sollte er dennoch freudig sein, denn für sich selbst sagt der Mensch, dass er nichts möchte. Er freut sich darüber, dass der Wille zu empfangen sich nicht über diese Arbeit freuen kann. Dies sollte ihm Freude bereiten. Wenn er jedoch denkt, dass er auch von dieser Arbeit etwas zum eigenen Zwecke haben wird, gibt er der Sitra Achra bereits die Erlaubnis, seiner Arbeit anzuhaften, und dies verursacht ihm Traurigkeit, Ärger und Ähnliches.

 

Shamati 43: Wahrheit und Glauben

 

Ich hörte

 

Als „Wahrheit“ wird bezeichnet, was der Mensch empfindet und mit seinen Augen sieht. Und diese Unterscheidung wird „Belohnung und Strafe“ genannt, das heißt es ist unmöglich, etwas ohne vorausgegangene Bemühungen zu bekommen. Das gleicht einem Menschen, der zu Hause sitzt und keine Anstrengungen für seinen Lebensunterhalt unternehmen möchte. Und er sagt, da der Schöpfer gut und gütig ist und alle seine Geschöpfe ernährt, wird Er natürlich auch ihm alles schicken, was er braucht, während er selbst keine Handlung unternehmen muss.

 

Wenn ein Mensch sich so verhält, dann wird er natürlich eines Hungerstodes sterben. Und der gesunde Menschenverstand überzeugt uns davon, und in der Tat ist es so, dass er des Hungers sterben wird.

 

Doch gleichzeitig ist der Mensch verpflichtet, über seinem Verstand zu glauben, dass er sogar ohne jegliche Anstrengungen alles aufgrund der persönlichen Vorsehung erreichen kann. Das heißt, nur der Schöpfer vollbringt und wird alles vollbringen, und der Mensch kann Ihm in nichts helfen, sondern der Schöpfer macht alles. Und der Mensch kann weder hinzufügen noch wegnehmen.

 

Wie können jedoch diese beiden Sachen Hand in Hand gehen, da eine der anderen widerspricht?  Ein Aspekt heißt was der Verstand erlangt, also ohne die Hilfe seitens des Menschen, das heißt, dass ohne vorausgehende Mühen und Anstrengungen nichts erreicht werden kann. Dies wird „Wahrheit“ genannt, weil der Schöpfer wünscht, dass der Mensch so empfindet. Darum wird dieser Weg „der Weg der Wahrheit“ genannt.

 

Man soll sich nicht verwirren lassen, dass, wenn diese beiden Zustände im Widerspruch zueinander stehen, es möglich ist, dass dieser als wahr bezeichnet wird? Die Antwort ist, dass als „wahr“ nicht der Weg und der Zustand bezeichnet werden, sondern „wahr“ heißt die Empfindung, dass der Schöpfer wünscht, der Mensch empfinde genauso – das ist die Wahrheit. Es folgt dass die Angelegenheit der Wahrheit eben genau über den Schöpfer gesagt werden kann, gemeint ist Sein Wille, dass Er will, dass man auf diese Art und Weise fühlt und sieht.

 

Gleichzeitig jedoch ist der Mensch ungeachtet der Tatsache, dass er das nicht fühlt und nicht sieht, verpflichtet zu glauben, dass der Schöpfer ihm auch ohne jegliche Anstrengungen seinerseits helfen kann, alles zu erreichen. Und das wird als persönliche Vorsehung des Menschen durch den Schöpfer bezeichnet.

 

Der Grund, warum der Mensch die persönliche Vorsehung nicht erreichen kann, bevor er  nicht das Verständnis von Belohnung und Strafe erreicht hat, ist, weil die persönliche Vorsehung eine ewige Sache ist, und der Verstand des Menschen nicht ewig ist. Deshalb kann sich eine ewige Sache nicht in etwas kleiden, was nicht ewig ist. Nachdem daher der Mensch der Lenkung durch Belohnung und Strafe würdig wurde, wird die Belohnung und Strafe zu jenem Kli (Gefäß), in welches sich die persönliche Vorsehung kleiden kann.

 

Daraus kann man das Gesagte verstehen: „Oh Herr, gewähre Rettung; Oh Herr, gewähre Erfolg.“ „Errette“ – bezieht sich auf Belohnung und Strafe. Der Mensch muss beten, damit der Schöpfer ihm Arbeit und Bemühungen bereitet, mit deren Hilfe er der Belohnung würdig wird. Doch damit einher ist er verpflichtet, für Erfolg zu beten, also für persönliche Vorsehung, damit ihm auch ohne jegliche Arbeit und Bemühungen alles Beste dieser Welt zuteilwerden wird.

 

Ähnliches sehen wir auch in materiellen Besitztümern (die örtlich voneinander getrennt sind, das heißt, in zwei Körpern wobei in spirituellen Angelegenheiten alles in einem einzigen Körper aber zu zwei Zeitpunkten untersucht wird). Es gibt Menschen, die nur nach großen Anstrengungen, schwerer Arbeit und Spitzfindigkeit ihre Besitztümer erhalten, und gleichzeitig sehen wir das Gegenteil, also dass Menschen, die nicht so geistreich sind, die nicht soviel Energie haben und sich nicht so sehr anstrengen, erfolgreich sind und dabei zu den Reichsten in der Welt werden.

 

Der Grund dafür besteht darin, dass diese zwei unterschiedlichen materiellen Zustände ihren entsprechenden höheren Wurzeln entspringen, also der Einwirkung persönlicher Vorsehung und Belohnung und Strafe. Der einzige Unterschied besteht darin, dass es sich im Spirituellen an einer Stelle – aber eins nach dem anderen offenbart, gemeint ist in einer Person, aber in zwei Zuständen,  und im Materiellen jedoch findet dies zur gleichen Zeit, aber an zwei verschiedenen Stellen statt, gemeint ist zur gleichen Zeit aber in zwei verschiedenen Menschen.

 

 


 

Shamati 44: Verstand und Herz – Mocha und Liba

Ich hörte am 1. Februar 1928

Man muss ständig überprüfen, ob der  Glaube in Ordnung ist, das heißt, ob man Ehrfurcht und Liebe hat, wie es geschrieben steht: „Wenn ich ein Vater bin, wo ist meine Ehre? Und wenn ich ein Herr bin, wo ist die Furcht vor mir?“ Und das heißt „Verstand.“

Genauso müssen wir danach trachten, keine Wünsche nach Selbstgenuss zu haben, sodass nicht einmal solch ein Gedanke auftaucht, etwas für sich selbst zu verlangen, sondern dass alle Wünsche nur darauf ausgerichtet sind, dem Schöpfer zu geben. Und das heißt „Herz“, was bedeutet: „Der Gnädige will das Herz.“

 

Shamati 45: Zwei Unterscheidungen in der Tora und in der Arbeit

Ich hörte am 5. September 1948

Es gibt zwei Unterscheidungen in der Tora und zwei Unterscheidungen in der Arbeit: der erste ist der Aspekt der Furcht und der zweite ist der Aspekt der Liebe.

Tora wird der Zustand der Vollkommenheit genannt, wenn man nicht von der Arbeit des Menschen spricht, davon, in welchem Zustand genau er sich befindet, sondern wir sprechen über und von der Tora selbst.

Die erste Unterscheidung heißt „Liebe“, der Zustand, wenn der Mensch das Verlangen und die Sehnsucht danach hat, die Wege des Schöpfers und seine versteckten Schätze zu erkennen. Und um das zu erreichen, bietet der Mensch alle seine Kräfte auf. Er erachtet alles in der Tora, was er aus seinem Studium der Tora erkennt, als etwas Unschätzbares, das ihm gewährt wurde. In diesem Fall wächst er selbst allmählich im Maße seiner Bewunderung der Wichtigkeit der Tora, bis ihm langsam entsprechend seiner Anstrengungen die Geheimnisse der Tora offenbart werden.

Die zweite Unterscheidung ist die Furcht,  genauer gesagt, der Mensch will ein Diener des Schöpfers sein. Denn „Derjenige, der die Gesetze des Oberen Höheren nicht kennt, wie wird er Ihm dann dienen können? Und er befindet sich in Furcht und Sorge, nicht zu wissen, wie er dem Schöpfer dienen kann.“

Wenn er auf diese Weise lernt, wenn er jedes Mal einen Geschmack in der Tora findet und diesen nutzen kann, und entsprechend seiner Begeisterung und Empfindung, dass er würdig geworden ist, dass ihm etwas von der Tora gewährt wurde, er diesen Weg beständig fortsetzt – dann offenbart man ihm allmählich die Geheimnisse der Tora.

Hier existiert ein Unterschied zwischen der äußeren Lehre und der Weisheit der Tora: in der äußeren Lehre verringert die Begeisterung den Verstand, da das Gefühl dem Verstand entgegengesetzt ist. Deswegen verringert sich die Begeisterung im Maße des Begreifens des Verstandes.

In der Weisheit der Tora jedoch ist die Begeisterung selbst eine Essenz, wie der Verstand, da die Tora das Leben ist, wie geschrieben steht: „Die Weisheit belebt ihren Besitzer“, da Weisheit und Leben das Gleiche sind.

So wie die Weisheit im Verstand auftritt, so erscheint sie auch in der Empfindung, weil das Licht des Lebens alle Organe füllt. (Mir scheint, dass man deswegen immer darauf zu achten hat, Begeisterung von der Weisheit der Tora zu schöpfen, da es in der Begeisterung diesen riesigen Unterschied zwischen der äußeren Lehre und der inneren Weisheit der Tora gibt).

Ähnlich ist es in der Arbeit, welche als die Linke Linie, als Empfangen angesehen wird. Die Angelegenheit des Empfangens bedeutet, dass man empfangen möchte, weil man einen Mangel verspürt, und ein Mangel wird in drei Aspekte unterschieden:

  1. der Mangel des Einzelnen
  2. der Mangel der Allgemeinheit
  3. der Mangel der Shechina (göttliche Gegenwart).

Jeder Mangel verpflichtet dazu, erfüllt zu werden, und wird daher als „empfangen“ bzw. Linke Linie erachtet. Tora hingegen ist ein Zustand, in welchem der Mensch nicht arbeitet, weil er einen Mangel verspürt, der korrigiert werden muss, sondern weil er seinem Schöpfer Zufriedenheit bereiten möchte.

(Es ist wie ein Gebet, eine Lobpreisung und Dankbarkeit. Wenn man sich in einer Weise beschäftigt, dass man Vollkommenheit verspürt, und keinen Mangel in der Welt sieht, dann wird dieser Zustand als Tora bezeichnet.

Wenn er sich jedoch mit etwas beschäftigt, während er einen gewissen Mangel empfindet, dann wird dies als Arbeit betrachtet).

Und während der Arbeit müssen zwei Aspekte unterschieden werden:

  1. aufgrund seiner Liebe zum Schöpfer, wenn er sich an den Schöpfer anhaften will, wenn der Mensch fühlt, dass dies der Platz ist, wo er jenes Maß an Liebe zum Schöpfer zeigen kann, das er hat und den Schöpfer lieben kann;
  2. aus Furcht, wenn man Furcht vor dem Schöpfer hat... 
 

Shamati 44: Verstand und Herz - Mocha und Liba


Man muss seinen Glauben ständig überprüfen, d. h. ob es im Menschen Ehrfurcht und Liebe gibt, wie es geschrieben steht: „Nun, wenn ich ein Vater bin, wo ist meine Ehre? und wenn ich ein Herr bin, wo ist die Furcht vor mir? Und das heißt „Verstand“.

Wir müssen nun auch verstehen, dass es keine Wünsche nach Selbstgenuss gibt, damit nicht einmal solch ein Gedanke entsteht, etwas für sich selbst zu verlangen, sondern  dass alle Wünsche nur danach ausgerichtet sind, dem Schöpfer zu geben. Und das heißt “Herz“, welches „Der Gnädige will das Herz“ bedeutet.



 

 

Shamati 46:Die Herrschaft Israels über die Klipot

Ich hörte

Die Herrschaft Israels über die Klipot (Schalen) und umgekehrt die Herrschaft der Klipot über Israel. Doch zuvor muss man verstehen, was „Israel“ ist und was die „Völker der Welt“ sind.

An vielen Stellen wird erklärt, dass „Israel“ Innerlichkeit bedeutet, genannt Kelim de Panim (Gefäße des Angesichtes, Vordere Kelim), mit deren Hilfe man arbeiten kann, um dem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten. „Völker der Welt“ dagegen wird die Äußerlichkeit genannt, die Hinteren Kelim (Kelim de Achoraim), deren Lebensunterhalt nur vom Empfangen kommt und nicht vom Geben.

Die Macht der Völker der Welt über Israel besteht darin, dass sie nicht mit der Absicht zu geben und mit den Kelim de Panim arbeiten können, sondern nur mit den Kelim de Achoraim. Sie verführen die Diener des Schöpfers dazu, die Lichter nach unten in die Kelim de Achoraim weiterzuleiten.
Und die Herrschaft Israels besteht darin, dass, wenn man jedem von ihnen die Kraft gibt, die Arbeit zu verrichten, um dem Schöpfer Freude zu bereiten, also nur in den Kelim de Panim, selbst, wenn sie Chochma (Weisheit) verbreiten, dies dann nur in der Form eines „Weges, auf dem man passiert“, geschieht und nichts mehr als das.

 

Shamati 47: An dem Ort, wo du Seine Größe findest

Ich hörte

„An dem Ort, wo du Seine Größe findest, findest du auch Seine Bescheidenheit.“ Das bedeutet, dass derjenige, der stets in wahrer Dwekut (Anhaftung) ist, sieht, dass der Schöpfer Sich Selbst erniedrigt, das heißt der Schöpfer ist an niederen Orten zu finden.

Der Mensch weiß nicht, was er tun soll, und daher steht geschrieben: „Wer ist wie der Schöpfer, unser Gott, der so hoch sitzt, der tief hinabschaut, im Himmel und auf Erden?“ [1] Der Mensch sieht die Größe des Schöpfers, und dann „der hinabschaut“, das heißt, er erniedrigt den Himmel zur Erde. Der Ratschlag, der dazu gegeben wird, ist zu denken, dass, wenn dieser Wunsch vom Schöpfer kommt, wir nichts haben was größer wäre als das, wie es geschrieben steht: „Aus der Gosse erhebt Er den Armen.“

Zuerst muss der Mensch darauf achten, einen Chissaron (Mangel) zu haben. Wenn er keinen hat, so muss er dafür beten, warum er ihn nicht hat. Der Grund, warum der Mensch keinen Chissaron hat, ist aufgrund des geringen Bewusstseins.

Also muss der Mensch bei jeder Mizwa (Gebot, Gesetz) beten: Warum hat er kein Bewusstsein dafür, dass er die Mizwa nicht in ihrer Ganzheit erfüllt? Mit anderen Worten, der Wille zu empfangen verdeckt,  sodass der Mensch nicht die Wahrheit sieht.

Denn würde der Mensch sehen, dass er sich in einem solch niederen Zustand befindet, würde er mit Sicherheit nicht in diesem Zustand sein wollen. Stattdessen soll der Mensch sich bei der Arbeit von Mal zu Mal mehr anstrengen, bis er zur  Reue gelangt, wie es geschrieben steht: „Er bringt hinunter in das Grab, und Er erhebt.“

Das bedeutet, dass, wenn der Schöpfer will, dass ein Sünder reuig zurückkehrt, so macht Er das Totenreich für ihn so abfällig, sodass der Sünder selbst nicht mehr so sein möchte. Also muss der Mensch flehend beten, der Schöpfer möge ihm die Wahrheit zeigen, indem Er ihm das Licht der Tora hinzufügt.



[1] Psalm 113, 5

 

Shamati 48: Das Hauptfundament

Ich hörte am Ausgang von Shabbat, am 8. November 1952

Das Hauptfundament ist ein Weg, der allen bekannt ist. Und der Grund für die Vorsicht und die Behütung in Bezug auf den Verstand hat zur Ursache, dass dieser auf der Grundlage einer Frage aufgebaut ist. Wenn man auf die bekannte Frage stößt, sollte man bewaffnet und beschützt sein, um Wache zu halten und ohne Verzögerung mit der bekannten Antwort zu erwidern.

Mit anderen Worten: Das ganze Konstrukt ist auf Fragen und Antworten aufgebaut. Dies gilt für jemanden, der auf dem Weg des Schöpfers geht und gewürdigt wird, das Konstrukt der Shechina aufzubauen. Wenn er keinen Platz mehr für Fragen und Antworten hat, so wird er als „stehend“ bezeichnet.

Und sogar für solche, die bereits der permanenten Einkleidung der Shechina gewürdigt wurden und die bereits auf dem Weg der Stufen schreiten, die also keinen Platz für die oben erwähnte Arbeit haben, hat der Schöpfer einen Platz bereitet. An diesem Ort haben sie eine freie Basis, an dem der Glaube sein kann.

Es ist zwar schwer zu verstehen, wie solch eine Sache auf höheren Stufen sein kann, doch der Schöpfer Selbst kann so etwas tun. Das ist die Bedeutung der Korrektur der Mittleren Linie und des Verbots des Empfangens aus der Linken Linie.

Gleichzeitig sehen wir, dass Chochma nur in Malchut in Erscheinung tritt. Auch wenn Malchut ein zu Chochma entgegengesetzter Aspekt ist, ist dennoch der Ort der Enthüllung von Chochma gerade in Malchut.

Das ist die Bedeutung von „und diesen Verfall nimm unter deine Hand[1]“ Unsere Weisen sagten, dass der Mensch sich nur dann an ein Gesetz hält, wenn er daran gescheitert ist. Gesetz bedeutet den Aspekt von Malchut (und das ist die Bedeutung der „Braut“; der Gang zur Braut wird „Gesetz“ genannt[2]). Er baut nur auf Hindernissen auf, also auf Fragen. Wenn man keine Fragen hat, hat man nicht den Namen „Glaube“ oder „Shechina.“



[1] Jesaia, 3:6

[2] Im Hebräischen werden die Wörter „Braut“ und „Gesetz“ mit den gleichen Buchstaben geschrieben, allerdings in unterschiedlicher Reihenfolge

 

Shamati 49: Am wichtigsten sind Verstand und Herz

Ich hörte am 6. November 1952

Es sollte eine Vorbereitung auf den Aspekt „Verstand“ in dieser Arbeit geben, die sich auf den Aspekt des Glaubens bezieht. Das bedeutet, dass, wenn der Mensch in der Arbeit des Glaubens nachlässig ist, er in den Zustand zurückfällt, nur Wissen zu wollen, was eine Klipa (Hülle) ist, was gegen die heilige Shechina ist. Also besteht die Arbeit des Menschen darin, sich jedes Mal zu stärken, um den Aspekt „Verstand“ (Mocha) zu erneuern.

Ähnlicherweise sollte der Mensch, wenn er Nachlässigkeit in der Arbeit des Herzens fühlt, die Arbeit verstärken, die sich auf den Aspekt „Herz“ (Liba) bezieht, und entgegengesetzte Handlungen vollziehen, also Peinigungen des Körpers, was dem Willen zu empfangen entgegengesetzt ist.

Der Unterschied zwischen der Nachlässigkeit in der Arbeit des Verstandes und der Arbeit des Herzens besteht darin, dass es gegenüber dem Verstand eine böse Klipa (Hülle) gibt, die einen Zustand veranlassen kann, in dem man „über den Anfang nachdenkt“.

Also muss der Mensch entgegengesetzte Handlungen vollziehen. Er soll also bei jeder Erneuerung des Aspekts „Verstand“ Reue für die Vergangenheit und Akzeptanz der Zukunft auf sich nehmen. Der Mensch kann die Ursache dafür dem Aspekt von domem  (unbewegt) entnehmen. Und die Einkleidung des Glaubens ist eine immerwährende und ewige Sache. Also wird der Mensch sie immer als Maß haben, um zu sehen, ob seine Arbeit rein ist oder nicht. Denn die Einkleidung der Shechina entfernt sich nur aufgrund eines Makels, entweder im Verstand oder im Herzen.

 

Shamati 50: Zwei Zustände

Ich hörte am 20. Siwan

Die Welt hat zwei Zustände: Im ersten Zustand wird die Welt „Leiden“ genannt; und im zweiten Zustand wird sie als die „heilige Shechina“ (göttliche Gegenwart) bezeichnet. Denn bevor der Mensch würdig wurde, seine Handlungen zu korrigieren, damit diese in der Absicht zu  geben sein mögen, nimmt er die Welt lediglich im Aspekt von Leiden und Schmerzen wahr.

Doch dann wird er würdig, die heilige Shechina in die ganze Welt eingehüllt zu sehen. Und dann wird darüber gesagt, dass der Schöpfer die Welt erfüllt, und die Welt wird dann mit dem Namen „heilige Shechina“ bezeichnet, die vom Schöpfer empfängt. Und dann wird das als Einheit von Schöpfer und Shechina bezeichnet, denn wie der Schöpfer der Gebende ist, so beschäftigt sich auch die Welt jetzt nur mit dem Geben.

Und das gleicht einer traurigen Melodie, wenn Musiker die Leiden zu vermitteln vermögen, von denen sie spricht, denn alle Melodien gleichen der gesprochenen Sprache. Eine Melodie bringt Worte zum Ausdruck, die der Mensch laut aussprechen möchte. Und wenn die Melodie diejenigen, die sie hören, zu Tränen rührt, so weint jeder aufgrund der Leiden, welche die Melodie zum Ausdruck bringt – und dann wird das als Melodie bezeichnet, und alle hören sie gern.

Wie können die Menschen jedoch Leiden genießen? Tatsache ist, dass eine Melodie nicht die jetzigen Leiden ausdrückt, sondern die vergangenen, gemeint sind die vergangenen Leiden, die bereits versüßt wurden und ihre Erfüllung erhalten haben, und daher mögen es die Menschen, sie zu hören, da dies die Versüßung der Dinim (Urteile) bezeugt: Leiden, die der Mensch erfahren hat, wurden versüßt. Daher sind solche Leiden süß für das Ohr. Und dann wird die Welt die „heilige Shechina“ genannt.

Und das Wichtigste, was der Mensch wissen und empfinden soll, ist, dass es einen Herrscher in der Hauptstadt gibt, wie unsere Weisen sagten: „Der Urvater Abraham sagte: ‚Es gibt keine Stadt ohne einen Führer‘.“ Und der Mensch soll nicht denken, dass alles in der Welt zufällig geschieht. Sitra Achra verführt den Menschen zu sündigen und zu sagen, dass alles ein Zufall ist.

Darin besteht der geheime Sinn von Chamat (Gefäß von) Keri (Samen). Keri schickt dem Menschen Gedanken, dass er denkt, alles sei Bemikre (zufällig). (Und die Tatsache selbst, dass Sitra Achra dem Menschen solche Gedanken bringt, damit er glaubt, dass die Welt einem Zufall unterliegt und von niemandem gelenkt wird, ist auch nicht zufällig, sondern geschieht auf Wunsch des Schöpfers.)

Der Mensch aber sollte an Belohnung und Strafe glauben und dass es ein Gericht und einen Richter gibt, und alles ist der Lenkung durch Belohnung und Strafe unterworfen. Denn manchmal, wenn zum Menschen irgendein Wunsch und Antrieb zur Arbeit für den Schöpfer kommt und er glaubt, dass dies zufällig zu ihm gekommen ist, soll er auch wissen, dass er sich zuvor bemüht hat, was dem Hören vorausging, und er um Hilfe von Oben gebetet hat, damit es ihm gelänge, irgendeine Handlung mit einer Absicht auszuführen – dies wird als Erhebung von MaN bezeichnet.

Doch das hat der Mensch bereits vergessen und er hat diese Tat nicht wertgeschätzt, weil er keine sofortige Antwort auf das Gebet erhalten hat, um sagen zu können: „Du erhörst die Gebete aller.“ Doch sollte man jedenfalls daran glauben, dass gemäß der Höheren Ordnung die Antwort auf ein Gebet auch nach einigen Tagen oder Monaten nach dem Gebet kommen kann.

Und der Mensch soll nicht denken, dass er dieses Erwachen zufällig erhalten hat. Manchmal sagt der Mensch: „Ich fühle jetzt, dass es mir an nichts fehlt und ich jetzt keine Sorgen habe und mein Verstand klar und ruhig ist, und daher kann ich nun meinen Verstand und meinen Willen auf die Arbeit des Schöpfers konzentrieren.“

Dann könnte er sagen, dass seine ganze Arbeit für den Schöpfer durch seine eigenen Kräfte und Bemühungen bedingt ist und sich für ihn also zufällig die Möglichkeit ergeben hat, sich der Befriedigung spiritueller Bedürfnisse zu widmen. Und dann muss er glauben, dass dies eine Antwort auf ein Gebet ist: Darauf, wofür er zuvor gebetet hat, hat man ihm nun eine Antwort gewährt.

Und manchmal, wenn der Mensch irgendein Buch liest und der Schöpfer seine Augen öffnet und er ein gewisses Erwachen verspürt, so hält er das auch gewöhnlich für einen Zufall. Doch alles ist der Lenkung unterworfen.

Und obwohl der Mensch weiß, dass die ganze Tora Namen des Schöpfers darstellt, wie kann er jedoch sagen, dass er durch das von ihm gelesene Buch nun eine gewisse höhere Empfindung erhalten hat? Er muss jedoch wissen, dass, obwohl er dieses Buch mehrfach studiert hat und weiß, dass die ganze Tora aus den Namen des Schöpfers besteht, er dennoch keinerlei Leuchten und Empfindung erhält, sondern alles trocken ist, und sein Wissen bringt ihm nicht den geringsten Nutzen. Daher soll der Mensch, wenn er irgendein Buch studiert und dabei auf den Schöpfer hofft, sein Studium auf die Stütze des Glaubens gründen, dass er an die Vorsehung glaubt und wünscht, dass der Schöpfer ihm seine Augen öffnet. Dann erlangt er das Bedürfnis nach dem Schöpfer, und dann hat er einen Kontakt zum Schöpfer, und dank dessen kann der Mensch der Anhaftung an Ihn würdig werden.

Es existieren zwei zueinander gegensätzliche Kräfte: eine Höhere Kraft und eine niedere Kraft. Die Höhere Kraft ist mit den Worten beschrieben: „einen jeden, der mit meinem Namen genannt ist und den ich zu meiner Ehre geschaffen, den ich gebildet, ja gemacht habe“. Das bedeutet, dass die ganze Welt nur zum Ruhm des Schöpfers erschaffen wurde. Und die untere Kraft ist der Wille zu empfangen, der behauptet, dass alles für ihn erschaffen wurde: sowohl die materiellen Dinge als auch die spirituellen – alles zur Selbstliebe.

Der Wille zu empfangen behauptet, dass ihm sowohl diese Welt als auch die nächste Welt zustehen. Natürlich siegt der Schöpfer, doch das wird als der Weg der Leiden bezeichnet, und dieser Weg ist lang. Doch es gibt einen kurzen Weg, welcher als der Weg der Tora bezeichnet wird. Und die Ausrichtung eines jeden Menschen sollte die Verkürzung der Zeit sein.

Dieses heißt „Ich werde es beschleunigen“. Und sonst wird alles „zu seiner Zeit“ stattfinden, wie die Weisen sagten: „Würdig – ich werde es beschleunigen; nicht würdig – zu seiner Zeit: Ich werde über euch einen König setzen, der Haman gleicht, und er wird euch durch Zwang zur Quelle zurückführen.“

Die Tora beginnt mit BeReshit (am Anfang). „Am Anfang ... war die Erde öd und wüst, ... und es war finster.“ Und sie endet so: „... vor den Augen von ganz Israel.“

Am Anfang sehen wir, dass das Irdische „öd und wüst und finster“ ist, doch später, wenn sie sich zur Absicht zu geben korrigieren, werden sie dessen würdig: „… und der Schöpfer sprach: ‚Es werde Licht‘“, bis sich schließlich das Licht „vor den Augen von ganz Israel“ offenbart.

 

Shamati 51: Wenn dich dieser Bösewicht getroffen hat...

Ich hörte nach den Pessachfeiertagen am 27. April 1943

„Wenn dich dieser Bösewicht getroffen hat, schleppe ihn ins Lehrhaus“, usw. „Und wenn nicht, erinnere ihn an den Sterbetag.“

Das bedeutet, dass man ihn daran erinnern soll, dass die Arbeit an einem Ort sein muss, an dem er nicht ist, und zwar außerhalb der Haut des Menschen. Dann gilt, dass er „außerhalb seines Körpers“ arbeitet, also keinerlei Gedanken an den eigenen Körper hat.

 

Shamati 52 Eine Übertretung löscht eine Mizwa nicht aus

Ich hörte am 14. Mai 1943

„Eine Übertretung löscht eine Mizwa (Gebot) nicht aus, und eine Mizwa löscht eine Übertretung nicht aus.“ Und die Handlungsweise in der Arbeit ist, dass man den guten Weg gehen muss. Aber das Böse, das im Menschen ist, lässt ihn nicht den guten Weg gehen.

Man muss jedoch wissen, dass der Mensch das Böse nicht zu entwurzeln braucht, weil dies unmöglich ist. Vielmehr muss man das Böse nur hassen so wie geschrieben steht: „Die ihr den Schöpfer liebet, hasset das Böse.“ Nur der Hass wird benötigt, da es der Hass ist, der die Anhaftenden trennt.

Aus diesem Grund besitzt das Böse keine eigene Existenz. Die Existenz des Bösen hängt vielmehr von der Liebe zum Bösen oder dem Hass auf das Böse ab. Dies bedeutet, wenn der Mensch das Böse liebt, dann ist er in der Herrschaft des Bösen gefangen, und wenn er das Böse hasst, dann entkommt man seinem Einflussbereich, und das eigene Böse hat keinerlei Macht über den Menschen.

Daraus folgt, dass die hauptsächliche Arbeit nicht am Bösen selbst ist, sondern am Ausmaß der Liebe oder am Ausmaß des Hasses. Daher zieht eine Übertretung eine andere Übertretung nach sich.

Und wir müssen fragen: „Warum verdient er eine solche Strafe?“ Denn, wenn der Mensch in seiner Arbeit nachlässt und stürzt, muss man ihm doch helfen, sich nach diesem Fall wieder zu erheben. Hier jedoch sehen wir, dass ihm noch Hindernisse hinzufügt werden, auf dass er noch tiefer falle als bei seinem ersten Fall.

Damit jedoch der Mensch Hass für das Böse empfindet, wird ihm noch mehr Böses gegeben, damit er fühlen möge, wie sehr ihn die Übertretung von der Arbeit des Schöpfers entfernt. Obwohl er die erste Übertretung bereut hat, hat er noch nicht das Ausmaß der Reue erreicht, das den Hass auf das Böse bewirken würde. Daher zieht eine Übertretung eine [weitere] Übertretung nach sich. Und jedes Mal bereut er. Und sicherlich bringt ihm jede Reue Hass auf das Böse ein, bis das Maß des Hasses auf das Böse voll ist und er sich vom Bösen trennt, denn Hass bringt Trennung.

Und daraus folgt: Wenn der Mensch Hass in einem Maße entdeckt, welches Trennung herbeiführt, benötigt er die Korrektur der „Übertretung-zieht-Übertretung-nach-sich“ nicht mehr. Und auf jeden Fall gewinnt er Zeit. Und in der von ihm gewonnenen Zeit tritt er in die Liebe zum Schöpfer ein. Und daher steht geschrieben: „Ihr, die den Schöpfer liebet, hasset das Böse.“ Sie hassen das Böse nur. Das Böse selbst jedoch bleibt an seinem Platz; und es ist nur notwendig, das Böse zu hassen.

Und dies geht hervor aus: „Doch Du hast ihn nur ein wenig niedriger als den Schöpfer gemacht“, und dies ist die Bedeutung dessen, was die Schlange gesagt hat: „Und ihr sollt wie der Schöpfer sein, Gutes und Böses kennend.“ Dies bedeutet, dass der Mensch sich bemüht und nach dem Beispiel des Schöpfers alle Wege der Höheren Lenkung verstehen will, und dies ist die Bedeutung von „die Begierde eines Menschen wird ihn erniedrigen“, was bedeutet, dass er alles im äußeren Verstand verstehen will, und wenn er es nicht versteht, fühlt er sich elend.

Die Wahrheit ist, dass wenn der Mensch erwacht, um etwas zu wissen, dies ein Zeichen ist, dass er dieses Etwas wissen muss. Und zu der Zeit, wo er seinen Verstand überwindet, was er verstehen will, und  er [dann] alles im Glauben über dem Verstand annimmt, wird dies „die größte Niedrigkeit nach menschlichen Maßstäben“ genannt. Und in dem Maße, wie er das Verlangen hat, mehr zu wissen und dies im Glauben über dem Verstand annimmt, ist er in größerer Niedrigkeit.

Nun können wir verstehen, was sie über den Vers darlegten: „Und der Mensch Moses ist sehr sanftmütig, bescheiden und geduldig.“[1] Und die Bedeutung davon ist, dass er die Niedrigkeit in einem Maße aushielt, über dem es kein höheres [Maß] gibt.

Und dies ist das Geheimnis von Adam haRishon, der vor der Sünde vom Baum des Lebens aß und in Vollkommenheit war. Jedoch konnte er nicht über die Stufe hinausgehen, auf der er stand, denn er fühlte keinerlei Mangel in seinem Zustand und daher konnte er natürlich nicht alle Heiligen Namen enthüllen.

Daher machte Er gemäß „Er ist schrecklich in seinem Werk den Menschensöhnen gegenüber“, dass er vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse esse. Und durch diese Sünde entfernten sich alle Lichter von ihm, und  so musste er natürlich seine Arbeit von vorn beginnen.

Und darüber steht geschrieben, dass er aus dem Garten Eden vertrieben wurde. Da er, wenn er vom Baum des Lebens gegessen hätte, für immer gelebt hätte. Dies ist das Geheimnis des Inneren der Welten. Denn wenn er dort eintritt, bleibt er dort für immer. Dies bedeutet, dass er wiederum ohne jeden Mangel bleibt. Und um die Heiligen Namen enthüllen zu können, die sich durch die Korrektur von Gut und Böse enthüllen, musste er daher vom Baum der Erkenntnis essen.

Dies ist ähnlich einem Menschen, der seinem Freund ein großes mit Wein gefülltes Fass geben möchte .Sein Freund jedoch hat nur ein kleines Glas. Was tut er [nun]? Er füllt den Wein in dieses Glas und nimmt das Glas mit nach Hause, wo er es ausleert. Danach geht er noch einmal mit dem Glas und noch einmal füllt er es mit Wein. Dann geht er noch einmal nach Hause, bis er den Inhalt aller Weinfässer erhalten hat.

Und ich hörte eine weitere Parabel, die er [Baal HaSulam] über zwei Freunde erzählte. Einer von ihnen wurde ein König, der andere hingegen war sehr arm. Und er hörte, dass sein Freund ein König geworden war. Der Arme ging zu seinem Freund, dem König, und erzählte ihm von seinem schlechten Zustand.

Der König gab ihm einen Brief an den Schatzmeister, auf dass er zwei Stunden lang so viel Geld erhalten sollte, wie er wollte. Der Arme kam mit einer kleinen Schachtel zur Schatzkammer, ging hinein und füllte die kleine Schachtel mit Geld.

Als er heraus kam, trat der Schatzmeister gegen die Schachtel, und alles Geld fiel auf den Boden. Es ereignete sich dies einige Male, und der arme Mann weinte, warum er dies mit ihm mache. Schließlich sagte er, all das Geld, das du die ganze Zeit genommen hast, ist deines, und du kannst alles nehmen. Du hattest nämlich nicht die geeigneten Behälter, um genug Geld aus der Schatzkammer zu nehmen. Deswegen wurde dir dieser Streich gespielt.



[1] 4. Buch Mose 12, 3

 

Shamati 53 Die Sache der Begrenzung

Ich hörte am Shabbatabend, am 4. Juni 1943.

Die Sache der Begrenzung ist, seinen Zustand, in dem man sich befindet, zu begrenzen und nicht Gadlut (Größe) zu wollen. Vielmehr möchte man im gegenwärtigen Zustand, in welchem man sich befindet, für immer verweilen. Und dies wird „immerwährende Dwekut“ (Anhaftung) genannt. Egal wieviel Gadlut man besitzt, selbst wenn man die kleinste Katnut (Kleinheit) hat, wenn sie auf ewig leuchtet, dann hat man „immerwährende Dwekut“ erlangt.

Wenn man jedoch nach mehr Gadlut strebt, wird dies „Überfluß/Luxus“ genannt.  Und dies ist die Bedeutung von „jeder Kummer wird überflüssig sein“, was bedeutet, dass die Traurigkeit zum Menschen kommt, weil er nach Überflüssigem strebt. Und dies ist das Geheimnis von: Als Israel kamen, um die Tora zu empfangen, brachte Moses die Menschen an den Fuß des Berges, so wie geschrieben steht: „Und sie standen am Fuße des Berges.“

(Berg - Har“ - bedeutet Gedanken - „Hirhurim“). Moses führte sie an das Ende des Gedankens, des Verständnisses und der Vernunft, der niedrigsten Stufe, die es gibt.  Und [dies] nur dann, als sie mit einem solchen Zustand einverstanden waren, darin ohne jegliches Wanken oder jedwede Bewegung zu gehen - sogar in einem solchen Zustand zu verweilen, als wären sie in der größten Gadlut und darüber Freude zu zeigen - was das Geheimnis ist von „Dienet dem Schöpfer mit Freude.“  Das heißt, während der Zeit von Gadlut ist es unpassend zu sagen, dass Er ihnen Arbeit gibt, um in der Freude zu sein, denn während der Zeit von Gadlut kommt die Freude von selbst. Vielmehr wird ihnen zur Zeit der Katnut die Arbeit der Freude gegeben, und dann, zur Zeit der Katnut, sollen sie voll Freude sein, obwohl sie Katnut fühlen. Und dies ist eine große Arbeit.

Dies wird „wesentlicher Kern der Stufe“ genannt, was ein Aspekt von Katnut ist. Dieser Aspekt muss dauerhaft sein. Und Gadlut ist nur ein Zusatz. Und man sollte sich nach dem Wesentlichen sehnen, nicht nach den Zusätzen.

 

Shamati 54 Das Ziel der spirituellen Arbeit

Was ich am 13. Februar 1941 hörte

Es ist bekannt, dass der Dienst hauptsächlich darin liegt, seinem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten. Jedoch muss man die Bedeutung [des Wortes] „geben“ kennen, da alle an dieses Wort gewöhnt sind. Und man weiß, dass die Gewohnheit den Geschmack abnutzt. Daher müssen wir die Bedeutung des Wortes „geben“ gründlich klären.

Die Sache ist die, dass in dem Willen zu geben des Unteren auch der Wille zu empfangen enthalten ist (wobei der Wille zu empfangen korrigiert genutzt werden kann). Anderenfalls gibt es keine Verbindung zwischen dem Geber und dem Empfänger. Denn es ist unmöglich, dass einer gibt und der andere nichts zurück gibt und dabei ein Zustand der Partnerschaft entsteht. Denn nur wenn sie beide einander Liebe zeigen, gibt es eine Verbindung und Freundschaft zwischen ihnen. Wenn jedoch einer Liebe offenbart und der andere ihm darauf nichts entgegenbringt, so ist solch eine Liebe nicht real und hat keine Existenzberechtigung.

Unsere Weisen sagten über den Vers: „… zu sprechen zu Zion: Mein Volk bist du1, sage nicht „Ami“ (mein Volk), sondern „Imi“ (mit Mir)„um Mein Partner zu sein“3, was bedeutet, dass sich die Geschöpfe in Partnerschaft mit dem Schöpfer befinden. Daraus geht hervor, dass, wenn der Untere dem Schöpfer geben möchte, auch der Untere vom Schöpfer empfangen muss. Dann wird dies Partnerschaft genannt: wenn der Untere gibt und der Höhere ebenfalls gibt.

Allerdings sollte der Wille zu empfangen danach streben, an Ihm anzuhaften und Seine Fülle, Lebenskraft und Güte zu empfangen – und das war das Ziel der Schöpfung: Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.

Aufgrund des Zerbrechens, welches in der Welt Nekudim auftrat, fiel der Wille zu empfangen jedoch in die Vorherrschaft der Klipot, wodurch zwei Unterscheidungen im Kli entstanden:

Die erste besteht darin, dass es eine Beziehung zu den Genüssen der Trennung entwickelte, wobei die Arbeit zum Verlassen dieser Herrschaft der Klipot „Arbeit der Reinigung“ genannt wird.

Und die zweite Unterscheidung, zu welcher es aufgrund des Zerbrechens kam, ist das Sich-Entfernen von spirituellen Genüssen, das heißt, der Mensch entfernt sich von der Spiritualität und hat keinerlei Sehnsucht danach. Und die Korrektur dessen heißt „Kedusha“ (Heiligkeit), wobei die Ordnung der Arbeit darin besteht, Seine Erhabenheit zu begehren. Dann leuchtet ihm der Schöpfer in diesen Kelim (Plural für Kli). Wir müssen jedoch wissen, dass man im gleichen Ausmaß in Kedusha arbeiten kann, in dem man Kelim der Reinheit – genannt „hasset das Böse“ – hat, so wie geschrieben steht: „Die ihr den Ewigen liebet, hasset das Böse.“4

Hieraus folgt, dass es zwei Unterscheidungen gibt:

  1. Reinheit,
  2. Kedusha. 

Kedusha wird „das Kli“ genannt, weil sie die Vorbereitung darauf ist, Seine Güte zu empfangen, indem Er Seinen Geschöpfen Gutes tut. Dieses Kli wird allerdings dem Unteren zugeschrieben, das heißt, es liegt an uns, es zu korrigieren. Mit anderen Worten liegt es an uns, uns nach dem Guten zu sehnen, und das bedeutet, sich umfangreich mit Seiner Erhabenheit und der eigenen Niedrigkeit zu befassen.

Doch die Fülle, welche sich im Kli von Kedusha offenbaren sollte, liegt in den Händen des Schöpfers, denn Er ist Derjenige, der dem Unteren die Fülle gewährt. Und darin kann der Untere nichts beitragen, so wie es heißt: „Das Verborgene ist des Ewigen, unseres Gottes.“5

Da der Schöpfungsgedanke, genannt „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“, in Ejn Sof (Unendlichkeit) beginnt, beten wir aus diesem Grunde zu Ejn Sof, also zu jener Verbindung, die zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen existiert. Und dies ist die Bedeutung dessen, was in den Schriften von ARI geschrieben steht, dass wir zu Ejn Sof beten müssen. Denn Azmuto (Sein Wesen) hat keine Verbindung zu den Geschöpfen, da der Beginn der Verbindung in Ejn Sof seinen Anfang nimmt, wo sich „Sein Name“ befindet, welcher die Wurzel der Schöpfung ist.

Und dies ist die Bedeutung dessen, was im Jerusalemer Talmud geschrieben steht, dass der Betende im Namen beten soll, was bedeutet, dass dort der Aspekt von „Sein Name“ ist. Und „Sein Name“ und Ejn Sof werden in der Sprache der Haggada (Erzählung) „Ein Turm gefüllt mit allem Guten“ genannt. Daher beten wir zum Namen, damit wir die Güte empfangen werden, die uns von vornherein vorbereitet wurde.

Somit wird Keter „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ genannt, und die Güte selbst heißt Chochma (Weisheit), welche das Wesen der Fülle ist. Keter wird daher als „Ejn Sof“ und „Ausströmender“ bezeichnet. Chochma jedoch wird noch nicht „Ausgeströmtes“ genannt, da es in Chochma noch kein Kli gibt und dies als Licht ohne Kli gilt.

Folglich wird auch Chochma als der Ausströmende definiert, da es im Licht ohne ein Kli keine Erkenntnis gibt, und der ganze Unterschied zwischen Keter und Chochma besteht darin, dass den Ausgeströmten dort die Wurzel offenbarter ist.


1. Jesaja 51, 16

2. Beide Wörter bestehen im Hebräischen aus den gleichen Wurzelbuchstaben.

3. Sohar BeReshit, S.

4. Psalm 97, 10

5.. Buch Mose 29, 28

 

Shamati 55 Woher [kommt] Haman aus der Tora?

Ich hörte am 13. Februar 1941

Haman aus der Tora, woher? „Hast du (Hamin)[1] von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?“[2] Wir müssen verstehen, was die Verbindung zwischen Haman und dem Ez haDaat (Baum der Erkenntnis) ist.

Ez haDaat ist der Aspekt der Größe des Empfangens, das nicht in der Kedusha (Heiligkeit) ist und das durch Korrekturen in die Kedusha gebracht werden muss. Und der Aspekt Haman ist ebenfalls die Größe des Empfangens, so wie geschrieben steht, dass Haman sagte: „An wem wird sich der König erfreuen“, der König der Welt, „Ehre zu erzeigen, außer mir?“[3] Dies bedeutet, dass dies der Aspekt der Größe des Empfangens ist. Und dies ist der Aspekt von „und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Schöpfers“[4].



[1] Die Worte „Hamin“ (von) und „Haman“ haben im Hebräischen die gleichen Wurzelbuchstaben.

[2] 1. Buch Moses 3, 11

[3]  Esther 6, 6

[4] 2. Chronik17, 6

 

Shamati 56: Tora heißt "Hinweis"

Ich hörte am 2. Februar 1941

Tora heißt „Hinweis“ (Jora) und leitet sich von „Jaro Irae[1] ab. Gemeint ist, dass zu der Zeit, wenn der Mensch sich mit der Tora beschäftigt, gilt, dass er je nach seinen Anstrengungen in der Tora, seine Entfernung verspürt. Man zeigt ihm also die Wahrheit, und das bedeutet, dass man ihm das Maß seines Glaubens zeigt, was die ganze Grundlage der Wahrheit ist.

Je nach dem Maße des Glaubens, das er hat, baut sich darauf die ganze Grundlage der Erfüllung von Tora und Mizwot auf. Denn dann offenbart sich einem, dass seine ganze Grundlage nur auf der Erziehung aufgebaut ist, die er erhalten hat, da diese Erziehung für ihn ausreicht, um die Tora und Mizwot in allen Details und Feinheiten zu erfüllen; und alles, was von der Erziehung kommt, heißt Glaube innerhalb des Verstandes.

Und obwohl das gegen den Verstand geht - denn der Verstand erfordert, dass er im Maße der Verstärkung der Bemühungen in der Tora sich dem Schöpfer näher fühlen muss – zeigt ihm die Tora jedoch immer mehr die Wahrheit. Dies geschieht dann, wenn der Mensch die Wahrheit sucht. Dann führt ihn die Tora immer näher an die Wahrheit heran, und er sieht das Ausmaß seines Glaubens an den Schöpfer.

Und das hat den Zweck, dass der Mensch um Erbarmen bitten und zum Schöpfer beten kann, dass Dieser ihn tatsächlich an Sich annähern möge, er also des Glaubens an den Schöpfer würdig werden kann. Dann wird er den Schöpfer preisen und Ihm dafür danken können, dass er dessen würdig wurde, dass Er ihn näher an Sich brachte.

Im Gegensatz dazu, wenn der Mensch nicht das Ausmaß seiner Entfernung sieht und denkt, dass er ständig hinzufügt, so folgt daraus, dass er seine Gebäude auf wackeligem Fundament errichte, und keine Möglichkeit hat, zum Schöpfer zu beten, damit Dieser ihn an Sich annähern möge. Folglich hat er keine Möglichkeit, sich darin zu bemühen, vollkommenen Glauben zu erlangen, denn der Mensch bemüht sich nur in dem, was ihm fehlt.

Solange man deshalb noch nicht würdig ist, die Wahrheit zu sehen, ist das Gegenteil der Fall. Je mehr er an Tora und Mizwot hinzufügt, desto mehr fügt er dem Maß seiner Vollkommenheit hinzu und sieht keinen Mangel an sich selbst. Daher hat er keinen Platz, sich anzustrengen und zu beten, um tatsächlich des Glaubens an den Schöpfer gewürdigt zu werden, denn wenn er Verdorbenheit empfindet, sollte man dies als Korrektur bezeichnen.

Doch zu der Zeit, wenn er sich mit Tora und Mizwot auf wahrem Wege beschäftigt, zeigt ihm die Tora die Wahrheit. Denn die Tora hat die Macht, einem den wahren Zustand seines eigenen Glaubens zu zeigen (und das ist der geheime Sinn der Worte „wenn er begreift“ [dass er gesündigt hat]).

Und zu der Zeit, wenn er sich mit der Tora befasst und die Wahrheit sieht, also den Grad seiner Entfernung vom Spirituellen, und er sich als ein solch niederträchtiges Geschöpf sieht, dass es keinen schlechteren Menschen auf der Erdkugel gibt – dann wendet sich die Sitra Achra[2] mit einer anderen Behauptung an ihn: Die Wahrheit ist, dass sein Körper in Wahrheit äußerst hässlich ist und es wirklich keinen hässlicheren Menschen als ihn in der Welt gibt.

Sie sagt ihm das, damit er in Verzweiflung gerät, denn sie befürchtet, dass er sich das zu Herzen nehmen könnte und zu dem Wunsch gelangen könnte, seinen Zustand zu korrigieren; daher willigt sie ein, wenn der Mensch sagt, dass er hässlich ist. Und sie gibt ihm zu verstehen, dass, wenn er mit herausragenderen Talenten und besseren Eigenschaften auf die Welt gekommen wäre, er sein Böses überwinden und korrigieren könnte und eine Anhaftung an den Schöpfer erreichen könnte.

Dazu sollte man ihr antworten, dass das, was sie ihm sagt, im Traktat Ta‘anit angeführt wird, auf der Seite 20: „Rabbi Elasar, der Sohn von Rabbi Shimon, ging aus einem großen Turm, aus dem Haus seines Lehrers, hinaus und ritt auf einem Esel und spazierte am Ufer eines Flusses in großer Freude. Und sein Verstand wirkte auf ihn grob, weil er viel Tora gelernt hatte. So traf er einen Menschen, der ungewöhnlich hässlich war. Dieser sagte zu ihm: „Frieden sei mit dir, Rabbi.“ Doch dieser erwiderte nicht seinen Gruß, sondern er antwortete ihm: „Bedeutungsloser, wie hässlich ist dieser Mensch? Vermutlich sind auch die Bewohner deiner Stadt genauso hässlich wie du.“ Und der Mensch sagte zu ihm: „Ich weiß nicht, aber geh zu dem Meister, der mich erschaffen hat, und sage zu ihm: ‚Wie hässlich ist dieses Gefäß, welches Du erschaffen hast.‘“ Und da er verstand, dass er selbst gesündigt hatte, stieg er vom Esel ab.“

Aus dem oben Gesagten verstehen wir, dass, weil er viel Tora gelernt hat, er würdig wurde, dank ihrer die Wahrheit zu sehen, welch eine Entfernung zwischen ihm und dem Schöpfer liegt. Die Rede ist vom Maß seiner Annäherung und dem Maß seiner Entfernung. Und wenn es heißt, dass sein Verstand grob wurde, dann bedeutet dies, dass er eine ganzheitliche Form des Stolzen erblickte, also seines Willens zu empfangen; und dann sah er die Wahrheit: dass er selbst der hässlichste Mensch ist. Wie sah er die Wahrheit? Dadurch, dass er viel Tora studiert hat.

Und wie soll er daher die Möglichkeit haben, an den Schöpfer anzuhaften, wenn er so hässlich ist? Daher fragte er eben, ob alle Menschen hässlich seien wie er oder ob nur er hässlich sei und die anderen Menschen der Welt nicht hässlich sind.

Wie lautete die Antwort? „Ich weiß es nicht.“ Das bedeutet, dass sie nicht fühlen und daher nicht wissen. Warum empfinden sie nicht? Einfach, weil sie nicht würdig wurden, die Wahrheit zu sehen, weil es ihnen an Tora mangelt, die ihnen die Wahrheit offenbaren wird.

Darauf antwortete ihm Elijahu: „Geh zum Meister, der mich schuf“, weil er sah, dass er zu einem Zustand gelangte, aus welchem er sich nicht erheben kann. Darum erschien Elijahu und sagte zu ihm: „Geh zum Meister, der mich schuf.“ Das bedeutet, dass, da der Schöpfer dich so hässlich schuf, Er selbstverständlich gewusst haben muss, dass man mit diesen Kelim (Gefäßen) zur Vollkommenheit des Ziels gelangen kann; daher sollst du dich nicht sorgen, schreite voran und habe Erfolg.



[1] Im Hebr. das Gleiche für etwas schießen und anzeigen

[2] Die andere, die schlechte Seite, steht der guten Seite gegenüber.

 

Shamati 57: Er opfere ihn Seinem Willen

Ich hörte am 5. Februar 1944

Über den Vers „Er opfere ihn Seinem Willen“[1] sagten unsere Weisen: „Wie? Man nötigt ihn, bis er sagt: ‚Ich will.‘“ Wir müssen auch verstehen, was wir im Gebet sagen: „Möge es Dein Wille sein“[2], denn „mehr als ein Kalb saugen möchte, möchte die Kuh säugen“[3]. Warum sollen wir also beten: „Möge Oben ein Wille sein.“?

Es ist bekannt, dass, um die Fülle von Oben heranzuziehen, ein vorausgehendes Erwachen stattfinden muss. Wir müssen verstehen, warum wir ein Erwachen von unten brauchen, aufgrund dessen wir darum beten, dass es einen Willen von Oben geben möge. Das bedeutet, dass wir einen Willen von Oben erwecken müssen, um unten Einfluss zu haben. 

Es reicht nicht aus, dass wir einen Willen haben, sondern es muss auch vonseiten des Gebers ein guter Wille vorhanden sein. Auch wenn Oben der allgemeine Wille besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, wartet Er dennoch auf unseren Willen, damit dieser Seinen Willen erwecken möge.

Mit anderen Worten: Wenn wir unfähig sind, Seinen Willen zu erwecken, so ist dies ein Zeichen dafür, dass der Wille aufseiten des Empfängers noch immer unvollständig ist. Das heißt, gerade durch das Beten dafür, dass es einen Willen Oben geben möge, wird daher unser Wille zu einem echten Verlangen gemacht, ein geeignetes Kli (Gefäß) zu werden, um die Fülle zu empfangen. 

Gleichzeitig müssen wir sagen, dass alle unsere Taten, ob schlecht oder gut, sich von Oben ausbreiten (was die Bedeutung persönlicher Vorsehung ist), dass der Schöpfer alles tut. Doch zur gleichen Zeit müssen wir unsere schlechten Taten bedauern, obwohl auch diese von Oben kommen.

Der Verstand zwingt uns dazu, nicht zu bedauern, sondern das Urteil zu rechtfertigen, dass wir schlechte Taten verdienen. Gleichwohl ist das Gegenteil der Fall: Wir müssen bedauern, dass es uns nicht erlaubt wird, gute Taten zu vollbringen, was zweifellos Folge der Bestrafung ist, das heißt, dass wir unwürdig sind, dem König zu dienen.

Wenn jede Sache gelenkt wird, wie können wir dann sagen, dass wir unwürdig sind, wenn unten keine Handlung stattfindet? Dafür wurden uns schlechte Gedanken und Wünsche gegeben, die uns von der Arbeit des Schöpfers entfernen, sodass wir nicht würdig sind, Ihm zu dienen. Aus diesem Grunde gibt es dafür ein Gebet, dass dies der Ort der Korrektur sei, um würdig und fähig zu sein, die Arbeit des Königs zu empfangen.

Nun können wir sehen, warum man wegen Unheil betet. Sicherlich muss dieses Unheil als Bestrafung gekommen sein. Und Bestrafungen sind sicherlich Korrekturen, da es eine Regel gibt, dass die Bestrafung eine Korrektur ist. Warum beten wir also, dass der Schöpfer unsere Korrekturen wegnehmen möge?

Unsere Weisen sagen über den Vers: „[damit] dein Bruder vor deinen Augen nicht entwürdigt werde“[4], da der Geschlagene dein Bruder ist.  Man muss wissen, dass das Gebet den Menschen sogar mehr korrigiert als Bestrafungen. Wenn also ein Gebet statt der Bestrafung erscheint, heben wir die Leiden auf und beten stattdessen, damit der Körper korrigiert werde.

Das ist die Bedeutung von dem, was unsere Weisen sagten: „Wurde würdig (hatte verdient), [dann] durch die Tora; wurde nicht würdig (hatte nicht verdient), [dann] durch Leiden.“ Wir müssen wissen, dass der Weg der Tora ein erfolgreicherer Weg ist, der mehr Gewinn bringt als der Weg des Leidens, weil die Kelim (Gefäße), die geeignet sein werden, um das Höhere Licht zu empfangen, weiter sind und man mit ihrer Hilfe Dwekut (Anhaftung) an Ihn erlangen kann.

Das ist die Bedeutung von: „Er wird genötigt, bis er sagt: ‚Ich will.‘“ Das bedeutet, dass der Schöpfer sagt: „Ich will die Taten der Unteren.“

Die Bedeutung des Gebets besteht in dem, was unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer sehnt sich nach dem Gebet der Gerechten“, wenn durch das Gebet die Kelim geeignet gemacht werden, damit der Schöpfer später die Fülle geben kann, da es ein geeignetes Kli gibt, um die Fülle zu empfangen.



[1] 3. Buch Mose 1, 3

[2] Gebetsbuch, Teil des Morgengebets

[3] Talmud, Traktat Psachim 112, 1

[4] 5. Buch Mose 25, 3

 

Shamati 58: Die Freude ist der "Spiegel" guter Taten

Ich hörte am 4. Zwischentag von Sukkot

Die Freude ist der „Spiegel“ der guten Taten: Wenn die Taten [eines Menschen] Taten der Kedusha (Heiligkeit) sind, dann offenbart sich dadurch Freude. Doch man muss wissen, dass es auch den Aspekt der Klipa (Hülle) gibt. Und um zu wissen, ob es sich um Kedusha handelt, findet die Klärung im „Verstand“ statt, denn in der Kedusha gibt es den „Verstand“, wohingegen es in Sitra Achra (die andere Seite) keinen Verstand gibt, denn: „Ein anderer Gott ist unfruchtbar und wird keine Frucht bringen.“ Wenn daher Freude zum Menschen kommt, muss er über die Worte der Tora nachdenken, damit sich ihm der „Verstand“ der Tora enthülle.

Auch müssen wir wissen, dass die Freude höhere Erleuchtung ist, die durch MaN enthüllt wird, was gute Taten sind. Und der Schöpfer urteilt den Menschen „gemäß dessen, wo er ist.“ Mit anderen Worten: „Wenn der Mensch das Joch des Himmlischen Königsreichs für die Ewigkeit auf sich nimmt, so leuchtet hierauf unmittelbar ein höheres Leuchten, was auch den Aspekt der Ewigkeit hat.

Und selbst wenn es für Ihn offensichtlich und Ihm bekannt ist, dass der Mensch alsbald von seiner Stufe abfallen wird, so beurteilt Er ihn dennoch „gemäß dessen, wo er ist.“ Dies bedeutet: „Wenn der Mensch jetzt in seinem Verstand beschlossen hat, das Joch des Himmlischen Königreichs für ewig auf sich zu nehmen, so wird dies als Vollkommenheit angesehen.

Wenn der Mensch jedoch das Joch des Himmlischen Königreichs auf sich nimmt und nicht will, dass dieser Zustand auf ewig in ihm bleibe, dann wird diese Sache und Handlung nicht als Vollkommenheit angesehen, und das höhere Licht kann natürlich nicht kommen und in ihm weilen. Denn es ist vollkommen und ewig und unveränderlich. Beim Menschen hingegen, selbst wenn er es möchte, wird der Zustand, in welchem er sich befindet nicht ewig sein.  

 

Shamati 59: Der Stab und die Schlange

Ich hörte am 23. Februar 1948

„Moses antwortete und sprach: „Siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf mich hören, sondern werden sagen: ‚Der Schöpfer ist dir nicht erschienen ‘“. Der Herr sprach zu ihm: „Was hast du da in deiner Hand?“ Er sprach: „Einen Stab.“ Und Er sprach: „Wirf ihn auf die Erde. Und er warf ihn auf die Erde; da ward er zur Schlange und Moses floh vor ihr.“[1]

Man muss hier verstehen, dass es nur zwei Stufen gibt, entweder Kedusha (Heiligkeit) oder Sitra Achra (die andere Seite), und einen Zwischenzustand gibt es nicht. Sondern aus dem gleichen Stab wird eine Schlange, wenn man ihn auf die Erde wirft.

Und um das zu verstehen, leiten wir mit den Worten der Weisen ein, dass „Er Seine Shechina auf die Bäume und Steine platziert hat“. „Bäume und Steine“ heißen Dinge, die von niedriger Wichtigkeit sind, und gerade dort weilt Seine Shechina, und das ist die Bedeutung der Frage: „Was hast du da in deiner Hand?“

Eine Hand bedeutet Erkenntnis, das Erlangen von „wenn eine Hand erlangt“. „Ein Stab“ bedeutet, dass alle seine Erkenntnisse auf dem Aspekt von geringer Wichtigkeit aufgebaut sind, was Glauben über dem Verstand ist.

(Denn der Glaube gilt in den Augen des Menschen hinsichtlich der Wichtigkeit als etwas von geringer Wichtigkeit und als Nichtiges. Der Mensch schätzt alles, was mit dem Verstand erfasst wird. Wenn jedoch der Verstand des Menschen nicht in der Lage ist, etwas zu erkennen, oder das Erkannte zu seinem Verständnis im Widerspruch steht, dann muss der Mensch sagen, dass der Glaube für ihn von größerer Wichtigkeit als sein Wissen ist. Folglich vermindert er dadurch die Wichtigkeit seines Verstandes und sagt, dass das, was er in seinem Verstand versteht, dem Weg des Schöpfers widerspricht, was bedeutet, dass der Glaube für ihn wichtiger ist als sein Verstand.

Dies ist so, weil der Intellekt, der im Gegensatz zum Weg des Schöpfers steht, nichts wert ist. Vielmehr ist es so, wie geschrieben steht: „Augen haben sie, doch sie sehen nicht; Ohren haben sie, doch sie hören nicht.“ Das heißt, der Mensch annulliert alles, was er sieht und hört. Und das bedeutet, dass er mit dem Glauben über dem Verstand handelt. Doch in den Augen des Menschen sieht es wie Niedrigkeit aus.

Beim Schöpfer dagegen wird der Glaube nicht als Niedrigkeit gewertet. Beim Menschen jedoch, der keine andere Möglichkeit hat und den Weg des Glaubens zu gehen verpflichtet ist – ihm scheint der Glaube bedeutungslos. Der Schöpfer jedoch hätte Seine Shechina außer auf Bäume und Steine auch auf etwas anderes setzen können. Doch Er wählte eigens diesen Weg, genannt „Glauben“. Er muss diesen gewählt haben, weil er besser und erfolgreicher ist. Man sieht, dass Glauben in Seinen Augen nicht als von niederer Wichtigkeit erachtet wird. Ganz im Gegenteil – dieser Weg hat viele Vorteile, doch erscheint er als niedrig in den Augen der Geschöpfe.)

Wenn der Stab auf den Boden geworfen wird und man in einem höheren Aspekt arbeiten möchte, gemeint ist innerhalb des Verstandes, und dabei den Aspekt über dem Verstand erniedrigt und diese Arbeit einem als niedrig vorkommt, dann werden seine Tora und seine Arbeit sofort zur Schlange. Dies ist die Bedeutung der Urschlange. Und dies ist die Bedeutung von: „Jedem, der überheblich ist, sagt der Schöpfer: ‚Er und ich können nicht am gleichen Ort weilen.‘“

Wie wir schon sagten ist der Grund, dass Er Seine Shechina auf Bäume und Steine platziert hat. Wenn nun jemand den Aspekt des Stabes auf den Boden wirft und sich selbst dazu erhebt, mit einer höheren Eigenschaft zu arbeiten, dann ist dies bereits eine Schlange, und es gibt nichts dazwischen – es ist entweder eine Schlange oder Kedusha, da die ganze Tora und die Arbeit, die man von dem Aspekt des Stabes hatte, nun den Aspekt der Schlange annimmt.

Es ist bekannt, dass die Sitra Achra keine Lichter besitzt. Folglich besteht der Wille zu empfangen in der materiellen Welt auch nur aus Mängeln, aber nicht aus der Erfüllung der Mängel. Und das Gefäß des Empfangens verbleibt für immer im Mangel, ohne Füllung, weil einer, der hundert hat, zweihundert will usw.; und der Mensch stirbt, ohne die Hälfte seiner Wünsche erfüllt zu haben.

Dieses breitet sich von den Oberen Wurzeln aus. Die Wurzel der Klipa (Hülle) ist das Empfangsgefäß, und in den 6.000 Jahren haben sie keine Korrektur. Der Zimzum (Einschränkung) herrscht über sie, und folglich fehlen ihnen Lichter und Fülle.

Darum verlocken sie die Menschen, das Licht auf ihre Stufe zu ziehen. Und die Lichter, die man empfängt, indem man an der Kedusha angehaftet ist, da in der Kedusha die Fülle scheint – wenn diese einen Menschen dazu verführen, die Fülle in ihren Zustand zu ziehen, dann empfangen sie dieses Licht. Auf diese Weise herrschen sie über einen Menschen, gemeint ist, sie befriedigen ihn, damit er in dem Zustand in dem er sich befindet, sich nicht von ihnen entfernt.

Daher kann man durch diese Herrschaft nicht vorankommen, weil man keinen Bedarf an einer höheren Stufe hat. Und weil man keinen Bedarf hat, kann man sich selbst mit der kleinsten Bewegung nicht von seinem Platz bewegen.

In diesem Zustand gelingt es einem nicht zu unterscheiden, ob man in der Kedusha vorankommt oder das Gegenteil der Fall ist. Dies ist, weil die Sitra Achra einem mehr Kraft zur Arbeit verleiht, da man sich nun im Verstand befindet und man daher einen Raum hat, nicht in einem niederen Zustand zu arbeiten. Folglich würde man dann unter der Herrschaft der Sitra Achra verbleiben.

Um der Herrschaft der Sitra Achra zu entkommen, machte der Schöpfer eine Korrektur, wobei, sollte man den Aspekt des Stabes verlassen, man sofort in den Aspekt der Schlange verfällt. Der Mensch erreicht sofort Zustände von Fehlschlägen, und er hat keine Kraft, sich zu stärken, es sei denn, er akzeptiert wieder den Aspekt des Glaubens, genannt Niedrigkeit.

Daraus folgt, dass die Fehlschläge selbst den Menschen dazu veranlassen, den Aspekt des Stabes noch einmal auf sich zu nehmen, welcher der Aspekt des Glaubens über dem Verstand ist. Dies ist die Bedeutung von dem, was Moses gesagt hatte: „Doch sie werden mir nicht glauben.“ Es heißt, dass sie nicht den Weg der Arbeit über dem Verstand auf sich nehmen werden wollen.

In diesem Zustand sagte ihm der Schöpfer: „Was ist dies in Deiner Hand? Ein Stab.“ „Wirf‘ ihn auf den Boden“, und dann „wurde er zu einer Schlange“. Es bedeutet, dass es keinen Zwischenzustand zwischen dem Stab und der Schlange gibt. Sondern er gibt eher an, ob man sich in der Kedusha oder in Sitra Achra befindet.

Es stellt sich heraus, dass sie sowieso keine Wahl haben, außer den Aspekt des Glaubens über dem Verstand anzunehmen, der „Stab“ genannt wird. Diesen Stab muss man in der Hand halten; der Stab darf nicht geworfen werden. Dies ist die Bedeutung des Verses: „Der Stab von Aaron blühte.“[2]

Dies bedeutet, dass all die Blüte im Dienen für den Schöpfer ausdrücklich auf dem Stab von Aaron basierte. Dies bedeutet, dass Er uns ein Zeichen geben wollte, um zu wissen, ob wir auf dem Weg der Wahrheit wandeln oder nicht. Er gab uns ein Zeichen, nur die Grundlage der Arbeit kennen zu lernen, gemeint ist, auf welcher Basis man arbeitet. Wenn die Grundlage des Menschen der Stab ist, ist es die Kedusha (Heiligkeit), befindet sich die Basis innerhalb des Verstandes, ist dies nicht die Art und Weise, Kedusha zu erlangen.

In der Arbeit selbst jedoch, gemeint ist in der Tora und im Gebet, gibt es keinen Unterschied zwischen demjenigen, der Ihm dient und dem, der Ihm nicht dient. Dies ist so, weil hier das Gegenteil der Fall ist: Liegt die Grundlage innerhalb des Verstandes, gemeint ist, basiert sie auf Wissen und Empfangen, dann gibt der Körper die Energie zur Arbeit, und man kann standhafter und begeisterter beten und studieren, denn sie basiert auf dem Verstand.

Wählt man jedoch den Weg der Kedusha, deren Basis das Geben und der Glaube ist, dann wird eine ausreichende Vorbereitung vom Menschen gefordert, damit die Kedusha ihm leuchten wird. Ohne Vorbereitung gibt der Körper keine Kraft für die Arbeit ab, und er muss sich immer mehr anstrengen, denn die Wurzel des Menschen ist zu empfangen und innerhalb des Verstandes [zu arbeiten].

Wenn die Arbeit des Menschen nun auf der weltlichen Ebene liegt, kann es einem immer gut gehen. Ist die Arbeit des Menschen jedoch im Aspekt des Gebens und über dem Verstand, dann muss man sich ständig anstrengen, damit man nicht wieder in seine Wurzel von empfangen und innerhalb des Verstandes verfällt.

Man darf seine Aufmerksamkeit nicht für einen Augenblick abwenden, sonst fällt man wieder in die weltliche Wurzel zurück, die „Staub“ genannt wird, wie es geschrieben steht: „Denn vom Staube bist du gekommen und zum Staube kehrst du zurück.“[3] Und dies war nach der Sünde des Baumes der Erkenntnis.

Der Mensch untersucht, ob er in der Kedusha vorankommt oder das Gegenteil geschieht, da „ein anderer Gott unfruchtbar ist und keine Früchte trägt“[4]. Der heilige Sohar gibt uns dieses Zeichen, dass man besonders auf der Basis des Glaubens, genannt „ein Stab“, der Fruchtbarkeit und der Vermehrung in der Tora würdig wird.  Dies ist die Bedeutung von „Der Stab von Aaron blühte“: Die Blüte und das Wachsen geschehen besonders durch den Stab.

So wie ein Mensch daher täglich aufsteht und sich wäscht, um sich des körperlichen Schmutzes zu entledigen, so muss er sich auch von dem Schmutz der Klipa reinwaschen, um  prüfen zu können, ob sein Aspekt des Stabes vollständig ist.

Dies sollte der Mensch fortwährend ausführen. Und sollte er davon abgelenkt werden, gerät er sofort wieder unter die Herrschaft der Sitra Achra, die „empfangen für sich selbst“ genannt wird. Er wird sofort ihr Sklave, da es bekannt ist, dass das Licht das Kli erzeugt, und je nachdem, wie viel er für das Empfangen arbeitet, braucht er nur in dem Ausmaß das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, und er entfernt sich von der Angelegenheit des Gebens.

Nun verstehen wir die Worte unserer Weisen: „Sei sehr, sehr demütig.“ Was ist der Wirbel um „sehr, sehr“? Dies ist so, weil der Mensch die Geschöpfe braucht, wenn er einmal geehrt wurde. Anfänglich empfängt er die Ehre, nicht weil er sich an der Ehre erfreuen wollte, sondern aus anderen Gründen, wie die Ehre der Tora usw. Und er ist sich dieser Berechnung sicher, weil er über sich selbst weiß, dass er überhaupt kein Verlangen nach Ehre hat.

Folglich ist es verständlich, wenn der Mensch meint, dass es ihm erlaubt ist, Ehre zu erhalten. Dennoch ist es verboten, diese zu empfangen, weil das Licht das Gefäß macht. Nachdem man die Ehre empfangen hat, entsteht ein Bedürfnis nach ihr und so ist man bereits in ihrer Herrschaft. Und es ist schwer, sich von der Ehre befreien.

Dadurch wurde der Mensch zur eigenständigen Existenz und er es nun schwer hat, sich vor dem Schöpfer zu annullieren, denn durch die Ehre wurde er zu einem getrennten Teil. Und um Dwekut (Anhaftung) zu erlangen, muss er seine eigene Existenz ganz annullieren. Deswegen [heißt es] „sehr, sehr“. „Sehr“ bedeutet, dass es verboten ist, Ehre für sich selbst zu erhalten, und das andere „sehr“ bedeutet, dass, selbst wenn die Absicht nicht ist, für sich selbst zu erhalten, es dennoch verboten ist, zu empfangen.



[1] 2. Buch Mose 4

[2] 4. Buch Mose 17, 23

[3] Genesis 3, 19

[4] Sohar

 

Shamati 60: Das Gebot, das durch eine Übertretung kommt

Ich hörte am 14. Februar 1943

„Das Gebot, das durch eine Übertretung kommt“ bedeutet, dass wenn der Mensch die [spirituelle] Arbeit auf sich nimmt, um dafür eine Gegenleistung zu erhalten, sich das in zwei Teile aufteilt:

  1. Der Empfang der Arbeit – dies wird als Gebot bezeichnet.
  2. Die Absicht, eine Gegenleistung zu erhalten, wird als Übertretung bezeichnet, da der Empfang ihn von der Heiligkeit zur Sitra Achra[1] überleitet.

Und da die ganze Basis und der ganze Grund dafür, dass er Kraft für die Arbeit erhielt, in der Gegenleistung bestanden haben, bedeutet „Gebot, das kommt“, dass die Übertretung es ist, die den Menschen dazu brachte, ein Gebot zu erfüllen. Daher wird das als „Gebot, das kommt“ bezeichnet, denn das, was das Gebot hervorgebracht hat, ist die Übertretung, die nur in der Gegenleistung besteht.

Und der Rat dafür besteht darin, dass er seine Arbeit im Aspekt von „ohne mehr zu sehen“ verrichten soll, dass seine gesamte Absicht für seine Arbeit auf die Mehrung der Ehre des Himmels in der Welt ausgerichtet sein soll, was heißt, dass er arbeitet, um die Shechina aus dem Staub zu erheben.

Und das Konzept der „Erhebung der Shechina“ besteht darin, dass die heilige Shechina als die Gesamtheit der Seelen bezeichnet wird. Denn sie ist diejenige, die die Fülle (Shefa) vom Schöpfer empfängt und den Seelen gibt. Und was die Fülle den Menschen schenkt und an sie weiterleitet, wird als die „Vereinigung zwischen dem Schöpfer und der Shechina“ bezeichnet, wobei dann die Fülle an die Unteren herangezogen wird. Wenn es aber keine Einigkeit gibt, gibt es keine Anziehung der Fülle an die Unteren.

Noch deutlicher ausgedrückt: Da der Schöpfer den Geschöpfen Genuss schenken wollte, dachte er damit einher sowohl an die Gabe der Fülle als auch an den Empfang der Fülle, also dass die Unteren die Fülle empfangen, und beide waren sie im Potenzial, was bedeutet, dass später Seelen kommen werden und die Fülle aktiv empfangen werden.

Und diejenige, welche die Fülle im Potenzial empfängt, wird als die heilige Shechina bezeichnet, da der Gedanke des Schöpfers eine vollständige Realität ist und keiner Tat bedarf. Daher…der Untere ... (keine Fortsetzung, Abbruch in den Manuskripten)



[1] Die andere, die schlechte Seite, steht der guten Seite gegenüber.

 

Shamati 61: Um Ihn herum stürmt es gewaltig

Ich hörte am 8. April 1948

Unsere Weisen sagen über den Vers: „Und um Ihn herum stürmt es gewaltig“, dass der Schöpfer bei den Gerechten haargenau ist. Er [Baal Sulam] fragte: „Warum erhalten sie eine große Bestrafung, wenn sie doch im Allgemeinen Gerechte sind?“

Die Sache ist, dass alle Grenzen in den Welten, von denen wir sprechen, aus der Perspektive der Empfänger sind, das heißt, indem der Untere sich selbst auf einen bestimmten Grad begrenzt und einschränkt, so bleibt er dementsprechend unten, weil man Oben mit allem, was die Unteren tun, einverstanden ist. Daher breitet sich die Fülle (Shefa) in diesem Maße nach unten aus. Also veranlassen die Unteren durch ihre Gedanken, Worte und Taten, dass sich die Fülle von Oben nach unten ausbreitet.

Es zeigt sich, dass, wenn der Untere eine kleine Tat oder ein kleines Wort als eine große Tat erachtet, wie zum Beispiel eine flüchtige Unterbrechung in der Anhaftung an den Schöpfer als schwerwiegendste Übertretung der Tora anzusehen, man auch Oben der Meinung des Unteren zustimmt und man dies Oben so betrachtet, als hätte er ein großes Verbot übertreten. Also sagt der Gerechte, dass der Schöpfer besonders haargenau mit ihm umgeht, und so wie der Untere sagt, so wird von Oben eingewilligt.

Wenn der Untere ein geringfügiges Verbot nicht als ein ernsthaftes Verbot ansieht, so betrachtet man Oben auch nicht die Kleinigkeiten, gegen die er verstößt, als große Verbote. Dementsprechend wird solch ein Mensch so behandelt, als wäre er ein kleiner Mensch, das heißt, seine Gebote und seine Übertretungen werden als klein angesehen. Sie werden beide als gleich aufgewogen, und er wird generell als ein kleiner Mensch betrachtet.

Derjenige jedoch, der Kleinigkeiten hoch wertet und sagt, dass der Schöpfer in Bezug auf sie so präzise ist wie bei einem Haar, wird als ein großer Mensch angesehen, wobei sowohl seine Übertretungen als auch seine Gebote groß sind.

Entsprechend dem Genuss, den ein Mensch bei der Ausführung eines Gebotes fühlt, kann er in demselben Maß Leiden bei der Übertretung [eines Gebotes] empfinden. Darüber erzählte [Baal HaSulam] ein Gleichnis: Ein Mann hatte ein schreckliches Verbrechen gegen das Königreich begangen und wurde zu zwanzig Jahren Haft und harter Arbeit verurteilt. Das Gefängnis war außerhalb des Landes an irgendeinem einsamen Ort in der Welt. Das Urteil wurde sofort vollstreckt, und er wurde an den einsamen Ort am Ende der Welt geschickt.

Als er dort ankam, fand er andere Menschen, die vom Königreich dazu verurteilt worden waren, auch dort zu sein, doch er erlitt einen Gedächtnisverlust und vergaß, dass er eine Ehefrau und Kinder, Freunde und Bekannte hatte. Er dachte, dass die ganze Welt nicht mehr ist, als das, was das Auge an diesem einsamen Ort sieht, mit den Menschen, die da sind; und dass er dort geboren ist. Mehr als das weiß er nicht. Also entspricht die Wahrheit seinem momentanen Gefühl, und er nimmt keine Rücksicht auf die tatsächliche Wirklichkeit, sondern [handelt] nur entsprechend seinem Wissen und seiner Gefühle.

Dort wurden ihn Gesetze und Regeln gelehrt, damit er nicht noch einmal die Regeln bricht, sich von Straftaten, die dort beschrieben wurden, fernhält und weiß, wie er seine Taten korrigieren kann, damit er aus diesem Ort herausgeholt wird. Aus den Büchern des Königs erfuhr er, dass derjenige, der zum Beispiel gegen ein Gesetz verstößt, in ein verlassenes Stück Land fern jeder Ansiedlung gesandt wird. Er war von der harten Bestrafung beeindruckt und war bekümmert, warum solch harte Bestrafungen gegeben wurden.

Doch er hätte niemals angenommen, dass er derjenige war, der gegen die Gesetze des Staates verstoßen hatte, dass er hart verurteilt wurde und das Urteil vollstreckt wurde. Und da er Gedächtnisverlust erlitt, würde er niemals seinen tatsächlichen Zustand wahrnehmen.

Das ist die Bedeutung von: „Und rings um Ihn stürmt es gewaltig.“ Der Mensch muss jede seiner Bewegungen prüfen und sich so betrachten, als hätte er selbst bereits gegen das Gebot des Königs verstoßen und als hätte man ihn bereits aus seinem Wohnort verbannt. Und durch viele gute Taten beginnt sein Gedächtnis zu arbeiten, und er beginnt zu fühlen, wie weit weg er vom bewohnten Ort der Welt ist.

Er beginnt zu bereuen, bis er von dort erlöst und an den Wohnort zurückgebracht wird. Und dieses Gefühl resultiert eben aus der Arbeit des Menschen. Er beginnt zu fühlen, dass er sich weit von seinem Ursprung und seiner Wurzel entfernt hat, bis er schließlich der Anhaftung an den Schöpfer würdig wird.

 

Shamati 62: Abstiege und Antriebe, Aufstiege und Anklagen

Ich hörte am 19. Adar Alef, dem 29. Februar 1948

Abstiege und Antriebe, Aufstiege und Anklagen“. Der Mensch muss sich selbst ständig eingehend prüfen, ob seine Tora und seine Arbeit nicht in die Tiefen des Abgrunds absteigen. Dies ist so, da seine Größe an seinem Maß an Dwekut (Anheftung) an den Schöpfer gemessen wird, was bedeutet, am Maß seiner Annullierung vor dem Schöpfer.

 

In anderen Worten, die Selbstliebe ist keiner Erwähnung würdig, sondern man wünscht sich, sein Selbst vollständig zu annullieren. Dies ist so, das Maß seiner Arbeit in einem, der arbeitet, um zu empfangen, das Maß der Größe seines Selbst ist. Zu diesem Zeitpunkt wird er zu einem Wesen, einem Objekt und eine getrennte Herrschaft. In diesem Zustand ist es für ihn schwierig, sich vor dem Schöpfer zu annullieren.

Jedoch, wenn der Mensch um zu geben arbeitet, und wenn er seine Arbeit vollendet, was bedeutet, dass er seine gesamten Gefäße des ‚Empfangens für sich selbst‘ von dem, was er von der Wurzel seiner Seele her besitzt, korrigiert hat, dann hat er nichts mehr in der Welt zu tun. Daraus folgt, dass man nur an diesen Punkt denken und sich lediglich darauf konzentrieren sollte.

Und als Zeichen dafür, dass der Mensch auf dem Pfad der Wahrheit wandelt, kann er sehen, ob er sich in der Form des „Absteigens und Antreibens“ befindet, was bedeutet, dass sich seine gesamte Arbeit in einem Zustand des Abstiegs befindet. In diesem Zustand befindet der Mensch sich in der Macht der Sitra Achra, (der anderen Seite), und dann steigt er auf und klagt an, was bedeutet, man empfindet sich selbst in einem Zustand des Aufstiegs und klagt über andere. Jedoch, einer, der in Reinheit arbeitet, kann sich nicht über die Anderen beklagen, denn er beklagt sich immer über sich selbst und sieht die Anderen auf einer besseren Stufe, als er sich selbst empfindet

 

Shamati 63. Mir wurde geliehen, und ich zahle zurück

Ich hörte am Ausgang des Shabbat 1938

Verstehe, was unsere Weisen sagten: „Mir wurde geliehen, und ich zahle zurück.“[1] Dies bedeutet, dass der Zweck der Erschaffung von Himmel und Erde das Licht des Shabbats war. Dieses Licht sollte den Unteren offenbart werden, und dieser Zweck wird durch die Tora und Mizwot und gute Taten enthüllt.

Und Gmar Tikun (das Ende der Korrektur) bedeutet, dass dieses Licht in seiner Vollkommenheit durch das Erwachen von unten erscheinen wird, was bedeutet, dass ihm die Tora und Mizwot vorausgegangen sind.

Vor Gmar Tikun jedoch gibt es ebenfalls einen Aspekt von Shabbat, genannt „eine Art  kommende Welt – Olam haBa“, wenn das Licht von Shabbat sowohl im Individuum als auch im Allgemeinen als Ganzes erstrahlt.

Und dieses Licht vom Shabbat kommt auf Kredit, das heißt ohne vorausgegangene Anstrengung, sondern man zahlt den ganzen Kredit [erst] hinterher zurück. Mit anderen Worten: Hinterher wird man all die Bemühungen geben, die man vor der Erlangung des Lichtes hätte geben sollen – man bezahlt hinterher.

Dies ist die Bedeutung von „Mir wurde geliehen“, was bedeutet, das Licht von Shabbat auf Kredit heranzuziehen, und „ich zahle zurück“, gemäß dem Vers „und offenes Haar auf dem Kopf der Frau“[2]. Dies bedeutet, dass der Schöpfer dieses Licht nur offenbaren wird, wenn Israel ausleihen wird, das heißt [Licht] heranziehen wird. Obwohl sie dessen noch nicht würdig sind, kann man [Licht] auf Kredit heranziehen.



[1] Talmud, Traktat Beiza 15b

[2] Im Hebräischen haben sowohl „zahle zurück“ als auch „und ungepflegtes Haar“ dieselben Wurzelbuchstaben.

 

Shamati 64. Von lo liShma kommt man zu liShma

Ich hörte am 27. Dezember 1947

Von lo liShma kommt man zu liShma. Wenn wir besonders aufmerksam hinschauen, so können wir sagen, dass die Zeit von lo liShma die wichtigere ist, da es in dieser Zeit einfacher ist, das eigene Tun mit dem Schöpfer zu verbinden.

Das ist so, weil in liShma der Mensch sagt, dass er eine gute Tat vollbracht hat, weil er dem Schöpfer in Vollkommenheit dient und alle seine Taten für den Schöpfer sind. Daraus folgt, dass ihm die Handlung eigen ist.

Wenn sich jedoch der Mensch mit lo liShma beschäftigt, so tut er die gute Tat nicht für den Schöpfer. Es stellt sich heraus, dass der Mensch nicht mit einer Klage zu Ihm kommen kann, dass er eine Belohnung verdiene. Somit schuldet ihm der Schöpfer nichts.

Warum beging er also die gute Tat? Nur, weil der Schöpfer ihm diese Gelegenheit gab, damit diese SaM ihn verpflichten und zwingen würde, sie auszuführen.

Wenn der Mensch zum Beispiel Gäste hat und sich schämt, nichtsnutzig herumzusitzen, so nimmt er das Buch und studiert Tora. Für wen studiert er also Tora? Es ist nicht für die Mizwa (Gebot) des Schöpfers, also nicht, um in den Augen des Schöpfers Gefallen zu finden, sondern für die Gäste, die in sein Haus kamen, um in den Augen dieser Menschen Gefallen zu finden. Also wie kann der Mensch dann eine Belohnung vom Schöpfer ersuchen für diese Tora, mit welcher er sich um der Gäste willen befasste? Daraus folgt, dass der Schöpfer ihm nichts schuldig ist, sondern er stattdessen seine Gäste verpflichten muss, ihn zu belohnen, etwa ihn zu ehren, weil er die Tora studiert. Den Schöpfer kann der Mensch jedoch in keiner Weise verpflichten.

Wenn der Mensch sich einer Selbstprüfung unterzieht und sagt: „Endlich befasse ich mich mit der Tora“, und er verwirft die Ursache, also die Gäste, und sagt, dass er nun nur für den Schöpfer arbeitet, so muss er sofort sagen, dass alles von Oben gelenkt wird. Das bedeutet, dass der Schöpfer ihm zu seinem Verdienst die Beschäftigung mit der Tora gewähren und ihm eine wahrhaftige Ursache geben wollte, obwohl er nicht würdig ist, die Wahrheit zu empfangen. Also gab ihm der Schöpfer einen falschen Grund, damit der Mensch sich aufgrund dieser Lüge mit der Tora beschäftigt.

Daraus  folgt, dass der Schöpfer der Handelnde ist und nicht der Mensch. Überdies muss der Mensch dann den Schöpfer preisen, dass Er ihn sogar in dem Zustand der Niedrigkeit, in dem er sich befindet, nicht verlässt und ihm Kraft gibt, also Motivation, um sich mit den Worten der Tora zu beschäftigen.

Man sieht, dass man bemerkt, wenn man dieser Handlung Aufmerksamkeit schenkt, dass der Schöpfer der Handelnde ist, in der Form von „Er allein vollbringt alle Taten und wird sie vollbringen.“ Doch der Mensch investiert keine Handlung in die gute Tat. Er vollbringt zwar eine Mizwa, doch er tut dies nicht für die Mizwa, sondern aus einer anderen Ursache heraus (für den Menschen), einer Ursache, die sich aus der Trennung ergibt.

Die Wahrheit ist, dass der Schöpfer die Ursache ist und Er der Grund ist, der ihn verpflichtet, der Schöpfer jedoch für ihn in eine andere Kleidung gehüllt ist, nicht in die Kleidung der Mizwa, sondern in die Kleidung einer anderen Furcht oder einer anderen Liebe. Daraus folgt, dass es während vollkommener lo liShma einfacher ist, die gute Tat zuzuordnen und zu sagen, dass der Schöpfer derjenige ist, der die gute Tat vollzieht und nicht der Mensch. Das ist einfach, weil der Mensch die Handlung nicht für eine Mizwa tun möchte, sondern aus einem anderen Grund.

In liShma jedoch weiß der Mensch in seinem Inneren, dass er wegen der Mizwa arbeitet, das bedeutet, dass er selbst die Ursache ist, das heißt, nicht weil der Schöpfer ihm die Idee und den Wunsch, die Mizwa auszuführen, in sein Herz einpflanzte, sondern weil er selbst dies wählte. Die Wahrheit ist, dass all das vom Schöpfer getan wurde, doch der Mensch kann keine persönliche Lenkung erlangen, bevor er nicht das Prinzip von Belohnung und Strafe erfasst hat.

 

Shamati 65. Über das Offenbarte und das Verborgene

Ich hörte am 18. Januar 1942 in Jerusalem 


Es steht geschrieben: „Das Verborgene gehört dem Schöpfer, unserem Gott, aber das Offenbarte gehört uns und unseren Kindern auf ewig, dass wir alle Worte dieser Lehre tun mögen.“

Wir sollten fragen: „Was möchte uns der Wortlaut, dass das Verborgene dem Schöpfer gehört, sagen?“ Wir sollten nicht meinen, dass „verborgen“ nicht zu ereichen und „offenbart“ erreichbar bedeutet. Wir können sehen, dass es Menschen mit Kenntnis im verborgenen Teil gibt, so wie es Menschen gibt, die keine Kenntnis im offenbarten Teil haben. Und man kann nicht sagen, dies bedeute, es gebe mehr Menschen mit Kenntnis im offenbarten Teil als im verborgen Teil. (Wenn doch, so ist ihnen nur ein Teil des Ganzen gegeben.)
 
Die Sache ist die, dass wir in dieser Welt sehen, dass es Handlungen gibt, die unseren Augen als Handlungen offenbart sind. Dies bedeutet, dass die Hand des Menschen dort beteiligt ist. Andererseits gibt es Handlungen, wo wir sehen, dass Dinge vollbracht wurden – aber der Mensch kann dort nicht das Geringste tun, stattdessen wirkt dort eine verborgene Kraft.

Es ist, wie unsere Weisen sagten: „Es gibt drei Teilhaber am Menschen – den Schöpfer, seinen Vater und seine Mutter.“ Der offenbarte Teil ist das Gebot „Seid fruchtbar und vermehret euch!“ Diese Handlung geschieht durch die Eltern. Und wenn die Eltern ihre Sache gut machen, setzt der Schöpfer eine Seele in das Neugeborene ein. Dies bedeutet, dass seine Eltern den offenbarten Teil ausführen, da sie nur den offenbarten Teil ausführen können, aber zum verborgenen Teil – die Seele in das Neugeborene einzusetzen  – können die Eltern nichts tun; nur der Schöpfer selbst führt diese Sache aus.
 
Gleichermaßen müssen wir bei den Mizwot nur den offenbarten Teil ausführen, da wir nur hier handeln können, das heißt uns mit Tora und Mizwot zu beschäftigen in Form von „Ausführender Seines Wortes.“ Jedoch im verborgenen Teil, was die Seele in der Befolgung der Tora und Mizwot betrifft, dort kann der Mensch nicht das Geringste tun. Und wenn man die Tora und Mizwot im Handeln befolgt, was „ausführen“ heißt, sollte man zum Schöpfer beten, dass Er den verhüllten Teil ausführt, was bedeutet, dass Er den Aspekt der Seele in unseren Anteil der Handlung einbringt.

Dieser praktische Teil der Handlung heißt „Kerze einer Mizwa“, denn dies sind nur Kerzen, die durch die Tora ([das] Licht) angezündet werden müssen. Das Licht der Tora entfacht die Mizwa und gibt die Seele und die Lebendigkeit in den praktischen Teil, wie im Beispiel des Neugeborenen, wo es drei Teilhaber gibt.

Und das ist die Bedeutung von „das Enthüllte ist unseres“, was bedeutet, dass wir in der Form von „Alles, was in deiner Hand und in deiner Kraft steht zu tun, das tue!“ handeln müssen. Und nur hier können wir handeln; wohingegen das Erfassen der Seele und der Lebendigkeit vom Schöpfer abhängig sind.
 
Und das ist die Bedeutung von „Das Verborgene gehört dem Schöpfer, unserem Gott.“ Der Schöpfer verspricht uns, dass, wenn wir den Anteil ausführen, der uns offenbart ist, das heißt im praktischen Teil nach den Bedingungen der Tora und Mizwot zu handeln, dann wird der Schöpfer eine Seele in unsere Handlungen eingeben. Bevor wir allerdings des Offenbarten, genannt „eine Seele“,  gewürdigt werden, ist unser offenbarter Teil wie ein Körper ohne Seele. Daher müssen wir des verborgenen Teils würdig werden, und dies liegt einzig in der Hand des Schöpfers.

 

Shamati 67. Weiche vom Bösen!

Ich hörte nach dem Sukkotfest am 5. Oktober 1942, in Jerusalem

Bei „Weiche vom Bösen“[1] muss man vorsichtig sein, um die vier Bünde zu wahren.

1. Brit Ejnaim (der Bund der Augen) – sich davor zu hüten, Frauen anzusehen. Und dieses Verbot des Ansehens existiert nicht deshalb, weil es zum Nachsinnen führen kann. Der Beweis dafür liegt darin, dass dieses Verbot auch für einen hundertjährigen Greis gilt. Sondern der wahre Grund ist, dass es einer sehr hohen Wurzel entspringt. Die Vorsicht liegt darin, dass, wenn er sich nicht davor hütet [Frauen anzuschauen], er auch, Gott behüte, zu einem Zustand gelangen kann, die Heilige Shechina  (göttliche Gegenwart) zu betrachten. Und verstehe dies.

2. Der Bund des Wortes – der darauf verweist, bei  „Wahrheit und Lüge“ vorsichtig zu sein. Die Klärungen, welche nach dem Sündenfall Adams die wichtigsten sind, beziehen sich auf die Klärung von „Wahrheit und Lüge.“ Denn vor der Sünde am Baum der Erkenntnis waren die Klärungen nach dem Prinzip von „bitter und süß.“ Wenn diese Klärung jedoch in Bezug auf „Wahrheit und Lüge“ stattfindet, ist sie vollkommen anders. Manchmal beginnt sie süß und endet bitter. Folglich gibt es eine Wirklichkeit, die bitter, aber dennoch wahr ist.

Daher muss man sehr vorsichtig sein, seine Worte nicht zu ändern. Und auch wenn man denkt, dass man nur seinen Freund anlügt, so muss man doch wissen, dass der Körper wie eine Maschine ist, und so, wie sie gewohnt ist zu arbeiten, so handelt sie auch weiter. Wenn der Körper daher an Lüge und Betrug gewöhnt wird, so ist es unmöglich, anders zu handeln, und deshalb wird der Mensch, wenn er mit sich allein ist, gezwungen, mit Lüge und Betrug weiterzumachen.

Daraus folgt, dass der Mensch gezwungen ist, sich selbst zu betrügen, und absolut unfähig ist, sich selbst die Wahrheit einzugestehen, da er keinen Vorzug an der Wahrheit erkennt.

Und man kann sagen, dass derjenige, der denkt, dass er seinen Freund betrügt, niemand anderen als den Schöpfer betrügt, da es außerhalb des Körpers des Menschen nur den Schöpfer gibt. Denn aus der Grundlage der Schöpfung resultiert, dass der Mensch nur in seiner eigenen Wahrnehmung als Geschöpf bezeichnet wird, weil der Schöpfer wünscht, dass der Mensch sich als von Ihm getrennt existierend wahrnimmt. Doch abgesehen davon „ist die gesamte Erde voll Seiner Ehre.“

Wenn man daher seinen Freund belügt, belügt man den Schöpfer, und wenn man den Freund traurig macht, dann macht man den Schöpfer traurig. Sollte der Mensch jedoch die Gewohnheit haben, immer die Wahrheit zu sprechen, dann wird ihm das bezüglich des Schöpfers Nutzen bringen. Das heißt, wenn er dem Schöpfer etwas versprochen hat, dann wird er sein Versprechen halten wollen, weil er es nicht gewohnt ist, seine Worte zu ändern, und dadurch wird er mit „Der Schöpfer ist dein Schatten“ belohnt. Wenn der Mensch beständig bleibt und hält und tut, was er sagt, dann wird auch der Schöpfer ihm gegenüber das Gesagte erfüllen: „Gesegnet sei er, der sagt und tut.“

In der Wahrung des Wortes gibt es eine Regel, nicht über alles Mögliche offen zu sprechen, da man durch das Sprechen sein Herz offenbart. Dadurch hätte Sitra Achra die Möglichkeit, an der Heiligkeit anzuhaften. Denn solange der Mensch nicht vollkommen rein ist, und wenn er ein wenig von seinem Inneren offenbart, so bekommt Sitra Achra (die andere Seite) die Möglichkeit, ihn Oben zu beschuldigen und seine Arbeit zu verspotten. Und sie sagt: „Welche Arbeit erbringt er dem Höheren? Seine gesamten Absichten bei der Arbeit sind doch nach unten ausgerichtet!“

Und darin besteht die Antwort auf die schwierigste Frage. Denn es ist bekannt, dass „das Ausführen einer Mizwa (eines Gebotes) eine andere Mizwa nach sich zieht.“ Warum sehen wir dann aber oftmals, dass ein Mensch von seiner Arbeit abfällt?

Die Sache ist so, wie Oben beschrieben. Weil die Sitra Achra über seine Arbeit übel spricht und dann herabsteigt und seine Seele nimmt. Das heißt, nachdem sie sich beim Schöpfer beklagt hat und gesagt hat, dass die Arbeit des Menschen nicht rein sei und er arbeite, um für sich selbst zu empfangen, steigt sie herab und nimmt ihm seine Seele des Lebens, indem sie ihn fragt: „Was bringt Dir diese Arbeit?“ Und dann, sogar wenn der Mensch bereits eines gewissen Leuchtens der Seele des Lebens würdig wurde, verliert er es wieder.

Und der Rat dazu besteht in „Bescheidenheit zu gehen“, damit die Sitra Achra nicht von der Arbeit des Menschen erfährt, wie es geschrieben steht: „Das Herz offenbart nicht dem Mund.“ Dann weiß auch die Sitra Achra nichts von seiner Arbeit, weil sie nur das weiß, was sich durch Worte und Handlungen eröffnet, und daran kann sie sich klammern.

Man muss wissen, dass Leiden und Schläge hauptsächlich durch Ankläger kommen. Daher muss man sich so weit wie möglich vor dem Sprechen hüten. Mehr als das, man muss wissen, dass sogar wenn man von etwas Alltäglichem spricht, sich ebenfalls die Geheimnisse des Herzens offenbaren, wie es geschrieben steht: „Meine Seele war außer sich, als er redete.“ Und davor muss man sich hüten, worauf der „Bund des Wortes“ verweist.

Und mehr als alles andere muss man sich während eines Aufstiegs hüten, weil es während eines Abfalls schwer ist, sich zu halten und eine hohe Stufe zu bewahren.



[1] Psalmen 37, 27

 

Shamati 66. Die Gabe der Tora

Ich hörte während einer Mahlzeit am Vorabend von Shawuot 1948

Die Angelegenheit der Gabe der Tora, die auf dem Berge Sinai geschah, bedeutet nicht, dass die Tora einmal gegeben wurde und das Geben dann aufhörte. Vielmehr ist es so, dass es in der Spiritualität keine Abwesenheit gibt, da die Spiritualität eine ewige, unendliche Sache ist. Aber da wir aus der Sicht des Gebenden ungeeignet sind, die Tora zu empfangen, sagen wir, dass die Unterbrechung vom Höheren ausgeht.

Damals jedoch, am Fuße des Berges Sinai, war ganz Israel zum Empfang der Tora bereit, so wie geschrieben steht: „Dort, am Fuße des Berges, lagerte das Volk Israel wie ein einziger Mensch in einem Herzen.“ Zu jener Zeit waren alle bereit. Sie hatten nur eine Absicht, einen einzigen Gedanken: die Tora zu empfangen.

Vonseiten des Gebenden jedoch gibt es keine Veränderungen – Er gibt immerzu. So wie es im Namen von Baal Shem Tov geschrieben steht, dass der Mensch jeden Tag die zehn Gebote auf dem Berg Sinai hören muss.

Die Tora wird „Lebenselixier“ und [auch] „Todesdroge“ genannt. Wir müssen verstehen, wie zwei gegensätzliche Dinge über einen einzigen Gegenstand gesagt werden können.

Man muss wissen, dass wir keine Wirklichkeit so erkennen können, wie sie an sich ist, sondern wir erkennen alles nur gemäß unseren Gefühlen. Und die Wirklichkeit, so wie sie an sich ist, interessiert uns überhaupt nicht. Daher erkennen wir die Tora, so wie sie wirklich ist, überhaupt nicht, sondern wir nehmen nur unsere Gefühle wahr. Und alle unsere Eindrücke geschehen nur gemäß unseren Gefühlen.

Deshalb kann jene Tora zu der Zeit, in der ein Mensch die Tora lernt und sie ihn von der Liebe zum Schöpfer entfernt, sicherlich „Todesdroge“[1] genannt werden.

Und umgekehrt: Wenn die Tora, die er lernt, ihn an die Liebe zum Schöpfer annähert, dann kann sie gewiss „Lebenselixier“ genannt werden.

Doch die Tora an sich, das heißt die Wirklichkeit der Tora, so wie sie an sich ist, die den Unteren, der sie erlangen muss, nicht berücksichtigt, wird als „Licht ohne Kli“ betrachtet, wo es keinerlei Erkenntnis gibt. Wenn man daher über die Tora spricht, dann sind die Gefühle gemeint, die ein Mensch von der Tora erhält, und nur sie bestimmen die Wirklichkeit der Geschöpfe.

Und zu der Zeit, wo der Mensch zum eigenen Nutzen arbeitet, wird dies lo LiShma (nicht für Ihren Namen) genannt. Jedoch gelangt man von lo LiShma zu LiShma (für Ihren Namen). Wenn der Mensch daher noch nicht des Empfangs der Tora würdig wurde, dann hofft er, dass er im kommenden Jahr mit dem Empfang der Tora belohnt wird. Nachdem der Mensch jedoch den Zustand der Ganzheit von LiShma erlangt hat, hat er in dieser Welt (Olam haSe) bereits nichts mehr zu tun, da er alles korrigiert hat, auf dass er in der Ganzheit von LiShma sei.

Daher gibt es Jahr für Jahr eine Zeit für den Empfang der Tora, da diese Zeit für ein Erwachen von unten geeignet ist. Weil dann die Zeit erwacht, als bei den Unteren das Licht von der Gabe der Tora offenbart war. Daher gibt es ein Erwecken von Oben, das den Unteren Kraft gibt, auf dass sie die Handlungen der Eignung zum Empfang der Tora vollbringen können – so wie sie einst bereit waren, die Tora zu empfangen.

Deshalb geht der Mensch, wenn er auf dem Weg geht, der ihn von lo liShma zu liShma führt, auf dem Weg der Wahrheit. Und er muss hoffen, dass er letztendlich liShma erlangt und mit dem Empfang der Tora belohnt wird.

Er muss jedoch vorsichtig sein, dass er das Ziel stets vor Augen hat, sonst geht er auf der verkehrten Linie, da die Wurzel des Körpers das Empfangen für sich selbst ist. Deshalb zieht er immer zur eigenen Wurzel, was Empfangen um zu empfangen ist, das Gegenteil der Tora, welche „der Baum des Lebens“ genannt wird. Daher wird die Tora vom Körper als Todesdroge betrachtet.



[1] wörtlich: Gift des Todes

 

Shamati 69. Zuerst wird die Korrektur der Welt sein

Ich hörte im Juni 1943

Er [Baal Sulam] sagte, dass zuerst die Korrektur der Welt sein wird, und danach wird es die vollkommene Befreiung geben, die Ankunft des Messias. Das ist die Bedeutung von „deine Augen werden deinen Lehrer sehen“ […] und „die ganze Erde wird sich mit dem Wissen [des Schöpfers] füllen.“ Dies ist die Bedeutung von dem, was er schrieb, dass zuerst der innere Teil der Welten und danach der äußere Teil der Welten korrigiert wird. Doch wir müssen wissen, dass die Korrektur der Äußerlichkeit der Welten eine höhere Stufe ist als die Korrektur der Innerlichkeit.

Und die Wurzel Israels stammt aus der Innerlichkeit der Welten. Das ist die Bedeutung von „denn ihr seid die Wenigsten von allen Völkern.“ Doch mithilfe der Korrektur der Innerlichkeit wird dann auch die Äußerlichkeit korrigiert, nur in kleinen Teilen. Und die Äußerlichkeit wird solange korrigiert (bis sich Groschen für Groschen zu einem großen Betrag summieren), bis schließlich die ganze Äußerlichkeit korrigiert sein wird.

Den Hauptunterschied zwischen der Korrektur des inneren Teils und der Korrektur des äußeren Teils kann man dem Beispiel entnehmen, wenn der Mensch eine bestimmte Mizwa ausführt und nicht alle seine Organe (Wünsche) damit einverstanden sind. Und dies gleicht einem Menschen, der fastet. Dann sagt man, dass nur seine Innerlichkeit mit dem Fasten einverstanden ist, aber seine Äußerlichkeit ein unangenehmes Gefühl vom Fasten hat, denn der Körper befindet sich immer im Widerstand gegen die Seele. Somit sollte der Unterschied zwischen Israel und den Völkern der Welt nur in Bezug auf die Seele getroffen werden; aber in ihrem Körper sind sie gleich, denn auch der Körper Israels kümmert sich nur um sich selbst.

Deshalb wird natürlich auch die ganze Welt korrigiert, sobald die einzelnen Teile in der Gesamtheit Israels korrigiert sind. Daher werden in dem Maße, wie wir uns selbst korrigieren, eben auch die Völker der Welt korrigiert. Daher sagten die Weisen: „Wurde er würdig – so neigt er sich selbst und auch die ganze Welt zur Waagschale des Verdienstes.“ Sie sagten nicht: „neigt die Gesamtheit Israels“, sondern „die ganze Welt zur Waagschale des Verdienstes.“ Mit anderen Worten: Die Innerlichkeit wird die Äußerlichkeit korrigieren.



 

Shamati 68 Die Verbindung des Menschen zu den Sefirot

Ich hörte am 17. Februar 1943

Vor dem Sündenfall von Adam haRishon bestand sein Guf (Körper) aus Bina und Malchut de Malchut der Welt Assija. Und es gab in ihm [die Lichter] NaRaN der Welt Brija und NaRaN der Welt Azilut.

Und nachdem er sündigte fiel der Guf von Adam in Mishcha de Chivia (Schlangenhaut), welche die Klipa der Bchina Dalet ist und als „Staub dieser Welt“ bezeichnet wird. In ihrem Inneren befindet sich der innere Guf de Klipat Noga, die halb Gutes, halb Böses darstellt. Und alle guten Handlungen, die er macht, [macht] er nur mit seinem Guf von Noga. Durch seine Beschäftigung mit der Tora und Mizwot führt er diesen Guf dazu zurück, dass er wieder vollständig gut wird. Und der Guf von Mishcha de Chivia trennt sich von ihm.  Und dann erlangt er gemäß seiner Handlungen die Lichter NaRaN de Kedusha.

Die Verbindung der Lichter NaRaN des Menschen zu den Sefirot:

Das Wesen der Lichter NaRaN des Menschen ist die Bchina Malchut der drei Sefirot: Bina und SoN in jeder der Welten ABYA. Wenn er NaRaN von Nefesh würdig wird, so empfängt er es von den drei Bchinot Malchut von Bina und [Malchut von] SoN der Welt Assija. Wenn er NaRaN von Ruach würdig wird, so empfängt er es von den drei Bchinot Malchut von Bina und SoN der Welt Yezira. Und wenn er NaRaN von Neshama würdig wird, so empfängt er von den drei Bchinot Malchut von Bina und SoN der Welt Brija. Wenn er NaRaN von Chaja würdig wird, so empfängt er von den drei Bchinot von Malchut von Bina und SoN der Welt Azilut.

Darüber sagten die Weisen: Der Mensch denkt nur ausgehend von dem Sinnen seines Herzens“, wobei sein ganzer Körper (Guf)  als „Herz“ angesehen wird.“ Der Mensch besteht zwar aus den vier Bchinot von „unbewegt“, „pflanzlich“, „lebend“, „menschlich“ - doch sie alle sind im Herzen [des Menschen] festgehalten.

Da nach der Sünde der Guf von Adam haRishon in Mishcha de Chivia fiel, welche die Klipa von Bchina Dalet darstellt, bezeichnet als "Staub dieser Welt", gehen, wenn der Mensch nachdenkt, alle seinen Gedanken von seinem Herzen aus, d. h. von seinem Guf im Aspekt Mishcha de Chivia.

Und wenn er dies mithilfe der Beschäftigung mit Tora und Mizwot überwindet, die das einzige Hilfsmittel zur Erreichung der Möglichkeit des Gebens an den Schöpfer darstellt, dann reinigen diese Tora und Mizwot seinen Guf, wenn er die Absicht hat, dem Schöpfer zu geben. Das bedeutet, dass sich Mishcha de Chivia von ihm löst, und die vorhergehende Arbeit in Tora und Mizwot, die „Klipat Noga“ genannt und die als Aspekt des inneren Guf erachtet wird, welche halb gut und halb böse war, wird nun gänzlich gut, denn der Mensch erreicht eine Übereinstimmung der Eigenschaften mit dem Schöpfer.

Und dann wird der Mensch entsprechend seinen Handlungen NaRaN de Kedusha gewürdigt. Zunächst erkennt er NaRaN de Nefesh der Welt Assija. Dann, nachdem er alle Unterscheidungen, die zur Welt Assija gehören, klärt, wird er NaRaN de Ruach der Welt Yezira würdig, bis er schließlich NaRaN de Chaja der Welt Azilut erlangt. Also entsteht in seinem Herzen jedes Mal eine andere Struktur. Das bedeutet, an der Stelle, wo er zuvor den inneren Guf der Klipat Noga hatte, welche halb gut und halb böse war, wird nun dieser Guf mittels der Reinigung, die er [bei der Beschäftigung] mit Tora und Mizwot erfuhr, gänzlich gut.

Als der Mensch den Guf im Aspekt Mishcha de Chivia (Schlangenhaut) hatte, konnte er nur ausgehend von dem Sinnen des Herzen denken und erkennen. Das bedeutet, dass seine Gedanken nur darauf ausgerichtet waren, die Wünsche zu erfüllen, zu denen ihn die Klipa zwang, und er keinerlei Möglichkeit hatte, Gedanken zu denken und die Absicht anders auszurichten als nur ausgehend davon, was sein Herz beherrschte. Und sein Herz war damals Mishcha de Chivia, welche die schlimmste aller Klipot ist.

Wenn er daher mithilfe der Beschäftigung mit Tora und Mizwot, sogar in lo liShma (nicht für Ihren Namen), vom Schöpfer fordert und Ihn bittet, Er möge ihm durch seine Beschäftigung in Tora um Mizwot helfen, alles zu tun, was in der Kraft des Menschen steht, und er vom Schöpfer Gnade erwartet, damit Er ihm helfen möge, dadurch liShma zu erreichen, und die ganze Belohnung, die er vom Schöpfer für seine Mühen einfordert, darin besteht, würdig zu werden, dem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten, wie die Weisen sagten: „Das Licht in ihr führt ihn zum Guten zurück.“ – also reinigt sich nun der Guf der Mishcha de Chivia, d. h. dieser Guf trennt sich von ihm, und der Mensch wird einer vollkommen anderen Struktur würdig – der Struktur von Nefesh der Welt Assija.

Doch wenn er an Anstrengungen hinzufügt und weiter geht, bis er schließlich die Struktur von Nefesh und Ruach von Bina, und von SA und Malchut von Azilut erreicht - sogar dann hat er keine Wahl, an etwas anderes zu denken, außer an das, wozu ihn die neue Struktur der Kedusha (Heiligkeit) verpflichtet. Das heißt er hat keine Möglichkeit, an etwas zu denken, was seiner Struktur widerspricht, sondern er ist gezwungen, zu denken und nur mit der Absicht zu handeln, dem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten, so wie ihn dazu seine eigene Struktur der Kedusha verpflichtet.

Aus dem Gesagten folgt, dass der Mensch seine Gedanken nicht korrigieren kann. Er kann nur das Herz ausrichten, damit es direkt auf den Schöpfer ausgerichtet sein möge, und infolgedessen werden natürlich seine ganzen Gedanken nur darauf ausgerichtet sein, dem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten. Und sobald er sein Herz korrigiert, damit er ein Herz und einen Willen der Kedusha hat, dann wird das Herz zu einem Kli, welches vom Höchsten Licht (Or Eljon) erfüllt wird. Und sobald das Höchste Licht das Herz erfüllt, erstarkt das Herz, und der Mensch fährt ständig damit fort, Anstrengungen zu unternehmen und kommt voran.

Das erklärt, was die Weisen sagten: "Groß ist die Lehre, die zu praktischen Handlungen führt.“ Das bedeutet, dass der Mensch mithilfe des Lichtes der Tora zu Handlungen gelangt, zumal das Licht, welches in ihr enthalten ist, ihn zum Guten zurückführt. Dies wird als Handlung bezeichnet. Das bedeutet, dass das Licht der Tora in seinem Herzen eine neue Struktur erschafft, und der vorherige Guf, den er von Mishcha de Chivia hatte, spaltet sich von ihm ab, und er wird eines spirituellen Guf gewürdigt - wenn der innere Guf, der Klipat Noga genannt wird, und der halb gut, halb böse war, vollständig gut wird. Und in ihm sind nun NaRaN, die er durch seine Handlungen erreicht, indem er damit fortfährt, sich zu bemühen, und voranschreitet.

Bevor der Mensch die neue Struktur erreicht hat und obwohl er versucht, sein Herz zu reinigen, bleibt es unverändert. Und in diesem Zustand gilt, dass er „Sein Wort verwirklicht.“ Doch man muss wissen, dass der Anfang der Arbeit gerade dort liegt „Sein Wort zu verwirklichen“. Aber dies ist keine Vollkommenheit, weil er in diesem Zustand seine Gedanken nicht reinigen kann, da er nicht in der Lage ist, sich vor dem Sinnen nach Übertretung zu erretten, weil sein Herz vom Guf der Klipa ist, und der Mensch nicht fähig ist, anders zu denken als mit dem Sinnen seines Herzens.

Deshalb führt nur das Licht [in der Tora] zum Guten zurück, denn dann löst sich der trennende Guf von ihm, und der innere Guf, welche die Klipat Noga ist, die halb gut und halb böse war, wird gänzlich gut. Auf diese Weise stellt sich heraus, dass die Tora ihn zur Handlung führt, welche durch sein Handeln eine neue Struktur ist. Und dies wird als „Handlung“ bezeichnet.

 

Shamati 70. Mit starker Hand und mit überströmendem Grimm

Ich hörte am 28. Juni 1943

„Mit starker Hand … und mit überströmendem Grimm werde ich über Euch herrschen.“[1] Diesen Satz muss man nachvollziehen, denn es gibt doch die Regel, dass es keinen Zwang im Spirituellen gibt, wie es geschrieben steht: „Aber nicht Mich hast du angerufen, Jakob, dass du dich um mich bemüht hättest, Israel.“[2] Und die Interpretation des Maggid von Dubna ist bekannt. Was bedeutet dann „Mit starker Hand … und mit überströmendem Grimm werde ich über Euch herrschen?“

Er sagte, dass wir wissen sollten, dass von denjenigen, die in den Dienst des Schöpfers eintreten möchten, um sich wahrlich an Ihn anzuheften und das Gemach des Königs zu betreten, nicht jeder zugelassen wird. Sondern man prüft den Menschen: Wenn es in ihm keinen anderen Wunsch gibt, außer dem Wunsch nach der Anhaftung (Dwekut), dann lässt man ihn herein.

Und wie prüft man einen Menschen, ob es in ihm nur einen Wunsch gibt? Man bereitet ihm Hindernisse, indem man ihm fremde Gedanken und fremde Boten schickt, um ihn zu hindern, auf dass er diesen Weg verlassen möge und sein Leben wie alle anderen lebe.

Und wenn der Mensch alle Schwierigkeiten überwindet, alle Barrieren durchbricht, die ihn hindern, und ihn kleine Dinge nicht zurückweisen können, dann schickt ihm der Schöpfer mächtige Klipot und Merkawot (Streitwagen), auf dass sie den Menschen davon ablenken, sich einzig an den Schöpfer und an nichts anderes anzuheften. Das heißt „mit starker Hand“ weist ihn der Schöpfer zurück.

Denn wenn der Schöpfer Seine starke Hand nicht zeigt, wird es schwer sein, ihn abzuweisen, weil er ein großes Verlangen nach der Anhaftung an den Schöpfer hat und nicht an andere Dinge.

Doch jemand, der keinen solch großen Wunsch hat – jenen kann der Schöpfer mit einer einfachen Sache zurückweisen: indem Er ihm eine große Sehnsucht nach irdischen Dingen gibt – und schon lässt dieser Mensch von aller spirituellen Arbeit ab. Ihn muss man nicht mit starker Hand zurückweisen.

Wenn aber der Mensch alle Schwierigkeiten und Störungen überwindet, so kann man ihn nicht so einfach zurückweisen, sondern nur mit starker Hand. Und wenn der Mensch auch die starke Hand des Schöpfers überwindet und sich auf keinen Fall vom Ort der Heiligkeit wegbewegen will und die wahrliche Anhaftung an den Schöpfer möchte und sieht, dass man ihn zurückweist, so sagt der Mensch, dass er „mit Grimm beherrscht“ wird, ansonsten würde man es ihm erlauben einzutreten. Weil er jedoch vom Schöpfer „mit Grimm beherrscht wird“,  lässt man ihn nicht in das Gemach des Königs eintreten, um an Ihn anzuhaften.

Bevor also der Mensch soweit ist, dass er sich nicht vom Platz rühren möchte und tobt und in das Gemach eindringen möchte, kann man nicht sagen, dass er „mit Grimm überströmt“ wird. Erst nach allen Zurückweisungen, wenn er sich nicht vom Platz rührt, das heißt, wenn sich ihm die „starke Hand“ und der „überströmende Grimm“ des Schöpfers offenbart haben, dann erfüllt sich, was geschrieben steht: „Ich werde über euch herrschen.“ Dies ist so, weil sich nur dank eines starken Ausbruchs und großer Anstrengungen das himmlische Königreich offenbart und er sodann gewürdigt wird, in das Gemach des Königs einzutreten.



[1] Hesekiel 20, 33

[2] Jesaja 43, --22

 

Shamati 71. Im Verborgenen weint meine Seele

Ich hörte am 28. Juni 1943

„Im Verborgenen weint meine Seele[1] wegen der Überheblichkeit“, [und weiter heißt es:] „wegen der Überheblichkeit Israels“. Er [Baal Sulam] fragt: „Gibt es ein Weinen vor dem Schöpfer“, da doch „Stärke und Freude an Seinem Ort herrschen“?[2] 

Wir müssen die Angelegenheit des Weinens Oben verstehen. Weinen ist an einem Ort, wo man sich nicht selbst helfen kann. Dann weint man, damit ein anderer einem hilft.

Und mit „im Verborgenen“ sind alle Verhüllungen und Widersprüche, die in der Welt erscheinen, gemeint.

Und das ist die Bedeutung des Verses: „Im Verborgenen weint meine Seele“, da es auch heißt: „Alles liegt in der Hand des Schöpfers, außer der Ehrfurcht vor dem Schöpfer.“ Und darüber sagten die Weisen: „In den inneren Häusern gibt es ein Weinen.“ Das bedeutet, dass,  wenn das Licht nur im Inneren erscheint und sich nicht nach außen hin offenbart, da es den Unteren an Kelim fehlt, um das Licht empfangen zu können, ein Weinen im Inneren herrscht. Jedoch in den „äußeren Häusern“, wenn sich das Licht nach außen hin offenbaren kann, wenn sich den Unteren die Ausbreitung der Fülle offenbart, dann „herrschen Stärke und Freude an Seinem Ort“ und man sieht alles. Wenn Er aber den Unteren nicht geben kann, so wird das als „Weinen“ bezeichnet, da Er die Kelim (den Mangel) der Unteren (der Geschöpfe) dazu benötigt.  



[1] Jeremia 13, 7

[2] 1. Chronik 16, 27

 

Shamati 72. Vertrauen ist die Kleidung für das Licht

Ich hörte am 31. März 1947

Das Vertrauen ist die Kleidung für das Licht, genannt „Leben.“ Dies ist so, weil es ein Gesetz gibt, dass es kein Licht ohne Kli (Gefäß) gibt. Daher kann das Licht, welches als das Licht des Lebens bezeichnet wird, sich nicht einkleiden, sondern muss sich in irgendein Kli kleiden. Das Kli, worin das Licht des Lebens gekleidet ist, wird gewöhnlich als „Vertrauen“ bezeichnet. Es bedeutet, dass der Mensch sieht, dass er in der Lage ist, jede schwierige Sache zu meistern.

Es folgt, dass das Licht in diesem „Kli des Vertrauens“ erkannt und wahrgenommen wird. Deswegen wird das Maß des Lebens des Menschen durch das Maß des Vertrauens definiert, welches sich dort offenbart. Daher kann man das Maß der eigenen Lebenskraft am Vertrauen messen, das man in sich spürt.

Aus diesem Grunde kann der Mensch selbst sehen: Solange er in einem erhabenen Lebensgefühl ist, leuchtet das Vertrauen auf jede einzelne Sache, und er sieht nichts, was ihn hindern könnte, das Gewünschte zu erhalten. Dies ist so, weil das Licht des Lebens, welches die Kraft von Oben ist, ihm leuchtet, und er kann mit übermenschlichen Kräften arbeiten, da das Höhere Licht nicht begrenzt ist wie die körperlichen Kräfte.

Wenn das Licht des Lebens ihn jedoch verlässt, was bedeutet, dass er von seiner vorherigen Stufe an Lebenskraft herabgestiegen ist, dann wird der Mensch „klug“ und „untersuchend.“ Er beginnt den persönlichen Nutzen von allem zu untersuchen – ob es sich lohnt, die Sache zu tun oder nicht. Und er wird mäßig, und er ist nicht mehr feurig und beschwingt wie einst, bevor er begann, von seiner Stufe an Lebenskraft abzusteigen.

Doch besitzt der Mensch nicht die Weisheit, um zu sagen, dass all die Klugheit und Scharfsinnigkeit, mit denen er jetzt alles beurteilt, deswegen sind, weil ihm das Licht des Lebens, welches zuvor in ihm war, verloren ging. Vielmehr denkt er, dass er nun klug geworden ist, nicht so wie es war, bevor er das Licht des Lebens verloren hat. Sondern [er meint,] damals war er unüberlegt.

Doch er sollte wissen, dass die ganze Weisheit, die er nun erlangte, aus dem Grunde zu ihm kam, weil er das Licht des Lebens verloren hat, welches er vorher besaß. Vorher maß er all seine Handlungen am Licht des Lebens, welches ihm der Schöpfer gab. Doch jetzt, da er im Stadium des Abstieges ist, hat Sitra Achra (die andere Seite) die Kraft, um mit all ihren gerechtfertigten Ansprüchen zu ihm zu kommen.

Der Rat ist in diesem Fall, dass man sagen sollte, dass man jetzt nicht mit seinem Körper sprechen und diskutieren kann. Vielmehr sollte man sagen: „Nun bin ich tot und ich warte auf die Wiederbelebung der Toten.“ Dann muss man mit der Arbeit über dem Verstand beginnen, gemeint ist, dass man seinem  Körper sagen soll: „Alles, was du sagst, stimmt, und ich habe keine vernunftgemäße Antwort für dich. Ich hoffe jedoch, dass ich wieder neu anfangen werde zu arbeiten. Und nun nehme ich die Tora und die Mizwot auf mich, und jetzt werde ich zu einem Übergetretenen. Und die Weisen sagten: ‚Ein Übergetretener ist gleich einem Neugeborenen.‘ Nun warte ich auf die Rettung seitens des Schöpfers; Er wird mir sicherlich helfen, und ich werde wieder auf dem Weg der Heiligkeit wandeln. Und wenn ich die Kraft der Heiligkeit besitzen werde, dann werde ich auch Antworten für dich haben.

Doch bis dahin muss ich noch über dem Verstand handeln, weil mir immer noch der Verstand der Heiligkeit fehlt. Daher kannst du, mein Körper, mich mit deinem Verstand besiegen, und ich kann nichts anderes tun, als nur an die Weisen zu glauben, die mich anwiesen, Tora und Mizwot mit dem Glauben über meinem Verstand einzuhalten und zu glauben, dass uns kraft des Glaubens Hilfe von Oben gewährt wird, wie es geschrieben steht: ‚Wer kommt, um sich zu reinigen – dem wird geholfen.‘“



 

Shamati 73. Nach dem Zimzum

Ich hörte 1943

Nach dem Zimzum (Einschränkung) wurden die Oberen Neun [Sefirot] zum Ort der Kedusha (Heiligkeit), und Malchut, an welcher der Zimzum vollzogen wurde, wurde zum Raum für die Welten. Dabei sind zwei Aspekte zu unterscheiden:

  1. ein freier Raum, der ein Raum für die Klipot ist, deren Wesen die Wünsche nur für sich selbst sind
  2. ein freier (leerer) Ort, das heißt, ein Raum, der frei wurde, um darin das Gewählte einzuführen: die Kedusha oder das Gegenteil.

Hätte kein Zimzum stattgefunden, wäre die ganze Wirklichkeit in der Form von Einfachem Licht . Und erst nachdem der Zimzum stattfand, entstand Raum, um gutes oder böses Tun zu wählen. Durch die Wahl des Guten wird dabei an diesen Ort die Fülle des Schöpfers herangezogen. Und das ist die Bedeutung dessen, was in den Schriften von ARI angeführt wird, dass das Or Ejn Sof den Unteren leuchtet.

Ejn Sof“ wird als der Wille bezeichnet, „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Und auch wenn man viele Welten unterscheidet, zehn Sefirot sowie die restlichen Bezeichnungen, so wird doch alles aus Ejn Sof herangezogen, genannt „der Schöpfungsgedanke“.

Und dort werden Sefira und „Welt“ nach der Fülle bezeichnet, die sich aus Ejn Sof ergießt und durch diese Sefira und Welt hinabsteigt. Das bedeutet, dass die Unteren Seine Fülle  nicht ohne Eignung und Korrektur empfangen können. Damit die Unteren die Möglichkeit des Empfangens erhalten, wurden Korrekturen vollzogen, wodurch sie dann zum Empfangen fähig wurden. Dies wird „Sefirot“ genannt.

Mit anderen Worten: Jede Sefira hat ihre eigene Korrektur.                                                                                                           Deswegen gibt es viele Unterscheidungen, also Aspekte, die nur in Bezug auf die Empfänger existieren. Denn wenn der Untere die Fülle aus Ejn Sof empfängt, empfängt er kraft einer besonderen Korrektur, welche zu ihm passt, um die Fülle zu empfangen. Das ist die Bedeutung davon, dass er durch eine besondere Sefira empfängt, obwohl in der Fülle selbst keinerlei Veränderung stattfindet.

Nun wirst du das Konzept eines Gebetes verstehen, dass wir also zum Schöpfer beten, welches das Licht von Or Ejn Sof darstellt, das Bindeglied zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen, welches „Sein Wille, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ genannt wird. Obwohl es in der Ausrichtung des Gebetes viele Namen gibt, besteht jedoch die Bedeutung darin, dass die Fülle sich durch die Korrekturen ergießt, die es in den Namen gibt, denn gerade durch die Korrekturen in den Namen wird die Fülle in den Empfängern angenommen.

 

Shamati 74. Welt, Jahr und Seele

Ich hörte im Jahr 1943

Es ist bekannt, dass es keine Wirklichkeit gibt, ohne dass es jemanden gibt, der diese Wirklichkeit wahrnimmt. Wenn wir daher von „Nefesh[1] von Azilut“ sprechen, so bedeutet das, dass wir in einem gewissen Maß ein Erlangen der höheren Fülle empfinden, wobei wir dieses Maß als Nefesh bezeichnen.

Und Olam (Welt) bedeutet die Gesamtheit innerhalb dieses Erlangens, was heißt, dass alle Seelen die gleiche Form haben, wobei jeder, der diese gleiche Stufe erlangt, diesen Namen erkennt, genannt Nefesh. Das bedeutet, dass nicht unbedingt ein bestimmter Mensch diesen Namen erlangt und auch in gleicher Form, sondern dass mit Sicherheit jeder, der auf die gleiche Stufe gelangt, gemäß der Vorbereitung von Kedusha (Heiligkeit) und Reinheit, die auf ihn treffende Fülle in gleicher Form, genannt Nefesh, vorfindet.

Diese Sache kann man anhand eines physischen Beispiels nachvollziehen, wie es in unserer Welt üblich ist. Wenn zum Beispiel ein Mensch sagt, er gehe jetzt nach Jerusalem, so wissen und kennen alle diese Stadt, sobald er den Namen der Stadt sagt. Und keiner von ihnen zweifelt daran, von welchem Ort er spricht, denn wer in dieser Stadt war, weiß bereits, wovon die Rede ist.



[1] erster von fünf Teilen der Seele

 

Shamati 75. Es gibt eine Unterscheidung von der „nächsten Welt“ und eine Unterscheidung von „diese

Ich hörte während eines Festmahls anläßlich einer Beschneidungsfeier in Jerusalem

Es gibt die Unterscheidung von der „nächsten Welt“, und es gibt die Unterscheidung von „dieser Welt.“ Als nächste Welt wird der Aspekt des „Glaubens“ bezeichnet, und als diese Welt wird der Aspekt der „Erkenntnis“ bezeichnet.

Bezüglich der nächsten Welt steht geschrieben: „Sie werden satt werden und genießen“, also dass es keine Sättigungsgrenze gibt. Das ist, weil alles, was man kraft des Glaubens empfängt, grenzenlos ist. Was man aber durch die Erkenntnis empfängt, ist begrenzt, da alles, was in die Kelim des Unteren gelangt, von dem Unteren beschränkt wird. Daher ist die Unterscheidung von „dieser Welt“ begrenzt.

 

Shamati 76. Jede deiner Opfergaben sollst du mit Salz darbringen

Ich hörte am 30. Shwat während der Feier zur Vervollständigung von Band Sechs, in Tiberias

„Jede deiner Opfergaben sollst du mit Salz darbringen“[1], was den „Bund des Salzes“ meint. Der Bund entspricht dem Verstand.

Es ist allgemein anerkannt, dass, wenn zwei Menschen einander Gutes tun, sie mit Sicherheit zu der Zeit, wenn Liebe zwischen ihnen waltet, keinen Bund schließen müssen. Gleichzeitig können wir jedoch sehen, dass die übliche Zeit, einen Bund einzugehen, gerade dann ist, wenn die Liebe waltet. Dann sagte er [Baal Sulam], dass sich der Abschluss des Bundes, den man eingeht, auf später beziehe.

Das bedeutet, dass die Abmachung jetzt getroffen wird, sodass sie später, wenn es zu einem Zustand kommt, in dem jeder von ihnen denkt, dass der Freund nicht reinen Herzens für den anderen ist, eine Vereinbarung haben werden. Diese Vereinbarung wird sie verpflichten, sich an den von ihnen eingegangenen Bund zu erinnern, um die alte Liebe auch in diesem Zustand fortzusetzen.

Und dies ist die Bedeutung von „Jede deiner Opfergaben sollst du mit Salz darbringen“, also dass jede Krewut[2]im Dienst des Schöpfers auf dem „B



[1] 3. Buch Mose 2, 13

[2] Krewut auf Hebr. bedeutet „Annäherung“ und auch „Kämpfe“

 

Shamati 77. Die Seele des Menschen wird ihn lehren

Ich hörte am 24. August 1947

„Die Seele des Menschen wird ihn lehren.“

Bekanntlich wird die gesamte Tora hauptsächlich für die Bedürfnisse der Seele studiert, das heißt, für jene die bereits den Aspekt der Seele erreicht haben. Dennoch müssen sie sich sehnen und nach Worten der Tora von anderen, die [Erkenntnis] erlangten, suchen, um von ihnen neue Wege zu lernen, welche die Vorherigen in ihren Neuauslegungen der Tora erdacht haben.

Auf diese Weise wird es ihnen leicht fallen, in den Hohen Stufen voranzuschreiten, das heißt, sie werden durch sie von Stufe zu Stufe aufsteigen.

Jedoch gibt es einen Aspekt der Tora, den man nicht offenbaren darf, da jede Seele diese Klärung an sich (selbst) vornehmen muss und nicht die dazu von jemand anderem gemachte Klärung haben darf. Folglich ist es verboten, ihnen die Worte der Tora zu enthüllen, bevor sie die Klärung selbst gemacht haben.

Aus diesem Grund ist es bei den Großen [Kabbalisten] üblich, viele Dinge zu verbergen. Aber abgesehen von diesem Teil haben die Seelen einen großen Nutzen von dem, was sie durch die Neuauslegung der Tora anderer erhalten. Und „die Seele des Menschen wird ihn lehren“, wie und was er erhalten muss und wie er vor Neuauslegungen der Tora anderer vorsichtig sein kann und was er selbst zu neu auszulegen hat.  

 

Shamati 78. Die Tora, der Schöpfer und Israel sind eins

Ich hörte im Juni 1943

„Die Tora, der Schöpfer und Israel sind eins.“

Daher soll der Mensch, wenn er Tora lernt, sie liShma (für Ihren Namen) lernen. Das bedeutet, er lernt mit der Absicht, dass die Tora ihn lehren wird, wie es der Name „Tora“ sagt, was Lehre bedeutet. Und da „die Tora, der Schöpfer und Israel eins sind“, lehrt die Tora den Menschen die Wege des Schöpfers, wie Er in die Tora eingekleidet ist.

 

Shamati 79. Azilut und BYA

Ich hörte am 18. Juli 1943

Azilut ist das, was von Chase aufwärts ist, welches nur die Gefäße des Gebens sind.

BYA (Brija, Yezira, Assija) bedeutet Empfangen, um zu geben, der Aufstieg des unteren Hej zum Platz von Bina. Da der Mensch im Willen für sich selbst zu empfangen versunken ist, kann er nichts tun, ohne dass es dabei auch ein Empfangen für sich selbst gäbe.

Aus diesem Grund sagten unsere Weisen: „Von lo liShma gelangt man zu liShma.“ Dies bedeutet, dass man die Beschäftigung mit Tora und Mizwot[1] mit dem Ziel beginnt: „Gib uns den Wohlstand in dieser Welt.“ Und danach: „Gib uns den Wohlstand der kommenden Welt.“

Und wenn man so studiert, sollte man dazu kommen, liShma zu studieren, das heißt für den Namen der Tora. Dies bedeutet, dass die Tora ihn die Wege des Schöpfers lehren wird. Und er muss zuerst das Versüßen von Malchut in Bina machen, was bedeutet, dass er Malchut, welche Wille zu empfangen genannt wird, zu Bina, der Eigenschaft des Gebens, erhebt. Das heißt, dass seine ganze Arbeit nur in der Absicht des Gebens sein wird.

Und dann wird es dunkel für ihn. Er fühlt, dass die Welt für ihn dunkel geworden ist, da der Körper Kraft nur für den Aspekt des Empfangens bereitstellt und nicht für den des Gebens. In diesem Zustand gibt es nur den einen Rat: zum Schöpfer zu beten, er möge seine Augen öffnen, sodass er in der Lage sein möge, im Aspekt des Gebens zu arbeiten.

Und dies ist die Bedeutung von: „Wer steht hinter der Frage?“ Dies bezieht sich auf Bina, die Mi (wer) genannt wird. Und die Frage kommt vom Vers „Sie bitten um Regenfälle“[2], was Gebet bedeutet. Da sie in den Aspekt von „Wasser von Bina“ gelangen, gibt es Platz, um dafür zu beten.



[1] Das Empfangen des Lichtes mit Hilfe der Korrektur der Verlangen.

[2] Im engeren Sinne: Sie bitten um Regenfälle.

 

Shamati 80. Rücken an Rücken (Achor be Achor)

Ich hörte

Panim (Gesicht) und Achor (Rücken).

Panim bedeutet Empfangen der Fülle oder Geben der Fülle.

Ablehnung wird Achoraim (Rückseite) genannt, wenn man also weder empfängt noch gibt.

Deshalb befindet sich der Mensch zu Beginn der spirituellen Arbeit im Zustand Achor be Achor (Rücken an Rücken), weil er noch die Gefäße des Willens zu Empfangen besitzt. Wenn er dabei Fülle in diese Kelim heranzieht, so kann er dem Licht schaden, da er als ein „entgegengesetzter Wert“ definiert wird, da die Lichter aus der Wurzel kommen und die Wurzel nur gibt.

Daher nutzen die Unteren die Kelim de Ima, welche als Achoraim bezeichnet werden, das heißt, sie wollen nicht empfangen, um keinen Schaden anzurichten. Und auch der Ausströmende (Maazil) gibt ihnen kein Licht, um keinen Schaden anzurichten, aus dem obigen Grund, dass die Lichter sich hüten, damit die Unteren ihnen nicht schaden können. Darum wird dieser Zustand als Achor be Achor bezeichnet.

Deswegen steht geschrieben, dass „an jedem Ort, wo es einen Mangel gibt, es auch ein Saugen der Klipa gibt.“ Man könnte sagen, dass der Grund darin liegt, dass dieser Ort in Bezug auf die Awiut noch nicht rein ist. Sonst würde das Licht in Vollkommenheit geleuchtet haben, da das Höhere Licht nie aufhört.

Wenn es einen korrigierten Raum mit einem Massach gibt, wird das Höhere Licht dort sofort ergriffen. Und da es einen Ort des Mangels gibt, gemeint ist die Abwesenheit des Höheren Lichtes, gibt es sicherlich den Aspekt von Awiut (Grobheit/Willen zu empfangen), dessen ganzes Festhalten im Willen zu empfangen besteht.



 

Shamati 81.Die Erhebung von MaN

Ich hörte

Es ist bekannt, dass wegen des Zerbrechens [der Gefäße] die Funken (Nizozin) der Kedusha (Heiligkeit) in die Welten BYA (Brija, Yezira, Assija) fielen und dort in BYA, nicht korrigiert werden können. Daher müssen sie zu Azilut erhoben werden. Und indem man Mizwot erfüllt und gute Taten vollbringt, in der Absicht, seinem Erschaffer Zufriedenheit zu bereiten, und nicht für sich, erheben sich diese Funken zu Azilut. Dann schließen sie sich in den Massach (Schirm) des Höheren ein, der sich im Rosh (Kopf) der Stufe befindet, wo der Massach in seiner Ewigkeit verbleibt. Dann findet ein Siwug auf dem Massach unter Hitkalelut (Einbeziehung) der Funken statt, und es wird das Höhere Licht in allen Welten herangezogen, gemäß dem Maß der Funken, welche sie erhoben.

Und das gleicht dem, was bei der Hisdakchut (Reinigung) der Parzufim von Akudim stattfindet. Wir haben gelernt, dass der Massach de Guf während seiner Hisdakchut, als das Licht sich deswegen aus dem Parzuf entfernt, zusammen mit den Reshimot zu Pe de Rosh  aufsteigt. Es ist so, weil zu der Zeit, wenn der Untere aufhört zu empfangen, es heißt, dass er sich von seiner Awiut (dem Willen zu empfangen) gereinigt hat. Daher kann der Massach de Guf zurück zu Pe de Rosh aufsteigen, denn jeder seiner Abstiege auf die Stufe von Guf geschah aus dem Grunde, weil das Licht sich von Oben nach unten ausbreitete, das heißt, in die Gefäße des Empfangens.

Der Rosh wird aber auch stets als der Aspekt „von unten nach oben" definiert, also entgegengesetzt der Verbreitung [des Lichtes]. Sobald der Guf (Körper) aufhört, die Lichter von Oben nach unten zu empfangen, wegen des Fehlens des Massachs, der durch den Bitush (Zusammenstoß) gereinigt wurde und zwar infolge des Zusammenstoßes zwischen dem inneren und dem äußeren [Licht], gilt, dass der Massach de Guf von seiner Awiut gereinigt wurde und gemeinsam mit den Reshimot zum Rosh aufstieg.

Zusätzlich gilt, dass, wenn der Mensch sich mit Tora und Mizwot in der Absicht zu geben und nicht für das Empfangen beschäftigt, dadurch die Funken zum Massach im Rosh der Welt Azilut aufsteigen (und sie steigen von Stufe zu Stufe auf, bis sie  den Rosh von Azilut erreichen). Und wenn sie sich in diesen Massach integrieren und eine gewisse Menge an Licht gemäß der Größe des Massachs austritt, wird in allen Welten mehr Licht hinzugefügt. Und auch der Mensch, der eine Verbesserung Oben bewirkte, empfängt ebenfalls ein Leuchten, da er den Zustand Oben, in den Höheren Welten verbesserte.  

 

Shamati 82. Das Gebet, das man immer beten muss

Was ich unter vier Augen zum Wochenabschnitt Wajera im November 1952 hörte

Glaube wird Malchut genannt, welche sich im Verstand (Mocha) und im Herzen (Liba) ausbreitet, das heißt im Geben und im Glauben. Und die dem Glauben entgegengesetzte Unterscheidung wird Orla (Vorhaut) genannt, die das Wissen ist. Die Orla wird geschätzt, wohingegen der Glauben, der auch „die Heilige Schechina“ genannt wird, in der Asche liegt. Das heißt diese Arbeit scheint erbärmlich zu sein und alle fliehen davor, um nicht auf diesem Weg zu gehen. Jedoch wird nur dieser Weg als Weg der Gerechten und der Kedusha (Heiligkeit) bezeichnet.
Der Schöpfer will aber, dass seine heiligen Namen eben nur auf diese Art und Weise enthüllt werden, damit man die Höheren Lichter mit Sicherheit nicht verderben wird, weil das Geben und die Anhaftung die ganze Grundlage sind. Und die Klipot (Schalen) sind nicht in der Lage hiervon zu saugen, da sie ausschließlich von Empfangen und Wissen saugen.
Dort jedoch, wo die Orla herrscht, kann die Heilige Shechina nicht die Höheren Lichter in sich empfangen, damit diese Lichter nicht in die Klipot herabfallen. Deswegen gibt es das  Leid der Shechina, das heißt die Höheren Lichter werden am Eindringen in sie gehindert, um an die Seelen weitergegeben zu werden.
Und das hängt nur von den Unteren ab, denn der Höhere kann nur das Höhere Licht geben. Jedoch die Kraft des Massach (Schirm), das heißt, damit der Untere nichts für seine Empfangsgefäße will, hängt nur von der Arbeit der Unteren ab, welche diese Klärung durchführen müssen.

 

Shamati 83. Das rechte Waw und das linke Waw

 Ich hörte am 24. Februar, 1943

Es gibt die Unterscheidung von Se („dies" in männlicher Form) und die Unterscheidung von Sot („diese" in weiblicher Form). Moses wird als Se betrachtet, welcher der Trauzeuge des Königs ist. Der Rest der Propheten wird als Sot oder Koh (die Buchstaben Chaf und Hej) betrachtet, welche die Bedeutung von Jadecha (Deine Hand) ist, ein linkes Waw. Es gibt auch die Unterscheidung des rechten Waw.

Und dies ist die Bedeutung von „die sich versammelnden Sajinim“, welche zwei Wawim versammeln. Dies ist die Bedeutung von „und einer, der sie beinhaltet“, dies ist die dreizehn, welche als eine vollständige Stufe erachtet wird.

Es gibt ein rechtes Waw und es gibt ein linkes Waw. Das rechte Waw wird „der Baum des Lebens“ und das linke Waw wird „der Baum der Erkenntnis“ genannt, an dem es den Ort der Bewachung gibt. Die zwei Wawim werden „die zwölf Challot[1] genannt, zwei Reihen, sechs in einer Reihe, welches die Bedeutung der dreizehn Tikunim (Korrekturen) ist, welche zwölf sind und eine die sie umfasst, genannt „Glück und gereinigt.“

Sie beinhaltet auch die dreizehnte Korrektur, genannt „sollen nicht gereinigt werden“, welches die Bedeutung der Versammlung der Sajinim ist. Der Buchstabe Sajin ist Malchut; sie [Malchut] beinhaltet sie [die Versammlung]. Bevor jemand mit „soll nicht zu seiner Narrheit zurückkehren“ belohnt wird, wird er „soll nicht gereinigt werden“ genannt. Und jene, die bereits damit belohnt wurden, nicht zur Narrheit zurückzukehren, werden „gereinigt“ genannt.

Dies ist die Bedeutung von „wird seine Geschmäcker in zwölf Getösen offenbaren, welche ein Zeichen in seinem Himmel, zweifach und schwach“ ist (in dem Lied Ich werde für ein Mahl vorbereiten). Es steht auch geschrieben: „Sie wird mit Wawim gekrönt werden und Sajinim versammeln“ (in dem Lied Ich werde preisen). Wir sollten die Krönung mit den Wawim so interpretieren, dass die Verbindung durch zwei Wawim die Bedeutung der zwölf Getöse (welches die zwölf Challot sind) ist, die ein Zeichen im Himmel sind.

Ein Zeichen wird Jessod genannt, und es wird als „zweifach und schwach“ bezeichnet. Das bedeutet, dass die Wawim verdoppelt wurden: Das linke Waw wird „der Baum der Erkenntnis“ genannt, der Ort der Bewachung. Dann wurden sie schwach (genannt „leicht“), und dann entstand ein Raum, durch den es einfach war, hindurchzugehen. Hätte es die Verdopplung des Baums der Erkenntnis nicht gegeben, hätten sie mit dem rechten Waw, betrachtet als „der Baum des Lebens“, arbeiten müssen. Und wer hätte sich dann selbst erheben können um die Mochin zu empfangen?

Mit dem linken Waw jedoch, definiert als das Bewahren, ist man immer in dieser Form. Und durch den Verdienst des Bewahrens, wenn er über dem Verstand annimmt, ist dann sein Dienst wünschenswert. Darum wird es „schwach“ genannt, also leicht, gemeint ist, dass es einfach ist, einen Ort für den Dienst zu finden.

Das bedeutet: In jedem Zustand, in dem man sich befindet, kann man der Diener des Schöpfers sein, da man nichts benötigt, sondern alles über dem Verstand macht. Es stellt sich heraus, dass man keine Mochin benötigt, mit denen man Diener des Schöpfers sein kann.

Nun können wir interpretieren was geschrieben steht: „Decke den Tisch vor mir auf, gegen meine Feinde.“ Tisch bedeutet, wie geschrieben steht: „Und er schicke sie aus seinem Haus. Und sie verlasse sein Haus und gehe“[2]. Ein Shulchan (Tisch) ist wie weShalcha (und schickte sie fort[…]), gemeint ist der Austritt aus der Arbeit.

Wir sollten interpretieren, dass man selbst während des Verlassens der [spirituellen] Arbeit, gemeint ist ein Zustand des Abstiegs, immer noch einen Ort zum Arbeiten hat. Das bedeutet, wenn jemand sich während des Abstiegs über dem Verstand durchsetzt und sagt, dass auch die Abstiege ihm von Oben gegeben wurden, dadurch die Feinde ausgelöscht werden.  Dies ist so, weil die Feinde dachten, dass die Person durch die Abstiege völlige Niedrigkeit erreichen wird und vor dem Feldzug flüchten würde, aber am Ende geschah das Gegenteil - die Feinde wurden zunichte gemacht.

Dies ist die Bedeutung von dem was geschrieben steht: „der Tisch, der vor dem Herrn ist“, sodass er genau auf diese Weise das Gesicht des Schöpfers empfängt. Und dies ist die Bedeutung von der Überwältigung aller Urteile, selbst die größten Urteile, denn er nimmt das Joch des himmlischen Königreichs zu allen Zeiten an. Das heißt, er findet immer einen Ort für die Arbeit, wie es geschrieben steht, dass Rabbi Shimon Bar-Jochai sagte: „Es gibt keinen Ort, an dem man sich vor Ihm verstecken kann.“



[1] Brot zum Shabbat

[2]  Deuteronomium 24,1-2

 

Shamati 84: Was bedeutet „Er vertrieb den Menschen aus dem Garten Eden, damit er nicht vom Baum des

Ich hörte am 19. März 1944

Es steht geschrieben: „... und Er sprach zu ihm: ‚Wo bist du?‘ Und er sprach: ‚Ich hörte Deine Stimme …und fürchtete mich, denn ich bin nackt, und ich verbarg mich.‘ ... Und er sprach: ‚…dass er nicht ausstrecke seine Hand und auch von dem Baum des Lebens nehme ...‘ Und Er vertrieb den Menschen aus dem Garten Eden ...“

Und man muss verstehen, was das für eine Furcht ist, die Adam, der seine Nacktheit erkannte, überfiel, und zwar so sehr, dass sie ihn dazu brachte, sich zu verstecken. Und die Sache liegt so, dass bevor Adam vom Baum der Erkenntnis aß, er sich von Bina ernährte, welche die Welt der Freiheit ist. Und dann, als er vom Baum der Erkenntnis aß, sah er, dass er nackt war, das heißt, er fürchtete sich, er könnte das Licht der Tora nehmen und es in der Form von „die Viehhirten von Lot“ verwenden.

Und der Begriff „Viehhirten von Lot“ steht im Gegensatz zum Glauben über dem Verstand, genannt „Viehhirten, die Abraham gehören“, bei welchem der Mensch keiner Erkenntnis des Lichtes der Tora bedarf, um es als Basis für seine Arbeit zu nutzen. Und der Mensch, der sagt, dass er keiner Stärkung mehr im Glauben an den Schöpfer bedarf, da er das Licht der Tora als Grundlage besitzt, gehört zu den „Hirten von Lots Vieh“, definiert als „verfluchte Welt“, was als Fluch gilt - im Gegensatz zum Glauben, der Segen darstellt.

Vielmehr sagt er nun, dass nun, wo er mit dem Glauben über dem Verstand geht (handelt), man ihm von Oben das Licht der Tora gibt, um ihm zu zeigen, dass er auf dem Weg der Wahrheit wandelt. Und es ist nicht so, dass er dies als Stütze benutzt, dass sein Dienst innerhalb des Verstandes sein wird, von welchem er zu den Empfangsgefäßen kommt, auf welchen ein Zimzum (Einschränkung) stattfand. Daher wird das als der „Ort des Fluchs“ bezeichnet, da Lot „verfluchte Welt“ bedeutet.

Daher fragte der Schöpfer Adam: „Warum fürchtest du dich, diese Lichter anzunehmen? Aus Angst, du könntest ihnen schaden? Wer sagte dir, dass du nackt bist? Offensichtlich ist das infolge davon, dass du vom ‚Baum der Erkenntnis‘ gegessen hast, was in dir Angst verursachte! Zuvor, als du von allen anderen Bäumen des Gartens gegessen hast, also die Lichter in der Form von ‚Hirten von Abrahams Vieh‘ genutzt hast, hattest du keine Angst!“ Deshalb vertrieb der Schöpfer Adam aus dem Garten Eden, „damit er nicht ausstrecke seine Hand und auch von dem Baum des Lebens esse.“

Und die Angst bestand darin, er könnte bereuen und in den „Baum des Lebens“ eintreten. Aber was ist die Angst? Da er im Baum der Erkenntnis sündigte, muss er nun den Baum der Erkenntnis korrigieren.

Das ist die Bedeutung von „Er vertrieb ihn aus dem Garten Eden“, damit er die Sünde des Baumes des Lebens korrigiert, und dann wird er die Möglichkeit haben, wieder in den Garten Eden einzutreten.

Der Garten Eden bedeutet den Aufstieg von Malchut zu Bina, wo sie das Licht Chochma erhalten kann, da Eden Chochma bedeutet. Malchut  ihrerseits wird „Garten  genannt, und dann empfängt Malchut Chochma in der Form von „Eden“  und dies wird Garten Eden genannt.

 

Shamati 84: Und wies Adam aus dem Garten Eden

Shamati 84: Und wies Adam aus dem Garten Eden
Es steht geschrieben: "...und rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum verstecke ich mich...nun aber, dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens... Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden..." (Genesis 3)
Und man muss verstehen, was das für eine Angst ist, die Adam, der seine Nacktheit erkannte, überfiel, und zwar so sehr, dass sie ihn dazu brachte, sich zu verstecken? Und die Sache liegt so, dass bevor Adam vom Baum der Erkenntnis aß, er sich von der Bina ernäherte, und das ist die Freiheit selbst. Und dann, als er vom Baum er Erkenntnis aß, sah er, dass er nackt ist- und erschrak (fürchtete sich), er könnte das Licht der Tora empfangen und es für die Bedürfnisse der "Hirten, die Lot gehören" nutzen. Und der Begriff "Hirten, die Lot gehören" steht im Gegensatz zum Glauben über dem Wissen, genannt "Hirten, die Abraham gehören", bei welchem der Mensch keiner Offenbarung des Lichtes der Tora bedarf, um es als Basis für seine Arbeit zu nutzen.
Und der Mensch, der sagt, dass er keines Glaubens mehr bedarf, da er das Licht der Tora als Grundlage nimmt, gehört zu den "Hirten des Lot", und das heißt "verdammte Welt" und bedeutet Verdammnis- im Gegensatz zum Glauben, der Segen darstellt.
Derjenige, der mit dem Glauben über dem Wissen geht (handelt), muss sagen, dass das Licht der Tora, welches sich ihm jetzt offenbarte, sich gerade deswegen offenbarte, dass er mit dem Glauben über dem Wissen handelte, und das eine Bestätigung der Richtigkeit eines solchen Weges darstellt. Doch er braucht dieses Licht nicht als Stütze, um innerhalb des Wissens zu arbeiten, wovon wir zum Kli des Empfangens gelangen, auf welches eine Kontraktion stattfand. Daher wird das als ein verdammter Ort bezeichnet, und Lot bedeutet "verdammte Welt".
Daher fragte der Schöpfer Adam: "Warum fürchtest du dich, dieses Licht anzunehmen? Aus der Befürchtung, du könntest dir dadurch schaden (für sich empfangen)? Doch wer sagte dir, dass du nackt bist? Offensichtlich ist das infolge davon, dass du vom "Baum der Erkenntnis" gegessen hat, und dadurch entstand die Angst in dir! Denn solange du von allen anderen Bäumen des paradiesischen Gartens gegessen hast, also das Licht als "Hirten Abrahams" (für den Schöpfer) genutzt hat, hast du dich vor nichts gefürchtet!"
Und der Schöpfer vertrieb Adam aus dem Garten Eden, "dass er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens". Und die Angst bestand darin, er könnte Tschuwa tun (bereuen/ zurückkehren), eine Korrektur vollziehen und in den "Baum des Lebens" eintreten und beginnen, die Sünde des Genusses vom "Baum der Erkenntnis" zu korrigieren. Wenn er jedoch im "Baum der Erkenntnis" sündigte, dann muss er eben ihn korrigieren.
Daher vertriebt der Schöpfer Adam aus dem "Paradiesischen Garten", damit er die Sünde des "Baumes des Lebens" korrigiert, und dann die Möglichkeit erhält, wieder in den "Paradiesischen Garten" einzutreten.
Das Wesen des "Paradiesischen Gartens" (Garten Eden- Hebräisch: Gan Eden)besteht im Aufstieg vonMalchut in Bina, wo sie in diesem Fall das Licht Chochma erhalten kann, genannt "Paradies" (Eden). Malchuti hrerseits wird "Garten" (Gan) genannt, und Malchut, erfüllt mit dem Licht Chochma, wird "Paradiesischer Garten" (Gan Eden) genannt.
 

Shamati 85: Was ist „die Frucht des prächtigen Baumes“ in der spirituellen Arbeit?

Ich hörte zu Sukkot am 27. September 1942

Es steht geschrieben: „Und ihr sollt euch am ersten Tage eine Frucht nehmen vom prächtigen Baum, Palmenzweige und einen Zweig vom Baume der Väter und Bachweiden“.[1]

Und hier muss man den Ausdruck „Frucht des prächtigen Baumes“ deuten: Baum“ bedeutet „ein Gerechter“, genannt Baum des Feldes. „Früchte“ sind die Nachkommen des Baumes, also die Nachkommen der Gerechten, welche die guten Taten sind. Diese müssen „die Pracht seines Baumes“ sein. „Von Jahr zu Jahr“, also das ganze Jahr über, und das sind „sechs Monate mit Balsam und Myrrhe und sechs Monate mit guter Spezerei“[2], und für den Verstehenden reicht das Gesagte aus. Die Sünder dagegen sind wie Spreu, die der Wind verstreut“[3].

Und Palmenzweige (Kapot Tmarim), also zwei Zweige, meint im verborgenen Sinne die zwei Hej (hebräischer Buchstabe im Namen des Schöpfers), das erste Hej und das letzte Hej, durch welche man würdig wird einer „Schale von zehn Goldschekel voll Räucherwerks[4]“.

Kapot (Zweige) bedeutet Kfia (Zwang), wenn der Mensch das Joch des Himmlischen Königreichs durch Zwang empfängt, das heißt sogar wenn der Verstand nicht einwilligt, und er über dem Verstand handelt, und das heißt eine „erzwungene Vereinigung.“  Tmarim (Palmen) kommt von Mora, welche Ehrfurcht bedeutet (Das gehört in die Kategorie, dass „der Schöpfer machte, dass man sich vor Ihm fürchtet“).

Und deswegen heißt es Lulaw (Palmenzweig). Das heißt, bevor  der Mensch dessen würdig wird, hat er zwei Herzen, und das wird lo Lew (kein Herz) genannt, was bedeutet, dass das Herz nicht ausschließlich auf den Schöpfer ausgerichtet war und es nicht für den Aspekt „für Ihn“, was das Herz des Schöpfers bedeutet, würdig ist – und das ist Lulaw.

Und genauso muss der Mensch sagen: „Wann kommen meine Taten an die Taten meiner Väter heran?“ Dadurch wird man dessen würdig, ein Zweig der heiligen Väter zu sein. Das ist die verborgene Bedeutung von „einen Zweig vom Baume der Väter“, und das sind drei [Zweige der] Myrte. Mit diesen im Bunde muss es auch Bachweiden geben, die weder Geschmack noch Geruch haben. Der Mensch muss Freude aus dieser Arbeit schöpfen, obwohl er weder Geschmack noch Geruch an ihr spürt. Und dann heißt seine Arbeit „Buchstaben Deines besonderen Namens“, und dadurch wird man der Vereinigung mit dem Schöpfer würdig, in ganzer Vollkommenheit.



[1] 3. Buch Mose 23, 40

[2] Ester 2, 12

[3] Psalmen 1, 4

[4] 4. Buch Moses 7, 62

 

Shamati 86: Und man setzte Fronvögte über sie, die sie mit Zwangsarbeit bedrücken sollten

Und es steht geschrieben: "Und sie bauten für Pharao armselige Städte: Pitom und Ramses". Doch es entsteht die Frage: waren nicht etwa Pitom und Ramses für ihre Pracht berühmt? Und "armselige Städte" meint doch, dass sie Städte von Armut und Vertreibung waren, worauf das Wort "Gefahr" hinweist (auf Hebräisch haben die Worte "armselig" und "Gefahr" die gleiche Wurzel). Hier muss man verstehen, was unser Vater Abraham erfragte. "Und er sagte: woran soll ich merken? (wie soll ich wissen?)", worauf der Schöpfer ihm antwortete. Es steht geschrieben: "Und [Er] sagte zu Abraham: das sollst du wissen, dass deine Nachkommen werden Fremdlinge sein in einem Lande, das nicht das ihre ist; und da wird man sie zu dienen zwingen und plagen vierhundert Jahre".
Das zu verstehen fällt schwer. Denn die Frage war nach der Garantie für die Erbschaft, und in der Antwort des Schöpfers sieht man keine Garantien. "Deine Nachkommen werden Fremdlinge sein" und diese Antwort reichte ihm aus.
Noch einen Widerspruch sehen wir in der Tora, wenn Abraham den Schöpfer fragt, wie er sicher sein kann, dass seine Nachkommen das große Land erben werden. "Und [Er] sagte zu Abraham: das sollst du wissen, dass deine Nachkommen werden Fremdlinge sein in einem Lande, das nicht das ihre ist; und da wird man sie zu dienen zwingen und plagen vierhundert Jahre".
Doch wir wissen, dass Abraham, als er mit dem Schöpfer das Gespräch über die Bewohner von Sodom führte, eine lange Diskussion mit dem Schöpfer hatte und jedes Mal sagte: "vielleicht". Und nun, da der Schöpfer sagt, dass seine Nachkommen im Exil sein werden, nimmt er das als eine ausreichende Antwort an, und hat keinerlei Verlangen, "vielleicht" zu sagen. Er hat das als Versprechen angenommen, dass ihm das Land Israel als Erbe übergeben wird.
"Und daher ist es notwendig, diese Antwort zu verstehen. Man muss auch verstehen, was das im Sohar Gesagte bedeutet: "Und Pharao ikriv (dieses Wort hat zwei Bedeutungen: "als Opfer darbringen" und "näher bringen")..." Und es wird erklärt, dass er die Israeliten dem Schöpfer nahe brachte. Wie ist es aber möglich, dass ein vollendeter Sünder Pharao die Israeliten dem Schöpfer nähern wollte?"
Im Talmud steht, dass in der Zukunft der Schöpfer den Bösen Trieb des Menschen (Jezer Ra) heranführen und ihn vor den Augen von Gerechten und Sündern schlachten wird. Den Gerechten erscheint er als ein hoher Berg, und den Sündern als ein dünner Faden. Und es weinen sowohl die einen als auch die anderen. Die Gerechten weinen und rufen aus: "Wie konnten wir solch einen hohen Berg überwinden!", und die Sünder weinen und rufen aus: "Wie konnten wir nur solch einen dünnen Faden nicht überwinden?!"
Und es entstehen Fragen:
1. Wenn der Böse Trieb bereits geschlachtet ist, warum gibt es dann immer noch Sünder?
2. Warum weinen die Gerechten, denn sie sollten sich doch im Gegenteil freuen?
3. Wie können in einer Realität zwei gegensätzliche Meinungen existieren, wenn beide sich im Zustand von Wahrheit befinden?
Im Gesagten ist vom zukünftigen Zustand der vollkommenen Korrektur die Rede, wenn die Wahrheit einem Jeden offensichtlich ist. Wie kann dann also in der Wirklichkeit solch ein riesiger Unterschied zwischen einem dünnen Faden und einem hohen Berg existieren?
Und es wird erklärt: die Weisen sagten: "Rabbi Asi sagte, dass der Böse Trieb zu Beginn dem Spinnnetz gleicht, um am Ende dem Seil eines Karrens. Wie es geschrieben steht: "Wehe denen, die Sünde im Tau des Args und die Schuld mit Seilen des Karrens schleppen"
Wir müssen eine wichtige Regel kennen, dass unsere Arbeit, die uns gegeben ist, auf dem Prinzip "Glaube über dem Wissen" aufbauen muss. Und nicht etwa, weil wir einer hohen Stufe nicht würdig sind, ist uns auferlegt, alles ins Kli des Glaubens zu empfangen. Das scheint uns nichtig und unwürdig, und der Mensch wartet - wann wird er endlich dieses Joch abwerfen, welches "Glaube über dem Wissen" heißt?
In Wirklichkeit ist es jedoch eine sehr hohe und wichtige Stufe, deren Bedeutung unendlich ist. Und niedrig scheint sie uns infolge unseres Willens zu empfangen. Und im Willen zu empfangen muss man Rosh und Guf unterscheiden. Rosh (Kopf) ist das Wissen, und Guf (Körper) das Empfangen. Und daher wird alles, was dem Wissen widerspricht, als niedrig, dem Tierischen nah wahrgenommen.
Und darauf antwortete ihm der Schöpfer: "Du sollst wissen...", - dass sie im Exil sein werden, das bedeutet, dass Er eine Klipa vorbereitet hat - den Bösen Trieb des Menschen, und zwar Pharao, den ägyptischen König. Die Worte "Pharao" und "Nacken" bestehen [im Hebräischen] aus den gleichen Buchstaben. Und ARI schrieb in Shaar haKavanot lePessach, dass Pharao der Nacken Mezer Jam ist, welcher die Fülle aufsaugt, die zu den Unteren hinabsteigt, und zwar durch eben jene seine Frage, wenn er kommt und fragt: "Wer ist der Schöpfer, dass ich auf ihn höre?" Und unmittelbar bei dieser Frage geraten wir in die Macht von Klipot , wie RAMBAM sagte: "Dient nicht anderen Göttern." Durch eine einzige Ansprache (d. h. durch eine einzige Frage) verstoßen wir bereits gegen die Anweisung: "Dient nicht..."
Und da Sitra Achra sich von der Fülle der Heiligkeit ernähren möchte, was tut sie dafür? Der Vers "Und Pharao ikriv (brachte zum Opfer)" wird im Sohar erklärt: ikriv - brachte die Israeliten dem Schöpfer nahe (die doppelte Bedeutung von ikriv siehe oben). Und es stellt sich die Frage - wie kann man sagen, Pharao habe die Israeliten dem Schöpfer nahe gebracht? Besteht nicht etwa die Bestimmung der Klipot darin, den Menschen vom Schöpfer zu entfernen?
Dass Pharao als Opfer brachte... bedeutet, dass er das Volk Israel dem Schöpfer näher brachte. Und das wurde von Anfang an ausgedacht, um ihnen anschließend alles wegzunehmen und sich anzueignen. Und ARI sagte, dass Pharao sich von der ganzen Fülle, die zu den Unteren hinabstieg, sowohl von der Seite des Nackens als auch von der Seite des Halses ernährte, was Reisha de Gufa (wörtlich: "Kopf des Körpers") ausmachte, indem er alles in seinen Willen zu empfangen nahm.
Die Erklärung ist also wie folgt: "Und sie bauten arme und armselige Städte", also für Israel bestimmte, was bedeutet, dass zu der Zeit, wenn sie Sklaven während des Exils waren, Pharao das Ergebnis ihrer ganzen Arbeit sich aneignete. Und daher war das Volk Israel arm, d. h. armselig, also besitzlos; und außerdem ist es notwendig zu erörtern, dass "armselig" (miskenot) vom Wort "Gefahr" (Sakana) kommt, also sie standen in großer Gefahr, bis ans Ende ihrer Tage in diesem Zustand zu verbleiben; für Pharao jedoch wurden infolge der Arbeit des Volkes Israel Pitom und Ramses errichtet, die ungewöhnlich schöne Städte waren.
Dementsprechend folgt die Erklärung: "Und sie errichteten armselige Städte, die für Israel und Pharao bestimmt waren, Pitom und Ramses, denn alle Arbeit, alle Bemühungen Israels fielen in die Klipot, und sie sahen keinen Segen in ihrer Arbeit.
Und zu der Zeit, wenn sie mithilfe des Glaubens und der Absicht zu geben mit der Arbeit zurecht kommen konnten, wenn sie Früchte und Fülle sahen, und in dem Moment, wenn sie in Wissen und Empfangen verfielen, gelangten sie sofort in die Herrschaft der Klipa Pharaos. Und dann kamen sie zu der endgültigen Entscheidung, dass die Arbeit nur mit dem Glauben über dem Wissen und mit der Absicht zu geben sein soll.
Doch sie sahen, dass es ihnen an eigenen Kräften fehlt, um aus der Herrschaft Pharaos auszutreten, daher steht geschrieben: "Und die Israeliten seufzten über ihre Knechtschaft (über ihre Arbeit) und schrien", da sie fürchteten, auf ewig im Exil zu bleiben.
Wir finden, dass solange sie noch nicht sahen, dass der Zustand, in dem sie sich befinden, die Macht der Klipot darstellt, solange sie nicht angefangen haben zu leiden und zu befürchten, dass sie auf immer in ihm verbleiben werden, keinerlei Notwendigkeit bestand, dass der Schöpfer ihnen hilft, das Kli des Empfangens loszuwerden. Denn sie empfanden keinen Mangel oder Fehlen, sie fühlten nicht, dass all das Störungen auf dem Weg zur Verschmelzung mit dem Schöpfer sind. Und andererseits zählt der Mensch mehr auf seine Arbeit im Aspekt von Wissen und Empfangen. Denn der Aspekt von Glaube gilt als Niedrigkeit. Und man wählt mehr Wissen und Empfangen, da der äußere Verstand eines Menschen ihn dazu verpflichtet.
Und daher wurde ihnen ein Exil bereitet, damit sie fühlen, dass sie keinerlei Fortschritt in der Annäherung an den Schöpfer haben, und dass ihre ganze Arbeit in den Klipot Ägyptens versinkt. Und dann sahen sie, dass sie keine andere Wahl haben, als nur, niedere Arbeit auf sich zu nehmen, also mit dem Glauben über dem Wissen zu handeln, und zum Geben zu streben, denn sonst werden sie in der Macht von Sitra Achra stehen.
Wir finden, dass sie den Glauben nur aus dem Grunde angenommen haben, dass sie sahen, dass es keinen anderen Rat gibt, und sie nur deswegen einwilligten, niedere Arbeit auszuführen. Und das wird als Arbeit bezeichnet, die von der Belohnung abhängig ist. Um nicht in die Macht von Klipot zu gelangen, luden sie diese Arbeit auf sich. Wenn jedoch die Belohnung aufgehoben wird, wird auch das Streben nach dieser Arbeit verschwinden. Das heißt wenn der egoistische (böse) Trieb aufgehoben wird (Jezer Ra), wird es niemanden mehr geben, der bei ihnen den Gedanken hervorrufen könnte "wendet euch nicht an andere Götter" - es wird auch die Liebe zu niederer Arbeit verschwinden.
Und dann werden wir verstehen, was ARI sagte: "Jezer Ra gleicht zu Beginn einem dünnen Haar, und am Ende - den Seilen eines Karrens." Bekanntlich existiert er in Form von Zwang, der hinters Licht führt, einer bösen Absicht. Der Wille zu empfangen ist im Menschen abgedruckt und stellt Zwang dar, da keine Möglichkeit besteht, ihn zu annullieren. Daher wird er nicht als eine schwere Sünde betrachtet, gilt aber schon als Sünde. Wie es geschrieben steht: "Schleppen die Sünde an Seilen der Lüge." Und wenn dem so ist, ist es unmöglich, ihn abzustoßen oder zu hassen, weil er nicht fühlt, dass er zu einer schweren Sünde werden wird. Doch später folgt daraus, dass er wie die Seile eines Karrens, eine schwere Sünde ist. Und aus dem Willen zu empfangen werden später die Klipot erschaffen, samt aller Geheimnisse der Schöpfung, die der Schöpfer als Gegengewicht zu ihnen erschuf, und daraus stammt Jezer Ra (also aus dem gleichen feinen Haar). Da sich jedoch bereits offenbarte, dass es eine schwere Sünde ist, wurden sie fähig, sich vor diesem feinen Haar zu hüten, und sie verstehen bereits, dass es keinen anderen Rat gibt. Wenn sie in die spirituelle Welt austreten möchten, müssen sie niedere Arbeit auf sich nehmen, also den Glauben und die Absicht zu geben. Sonst sehen sie, dass sie in der Macht der Klipot Pharaos stehen, des ägyptischen Königs.
Somit besteht der Nutzen des Exils darin, dass sie fühlen, dass der Wille zu empfangen eine schwere Sünde ist, sowie der Grund, um eine Entscheidung zu treffen; und auch, dass es keinen anderen Rat gibt, als nur, sich zu bemühen, ein altruistisches Kli des Gebens zu erlangen. Und das ist es, was der Schöpfer unserem Vater Abraham auf seine Bitte nach Garantien dafür antwortete, dass seine Nachkommen das Land erben werden: "wisse, dass deine Nachkommen im Exil leben werden...", denn gerade im Exil werden sie die Offenbarung haben, dass das dünne Haar eine schwere Sünde darstellt. Und dann werden sie zum Empfang des wahren Dienstes (der wahren Arbeit) kommen, um sich von solch einer Sünde zu entfernen.
Und Rabbi Yehuda sagte über die Zukunft: "Der Tod wird für immer verschlungen werden, d. h. der Schöpfer wird den Bösen Trieb vernichten, da sowieso nichts außer einem feinen Haar von ihm übrig blieb, welches nicht als schwere Sünde wahrgenommen wird (da es unmöglich ist, ein dünnes Haar mit bloßem Auge zu sehen). Doch in jedem Fall bleiben noch Gerechte und Sünder, und dann wollen alle mit dem Schöpfer verschmelzen. Die Sünder sind diejenigen, die ihr dünnes Haar nicht korrigiert haben, als noch der Böse Trieb existierte und es eine Möglichkeit gab zu verspüren, dass es eine schwere Sünde ist. Und nun, da kein Böser Trieb mehr existiert, und ihnen nichts außer einem dünnen Haar übrig blieb, haben sie keine Gründe, die sie zwingen würden, vom Kli des Empfangens zum Kli des Gebens überzugehen.
Wie oben gesagt wurde, nehmen wir eine Haarspitze nicht wahr, doch nichtsdestotrotz können wir nicht mit dem Schöpfer verschmelzen, da ein Unterschied in der Form bleibt, und dann gilt: "Er und Ich können nicht beisammen sein."
Und ihre Korrektur besteht darin, Staub unter den Füßen der Gerechten zu sein. Wir finden also, dass sobald der Böse Trieb vernichtet ist, die Gerechten keinen Grund haben, um mit dem Glauben über dem Wissen zu handeln. Und wenn dem so ist, wenn sie keinen Grund haben - wer zwingt sie dann, wenn sie sehen, dass die Sünder mit einem feinen Haar blieben, und es nicht korrigieren? Als noch der Böse Trieb existierte, konnten sie ihn tatsächlich korrigieren, weil damals der Wille zu empfangen als eine böse Sünde offenbart war, und jetzt ist schwere Sünde unsichtbar - sie gleicht einem feinen Haar. Und wenn es daher keinen Grund gibt, so gibt es jetzt keine Möglichkeit der Korrektur und der Verschmelzung, da ein Unterschied in der Form blieb. Sondern ihre ganze Korrektur besteht darin, dass die Gerechten auf ihnen gehen, wenn sichtbar ist, dass es keine Angst mehr vor der Macht der Klipot gibt und der Böse Trieb vernichtet ist.
Und wenn dem so ist, wozu ist dann der Glaube über dem Wissen notwendig? Und wer wird sie zwingen? Doch sie sehen, dass die Sünder keine Verschmelzung erreichen können, weil sie keinen zwingenden Grund haben, also den Bösen Trieb, in dem sie eine schwere Sünde sahen, und sie blieben draußen, da dennoch ein Unterschied in der Form blieb.
Deswegen verstanden die Gerechten, als sie das sahen, wie gut es ihnen damals war, als sie einen Grund hatten, für das Geben zu arbeiten, und es ihnen schien, dass sie sich mit dem Geben beschäftigen, nur wegen des Bösen Triebes. Doch sie verstehen auch, dass die schwere Sünde, die sie damals sahen, zu ihrem Wohl war; diese Arbeit stellt also tatsächlich das Wesen dar, und nicht aus Angst, sie könnten in die Macht der Klipot gelangen, taten sie diese Arbeit. Und die Bestätigung sehen sie bei den Sündern, die das feine Haar nicht korrigiert haben, und nun keinen zwingenden Grund haben, und draußen geblieben sind, so dass sie nicht mit dem Schöpfer verschmelzen werden.
Wir finden vor, dass die Gerechten die Kraft, von einer Erkenntnis zur anderen fortzuschreiten, mittels der Sünder schöpfen. Und diese wurden zum Staub unter den Füßen, und die Gerechten gehen auf ihnen, da sie Sünder blieben. Und diese Arbeit ist nicht deswegen wichtig, dass sie erzwungen ist, wie es ihnen früher erschien, als sie den Jezer Ra hatten. Jetzt sehen sie auch ohne ihn, dass es sich lohnt, für das Geben und mithilfe des Glaubens zu arbeiten.
Hinsichtlich der Tatsache, dass sowohl die Einen als auch die Anderen weinen, so gehört bekanntlich das Weinen zum Zustand des Kleinseins, also WaK, und eine Unterscheidung zwischen GaR und WaK existiert, sodass Mochin de WaK aus der Vergangenheit leuchten. Sie bekommen also Lebenskräfte und Licht von dem, was mit ihnen geschah, während Mochin de GaR in der Gegenwart so [stark] leuchtet, dass sie einen Siwug vollziehen. Und darin besteht der Grund, aus welchem die Weisen weinten, als sie sagten: "Wie konnten wir einen hohen Berg überwinden", denn nun sehen sie, was vor der Vernichtung des Bösen Triebes war, als seine Macht riesig war, wie es geschrieben steht: "Eines gegenüber dem Anderen erschuf der Schöpfer." Und seitens des Schöpfers wurde ihnen große Barmherzigkeit entgegen gebracht, als Er ihnen die Kraft gab, im Kampf gegen den egoistischen Trieb zu siegen. Und nun haben sie Glück und Freude an dem Wunder, das damals mit ihnen geschah, also in der Vergangenheit, was bedeutet, im Zustand des Kleinseins.
Und die Sünder weinen, da sie jetzt keinen Rat haben, wie sie mit dem Schöpfer verschmelzen können, obwohl sie sehen, dass ihr böser Trieb wie ein feines Haar ist. Und da es jetzt keinen bösen Trieb gibt, haben sie auch keinen zwingenden Grund, um das Kli des Empfangens zum Geben umzukehren. Sie sehen nur, dass sie draußen sind, und deswegen weinen sie.
Und ihre Korrektur besteht darin, Staub unter den Füßen der Gerechten zu werden. Wie bereits gesagt wurde, sehen die Gerechten, dass es zwar keinen Bösen Trieb mehr gibt, die Sünder aber keiner Verschmelzung würdig werden können. Und sie sagten, dass sie dachten, sie müssten nur wegen des Bösen Triebes den Weg des Gebens gehen, doch sie sehen, dass dies das wahre Kli ist, und auch wenn es keinen Bösen Trieb gäbe, stellt doch solch ein Weg die Wahrheit dar, und der Weg des Glaubens ist ein wunderbarer Weg.
Daraus werden wir verstehen, warum [die Sünder] nach der Vernichtung des Bösen Triebes Sünder blieben. Und zwar besteht der Grund dafür darin, dass sie Staub unter den Füßen der Gerechten werden sollten. Und wenn sie nicht Sünder geblieben wären, gäbe es niemanden, der die ganze Größe davon offenbaren könnte, dass der Weg des Glaubens keine von der Belohnung abhängige Liebe darstellt. Nicht wegen des Bösen Triebes soll man also den Weg des Glaubens gehen, sondern dieser Weg ist Liebe, die nicht von Belohnung abhängt, da es nun keinen Bösen Trieb gibt - doch nur mittels des Glaubens kann man die Verschmelzung mit dem Schöpfer verdienen.
Und einmal habe ich gehört: warum brauchen wir ausgerechnet Glauben? Nur aufgrund des Stolzes, der sich in uns befindet, wenn es uns schwer fällt, den Glauben anzunehmen. Das heißt obwohl der Glaube eine hohe und wunderbare Stufe ist, deren Bedeutung und höhere Bestimmung der Untere nicht erkennen kann, scheint uns nur aufgrund des Stolzes, den es in uns gibt, also des Willens zu empfangen, dass dies eine niedere und tierische Handlung ist.
Und ein anderes Mal habe ich gehört: wenn wir sehen, dass wir den Glauben nicht annehmen wollen, fallen wir von unserer Stufe. Und immer wieder erheben wir uns und fallen, bis unser Herz schließlich annimmt, dass es kein anderes Mittel gibt, als nur den Glauben anzunehmen. All das war eben auch dazu notwendig, um den Glauben anzunehmen. Und das bedeutet: "Und sie bauten dem Pharao die[für Israel] armen Städte."

 

Shamati 86. Und sie bauten armselige Städte

Ich hörte von meinem Vater am 31. Januar 1941

Es steht geschrieben[1]: „Und sie bauten armselige Städte für den Pharao[2]: Pitom und Ramses.“ Und es stellt sich die Frage: Pitom und Ramses bedeutet doch, dass es schöne Städte waren. Und „armselige Städte“ bedeutet doch, dass sie Städte von Armut und Elend waren, worauf auch das Wort „Gefahr“ hinweist (auf Hebräisch haben die Worte „armselig“ (misken) und „Gefahr“ (Sakana) die gleiche Wurzel). Hier muss man verstehen, was unser Vater Abraham erfragte. „Und er sagte: ‚Woran werde ich wissen, dass ich es erben werde?‘“[3]  Und was antwortete ihm der Schöpfer? Es steht geschrieben: „Und Er sagte zu Abraham: ‚Das sollst du wissen, dass ein Fremdling wird sein dein Samen in einem Lande, das nicht das ihre ist und ihnen dienen wird; und sie werden sie  knechten und plagen vierhundert Jahre lang.‘“

Die wörtliche Auslegung ist schwer zu verstehen. Denn die Frage war nach der Garantie für die Erbschaft, und in der Antwort des Schöpfers „Dein Samen wird im Exil sein“ sieht man keine offensichtliche Garantie. Und was bedeutet, dass diese Antwort ihm genügte?

Überdies sehen wir, dass Abraham, als er mit dem Schöpfer einen Streit über die Bewohner von Sodom führte, eine lange Diskussion mit dem Schöpfer hatte und jedes Mal „vielleicht" sagte. Und nun, da der Schöpfer sagte, dass sein Samen im Exil sein würde, nahm er das als eine ausreichende Antwort an und widersprach nicht und sagte „vielleicht“. Hingegen nahm er dies als Garantie für das Erbe des Landes.

Und daher ist es notwendig, diese Antwort zu verstehen. Man muss auch verstehen, was die Bedeutung ist von dem, was der Sohar interpretiert: „Und Pharao ikriv (opferte/brachte näher)[4]...“ Und es wird erklärt, dass er sie der Reue näherbrachte. Kann es sein, dass der böse Pharao sie der Reue annähern wollte?

Um all dies zu verstehen, müssen wir verstehen, was unsere Weisen sagten: „Rabbi Jehuda sagt: ‚In der Zukunft wird der Schöpfer den Bösen Trieb heranführen und ihn vor den Augen der Gerechten und der Sünder schlachten. Den Gerechten erscheint er als ein hoher Berg, und den Sündern als ein haardünner Faden. Und es weinen sowohl die einen als auch die anderen. Die Gerechten weinen und sagen: ‚Wie konnten wir solch einen hohen Berg überwinden!‘, und die Sünder weinen und sagen: ‚Wie konnten wir nur solch einen dünnen Faden nicht überwinden?!‘.‘“[5]

Und dieser Ausspruch ist schwer verständlich:

  1. Wenn er den Bösen Trieb bereits geschlachtet hat – woher kommen dann noch die Sünder?
  2. Warum weinen die Gerechten? Im Gegenteil – sie sollten sich doch freuen!
  3. Wie können in Wirklichkeit zwei gegensätzliche Meinungen existieren, wenn beide bereits einen Zustand von Wahrheit erreicht haben? Dieser Ausspruch spricht vom Ende der Tage, welcher gewiss ein Zustand der Wahrheit ist. Wie kann dann also in der Wirklichkeit solch ein riesiger Unterschied zwischen einem haardünnen Faden und einem hohen Berg existieren?

Er erklärte dies mit den Worten der Weisen (dort): „Rabbi Assi sagte: ‚Anfänglich gleicht der Böse Trieb einem Spinnennetz, und am Ende scheint er wie Zugseile, denn es steht geschrieben: ‚Wehe denen, die Vergehen mit den Seilen des Trugs ziehen und die Sünde als wäre es mit Zugseilen.‘“[6]

Es gibt eine wichtige Regel, die wir kennen müssen. Unsere Arbeit, die uns gegeben war, auf dass sie auf der Grundlage „Glaube über dem Verstand“ aufbaue, ist nicht etwa deshalb, weil wir einer hohen Stufe nicht würdig sind, sondern sie wurde uns gegeben, damit wir alles im Gefäß des Glaubens empfangen. Das scheint uns niederträchtig und minderwertig, und der Mensch wartet, wann er endlich dieses Joch abwerfen darf, welches „Glaube über dem Verstand“ heißt. In Wirklichkeit ist es jedoch eine hohe und sehr wichtige Stufe, deren Erhabenheit grenzenlos und unendlich ist.

Und was uns niederträchtig erscheint, ist nur aufgrund unseres Willens zu empfangen. Und im Willen zu empfangen muss man Rosh (Kopf) und Guf (Körper) unterscheiden. Rosh wird  „Wissen“ genannt und Guf „das Empfangen“. Und daher wird alles, was dem Wissen widerspricht, als niederträchtig, dem Tierischen nah wahrgenommen.  

Und so kann erklärt werden, was unser Vater Abraham den Schöpfer fragte: „Woran werde ich wissen, dass ich es erben werde?“ Denn wie soll es für sie möglich sein, die Bürde des Glaubens auf sich zu nehmen, da dies doch gegen den Verstand ist? Und wer kann schon gegen den Verstand angehen? Wie werden sie daher das Licht des Glaubens erlangen können, da doch die Vollkommenheit allein davon abhängt?

Und darauf antwortete ihm der Schöpfer: „Du sollst wissen ..., dass sie im Exil sein werden“, was bedeutet, dass Er eine Klipa vorbereitet hat – den Bösen Trieb des Menschen und zwar Pharao, den ägyptischen König. Die Buchstaben „Pharao“ (פרעה) sind gleich den Buchstaben des Wortes „Nacken“ (Oref = עֹרֶף). Ari schrieb in Shaar haKavanot lePessach, dass Pharao der Nacken Ägyptens ist, welcher die Fülle aufsaugt, die zu den Unteren hinabsteigt und zwar durch eben jene Frage, wenn er kommt und fragt: „Wer ist (denn) der Herr, dass ich auf ihn hören sollte?“ Und unmittelbar bei dieser Frage geraten wir in die Macht der Klipot, wie der RAMBAM sagte (Hilchot Deot): „Wendet Euch nicht anderen Göttern zu.“ Allein durch diese Zuwendung, das heißt allein durch die Frage verstoßen wir bereits gegen die Anweisung: „Wendet Euch nicht ... zu ...“

Der Böse Trieb (Sitra Achra) möchte die Fülle der Kedusha (Heiligkeit) aufsaugen ... Was tut sie daher, um Fülle von der Heiligkeit saugen zu können? Geschrieben steht: „Und Pharao näherte/opferte.“ Der Sohar interpretiert, dass er sie der Reue nahebrachte. Er stellt die Frage: Wie kann man sagen, der Pharao habe sie der Reue nähergebracht, wenn die Art der Klipot ist, den Menschen vom Schöpfer zu entfernen?

Wir müssen dies aufgrund dessen verstehen, was im Sohar[7] geschrieben steht: „Das Vergehen ist in dir verborgen wie die Schlange, die zuschlägt und ihren Kopf in seinem Körper versteckt.“ Auch steht im Sulam: „Da das Vergehen verborgen ist, ist die Kraft der Schlange, die die Menschen angreift und Tod in die Welt bringt, noch voller Schlagkraft und kann nicht widerrufen werden. Sie ist wie eine Schlange, die einen Menschen beißt und sofort ihren Kopf in seinen Körper steckt, und dann ist es unmöglich, sie zu töten.“

Und es gibt noch einen weiteren Text im Sohar, dass „die Schlange ihren Kopf beugt und mit ihrem Schwanz zuschlägt“. Das bedeutet, dass sie es manchmal zulässt, dass der Mensch die Bürde des Glaubens auf sich nimmt, was Glaube über dem Verstand ist, was „beugt ihren Kopf“ entspricht. Aber „sie schlägt mit ihrem Schwanz zu“. „Mit ihrem Schwanz“ kann mit „am Ende“ interpretiert werden: dass sie ihren Kopf nur beugt, um am Ende um des Empfangens willen zu empfangen. Das bedeutet: Sie ließ zunächst zu, dass er den Glauben auf sich nahm, nur um schließlich alles an sich reißen zu können. Denn die Klipa (Schale) weiß, dass es keinen Weg gibt Fülle zu empfangen, außer durch die Kedusha (Heiligkeit).

Dies ist die Bedeutung von „Pharao brachte sie näher“. Erklärt wird, dass er das Volk Israel der Reue näherbrachte. Dies geschah mit Absicht, damit er ihnen anschließend alles wegnehmen und sich aneignen konnte. Daher schrieb der ARI, dass der Pharao die ganze Fülle, die zu den Unteren hinabstieg, sowohl von der Seite des Nackens (Oref) als auch von der Seite des Halses (Garon) aufsog, was der Kopf des Körpers ist, um alles in seine Gefäße des Empfangens zu nehmen.

Dies ist die Erklärung von: „Und sie bauten Arei Miskenot (armselige Städte)“, das heißt, dies war für Israel so. Dies bedeutet, dass der Pharao sich ihre gesamte Arbeit während des Exils aneignete und das Volk Israel daher arm blieb. Es ist außerdem notwendig zu erörtern, dass das Wort Miskenot (armselig) vom Wort Sakanna (Gefahr) kommt, das heißt, sie waren in großer Gefahr, bis ans Ende ihrer Tage in diesem Zustand zu verbleiben; für den Pharao jedoch war die Arbeit des Volkes Israel Pitom und Ramses, gemeint sind sehr schöne Städte.

Dementsprechend folgt die Erklärung: „Und sie errichteten Arei Miskenot – für Israel; und Pitom und Ramses für den Pharao.“ Denn alle Arbeit Israels fiel in die Klipot, und sie sahen keinerlei Segen in ihrer Arbeit.

Und wenn sie in der Arbeit des Glaubens und im Geben die Oberhand gewannen, dann sahen sie Früchte und Fruchtbarkeit; und in dem Moment, in dem sie ins Wissen und Empfangen verfielen, fielen sie sofort in die Herrschaft der Klipa des Pharaos. Und so kamen sie zu der endgültigen Entscheidung, dass die Arbeit nur im Glauben über dem Verstand und im Aspekt des Gebens sein muss.

Doch sie sahen, dass es ihnen an eigenen Kräften fehlte, um aus der Herrschaft des Pharaos auszutreten Daher steht geschrieben: „Und die Söhne Israels ächzten unter ihrer Arbeit“, da sie fürchteten, auf ewig im Exil zu bleiben. Dann „gelangte ihr Schrei zu Gott“ und sie wurden des Auszuges aus dem ägyptischen Exil würdig.

Dies bedeutet, dass es, bevor sie sahen, dass sie sich in der Macht der Klipot befinden, und sie litten und befürchteten, für immer in dieser zu verbleiben, es keine Notwendigkeit für sie gab, dass der Schöpfer ihnen aus den Gefäßen des Empfangens heraushelfe – wenn sie den darin liegenden Mangel und das darin liegende Leid nicht fühlten –  da dies alles ist, was der Anhaftung an den Schöpfer im Wege steht. Da der Mensch ansonsten mehr Wert auf seine Arbeit in der Form von Wissen und Empfangen legt, und der Glaube gilt (für ihn) als Minderwertigkeit. Und man wählt mehr das Wissen und das Empfangen, da es dieses ist, wozu der äußere Verstand des Menschen verpflichtet.

Und daher wurde ihnen das Exil bereitet, damit sie fühlen, dass sie keinerlei Fortschritt in der Annäherung an den Schöpfer machen und dass ihre ganze Arbeit in der Klipa Ägyptens versinkt. Und dann sahen sie, dass sie keine andere Wahl hatten, als die Arbeit der Minderwertigkeit auf sich zu nehmen, welche Glauben über dem Wissen ist, und zum Geben zu streben, denn sonst würden sie fühlen, dass sie sich in der Macht von Sitra Achra befinden.   

Hieraus folgt, dass sie den Glauben nur deshalb auf sich nahmen, da sie sahen, dass es sonst keinen anderen Rat gäbe, und nur deswegen willigten sie in die minderwertige Arbeit ein. Und das wird als Arbeit bezeichnet, die an eine Bedingung geknüpft ist, wenn sie diesen Dienst akzeptierten, um nicht in die Macht der Klipot zu gelangen. Darum luden sie diese Arbeit auf sich.

Wenn jedoch die Bedingung aufgehoben wird, wird auch die Liebe zu dieser Arbeit aufgehoben. Das heißt, wenn der Böse Trieb aufgehoben wird und es niemanden mehr gibt, der bei ihnen den Gedanken hervorrufen könnte „Wendet euch nicht an andere Götter“, dann wird auch die Liebe zur Arbeit in Schmach verschwinden.

Und darin verstehen wir, was die Weisen  sagten: „Der Böse Trieb gleicht zu Beginn einem Spinnfaden, und am Ende scheint er wie Abschleppseile zu sein.“ Bekanntlich gibt es den Aspekt „Zwang“, „Irrtum“ und „absichtlich“. Der Wille zu empfangen, der im Menschen eingeprägt ist, stellt „Zwang“ dar, da er keine Möglichkeit hat, ihn zu annullieren. Daher wird dies nicht als Sünde betrachtet, sondern als Vergehen, wie geschrieben steht: „Wehe denen, die Vergehen mit den Seilen des Trugs ziehen.“[8] Es ist unmöglich, ihn abzustoßen oder zu hassen, weil er nicht fühlt, dass es eine Sünde werden wird.

Doch später entsteht daraus „die Sünde, als wäre es mit Zugseilen“.[9] Und aus diesem Willen zu empfangen werden später die Klipot erschaffen, die eine vollkommene Struktur haben nach Art von „Gott erschuf das Eine gegenüber dem Anderen“[10]. Und von dort stammt der Böse Trieb, was bedeutet, dass alles aus jenem haardünnen Faden stammt. 

Da es sich jedoch bereits als Sünde offenbarte, wissen sie bereits, wie sie sich vor diesem haardünnen Faden hüten müssen, und sie verstehen, dass es keinen anderen Rat gibt, wenn sie in die Kedusha (Heiligkeit) eintreten möchten, als die Arbeit der Niedrigkeit auf sich zu nehmen, also den Glauben und das Geben. Sonst sehen sie, dass sie in der Macht der Klipot des Pharaos stehen, des Königs von Ägypten.

Hieraus folgt, dass der Nutzen des Exils darin bestand, dass sie fühlten, dass der Wille zu empfangen eine Sünde ist, und dies ist der Grund für ihre Entscheidung, dass es keinen anderen Rat gibt, als sich zu bemühen, Gefäße des Gebens zu erlangen. Und das ist es, was der Schöpfer unserem Vater Abraham auf seine Bitte nach Sicherheiten für das Erbe des Landes antwortete: „Wisse, dass deine Nachkommen Fremde sein werden ... und man wird sie quälen.“[11] Denn durch das Exil werden sie zur Enthüllung gelangen, dass der haardünne Faden eine Sünde darstellt. Und dann werden sie die wahre Arbeit annehmen, um sich von der Sünde zu entfernen.

Dies ist die Bedeutung dessen, dass Rabbi Jehuda sagte, dass in der Zukunft „der Tod … für immer verschlungen werde, das heißt, der Schöpfer wird den Bösen Trieb schlachten, da sowieso nichts außer einem haardünnen Faden von ihm übrigbleibt, welcher nicht als Sünde wahrgenommen wird (da es unmöglich ist, einen Faden mit der Breite eines Haares mit bloßem Auge zu sehen).“

Doch in jedem Fall bleiben noch die Bösen und die Gerechten, und sie wollen alle an den Schöpfer anhaften. Und die Bösen, die ihren haardünnen Faden noch nicht korrigiert haben, als der Böse Trieb noch existierte und sie einst die Möglichkeit hatten zu spüren, dass es eine Sünde ist – nun, da kein Böser Trieb mehr existiert und nichts außer einem haardünnen Faden übriggeblieben ist, haben sie keinen Grund, der sie zwingen würde, vom Kli (Gefäß) des Empfangens zum Kli des Gebens überzugehen, da ein haaresbreiter Faden nicht gefühlt wird. Dennoch können sie nicht an den Schöpfer anhaften, da es einen Unterschied in der Form gibt, und [es im Namen des Schöpfers heißt] „er und Ich können nicht am selben Ort weilen“.

Und ihre Korrektur besteht darin, Staub unter den Füßen der Gerechten zu sein. Dies bedeutet, da der Böse Trieb zunichte gemacht wurde, haben die Gerechten keinen Grund, mit dem Glauben über dem Verstand gehen zu müssen. Wenn sie daher keinen Grund haben – wer zwingt sie dann?

Die Gerechten sehen die Bösen, dass sie mit dem haardünnen Faden geblieben sind und ihn nicht korrigiert haben, als noch der Böse Trieb existierte, als es möglich gewesen wäre, ihn tatsächlich zu korrigieren, weil damals der Wille zu empfangen offensichtlich als Sünde galt,  wohingegen er nun nicht als Sünde erscheint, sondern als feines Haar. Und wenn es daher keinen Grund gibt, so gibt es nichts zu korrigieren.

Gleichzeitig ist jedoch kein Raum für die Anhaftung, da ein Unterschied in der Form bleibt. Und die ganze Korrektur der Bösen besteht darin, dass die Gerechten auf ihnen gehen, das heißt, wenn sie sehen, dass es keine Angst mehr vor dem Netz der Klipot gibt, da der Böse Trieb vernichtet wurde.

Wenn dem so ist, warum müssen die Gerechten nun im Glauben über dem Verstand arbeiten? Doch als sie sehen, dass die Bösen keine Anhaftung erreichen können, weil sie nun keinen Grund haben, das heißt, den Bösen Trieb, in dem sie eine Sünde sehen, und sie daher draußen bleiben, da schlussendlich ein Unterschied in der Form geblieben ist – wenn daher die Gerechten dies sehen, verstehen sie, wie gut es für sie war, als sie einen Grund hatten, im Geben zu arbeiten

Sie dachten, dass sie sich mit dem Geben nur wegen des Bösen Triebes beschäftigen. Doch sie sehen, dass die Sünde, die sie damals sahen, zu ihrem Wohl war. Mit anderen Worten:  Diese Arbeit ist die hauptsächliche Arbeit, und sie tun diese Arbeit nicht aus Angst, dass sie in die Macht der Klipot gelangen könnten. Den Beweis dafür sehen sie bei den Sündern, die den haardünnen Faden nicht korrigiert haben und nun keinen Grund dazu haben und draußen geblieben sind und nicht an den Schöpfer anhaften können.

Hieraus folgt, dass die Gerechten die Kraft, von einer Stärke zur anderen fortzuschreiten, von den Bösen erhalten. Und die Bösen wurden zum Staub unter den Füßen der Gerechten, wobei die Gerechten auf den Unterscheidungen gehen, die in dem Aspekt der Bösen geblieben sind.

Rückblickend ist daher diese Arbeit besonders wichtig. Und nicht aus der Notwendigkeit heraus, wie es ihnen zunächst erschien, als es den Bösen Trieb gab. Nun sehen sie, dass es sich auch ohne den Bösen Trieb lohnt, im Geben und im Glauben zu arbeiten.

Hinsichtlich der Tatsache „sowohl die Einen weinen als auch die Anderen weinen“ gehört das Weinen bekanntlich zum Zustand von Katnut (Kleinsein), also WaK. Es gibt eine Unterscheidung zwischen GaR und WaK. Mochin de WaK leuchten aus der Vergangenheit, das heißt, sie bekommen Lebenskräfte und Licht von dem, was mit ihnen geschah, während Mochin de GaR in der Gegenwart leuchten, indem sie den Siwug (Paarung) vereinen.

Das ist die Deutung dessen, dass die Weisen weinen und sagen: „Wie konnten wir einen so hohen Berg erklimmen?“ Denn nun sehen sie, was vor der Schlachtung des Bösen Triebes war, als seine Macht sehr groß war, wie es geschrieben steht: „Gott erschuf das Eine gegenüber dem Anderen.“ Vom Schöpfer wurde ihnen große Barmherzigkeit entgegen gebracht, als Er ihnen die Kraft gab, im Kampf gegen den egoistischen Trieb zu siegen. Und nun erfahren sie Glück und Freude über das Wunder, das ihnen damals geschah, also in der Vergangenheit. Dies wird Mochin de Katnut genannt

Und die Bösen weinen, da sie jetzt keinen Rat haben, wie sie dem Schöpfer anhaften können, obwohl sie nun sehen, dass es nichts als ein haardünner Faden ist. Doch da es jetzt keinen Bösen Trieb gibt, haben sie keinen Grund, die Gefäße des Empfangens zum Geben umzudrehen. Sie können nur sehen, dass sie draußen sind, und deswegen weinen sie.

Ihre Korrektur besteht jedoch darin, Staub unter den Füßen der Gerechten zu werden. Aus dem Obigen folgt, dass die Gerechten sehen, dass es nun keinen Bösen Trieb gibt. Dennoch können die Bösen immer noch keine Anhaftung [an den Schöpfer] erlangen. Daher sagen sie dann über ihre Gedanken, dass sie dachten, sie müssten nur wegen des Bösen Triebes den Weg des Gebens gehen, doch sie sehen, dass dies das wahre Gefäß ist. Dies bedeutet, selbst wenn es keinen Bösen Trieb gäbe, so stellt dieser Weg trotzdem die Wahrheit dar, dass der Weg des Glaubens ein wunderbarer Weg ist.

Nun können wir verstehen, warum nach der Vernichtung des Bösen Triebes Bösewichte übrigbleiben. Das ist deshalb, damit sie zu Staub unter den Füßen der Gerechten werden. Und wenn keine Bösewichte verblieben wären, gäbe es niemanden, der die ganze Größe dieser Sache enthüllen könnte, dass der Weg des Glaubens keine an eine Bedingung geknüpfte Liebe darstellt. Nicht wegen des Bösen Triebes soll man also den Weg des Glaubens gehen, sondern dies ist bedingungslose Liebe, da es nun keinen Bösen Trieb mehr gibt – doch nur mittels des Glaubens kann man die Anhaftung an den Schöpfer erlangen.

Bei einer anderen Gelegenheit habe ich gehört: Der Grund, warum wir besonders den Glauben benötigen, liegt in unserem Stolz. Genau dann fällt es uns schwer, den Glauben anzunehmen. Das heißt, obwohl der Glaube ein erhabener Aspekt und eine wunderbare Stufe ist, deren Kostbarkeit und Erhabenheit der Untere nicht erkennen und erfassen kann, ist es nur aufgrund des Stolzes, den es in uns gibt, also des Willens zu empfangen. Er erscheint uns minderwertig und tierisch, und aus diesem Grund wurde uns der üble Mensch gegeben.

Ein anderes Mal habe ich gehört: Wir sehen, dass dann, wenn wir den Glauben nicht annehmen wollen, wir von unserer Stufe fallen. Und immer wieder erheben wir uns und fallen, bis wir schließlich begreifen, dass es kein anderes Mittel gibt, als den Glauben fest zu verankern. Dies geschah, um den Glauben anzunehmen. Und dies bedeutet: „Und sie bauten armselige Städte (für Israel), für den Pharao.“



[1] 1. Buch Mose 1

[2] Die Wortkombination von ”Vorratsstädten” wird im Hebräischen nicht verwendet, sondern die Worte Arei Miskenot, die Armut und phonetisch Gefahr bedeuten.

[3] 1. Buch Mose 15, 8

[4] Dieses Wort hat zwei Bedeutungen: „als Opfer darbringen“ und „näherbringen“.

[5] Traktat Sukka 52a

[6] Jesaja 5, 18

[7] Einführung in den Sohar und den Sulam Kommentar

[8] Jesaja 5, 18

[9] Jesaja 5, 18

[10] Prediger 7, 14

[11] 1. Buch Mose 15, 13

 

Shamati 87. Shabbat Shekalim

Ich hörte am 7. März 1948

Am Shabbat Shekalim (Name des Wochenabschnitts), als er [Baal Sulam] den Kiddush begann ... sagte er: „Es gab einen Brauch unter den Admorim (Religiöse Führer) in Polen, dass alle reichen Männer am Shabbat Shekalim zu ihren Rabbinern kamen, um Shekalim (Münzen) von ihren Rabbinern zu empfangen.“

Und er sagte, dass dies andeute, dass es ein Auslöschen von Amalek ohne Shekalim nicht geben kann. Dies ist so, da es, bevor man Shekalim empfängt, noch keine Klipa von Amalek gibt. Doch wenn sie die Shekalim empfangen, kommt die große Klipa, genannt „Amalek. Und dann beginnt die Arbeit am Auslöschen Amaleks. Doch davor gibt es nichts auszulöschen.

Zu dem, was der Maggid aus Kusnitz sagte, dass man beim Neila-Gebet[1] sagt: „Du hast den Menschen von Beginn an (meRosh) abgetrennt und Du wirst ihn erkennen lassen, vor Dir zu stehen“, fügte Baal Sulam eine Erläuterung hinzu. Der Maggid fragte nach: „Wie ist es möglich, ohne Rosh (Kopf, Beginn, Anfang) zu stehen? Es bedeutet, dass er den Rosh vom Menschen getrennt hat, und wie kann so etwas sein?“ Die Erklärung ist: „Wenn du die Köpfe der Kinder Israels zählst“[2], durch welche man den Aspekt von Rosh heranzieht – nur unter der Bedingung, dass man den halben Shekel gibt. Dann erlangt man dadurch den Aspekt Rosh.

Und er fragte später ...: „Warum bereitete er für den Kiddush mehr Trinken als Essen zu? Dies ist nicht die richtige Ordnung, da gemäß der Ordnung mehr Essen als Trinken sein sollte, denn Trinken kommt nur, um das Essen zu ergänzen, im Sinne von ‚Und du sollst essen und gesättigt sein und segnen‘. Jedoch ist es nicht so, wenn das Trinken mehr ist als das Essen.“ Und er interpretierte, dass Essen Chassadim (Barmherzigkeit) andeutet und Trinken Chochma (Weisheit).

Und ferner sagte er, dass der Shabbat vor dem Monat Adar die Gesamtheit des Monats Adar beinhaltet. Somit, „wenn Adar eintritt, gibt es viel Freude“. Und er sagte, dass es einen Unterschied zwischen einem Shabbat und einem Jom Tov (Feiertag) gibt. Shabbat heißt der Aspekt „Liebe“ und Jom Tov heißt der Aspekt „Freude“. Der Unterschied zwischen Freude und Liebe ist, dass Liebe eine Essenz (das Wesen) ist und Freude nur ein Ergebnis, geboren aus einer Ursache heraus. Die Ursache ist das Wesen und das Ergebnis ist nur ein Nachkomme der Essenz. Daher heißt Shabbat „Liebe und Wille“ und Jom Tov heißt „Freude und Beglückung“.

Er erläuterte auch, bezüglich dessen, was Rabbi Jochanan Ben Sakai seiner Frau antwortete, „dass ich wie ein Minister vor dem König war und er, Rabbi Chanina Ben Dosa, wie ein Sklave vor dem König; deshalb konnte er beten“. Es scheint, als ob es das Gegenteil hätte sein sollen, dass der Minister mehr Kraft haben sollte, mit seiner Meinung auf den König zu wirken, und nicht der Sklave.

Allerdings ist ein Minister derjenige, der bereits der persönlichen Vorsehung würdig wurde. In diesem Zustand sieht er keinerlei Raum für Gebet, da alles gut ist. Aber ein Sklave ist derjenige, der auf der Stufe von Belohnung und Bestrafung steht, und dann hat er die Möglichkeit zu beten, da er sieht, dass er noch etwas zu korrigieren hat.

Und er fügte eine Erklärung aus einem vorgelegtem Artikel hinzu (Baba Mezia 85a). Dort steht geschrieben, dass ein Kalb zum Schlachter geführt wurde. „Es ging, legte seinen Kopf in den Schoß des Rabbi und weinte. Der Rabbi sagte ihm: ‚Geh, dies ist, wofür du geschaffen wurdest.‘ Sie sagten: ‚Leid komme auf ihn, da er sich nicht erbarmte.‘“

„Dies ist, wofür du geschaffen wurdest“, bedeutet persönliche Vorsehung, dass es hier nichts hinzuzufügen oder wegzunehmen gibt, da hier die Leiden selbst als Barmherzigkeit betrachtet werdenDies ist der Grund, warum er seine Leiden verlängerte.

Und die Gemara sagt, dass er von seinem Leid durch eine Handlung befreit war, durch die Worte: „Und Seine Barmherzigkeit liegt über all Seinen Werken.“ Eines Tages fegte die Magd des Rabbiners gerade das Haus. Es gab dort junge Ratten und sie war gerade dabei, sie wegzufegen. Er sagte ihr: „Lass sie!“, so steht es geschrieben, „und Seine Barmherzigkeit liegt über all Seinen Werken.“ Da er erlangte, dass auch ein Gebet in der Ewigkeit erhalten bleibt, hatte er nun die Möglichkeit zu beten. Dies ist der Grund, warum die Leiden von ihm abwichen.

Am Ende des Shabbat sagte Baal Sulam eine Auslegung über das, was der heilige Sohar über den Vers „Und Jakob wählte für sich den Schöpfer“ sagt. Wer wählte wen? [Wählte Jakob den Schöpfer oder wählte der Schöpfer Jakob?] Und der heilige Sohar antwortet: „Der Schöpfer wählte Jakob.“[3] Und er sagte, die Frage des heiligen Sohar sei, ob der Schöpfer Jakob wählte. Daraus folgt, dass Jakob nichts tat, sondern alles war unter persönlicher Vorsehung. Und wenn Jakob gewählt hätte, bedeutete dies, dass Jakob der Handelnde ist, was eine Frage von Belohnung und Bestrafung bedeutet.

Und er antwortete, dass man am Anfang auf dem Weg von Belohnung und Bestrafung beginnen müsse. Wenn man diese Etappe der Belohnung und Bestrafung vollende, werde man würdig und würde sehen, dass alles unter persönlicher Vorsehung ist, dass „Er alleine alle Taten ausführt und ausführen wird“. Solange man jedoch seine Arbeit in Belohnung und Bestrafung nicht vollendet hat, ist es unmöglich, die persönliche Vorsehung zu verstehen.

Und Sonntagnacht nach dem Unterricht erklärte er das Thema von Jakobs Schlauheit, da über Jakob geschrieben steht: „Dein Bruder kam mit List.“ Es gab hier gewiss keine Frage der Lüge. Ansonsten würde der Text nicht über Jakob als den „auserwählten Urvater“ sprechen, wenn er ein Lügner wäre. Vielmehr bedeutet List: Wenn der Mensch eine weise Handlung ausführt, nicht in der Absicht um der Weisheit willen, sondern um irgendeinen Nutzen daraus zu ziehen, den er benötigt, und er sieht, dass dies nicht direkt erlangt werden kann, so handelt er weise, um das Benötigte zu erhalten. Dies nennt man „Weisheit” (Chochma).

Dies ist die Bedeutung des Verses „Sei klug mit Verstand“, was Weisheit durch Verstand bedeutet. Dies bedeutet, dass die Weisheit, die er erhalten möchte, nicht um der Weisheit willen ist, sondern für eine andere Sache, die ihn dazu zwingt, Weisheit (Chochma) heranzuziehen. Mit anderen Worten: Er muss [Chochma] heranziehen, um Chassadim zu vervollständigen.

Denn bevor Chassadim Chochma erlangen, sind sie im Zustand von Katnut (Kleinsein). Später jedoch, wenn er Chochma heranzieht und in jedem Fall Chassadim gegenüber Chochma bevorzugt, ist es offensichtlich, dass Chassadim wichtiger sind als Chochma. Dies nennt man GaR de Bina, was bedeutet, dass er Chassadim aus freier Wahl nutzt.

Dies ist die Bedeutung von Chochma durch Daat, dass Chochma in der Form von WaK in ISHSuT erscheint. Und in AwI erscheint Chochma, indem sie Chassadim verbessern und in Chassadim verbleiben. Allerdings, obwohl Bina als Korrektur von Chafez Chessed (an Barmherzigkeit erfreut) betrachtet wird, ist ihre Wahl von Chassadim nicht offensichtlich aufgrund von Zimzum Bet, wo es keine Chochma gibt. Doch in Gadlut (großer Zustand, Erwachsensein), wenn Chochma kommt, sind die Chassadim, die sie benutzt, gewählt.



[1] Schlussgebet am Versöhnungstag

[2] 2. Buch Mose 30, 12

[3] BeReshit, 161 b.

 

Shamati 88. Die ganze Arbeit ist nur dort, wo es zwei Wege gibt

Ich hörte zum Ausgang von Shabbat BeShalach, am 24. Januar 1948

Die ganze Arbeit ist nur dort, wo es zwei Wege gibt, so wie es geschrieben steht: „... dass er lebe durch sie“[1] und nicht dass er sterbe durch sie. Und das Thema von „Er soll sterben und es nicht übertreten“ gilt nur für drei Mizwot (Gebote): Götzendienst, Blutvergießen und Inzest. Und dennoch sehen wir, dass die ersten Chassidim ihr Leben für die Einhaltung einer jeden Mizwa geopfert haben.

Und man soll wissen, dass die ganze Arbeit und Bemühung nur zu der Zeit ist, in welcher der Mensch die Tora hüten muss. Dann fühlt der Mensch die schwere Last, wenn der Körper die Bedingungen der Tora nicht akzeptiert. Wenn der Mensch aber dessen würdig ist, dass die Tora ihn behütet, dann fühlt man im Dienst für den Schöpfer keinerlei Schwere, denn die Tora hütet den Menschen auf die Weise, wie es geschrieben steht: „Die Seele eines Menschen lehrt ihn.“



[1] 3. Buch Moses 18, 5

 

Shamati 89. Um die Worte des heiligen Sohar zu verstehen

Ich hörte am 15. Februar 1948

Um die Worte des heiligen Sohar zu verstehen, muss man zuerst verstehen, was der heilige Sohar aussagen will. Und zu verstehen, was der heilige Sohar aussagen will, hängt von der Hingabe des Menschen an Tora und Mizwot  ab. Denn Tora und Mizwot werden ihm die Reinheit bringen, also dass er von Selbstliebe rein sein werde. Und zu diesem Zweck beschäftigt er sich mit Tora und Mizwot. Und in diesem Maße kann man die Wahrhaftigkeit dessen verstehen, was der Sohar aussagen will. Sonst gibt es Klipot, welche die Wahrhaftigkeit, die sich in den Worten des heiligen Sohar befindet, verdecken und verstopfen.



 

Shamati 90. Im Sohar, Bereschit

Ich hörte am 28. März 1948

Im Sohar, Bereshit Seite 165, steht, in den Geheimnissen der Tora „werden die Beschützer des Ministers von Oben aufgerichtet. Und die lodernde Flamme des kreisenden Schwertes wird über all den Heeren und den Lagern berufen. Und unter diesem Aspekt werden andere Unterscheidungen zu verschiedenen Stufen gedeutet.“

Und er [Baal Sulam] erklärte, dass, wenn die Linke Linie sich ausbreitet, sie durch die Rechte Linie versüßt werden muss. Sie (die Linke Linie) breitet sich an drei Orten aus:

  1. in Aba we Ima, was die Wurzel ist
  2. in Malchut
  3. in den Engeln Gottes.

In Aba we Ima nennt man sie „Beschützer des Ministers.“ Und in Malchut nennt man sie „die lodernde Flamme des kreisenden Schwertes“. Und in den Engeln nennt man sie „Und unter diesem Aspekt werden andere Unterscheidungen zu verschiedenen Stufen gedeutet.“

 

Shamati 91. Das Ausgetauschte

Ich hörte am 18. April 1948

Im heiligen Sohar erklärt er den Grund dafür, warum Ruben von Lea geboren wurde, während Jakob zu der Zeit des Aktes an Rachel dachte. Und das Gesetz besagt, dass, wenn man an eine andere denkt, das Kind „Ausgetauschter” genannt wird.

Und der heilige Sohar erklärt, dass er an Rachel dachte und er wirklich dachte, dass es wirklich Rachel sei. „Ausgetauschter“ bedeutet, dass sein Gedanke bei Rachel war und er beim Akt wusste, dass es Lea war. Hier jedoch galt sein Gedanke Rachel, und hinsichtlich des Aktes dachte er, dass es tatsächlich Rachel sei.

Und er erklärte dies: In der Spiritualität ist bekannt, dass sie als Stempel und Abdruck vorkommen, dass jede Stufe von der höheren Stufe abgedruckt wird. Es liegt in der Sache, dass Stempel und Abdruck Gegensätze sind. Der Stempel ist dem Abdruck immer entgegengesetzt. Daraus folgt, dass, was man in Brija als Klipa erachtet, Kedusha in Jezira  ist, und was Kedusha in Jezira ist, ist Klipa in Assija.

Wenn sich der Gerechte daher in irgendeiner Stufe vereint, dann vereint er sich sicherlich mit der Kedusha, die auf dieser Stufe ist. Und wenn er bei dieser Handlung an eine andere Stufe denkt – und was in dieser Stufe Kedusha genannt wird, wird auf einer anderen Stufe Klipa genannt – dann wird es „ausgetauscht“ genannt. Dies bedeutet, was aus dieser Vereinigung hervorgeht, ist ausgetauscht, da die Stufen einander entgegengesetzt sind.

Jakob jedoch dachte an Rachel, das heißt an die Kedusha, die sich in Rachel befand. Und auch was die Handlung betrifft, dachte er, dass es wirklich Rachel sei. Folglich galt sein Gedanke sowohl der  Kedusha in Rachel als auch der Handlung, mit der Absicht auf der Stufe von Rachel zu sein. Daher gibt es hier keinen Aspekt von Lea, der als ausgetauscht gelten könnte.

 

Shamati 92. Erklärung des Aspektes "Glück"

Ich hörte am 14. Juni 1948

 „Glück“ nennt man etwas, das sich „über dem Verstand“ befindet. Somit, selbst wenn es seitens des Verstandes so und so sein musste, wurde es von Seiten des Glücks veranlasst, dass seine Handlungen erfolgreich waren. Denn „Verstand“ bezieht sich auf „Ursache“ und „Auswirkung“, was bedeutet, eine Ursache ließ das Ergebnis so hervortreten, wie es ist.

Aber über den Verstand hinaus, wenn die anfängliche Ursache nicht die Ursache des Ergebnisses ist, heißt dies „über dem Verstand.“ Dies bezeichnen wir als „Glück“, welches das Ergebnis bewirkt hat.

Es ist bekannt, dass alle Einflüsse vom Licht von Chochma (Weisheit) kommen. Und wenn Chochma scheint, nennt man dies „Linke Linie“ und „Dunkelheit“. Die Fülle ist blockiert und heißt „Eis“. Dies wird als „Verdienst“ bezeichnet, da man dazu würdig wird. Das bedeutet, dass die Ursache, die das Licht Chochma hervorruft, „Verdienst“ heißt, weil sie vorher ist und sich weiter fortsetzt.

Aber „Söhne, die Länge des Lebens und der Lebensunterhalt hängen nicht vom Menschen ab, sondern vom Glück“. Dies bedeutet, dass Chochma besonders durch die Mittlere Linie vermindert wird und gerade durch die Verminderung, genannt Massach de Chirik, scheint. Daraus folgt, dass sie nicht durch Ursache und Auswirkung leuchtet, das heißt, dass Chochma durch die Linke Linie leuchtet, sondern gerade durch die Verminderung. Dies heißt „über dem Verstand“, und dies ist „Glück“.

 

Shamati 93. Flossen und Schuppen

Ich hörte im Jahr 1945

Verstehe, was die Weisen sagten: „Alles, was Schuppen hat (Kaskesset), von dem ist bekannt, dass es auch Flossen hat (Snapir). Aber alles, was Flossen hat, von dem ist nicht bekannt, ob es auch Schuppen hat.“

In der Arbeit sollten wir dies so erklären: „Kaskesset“ (Schuppen) sind die schwierigen Fragen (Kushiot), die der Mensch während der Arbeit für den Schöpfer hat, und diese Fragen sind Gefäße für das Empfangen von Antworten. Denn die Antworten werden nicht im äußeren Verstand erfüllt, sondern gerade im inneren Verstand, welcher das Höhere Licht darstellt, das sich in den Menschen kleidet. Und sobald das Höhere Licht sich in den Menschen einkleidet, haben sich alle Fragen gelegt.

Je mehr Fragen es daher gibt, umso mehr Höheres Licht kleidet sich in den Menschen. Und daher sind Schuppen ein Zeichen der Reinheit, weil der Mensch sich mit ihrer Hilfe reinigen kann, weil er keine Fragen haben möchte. Und daher tut er alles, was in seiner Kraft ist, um sich zu reinigen und um des Höheren Lichtes würdig zu werden.

Und die Flosse (Snapir) ist ebenfalls ein Zeichen der Reinheit, welches bedeutet: „Sone – Pe – Or- Elijon = hasst - Mund- Höheres Licht.“ Und da er schwierige Fragen hat, ist dies gewiss deshalb, weil er das Höhere Licht hasst. Doch derjenige, welcher Flossen (Snapir) hat, muss nicht unbedingt Fragen (Kushiot) haben.  Möglicherweise hasst er das Höhere Licht, nicht weil er Fragen hat, sondern weil er einfach so gierig ist und sagt: „Ich werde auf keinen Fall gehen.“

Und das sind die Zeichen der Reinheit, wenn er also Fisch hat, und „Fisch“ (Dag) bedeutet „Fleisch, gehüllt in Schuppen und Flossen“, das heißt das Höhere Licht leuchtet in diesen zwei Zeichen. Arbeitet einer aber und hat keine Fragen in der Arbeit, so gilt dies nicht als ein Zeichen von Reinheit. Dies ist so, weil er keinen Ort hat, in welchen er das Höhere Licht hineingeben könnte, so wie er keinen Grund hat, der ihn zwingen würde, Höheres Licht anzuziehen. Denn auch ohne Höheres Licht glaubt er, mit ihm sei alles vollkommen in Ordnung.

Daher gab Pharao, der König von Ägypten, der wollte, dass das Volk Israel unter seiner Herrschaft bleibe, den Befehl, ihnen kein „Kash“ (Stroh) zu geben. Wie es geschrieben steht: Da zerstreute sich das Volk..., um Stroh zu sammeln...“ Sodann bestünde für sie niemals die Notwendigkeit, dass der Schöpfer sie aus der Herrschaft der Unreinheit in die Kedusha (Heiligkeit) hinausführe.

 

Shamati 94. Und Ihr sollt Eure Seelen bewahren

94. Und ihr sollt eure Seelen bewahren

Ich hörte im Jahr 1945

Im Vers „Und ihr sollt eure Seelen bewahren“ ist hauptsächlich das Bewahren der spirituellen Seele gemeint. Auf die materielle Seele hingegen achtet der Mensch selbst, auch ohne den Befehl der Tora. Denn die Regel lautet, dass das offensichtliche Erkennungsmerkmal einer Mizwa darin liegt, dass er das, was er tut, um der Mizwa (Gebot) willen tut, und gäbe es keine Mizwa, würde er dies nicht tun. Der Grund, weshalb er es aber doch tut, ist wegen der Mizwa.

Somit benötigt er für eine Mizwa, die er ausführt - wenn er es auch täte, selbst wenn es ihm nicht befohlen wäre - besondere Sorgfalt, um einen Ort zu finden, wo er sagen kann, dass er dies nur um einer Mizwa willen tut.

Dann kann das Licht der Mizwa auf die von ihm durchgeführte Handlung der Mizwa leuchten. Dies nennt man „mit der Mizwa ein Kli bereiten“, in dem das Höhere Licht sein kann. Daher bezieht sich die Sorgfalt hauptsächlich auf die spirituelle Seele.

 

Shamati 95. Die Entfernung der Vorhaut

Ich hörte während eines Festmahls anlässlich einer  Beschneidungsfeier, im Jahr 1943 in Jerusalem

Malchut an sich wird „untere Chochma (Weisheit)“ genannt, und hinsichtlich ihrer Bindung an Jessod heißt sie „Glaube.“ Und über Jessod liegt eine „Vorhaut“, deren Aufgabe es ist, Malchut von Jessod zu trennen und sich nicht mit Jessod verbinden zu lassen. Die Kraft der Vorhaut besteht darin, dass sie ausmalt, der Glaube sei Staub. Dies ist die Bedeutung von „Shechina (göttliche Gegenwart) im Staub.“

Und wenn man diese darstellende Kraft entfernt, ja sogar sagt, die ausmalende Kraft ist Staub, dann heißt das Beschneidung, wenn die Vorhaut abgeschnitten und die Vorhaut in den Staub geworfen wird.

In diesem Zustand erhebt sich die heilige Shechina aus dem Staub, und dann wird die Erhabenheit des Glaubens sichtbar. Und das wird als Erlösung bezeichnet, wenn man der Erhebung der Shechina aus dem Staub würdig wurde. Aus diesem Grunde soll man alle Arbeit darauf konzentrieren, die darstellende Kraft zu entfernen. Und nur der Glaube gilt als vollkommen.

„Sie sind übergenau mit sich selbst, so sehr wie eine Olive und wie ein Ei.“ Eine „Olive“ ist wie die Turteltaube sagte: „Lieber sollen meine Speisen bitter sein wie eine Olive, die von Oben kommt.“ Und „wie ein Ei“ bedeutet, dass es darin keinerlei Leben gibt, obwohl daraus ein Lebewesen hervorkommen wird, doch im Moment sieht man darin kein Leben. Und sie sind übergenau mit sich selbst und ziehen es vor zu arbeiten, obwohl dieser Zustand wie eine „Olive“ ist.

Auch wenn sie sehen, dass es in der Arbeit keinerlei Lebenskraft gibt und all ihre Kraft zur Arbeit daraus resultiert, dass ihre ganze Ausrichtung nur darauf gerichtet ist, die Shechina aus dem Staub zu erheben, dann erlangen sie dank dieser Arbeit die Erlösung. Und dann sehen sie, dass dieses Mahl, welches vorher wie eine Olive und ein Ei war, nun lebendig und süß und wunderbar angenehm geworden ist.

Und dies ist die Bedeutung von „ein übergetretener Konvertierter ist wie ein Neugeborenes.“ Auch dann muss er das Bündnis einhalten, und dann wird er sich freuen.

Und daraus folgt, dass zu der Zeit, wenn man ein Neugeborenes beschneidet, die Anwesenden und die Eltern sich freuen, obwohl das Kind leidet; denn sie glauben, dass sich die Seele des Kindes freut. Ähnlich müssen wir uns während der Arbeit des Bündnisses freuen, obwohl wir einen Zustand von Leid verspüren. Trotz alledem sollten wir glauben, dass unsere Seele glücklich ist.

Unsere ganze Arbeit sollte aus Freude geschehen. Und der Beweis hierfür resultiert aus dem ersten Gebot, welches dem Menschen auferlegt wurde. Das Gebot wird durch die Eltern erfüllt, und die Eltern und Anwesenden freuen sich. So sollten alle Gebote (Mizwot) vom Menschen erfüllt werden: nur mit Freude.

 

Shamati 96. Der Abfall des Dreschbodens und des Weinkellers in der spirituellen Arbeit

Ich hörte am Abend von Sukkot in der Sukka im Jahr 1942

Ein Dreschboden (Goren) bedeutet männliche Dinim (Urteil), so wie es heißt „verborgen und nicht verunreinigt“, wenn er fühlt, dass er in einem Zustand von Goren (Dreschboden) ist, was Ger (Fremder) in der Arbeit bedeutet.

Ein Weinkeller (Jekew) bedeutet weibliche Dinim, so wie [geschrieben steht] „verborgen und verunreinigt.“ Jekew (Weinkeller) wird als Nekew (Öffnung) angesehen.

Und es gibt zwei Arten von Sukkot:

1. Wolken der Ehre

2. Abfall von Dreschboden und Weinkeller.

Eine Wolke gilt als Verhüllung, wenn der Mensch die Verhüllung fühlt, die über der Heiligkeit ist. Und wenn der Mensch die Wolke, also die von ihm empfundene Verhüllung, überwindet, dann erlangt er hierdurch die Wolken der Ehre. Dies wird MaN de Ima genannt und geschieht während der sechstausend Jahre. Und das ist der Aspekt von Sod (Geheimnis), der noch nicht zur Natur geworden ist, welche als Pshat (enthüllt) bezeichnet wird.

Und der Abfall des Dreschbodens und des Weinkellers werden „Pshat und Natur“ genannt, welche MaN de Malchut ist, die gerade durch den Glauben errichtet ist, welche das „Erwachen von unten“ genannt wird. Und MaN de Ima ist die Erweckung von Oben, was nicht der Natur entspricht. Das bedeutet, dass der Mensch seitens der Natur, wenn er nicht in der Lage ist, die Fülle zu empfangen, keinerlei Geben erhält. Seitens der Erweckung von Oben hingegen, die über der Natur ist, wirkt das Licht tatsächlich auf die Unteren gemäß: „Ich bin der Herr, der unter ihnen inmitten ihrer Unreinheit weilt.“ So wie im heiligen Sohar geschrieben steht: „Obwohl er gesündigt hat, ist es so, als hätte er überhaupt nicht gesündigt.“ Bei einem Erwachen von unten jedoch wird das Licht nicht gegeben. Sondern eben dann, wenn der Mensch vonseiten der Natur geeignet ist, was bedeutet durch ihn selbst, was MaN de Nukwa genannt wird, was er durch den Glauben korrigieren kann. Und dies wird „von seiner Seite“ genannt, das siebte Jahrtausend, genannt „und einer ist zerstört“, was bedeutet, dass „sie nichts Eigenes hat“, was Malchut ist. Wenn dies korrigiert wird, erlangt man das zehnte Jahrtausend, was GaR ist. So eine Seele ist in einer von zehn Generationen zu finden. Es gibt jedoch die Unterscheidung des siebten Jahrtausends, aus dem Blickwinkel der sechstausend Jahre, „einzeln“ genannt. Denn das Allgemeine und das Einzelne sind immer gleichwertig. Dies ist jedoch MaN de Ima, genannt die Wolken der Ehre.

Und der Zweck der Arbeit ist im Aspekt von Pshat und der Natur, da er in dieser Arbeit keinen Raum mehr hat, weiter nach unten zu fallen, da er bereits auf der Erde liegt. Und dies ist so, weil er keine Größe benötigt, da es für ihn immer wie etwas Neues ist.

Dies bedeutet, dass er immer so arbeitet, als hätte er gerade zu arbeiten begonnen.

Und er arbeitet im Aspekt der Annahme der Last des himmlischen Königreichs über dem Verstand. Das Fundament, auf welchem er die Reihenfolge der Arbeit aufgebaut hat, war in der niedrigsten Form. Und alles war über dem Verstand. Nur wer ein echter Narr ist, kann so niedrig sein, dass er ohne Basis vorgeht, auf der er den eigenen Glauben bauen kann, wirklich ohne jegliche Unterstützung.

Und zusätzlich nimmt er diese Arbeit mit großer Freude an, so als hätte er echtes Wissen und Sicht, auf die er die Gewissheit des Glaubens gründen kann. Und genau im selben Maße über dem Verstand. Genau im selben Maße, als hätte er Verstand. Wenn er daher auf diesem Wege beständig ist, kann er niemals fallen. Vielmehr kann er immer in Freude sein, dadurch dass er glaubt, er diene einem großen König.

Dies ist die Bedeutung des Geschriebenen: „Das eine Lamm sollst du am Morgen opfern und das andere Lamm sollst du bei der Dämmerung opfern [...], so wie die Opferung der Speise am Morgen und dessen Trinkopfer.“ Dies bedeutet, dass eben diese Freude, die er während der Darbringung seines Opfers empfand, als es für ihn Morgen war, wobei Morgen „Licht“ genannt wird, was bedeutet, dass das Licht der Tora für ihn in äußerster Klarheit schien; in eben dieser Freude brachte er sein Opfer dar, das heißt seine Arbeit, obwohl es für ihn wie Abend war.

Dies bedeutet: Obwohl er keinerlei Klarheit in der Tora und in der Arbeit hatte, tat er doch alles mit Freude, da er über der Vernunft arbeitet. Daher kann er nicht messen, welcher Zustand den Schöpfer mehr erfreut.

Dies ist die Bedeutung davon, dass Rabbi Shimon Ben Menasia eine „Art Stoff“ gepredigt hat. Stoff bedeutet ohne Wissen und Verstand. „Ein Ohr, das auf dem Berge Sinai hörte, wird nicht stehlen.“ Dies bedeutet für sich selbst nichts zu empfangen, sondern das Joch des himmlischen Königreichs ohne jegliche Gadlut (Größe) auf sich zu nehmen, jedoch vollkommen über dem Verstand. Und er ging hin und stahl etwas von dem Leuchten für sich, das heißt, er sagt, nun kann ich bereits der Diener des Herrn sein, da ich schon Wissen und Verstand in der Arbeit habe, und ich verstehe, dass es sich lohnt ein Diener des Herrn zu sein, und daher benötige ich jetzt keinen Glauben über dem Verstand mehr.

Darüber sagt man uns: „Und er wurde an das Gericht verkauft.“ Mit „Gericht“ ist das Wissen und der Verstand des Menschen gemeint, welche die Handlungen des Menschen danach beurteilen, ob sie es Wert sind sie zu tun oder nicht.

„Er wurde verkauft“ bedeutet, dass er zu einem Fremden in der Arbeit des Herrn geworden ist, wenn der Verstand kommt und ihm die bekannte Frage stellt: „Was ist diese Arbeit?“ Und er kommt von der Seite des Stehlens, von der Seite, wo er schon eine Art Bestätigung für die Wahrnehmung des Glaubens erhalten hat. Daher kommt er und möchte die Bestätigung mit seinen Fragen löschen. Dies ist jedoch nur für „sechs“, das heißt, „er wurde für sechs Jahre verkauft“, was männliche Dinim sind. Wenn der hebräische Diener jedoch sagt: „Ich liebe meinen Herrn ... ich werde nicht frei hinaus gehen“, was bedeutet, dass er ohne die Mizwot nicht in die Freiheit hinausgehen möchte, dann ist die Korrektur „sein Herr wird ihm bringen“, was der Herr der ganzen Welt „zur Tür oder zum Türpfosten“ bedeutet, das heißt, dass er das Empfangen des Königreichs des Himmels blockiert. Und „er durchbohrte“, was bedeutet, dass man ihm ein Loch in sein Ohr machte. Was bedeutet, dass man ihm ein anderes Loch macht, damit er noch einmal hören könne, was er auf dem Berge Sinai gehört hat: „Stehle nicht.“ Und: „Diene Ihm für immer.“ Denn dann wird er wirklich zum Diener des Herrn.  

Sukkot ist ein vorübergehender Wohnort. Dies bedeutet, wer bereits einen ständigen Wohnort erlangt hat und nichts weiter zu tun hat, als mit der Angelegenheit des ersten die Missetaten zu zählen, dann ist es geraten zu einem vorübergehenden Wohnort hinauszugehen. So wie es war, als er auf dem Wege zum Hause des Göttlichen war, bevor er beim festen Wohnort ankam. Zu jener Zeit hatte er stets das Bedürfnis im Gemach des Schöpfers anzukommen. Und er hatte Gäste, also als seine Arbeit in der Art eines vorbeigehenden Gastes war.

Und nun kann er [aus der] Zeit der vergangenen Arbeit fortsetzen, wo er stets dem Schöpfer dankte und Ihn pries, dafür dass Er ihn jedes Mal annäherte. Und darüber fühlte er Freude. Die einst von ihm empfundene Freude kann er nun an Sukkot fortsetzen. Und dies ist die Andeutung an eine vorübergehende Wohnung. Daher sagten sie: „Gehe hinaus aus deiner ständigen Wohnung und verweile an einem vorübergehenden Wohnort.“

„Nicht das Studium ist das Wichtigste, sondern die Handlung.“ Dies bedeutet, dass eine Handlung wie eine Art Stoff genannt wird. So wie Rabbi Shimon Ben Menasia „eine Art Stoff“ predigte: dass die Hauptsache die Handlung ist, und der Verstand ist nur wie ein Spiegel.

Aber ebenso wird die Handlung als Stufe des „belebten“ und der Verstand als „sprechend“ bezeichnet. Die Sache ist so, wenn es Vollkommenheit in der Handlung gibt, dann ist die Handlung so groß, dass sie den Verstand der Tora mit sich bringt. Und der Verstand der Tora wird Aspekt des Sprechenden genannt.  

 

Shamati 97. Abfälle des Dreschbodens und der Weinkellerei

Ich hörte

Goren (Dreschboden) bedeutet eine geringe Menge an guten Taten, wenn der Mensch den Aspekt von Gronot (Hebr.: Hälse; klingt wie Ger’onot – Mängel) mit dem Schöpfer verspürt. Daher verringert er die guten Taten. Und danach kommt er in den Aspekt von Jekew (Weinkeller)was die Bedeutung von „Und er beleidigt den Namen des Schöpfers“ ist.

Sukkot (Laubhüttenfest) wird als Freude angesehen, was „erfreuende Gwurot“ sind, was Reue aus Liebe darstellt, wobei die Vergehen ihm zu Verdiensten werden. Und dann gehen sogar der Dreschboden, Goren, und die Weinkellerei, Jekew, in die Heiligkeit ein.

Und das ist die Bedeutung davon, dass Isaak der Kern von Sukkot (Laubhüttenfest) ist, da alle in ihm eingeschlossen sind (und Pessach ist der Aspekt der Liebe, also der Rechten). Und das ist die Bedeutung [des Verses]: „Und Abraham gebar Isaak.“

Denn das Thema von Vater und Sohn ist das von Verursacher und Folge, Ursache und Ergebnis. Wenn es also vorher nicht den Aspekt von Abraham gegeben hätte, der Rechten, hätte man nicht zum Aspekt von Isaak gelangen können, der Linken. Vielmehr ist die Linke in der Rechten eingeschlossen. Und das ist die Bedeutung von [dem Vers]: „Denn du bist unser Vater.“

Abraham sagte: „Und sie werden ausgelöscht wegen der Heiligung Deines Namens.“ Und so sagte auch Jakob, dass die Bedeutung davon ist, dass die Übertretungen „wegen der Heiligung Deines Namens“ ausgelöscht werden. Und wenn dies so bleibt, dann befindet sich also ein Bruch in der Mitte. Das heißt, die Sünden, die es in der Gemeinschaft Israels geben wird, sind also wie ein Bruch in der Kedusha (Heiligkeit).

Isaak jedoch sagte: „Eine Hälfte ist auf mir und eine Hälfte ist auf dir“, was den Teil der Übertretungen und den Teil der Mizwot bedeutet, das heißt, dass beide in die Heiligkeit eintreten werden. Und das kann mittels Reue aus Liebe sein, wobei Vergehen sich für ihn zu Verdiensten verwandeln. In diesem Zustand gibt es keinen Bruch, wie es geschrieben steht: „Es gibt keinen Bruch und kein Klagegeschrei“[1], sondern es ist alles für die Kedusha korrigiert.

Und das ist die Bedeutung dessen, was die Weisen sagten: „Größer ist der Mist des Maultieres von Isaak als das Geld und das Gold von Abimelech.“

„Mist“ heißt eine nichtige Sache, die keinen Wert hat. Also dass seine Arbeit für ihn Mist war. Und danach kommt ein Zustand der Trennung. Da er seine Arbeit nicht wertschätzt, gelangt er zur Trennung. Und das heißt „Mist und Maultier von Isaak“. Da aber Isaak alles im Aspekt von Reue aus Liebe korrigierte, wobei seine Vergehen ihm zu Verdiensten wurden, sind die Gewinne, die er wegen Mist und Maultier macht, größer als das Geld und das Gold von Abimelech.

Sein Kessef (Geld) bedeutet Kissufim (Verlangen) nach dem Schöpfer. Und Sahav (Gold) bedeutet Se-Hav (gib mir das), was die Sehnsucht nach der Tora darstellt, also nach der Erkenntnis der Tora. Und da Isaak alles korrigierte, das heißt, er erreichte die Reue aus Liebe, wurden ihm dann die Vergehen als Verdienste angerechnet. Und er war sowieso ein großer Reicher, denn beim Einhalten der Mizwot gibt es nicht mehr als 613 Mizwot; Übertretungen und Vergehen sind hingegen grenzenlos. Daher wurde Isaak reich, wie es geschrieben steht: „Und er hat hundert Tore gefunden.“ Was bedeutet, dass er hundert Prozent in der Kedusha hatte, ohne jeglichen Abfall, da auch der Abfall in ihm korrigiert war.

Daher wird die Bedeckung der Sukka (Laubhütte) aus dem Abfall des Dreschbodens und der Weinkellerei gemacht. (Und man kann sagen, wie die Weisen sagten, dass Moses vom Abfall reich wurde.) Daher wurde Sukkot hauptsächlich nach Isaak benannt, der die sich erfreuenden Gwurot darstellt, und auch auf den Namen von Moses geht Sukkot zurück.



[1] Psalm 144, 14

 

Shamati 98. Als Spiritualität wird etwas bezeichnet, das niemals verloren geht

Ich hörte im Jahr 1948

Als Spiritualität wird bezeichnet, was niemals verloren geht. Daher wird der Wille zu empfangen in der Form, in der er sich befindet, nämlich „um zu empfangen“, als Körperlichkeit bezeichnet, denn er wird sich von dieser Form lösen, und die Form „um zu geben“ annehmen.

Die Realität des Raumes wird in der Spiritualität als Ort (Raum, Platz) der Wirklichkeit bezeichnet, weil jeder der dorthin kommt – also an diesen Ort –, die gleiche Form sieht wie ein anderer. Eine imaginäre Sache dagegen wird nicht als real bezeichnet, da sie imaginär ist, und jeder stellt [sie] sich auf eigene Weise vor.

Wenn wir sagen, dass die Tora „siebzig Gesichter“ hat, so sind dies siebzig Stufen. Und auf jeder Stufe wird die Tora gemäß der Stufe, auf der sich der Mensch befindet, interpretiert. Aber die „Welt“ (Olam) ist Wirklichkeit. Das bedeutet, dass jeder, der eine gewisse Stufe von den siebzig Stufen derselben Welt erfasst, die gleiche Form erkennt wie alle, die dorthin kamen.

Daraus geht das von unseren Weisen Gesagte hervor, welche die Verse der Tora deuten. Sie sagen: „So sprach Abraham zu Isaak“ und andere ähnliche Sprüche unserer Weisen. Sie sprachen das Gesagte aus, was in den Versen erläutert wird. Und es stellt sich die Frage: Woher wussten sie, was der eine zum anderen sagte?

Doch wie oben gesagt wurde, sahen und wussten diejenigen, die auf die Stufe gelangten, auf welcher Abraham oder wer auch immer stand, genau dasselbe, was Abraham sah und wusste.

Daher wissen sie, was Abraham sagte. Und so gilt das für alle Deutungen der Weisen, in denen sie die Verse der Tora auslegten. All das taten sie, weil auch sie die gleiche Stufe erfassten. Und jede Stufe in der Spiritualität ist Wirklichkeit, wobei alle die Wirklichkeit sehen. Wie alle, die in die Stadt London in England kommen, sehen, was es in der Stadt gibt, und hören, worüber in der Stadt gesprochen wird.



 

Shamati 99: Er sagte nicht: „Ein Bösewicht oder ein Gerechter."

Ich hörte am 21. Ijar in Jerusalem

„Rabbi Chanina Bar Papa sagte: ‚Jener Engel, der verantwortlich ist für die Empfängnis, sein Name ist Laila (Nacht). Und er nimmt einen Tropfen und stellt ihn vor den Schöpfer und sagt vor Ihm: ‚Herr der Welt, was soll aus diesem Tropfen werden, ein Held oder ein Schwächling, ein Weiser oder ein Dummer, ein Reicher oder ein Armer‘? Jedoch sagte er nicht: ‚Ein Bösewicht oder ein Gerechter.‘“[1]

Und es sollte gemäß der Regel dargelegt werden, dass ein Dummer kein Gerechter werden kann, so wie die Weisen sagten: „Der Mensch sündigt nicht, es sei denn, der Geist der Dummheit ist in ihn gefahren.“ Umso mehr gilt dies für den, der alle seine Tage ein Narr ist. Demzufolge hat derjenige, der als Narr geboren wurde, keinerlei Wahl, da er dazu bestimmt wurde, ein Dummer zu sein. Wenn daher gesagt wurde: „Er sagte nicht: ein Gerechter oder ein Bösewicht“, so deshalb, damit er eine Wahl habe. Und was ist der Nutzen, wenn er nicht sagte: „Ein Gerechter oder ein Bösewicht“? Denn wenn er dazu bestimmt ist, ein Dummkopf zu sein, ist das dann nicht dasselbe, wie zum Bösewicht bestimmt zu sein?

Und so müssen wir die Worte der Weisen verstehen: Rabbi Yochanan sagte, der Schöpfer sah, dass die Gerechten wenige waren. Er stand und pflanzte sie in jede Generation, so wie geschrieben steht: „Denn die Pfeiler der Welt sind des Schöpfers und er hat die Welt auf sie gestellt.“ Und Rashi interpretiert: „‚Er hat die Welt auf sie gestellt.‘ – Er verteilte sie auf alle Generationen, auf dass sie eine Grundlage und eine Existenz und eine Basis seien für den Erhalt der Welt.“[2]

„Sie sind wenige“ bedeutet, dass sie weniger werden. Was tat Er daher, damit sie sich vermehrten? Er stand und pflanzte sie in jede Generation. Und es muss gefragt werden: Was ist der Nutzen davon, sie in jede Generation zu pflanzen, wodurch sie sich vermehren? Wir müssen verstehen, was der Unterschied dabei ist, ob alle Gerechten in einer Generation oder über alle Generationen hinweg verteilt sind, so wie Rashi darlegt. Vermehren sich die Gerechten dadurch, dass sie in mehreren Generationen vorhanden sind?

Um das Obige zu verstehen, müssen wir die Worte der Weisen, dass der Schöpfer darüber bestimmt, ob aus dem Tropfen ein Weiser oder ein Dummer wird, weiter ausführen und darlegen. Das heißt, derjenige, der schwach geboren ist, also ohne die Kraft, seine Neigung zu überwinden, und mit einem schwachen Verlangen und ohne Begabung zur Welt gekommen ist – und das auch während der Zeit der Vorbereitung, das heißt in der Zeit, wenn der Mensch die Arbeit des Schöpfers beginnt –, muss geeignet sein, die Tora und die Weisheit zu empfangen, so wie geschrieben steht: „Wird den Weisen Weisheit geben.“ Und es stellt sich die Frage: „Wenn sie bereits weise sind, warum benötigen sie dann noch Weisheit? Es hätte heißen sollen: ‚Wird den Dummen Weisheit geben.‘“

Und er erklärt, dass als Weiser jener bezeichnet wird, der nach Weisheit strebt, obwohl er noch keine Weisheit besitzt. Stattdessen hat er, da er einen Willen hat und ein Wille ein Kli genannt wird – und somit all jene, die den Willen und die Sehnsucht nach Weisheit haben –, ein Kli, in welches die Weisheit scheint. Daraus folgt: Wer dumm ist, das heißt, wer kein Verlangen nach Weisheit hat und dessen ganzes Verlangen auf seine eigenen Bedürfnisse gerichtet ist, ist hinsichtlich des Gebens ein Dummer und unfähig, irgendeine Form des Gebens zu erreichen.

Wie kann daher ein Mensch, der mit solchen Eigenschaften geboren wurde, auf die Stufe eines Gerechten gelangen? Daraus folgt, dass er keine Wahlfreiheit hat. Was hat es daher für einen Nutzen zu sagen: „Er sagte nicht: ‚ein Gerechter oder ein Bösewicht‘, damit er eine Wahl hätte“? Da er dumm und schwach geboren wurde, hat er bereits keine Möglichkeit der Wahl, da er zu keinerlei Überwindung und Verlangen nach der Weisheit des Schöpfers fähig ist.

Um dies zu verstehen, das heißt, dass selbst ein Dummer die Wahl haben kann, machte der Schöpfer eine Korrektur, welche die Weisen nennen: „Der Schöpfer sah, dass die Gerechten wenige waren. Er stand und pflanzte sie in jede Generation.“ Und wir fragten: „Was ist der Nutzen davon?“

Nun werden wir die Angelegenheit verstehen.

Es ist nämlich bekannt, dass es verboten ist, sich mit den Bösewichten zu verbinden, sogar wenn man nicht so handelt wie sie, so wie geschrieben steht: „Und er saß nicht in einer Versammlung von Spöttern.“ Dies bedeutet, dass das hauptsächliche Vergehen das Sitzen unter den Spöttern ist und das, obwohl er da sitzt und die Tora studiert und die Gebote einhält. Andernfalls wäre das Verbot wegen der Auslöschung der Tora und der Gebote. Vielmehr ist es so, dass das Sitzen selbst verboten ist, da der Mensch die Gedanken und das Verlangen jener annimmt, die er mag.

Und umgekehrt: Wenn er keinen Willen und kein Verlangen nach Spiritualität hat – wenn er sich unter Menschen befindet, die das Verlangen und den Willen nach Spiritualität haben, wenn er diese Menschen mag, so nimmt auch er ihre Überwindungskraft und ihre Wünsche und Bestrebungen an, obwohl er selbst aus eigener Kraft jene Wünsche und Verlangen und die Überwindungskraft nicht hat. In dem Maße jedoch, wie er jenen Menschen Lieblichkeit und Wichtigkeit zuschreibt, erhält er neue Kräfte.

Nun können wir obige Worte verstehen: „Der Schöpfer sah, dass die Gerechten wenige waren.“ Dies bedeutet, dass nicht jeder Mensch fähig ist, ein Weiser zu sein, da es ihm an den Eigenschaften dafür mangelt, so wie geschrieben steht, dass er als Dummkopf oder Schwächling geboren wurde, [trotzdem] hat auch er die Wahl und hat keine Ausrede aufgrund seiner eigenen Eigenschaften. Dies ist so, weil der Schöpfer die Gerechten in jede Generation pflanzte.

Daher hat der Mensch die Wahl, ob er zu dem Ort gehen will, wo es Gerechte gibt. Indem er ihre Autorität annimmt, wird er die Kräfte erhalten, die ihm selbst seitens seiner natürlichen Eigenschaften fehlen. Er wird sie von den Gerechten erhalten. Und dies ist der Nutzen von „und Er verteilte sie auf jede Generation“, damit es in jeder Generation jemanden gäbe, an den man sich wenden und ihm anhaften kann und von dem man die Kräfte erhalten kann, um zur Stufe eines Gerechten aufzusteigen. Und dadurch werden sie anschließend selbst zu Gerechten.

Daraus folgt, dass „Er sagte nicht: ‚ein Gerechter oder ein Bösewicht‘“ bedeutet, dass er die Wahl hat zu gehen und den Gerechten anzuhaften, um Führung zu erhalten und durch sie Kräfte zu bekommen. Dadurch können auch sie später zu Gerechten werden.

Wären jedoch alle Gerechten in einer Generation, hätten die Dummen und Schwachen keine Möglichkeit, sich dem Schöpfer anzunähern, und daher keine Wahl. Dadurch jedoch, dass alle Gerechten in jede Generation verteilt wurden, hat jeder Einzelne die Kraft der Wahl zu gehen und sich an die in jeder Generation vorhandenen Gerechten anzunähern. Ansonsten wäre seine Tora gezwungenermaßen eine Todesdroge.

Und dies können wir aus einem irdischen Beispiel verstehen. Wenn zwei Menschen einander gegenüberstehen, ergibt sich, dass die Rechte des einen der Linken des anderen gegenübersteht, und die Linke des Zweiten der Rechten seines Freundes gegenüberliegt. Und da es zwei Wege gibt, den rechten, den Weg der Gerechten, deren ganze Sorge allein dem Geben gilt, und den linken Weg, dessen ganze Aufmerksamkeit nur dem Empfangen für sich selbst gilt, worin sie sich vom Schöpfer trennen, der nur Geben ist, so werden sie selbstverständlich vom Leben des Lebens getrennt.

Daher werden die Bösewichte in ihren Leben „tot“ genannt. Daraus folgt, dass sie in der Zeit, in der der Mensch die Anhaftung an den Schöpfer noch nicht erlangt hat, zwei sind.

Dann, wenn der Mensch die Tora lernt, was „rechts“ genannt wird, ist dies jedoch zur Linken des Schöpfers, was bedeutet, dass er die Tora um des Empfangens für sich selbst willen lernt, was ihn vom Schöpfer trennt. Dann wird die Tora ihm zur Todesdroge, weil er in der Trennung bleibt. Denn er will, dass die Tora seinen Körper einkleidet, was bedeutet, dass er möchte, dass die Tora seine Körperlichkeit vergrößert, und dadurch wird sie ihm zur Todesdroge.

Wenn sich der Mensch dem Schöpfer anhaftet, entsteht ein einziger Herrschaftsbereich, und der Mensch verbindet sich mit Seiner Einzigartigkeit. Dann wird seine Rechte zur Rechten des Schöpfers, und der Körper wird zur Kleidung seiner Seele.

Um zu wissen, ob er auf dem Weg der Wahrheit geht, sollte er, wenn er sich um körperliche Bedürfnisse kümmert, erkennen, dass er sich nicht mehr, als für seine Seele notwendig ist, mit ihnen beschäftigt. Und wenn es ihm scheint, er habe mehr, als nötig ist, um die Bedürfnisse der Seele einzukleiden, dann ist dies in seinen Augen wie die Kleidung, in die der Mensch seinen Körper kleidet.

Dann achtet er sehr genau darauf, dass die Kleidung weder zu lang noch zu weit ist, sondern seinen Körper genau einkleidet.

Ähnlich ist es, wenn der Mensch in seinen körperlichen Bedürfnissen ist, dann muss er sorgfältig darauf achten, dass da nicht mehr ist, als er für seine Seele benötigt, das heißt, dass es seine Seele einkleidet.

Um zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen: Nicht jeder, der den Schöpfer nehmen will, kann kommen und nehmen, da dies gegen die Natur des Menschen ist, der im Willen zu empfangen geschaffen wurde, der Eigenschaft der Selbstliebe. Daher benötigen wir die Gerechten der Generation.

Denn wenn der Mensch einem wirklichen Rav anhaftet, dessen einziger Wunsch es ist, gute Taten zu vollbringen, der Mensch jedoch wahrnimmt, dass er zur Ausführung guter Taten nicht fähig ist – also darauf ausgerichtet zu sein, dem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten – dann kann er seinem Rav anhaften und Kräfte von diesem empfangen, auch wenn er selbst von Geburt an keine dieser Eigenschaften besitzt. Und dies allein dadurch, indem er einem wirklichen Rav anhaftet und in dessen Augen Gefallen finden will – also die Dinge tut, die sein Rav liebt, und die Dinge hasst, die auch sein Rav hasst. Dies ist die Bedeutung dessen, dass Er die Gerechten in jede Generation pflanzte.

Was dies angeht, ist es jedoch schwierig zu sehen, warum er die Gerechten in jede Generation verteilt hat. Wir sagten, dies sei wegen der Dummen und Schwächlinge. Er hätte dies jedoch nach einem anderem Rat lösen können: die Dummen gar nicht erst zu erschaffen. Wer verpflichtete Ihn zu sagen, ob dieser Tropfen ein Dummer oder ein Schwächling werden soll? Er hätte alle weise erschaffen können.

Die Antwort ist, dass auch die Dummen benötigt werden, denn sie sind die Träger des Willens zu empfangen. Und sie sehen, dass sie von ihrer Seite keinen Rat haben, wie sie sich alleine an den Schöpfer annähern können, so sind sie so wie jene, über die geschrieben steht: „Und sie sollen hinausgehen und die Leichen jener Menschen sehen, denn ihr Wurm wird nicht sterben, noch werde ihr Feuer gelöscht und sie sollen eine Abscheu für alles Fleisch hegen.“

Sie sind zur Asche unter den Füßen der Gerechten geworden, wodurch die Gerechten das Gute erkennen, das ihnen der Schöpfer zuteilwerden ließ, dass er sie weise und heldenhaft erschuf, wodurch er sie an Ihn annäherte. Und nun können sie dem Schöpfer darin danken und ihn preisen, da sie sehen, wie sie sich in einem Zustand der Minderwertigkeit befinden. Und dies wird „Asche unter den Füßen der Gerechten“ genannt, was bedeutet, dass die Gerechten dadurch gehen und den Schöpfer preisen.

Wir müssen jedoch wissen, dass auch die niedrigeren Stufen benötigt werden. Dass die Kleinheit (Katnut) der Stufe nicht als etwas Überflüssiges angesehen wird, um nicht zu sagen, dass es besser wäre, wenn die Stufen der Kleinheit sofort mit der Größe (Gadlut) geboren würden.

Denn dies ist wie beim irdischen Körper, der gewiss wichtige Körperteile hat, so wie das Gehirn und die Augen und solcherlei, und auch Teile, die nicht so wichtig sind, so wie der Magen und die Eingeweide, die Finger und Zehen. Und man kann nicht sagen, dass irgendein Körperteil, der eine nicht so wichtige Aufgabe hat, überflüssig sei, sondern alles ist wichtig.

So ist es auch in der Spiritualität. Auch die Dummen und die Schwachen benötigen wir.

Nun können wir verstehen, was geschrieben steht, dass der Schöpfer sagt: „Kehre zu Mir zurück und Ich werde zu Euch zurückkehren.“ Dies bedeutet, dass der Schöpfer sagt: „Kehre zurück“, und Israel sagt das Gegenteil: „Bring uns zurück zu Dir, Herr, und dann werden wir zurückkehren.“

Dessen Bedeutung ist, dass während des Abstiegs von der Arbeit der Schöpfer zuerst „Kehre zurück“ sagt. Dies bringt dem Menschen einen Aufstieg in der Arbeit des Schöpfers. Dann beginnt der Mensch zu schreien: „Bring uns zurück!“ Zur Zeit des Abstiegs jedoch ruft der Mensch nicht: „Bring uns zurück!“, sondern im Gegenteil, er flieht vor der Arbeit. Daher muss der Mensch wissen, dass zu der Zeit, wo er „Bring uns zurück!“ schreit, dies durch ein Erwecken von Oben kommt, da der Schöpfer zuvor gesagt hatte: „Komm zurück“, wodurch man einen Aufstieg erfährt und „Bring uns zurück!“ sagen kann.

Und dies ist die Bedeutung von „Und es wird sein, als die Lade aufbrach, dass Moses sagte: ‚Erhebe Dich, Schöpfer, und lasse Deine Feinde sich zerstreuen.‘“ Denn „aufbrechen“[3] bedeutet, dass man in der Knechtschaft des Schöpfers voranschreitet, was ein Aufstieg ist, dann sagte Moses: „Erhebe Dich“, und als sie ruhten, sagte er: „Kehre zurück, Schöpfer“. Und während der Ruhe von der Arbeit des Schöpfers benötigt man, dass der Schöpfer sagt: „Kehre zurück“, was bedeutet: „Kehrt zu Mir zurück“, was bedeutet, dass der Schöpfer das Erwachen gibt. Daher sollte man wissen, wann „Erhebe Dich“ oder „Kehre zurück“ zu sagen ist.

Dies ist die Bedeutung dessen, was im Abschnitt Ekew[4] geschrieben steht: „Und Du sollst gedenken des ganzen Weges, [...] um zu erkennen, was in deinem Herzen ist: ob Du Seine Gebote einhalten wirst oder nicht.“ „Ob du Seine Gebote einhalten wirst“ wird als „Kehre zurück“ unterschieden. „Oder nicht“ als „Erhebe Dich“. Und wir benötigen beide. Und der Rav weiß, wann [die Zeit von] „Erhebe Dich“ und die von „Kehre zurück“ ist, da die 42 Pfade die Aufstiege und Abstiege sind, die zur Arbeit des Schöpfers gehören.



[1] Traktat Nida, 16b

[2] Traktat Joma, 38b

[3] Das hebräische Wort bedeutet „reisen“.

[4] 5. Buch Mose 8, 2

 

Shamati 100. Die schriftliche und die mündliche Tora

Ich hörte zum Wochenabschnitt Mishpatim im Jahr 1943

Die schriftliche Tora ist die „Erweckung von Oben“, und die mündliche Tora ist die „Erweckung von unten.“ Und sie beide zusammen heißen: „Sechs Jahre soll er dienen; und im siebenten Jahr soll er freigelassen werden.“[1]

Denn die Hauptarbeit findet eben dort statt, wo es Widerstand gibt. Und [das] wird als „Welt“ (Alma) bezeichnet, vom Wort „Verhüllung“ (He‘elem). Dann, während der Verhüllung, gibt es Widerstand, und dann gibt es Platz für Arbeit. Und darin besteht der geheime Sinn der Aussage der Weisen: „Sechs Jahrtausende existiert die Welt, und eins zerstört.“[2] Mit anderen Worten: Wenn die Verhüllung zerstört sein wird, dann gibt es keine Arbeit mehr. Doch der Schöpfer verleiht ihm Flügel, welche Verhüllungen darstellen, damit er Arbeit habe.



[1] 2. Buch Mose 21, 2

[2] Sanhedrin 97a

 

Shamati 101. Ein Kommentar zum Lied „Dem Sangmeister auf Schoschanim“

Ich hörte am 28. Februar 1943

Für den Sangmeister, den, der bereits gesiegt hat.

Auf Shoshanim (Rosen). Gemeint ist die heilige Shechina, was die Wandlung betrifft von der Trauer zum Feiertag und zur Sasson (Freude) – dies wird im Hebräischen ähnlich geschrieben wie Shoshanim. Und weil es in ihr viele Zustände gibt – Aufstiege und Abstiege – heißen die Abstiege Shoshanim, vom Ausdruck „stumpft seine Shinaim  (Zähne) ab“. Denn die Fragen des Bösewichts sollen nicht beantwortet werden, sondern eher seine Zähne abstumpfen. Und von den vielfältigen Schlägen, das heißt vom vielen Abstumpfen seiner Zähne, gelangen wir zu den Shoshanim (Rosen). Daher sind viele Aspekte von Sasson (Freude) enthalten, weshalb darüber in der Mehrzahl – Shoshanim – gesprochen wird.

Von den Söhnen des Korach, vom Wort karacha (kahl), was bedeutet, dass das Haar ausgefallen ist.

Searot (Haare, שערות) bedeutet Hastarot (Verborgenheiten, הסתרות), vom Wort Seara (Sturm, סערה). Und bekannt ist: „Die Belohnung entspricht der Mühe.“ Das heißt, wenn Searot (Stürme, סערות) bestehen, dann ist Raum für die Arbeit, und wenn er korrigiert, kommt über die Seara (Sturm, סערה) der Zustand Seara (Haar, שערה), nach der Art von: „Dies ist das Tor zum Schöpfer.“ Und wenn der Mensch alle Stürme korrigiert und nichts Verborgenes mehr hat, dann hat er keinen Raum mehr für Arbeit und daher auch keinen Raum mehr für Belohnung.

Daraus folgt, dass zu Zeiten, in denen der Mensch den Zustand Korach erreicht, er den Glauben nicht weiter fortführen kann, genannt „Tor zum Schöpfer“. Denn, wenn es dort kein Tor gibt, kann man nicht in den Palast des Königs eintreten. Denn der Glaube ist die Grundlage, auf der das ganze Gebäude aufgebaut wird.

„Die Söhne des Korach“ stammt vom Wort Bina. Sie haben verstanden, dass Korach eine Erscheinung von smol (links) ist, von wo die Hölle sich ausbreitet. Deshalb wollten sie die Freundschaft fortsetzen, die sie vorher hatten, noch von der Zeit, wo sie im Zustand von „Oh Schöpfer, ich habe von Dir gehört, Dir zugehört und fürchtete mich“[1] waren. Dies bedeutet, dass sie mit der Kraft, die sie aus der Vergangenheit fortführten, die Kraft hatten, die Zustände zu ertragen und von Erfolg zu  Erfolg zu gehen. Dies ist die Bedeutung von „die Söhne Korachs starben nicht.“ Das heißt, sie haben verstanden, dass, wären sie weiter im Zustand von Korach verblieben, sie nicht in der Lage gewesen wären weiterzuleben, also sind sie nicht gestorben. 

Maskil (Gelehrter), ein Liebeslied. Dies bedeutet, dass sie gelernt haben, dass das Maß der Freundschaft mit dem Schöpfer vollkommen ist.

Aufwallt mein Herz. Das Überfließen des Herzens geschieht auf dem Wege „vom Herzen zum Mund enthüllt er nicht.“ Das heißt, dem Munde kann nichts entlockt werden, was nur der Empfang im Herzen ist, so wie mit den Lippen geflüstert.

In schöner Rede. Glauben (Emuna) wird „eine schöne Rede“ genannt.

Ich sage: „Meine Handlung ist für den König.“ In Zeiten, wo er das Licht des Glaubens erhält, sagt er „meine Handlung ist für den König“ und nicht für ihn selbst. Und dann erlangt er den Zustand „meine Zunge ist der Griffel eines geübten Schreibers“, wenn ihm die Erkenntnis der geschriebenen Tora verliehen wird, was die Bedeutung der Zunge Moses ist.

Schön bist Du vor Menschensöhnen. Wenn er zur heiligen Shechina sagt, dass ihre Schönheit von den Menschensöhnen ist. Das heißt von dem, was die Menschensöhne über sie denken, dass sie unbedeutend ist, gerade dadurch entsteht die Schönheit.

Ausgegossen ist die Anmut über deine Lippen. Die Anmut gehört besonders zu Dingen, die man nicht lobpreisen kann, die wir dennoch wirklich wollen. Dann sagen wir, dass sie anmutig sind.

Über Deine Sefataim (Lippen) bedeutet an den Sofot (Enden), was bedeutet, dass er vom Ende der Welt bis zu ihrem Ende sah.



[1]            Sohar, Bereshit 4,7

 

Shamati 102. Und ihr sollt Euch nehmen eine Frucht vom Baum Hadar

Ich hörte am Tag von Ushpisin de Josef

Der Vers „Und ihr sollt Euch nehmen [...] eine Frucht vom Baum Hadar (Ez Hadar)“[1] bedeutet der Aspekt eines Gerechten, genannt „ein Baum, der Früchte trägt“. Dies ist der ganze Unterschied zwischen der Kedusha (Heiligkeit) und der Sitra Achra (andere Seite), dass „ein anderer Gott unfruchtbar ist und keine Früchte trägt“. Ein Gerechter hingegen wird Hadar (Pracht) genannt, weil er eine Frucht erzeugt, er wohnt (dar) in seinem Baum von Jahr zu Jahr. Daher steht bei Josef geschrieben: „Er ist der Ernährer (Mashbir) aller Völker der Länder“, indem er sie mit den Früchten, die er hatte, ernährte. Und sie hatten keine Früchte. Und so fühlte jeder seinen Zustand, ob er von der guten Seite war oder umgekehrt.

Und dies ist die Bedeutung von: „Und Josef versorgte […] mit Brot gemäß dem Wunsche der Kleinen.“ „Die Kleinen“ werden GaR genannt, gemäß dem Geschriebenen „und sie sollen zum Denkband zwischen deinen Augen sein“, was die Tefillin (Gebetsriemen) des Kopfes sind. Aus diesem Grund wird Josef der „Sohn der Alten“, „weiser Sohn“, genannt. Dies ist die Bedeutung von „ich wurde gesandt, um am Leben zu erhalten“, was das „Licht von Chaja“ ist, welches als GaR betrachtet wird.

Dies ist die tiefe Bedeutung des Verses: „Und Ich habe dir einen Shechem (Teil) über deinen Brüdern gegeben, den ich nahm aus der Hand des Amoriters mit meinem Schwerte und mit meinem Bogen.“ (Rashi erklärt: Seine [Josefs] Söhne nahmen zwei Teile. Und „Shechem“ bedeutet „glatt“.) Dies bedeutet, durch seine Söhne, weil Söhne „Früchte“ genannt werden. Und dies gab er Josef.

Dies ist die Bedeutung dessen, was über Saul geschrieben steht: „Von seinen Shechem (Schultern) aufwärts war er größer als jeder im Volk.“ Und dies ist die tiefe Bedeutung von: „Du hast einen Mantel, sei du unser Herrscher.“[2] Und dies ist die tiefe Bedeutung von: „Die Kleinen, warum kommen sie? Um ihre Überbringer zu belohnen.“ Und er fragte: „Warum benötigen sie die Weisheit, wo das Studium doch nicht das Wichtigste ist, sondern die Handlung?“ Und er entgegnete: „Um ihre Überbringer zu belohnen“, da die Weisheit die Handlung hervorbringt.

In der Sache des Streits zwischen Saul und David gab es keinerlei Makel an Saul. Als daher „Saul ein Jahr König war“, musste er die Herrschaft nicht verlängern, da er alles in kurzer Zeit beendet hatte. David hingegen musste vierzig Jahre regieren. David war Sohn von Juda, Sohn der Lea, der verborgenen Welt. Saul hingegen war von Benjamin, der der Sohn der Rachel ist, der enthüllten Welt, und [er] stand somit im Gegensatz zu David. Daher sagte David: „Ich bin Frieden (Shalom)“, was bedeutet: Ich gebe allen und ich liebe alle, „wenn ich jedoch spreche, sind sie für den Krieg“.

Und so stand Absalom (Awshalom) entgegengesetzt zu David. Dies ist die Bedeutung der Sünde von Jerobeam, dem Sohn des Nebat. Der Schöpfer griff seine Kleider und sagte zu ihm: „Ich und du und der Sohn des Isai (= David) werden im Garten Eden wandeln.“ Und er fragte: „Wer führt an?“ Und der Schöpfer antwortete ihm: „Der Sohn des Isai führt an.“ Da antwortete er: „Will nicht.“ 

Und Tatsache ist, dass in der Anordnung der Stufen zuerst die verborgene Welt und dann die enthüllte Welt kommt. Dies ist die Bedeutung von: „Ich habe alles.“ „Ich habe viel.“ „Viel“ ist GaR, „alles“ ist WaK. Dies ist die Bedeutung von: „Wie soll Jakob stehen, denn er ist klein?“ Und dies ist die Bedeutung davon, dass Jakob ihm das Erstgeborenenrecht nahm. Denn danach bekam er „alles“, da er nun auch GaR hatte. Und dies gelangte durch Josef zu ihm, durch „und Josef versorgte“.

Dies ist die Bedeutung von: „Denn Lea war verhasst.“ Denn von ihr gehen aller Hass und alle Streitigkeiten aus, die unter weisen Schülern herrschen. Und dies ist auch die Bedeutung des Streits zwischen Shamai und Hillel. Und für die Zukunft, wenn die zwei Lager vereint sein werden, das heißt das Lager von Josef und das Lager von Juda. Und dies ist die Bedeutung dessen, was Juda zu Josef sagte: „Oh, mein Herr“, weil da die Vereinigung von Juda und Josef war. Aber Juda muss führend sein.

Und dies erklärt, dass der heilige Ari der Messias, Sohn des Josef war. Deshalb konnte er solch eine Weisheit enthüllen. Da er die Erlaubnis von der enthüllten Welt hatte. Und dieser Streit rührte her von: „Und die Kinder kämpften in ihr“, da Esau die begehrenswerten Kleider hatte, die Rebecca hatte.



[1] 3. Buch Mose 23,40

[2] Jesaja 3,6

 

Shamati 103. Von jedem Menschen, dessen Herz willig ist

Ich hörte am Shabbatabend, zum Wochenabschnitt Bereshit, im Oktober 1942

„Von jedem Menschen, dessen Herz willig ist, nehmet Meine Spende.“[1] Das ist die geheime Bedeutung von „der Stoff meiner Spende aus der Heiligkeit“. Mit anderen Worten: Wie kommt der Mensch zum Zustand der Spende? Durch die Heiligkeit.

Die Erklärung davon ist, dass, wenn der Mensch sich selbst durch das heiligt, was ihm erlaubt ist, er dadurch zum Zustand der Spende gelangt, welche die Heilige Shechina (Göttliche Gegenwart) darstellt, die da heißt „Meine Spende“. Und das ist die Bedeutung [des Verses]: „Von jedem Menschen, dessen Herz willig ist.“ Sein ganzes Herz meint, dass, wenn er sein ganzes Herz gibt, er Meiner Spende gewürdigt wird, das heißt, der heiligen Shechina anzuhaften.

Im Vers „an seinem Hochzeitstage, am Tage seiner Herzensfreude“ bedeutet „an seinem Hochzeitstag“ auf einer niedrigeren Stufe zu sein, welche die Niedrigkeit ist. Wenn ein Mensch auf sich nimmt, dem Schöpfer aus Niedrigkeit zu dienen, und er damit einher Freude an der Arbeit hat, dann ist das eine wichtige Stufe. Und dann heißt er „Bräutigam der Heiligen Shechina“.



[1] 2. Buch Mose 25, 2

 

Shamati 104. Und der Zerstörer saß

Ich hörte am Shabbatabend zum Wochenabschnitt Bereshit, im Oktober 1942

Im Sohar, Abschnitt Noah, [steht geschrieben]: „Es gab eine Flut und der Zerstörer saß mittendrin.“ Und er fragte: „Mit Flut ist Sintflut gemeint. Dies an sich ist ein Zerstörer und tödlich. Und was bedeutet dann, dass mitten in der Sintflut der Zerstörer sitzt? Und was ist auch der Unterschied zwischen der Flut und dem Zerstörer?“

Und er antwortete, die Flut seien physische Leiden, das heißt Leiden des  Körpers. Und in ihnen, das heißt den Leiden des Körpers, sei noch ein weiterer Zerstörer, der die Spiritualität zerstöre. Dies bedeutet, dass die Leiden des Körpers ihm fremde Gedanken bringen, bis diese fremden Gedanken seine Spiritualität vernichten und töten.

 

Shamati 105. Ein Bastard und weiser Schüler geht einem ungelehrten Hohepriester voraus

Ich hörte am 1. November 1944, in Tel-Aviv

„Ein Bastard und weiser Schüler geht einem ungelehrten Hohepriester voraus.“

Ein Bastard bedeutet „fremder Gott“ und „grausam.“ Indem der Mensch das Verbot übertritt, sich an andere Götter zu wenden, zeugen sie ihm den Bastard.

Sich an andere Götter zu wenden, bedeutet, er paart sich mit der Sitra Achra (andere Seite), was die weibliche Scham ist. Dies wird genannt: „Wer über die Schamteile kommt und einen Bastard daraus gebärt.“

Und der Verstand der Hausherren ist dem Verstand der Tora entgegengesetzt. Daher gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen dem ungelehrten und dem weisen Schüler. Und hier herrscht ein großer Unterschied, wenn der Mensch den Bastard gezeugt hat. Ein weiser Schüler behauptet, dass auch dies vom Schöpfer kommt. Er sagt, dass der Grund für die vor seinen Augen sichtbar werdende Form, also die Form des Bastards, durch den Schöpfer hervorgerufen wurde.

Der Bösewicht jedoch sagt, dies sei nur ein fremdartiger Gedanke, der aufgrund einer Sünde zu ihm gekommen ist und er brauche nichts weiter tun, als seine Sünden zu korrigieren.

Ein weiser Schüler jedoch, hat die Kraft zu glauben, dass auch dies, das heißt die gegenwärtige Form, so wie sie ist, dazu da ist, dass er darin ihr wahres Wesen sehen muss.

Gleichzeitig muss er das Joch des himmlischen Königreiches bis zur völligen Hingabe auf sich nehmen.Dies bedeutet, was von geringer Wichtigkeit ist, das allerniedrigste und meist verhüllteste, auch dies muss dennoch zu so einer Zeit dem Schöpfer zugeschrieben werden, dass also der Schöpfer in ihm so ein Bild verursacht hat, welches „fremdartige Gedanken“ über die Vorsehung genannt wird. Und bei so einer Kleinigkeit arbeitet er über dem Verstand, so als hätte er einen großen Verstand in der Heiligkeit.Und ein Hohepriester ist jener, der dem Schöpfer dient, gemäß der Bedeutung „und sie sind viele…“, was bedeutet, dass sie viel Tora und viele Gebote haben und ihnen nichts fehlt.

Wenn daher ein Mensch sich verbindet und irgendeine Ordnung bei der Arbeit auf sich nimmt, dann gilt die Regel, dass ein Bastard, der ein weiser Schüler ist, zuerst kommt. Was bedeutet, er nimmt sein Dasein als Bastard in der Form eines weisen Schülers auf sich. Denn der Schöpfer wird „Weiser“ genannt. Sein Schüler ist derjenige, der vom Mund des Schöpfers lernt. Nur ein weiser Schüler kann sagen, dass alles, also all die während der Arbeit in Erscheinung tretenden Formen vom Schöpfer gekommen sind.

Ein ungelehrter Priester hingegen, auch wenn er dem Herrn dient und groß in der Tora und in der Arbeit ist, jedoch noch nicht würdig wurde, vom Munde des Schöpfers zu lernen, gilt noch nicht als „weiser Schüler.“

Daher kann ihm dieser Zustand in keiner Weise helfen, wahre Vollkommenheit zu erreichen, da er den Verstand der Hausherren hat. Und den Verstand der Tora hat nur, wer vom Munde des Schöpfers lernt. Denn nur ein weiser Schüler kennt die Wahrheit, dass der Schöpfer der Verursacher aller Ursachen ist.

Und nun können wir die Worte der Weisen verstehen: „Rabbi Shimon Ben Menasia studierte alle Etin[1]der Tora. Et  bedeutet vermehren. Dies bedeutet, er fügte jeden Tag Tora und Gebote hinzu - mehr als am vorigen Tage. Und als er zu [dem Vers] „den (Et) Schöpfer, deinen Gott, sollst du fürchten“ kam, hörte er auf. Das bedeutet, er konnte nicht vermehren, sondern gelangte an diesen Punkt, wo er nichts hinzufügen konnte, sondern, Gott bewahre, im Gegenteil.

Und [Baal HaSulam] interpretierte: Rabbi Shimon ben[2] Menasia bedeutet, er habe die Menusa (Flucht) verstanden, was das Flüchten und den Rückzug vom Kriegsort bedeutet. Ebenso Ben Ha`amsuni, das heißt, er hat die Wahrheit verstanden, und verstanden, welche Form die Wahrheit hat. Und er blieb auf seinem Wachposten stehen und konnte nicht vorwärtsgehen, bis Rabbi Akiva kam und den Vers „Et“ erklärte: „Den Schöpfer, deinen Gott, sollst du fürchten“ – die weisen Schüler vermehren. Dies bedeutet, durch die Anhaftung an weise Schüler ist es möglich, Unterstützung zu erhalten.

Mit anderen Worten,: Nur ein weiser Schüler kann ihm helfen und nichts anderes. Selbst wenn er groß ist in der Tora, wird er dennoch „ungelehrt“ genannt, wenn er nicht des Lernens vom Munde des Schöpfers würdig wurde.

Daher muss der Mensch sich dem weisen Schüler unterwerfen und ohne Widerrede alles annehmen, was der weise Schüler ihm aufgibt, nur auf dem Wege „über dem Verstand.“

„Das Maß dessen ist länger als die Erde.“[3] Dies bedeutet, die Tora beginnt „nach der Erde“, das heißt, wenn sie größer als die Erde ist. Und es gibt eine Regel, dass nichts in der Mitte begonnen werden kann. Wenn man daher beginnen möchte, ist der Beginn „nach der Erde“, das heißt nach dem „Irdischen.“ (Dies ist die Bedeutung von „ einem ungelehrten Hohepriester.“ Dies bedeutet, sogar wenn seine Arbeit in der Größe geschieht, er aber noch nicht das Licht der Tora erlangt hat, befindet er sich so noch in der Weltlichkeit.)

Um zu liShma (für Ihren Namen) zu kommen, muss man viel in lo liShma (nicht für Ihren Namen) lernen. Dies bedeutet, man muss sich in lo liShma anstrengen und mühen, und dann kann man die Wahrheit sehen, dass man noch nicht liShma erlangt hat. Wenn man sich jedoch zuvor nicht mit großer Kraft anstrengt, kann man die Wahrheit nicht sehen.

Ein anderes Mal hat er [Baal Sulam] gesagt, dass der Mensch viel Tora liShma lernen muss, um die Wahrheit zu erlangen und zu sehen, dass er für lo liShma arbeitet. Die Arbeit [im Aspekt von] liShma wird Belohnung und Strafe genannt, was Malchut ist. Und Tora [im Aspekt von] lo liShma wird Seir Anpin genannt, was die persönliche Vorsehung ist.

Daher hatten die Könige Israels, die alle die persönliche Vorsehung erlangt hatten, nichts mehr zu tun, da sie nichts mehr hinzuzufügen hatten. Deshalb sagten unsere Weisen, „ein König Israels urteilt weder, noch wird er verurteilt.“ Somit haben sie keinen Anteil an der nächsten Welt, weil sie nichts tun, da sie sehen, dass der Schöpfer alles tut.

Dies ist die Bedeutung von Jesebel, der Frau von Achab. Sie deuteten, dass seine Frau sagte: „Ej Sewel (Wo ist Abfall)?“, was bedeutet „Wo ist Abfall in der Welt?“ Sie sah, dass alles gut war. Und Ach Aw (Achab) bedeutet, dass er Ach (Bruder) für den Aw (Vater) im Himmel war. Aber die Könige aus dem Hause David werden geurteilt, denn die Könige aus dem Hause David hatten die Kraft, den Schöpfer und Seine Shechina (göttliche Gegenwart) zu vereinen, obwohl diese Dinge im Widerspruch zueinander stehen, da die persönliche Vorsehung der Unterscheidung von Belohnung und Strafe entgegengesetzt ist.

Und dies ist die Kraft der großen Gerechten, die den Schöpfer und die Shechina vereinen können, das heißt die persönliche Vorsehung mit Belohnung und Bestrafung. Und genau aus diesen beiden geht die vollkommene und wünschenswerte Vollkommenheit hervor.



[1] der Hebräische Artikel „der, die, das“ in der Pluralform

[2] Ben bedeutet auf Hebräisch Sohn. Auch des Wort lehawin (verstehen) leitet sich davon ab.

[3] Hiob 11, 9

 

Shamati 106. Was ist die Bedeutung der 12 Challot (geflochtene Brote) an Shabbat?

Ich hörte im August 1942

In den Shabbat-Liedern steht: „[…] wird uns die Geschmäcker von den zwölf Challot offenbaren, welche ein Buchstabe in Seinem Namen sind, vervielfältigt und schwach.“

Wir sollten die Worte des heiligen Ari deuten. Es ist bekannt, dass durch Zimzum Bet zwei „Wawim“ entstanden, also die rechte Seite und die linke Seite. Das ist die Bedeutung der „Vervielfältigung“, vom Wort „vervielfältigen.“ Und dadurch, also durch die Kraft der Korrektur von Zimzum Bet, also durch die Vermischung der Eigenschaft von Rachamim (Barmherzigkeit) mit [der Eigenschaft] von Din (Gericht), wurde Din viel schwächer, als sie es vor der Versüßung war.

Und danach leuchten die zwei „Wawim“ in Malchut, was „die sich versammelnden Sajinim“ sind. Die Sajinim sind Malchut, die „siebente“ genannt wird und die beide „Wawim“ in sich einschließt.

Und der siebente Tag wird Gmar Tikun (Endkorrektur) genannt, welcher in der Zukunft ist. Aber er leuchtet auch während der „sechs Jahrtausende.“ Und das ist die Bedeutung der „sechs Werktage“, betrachtet als „der Schöpfer hat geschaffen, um es zu fertigen.“[1] Und Shabbat heißt Ruhe (wie es geschrieben steht: „Und am siebenten Tage ruhte Er von all Seinem Werke, das Er gemacht.“).

Dies gilt als Shabbat, der in sechs Jahrtausenden leuchtet, denn dann wird der Shabbat als Ruhe angesehen, was einem Menschen gleicht, der eine Last trägt und in der Mitte des Weges steht, um sich auszuruhen, um aufs Neue Kräfte zu schöpfen. Danach muss er wieder die Last tragen. Am Shabbat von Gmar Tikun dagegen gibt es nichts mehr, was man hinzufügen könnte, und daher gibt es überhaupt keine Arbeit mehr.



[1] 1. Buch Mose 2, 3

 

Shamati 107. Die zwei Engel

Ich hörte zum Wochenabschnitt Tezawe im Februar 1943, in Jerusalem

Bezüglich der zwei Engel, die den Menschen am Freitagabend begleiten – ein guter und ein böser Engel:

Der gute Engel heißt „Rechte [Seite]“, da der Mensch sich durch ihn der Arbeit für den Schöpfer nähert. Und das heißt „die Rechte bringt näher“. Und der böse Engel stellt die „Linke [Seite]“ dar, die entfernt. Das heißt, sie bringt ihm fremde Gedanken – sowohl im Verstand als auch im Herzen.

Und wenn der Mensch das Böse überwindet und sich dem Schöpfer nähert – das heißt, er überwindet jedes Mal das Böse und haftet dem Schöpfer an –, dann stellt sich heraus, dass er sich dank beider der Anhaftung an den Schöpfer annäherte. Das bedeutet, sie führten beide eine Aufgabe aus, verursachten nämlich, dass er zur Anhaftung an den Schöpfer kommt. Dann sagt der Mensch: „Kommt in Frieden.“[1]

Und wenn der Mensch bereits seine ganze Arbeit abgeschlossen hat, also die ganze „Linke“ in die Kedusha (Heiligkeit) hineinbrachte, wie es geschrieben steht: „Es gibt keinen Platz, an dem man sich vor Dir verstecken kann“, dann gibt es für den bösen Engel nichts mehr zu tun, da der Mensch bereits die Schwierigkeiten überwunden hat, die das Böse brachte, und dann wird der böse Engel untätig, und der Mensch sagt zu ihm: „Gehet in Frieden.“



[1] „Kommt in Frieden, Engel des Himmels“ – eines der Lieder, die am Freitagabend gesungen werden. In der ersten Strophe heißt es „Kommt in Frieden“ und in der letzten „Geht in Frieden“.

 

Shamati 108. Wenn du mich für einen Tag verlässt, werde ich dich für zwei verlassen

Ich hörte im Jahr 1943 in Jerusalem

Jeder Mensch ist vom Schöpfer durch sein Empfangen entfernt. Er ist bloß wegen seines Willens zu empfangen, der in ihm ist, entfernt. Da jedoch der Mensch nicht nach Spiritualität strebt, sondern nur nach Genüssen dieser Welt, so gilt, dass er vom Schöpfer um einen Tag entfernt ist. Das heißt, die Entfernung um einen Tag, die ihn vom Schöpfer trennt, ist nur wegen eines Aspekts,–[E1]  indem er im Willen versunken ist, Genüsse dieser Welt zu empfangen.

Wenn sich der Mensch jedoch dem Schöpfer annähert, also auf das Empfangen in dieser Welt verzichtet, dann wird er als dem Schöpfer nahe bezeichnet. Wenn er dann aber im Empfangen der nächsten Welt versagt hat, dann gilt er als vom Schöpfer entfernt, weil er spirituelle Genüsse der kommenden Welt für sich empfangen möchte. Und außerdem fällt er so weit, dass er auch irdische Genüsse dieser Welt empfangen möchte. Daher gilt, dass er sich nun um zwei Tage vom Schöpfer entfernt hat:

  1. durch den Empfang der Genüsse dieser Welt, in welche er wieder zurückgekehrt und gefallen ist
  2. da er nun den Willen besitzt, die Krone der nächsten Welt zu empfangen. Denn, da er sich mit Tora und Mizwot beschäftigt hat, zwingt er den Schöpfer, ihm eine Belohnung für seine Bemühungen in der Tora und Mizwot zu zahlen.

Es stellt sich heraus, dass er anfänglich einen Tag ging und daher der Arbeit an dem Schöpfer näherkam, und danach ging er sozusagen zwei Tage zurück. Nun bedarf der Mensch unbedingt zweier Arten des Empfangens:

  1. des Empfangens dieser Welt
  2. des Empfangens der nächsten Welt.

Dementsprechend folgt, dass er in die entgegengesetzte Richtung gegangen ist.  

Der Rat ist, immer nur den Weg der Tora zu gehen, also den Weg des Gebens. In diesem Fall sollte die Ordnung so aussehen, dass man zunächst bei zwei Grundsätzen vorsichtig sein muss:

  1. bei der Ausführung der Mizwa
  2. bei der Empfindung des Genusses der Mizwa. Man sollte daran glauben, dass der Schöpfer großen Genuss empfindet, wenn wir seine Gebote einhalten.

Folglich sollte der Mensch dementsprechend die Mizwa tatsächlich ausführen und glauben, dass der Schöpfer daran Vergnügen hat, wenn der Untere Seine Gebote ausführt. Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen einer großen Mizwa und einer kleinen Mizwa – der Schöpfer genießt also auch die kleinste Handlung, die man für Ihn tut.

Danach gibt es eine Folge, welche das Hauptziel ist, das der Mensch sehen sollte. Mit anderen Worten: Der Mensch sollte Freude und Genuss daraus empfangen, dass er dem Schöpfer Vergnügen bereitet. Und das ist der Hauptschwerpunkt in der Arbeit des Menschen. Und dies heißt: „Dienet dem Schöpfer mit Freuden.“ Dies sollte seine Belohnung für die Arbeit sein, das heißt, Freude und Vergnügen daraus zu empfangen, dass er gewürdigt wurde, dem Schöpfer Freude zu bereiten.

Das ist die Bedeutung von: „Der Fremdling, der in deiner Mitte ist, wird über dich immer höher emporkommen, du aber wirst immer tiefer hinuntersinken. Er wird dir leihen, du aber wirst ihm nicht leihen.“ „Der Fremdling“ ist der Wille zu empfangen (sobald der Wille zu empfangen in die Arbeit für den Schöpfer eintritt, wird er als Ger (Fremdling) bezeichnet. Und bis dahin ist er ein vollendeter Goj.) 

„Er wird dir leihen.“ Wenn er Kraft für die spirituelle Arbeit gibt, dann gibt er sie in Form eines Anleihens. Das heißt, wenn er einen Tag in Tora und Mizwot arbeitet, dann glaubt der Mensch, auch wenn er nicht sofort an der Stelle eine Belohnung erhält, dass man ihn später als Gegenleistung für alles entlohnen wird, was er in diese Arbeit investiert hat.

Daher kommt er nach einem Arbeitstag zu ihm [Wille zu empfangen] und fordert den ihm versprochenen Lohn ein, dass er ihm eine Gegenleistung für die aufgewendeten Kräfte geben möge, dafür, dass der Körper ihn ließ, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen. Doch er weigert sich, ihm zu zahlen. Dann beginnt der Fremdling zu schreien: „Was ist das für eine Arbeit? Arbeiten ohne Entgelt?“ Und deshalb will dann der Fremdling Israel keine Kraft zu arbeiten mehr geben.

„Du aber wirst ihm nicht leihen.“ Wenn du ihm Nahrung gibst und bittest, er möge dir die Kraft für die Arbeit geben, dann antwortet er, dass er dir nichts schuldet für die Nahrung, die du ihm gibst. „Denn ich gab dir vorher die Kraft zu arbeiten. Und das war unter der Bedingung, dass du mir Güter kaufen würdest. Das, was du mir jetzt gibst, beruht daher alles auf dem vorhergehenden Zustand. Deshalb kommst du jetzt zu mir, damit ich dir mehr Kraft für die Arbeit gebe, sodass du mir neue Güter bringen kannst.“

Somit wird der Wunsch zu empfangen schlauer und benutzt seine Schlauheit, um den Nutzen einer Sache zu berechnen. Manchmal gibt er sich mit wenig zufrieden und sagt, er habe genug Besitztümer, und darum will er dem Menschen keine weitere Kraft geben. Manchmal sagt er dem Menschen, der Weg, auf dem der Mensch geht, sei gefährlich und es könne sein, dass der Mensch seine Kräfte umsonst investiert. Oder er sagt, die Anstrengung sei viel größer als die Belohnung und deshalb möchte er dem Menschen keine Kraft für die Arbeit geben. 

Aber wenn der Mensch von seinem Körper Kräfte bekommen will, um auf dem Weg der Tora zu gehen, um die Eigenschaft des Gebens zu erlangen und damit alle seine Taten nur der Vermehrung der Ehre des Himmels dienen, dann sagt ihm sein Körper: „Was werde ich davon haben?“ Er stellt also die bekannten Fragen: „Wer?“ und „Was?“ – genau wie der Einwand des Pharaos: „Wer ist der Schöpfer, dass ich Seiner Stimme gehorchen soll?“ und des Sünders: „Was gibt euch diese Arbeit?“  Und solche Fragen vonseiten des Körpers sind wohl begründet, denn so waren seine Bedingungen. Und dies wird „und wenn du nicht gehorchest der Stimme des Herrn“ genannt, dann beklagt er sich, weil er sich nicht an diese Bedingungen gehalten hat.  

„Aber wenn man der Stimme des Schöpfers gehorcht“ bedeutet genau beim Eingang. (Eingang ist ein fortwährender Zustand, weil ein Mensch jedes Mal, wenn er sich im Abstieg befindet, dann wieder von vorne anfangen muss. Deshalb nennt man das „Eingang“. Natürlich gibt es viele Ausgänge und Eingänge.) Er sagt seinem Körper: „Wisse, dass ich in die Arbeit des Schöpfers eintreten will. Meine Absicht ist nur auf das Geben und nicht auf das Empfangen ausgerichtet. Hoffe nicht, etwas für deine Mühe zu bekommen, denn alles ist [in der Absicht], um zu Geben.“ 

Und wenn der Körper fragt: „Welchen Nutzen wirst du von dieser Arbeit haben?“, gemeint ist „Wer bekommt die Früchte dieser Arbeit, für die ich so viel Kraft und Mühe geben muss?“, oder er fragt einfacher: „Für wen arbeite ich so hart?“

Dann sollte man ihm antworten, dass man an die Worte der Weisen glaube, die sagten, man solle im einfachen Glauben über dem Verstand glauben, dass der Schöpfer uns geboten hat, den Glauben auf uns zu nehmen, dass Er uns geboten hat, Tora und Mizwot einzuhalten. Darüber hinaus sollte der Mensch glauben, dass er dem Schöpfer Genuss bereitet, wenn er Tora und Mizwot mit dem Glauben über dem Verstand erfüllt. Der Mensch muss auch froh sein, dass er dem Schöpfer Freude und Genuss mit seiner Arbeit bereitet. 

Folglich finden wir hier vier Bedingungen:

  1. An die Weisen zu glauben, dass das was sie sagten, wahr ist.
  2. Daran glauben, dass der Schöpfer geboten hat, Tora und Mizwot nur mit dem Glauben über dem Verstand zu erfüllen.
  3. Dass es Freude gibt, dass die Geschöpfe Tora und Mizwot auf der Basis des Glaubens erfüllen.
  4. Der Mensch muss Freude, Fröhlichkeit und Genuss davon bekommen, dass er würdig wurde, dem Schöpfer Freude zu bereiten. Und die Größe und Wichtigkeit der Arbeit des Menschen wird anhand der Größe der Freude gemessen, die er während seiner Arbeit verspürt. Das hängt wiederum vom Glauben des Menschen an diese vier Bedingungen ab.

Daraus folgt, dass, wenn man die Stimme des Schöpfers hört, alle Kräfte, die man vom Körper bekommt, nicht als Anleihe zählen werden, die zurückgegeben werden muss, was hingegen der Fall sein wird, wenn man der Stimme des Schöpfers nicht gehorcht. Und wenn der Körper fragt: „Wozu soll ich dir Kräfte für die Arbeit geben, wenn du mir kein Entgelt anbietest?“, sollte man darauf antworten: „Dafür wurdest du erschaffen, und was kann ich tun, wenn der Schöpfer dich hasst?“, wie es im Heiligen Sohar geschrieben steht: „Der Schöpfer hasst die Körper.“ 

Wenn im Sohar steht, dass der Schöpfer insbesondere die Körper hasst, bezieht es sich im Besonderen auf die Körper der Diener des Schöpfers, weil sie „ewige Empfänger“ sein wollen und auch die Krone der nächsten Welt bekommen möchten.

Und dies gilt als „du aber wirst ihm nicht leihen“. Das heißt, du brauchst deinem Körper nichts für die Kraft zurückgeben, die er dir für die Arbeit gab. Wenn du es ihm jedoch leihst und ihm irgendeinen Genuss zurückgibst, dann nur als Anleihe und er sollte dir Kräfte für die Arbeit zurückgeben, aber nicht umsonst. 

Und der Körper muss dir immer Kraft für die Arbeit geben und zwar umsonst. Und du gibst ihm keinen Genuss, sondern verlange von ihm stets mehr Kraft für die Arbeit, da der „Schuldner Sklave des Verleihers ist“. So wird der Körper immer der Sklave und du der Herr sein.


 
 

Shamati 109. Zwei Arten von Fleisch

Ich hörte am 20. Cheshwan

Gewöhnlich unterscheiden wir zwei Arten von Fleisch: Fleisch vom Vieh und Fleisch vom Fisch, und bei beiden gibt es Zeichen von Unreinheit. Die Tora hat uns Zeichen gegeben, durch die wir wissen, wie wir diese vermeiden können, damit wir nicht in den Bereich der Unreinheit fallen, der in ihnen ist.

Beim Fisch gibt sie uns die Zeichen von Flossen und Schuppen. Wenn der Mensch diese Zeichen am Fisch sieht, weiß er, wie er sich vorsehen kann, damit er nicht in den Bereich der Unreinheit fällt. Snapir (Flosse) deutet auf Sone-Pe-Or (hasst-Mund-Licht). Dies bezieht sich auf Malchut, „Mund“ genannt. Alle Lichter kommen von ihr, da sie der Aspekt des Glaubens ist.

Und wenn er sieht, dass er im Zustand des Geschmacks des Staubes ist, zu einer Zeit, in der er am Glauben festhalten sollte, dann weiß er mit Gewissheit, dass er seine Handlungen korrigieren muss. Und dies wird „die Shechina im Staub“ genannt. Man muss beten, um die Shechina aus dem Staube zu erheben.

Kaskeset (Schuppen) bedeutet, dass er zu der Zeit von Snapir unfähig ist, überhaupt zu arbeiten. Vielmehr kommt ihm, wenn er Snapir überwindet, eine Frage bezüglich der Vorsehung in den Kopf, und dies wird Kash[1] (Stroh) genannt. Und so fällt er von seiner Arbeit ab. Später gewinnt er die Oberhand und beginnt über dem Verstand zu arbeiten, und ihm kommt ein weiterer Zweifel hinsichtlich der Vorsehung.

Daraus folgt, dass er zweimal Kash hat, was Kas-Keset (Schuppen) sind. Und jedes Mal, wenn er über dem Verstand siegt, steigt er auf und dann steigt er ab. Dann sieht er, dass er aufgrund der starken Zunahme der Zweifel nicht die Oberhand gewinnen kann. In diesem Zustand hat er keine andere Wahl als den Schöpfer anzurufen, so wie geschrieben steht: „und die Kinder Israels wehklagten unter der Arbeit und ihr Geschrei stieg zu Gott empor und Er erlöste sie aus Ägypten“, was „von allem Unheil erlösen“ bedeutet.

Unsere Weisen nannten eine berühmte Regel, die der Schöpfer sagt: „Er und Ich können nicht in derselben Bleibe weilen“, das heißt, weil sie einander entgegengesetzt sind. Dies ist so, weil es zwei Körper im Menschen gibt, den inneren und den äußeren Körper. In den inneren Körper kleidet sich die spirituelle Lebenskraft, welche der Aspekt des Glaubens und des Gebens ist, genannt „Verstand und Herz.“ Und im äußeren Körper ist die körperliche Lebenskraft, was der Aspekt von Wissen und Empfangen ist.

Und in der Mitte, zwischen dem inneren Körper und dem äußeren Körper, gibt es einen mittleren Körper, der keinen eigenen Namen trägt. Wenn der Mensch jedoch gute Taten vollbringt, haftet der mittlere Körper dem inneren Körper an. Und wenn er schlechte Taten vollbringt, dann haftet der mittlere Körper dem äußeren Körper an. So hat jeder entweder körperliche oder spirituelle Lebenskraft.

Da es eine Gegensätzlichkeit zwischen dem Inneren und dem Äußeren gibt, folgt daraus: Wenn der mittlere Körper dem inneren Körper anhaftet, wird dies als der Tod des äußeren Körpers angesehen. Und wenn er dem äußeren Körper anhaftet, ist dies der Tod des inneren Körpers. Dies ist so, weil in diesem Zustand die Wahl im mittleren Körper stattfindet: weiterhin der Kedusha (Heiligkeit) anzuhaften oder im Gegenteil, [dem äußeren Körper anzuhaften]. 



[1]  Hat im Hebräischen die gleichen Wurzelbuchstaben wie „Kaskeset“.

 

Shamati 110. Ein Feld, das vom Schöpfer gesegnet ist

110. Ein Feld, das vom Schöpfer gesegnet ist

Ich hörte im Jahr 1943

„Ein Feld, das vom Schöpfer gesegnet ist.“[1] Die heilige Shechina (göttliche Gegenwart) heißt „Feld“ (שדה ,Sade), und manchmal wird aus Sade (Feld) Sheker (Lüge).[2] Denn das „Waw“ (ו) im „Hej“ (ה) ist die Seele, wobei das „Dalet“ (ד) [von Sade] die heilige Shechina (Göttliche Gegenwart) darstellt. Und in der Zeit, da die Seele in sie gekleidet ist, heißt sie „Hej[3]. Und in der Zeit, wenn der Mensch zum Glauben hinzufügen möchte, zieht er das „Waw“ nach unten, und daraus wird „Kuf“.

Dann wird aus „Dalet“ der Buchstabe „Resh“, in der Form von „elend und dürftig“, der hinzufügen möchte. Dann verwandelt er sich in „Resh“, in der geheimen Bedeutung von „in seinem Königreich geboren wurde ein Armer“, als der Magere arm wurde. Das heißt dadurch, dass er sich selbst einen bösen Blick zufügte, im Verstand wie auch im Herzen, im verborgenen Sinn von „es benagt ihn das Schwein aus dem Walde“[4] denn „Ajin[5] hängt schief, da es zur Trennung zurückkehrt, wobei Sitra Achra (die andere Seite) dazu bestimmt ist, später ein heiliger Engel zu werden.

Und das ist der verborgene Sinn von: „Die Herrlichkeit des Schöpfers dauert auf ewig.“[6] Weil er zum Zustand des Tieres von Jaar (Wald) gekommen ist, vom Wort Iro (seine Stadt)[7], das heißt, alle seine Lebenskraft wird verschüttet, und er wird jedes Mal stärker.  Zu dieser Zeit wird er des Zustands von „einem Feld, das vom Schöpfer gesegnet ist“ gewürdigt, wobei aus einem bösen Blick ein guter Blick wird.

Und dies ist die Bedeutung eines „hängenden Auges“, gemeint ist, dass es an einem Zweifel hängt, sei es mit einem guten Auge oder mit einem schlechten Auge. Und dies ist die verborgene Bedeutung von zur Trennung zurückzukehren und von „Eins gegenüber dem Anderen“, wie unsere Weisen sagten: „Es gab keine solche Freude vor dem Schöpfer wie an dem Tag, als der Himmel und die Erde erschaffen wurden.“ Und das, da letztendlich der Schöpfer „Eins und Sein Name Eins“[8] werden wird, was das Ziel der Schöpfung ist.

Beim Schöpfer hingegen sind die Vergangenheit und die Zukunft gleich. Daher schaut der Schöpfer auf die Schöpfung und sieht ihre Endform, wie sie in Gmar Tikun (Endkorrektur) sein wird, wenn alle Seelen schon in Ejn Sof (Welt der Unendlichkeit) in all ihrer Vollkommenheit enthalten sind, die es in der Endkorrektur geben wird – ihre vollkommene Form befindet sich bereits dort, und nichts fehlt.

Bei den Empfängern ist es offensichtlich, dass man immer noch etwas vervollständigen muss, was ihnen zu vervollständigen auferlegt ist, und das ist: „Die Gott erschuf und ausführte“[9], also Mängel und Ärgernisse, wobei das der geheime Sinn dessen ist, was die Weisen sagten: „Der Wütende bringt nur Ärger hervor.“ Und auch: „Alle Gierigen sind ärgerlich.“

Das ist die wahre Form des Willens zu empfangen in seiner wahren Form, wie unzüchtig dies auch sein mag. Und alle Korrekturen bestehen in dessen Umwandlung in „um zu geben“, wobei darin die ganze Arbeit der Unteren besteht. Denn bevor die Welt erschaffen wurde, existierte sie als „Er und Sein Name sind Eins“. Obwohl Sein Name bereits das Er verließ und sich nach außen offenbarte und bereits als „Sein Name“ bezeichnet wird, war Er doch Eins. Und das ist der verborgene Sinn von „Eins gegenüber dem Anderen“.



[1] 1. Buch Moses 27, 27

[2] Shin (ש) und Sin sind im Hebräischen der gleiche Buchstabe.

[3] Hej ist im Hebräischen auch eine Abkürzung des Tetragramms (eines der Namen des Schöpfers).

[4] Psalm 80, 14

[5] im Hebräischen der Buchstabe „Ajin“, aber auch „Auge“

[6] Psalm 104, 31

[7] „Seine Stadt“ wird im Hebräischen ähnlich geschrieben wie „Wald“.

[8] Sacharja 14, 9

[9] 1. Buch Moses 2, 3

 

Shamati 111. Hauch, Stimme und Rede

Ich hörte am 2. Juli 1943, in Jerusalem

Es gibt die Unterscheidungen von Hauch, Stimme und Rede, und es gibt die Unterscheidung von Eis[1], und es gibt die Unterscheidung von furchtbar.

„Hauch“ wird Or Choser (zurückkehrendes Licht) genannt, welches vom Massach (Schirm) hervorkommt. Dies ist die Kraft der Begrenzung, und solange nicht in dem Maße empfangen wird, welches ausreichend ist, um „nicht zur Narrheit zurückzukehren“[2], heißt diese „Hauch.“

Und wenn das Maß vollendet ist, dann heißt diese Begrenzung, welche der Massach und das Or Choser sind, „Stimme.“ Die Stimme ist wie eine Warnung, die ihm sagt, die Gesetze der Tora nicht zu übertreten. Sollte er übertreten, hört er bei der Übertretung augenblicklich auf [die Geschmäcker der Tora] zu schmecken. Wenn er deshalb genau weiß, dass, wenn er das Gesetz übertritt, er zu einem Halt kommt, so wahrt er deswegen die Begrenzung.

Und dann kommt er zur „Rede“, welche Malchut darstellt. Dann kann ein Siwug (spirituelle Vereinigung) zwischen dem Schöpfer und seiner Shechina (göttliche Gegenwart) stattfinden, und dann wird auch das Leuchten von Chochma (Weisheit) nach unten ausgebreitet.

Wie bekannt ist, existieren zwei Stufen:

  1. Geben ohne jegliches Empfangen, und
  2. Empfangen, um zu geben.

Wenn er dann sieht, dass er bereits zu einer Stufe gekommen ist, auf der er empfangen kann in der Absicht zu geben, wozu braucht er dann diese Knechtschaft des Gebens in der Absicht zu geben?  Immerhin erhält doch der Schöpfer vom Empfangen [des Menschen] in der Absicht zu geben mehr Zufriedenheit, da das Licht Chochma, welches in die Gefäße des Empfangens gelangt, das Licht des Schöpfungsziels ist. Warum soll er sich dann nicht mit der Arbeit des Gebens, um zu geben, befassen, welches das Licht der Korrektur der Schöpfung ist?

Und dann hört er sofort auf, [die Geschmäcker der Tora] zu schmecken, und bleibt nackt und ohne alles zurück, da das Licht Chassadim (Barmherzigkeit) jenes Licht ist, welches das Licht Chochma bekleidet. Und wenn ihm das Gewand fehlt, so hat er, obwohl er das Licht von Chochma hat, nichts, worin er Chochma einkleiden könnte.

Und dann gelangt er zu dem Zustand, welcher als das „Furchtbare Eis“ bezeichnet wird. Dies ist, weil Jessod von Aba, welcher Chochma gibt, als „schmal an Chassadim und lang in Bezug auf Chochma bezeichnet wird. Er [Jessod von Aba] ist Eis. Wenn zum Beispiel Wasser vereist, dann gibt es zwar noch Wasser, doch es fließt nicht weiter nach unten.

Und Jessod von Ima heißt „furchtbar“, was als kurz und breit gilt. „Kurz“ heißt es, da es eine Blockade gegen Chochma gibt – aufgrund der zweiten Einschränkung (Zimzum Bet) gibt es dort kein Chochma, und das ist „furchtbar.“ Deshalb geschieht es mittels der beiden: Chochma breitet sich durch Jessod von Aba aus und Chassadim breitet sich durch Jessod von Ima aus.



[1] Ezechiel 1, 22

[2] Psalm 85, 9

 

Shamati 112. Die drei Engel

Ich hörte zum Wochenabschnitt Wajera, im Oktober 1942

Verstehe:

  1. Die Angelegenheit der drei Engel, die Abraham während seiner Beschneidung besuchen kamen
  2. und die Angelegenheit, dass der Schöpfer ihn besuchen kam, und was Er ihm während Seines Besuchs sagte
  3. und dass der Besucher, wie die Weisen sagten, ein Sechzigstel von der Krankheit wegnimmt
  4. und die Angelegenheit der Trennung von Lot
  5. und die Angelegenheit der Zerstörung von Sodom und Gomorra
  6. und die Angelegenheit der Bitte von Abraham, Sodom nicht zu zerstören
  7. und die Angelegenheit der Frau von Lot, die zurückblickte und sich in eine Salzsäule verwandelte
  8. und die Angelegenheit der Täuschung der Menschen von Schechem durch Simon und Levi, bezüglich der Beschneidung, als sie sagten: „Denn eine Schmach wäre das für uns.“
  9. Die Angelegenheit der zwei Abtrennungen, die von Lot ausgingen, die in den Tagen von David und Salomon ausgelöscht wurden und die einander entgegengesetzt sind.

Um das oben Gesagte zu verstehen, werden wir der Sache vorausschicken, dass uns bekannt ist, dass wir in jeder Sache Olam (Welt) - Shana (Jahr) - Nefesh (Seele) unterscheiden. Daher gilt auch bei der Beschneidung, welche den Abschluss eines Bundes der Haut bedeutet, die Angelegenheit von Welt - Jahr - Seele. (Es gibt vier Bünde: Augen, Zunge, Herz und Haut. Und die Haut schließt alle ein.)

Die Haut, welche die Vorhaut ist, stellt die Bchina Dalet (Vierte Unterscheidung) dar, die man zu ihrem Ort hin entfernen muss, also in den Staub, was Malchut an ihrem Platz darstellt. Die Bedeutung davon ist das Herabsenken von Malchut zu einem Zustand von Staub. Wie es geschrieben steht: „Der Vater gibt das Weiße“, also dass er Malchut von allen 32 Wegen an ihren Platz herabsenkt. Und wir stellen fest, dass die Sefirot von der Awiut der Malchut der Eigenschaft des Gerichts gereinigt wurden, die in ihnen war, da wegen Malchut das Zerbrechen stattfand.

Und danach gibt die Mutter die Röte, wenn sie die durch Bina versüßte Malchut empfängt, die „Erde“ und nicht „Staub“ genannt wird.

Denn in Malchut unterscheiden wir zwei Aspekte:

  1. die Erde

den Staub.

Erde heißt Malchut, welche die Versüßung von Bina hat und die da heißt: „Malchut, die zu Bina aufgestiegen ist.“

Staub heißt „Malchut an der Stelle von Malchut“, Midat ha Din, also die Eigenschaft des Gerichts.

Und zu der Zeit, als Abraham Isaak zeugen musste, der die Gesamtheit Israels darstellt, musste er sich durch die Beschneidung reinigen, damit die Gesamtheit Israels in Reinheit hervorgehen würde. Und die Beschneidung wird in Hinsicht auf ihre Nefesh (Seele) „Beschneidung“ genannt, also die Angelegenheit der Entfernung der Vorhaut und deren Wegwerfen an einen Ort des Staubes. Und der Aspekt der Welt (Olam) in der Beschneidung heißt Zerstörung von Sodom und Gomorra.

Und das Ineinanderfügen der Seelen in der Welt (denn „Welt“ bedeutet das Ineinanderfügen[1] von vielen Seelen) heißt Aspekt von Lot. Und die Beschneidung im Aspekt von Olam wird Zerstörung von Sodom genannt. Und die Heilung der Beschneidungsschmerzen wird die Rettung von Lot genannt. „Lot“ kommt vom Wort „verfluchtes Land“, Bchina Dalet genannt.

Wir sollten wissen, dass der Mensch, als er der Dwekut (Anhaftung) an den Schöpfer würdig wurde, wenn er die Übereinstimmung der Form hat und sein einziger Wille nur das Geben ist und nichts für seinen eigenen Nutzen zu empfangen, er zu einem Zustand gelangt, in dem er keinen Raum für die Arbeit hat. Denn für sich selbst benötigt er nichts. Und was den Schöpfer betrifft sieht er, dass es dem Schöpfer an nichts mangelt. Also bleibt er ohne Arbeit stehen. Und dies verursacht ihm den großen Schmerz der Beschneidung, da die Beschneidung ihm Raum für die Arbeit verursachte, denn „Beschneidung“ heißt das Entfernen des Willens für sich zu empfangen.

Wir sehen, dass indem er den Willen zu empfangen entfernte, der ihn nun nicht mehr beherrscht, er nichts mehr zu seiner Arbeit hinzufügen kann. Dafür gibt es eine Korrektur. Sogar nachdem er bereits würdig wurde, sich selbst vom Willen zu empfangen zu beschneiden, blieben in ihm doch Funken von Bchina Dalet, die ebenfalls auf eine Korrektur warten. Und sie werden nur mittels der Anziehung der Lichter von Gadlut (Erwachsenenzustand) versüßt. Und dadurch hat er schon Raum für die Arbeit.

Und dies ist die Bedeutung davon, dass der Urvater Abraham Schmerzen nach der Beschneidung verspürte. Und der Schöpfer kam ihn besuchen. Der Engel Rafael heilte ihn von diesen Schmerzen (und man kann nicht sagen, dass die Anordnung der vier Engel so ist, dass Michael auf der Rechten, Gabriel auf der Linken, vorne Uriel und dahinter Rafael ist, welcher Malchut mit der Andeutung auf Westen ist. Er heilt die Malchut, nachdem die Vorhaut entfernt wird, damit es mehr Platz zum Arbeiten gibt).

Und der zweite Engel kam, um Sodom zu zerstören. Dies bedeutet, dass die Entfernung der Vorhaut im Aspekt Nefesh (Seele) Beschneidung genannt wird, und im Aspekt Olam (Welt) wird sie „die Zerstörung von Sodom“ genannt. So wie schon gesagt, bleiben nach der Entfernung der Vorhaut Schmerzen zurück, und diese Schmerzen müssen dann geheilt werden. Wie bei der Zerstörung Sodoms wird die Heilung „die Rettung von Lot“ genannt, aufgrund der zwei guten Trennungen, die in der Zukunft hervorkommen werden.

Es ist sehr schwer, die Sache der guten Trennungen zu verstehen. Wenn es eine Trennung ist, wie kann sie dann gut sein? Denn nach der Entfernung der Vorhaut kommt der Schmerz. Dies  ist so, weil kein Raum für Arbeit ist, und diese Trennungen, also die Funken, die von Bchina Dalet geblieben sind, geben ihm Raum für die innerliche Arbeit, dadurch, dass er sie korrigieren muss.

Sie können nicht korrigiert werden, bevor die Vorhaut entfernt wurde, denn zuvor müssen die 248 Funken erhoben und  korrigiert werden. Und danach korrigiert man die 32 Funken, die „steinernes Herz“ genannt werden. Daher muss er zuvor die Vorhaut von allem vollständig entfernen.

Dies ist die Bedeutung dessen, dass es ein Geheimnis geben muss, welches man nicht vorher kennen darf, dass sie in der Form von Reshimo bleiben sollten. Und das ist die Bedeutung von Sod (Geheimnis): anhand der Korrektur der Beschneidung, was die Abtrennung von Jessod (die Grundlage) ist, was die Abtrennung von Jud (erster Buchstabe in Jessod) bedeutet. Dann wird Sod zu Jessod.

Das ist die Bedeutung vom Engel Rafael, der danach ging, um Lot wegen der „guten Trennungen“ zu retten. Dies is t die Bedeutung von Ruth und Naomi, welche der Aspekt von Mocha (Verstand) und Liba (Herz) sind.

„Ruth“ kommt vom Wort Re´uja (würdig), wobei Alef beim Aussprechen stumm bleibt. Und Naomi kommt vom Wort Noam (Annehmlichkeit), etwas das dem Herzen angenehm ist. Die beiden wurden danach in David und Salomon versüßt.

Zuvor sagte der Engel jedoch: „Schau nicht hinter Dich“, denn „Lot“ ist Bchina Dalet, wobei er aber immer noch mit Abraham verbunden ist.

 „Hinter Dich“ heißt jedoch, dass nach der Bchina Dalet nur Bchina Dalet ohne Versüßung ist. Dies ist das Geheimnis der großen Krokodile, von denen unsere Weisen sagten, dass sie eigentlich ein Lewiatan (Wal, Seeungeheuer) und seine Partnerin sind, welcher die Nukwa tötete und sie für die Gerechten in der Zukunft salzte.

Mit Zukunft ist nach all den Korrekturen gemeint.

Das ist die Bedeutung, warum Lots Frau hinter sich blickte, wie es geschrieben steht: „Und seine Frau blickte hinter ihn und wurde zu einer Salzsäule.“ Aber zuvor muss man sie töten, was die Zerstörung von Sodom bedeutet. Aber Lot, welcher der Aspekt von Lewiatan ist (die Verbindung zwischen Bchina Dalet und Abraham), muss auch gerettet werden.

Das erklärt eine Frage, die die Welt stellt: „Wie konnte der Engel, der Abraham geheilt hat, Lot retten?“ Es besteht doch die Regel: Ein Engel führt nicht zwei Missionen aus. Doch hier ist es ein und dieselbe Sache, denn es muss eine Reshimo von Bchina Dalet bleiben. Aber dies muss ein Geheimnis sein.

Dies bedeutet, dass, bevor er sich selbst beschnitten hat, man nichts davon wissen muss, sondern man muss sie töten. Und der Schöpfer hat sie gesalzen für die Gerechten der Zukunft, wenn „Sod“ (Geheimnis) zu Jessod gemacht wird.

Das ist die Bedeutung des Streites zwischen den Viehhirten Abrahams und den Viehhirten von Lot (Mikne – Vieh – bedeutet spirituelle Besitztümer). Denn Abrahams Vieh war notwendig, um den Aspekt von Abraham zu vergrößern – den Aspekt des Glaubens. Das bedeutet, dass er dadurch größere Kräfte auf sich genommen hat, um über den Verstand zu gehen, da er erkannte, dass man eben auf dem Weg des Glaubens über dem Verstand alle Besitztümer erlangt.

Folglich ist der Grund, warum er die Besitztümer wollte, der, ,,dass diese Besitztümer den Weg bezeugen“, welcher Glauben über dem Verstand genannt wird und ein wahrer Weg ist. Und der Beweis hierfür ist, dass, da ihm von Oben her spirituelle Besitztümer gegeben werden, er sich mithilfe der Besitztümer anstrengt, nur auf dem Weg des „Glaubens über dem Verstand“ zu gehen. Aber er möchte diese spirituellen Besitztümer nicht haben, da sie große Stufen und Erkenntnisse sind.

Es ist daher nicht so, dass er an den Schöpfer glaubt, damit er mit dem Glauben große Erkenntnisse erlangt. Sondern er benötigt große Erkenntnisse, damit er weiß, dass er den wahren Weg geht.

Daher möchte er nach all der Gadlut ausdrücklich den Weg des Glaubens gehen, denn nur so sieht er, dass er irgendetwas tut.

Hingegen war die einzige Absicht der Viehhirten von Lot, Besitztümer und große Erkenntnisse zu erlangen. Dies wird „die Vergrößerung des Aspektes von Lot“ genannt. Lot wird als „das verfluchte Land“ bezeichnet, was der eigene Wille zu empfangen ist, also Bchina Dalet, sei es im Gehirn (Mocha) oder im  Herzen (Liba). Und daher sagte Abraham: „Trenne Dich von mir“, was bedeutet, dass Bchina Dalet sich von ihm trennen soll – von der Bchina Olam ShanaNefesh.

Das ist die Bedeutung der Beschneidung und der Entfernung der Vorhaut. Die Entfernung von Bchina Dalet in Nefesh (Seele) wird Beschneidung genannt. In der Bchina Olam (Welt) wird die Entfernung der Vorhaut „Zerstörung von Sodom“ genannt. In Bchina Shana (Jahr) ist die Hitkalelut (das Ineinanderfügen) vieler Seelen, die Shana genannt werden. Dies ist die Bchina Lot, vom Wort „Fluch“, bezeichnet als „das verfluchte Land.“

Daher sagte Abraham zu Lot: „Trenne Dich von mir.“ Jedoch war Lot der Sohn von Haran, womit die zweite Einschränkung (Zimzum Bet) gemeint ist, genannt „Ein Fluss, der aus Eden hinausfließt, um den Garten zu gießen.“ Und es gibt den Aspekt „jenseits des Flusses“, was außerhalb des Flusses ist, das heißt Zimzum Alef (die erste Einschränkung). Und es gibt einen Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Zimzum. Im ersten Zimzum stehen die Dinim (Urteile) unter allen Sefirot der Kedusha (Heiligkeit), so wie sie zu Beginn aus der Anordnung des Abstiegs der Welten herausgekommen sind. Im zweiten Zimzum hingegen  sind sie zum Ort der Kedusha aufgestiegen, und sie haben bereits Halt an der Kedusha. Aus dieser Sicht sind sie daher schlimmer als der erste Zimzum. Sie haben keine weitere Ausbreitung.

Das „Land von Kanaan“ stammt vom zweiten Zimzum, welche sehr schlimm sind, da sie einen Halt an der Kedusha haben. Deshalb steht geschrieben: „Sollst du keine Seele leben lassen.“ Bchina Lot jedoch, welche Bchina Dalet ist, muss gerettet werden. Deshalb kamen die drei Engel als Einer; Einer für den Segen des Samens, was als ganz Israel betrachtet wird, was auch auf die Vermehrung und Fortpflanzung in der Tora hinweist. Dies bedeutet die Enthüllung der Geheimnisse der Tora, Banim (Söhne) genannt, vom Wort Hawanah (Verständnis). Und all dies kann nur nach der Korrektur der Beschneidung erlangt werden.

Das ist die Bedeutung der Worte des Schöpfers: „Soll ich das, was ich tue, vor Abraham verbergen?“ Denn Abraham hatte Angst vor Sodoms Zerstörung, vielleicht würde er all seine Gefäße zu empfangen verlieren. Deshalb sagte er: „Angenommen, es gäbe da 50 Gerechte in der Stadt“, denn ein ganzer Parzuf besteht aus 50 Stufen. Danach fragte er: „Vielleicht befinden sich dort 45 Gerechte?“, das heißt Awiut von Bchina Gimel, was 40 ist, und Dalet de Hitlabshut (Kleidung), was WaK ist, eine halbe Stufe, was fünf Sefirot sind, usw. Bis er letztendlich fragte: „Angenommen es gibt 10 Gerechte?“ Gemeint ist die Stufe von Malchut, welche nur 10 ist. Als Abraham daher sah, dass nicht einmal die Stufe von Malchut von dort hervorkommen könne, hat Abraham der Zerstörung von Sodom zugestimmt.

Wir sehen, als der Schöpfer ihn besuchen kam, betete er für Sodom, so wie geschrieben steht: „gemäß ihres Schreiens“, was bedeutet, dass alle im Willen zu empfangen versunken waren. „Allesamt [...] und wenn nicht, werde ich es wissen“, was bedeutet, wenn es in ihnen die Eigenschaft des Gebens gibt, dann werden wir [es] wissen, was die Bedeutung der Verbindung ist. Das heißt, Er wird sie mit der Kedusha (Heiligkeit) verbinden.

Und da Abraham sah, dass aus ihnen nichts Gutes hervorkommen würde, stimmte er der Zerstörung Sodoms zu.

Darum steht nach der Trennung Lots von Abraham geschrieben: „Er schlug seine Zelte auf bis Sodom“, dem Wohnsitz des Willens zu empfangen, was auf ihn selbst bezogen ist. Und das ist nur im Lande Israel.

Jenseits des Flusses jedoch, dem ersten Zimzum, der Herrschaft von Bchina Dalet, gibt es keinen Raum für Arbeit. Da sie an ihrem Platz herrscht und siegt. Nur im Lande Israel, dem zweiten Zimzum, findet die ganze Arbeit statt. Das ist die Bedeutung von Abrahams Namen Be Hej Bera`am (Ich erschuf sie mit dem Buchstaben Hej). Das bedeutet, dass das Jud, das dort war, in zwei Hejim geteilt wurde – dem unteren Hej und dem Oberen Hej – und Abraham nahm von der Hitkalelut des unteren Hej in das Obere Hej.

Nun verstehen wir Simon und Levi, welche die Männer von Schechem täuschten. Da Schechem Dinah wollte und seine ganze Absicht nur im Willen zu empfangen lag, sagten sie, sie müssten beschnitten werden, das heißt die Gefäße des Empfangens aufgeben. Da ihre ganze Absicht nur im Willen zu empfangen lag, starben sie durch die Beschneidung, dadurch, dass sie den Willen zu empfangen durch die Beschneidung verloren. Und für sie bedeutete das den Tod.

Daraus wird klar, dass sie sich selbst täuschten, da ihre ganze Absicht in Dinah, ihrer Schwester steckte. Sie glaubten, dass sie Dinah in den Gefäßen des Empfangens bekommen könnten. Nachdem sie daher beschnitten waren und Dinah empfangen wollten, konnten sie nur die Gefäße des Gebens benutzen, und die Gefäße des Empfangens hatten sie bei der Beschneidung verloren. Und da ihnen die Funken des Gebens fehlten, da Schechem der Sohn von Chamor (der Esel) war, der nichts außer den Gefäßen des Empfangens kennt, konnten sie Dinah in den Gefäßen des Gebens nicht empfangen, was gegen ihre Wurzel ist. Ihre Wurzel ist nur Chamor (der Esel), der Wille zu empfangen, und daher verloren sie in jeder Hinsicht. Dies wird so betrachtet, dass Simon und Levi ihren Tod verursachten. Doch waren sie selbst schuld und nicht Simon und Levi.

Dies ist die Bedeutung der Worte unserer Weisen: „Wenn du einem Verbrecher begegnest, schleppe ihn zum Haus des Studiums.“ Wir müssen verstehen was „Wenn du begegnest“ bedeutet. Es bedeutet, dass man den Verbrecher, gemeint ist der Wille zu empfangen, nicht immer findet. Die Bedeutung hiervon ist eher, dass nicht bei jedem der Wille zu empfangen als Verbrecher angesehen wird. Wenn es jedoch jemanden gibt, der den Willen zu empfangen wie einen Verbrecher empfindet, und er ihn loswerden will, so wie es geschrieben steht: „Immer soll der Mensch den Guten Trieb über den Bösen Trieb stellen. Wenn er siegt, gut; und wenn nicht, sollte er sich mit der Tora beschäftigen; und wenn nicht, sollte er das Shma Israel Gebet lesen; und wenn nicht, sollte er ihn an seinen Todestag erinnern.“[2] Zusammen hat er drei Ratschläge, wobei einer ohne den anderen nicht vollständig ist.

Und jetzt können wir die Frage verstehen, welche die Gemara beendet. Wenn der erste Ratschlag nicht hilft, das heißt „schleppe ihn zum Haus des Studiums“, dann „lies das Shma Israel Gebet.“ Und wenn das nicht hilft, „erinnere ihn an den Tag seines Todes.“

Warum benötigt er daher die ersten zwei Ratschläge, wenn zweifelhaft ist, ob sie ihm helfen werden? Warum sollte er nicht gleich den letzten Ratschlag befolgen, also ihn an seinen Todestag erinnern? Darauf antwortet er [Baal Sulam], dass es nicht bedeutet, dass ein Ratschlag helfen wird, sondern dass alle drei Ratschläge zusammen benötigt werden.



[1] Das hebräische Wort Hitkalelut enthält die Elemente: verbinden aber auch miteinander vermischen, das heißt das eine enthält etwas vom anderen. Das dt. Wort “Ineinanderfügen” gibt diese beiden am ehesten wieder.

[2] Talmud, Traktat Brachot, S. 5

 

Shamati 113. Das Gebet der Achtzehn (Segenssprüche)

Ich hörte am 15. Kislew, Shabbat

Im Gebet der Achtzehn (Segenssprüche) steht: „Denn du erhörst das Gebet aus jedem Mund des Volkes Israel, in Barmherzigkeit.“ Und scheinbar ist das schwer [verständlich], denn zuvor sagen wir: „Denn du erhörst das Gebet aus jedem Mund.“ Das heißt, sogar von einem Unwürdigen erhört der Schöpfer das Gebet, denn es steht geschrieben: „aus jedem Mund“, sogar aus einem unwürdigen. Und danach heißt es: „Des Volkes Israel, in Barmherzigkeit“, was gerade ein Gebet, welches aus Barmherzigkeit gesprochen wird, bedeutet. Sonst wird es nicht gehört.

Es ist so, dass man wissen muss, dass die ganze Schwere, die es in der Arbeit des Schöpfers gibt, aufgrund der Gegensätzlichkeit besteht, die bei jedem Schritt und Tritt üblich ist. Es gibt zum Beispiel eine Regel, dass der Mensch bescheiden sein muss. Folgt man jedoch diesem Grundsatz, bedeutet dies, auch wenn die Weisen sagten: „Äußerst bescheiden muss der Mensch sein“, dennoch nicht, dass dieser Grundsatz die Regel sein muss. Denn es ist bekannt, dass der Mensch gegen die ganze Menschheit gehen und sich nicht gegenüber der Ausbreitung von Meinungen, die in der Welt im Überfluss vorhanden sind, annullieren soll, wie es geschrieben steht: „Und sein Herz war mutig auf den Wegen des Schöpfers.“[1] Somit können wir diese Regel nicht als eine Regel bezeichnen, die vollständig wäre. Und wenn man dem anderen Extrem folgt, dem Stolz, dann ist auch das nicht in Ordnung, denn „jeder, der überheblich ist“, so sagt der Schöpfer: „Ich und er können nicht in der gleichen Behausung verweilen.“ Und genauso sehen wir Gegensätzlichkeit was Leiden betrifft. Wenn der Schöpfer einem Menschen Leiden schickt und wir glauben müssen, dass der Schöpfer gut und gütig ist, dann sind die von Ihm geschickten Leiden gänzlich für das Wohl des Menschen. Warum beten wir dann, der Schöpfer möge die Leiden von uns nehmen?

Und bezüglich der Leiden müssen wir wissen, dass die Leiden nur kommen, um den Menschen zu korrigieren, damit er für den Empfang des Lichtes des Schöpfers geeignet ist. Die Aufgabe der Leiden besteht nur darin, den Körper zu reinigen, wie die Weisen sagten[2]: „Wie Salz das Fleisch schmackhaft[3] macht, so reinigen die Leiden den Körper.“ Und sie [die Weisen] veranlassten, dass das Gebet die Leiden ersetzen soll, denn auch das Gebet reinigt den Körper.

Doch das Gebet wird „Weg der Tora“ genannt. Daher ist das Gebet für das Versüßen des Körpers wirkungsvoller als Leiden, und deswegen gilt es als eine Mizwa, für das Leiden zu beten, da davon ein zusätzlicher Vorteil sowohl für den Einzelnen als auch für die Allgemeinheit kommt.

Deswegen verursacht die Gegensätzlichkeit beim Menschen Schwere und Unterbrechungen bei der Arbeit für den Schöpfer, und er kann seine Arbeit nicht fortsetzen und fühlt sich schlecht. Es scheint ihm, dass er nicht würdig ist, das Joch des himmlischen Königreichs auf sich zu laden „wie ein Ochse das Joch und wie ein Esel die Ladung“. Zu dieser Zeit wird er als „unerwünscht“ bezeichnet.

Doch da das Heranziehen des Aspekts des Glaubens, genannt Malchut, was „die Shechina aus dem Staub zu erheben“ bedeutet, seine einzige Absicht ist und sein Ziel darin liegt, Seinen Namen, also die Größe des Schöpfers in der Welt zu preisen, damit die heilige Shechina nicht die Form von arm und armselig annehmen möge, so erhört der Schöpfer „das Gebet eines jeden Mundes“, sogar von einem Menschen, der nicht so wünschenswert ist, das heißt, der in sich spürt, dass er immer noch von der Arbeit des Schöpfers entfernt ist. Und das ist die Bedeutung von „Denn Du erhörst das Gebet aus jedem Mund“. Wann erhört Er jeden Mund? Dann, wenn das Volk von Israel in Barmherzigkeit betet, also einfache Barmherzigkeit. Wenn der Mensch betet, um „die Shechina aus dem Staub zu erheben“, um Glauben zu erhalten.

Und das gleicht einem Menschen, der drei Tage lang nichts gegessen hat. Wenn dieser einen Menschen bittet, ihm etwas zu essen zu geben, dann bittet er um nichts Überflüssiges oder Luxus, sondern er bittet einfach, man möge ihm etwas geben, um seine Seele zu beleben.

Ähnlich ist es in der Arbeit des Schöpfers, wenn der Mensch sich zwischen Himmel und Erde stehend findet, so ersucht er den Schöpfer um nichts Überflüssiges, sondern nur um das Licht des Glaubens. Also dass der Schöpfer seine Augen öffnen möge, damit er den Aspekt des Glaubens auf sich nehmen könne. Dies wird „die Shechina aus dem Staub zu erheben“ genannt. Und dieses Gebet wird von „jedem Mund“ angenommen. In welchem Zustand der Mensch sich auch befindet – wenn er darum bittet, seine Seele hinsichtlich des Glaubens zu beleben, dann wird sein Gebet angenommen.

Und das heißt „in Barmherzigkeit“, wenn sein Gebet nur darin liegt, dass man sich seiner von Oben erbarmen möge, damit er seine Lebenskraft aufrechterhalten kann. Und das ist die Bedeutung dessen, was im Sohar steht, dass ein Gebet für die Armen sofort angenommen wird. Wenn es also für die heilige Shechina ist, dann wird es sofort angenommen.



[1] 2. Chronik 17, 6

[2] Traktat Brachot, Seite 5

[3] wörtlich: versüßt

 

Shamati 114. Das Gebet

Ich hörte im Jahr 1942

Man muss verstehen, welche Bedeutung ein Gebet hat, welches als „Barmherzigkeit“ betrachtet wird, wenn doch die Regel gilt: „Ich fand und bemühte mich nicht – das sollst du nicht glauben.“ Und der Rat besteht darin, dass der Mensch dem Schöpfer versprechen muss, sich anschließend [nach dem Gebet] zu bemühen.

 

Shamati 115 Unbewegt, pflanzlich, lebend und sprechend

Ich hörte 1940, Jerusalem

Unbewegt ist etwas, das keine eigene Macht hat, sondern unter der Herrschaft seines Hausherrn steht. Und es ist verpflichtet, jedes Begehren und jeden Willen des Hausherrn zu erfüllen. Da also der Schöpfer alle Geschöpfe Sich zu Ehren schuf, wie geschrieben steht: „Jeglichen, der sich nennt mit Meinem Namen, habe ich zu Meiner Ehre geschaffen“, bedeutet dies, dass der Schöpfer das Geschöpf für Seinen eigenen Bedarf erschuf. Die Natur des Hausherrn ist in die Geschöpfe eingeprägt. Das bedeutet, dass keines der Geschöpfe für das Wohl des Nächsten arbeiten kann, sondern nur zum eigenen Nutzen.

Pflanzlich ist etwas, das bereits eine gewisse Herrschaft über sich selbst hat. Es kann nämlich bereits etwas tun, was der Meinung des Hausherrn entgegengesetzt ist. Und zwar kann es bereits Dinge tun, die nicht zu seinem Eigennutzen sind, sondern um zu geben. Und das ist bereits das Gegenteil von dem, was im Willen des Hausherrn besteht, den Er in die Unteren eingeprägt hatte, um nur im Willen für sich selbst zu empfangen.

Doch damit geht einher – wie wir bei den irdischen Pflanzen sehen – dass sie zwar beweglich sind und sich in die Breite und in die Länge ausbreiten, dass alle Pflanzen jedoch eine Eigenschaft gemeinsam haben. Das bedeutet, dass keine einzige Pflanze gegen die Methode aller Pflanzen sein kann. Vielmehr muss sie die Gesetze der Flora einhalten, und sie hat keine Kraft, etwas gegen den Willen von ihresgleichen zu tun.

Somit hat sie kein eigenes Leben, sondern ist Teil des Lebens der ganzen Flora im Allgemeinen. Das bedeutet, dass alle Pflanzen eine einzige Lebensform haben, wobei alle Pflanzen dasselbe Leben führen. Alle Pflanzen zusammen ähneln einem einzigen Geschöpf, und die einzelnen Pflanzen gleichen den einzelnen Organen dieses Tieres.

Auf gleiche Art und Weise ist es im Spirituellen. Jene Menschen, die bereits die Kraft haben, ein wenig den Willen zu empfangen zu überwinden, aber Sklaven der Gesellschaft sind, haben noch keine Kraft, etwas Entgegengesetztes zur Gesellschaft zu tun, in der sie sich befinden. Aber zumindest tun sie das Gegenteil von dem, was ihr Wille zu empfangen will, das heißt, sie arbeiten bereits mit dem Willen zu geben

Lebend: Bei den Tieren sehen wir, dass jedes von ihnen seine eigenen Eigenschaften besitzt und sie nicht Sklaven der Gesellschaft sind, sondern jedes Tier seine eigenen Empfindungen und Eigenschaften besitzt. Und mit Sicherheit kann es gegen den Willen des Hausherrn handeln, kann also im Geben arbeiten. Und es ist auch nicht Sklave der Gesellschaft, sondern es hat ein eigenes Leben, ohne dass seine Lebenskraft vom Leben des anderen (seinesgleichen) abhängig ist. Mehr als sich selbst kann es jedoch nicht fühlen. Das bedeutet, dass es keine Empfindung des Nächsten besitzt und sich daher nicht um den Nächsten sorgen kann. 

Sprechend hat Vorzüge:

  1. Es handelt gegen den Wunsch des Hausherrn.
  2. Es ist nicht an seinesgleichen gebunden wie die Flora, das heißt, es ist unabhängig von der Umgebung. 
  3. Es fühlt auch den Nächsten. Deshalb kann es für sie sorgen und sie ergänzen. Indem es mit der Allgemeinheit mitfühlt und mitleidet und sich mit ihr freut, kann es deshalb von der Vergangenheit und der Zukunft empfangen – im Gegensatz zu einem Tier, welches nur die Gegenwart und nur sich selbst fühlt.
 

Shamati 116. Warum sagte er, Mizwot bedürften keiner Absicht

Ich hörte

„Die Mizwot bedürfen keiner Absicht“ – und die Belohnung einer Mizwa ist nicht in dieser Welt. Das bedeutet, jemand, der sagt, die Mizwot bedürften keiner Absicht, erklärt, dass es keine Belohnung für eine Mizwa in dieser Welt gibt. Eine Absicht ist der Sinn und der Geschmack, die es in einer Mizwa gibt. Und dies ist die wahre Belohnung einer Mizwa.

Wenn der Mensch den Geschmack der Mizwa verspürt und auch ihren Sinn versteht, dann braucht er keine größere Belohnung als diese. Daraus folgt: Wenn die Mizwot keiner Absicht bedürfen, dann gibt es in dieser Welt sowieso keine Belohnung für eine Mizwa, da er doch keinerlei Geschmack und Sinn an der Mizwa empfindet.

Folglich ist der Mensch, wenn er sich in einem Zustand ohne jeglicher Kawana (Absicht) befindet, in einem Zustand, in dem es in dieser Welt keine Belohnung für die Mizwa gibt. Da der Geschmack und der Sinn die Belohnung für eine Mizwa darstellen, so hat er sicher keine Belohnung für eine Mizwa in dieser Welt, wenn er das nicht hat.

 

Shamati 117. Du hast dich abgemüht und nicht gefunden - [das] glaube nicht.

Ich hörte

Voraussetzung für die Anstrengung ist, dass die Arbeit notwendig ist. Da der Schöpfer dem Menschen ein Geschenk gibt, will Er, dass der Mensch den Vorteil des Geschenks fühlt. Anderenfalls gliche diese Person einem Narren, wie unsere Weisen sagten: „Wer ist ein Narr? Derjenige, der verliert, was ihm gegeben wird.“ Da er nicht die Wichtigkeit der Sache schätzt, achtet er nicht darauf, das Geschenk zu hüten.

Es ist eine Regel, dass der Mensch für eine Sache keinerlei Wichtigkeit empfindet, wenn er für diese Sache kein Bedürfnis hat. Und entsprechend dem Bedürfnis und dem Leid, wenn er sie nicht erlangt, fühlt er genau im selben Maße Geschmack, Vergnügen und Freude bei der Erfüllung seines Mangels. Es ähnelt jemandem, dem alle möglichen guten Getränke gegeben werden. Wenn er aber nicht durstig ist, so schmeckt ihm nichts. So wie geschrieben steht: „Wie kaltes Wasser auf eine schwache Seele.“

Wenn daher Mahlzeiten gerichtet werden, die die Menschen erfreuen sollen, gibt es einen Brauch: Während wir Fleisch und Fisch und allerlei gute Dinge vorbereiten, achten wir darauf, auch Bitteres und Scharfes auf den Tisch zu stellen, so wie Senf, scharfe Paprika, Saures und Salziges. Und dies alles, um den mangelnden Hunger zu erwecken. Denn wenn das Herz einen bitteren und scharfen Geschmack schmeckt, dann ruft dies Hunger und Mangel hervor, den der Mensch mit einer Mahlzeit aus guten Dingen stillen muss.

Aber man soll nicht fragen: Wozu benötige ich die Dinge, die Hunger hervorrufen? Ist es nicht die Aufgabe des Gastgebers, nur für die Erfüllung des Mangels zu sorgen, also für das Mahl, und nicht Dinge vorzubereiten, die Bedarf an Erfüllung hervorrufen? Und die offensichtliche Antwort ist: Da der Gastgeber möchte, dass die Menschen das Mahl in demselben Maße genießen, wie sie einen Bedarf an Essen verspüren, werden sie das Essen in genau dem Maße genießen. Daraus folgt: Wenn er viele gute Dinge gibt, wird es ihnen immer noch nicht helfen, das Mahl zu genießen, aus oben genanntem Grund, dass es keine Erfüllung ohne Mangel gibt.

Um deshalb des Lichtes des Schöpfers würdig zu werden, muss es auch einen Mangel geben. Und der Mangel danach ist die Anstrengung. Je nachdem, wie der Mensch sich anstrengt und nach dem Schöpfer verlangt – in Zeiten der größten Verborgenheit –, so wird er des Schöpfers bedürftig. Dies bedeutet, der Schöpfer wird seine Augen öffnen, damit er fähig werde, auf den Wegen des Schöpfers zu wandeln. Wenn er dann bereits dieses Kli (Gefäß) des Mangels hat, wenn ihm der Schöpfer Hilfe von Oben gibt, dann weiß er bereits, wie er dieses Geschenk hüten kann. Es stellt sich heraus, dass die Anstrengung Achoraim (Rückseite) ist. Und wenn der Mensch Achoraim erhält, hat er Platz, um Panim (Angesicht) würdig zu werden.

Darüber wird gesagt: „Ein Narr hat keinen Wunsch nach Weisheit.“ Dies bedeutet, dass er kein starkes Bedürfnis hat, sich anzustrengen, um Weisheit zu erlangen. Daher hat er keine Achoraim und kann natürlich auch nicht des Aspekts von Panim würdig sein.

Dies ist die Bedeutung von „So wie das Leid, so ist die Belohnung“. Dies bedeutet, das Leid, „Anstrengung“ genannt, erschafft das Kli, sodass man die Belohnung erlangen kann. Dies bedeutet, dass er in dem gleichen Maße, in dem er Leid empfindet, danach der Freude und des Vergnügens würdig werden kann.



 

Shamati 118. Die Knie, die sich dem Baal beugten18

Ich hörte

Siehe, es gibt den Aspekt der Ehefrau, und es gibt den Aspekt des Ehemannes (Baal[1]). Ehefrau heißt, dass sie nur das hat, was sie von ihrem Ehemann bekommt. Und Ehemann bedeutet, dass er selbst alles Gute an sich zieht. „Knie“ gelten als Aspekt des „Unterwerfens“ wie es geschrieben steht: „Und jedes Knie wird sich Dir beugen.“

Und bezüglich der Unterwerfung gibt es zwei Unterscheidungen:

  1. Jemand, der sich einem Größeren unterwirft, auch wenn er seine Verdienste nicht kennt, aber daran glaubt, dass er groß ist, und sich ihm deswegen unterwirft.
  2. Wenn er seine Größe und seine Erhabenheit völlig klar kennt.

Und bezüglich des Glaubens an die Größe des Höheren gibt es auch zwei Unterscheidungen:

  1. Er glaubt, dass Er groß ist, weil er keine andere Wahl hat, weil er also keinen Weg und Zutritt hat, um Seine Größe zu kennen.
  2. Er weiß irgendwie, wie er Seine Größe ganz klar erfassen kann, doch er entscheidet sich für den Weg des Glaubens, da „Die Ehre Gottes ist, die Dinge [zu] verbergen.“ Das bedeutet, obwohl er Funken in seinem Körper hat, die unbedingt Seine Größe erkennen wollen, und um nicht wie Vieh zu sein, wählt er dennoch aus dem Oben erwähnten Grund den Weg des Glaubens.

Folglich gilt jemand, wenn er keine andere Wahl hat und den Weg des Glaubens wählt, als „Frau“, als weiblich -  „er wurde so schwach wie die Frau“ -  und sie empfängt nur von ihrem Ehemann. Aber jemand, der die Wahl hat und kämpft, um den Weg des Glaubens zu gehen, wird „Krieger“ genannt. Diejenigen, die den Glauben wählten, während sie die Wahl hatten, den Weg des Wissens zu gehen, genannt Baal (Ehemann), heißen daher: „Die nicht vor dem Baal  niederknieten.“ Dies bedeutet, dass sie sich nicht dem Dienst des Baal unterwarfen, der den Aspekt des Wissens darstellt, sondern den Weg des Glaubens wählten.



[1] Baal bedeutet sowohl Ehemann als auch falscher Gott.

 

Shamati 119. Ein Schüler, der insgeheim studierte

Ich hörte am 16. September 1942

 „Den Schüler, der insgeheim studierte, traf Bruria und sagte: ‚In allem geordnet und bewahrt[1] – wenn es in 248 geordnet ist, dann hat es Bestand‘.“

„Insgeheim“ (Chashaj) bedeutet Katnut (Kleinheit), von dem Wort Chash-Mal

Chash bedeutet Kelim de Panim (Gefäße der Vorderseite), und Mal bedeutet Kelim de Achor (Gefäße der Rückseite), also die Kelim unterhalb von Chase, welche Gadlut (Größe) hervorbringen.

Dieser oben genannte Schüler dachte, dass, wenn er des Zustands Chash würdig wurde, also des Willens zu geben, und alle seine Absichten nur auf das Geben ausgerichtet sind, ihm bereits die ganze Vollkommenheit zuteilwurde. Da aber der Zweck der Schöpfung der Welten darin bestand, den Geschöpfen Güte zu schenken, also dass sie alle Höheren Genüsse empfangen, wobei der Mensch die ganze Stufe erfasst, sogar unterhalb von Chase, das heißt alle 248 [Organe], sagte ihm Bruria den Vers: „in allem geordnet und bewahrt“,  in allen 248. Das bedeutet, dass er auch das, was unter Chase ist, heranziehen soll. Also, dass er auch Gadlut heranziehen muss, und das ist Mal, also „das Sprechen“, welches die Offenbarung der ganzen Stufe darstellt. Damit er jedoch keinen Schaden nimmt, müssen sie zuvor Katnut empfangen, genannt Chash, welches im Geheimen ist und noch nicht enthüllt wurde. Und danach muss er auch Mal untersuchen, also Gadlut, und dann wird die ganze Stufe enthüllt.

Und das ist „geordnet und bewahrt“, das heißt, da bei ihm bereits Katnut gesichert ist, kann er bereits Gadlut ohne Furcht ausbreiten.



[1] 2. Buch Samuel 23, 5

 

Shamati 120. Der Hintergrund des Brauches, an Rosh HaShana keine Nüsse zu essen

Ich hörte am Ende von Rosh HaShana, im Jahr 1942, in Jerusalem

Der Hintergrund des Brauches, an Rosh HaShana keine Nüsse zu essen, ist der, weil  Egos (Nuss) dem Zahlenwert von Chet (Sünde) entspricht. Und er fragte: „Entspricht Egos nicht dem Zahlenwert von Tow (gut)?“ Und er sagte, dass Egos den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse meint.

Und bevor man nicht aus Liebe bereut, ist  Egos in ihm noch immer eine Sünde.

Und derjenige, der bereits der Reue durch Liebe würdig wurde, dessen boshafte Vergehen werden zu unabsichtlichen Fehlern. Folglich wurde sein Chet zu Tow, und dann darf er bereits Nüsse essen. Deswegen muss man darauf achtgeben, Dinge zu essen, in denen es keinerlei Andeutung auf die Sünde gibt, welche als Baum des Lebens gelten. Die Dinge aber, welche den Zahlenwert von Chet (Sünde) aufweisen, deuten auf den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

 

Shamati 121.Sie ist wie ein Handelsschiff

Ich hörte

Im Vers: „Sie ist wie ein Handelsschiff, das sein Brot aus der Ferne bringt.“ In der Zeit, wenn der Mensch fordert und darauf besteht, dass „sie ganz meins“ ist, also dass alle Wünsche nur und ganz dem Schöpfer geheiligt sein sollen, erwacht Sitra Achra gegen ihn und behauptet ebenfalls: „Sie ist ganz meins“, und dann gibt es einen Handel. Handel bedeutet, dass der Mensch irgendeinen Gegenstand kaufen möchte, und der Käufer streitet mit dem Verkäufer über den Wert, das heißt, jeder behauptet, dass er Recht hat.

So schaut auch der Körper, auf wen es sich zu hören lohnt – auf den Empfänger oder auf die gebende Kraft, wobei beide ganz deutlich behaupten, dass „sie ganz meins ist“. Und da der Mensch seine Niedrigkeit sieht, dass es auch in ihm Funken gibt, die nicht einwilligen, Tora und Mizwot auch nur im Geringsten einzuhalten, sondern der ganze Körper behauptet, sie sei ganz sein, dann „bringt sie Ihr Brot aus der Ferne“. Das heißt aus den Entfernungen, also daraus, dass der Mensch sieht, wie weit er vom Schöpfer entfernt ist, und es bedauert und den Schöpfer darum bittet, Er möge ihn Sich nahe bringen, bringt sie ihr Brot.

Brot bedeutet Glauben. In diesem Zustand wird er mit permanentem Glauben belohnt, da „der Schöpfer so tat, damit man sich vor ihm fürchte“, was bedeutet, dass alle Entfernungen, die er fühlt – diese Zustände –, ihm vom Schöpfer gebracht wurden, damit er den Bedarf hat, die Furcht vor dem Himmel auf sich zu nehmen.

Und das ist die Bedeutung von: „Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von all dem, was vom Mund des Schöpfers ausgeht.“ Das bedeutet, dass die Lebenskraft der Heiligkeit, die es im Menschen gibt, nicht unbedingt davon kommt, dass man näher kommt, das heißt von den Eintritten, also den Eintritten in die Heiligkeit, sondern auch von den Austritten, also von den Entfernungen. Denn indem sich Sitra Achra in den Körper des Menschen kleidet und mit gerechter Klage behauptet: „Sie ist ganz mein“, erlangt der Mensch durch die Überwindung in diesen Zuständen einen permanenten Glauben.

Das heißt, dass der Mensch alles mit dem Schöpfer vereinen muss, das heißt, auch die Austritte kommen von ihm. Und sobald er würdig wird, sieht er, dass alles, sowohl Aus- als auch Eintritte, von Ihm ist.

Aus diesem Grunde ist er gezwungen, bescheiden zu sein, da er sieht, dass der Schöpfer alles tut, egal ob es sich um Austritte oder Eintritte handelt. Und das ist es, was über Moses geschrieben stand, dass er bescheiden und geduldig war – dass man die Niedrigkeit erdulden muss. Das heißt, auf jeder einzelnen Stufe muss er die Niedrigkeit festhalten, und in dem Moment, wenn er die Niedrigkeit verlässt, verliert er augenblicklich alle Stufen von „Moses“, die er bereits erreicht hatte, und dem Verstehenden genügt das.

Das ist die Bedeutung von Geduld. Bei jedem ist Niedrigkeit vorhanden, doch nicht jeder fühlt die Niedrigkeit als eine gute Sache, also will man nicht leiden. Moses dagegen erduldete die Bescheidenheit und wurde daher als bescheiden bezeichnet, also dass er an der Niedrigkeit Freude hatte.

Dies ist die Regel: „Die Shechina weilt nirgends, wo es keine Freude gibt.“ Daher kann es zur Zeit der Reinigung kein Verweilen der Shechina geben. Und auch wenn die Sache der Reinigung eine notwendige Sache ist (und das ist wie das Beispiel der Toilette, wo der Mensch auch gezwungen ist, dorthin zu gehen, obwohl er doch sicher ist, dass dies nicht der Palast des Königs ist).

Und das ist das Konzept von „Segen“ (Bracha) und „Erstgeburt“ (Bechora), deren Buchstaben gleich sind. Erstgeburt bedeutet GaR und Sitra Achra will GaR, nicht jedoch die Segnungen, da Segen die Kleidung auf Mochin bedeutet. Esau wollte die Erstgeburt ohne die Kleidung, doch es ist verboten, Mochin ohne Kleidung zu empfangen. Dies ist die Bedeutung von Esaus Worten: „Hast Du mir denn keinen einzigen Segen vorbehalten?“ „Ein Segen“ bedeutet das Gegenteil von den Segnungen, also einen Fluch. Darüber steht geschrieben: „Und er liebet den Fluch und sie kam über ihn; und er hatte keine Freude am Segen.“

 

Shamati 122. Um zu verstehen, was im Shulchan Aruch erklärt wird

Ich hörte am Shabbatabend zum Wochenabschnitt Nizawim am 4. September 1942

Verstehe, was im Shulchan Aruch (Gedeckter Tisch)[1] erklärt wird: Der Mensch soll wiederholt über die Gebete der Furchtbaren Tage nachdenken, damit er, wenn die Zeit für das Gebet kommt, er dann alt sein wird und das Gebet ihm zur Gewohnheit geworden ist.

Wichtig ist, dass das Gebet im Herzen sein muss, was Arbeit im Herzen bedeutet. Das Herz muss mit dem übereinstimmen, was der Mensch mit seinem Mund spricht (ansonsten wird dies Betrug genannt, gemeint ist, wenn sein Mund und Herz nicht übereinstimmen). Daher muss sich der Mensch im Monat Elul an die große Arbeit gewöhnen.

Und das Wichtigste ist, dass er [zum Schöpfer] sagen kann: „Schreibe uns für das Leben ein.“ Das heißt, wenn er sagt: „Schreibe uns für das Leben ein“, sollte sein Herz ebenfalls damit einverstanden sein (damit er nicht als Heuchler dasteht). Sein Herz und seine Worte sollten Eins sein. „Denn der Mensch schaut auf das Äußere, aber der Schöpfer schaut ins Herz.“[2]

 Wenn der Mensch schreit „schreibe uns zum Leben ein“, bedeutet Leben dementsprechend folglich Anhaftung an das Leben des Lebens, was genau dadurch erreicht werden kann, wenn er vollkommen in der Form des Gebens arbeiten möchte und alle Gedanken an Eigengenuss annulliert werden. Dann, wenn er fühlt, was er sagt, kann sein Herz befürchten, dass sein Gebet angenommen wird, das heißt, daß er keinen Wunsch welcher Art auch immer für sich selbst haben wird.

Was den Eigengenuss betrifft, erscheint dann ein Zustand, in welchem es dem Menschen vorkommt, als würde er alle Genüsse dieser Welt zurücklassen und damit zusammen auch alle Geschöpfe, Freunde und Verwandten und sein ganzes Hab und Gut. Es erscheint ihm, als ob er in die Wüste ginge, wo es nichts außer wilden Tieren gibt und niemand etwas über ihn und seine Existenz weiß. Es kommt ihm vor, als ob er auf einmal seine Welt verliert, und er fühlt, dass er eine Welt voller Lebendigkeit verliert und es auf sich nimmt, aus dieser Welt dahinzuscheiden. Wenn er sich dieses Bild vorstellt, empfindet er es so, als beginge er dabei Selbstmord.

Manchmal hilft ihm Sitra Achra, sich seinen Zustand in dunklen Farben vorzustellen. Dann weist sein Körper dieses Gebet zurück, und in solch einem Zustand wird es nicht akzeptiert, weil er selbst nicht will, dass sein Gebet angenommen wird.

Daher muss es eine Vorbereitung auf das Gebet geben, damit sich der Mensch an solch ein Gebet gewöhnen kann, als ob sein Herz und sein Mund eins wären. Und man kann dazu gelangen, dass das Herz durch die Gewohnheit einwilligt, dass es versteht, dass das Empfangen Trennung bedeutet und das Wichtigste die Anhaftung an das Leben der Leben ist, welches das Geben ist.

Man muss sich stets in die Arbeit von Malchut versenken, was „schreiben“ genannt und als „Tinte“ und Shacharit (Schwärze) erachtet wird. 

Das bedeutet, der Mensch sollte sich nicht wünschen, dass die eigene Arbeit in der Form von „Libni[3] und Shimei“ sei und er nur in der Zeit der Weiße an Tora und Mizwot anhafte. Sondern bedingungslos - ob in Weiß oder in Schwarz - für ihn wird es immer dasselbe sein, und komme was wolle, er muss stets die Gebote von Tora und Mizwot einhalten.[E1]



[1] Jüdisches Gesetzbuch

[2] 1 Samuel 16, 7

[3] Libni bedeutet auch Weiße


 
 

Shamati 123. Seine Scheidung und Seine Hand sind Eins

Ich hörte; Erinnerungen an unseren Herrn, Lehrer und Meisters (Baal HaSulam) seligen Andenkens

In der Angelegenheit des unteren Hej in Ejnaim (Augen) finden wir die Bedeutung des Massach (Schirm) und einer Bedeckung, die über die Augen gelegt wurden. Die Augen bedeuten Sehen und Vorsehung, wenn man die Vorsehung als verborgen sieht.

Versuch heißt, dass der Mensch keine Entscheidung treffen kann - er kann weder den Willen des Schöpfers klären noch die Absicht seines Rav. Obwohl er in der Lage ist, seine Arbeit hingebungsvoll zu verrichten, so ist er doch nicht fähig zu bestimmen, ob diese hingebungsvolle Arbeit am richtigen Platz sei oder ob im Gegenteil diese schwere Arbeit im Gegensatz zur Meinung seines Lehrers und der Meinung des Schöpfers stehe.

Und um das zu bestimmen, entscheidet er sich dafür, was zusätzliche Mühen fordert. Das bedeutet, dass er in Übereinstimmung mit der Richtung handeln muss, dass dem Menschen nur die Mühe auferlegt ist und sonst nichts. Somit fehlt ihm der Raum, an seinen Taten und seinen Gedanken und seinen Worten zu zweifeln und deshalb muss er ständig seine Anstrengungen mehren. 

 

Shamati 123. Seine Scheidung und Seine Hand sind Eins

Ich hörte; Erinnerungen an unseren Herrn, Lehrer und Meisters (Baal HaSulam) seligen Andenkens

In der Angelegenheit des unteren Hej in Ejnaim (Augen) finden wir die Bedeutung des Massach (Schirm) und einer Bedeckung, die über die Augen gelegt wurden. Die Augen bedeuten Sehen und Vorsehung, wenn man die Vorsehung als verborgen sieht.

Versuch heißt, dass der Mensch keine Entscheidung treffen kann - er kann weder den Willen des Schöpfers klären noch die Absicht seines Rav. Obwohl er in der Lage ist, seine Arbeit hingebungsvoll zu verrichten, so ist er doch nicht fähig zu bestimmen, ob diese hingebungsvolle Arbeit am richtigen Platz sei oder ob im Gegenteil diese schwere Arbeit im Gegensatz zur Meinung seines Lehrers und der Meinung des Schöpfers stehe.

Und um das zu bestimmen, entscheidet er sich dafür, was zusätzliche Mühen fordert. Das bedeutet, dass er in Übereinstimmung mit der Richtung handeln muss, dass dem Menschen nur die Mühe auferlegt ist und sonst nichts. Somit fehlt ihm der Raum, an seinen Taten und seinen Gedanken und seinen Worten zu zweifeln und deshalb muss er ständig seine Anstrengungen mehren. 

 

Shamati 124. Der Shabbat von BeReshit und der Shabbat der sechs Jahrtausende

Ich hörte

Es gibt zwei Arten des Shabbattages

  1. Shabbat von BeReshit (Genesis/Anfang)
  2. Shabbat der Sechs Jahrtausende.

Und der Unterschied zwischen ihnen ist folgender: Es ist bekannt, dass es Ruhe (Einstellen der Arbeit – „Shwita“) und Ausruhen gibt. Ruhe ist dort, wo man nichts mehr hinzufügen kann, während das Ausruhen vom Verb „stehen“ und „ausruhen“ kommt, das heißt, er steht inmitten seiner Arbeit und hat keine Kraft, um weiterzuarbeiten, weshalb er steht und sich ausruht, um wieder Lebenskraft zu schöpfen und danach die Arbeit fortzusetzen.

Shabbat BeReshit ist dann, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, und dies wird „Anhalten der Arbeit“ genannt. Shabbat der sechs Jahrtausende ist dagegen die Stufe des „Ausruhens“ mittels welcher er Lebenskraft erhält, um die Arbeit an „Wochentagen“ fortzusetzen.

Dadurch werden wir verstehen, was die Weisen sagten: „Der Shabbat sagte: ‚Allen hast Du einen Partner gegeben, nur mir nicht.“ Und der Schöpfer antwortete ihm: „Israel werden dein Partner sein.“ Als Partner wird Seir Anpin bezeichnet, und wenn es eine Nukwa gibt, dann ist ein Siwug (Paarung) möglich, und aus einem Siwug resultieren Nachkommen, also Erneuerungen und Zusätze.

Nukwa ist der Chissaron (Mangel). Wenn es irgendwo einen Mangel gibt, dann muss man ihn korrigieren. Und alle Korrekturen werden als zu ihrem Abschluss gekommen sein bezeichnet, indem sie das Höchste Licht an den Ort des Chissaron ausbreiten. Somit besteht hier kein anfänglicher Chissaron, sondern all der Chissaron, den sie anfänglich für einen Mangel hielten, bestand von Anfang an in Form einer Korrektur, das heißt, das Höchste Licht wird sich dadurch von Oben ergießen.

Und das gleicht einem Menschen, den irgendeine Frage interessiert, und der sich bemüht, sie zu verstehen. Und wenn er dann die Bedeutung erfasst, dann ist es umgekehrt: Er fühlt nicht, dass er sich zuvor gequält hatte, weil er die Angelegenheit nicht verstand, sondern im Gegenteil, er ist froh, dass er jetzt Freude hat. Seine Freude wird durch die Größe der Anstrengung gemessen, die unternommen wurde, bevor er diese Frage verstanden hat.

Folglich wird die Zeit der Vertiefung [im Studium] als „Nukwa“, also „Chissaron“ bezeichnet. Und wenn der Mensch sich mit dem Chissaron vereinigt, dann gebiert er Nachkommen, also die Erneuerung. Und das ist es, was der Shabbattag behauptet hat: Da es am  Shabbat keine Arbeit gibt, wird es daher keine Nachkommen und Erneuerungen geben.

 

Shamati 125. Der den Shabbat erfreut

Ich hörte am 15. Juni 1949 in Tel Aviv

„Jedem, der den Shabbat erfreut, wird grenzenloser Besitz gegeben, so wie gesagt wird: ‚Dann wirst du dich ergötzen am Schöpfer, und ich lasse dich besteigen die Höhen der Erde und dich genießen das Erbe Jakobs, deines Vaters“ usw. Nicht wie Abraham, über den geschrieben steht: „Auf, wandle durch das Land in seiner Länge“ usw. Und nicht wie Isaak, über den geschrieben steht: „Dir und deinem Samen werde ich all diese Länder geben“, sondern wie Jakob, über den geschrieben steht: „Und du sollst dich ausbreiten nach Westen, nach Osten, nach Norden und nach Süden“[1].

Es ist schwierig, diese Gemara so zu verstehen, wie sie ist: Soll jedem Einzelnen von Israel die ganze Welt, gemeint ist ein grenzenloser Besitz, gegeben werden?

Wir sollten mit den Worten unserer Weisen beginnen: „In der Zukunft wird der Schöpfer die Sonne aus ihrer Hülle herausnehmen und wird sie verdunkeln. Die Bösen werden von ihr gerichtet und die Gerechten werden durch sie geheilt, so wie geschrieben steht: ‚Denn siehe, der Tag kommt, er brennt wie ein Ofen; und es werden alle Übermütigen, alle die Frevel geübt haben, Stoppeln sein; und es wird sie entzünden der kommende Tag’, spricht der Herr der Heerscharen, der ihnen nicht zurücklassen wird Wurzel noch Ast, weder eine Wurzel in dieser Welt, noch einen Ast in der kommenden Welt. Die Gerechten werden dadurch geheilt, wie geschrieben steht: ‚Aber über euch, die ihr Meinen Namen fürchtet, soll die Sonne der Gerechtigkeit mit Heilung in ihren Flügeln aufgehen.‘ Und mehr noch, sie werden durch sie verfeinert.“[2].

Und wir müssen das Rätsel der Weisen verstehen: Was ist die Sonne und was ist eine Hülle, und woher kommt diese Gegensätzlichkeit? Ebenso: Was ist „der ihnen nicht zurücklassen wird Wurzel in dieser Welt noch Ast in der kommenden Welt“? Und was ist „mehr noch, sie werden durch sie verfeinert“? Er hätte sagen sollen: „Geheilt und verfeinert durch sie.“ Was ist aber das „mehr noch“, das er gesagt hat?

Nun können wir die Worte unserer Weisen verstehen: „Israel zählen nach dem Mond und die Völker der Welt nach der Sonne.“[3]. Die Bedeutung ist, dass das „Licht der Sonne“ eine Bezeichnung für das klarste Wissen ist, so wie geschrieben steht: „klar wie die Sonne.“ Und die Völker der Welt, die nicht die Tora und die Gebote erhielten, so wie geschrieben steht, dass der Schöpfer sie zu jedem Volk und jeder Sprache brachte, da sie sich nicht am Licht der Tora erfreuen wollten, die als Mond gilt, der vom Licht des Schöpfers empfängt, dem Licht der Sonne, das heißt dem allgemeinen Licht.

Dennoch haben sie Sehnsucht und ein Verlangen, im Namen des Schöpfers zu studieren und Ihn selbst zu erkennen.

Aber Israel zählt nach dem Mond, was die Tora und die Mizwot sind, in welche das Sonnenlicht des Schöpfers gekleidet ist. Daher ist die Tora die Hülle des Schöpfers.

Geschrieben steht im Sohar: „Die Tora und der Schöpfer sind eins.“ Dies bedeutet, dass das Licht des Schöpfers in die Tora und die Mizwot gekleidet ist, und: Er und Seine Hülle sind eins. Daher zählen Israel nach dem Mond, um sich selbst in der Tora und den Mizwot zu vervollständigen.

In jedem Fall erlangen sie auch den Schöpfer. Da die Völker der Welt die Tora und Mizwot, das heißt die Hülle, jedoch nicht einhalten, haben sie noch nicht einmal das Licht der Sonne.

Dies ist die tiefe Bedeutung von „in der Zukunft nimmt er die Sonne aus ihrer Hülle heraus“. Und sie sagten: „Shechina (göttliche Gegenwart) in den Unteren; ein erhabenes Bedürfnis.“ Dies bedeutet, dass der Schöpfer sich danach sehnt und danach verlangt.

Dies ist die tiefe Bedeutung der sechs Tage des Schaffens, das heißt der Arbeit in der Tora und den Mizwot, da gilt: „Alles schuf der Schöpfer zu Seinem Ziel.“ Und sogar die Arbeit an den sechs Tagen ist immer noch die Arbeit des Schöpfers, so wie geschrieben steht: „Er erschuf sie nicht als Chaos; Er erschuf sie, damit sie bewohnt werde.“ Deshalb wird dies „eine Hülle“ genannt.

Und der Shabbat ist das Licht der Sonne, der Tag der Ruhe im ewigen Leben. Das heißt, Er hat die Welt in zwei Stufen geschaffen:

  1. dass Seine Shechina (göttliche Gegenwart) in den sechs Tagen der Handlung durch die Tora und die Mizwot enthüllt werden würde;
  2. dass Er in der Welt enthüllt würde, ohne die Tora und die Mizwot.

Und dies ist die tiefe Bedeutung von „zu seiner Zeit; ich werde es beschleunigen“. [Ist man] würdig – werde ich es beschleunigen, das heißt durch die Tora und Mizwot. Sind sie nicht würdig – [dann] zu seiner Zeit. Dies ist so, weil die Entwicklung der Schöpfung durch die Vermehrung des Leidens der Menschheit das Ende und die Erlösung bringt, bis der Herr Seine Shechina (göttliche Gegenwart) in die Unteren legt. Und dies wird „zu seiner Zeit“ genannt, das heißt durch Entwicklung der Zeit.



[1] Talmud, Traktat Shabbat 118a

[2] Awoda Sara [Götzenverehrung] 3b

[3] Sukka 29

 

Shamati 126: Ein Weiser kommt in eine Stadt

Ich hörte während der Shawuotmahlzeit im Mai 1947 in Tel Aviv

„Der Weise kommt in die Stadt.“ Der Schöpfer wird „Weiser“ genannt. „Kommt in eine Stadt“ bedeutet, dass Er sich an Shawuot der Welt offenbart.

„Der Faule sagte: ‚Da ist ein Löwe auf dem Weg.‘ Vielleicht ist der Weise nicht zuhause? Vielleicht ist die Tür verriegelt?“ Und es geht darum, was die Weisen sagten: „Du hast dich abgemüht und hast nicht gefunden – [das] glaube nicht.“ Wenn er daher sieht, dass er immer noch nicht die Nähe des Schöpfers gefunden hat, dann sagt man ihm, dass er sich bestimmt nicht so sehr bemüht hat, wie er sollte, und deswegen nennt ihn der Vers „Faulpelz“.

Und was bedeutet es, dass er sich nicht bemüht hat? Wenn er die Nähe des Schöpfers sucht – warum will er dann keine Anstrengung unternehmen? Denn es ist doch so, dass, selbst wenn man eine physische Sache erwerben möchte, man sie nicht ohne Anstrengung erwirbt. In Wirklichkeit will er sich tatsächlich bemühen, und er sagt ja nicht: „Da ist ein Löwe auf dem Weg“, also Sitra Achra, wie es geschrieben steht: „[Er hat auf mich gelauert] wie ein Löwe im Verborgenen.“[1] Das heißt, dass derjenige, der den Weg des Schöpfers beginnt, auf einen Löwen trifft, der auf dem Weg ist. Und derjenige, der darin fehlschlägt, wird sich nicht wieder fangen.

Und aus diesem Grunde fürchtet er sich zu beginnen, denn wer kann ihn besiegen? Dann wird ihm gesagt: „Es gibt keinen Löwen auf dem Weg“, also dass geschrieben steht: „Es gibt niemanden außer Ihm.“ Denn es gibt keine andere Macht außer Ihm, im Sinne von: „Das alles tut Gott, dass man sich vor Ihm fürchten soll.“[2]

Und dann findet er eine andere Ausrede, nämlich: Vielleicht ist der Weise nicht zuhause? „Sein Zuhause“ ist der Aspekt von Nukwa, die heilige Shechina. Dann weiß er nicht klar, ob er den Weg der Heiligkeit geht oder nicht.

Und dazu sagt er, dass vielleicht der Weise, also der Schöpfer, nicht bei Sich zuhause ist. Das heißt, dieses Haus ist nicht Seins, es gehört nicht der Heiligkeit. Und woher kann er wissen, dass er in Heiligkeit vorankommt? Dann sagt man ihm: „Der Weise ist zuhause“, also: „Die Seele des Menschen wird ihn lehren“, und dann weiß er, dass er endlich in der Heiligkeit vorankommt.

Dann sagt er: „Vielleicht ist die Tür verriegelt und man kann nicht ins Innere des Gemachs treten, wie es heißt: ‚Nicht jeder, der sich den Schöpfer nehmen will, wird kommen und Ihn sich nehmen‘.“ Dann antwortet man ihm: „Die Tür ist nicht verriegelt“, wir sehen doch, dass viele Menschen dessen würdig wurden, ins Innere des Gemachs einzutreten.

Dann antwortet er: „So oder so werde ich nicht gehen.“ Das bedeutet, dass, wenn er faul ist und sich nicht anstrengen möchte, er scharfzüngig (klug) wird und diskutiert, dass man denkt, man erschwere ihm nur die Arbeit.

Doch wer sich wirklich bemühen will, sieht das Gegenteil. Er sieht doch, dass viele erfolgreich waren. Und diejenigen, die sich nicht bemühen wollen, sehen, dass es Menschen gibt, die keinen Erfolg hatten. „Obwohl sie keinen Erfolg hatten“, hat auch das Sinn, damit sie nämlich entdecken, dass sie sich nicht bemühen wollen. Da er jedoch faul ist, und seine Taten rechtfertigen möchte, predigt er wie ein Weiser. In Wirklichkeit sollte man ohne jegliche Kritik und Diskussionen das Joch der Tora und der Mizwot annehmen, und dann wird man Erfolg haben. 



[1] Klagelieder 3, 10

[2] Prediger 3, 14

 

Shamati 127. Der Unterschied zwischen dem Wesentlichen, der Essenz und dem zusätzlichem Überfluss

[Ich hörte am] 4. Zwischentag von Sukkot, am 30. September 1942, in Jerusalem

Man weiß, dass das Verschwinden der Mochin und das Aufhören des Siwug nur bei den Ergänzungen der Mochin vorkommen, und das Wesentliche (Jakar) der Stufe in SoN sind Waw und Nekuda (Punkt). Dies bedeutet, dass Malchut in ihrer Essenz höchstens einen Punkt besitzt, einen schwarzen Punkt, der nichts Weißes in sich hat.

Und wenn man den Punkt als das Wesentliche und nicht als etwas Überflüssiges annimmt, das man loswerden möchte, sondern es darüber hinaus als Schmuck annimmt, dann wird es „ein ansehnlicher Wohnsitz in jemandes Herz“ genannt. Das ist so, weil er diese Knechtschaft nicht verurteilt, sondern sie unentbehrlich für sich macht. Das wird die Erhebung der Shechina (göttliche Anwesenheit) aus dem Staub genannt. Und wenn man die Grundlage als wesentlich aufrechterhält, kann man niemals von seiner Stufe herunterfallen, da es keine Trennung vom Wesentlichen gibt.

Und wenn es jemand auf sich nimmt, wie ein schwarzer Punkt zu arbeiten, selbst in der größten Dunkelheit in der Welt, sagt die heilige Shechina: „Es gibt keinen Ort, sich vor dir zu verstecken.“ Infolgedessen „bin ich Ihm mit einem Knoten verbunden“, „und ich werde nie abgetrennt sein.“ Deshalb gibt es kein Aufhören der Dwekut (Anhaftung).

Und wenn ein Leuchten, genannt „Zusatz“, von Oben zu ihm kommt, nimmt er es als „unvermeidlich und unbeabsichtigt“ an, da es vom Schöpfer kommt, ohne das Erwachen der Unteren. Und das ist die Bedeutung von „Ich bin schwarz, aber ansehnlich“, denn wenn du die Schwärze annehmen kannst, wirst du sehen, das ich ansehnlich bin.

Und das ist die Bedeutung von „Wer einfältig ist, kehre hier ein.“ Wenn er sich von all seinen Handlungen abwendet und nur zum Wohle des Schöpfers arbeiten möchte und als „Ich war wie ein Tier vor Dir“ arbeitet, dann wird er des Sehens der endgültigen Vollkommenheit gewürdigt. Das ist die Bedeutung von „ein Herzloser, sagte sie zu ihm“. Das heißt, da er herzlos war, musste er einfältig sein; sonst wäre er nicht fähig, sich anzunähern.

Aber manchmal begegnen wir einem Zustand von Shechina im Exil, wenn der Punkt zu den abgetrennten BYA hinabsteigt. Dann wird er „Lilie unter Dornen“ genannt, da er die Form von Dornen und Stacheln hat. In diesem Zustand kann er nicht angenommen werden, da es die Herrschaft der Klipot ist.

Und das geschieht durch die Handlungen des Menschen, da der Mensch durch seine  Handlungen unten die Wurzel seiner Seele Oben, in der heiligen Shechina, beeinflusst. Dies bedeutet, wenn eine Person unten vom Willen zu empfangen unterjocht ist, bewirkt sie auf diese Weise, dass die Klipa über die Kedusha Oben herrscht.

Das ist die Bedeutung von Tikun Chazot (Mitternachtskorrektur). Wir beten darum, die Shechina aus dem Staub zu erheben, was bedeutet, sie zu erhöhen, damit sie wichtig sein kann, weil Oben und unten Berechnungen von Wichtigkeit sind. Und dann wird sie als schwarzer Punkt betrachtet.

Er überwindet sich in dem Tikun Chazot und sagt, dass er den Vers von „Libni und Shimei“ befolgen möchte. Libni bedeutet Lawan (weiß) und nicht schwarz, und Shimei bedeutet Shmi’a (Hören), gemeint ist Vernunft, was bedeutet, die Last des Königreichs des Himmels auf sich zu nehmen, ist eine vernünftige und annehmbare Sache für ihn. Und der Tikun Chazot ist ein Tikun der Mechiza (Teilung), das heißt die Korrektur des Trennens der Kedusha von der Klipa, gemeint ist, das böse Gefühl im Willen zu empfangen zu korrigieren und sich mit dem Wunsch zu geben zu verbinden.

Golah (Exil) hat die Buchstaben von Ge’ulah (Erlösung) mit dem Unterschied von Alef. Das bedeutet, dass wir den Buchstaben Aluf (Meister) der Welt in die Golah hinein ausdehnen müssen, und dann fühlen wir sofort die Ge’ulah. Das ist die Bedeutung von „Derjenige, der die Schädlichen bewachen konnte, muss die Geschädigten auf die ihm bestmögliche Art entschädigen.“ Und das ist die Bedeutung von „wo es unten das Gericht gibt, da gibt es Oben kein Gericht.“

 

Shamati 128. Von diesem Galgalta tropft Tau zu Seir Anpin

Ich hörte am 27. Februar 1943

„Von diesem Galgalta tropft Tau zu Seir Anpin.“ Das Haar und ihre Blässe betreffend: Unter jedem Haar (hebr. Seara) ist eine Vertiefung, und dies ist die Bedeutung von „Er, der mich brechen würde mit einem Sturm (hebr. Seara)“. Und dies ist die Bedeutung von „dann antwortete der Schöpfer Hiob aus dem Sturm“[1]. Und dies ist die Bedeutung von „Das sollen sie geben, jeder, der durch die Musterungen geht: einen halben Shekel nach dem Shekel des Heiligtums“. Und dies ist die Bedeutung von „eine Beka pro Kopf zur Sühneleistung für eure Seelen“.

Um die Sache der Haare zu verstehen: Es sind das Schwarze und die Tinte. Das heißt, wenn man Entfernung vom Schöpfer fühlt, weil man fremde Gedanken hat, so wird dies „Haare“  (Searot) genannt. Und „blass“ bedeutet „das Weiße“, was bedeutet, wenn das Licht des Schöpfers auf ihn wirkt, wodurch er sich dem Schöpfer nähert. Und beide zusammen werden „Licht und Kli (Gefäß)“ genannt.

Und die Reihenfolge in der Arbeit ist: Wenn man zur Arbeit für den Schöpfer erwacht, geschieht dies dadurch, dass man des Aspekts der „Blässe“ gewürdigt wird. Zu diesem Zeitpunkt fühlt man Lebenskraft und Licht bei der Arbeit für den Schöpfer. Dann kommt ein fremder Gedanke, durch den man von der eigenen Stufe abfällt und sich von der Arbeit entfernt. Der fremde Gedanke wird Seara (Sturm bzw. Haar) genannt. Und unter dem Haar ist eine Vertiefung, welche ein Loch und ein Mangel im Schädel ist.

Bevor die fremden Gedanken zu ihm kamen, hatte er einen vollkommenen Kopf,  und er war dem Schöpfer nah, und durch die fremden Gedanken entfernte er sich vom Schöpfer.

Und dies wird als ein Mangel (Chissaron) im Kopf definiert. Und durch das Leid, indem er es bedauert, breitet er von diesem Loch einen Fluss des Wassers aus. So wird das Haar zum Kanal für die Übertragung von Fülle, durch welches er der Blässe würdig wird.

Und danach kommen wieder fremde Gedanken zu ihm, und so entfernt er sich wieder vom Schöpfer. Dies erzeugt eine Vertiefung, ein Loch und einen Mangel im Schädel. Und durch das Leid und sein Bedauern breitet er wieder den Fluss des Wassers aus, und dann wird das Haar zum Kanal, der die Fülle überträgt.

Und dies setzt sich wiederholt durch Höhen und Tiefen fort, bis sich die Haare zu einer vollständigen Menge vermehrt haben. Dies bedeutet, dass er jedes Mal, wenn er korrigiert, Fülle ausbreitet. Dies bedeutet, dass er jedes Mal, wenn er korrigiert, Fülle ausbreitet. Diese Fülle wird „Tau“ genannt, und dies ist der tiefere Sinn von „mein Kopf ist mit Tau angefüllt“.

Denn die Fülle kommt in Abständen, und jedes Mal ist es so, als empfinge er einen Tropfen. Und wenn die eigene Arbeit vollendet ist und er das vollständige Maß erreicht hat, bis „er nicht mehr zur Torheit zurückkehrt“ heißt es, dass von diesem Tau die Toten wiederbelebt werden.

Und dies ist die Bedeutung der Senke (Beka), womit die fremden Gedanken gemeint sind, die Löcher in den Kopf machen.

Ebenso die Sache mit dem halben Shekel, was bedeutet, dass der Mensch zur Hälfte schuldig und zur Hälfte verdienstvoll ist. Wir müssen jedoch verstehen, dass die Hälften nicht gleichzeitig gelten. Sondern zu jeder Zeit muss es eine vollständige Sache geben. Und dies ist so, weil er nicht mehr zur Hälfte sondern als vollständig böse gilt, wenn er eine Mizwa übertreten und sie nicht eingehalten hat.

Also geschieht es zu zwei Zeiten. Einmal ist er rechtschaffen, das heißt, er ist an den Schöpfer angehaftet und ist dann vollkommen würdig. In der Zeit, in der er sich im Abstieg befindet, ist er ein Bösewicht. Dies ist die Bedeutung von „die Welt wurde nur geschaffen entweder für die vollständig Rechtschaffenen oder für die vollständigen Bösewichte.“

Deshalb wird es halb genannt, weil es zwei Zeiten gibt.

Und dies ist „ um eure Seelen zu sühnen“ -  durch die Senke, wenn er fühlt, dass der eigene Kopf unvollkommen ist.  Denn wenn ein fremder Gedanke kommt, ist sein Geist nicht vollständig mit dem Schöpfer. Und wenn er dies bedauert, bewirkt dies Sühne für seine Seele. Denn jedes Mal, wenn er bereut, zieht er die Fülle heran, bis der Überfluss gefüllt ist auf die Weise „mein Kopf ist mit Tau angefüllt“.



[1] hebräisch ebenfalls Seara

 

Shamati 129. Schechina im Staub

Ich hörte

„Du genießt die Leiden. Dann sagte er: ‚Weder sie noch ihre Belohnung’, über diese Schönheit, die sich im Staub abnutzt.“

Die Leiden sind hauptsächlich an einem Ort über dem Verstand. Und die Menge der Leiden hängt davon ab, wie sehr sie im Widerspruch zum Verstand steht. Und das heißt „Glaube über dem Verstand.“ Und diese Arbeit bereitet dem Schöpfer Zufriedenheit. Folglich besteht der Lohn darin, dass durch diese Arbeit Zufriedenheit für seinen Erschaffer erwächst.

Doch in der Zwischenzeit, das heißt, bevor er sich überwinden kann und Seine Führung rechtfertigen kann, befindet sich die Shechina im Staub. Das bedeutet, dass die Arbeit im Glauben, bezeichnet als die heilige Shechina, im Exil ist, das heißt ausgelöscht im Staub. Und darüber sagte er: „Weder sie noch ihre Belohnung.“ Genauer, dass er die Zeit dazwischen nicht ertragen kann. Und das ist die Bedeutung seiner Antwort an ihn: „Ich weine über dieses und jenes.“

 

Shamati 130. Tiberias unserer Weisen, gut ist Deine Sicht

Ich hörte am 21. Februar 1947, bei einer Reise nach Tiberias

„Tiberias unserer Weisen, gut ist Deine Sicht.“ „Sehen“ ist die tiefe Bedeutung von Chochma (Weisheit). „Gut“ bedeutet, dass er dort der Weisheit würdig werden kann.

Und Rabbi Shimon Bar Jochai reinigte die Märkte von Tiberias. Die Unreinheit der Toten, das heißt des Willens zu empfangen, was bedeutet „Bösewichte werden zu ihren Lebzeiten Tote genannt“. Und alle Unreinheiten gehören nur zu Chochma. Daher musste in Tiberias, wo es die Segula von Chochma gibt, der Markt gereinigt werden.

 

Shamati 131. Wer sich zu reinigen kommt

Ich hörte im Jahr 1947

„Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen“, das heißt der Mensch muss immer im „Kommen“ sein, und dann, wenn er sowieso fühlt, dass er bereits gereinigt ist, dann braucht er keine Hilfe mehr, denn Er reinigte sich und ging fort. Und wenn er fühlt, dass er sich im Kommen und Gehen befindet, dann wird ihm natürlich geholfen, denn der Wille kennt keine Hindernisse, da er die Wahrheit sucht.

„Denn deine Liebe ist lieblicher als Wein“, das heißt vom Wein kann man betrunken werden, und einem Betrunkenen gehört die ganze Welt, da es ihm an nichts mangelt, nicht einmal in den sechstausend Jahren.

 

Shamati 132. Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen.

Ich hörte am 6. März 1947, in Tel Aviv.

„Im Schweiße Deines Angesichts wirst du Brot essen.“ Brot bedeutet die Tora, also „Gehet, esset von Meinem Brot.“ Das Studium der Tora sollte mit Furcht, Zittern und Schweiß geschehen, wodurch die Sünde vom Baum der Erkenntnis versüßt wird.

 

Shamati 133. Lichter des Shabbats

Ich hörte im Jahr 1947

Die Lichter des Shabbats gelangen zum Aspekt von Guf (Körper). Daher sagen wir am Shabbat: „Ein Psalm von David. Gesegnet sei der Herr, O meine Seele und all mein Inneres“, womit der Aspekt von Guf gemeint ist. Im Gegensatz dazu ist Rosh Chodesh (Beginn des Monats), der als  Neshama (Seele) angesehen wird, der nur zum Aspekt Neshama kommt und nicht zum Guf. Deshalb sagen wir nur „Gesegnet sei der Herr, O meine Seele“ und nicht „und all mein Inneres“, da sie den Guf nicht erreichen (siehe Sohar 1, 97).

 

Shamati 134. Berauschender Wein

Ich hörte im Jahr 1947

Es ist unmöglich der Tora in ihrer Ganzheit würdig zu sein. Und durch die Berauschung mit „dem Wein der Tora“, wenn der Mensch fühlt, die ganze Welt gehöre ihm, und auch wenn er noch nicht die Weisheit in ihrer Ganzheit hat, wird er denken und fühlen, dass er alles in Vollkommenheit hat.

 

Shamati 135. Den Reinen und den Gerechten sollst du nicht umbringen

Ich hörte am 23. März 1947, in Tel Aviv

„Den Reinen und den Gerechten sollst du nicht umbringen.“

„Gerechter“ bedeutet, dass er den Schöpfer rechtfertigt, indem er alles, was er fühlt, ob gut oder schlecht, über dem Verstand aufnimmt. Dies wird als „rechts“ erachtet.

Und „rein“ bedeutet die Reinheit der Sache, des Zustands wie er ihn sieht, denn „Der Richter hat nur das, was seine Augen sehen.“ Und wenn er eine Sache nicht versteht, oder wenn er eine Sache nicht erfassen kann, darf er die Formen nicht verwischen, so wie sie ihm erscheinen. Und das gilt als „links“, und er muss sie beide versorgen.

 

Shamati 136. Der Unterschied zwischen den ersten Briefen und den letzten Briefen

Ich hörte zu Purim im Jahr 1947

Der Unterschied zwischen den ersten Briefen und den letzten Briefen besteht nur in der Abschrift des Geschriebenen, das heißt im Inhalt des Geschriebenen, das vom Palasts des Königs ausging, wobei die Schreiber des Königs den Inhalt erweiterten, damit der Inhalt klarer wird.

Im Inhalt hieß es einfach, „dass sie gerüstet seien auf diesen Tag“. Und die Schreiber erklärten, dass es den Völkern obliegt, darauf vorbereitet zu sein, sich an den Juden zu rächen. Und diese Kraft war, damit Haman denken sollte: „Wem wird wohl der König verlangen Ehre zu zeigen, außer mir?“ Daher schrieb er bereits in den letzten Briefen vom König aus, „dass die Juden sich rüsten sollten“. Umgekehrt schrieb er in den ersten Briefen nicht ausdrücklich „die Juden“. Darum hatten sie die Kraft, anzuklagen.

Diese Kraft wurde deshalb gegeben, weil man keinen Wunsch nach dem Empfangen der Lichter rechtfertigen darf, also die Höheren Lichter nach unten weiterzuführen, da alle Arbeit im Geben besteht, und daher hat er keine Möglichkeit mehr, etwas von unten her auszubreiten. Dadurch also, dass er Haman Kraft gibt, will dieser gerade die Größeren Lichter, wie sein Name zeugt: „Haman der Agagi", also Gag (Dach, obere Grenze) einer Stufe, was GaR ist.

 

Shamati 137. Selophehad sammelte Holz am Shabbat

Ich hörte im Jahr 1947

Selophehad sammelte Holz. Der Sohar erklärt, dass dieser Mann ausmaß, welcher Baum größer ist – der Baum des Lebens oder der Baum der Erkenntnis. Ein Gerechter wird „Baum des Lebens“ genannt, weil er ganz das Geben ist und es darin keinerlei Halt für die Äußeren [Kräfte] gibt. Die Vollkommenheit liegt jedoch im Baum der Erkenntnis, welches (im verborgenen Sinne) die Ausbreitung des Lichtes nach unten bedeutet. Dies bedeutet Seinen Geschöpfen Gutes tun. Und es ist verboten, dieses zu messen, „und sie sollen eins bleiben in Deiner Hand“ muss so sein.

Das bedeutet, dass einer ohne den anderen keine Vollkommenheit bildet. Und Mordechai stammte aus dem Aspekt des Baumes des Lebens, der nichts nach unten ausbreiten wollte, da er keinen Chissaron (Mangel) besaß. Daher musste er den Aspekt von Haman großziehen, damit dieser die Lichter nach unten ausbreitet. Und danach, wenn er den Chissaron zeigt, empfängt Mordechai sie in der Form des Empfangens um zu geben.

Damit verstehen wir, warum danach, als Mordechai gute Dinge über den König sprach, als er Ihn vor dem Tode errettete, der König Haman, seinen Feind, groß machte. Wie die Weisen sagten: „nach dem Wunsch eines jeglichen“, nach dem Wunsch von Mordechai und Haman, die einander hassten.

 

Shamati 138: Über Angst, die denMenschen manchmal überkommt

Ich hörte im Jahre 1942

Wenn Angst über einen Menschen kommt sollte er wissen, dass es niemanden außer Ihn gibt. Und erst recht bei Hexerei. Und wenn er erkennt, dass ihn Angst überkommt, sollte er sagen, dass es nichts dergleichen als Zufall gibt, sondern dass Gott ihm eine Möglichkeit von Oben gegeben hat und er muss darüber nachsinnen und das Ende studieren, zu welchem er diese Angst gesendet hat. Es wird ersichtlich, dass es so ist, damit er siegen und „es gibt niemanden außer Ihn" sagen wird.

Wenn jedoch, nach alledem, die Angst nicht von ihm gewichen ist, sollte er es als ein Beispiel nehmen und sagen, dass seine Knechtschaft des Schöpfers in dem gleichen Maße sein sollte wie die Angst, was bedeutet, dass die Furcht vor Gott, die ein Verdienst ist, gleicher Art der Angst sein sollte, die er jetzt hat. Sprich, dass der Körper beeindruckt ist durch diese vordergründige Angst und genau auf diese Weise, in der der Körper beeindruckt ist, sollte die Furcht vor Gott sein.

 

Shamati 138. Über Furcht und Angst, die einen Menschen manchmal überkommen Ich hörte 1942

Ich hörte 1942

Wenn Furcht über einen Menschen kommt sollte er wissen, dass es „nichts außer Ihm“ gibt, sogar bei Magie. Und wenn er sieht, dass ihn die Furcht überkommt, sollte er sagen, dass es keine Zufälle gibt, sondern dass der Schöpfer ihm eine Möglichkeit von Oben gegeben hat und er muss darüber nachsinnen und studieren, zu welchem Zweck man ihm diese Furcht gesendet hat - vermutlich, damit er sich überwinden und sagen kann: „Es gibt nichts außer Ihm.“

Wenn jedoch nach alledem die Furcht und die Angst nicht von ihm gewichen sind, sollte er es als ein Beispiel nehmen und sagen, dass auch sein Dienst für den Schöpfer in dem gleichen Maße wie die Furcht sein muss, was bedeutet, dass die Furcht vor dem Himmel, die ein Verdienst ist, der Furcht gleichen muss, die er jetzt hat. Das heißt, so wie der Körper durch diese oberflächliche Furcht beeindruckt wird, genauso sollte auch die Furcht vor dem Schöpfer sein.

 

Shamati 139. Der Unterschied zwischen den sechs Werktagen und Shabbat

Ich hörte

Die sechs Werktage werden als Seir Anpin (SA) angesehen, und Shabbat heißt Malchut. Und er fragte: Ist nicht etwa Seir Anpin eine höhere Stufe als Malchut? Und warum ist Shabbat wichtiger als die Werktage? Und auch: „Warum heißen sie Jamej Chol[1] (Werktage)?“

Und die Sache ist die, dass die Welt nur von Malchut genährt wird und Malchut daher den Namen „Versammlung von Israel“ hat, und von dort kommen all die guten Einflüsse zu ganz Israel. Obwohl die sechs Werktage Seir Anpin andeuten, gibt es dennoch keine Vereinigung von Seir Anpin und Malchut, und deswegen heißt es Chol, Werktag, da sich keine Fülle von Seir Anpin zu Malchut ausbreitet.

Wird also keine Heiligkeit von Malchut [aus] herangezogen, nennt man das Jamej Chol (Werktag). Am Shabbat hingegen gibt es eine Vereinigung von Seir Anpin und Malchut, und dann breitet sich Kedusha (Heiligkeit) von Malchut aus. Darum heißt es „Shabbat.



[1] Jamej – Tage; Chol kommt von dem Wort Chulin – weltlich, nicht heilig.

 

Shamati 140: Wie liebe ich Deine Lehre

 

     

 

Ich hörte am Ausgang vom siebten Tag von Pessach 1943

„Oh, wie liebe ich Deine Lehre, den ganzen Tag ist sie mein Gespräch.“[1] Das sagt aus, dass, obwohl König David bereits die Vollkommenheit erlangt hatte, er sich dennoch weiterhin nach der Tora sehnte. Denn die Tora ist größer und wichtiger als jede Vollkommenheit in der Welt.



[1] Psalmen 119,97

 

Shamati 141: Das Pessachfest

       

Ich hörte

Das Pessachfest bezieht sich auf Mochin de Chaja, und die Zählung[1] [des Omer] bezieht sich auf Mochin de Jechida. Daher gibt es zur Zeit der Zählung [des Omer] die Entfernung von Mochin, da das Zählen als Erhebung von MaN gilt. Und es ist bekannt, dass es während der Erhebung von MaN zu einer Entfernung der Lichter kommt. Doch nach der Zählung kehren die Mochin an ihren Platz zurück. Denn Katnut (Zustand des Kleinseins) zur Zeit der Zählung ist Katnut der Stufe Jechida, doch damit einher gibt es Mochin der Werktage, also ISHSuT und Mochin des Shabbattages, die Mochin von Aba we Ima sind.

 



[1] Gemeint ist die Zählung der Tage zwischen dem Feiertag von Pessach und dem Wochenfest (Shavuot).

 

Shamati 141. Das Pessachfest

Ich hörte

Das Pessachfest bezieht sich auf Mochin de Chaja, und die Zählung[1] [des Omer] bezieht sich auf Mochin de Jechida. Daher gibt es zur Zeit der Zählung [des Omer] die Entfernung von Mochin, da das Zählen als Erhebung von MaN gilt. Und es ist bekannt, dass es während der Erhebung von MaN zu einer Entfernung der Lichter kommt. Doch nach der Zählung kehren die Mochin an ihren Platz zurück. Denn Katnut (Zustand des Kleinseins) zur Zeit der Zählung ist Katnut der Stufe Jechida, doch damit einher gibt es Mochin der Werktage, also ISHSuT und Mochin des Shabbattages, die Mochin von Aba we Ima sind.



[1] Gemeint ist die Zählung der Tage zwischen dem Feiertag von Pessach und dem Wochenfest (Shavuot).

 

Shamati 142: Der hauptsächliche Krieg

Ich hörte

Der hauptsächliche Krieg muss um den Platz der Herrschaft sein. Bei der Mizwa und der Sünde jedoch ist der Verlust nah und der Gewinn fern. Daher muss er dort alles ohne jegliche Abwägungen erfüllen.

Die Kriegsführung und das Einhalten der ausgewählten Mizwa, sollten dort stattfinden, wo es erlaubt ist, da die Handlung nur eine Sache des Herrschaftsbereiches ist. Selbst wenn man scheitert, ist daher in jedem Fall die Sünde nicht so groß. Darum wird es als nah am Gewinn erachtet, denn wenn er den Krieg gewinnt, wird er eine neue Herrschaft unter die Kedusha bringen.

 

Shamati 143. Der Schöpfer ist gut zu Israel

Ich hörte von meinem Vater, Meister und Lehrer

„Der Schöpfer ist gut zu Israel, zu denen, die ein reines Herz haben.“ Es ist bekannt, dass überall in der Tora, wo „ach“ (allein) und „rak“ (nur) vorkommt, dies auf eine „Verkleinerung“ hindeutet.

Daher sollten wir dies in Bezug auf die Arbeit  so deuten, als wenn der Mensch sich klein und nichtig macht. Niedrigkeit gilt dann, wenn der Mensch überheblich sein will, er also in Gadlut (Großsein) sein möchte. Das bedeutet, er möchte jede Sache verstehen und seine Seele lechzt danach, alles zu sehen und zu hören. Dennoch macht er sich nichtig und ist einverstanden, mit geschlossenen Augen zu handeln und Tora und Mizwot in vollkommener Einfachheit zu erfüllen. Dies gilt als „gut zu Israel“, wobei das Wort „Isra-El“ aus den Buchstaben „li-Rosh“ (wörtlich: mir gehört der Kopf) zusammengesetzt ist.

Er glaubt also, er hätte einen Rosh der Kedusha (Heiligkeit), obwohl er sich nur im Aspekt von „rak“ (nur) befindet, also in einem Zustand der Verringerung und Niedrigkeit. Und er sagt über dieses „nur“, dass es das absolut Gute sei. Dann gilt der Vers für ihn: „Der Schöpfer ist für jene reinen Herzens“, was bedeutet, dass er eines reinen Herzens würdig wird. Und das ist die Bedeutung von „und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein Herz aus Fleisch geben.“ Fleisch ist Mochin de Wak, genannt Mochin der Kleidung, welche vom Höheren kommt. Jedoch sollte Mochin de GaR vom Niederen kommen, durch die Untersuchungen des Niederen.

Das Konzept von Wak de Mochin und GaR de Mochin erfordert eine Klärung: Es gibt viele Unterscheidungen von Wak und GaR in jeder Stufe. Und vielleicht bezieht er sich auf das, was an einigen Stellen geschrieben steht, dass Katnut (Kleinsein) – auch bezeichnet als „GE des Niederen“ – durch das Kli, welches MaN erhebt, genannt ACHaP des Höheren, zu MaN aufsteigt. Folglich erhebt der Höhere den Niederen. Und um danach GaR der Lichter und ACHaP der Kelim zu empfangen, muss der Niedere sich selbst erheben.

 

Shamati 144. Es gibt ein bestimmtes Volk

Ich hörte in der Nacht von Purim, nach der Lesung der Megilla, im Jahr 1950

„Es gibt ein Volk, das unter den Völkern zerstreut und abgesondert ist.“[1] Haman sagte, seiner Meinung nach „werden wir die Juden vernichten können, da sie in Trennung voneinander leben. Daher wird unsere Kraft gegen sie sicherlich erfolgreich sein, da dies eine Trennung zwischen dem Menschen und dem Schöpfer bewirkt. Und der Schöpfer wird ihnen ohnehin nicht helfen, da sie von Ihm getrennt sind. Daher ging Mordechai, diesen Makel zu korrigieren, so wie in dem Vers dargelegt wird: „Die Juden versammelten sich [...], um sich zu versammeln und sich für ihr Leben einzusetzen.“

Das heißt, durch die Verbindung retteten sie ihre Seelen.



[1] Esther 3, 8

 

Shamati 145. Was heißt es, dass Er gerade „den Weisen Weisheit gibt“?

Ich hörte am 11. Februar 1943

„Gibt Weisheit den Weisen.“

Er [Baal Sulam] stellte die Frage: „Müsste es nicht heißen: ‚Gibt Weisheit den Dummen‘?“

Und er antwortete: Es ist bekannt, dass es im Spirituellen keinen Zwang gibt, sondern jeder bekommt gemäß seinem Willen. Der Grund dafür ist, dass Spiritualität Quelle des Lebens und des Genusses ist. Wie kann es also Zwang in einer guten Sache geben? Wenn wir also sehen, dass wir uns mit Tora und Mizwot unter Zwang beschäftigen, das heißt, dass wir unseren Körper überwinden müssen, da dieser nicht einwilligt, weil er keinen Genuss an dieser Arbeit verspürt, so ist der Grund dafür sicherlich, dass er die Spiritualität in ihnen nicht spürt, gemäß dem bereits Gesagten, dass die Spiritualität die Quelle des Lebens und des Genusses darstellt. Wie es im heiligen Sohar steht: „Wo Mühe ist, da ist auch Sitra Achra“.

Und das ist der Grund dafür, dass nur Weisen Chochma (Weisheit) gegeben werden kann, denn die Dummen bedürfen keiner Weisheit. Weisheit kann man nur Weisen geben, und der Grund liegt in ihrer Natur. Wer nämlich weise ist, der liebt die Weisheit und sie ist sein ganzes Verlangen; und gemäß der Regel „Nichts kann einen Wunsch hindern“ unternimmt er alle Anstrengungen, um Weisheit zu erlangen, und deswegen wird sie ihm letztendlich auch zuteil. Wer also Weisheit liebt, kann bereits ein Weiser genannt werden, gemäß seinem Endzustand.

Über Narren dagegen steht geschrieben: „Ein Narr wird kein Verständnis begehren.“ Der Vers „Gibt Weisheit den Weisen“ will uns folglich sagen, dass derjenige, der Weisheit liebt, sich nicht davon beeindrucken lässt, dass er trotz seiner Anstrengungen noch keine Weisheit erlangt hat. Er wird vielmehr seine Arbeit fortsetzen und mit Sicherheit Weisheit erlangen, weil er Weisheit liebt. Deswegen sagt man: „Gehe diesen Weg und du wirst gewiss Erfolg haben.“  

Was kann aber der Mensch machen, wenn von Natur aus „der Mensch als wilder Esel geboren wird“, und woher soll er das Verlangen nehmen, nach Weisheit zu streben?

Daher wurde uns geraten, uns im Aspekt von „Erfüllt Sein Wort“ zu beschäftigen und in der Pracht, „Auf die Stimme Seines Wortes zu hören“. Das bedeutet, dass man Handlungen unternimmt, um das Erwünschte zu erreichen. Hier also, wenn er keinen Willen nach Weisheit hat, folgt daraus, dass ihm nur das Verlangen nach Weisheit fehlt. Deshalb beginnt er, sich anzustrengen und Handlungen auszuführen, um den Willen nach Weisheit zu erlangen, denn dieser allein fehlt ihm.

Und die Reihenfolge ist so, dass der Mensch in der Tora und der Arbeit Anstrengungen unternehmen muss, obwohl er keinen Wunsch danach hat, und das wird „Anstrengung“ genannt. Das heißt, er führt Handlungen aus, obwohl er keine Lust zu dem hat, was er tut. Und das entspricht dem, was die Weisen sagten: „Was immer du mit deiner Hand und deiner Kraft zu tun vermagst – tue es.“ Und mit Hilfe der Anstrengung formen sich in ihm der Wunsch und das Verlangen nach Weisheit.

Und dann verwirklicht sich bei ihm das Geschriebene: „Gibt Weisheit den Weisen“, und er wird würdig, „auf die Stimme Seiner Worte zu hören“. Was bei ihm also vorher nur eine Handlung ohne Willen war, das wird würdig, ein Wunsch zu werden.

Wenn wir also wissen wollen, wer Weisheit will, so müssen wir auf denjenigen schauen, der sich um die Weisheit bemüht, obwohl es ihm noch nicht zuteil wurde, einer von jenen zu sein, die Weisheit lieben. Denn wie oben beschrieben, wird er durch die Anstrengung würdig, unter jenen zu weilen, welche Weisheit lieben. Und danach, also nachdem er den Willen zur Weisheit erlangt hat, wird ihm Weisheit zuteil. Wir stellen also fest, dass der Wille zur Weisheit das Gefäß (Kli) ist und die Weisheit das Licht. Und das heißt, dass es „keinen Zwang im Spirituellen gibt“.

Das Licht der Weisheit (Or Chochma) bedeutet das Licht des Lebens. Weisheit nehmen wir nicht als intellektuelles Konzept wahr, sondern als das Leben selbst, das tatsächliche Wesen des Lebens, und sogar soweit, dass man ohne sie als tot gilt. (Das ist der Grund, warum Chochma [Weisheit] als Chaja [lebend] bezeichnet wird.)

 

Shamati 146. Ein Kommentar zum Sohar

Ich hörte im Jahr 1938

Im Sohar steht: „Wenn [er] geboren wird, gibt man ihm eine Seele (Nefesh) eines reinen Tieres.“ Und er interpretiert, dass auch seine lebende Seele einwilligt, Diener des Schöpfers zu sein. „Wenn er würdiger wird, gibt man ihm eine Seele (Nefesh) der Räder der Kedusha (Heiligkeit).“ Das bedeutet, er hat eine Seele, die sich immer sehnt und sich von einem Ort zum anderen bewegt. Wie ein sich stets drehendes Rad, dreht sie sich und rollt, um der Kedusha anzuhaften.

 

Shamati 147.Die spirituelle Arbeit des Empfangens und Gebens

Ich hörte am 8. März 1953

Das Thema der Arbeit von Empfangen und Geben hängt vom Herzen ab, und das ist der Aspekt von WaK. Die Arbeit von Glauben und Wissen dagegen stellt den Aspekt von GaR dar. Und auch wenn es die gleiche Unterscheidung ist, also gemäß dem Wert der Arbeit von Empfangen und Geben, so wird der Aspekt des Glaubens von ihm angenommen. Dennoch sind sie zwei separate Unterscheidungen.

Denn auch wenn er im Aspekt des Gebens arbeiten kann, will er doch sehen, wem er gibt und wer seine Arbeit in Empfang nimmt. Also muss er im Aspekt von Mocha (Verstand) arbeiten, das heißt, er muss glauben, dass es einen Überwacher gibt, der die Arbeit der Niederen annimmt.



 

Shamati 148. Die Klärung von bitter und süß, Wahrheit und Lüge

Ich hörte

Es gibt eine Unterscheidung von „bitter und süß“ und eine Unterscheidung von „Wahrheit und Lüge.“ Die Analyse von Wahrheit und Lüge findet in Mocha (Verstand) statt, und die Analyse von bitter und süß findet im Herzen statt. Deswegen muss man der Arbeit im Herzen Aufmerksamkeit schenken und darauf achten, dass sie im Aspekt des Gebens sein möge und nicht im Empfangen.

Von Natur aus ist für den Menschen nur das Empfangen süß, das Geben aber bitter. Und die Arbeit besteht darin, das Empfangen in Geben umzuwandeln; dies nennt man „Arbeit im Herzen“[1].

Im Verstand ist die Arbeit von Wahrheit und Lüge. Daher müssen wir im Glauben arbeiten, also den Weisen glauben. Denn der Arbeitende selbst kann für sich zwischen Wahrheit und Lüge nicht unterscheiden.



[1] wörtl. Arbeit im Herz

 

Shamati 149 Warum man den Aspekt von Chochma heranziehen muss

Ich hörte am 9. März 1953, Tel Aviv

Er [Baal Sulam] fragte: „Warum muss man Chochma (Weisheit) heranziehen, welche Wissen ist, wenn doch all unsere Arbeit im Glauben über dem Wissen besteht?“

Und er erklärte das so: „Wenn die Gerechten der Generation sich nicht im Aspekt des Wissens befänden, wäre die Gesamtheit Israels nicht in der Lage, im Glauben über dem Wissen zu arbeiten. Sondern gerade dann, wenn der Gerechte der Generation das Leuchten von Chochma ausbreitet, leuchtet sein Verstand in der Gesamtheit Israels.“

Nehmen wir den Menschen als Beispiel: Wenn das Gehirn des Menschen versteht und weiß, was es will, dann arbeiten die Organe, wie sie sollen, und bedürfen selbst keines Verstandes. Die Hand und der Fuß und der Rest der Organe tun das, was ihnen auferlegt ist. Und keinem intelligenten Menschen würde in den Sinn kommen zu sagen, dass die Arbeit von Hand und Fuß erhabener wäre, wenn sie einen Verstand hätten.

Der Verstand verändert nicht die Organe, sondern die Organe werden gemäß der Größe des Verstandes geordnet. Wenn das Gehirn daher einen großen Verstand hat, werden alle Organe danach benannt und heißen also „große Organe.“

Genauso gilt hier: Wenn die Allgemeinheit einem wahren Gerechten anhaftet, der bereits des Aspektes des Wissens würdig wurde, kann diese Allgemeinheit im Glauben handeln. Und sie hat vollkommene Zufriedenheit, und es fehlt ihr keinerlei Aspekt des Wissens. 

 

Shamati 150. Singt zum Schöpfer, denn Stolz hat Er geschaffen

Ich hörte am 14. Shewat

Im Vers: „Singt zum Schöpfer; denn Stolz hat Er geschaffen“ scheint es, dass „Singt“[1] (samru) die Bedeutung hat wie „Meine Stärke“ (asi) und „Abschneiden“ (smirat). Das bedeutet, dass man stets den Weinberg des Schöpfers beschneiden und die Dornen abschneiden/stutzen muss. Und sogar wenn einer sich vollständig fühlt und ihm scheint, er habe schon die Dornen entfernt, so sagt darüber der Vers: „Denn Stolz hat Er geschaffen.“

Das bedeutet, dass Er in dieser Welt offenbar den Stolz erschaffen hat, so dass der Mensch also ehrlich und aufrichtig in den eigenen Augen sein will; und wenn er in sich spürt, dass er die Dornen bereits vernichtet habe und nun ein vollkommener Mensch sei, dann ist dies eine Art von Stolz.

Der Mensch muss aber stets seine Taten untersuchen und sie auf zehn Arten prüfen und darf sich nicht auf das zeitweilige Gefühl verlassen, denn dies ist nur eine Art Stolz. Wie der Vers im Namen der Gerechten sagt: „Träge seid ihr, träge; deswegen sagt ihr: ‚Lasst uns gehen und dem Schöpfer, unserem Herrn opfern‘.“

Das bedeutet, dass Er zu den Kindern Israels sagte: „Indem ihr sagt: ‚Lasset uns gehen und dem Herrn opfern‘, und ihr fühlt, dass ihr bereit seid, euch dem Altar vor dem Schöpfer zu nähern, ist dies wie Faulheit und Mutlosigkeit, weil ihr nicht länger arbeiten und euch ständig prüfen wollt, um euch auf diese große Arbeit vorzubereiten. Und daher bildet ihr euch ein, dass ihr in eurer Knechtschaft bereits vollkommen seid – wie sie das Ende des Verses deuten ‚denn Stolz hat Er erschaffen‘“.



[1] זמרה, Samru bedeutet in Hebräisch sowohl „Singet!“ als auch „Abschneiden“. In diesem Fall bezieht es sich auf letzteres.

 

Shamati 151. Und Israel sahen die Ägypter

Ich hörte zum Wochenabschnitt Beshalach

Im Vers: „Und Israel sahen die Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen, und das Volk fürchtete den Schöpfer; und sie glaubten an Ihn und an Seinen Knecht Moses“ müssen wir verstehen, wie das Prinzip von „und sie glaubten“ hier hingehört. Denn es ist klar, dass das Wunder des Auszugs aus Ägypten und das Teilen des Meeres Israel zu einem größeren Glauben brachten, als sie zuvor besaßen. Immerhin sagten die Weisen über den Vers: „Das ist mein Gott, ich will Ihn preisen“, dass eine Magd am Meer mehr als der Prophet Hesekiel sah.

Folglich bedeutet es, dass der Auszug aus Ägypten ein Fall von offensichtlichen Wundern war, die zur Kenntnis des Schöpfers führten, was das Gegenteil des Begriffes „Glauben“ darstellt, da es nicht „über dem Verstand“ bedeutet. Und wenn man offensichtliche Wunder sieht, ist es sehr schwer, im Glauben zu sein, da obendrein eine Erweiterung des Verstandes stattfindet. Was ist nun die Bedeutung des Textes: „Und sie glaubten dem Herrn“?

Wir sollten es nun laut des Kommentars interpretieren, dass „alle glaubten, dass Er der Gott des Glaubens ist“. Der Vers erzählt von der Lobpreisung Israels, deren Unterwürfigkeit zum Schöpfer, selbst nachdem sie offensichtliche Wunder sahen, nicht durch Glauben über dem Verstand geringer wurde. Und wenn man erst einmal würdig ist und dem Schöpfer im Verstand dienen kann, ist es eine große Arbeit, am Weg des Glaubens festzuhalten und ihn keinesfalls geringzuschätzen.

 

Shamati 152. Denn die Bestechung lässt die Augen der Weisen erblinden

Ich hörte am 6. Januar 1948

„Denn die Bestechung lässt die Augen der Weisen erblinden.“

Wenn der Mensch beginnt, die Arbeit und ihre Bedingungen kritisch zu betrachten, kommt er zur Schlussfolgerung, dass er aus zwei Gründen nicht über die Möglichkeit verfügt, die Arbeit auf sich zu nehmen:

1. Die Belohnung für die Arbeit ist nicht hundertprozentig sicher. Denn er sieht jene nicht, die bereits eine Belohnung erhalten haben. Und wenn er Menschen kritisch betrachtet, die sich das Joch der Arbeit auf die Schultern geladen haben, so sieht er nicht, ob sie bereits eine Belohnung für ihre Arbeit erhalten haben. Und wenn er sich fragt, warum sie keine erhielten, so findet er womöglich die beste Ausrede, dass sie nämlich nicht vollständig die Bedingungen der Arbeit erfüllten. Denn jener, der die Anweisungen in vollem Maße erfüllt, bekommt die Belohnung vom Ganzen ausgezahlt.

Und dann taucht eine zweite Frage auf: Er weiß, dass er sich für die Bedingungen der Arbeit besser eignet als sein Freund, dass er mit allen Bedingungen besser umgehen kann. Somit ist er sich hundertprozentig sicher, dass es niemanden gibt, der ihn für sein ausweichendes Verhalten kritisieren kann, und nur er vollkommen im Recht ist.

2. Wenn dem so ist, stellt sich die Frage: Derjenige, der die Arbeit beginnt, hat bestimmt alle Berechnungen aufgestellt und dennoch die Arbeit auf sich genommen. Wie hat er daher all diese Fragen für sich beantwortet? Um die Wahrheit zu erkennen, müssen wir mit offenen Augen schauen. Ansonsten denken wir nur, dass wir sehen, wer Recht hat – der Gerechte oder die Welt. Doch in Wahrheit erkennen wir die Gerechtigkeit nicht. Um mit offenen Augen zu schauen, müssen wir uns vor der Bestechung in Acht nehmen, denn die Bestechung lässt die Augen der Weisen erblinden und verdreht die Worte der Gerechten.

Und das Wesen der Bestechung ist der Wille zu empfangen. Wenn dem so ist, dann hat er keinen anderen Rat, als grundsätzlich die Arbeit mit all ihren Bedingungen anzunehmen, ohne jegliche Überlegungen, sondern einzig im Glauben über dem Verstand. Und später, wenn er bereits rein vom Willen zu empfangen ist, wird er bei kritischer Betrachtung darauf hoffen können, die Wahrheit in der Sache zu sehen. Denn jene, die nur mit Vernunft schauen, können sicherlich nichts fragen, denn in Wahrheit hat er Recht, und er wird den Streit immer gewinnen, da er die Wahrheit nicht sehen kann.

 

Shamati 153. Der Gedanke ist das Ergebnis des Wunsches

Ich hörte am 18. Januar 1948, in Tel Aviv

Der Gedanke ist das Ergebnis des Wunsches. Ein Mensch denkt an etwas, was er sich wünscht, nicht aber an etwas, das er sich nicht wünscht. So wird er zum Beispiel niemals über seinen Todestag nachdenken. Er wird sich im Gegenteil immer seine Unvergänglichkeit vorstellen, weil das nun mal sein Wunsch ist. Folglich denkt er immer über das nach, was für ihn wünschenswert ist.

Der Gedanke hat allerdings eine besondere Aufgabe: Er vergrößert den Wunsch.  Der Wunsch bleibt an seiner Stelle; er hat keine Kraft, sich zu verbreiten und eine Handlung zu vollziehen. Doch weil der Mensch an eine Sache denkt, darüber nachsinnt und der Wunsch den Gedanken um Ratschläge bittet, damit sich der Wunsch verwirkliche, so wächst und verbreitet sich dadurch der Wunsch und entfaltet aktiv seine Wirkung.

Daraus folgt, dass der Gedanke dem Wunsch dient, und der Wunsch das „Selbst“ des Menschen darstellt. Dabei gibt es ein großes und kleines „Selbst.“ Das große „Selbst“ beherrscht die kleinen „Selbste“.

Für jenen, der ein kleines „Selbst“ ist und keinerlei Macht besitzt, gibt es den Rat, das „Selbst“ zu vergrößern – und zwar durch die Beständigkeit des Gedanken an diesen Wunsch, da sich der Gedanke in dem Maße vergrößert, indem man über ihn nachsinnt.

Und daher „sinnet er über Seine Tora Tag und Nacht“, denn dann wächst der Gedanke zu einem großen „Selbst“ heran, bis er schließlich zum Herrschenden wird.

 

Shamati 154. Es kann keinen unausgefüllten Raum in der Welt geben

Ich hörte am 18. Januar 1948, in Tel Aviv

Es kann keinen unausgefüllten Raum in der Welt geben. Und da der Kern des Menschen der Wille ist, da dieser der Kern der Schöpfung ist und durch ihn die Größe des Menschen gemessen wird, muss er folglich über einen Willen, ein Verlangen verfügen, entweder nach dem Physischen oder nach dem Spirituellen. Und wer frei von diesen Verlangen ist, gilt als tot, da die ganze Schöpfung nur der Willen ist, definiert als „Etwas aus Nichts“. Und da ihm dieses Material fehlt, welches das ganze Material der Schöpfung darstellt, ist klar, dass er als Totgeburt gilt und nicht bestehen kann.

Daher muss man sich bemühen, einen Willen zu haben, da dieser das ganze Material der Schöpfung ausmacht. Man muss aber den Willen analysieren, da jedes Lebewesen von Natur aus fühlt, was ihm schadet. Genauso muss man darauf achten, dass der Wille auf eine bestimmte Sache gerichtet ist.

 

Shamati 155: Reinheit des Körpers

Shamati 155: Reinheit des Körpers
Die Reinheit des Körpers verweist auf die Reinheit des Verstandes. Die Reinheit des Verstandes wird als Wahrheit bezeichnet, dass also keine Lüge darin vermischt sein darf. Und darin sind nicht alle gleich. Denn es gibt solche, die besonders auf die Quantität, die Menge achten. In Hinsicht auf die Reinheit des Körpers jedoch lohnt es sich nicht, kleinlich zu sein. Denn das Konzept des Schmutzes, den wir so verabscheuen, rührt davon her, dass der Schmutz schädigt. Und wir müssen ihn vor Schaden bewahren. Bezüglich des Körpers lohnt es sich daher nicht, allzu sehr Acht darauf zu geben, da er zu guter Letzt aufgehoben wird, auch wenn wir auf alle möglichen Weisen darauf achten.
Das Gegenteil gilt im Bezug auf die Seele, die ewig ist; da ist es angebracht, mit allen möglichen Mitteln Acht zu geben, dass es keinerlei Schmutz gibt, da aller Schmutz schädigend ist.
 

Shamati 155. Reinheit des Körpers

Ich hörte während eines Shabbatmahls, am 13. Shewat

Die Reinheit des Körpers verweist auf die Reinheit des Verstandes. Die Reinheit des Verstandes wird als Wahrheit bezeichnet, in der keine Lüge beinhaltet ist. Und darin sind nicht alle gleich. Denn manche sind äußerst genau.

Doch in Hinsicht auf die Reinheit des Körpers lohnt es sich nicht, sehr genau zu sein, da der Schmutz, den wir so verabscheuen, als schädigend angesehen wird und wir den Körper vor Schaden schützen sollen. Bezüglich des Körpers lohnt es sich daher nicht, übergenau zu sein, da er zu guter Letzt stirbt, auch wenn wir auf alle möglichen Weisen darauf Acht geben.

Das Gegenteil gilt in Bezug auf die Seele, die ewig ist; da ist es angebracht, mit allen möglichen Mitteln peinlich darauf zu achten, dass es keinerlei Schmutz gibt, da jeglicher Schmutz schädigend ist.

 

Shamati 156. Dass er nicht nehme vom Baum des Lebens

Ich hörte am 15. Shewat

„Dass er nicht nehme vom Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich.“[1] Und mein Vater, Herr, Lehrer und Meister[2] erklärte, er könne vielleicht von den verdeckten Chassadim (Güte, Barmherzigkeit) nehmen, also von Chase (Brust) aufwärts, weil es dort vollkommene Versorgung gibt, und dadurch wird die Sünde des Baumes der Erkenntnis nicht korrigiert, die als von Chase abwärts gilt. Demzufolge gilt, dass der Baum des Lebens der Aspekt „von Chase aufwärts“ heißt, wo es verdeckte Chassadim gibt. Mir scheint, dass wir in diesem Sinne deuten müssen, was wir sagen: „Ein Leben, in dem es Ehrfurcht vor dem Himmel gibt, und ein Leben, in dem es Ehrfurcht vor der Sünde gibt.“[3]

Der Unterschied zwischen beiden, erklärte Baal HaSulam, besteht darin, dass [die Wahl zugunsten] des Lebens aus Furcht vor der Sünde erfolgt, das bedeutet, dass er keinen anderen Ausweg hat. Und Ehrfurcht vor dem Himmel bedeutet, dass er doch einen anderen Ausweg hat. Das heißt auch wenn er diesen Aspekt nicht nimmt, wird er dennoch nicht sündigen; doch er wählt ihn trotzdem aufgrund der Ehrfurcht vor dem Schöpfer.

Doch wir sollen nicht sagen, dass die verdeckten Chassadim Katnut seien. Das ist gerade dann, wenn er keinen anderen Ausweg hat. Wenn er aber die enthüllten Chassadim aus dem Aspekt von Rachel erfasst, dann wird auch der Aspekt von Lea, also die verdeckten Chassadim, als GaR[4] und Gadlut (Größe) bezeichnet.

Und das wird als die „Ehrfurcht vor dem Himmel“ bezeichnet, dass er enthüllte Chassadim hat und dennoch die verdeckten Chassadim wählt. Folglich gibt es zwei Unterscheidungen von verdeckten Chassadim:

  1. Solange er noch nicht den Aspekt von Rachel hat, was WaK[5]  genannt wird.
  2. Wenn er den Aspekt von Rachel hat, was als Lea bezeichnet wird, GaR.


[1] 1. Buch Mose 3, 22

[2] Gemeint ist Baal HaSulam. Der Inhalt der Shamati-Artikel ist von Yehuda Ashlag, wurde aber von seinem Sohn, Rav Baruch Ashlag niedergeschrieben

[3] Segen des Monats vor dem Mussaf von Shabbat

[4] Gimel Rishonot - die ersten drei Sefirot

[5] WaK - die sechs Sefirot Chessed, Gwura, Tiferet, Nezach, Hod, Jessod

 

Shamati 156: Dass er nicht nehme vom Baum des Lebens

 

"Dass er nicht nehme vom Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich“[1]. Und mein Vater und Lehrer[2] erklärte, er könne vielleicht von den verdeckten Chassadim (Güte, Barmherzigkeit) nehmen, also von Chase (Brust) aufwärts, weil es dort eine vollkommene Versorgung gibt, und dadurch wird die Sünde des Baumes der Erkenntnis nicht korrigiert, die als von Chase abwärts gilt. Demzufolge gilt, dass der Baum des Lebens „von Chase aufwärts“ heißt, wo es verdeckte Chassadim gibt. Mir leuchtet ein, dass wir in diesem Sinne deuten müssen, was wir [beim Gebet] sagen: „Ein Leben, in dem es eine Ehrfurcht vor dem Himmel gibt, und ein Leben, in dem es Ehrfurcht vor der Sünde gibt“[3].

Der Unterschied zwischen beiden, erklärte Baal HaSulam, besteht darin, dass das, was er vom Leben nimmt, aus Furcht vor der Sünde ist, d. h. er hat keinen anderen Ausweg. Und Ehrfurcht vor dem Himmel bedeutet, dass er doch einen anderen Ausweg hat. Das heißt auch wenn er diesen Aspekt nicht nimmt, wird er dennoch nicht sündigen; doch er wählt ihn nichtsdestotrotz aufgrund der Ehrfurcht vor dem Ewigen.

Doch wir sollen nicht demgemäß sagen, die verdeckten Chassadim seien Katnut (Kleinsein); das ist gerade dann, wenn er keinen anderen Ausweg hat. Wenn er aber die enthüllten Chassadim aus dem Aspekt von Rachel erkennt, dann wird auch der Aspekt von Lea, also verdeckte Chassadim, als GaR[4] und Gadlut (Größe) bezeichnet.

Und das wird als die Ehrfurcht vor dem Himmel bezeichnet, also dass er von den enthüllten Chassadim hat, und dennoch die verdeckten Chassadim wählt. Folglich gibt es zwei Kategorien von verdeckten Chassadim:

  1. Solange er noch nicht den Aspekt von Rachel hat, gilt das als Aspekt von WaK[5]  
  2. Wenn er den Aspekt von Rachel hat, gilt das als Aspekt Lea, zu GaR     


[1] 1. Mose 3,22

[2] Baal HaSulam. Die Shamati-Artikel stammen zwar ursprüglich von ihm, wurden aber von seinem Sohn, Rabash (Rav Baruch Ashlag) niedergeschrieben.

[3] Segen des Monats vor dem Mussaf von Shabbat

[4] Gimel Rishonot (die drei ersten Sefirot),

[5] WaK-die sechs letzten Sefirot

 

Shamati 157. Ich schlafe, aber mein Herz ist wach

Ich hörte am 18. April 1948

Im Sohar steht: „Die Versammlung von Israel sagte: ‚Ich schlafe im ägyptischen Exil, wo meine Söhne in schwerer Knechtschaft waren.‘“[1]Mochin befanden sich im Zustand des Schlafes, wie man den Vers „es gibt“ erklärte: Ihr Gott schläft.

„Aber mein Herz ist wach, um sie zu schützen, damit sie im Exil nicht umkommen werden“, also werden sie in der Zeit, wo sie Mochin de Achoraim empfangen, von diesen beschützt, obwohl sie [Mochin] immer noch nicht in ihr leuchten und sie immer noch im Exil sind. Dennoch heißt es „wach“, was bedeutet „Vom Herz zum Mund – wird nicht enthüllt“.

Das „Herz“ bedeutet „WaK“, da es dort WaK von Chochma gibt, sodass es sogar in der Zeit von Gadlut (des Zustandes der Größe) dort keine andere Chochma gibt, sondern nur aus dem Aspekt, den sie hier empfing.

„Da ist die Stimme meines Freundes, der anklopft.“ Dies ist das Schlagen, der Massach (Schirm) de Chirik in Seir Anpin. „Und ich werde meines Bundes gedenken.“ Dies ist die Brit Mila (Beschneidung), Dinim (Urteile) von Nukwa, welche die Dinim de Dchura aufheben, wobei Dinim der Aspekt ist, der GaR aufhebt, was der Aspekt des „Schnittes“ ist.

Und es gibt andere Korrekturen, welche Prija (Aufreissen) genannt werden. „Öffne mir eine schmale Öffnung wie ein Nadelöhr und ich werde dir Höhere Tore öffnen“, wobei „schmale Öffnung“ kleine Wege bedeutet, dass nämlich Chochma ohne Chassadim nur schwach leuchtet.

Und erst danach, wenn Chassadim herangezogen wurden, ist Chochma eingebunden in Chassadim, gemeint sind WaK, große Geleitzüge. Und die „Höheren Tore“ bedeutet Chassadim im Aspekt von Aba we Ima, genannt „reine Luft“. Denn erst, nachdem er Chochma hat und Chassadim heranzieht, werden diese Chassadim „reine Luft“ genannt, da er Chassadim vor Chochma vorzieht.

Wenn er dagegen Chassadim ohne Chochma hat, dann wird dies als der Aspekt des Kleinseins (Katnut) bezeichnet. „Öffne mir“: dass nämlich Seir Anpin und seine Schwester Malchut, die im verborgenen Sinn Chochma ist, Chochma heranziehen soll. „Die Tür, um zu mir einzutreten, liegt in dir.“ Nur wenn du Chochma hast, dann habe ich eine Öffnung, um als Chassadim hereinzukommen, die ich von Aba we Ima habe, genannt „reine Luft“.

„Komm und sieh: Als der Schöpfer die Erstgeborenen von Ägypten tötete und die Stufen, die Oben waren, nach unten senkte.“ Ägypten ist die Linke Linie. Sie sind jedoch in der Form der Klipa, ohne jegliche Einbeziehung der Rechten [Linie]. Und als Israel in Ägypten waren, befanden sie sich unter ihrer Herrschaft, waren also auch gezwungen, den Aspekt der Linken zu empfangen.

Und die Erstgeborenenplage, gemeint ist, dass die Herrschaft von GaR der Linken aufgehoben wurde, was „und brachte die Stufen, die Oben waren, nach unten hinab“ bedeutet. Zu der Zeit traten Israel in den Bund des heiligen Zeichens ein.

Die Beschneidung bedeutet Dinim de Nukwa. Diese sind der Massach de Chirik, der die Dinim de Dchura aufhebt. Dabei hebt sie GaR der Linken auf und nur WaK leuchten. Folglich stellen wir fest, dass sie durch das Töten der Erstgeborenen durch den Schöpfer die Kraft hatten, den Bund zu halten – „wie das Blut, das einst am Türstock gezeigt wurde“.

„Und es gab zweierlei Blut: das von Pessach und das der Beschneidung“, das heißt, das Blut von Pessach ist die Korrektur der Einschließung der Linken Linie, und das Blut der Beschneidung ist die Korrektur der Dinim von Nukwa, also der Aspekt von Chirik. Und das Pessachblut[2]



[1] Abschnitt Emor, 95a

[2] Hier endet der Originaltext.

 

Shamati 158. Die Bedeutung des Brauchs, an Pessach nicht bei anderen zu speisen

Ich hörte während eines Morgenmahls zu Pessach im Jahr 1948

Die Bedeutung des Brauchs besagt, dass es wegen der Kashrut nicht üblich ist, bei anderen zu speisen. Warum gilt dies nicht für das ganze Jahr? Und selbst wenn man von jemandem weiß, dass es dort vollkommen koscher ist, sogar besser als im eigenen Haus, so pflegt man dennoch nicht dort zu essen. Der Grund dafür ist, dass sich das Verbot von Chamez (Gesäuertem) auf alles erstreckt, und es ist unmöglich, sich selbst davor zu schützen. Es ist vielmehr der Schöpfer, der den Menschen bewahren kann, damit er nichts übertrete.

Daher steht geschrieben, dass man in Bezug auf Gesäuertes mit allem achtsam sein muss. Dem Menschen ist nämlich Vorsicht und Achtsamkeit geboten, Wege zu finden, [das Gebot] „alles Gesäuerte“ nicht zu übertreten.

Doch es liegt nicht in den Händen des Menschen, sich selbst davor zu bewahren. Nur der Schöpfer kann einen davor hüten. Und natürlich ist die Obhut so, dass nicht alle gleich sind. Manche bewahrt der Schöpfer mehr und manche weniger – abhängig vom eigenen Bedürfnis des Menschen. Denn es gibt Menschen, die wissen, dass sie eine verstärkte Obhut brauchen, daher ziehen diese eine größere Beachtung auf sich. Es gibt aber auch Menschen, die fühlen, dass sie keine allzu große Obhut von Oben brauchen. Aber auch das kann nicht gesagt werden, da es vom Gefühl abhängt: Denn manche fühlen sich mangelhaft und benötigen größere Obhut.

 

Shamati 159. Und es geschah während jener vielen Tage

Ich hörte

„ Und es geschah während jener langen Zeit, dass der König von Ägypten starb, und ächzten die Kinder Israels unter der Arbeit und wehklagten, und es stieg empor zu Gott ihr Geschrei wegen der Arbeit; und Gott hörte ihr Ächtzen[1]“ Das bedeutet, dass sie solche Qualen erlitten, sodass sie diese nicht mehr zu ertragen vermochten. Und sie flehten in ihren Gebeten, bis „ihr Geschrei zu Gott empor stieg.“ Wir sehen jedoch, dass sie sagten: „Wäre das, was wir hatten […] als wir bei den Fleischtöpfen saßen und jede Fülle an Brot zu essen hatten.“ Und sie sagten auch: „Wir gedenken der Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen und der Kürbisse, der Melonen, des Lauchs, der Zwiebeln und des Knoblauchs.“

Es ist so, dass ihnen die Arbeit für Ägypten tatsächlich gut gefiel. Und das ist der Sinn von „Und sie vermischten sich mit den Nationen und lernten von deren Taten.“ Das heißt, wenn also das Volk Israel unter der Herrschaft irgendeines Volkes steht, herrscht dieses Volk über sie und sie sind nicht in der Lage, aus dessen Herrschaft zu entkommen. Dann hätten sie bereits genügend Geschmack an dieser Arbeit gekostet und hätten nicht mehr erlöst werden können.

Was tat der Schöpfer also? „Der König von Ägypten starb“, das heißt, sie verloren diese Knechtschaft. Natürlich konnten sie dann nicht länger arbeiten; sie verstanden, dass wenn es keine Vollkommenheit von Mochin gibt, auch der Dienst unvollkommen ist. Deswegen „ächzten die Kinder Israels unter der Arbeit.“ Die Arbeit bedeutet, dass sie keine Befriedigung an der Arbeit hatten, das heißt, der Dienst gab ihnen keinerlei Lebenskraft.

Und das ist die Bedeutung von „Der König von Ägypten starb.“ Dass alle Herrschaft des Königs von Ägypten, welcher derjenige war, der sie ernährte und unterhielt, starb. Deswegen hatten sie Raum für das Gebet. Und sie wurden sofort erlöst. Und später, als sie durch die Wüste gingen und in den Zustand von Katnut (Kleinheit) gelangten, sehnten sie sich zurück nach dem Dienst, den sie vor dem Tod des Königs von Ägypten verrichteten. 



[1] 2. Buch Mose 2,23-24

 

Shamati 160: Der Grund für das Abdecken der Mazot

Ich hörte

Er [Baal Sulam] erklärt, warum es üblich sei, dass die Mazot (Matzen – ungesäuertes Brot) stets zugedeckt liegen, also auf einem Matzenteller oder auf einer anderen verdeckten Sache. Es steht geschrieben: „Und das Volk lud seinen Teig, bevor er gesäuert war, mit seinen in Kleidern eingebundenen Backtrögen auf seine Schultern“. Die Andeutung ist in „eingebunden in ihren Kleidern“.

Und die Sache ist, dass zu Pessach die Kelim (Gefäße) noch nicht in geeigneter Weise korrigiert waren – daher kam das Prinzip des [Omer-]Zählens, um die Gefäße zu korrigieren. Das ist die Bedeutung der Worte: „Den Tropfen einer roten Rose sah ich“, das heißt, in der Nacht von Pessach gab es ein Wunder. Obwohl es ein Festgreifen geben könnte, gab es dieses aber nicht, weil es verborgen war und nach außen nichts erkennbar war; und das ist die Andeutung: „eingebunden in ihren Kleidern“. 

 

Shamati 161. Die Gabe der Tora

Ich hörte während einer Shawuotmahlzeit

Die Gabe der Tora auf dem Berg Sinai: Dies bedeutet nicht, dass ihnen die Tora damals gegeben wurde und heute nicht. Sondern die Gabe der Tora ist eine ewige Angelegenheit – der Schöpfer gibt immer. Wir jedoch sind zum Empfang nicht geeignet. Aber damals, auf dem Berg Sinai waren wir die Empfänger der Tora. Und den einzigen Vorzug, den wir uns damals zuschreiben konnten, war, dass wir „wie ein Mensch in einem Herzen waren“. Dies bedeutet, dass wir alle nur einen Gedanken hegten – das Empfangen der Tora.

Aus der Sicht des Schöpfers jedoch gibt Er immer, wie es im Namen vom Ribash steht: „Der Mensch muss jeden Tag die zehn Gebote auf dem Berg Sinai hören.“

Die Tora wird „Lebenselixier“ und „Todesdroge“ genannt. Wir sollten uns fragen: Wie kann es zwei Gegensätze in einem Objekt geben? Alles, was wir mit unseren Augen sehen, ist nichts anderes als das, was wir empfinden, doch die Wirklichkeit selbst interessiert uns nicht. Daher wird, wenn man die Tora studiert und die Tora einen von der Liebe des Schöpfers entfernt, diese Tora dann auf jeden Fall „Todesdroge“ genannt. Und wenn die Tora den Menschen dem Schöpfer näherbringt, dann wird sie gewiss „Lebenselixier“ genannt.

Die Tora selbst jedoch, also die Wirklichkeit an sich, wird nicht in Betracht gezogen. Sondern  vielmehr bestimmen die Gefühle unsere Wirklichkeit hier unten. Und es scheint, dass wir die Tora ohne die Empfänger im Prinzip als Licht ohne Kli interpretieren sollten, worin wir keine Erkenntnis haben. Dies gilt als „Wesen ohne Materie“. Und das Wesen ist für uns nicht erfassbar, weder das körperliche Wesen und erst recht kein spirituelles.

Und wenn man zum Eigennutzen arbeitet, so wird dies als lo liShma (nicht für Ihren Namen) betrachtet, und von lo liShma kommt man zu liShma (für Ihren Namen). Wenn folglich jemand des Empfanges der Tora noch nicht für würdig befunden wurde, dann hofft dieser, dass er sie im nächsten Jahr empfangen wird. Und wenn er liShma vollkommen erhält, dann bleibt ihm in dieser Welt nichts mehr zu tun übrig.

Darum gibt es jedes Jahr einen Zeitraum für den Empfang der Tora, in dem die Zeit für das Erwachen von unten reif ist, da dann die Zeit erwacht ist, wo das Licht des Gebens der Tora in den Unteren enthüllt wird.

Darum gibt es immer ein Erwecken von Oben, damit die Unteren so wie damals zu dieser Zeit handeln können. Verbleibt der Mensch weiterhin auf dem Wege, der ihn von lo liShma zu liShma bringt, dann kommt er dementsprechend richtig voran und hofft, dass er schlussendlich des Empfangens der Tora liShma würdig wird. Doch wenn er nicht immer das Ziel vor Augen hat, so folgt daraus, dass er sich in entgegengesetzter Richtung zur Tora bewegt, genannt „Baum des Lebens“, und aus diesem Grunde wird diese dann „Todesdroge“ genannt, da er sich ständig weiter von der Linie des Lebens entfernt.

„Ich habe mich bemüht und fand nicht, glaube das nicht.“ Wir müssen die Bedeutung von „ich fand“ verstehen. Was gibt es da zu finden? „Ich fand“ bedeutet Gnade in den Augen des Schöpfers zu finden.

„Ich habe mich nicht bemüht und gefunden, glaube es nicht.“ Wir müssen verstehen, dass er eigentlich nicht lügt; es geht hier nicht um den Menschen selbst, als Individuum, sondern dieses Gesetz gilt eher für alle. Und wenn einer sieht, dass er in den Augen des Schöpfers Gefallen gefunden hat, warum [sollte man dies] „nicht glauben“? Die Sache ist die, dass ein Mensch manchmal durch das Gebet beim Schöpfer Gefallen gefunden hat. Dies ist aufgrund der Macht des Gebetes, das die Kraft hat, wie Anstrengung zu wirken. (Wir sehen auch in unserer körperlichen Welt, dass es jemanden gibt, der sich durch eigene Anstrengung versorgt, und jemanden, der sich durch das Gebet versorgt, wobei er mittels dessen um Versorgung bittet, weshalb man ihm erlaubt, für sich zu sorgen.)

Dies ist im Spirituellen nicht so. Obwohl er [beim Schöpfer] Gefallen gefunden hat, muss er nachher dennoch den vollen Preis zahlen, das heißt das Maß der Anstrengung, welche jeder gibt. Und wenn nicht, dann verliert er das Kli. Darum sagt er: „Ich habe mich nicht bemüht und gefunden, glaube es nicht“, denn er wird alles verlieren. Deshalb muss man nachher seine ganzen Mühen bezahlen.

 

Shamati 162. Weshalb man nach dem Abschluss eines Buches der Tora chasak sagt

Ich hörte während einer Morgenmahlzeit am Shabbat, am 2. Aw, in Tel Aviv

Chasak[1] (stark), das man nach dem Abschluss eines Buches [der Tora] sagt, bedeutet, dass die Vollendung uns die Stärke geben sollte, um alle Stufen abzuschließen. Denn wie es im Körper 248 Organe und 365 Sehnen gibt, so hat auch die Seele 613, die Kanäle der Seele darstellen, durch welche die Fülle ausgebreitet wird. Und durch die Tora werden diese Kanäle geöffnet. Und solange sie nicht alle geöffnet sind, ist sogar auf der persönlichen Stufe ein Mangel erkennbar, denn auch die persönliche Stufe ist im Ganzen eingeschlossen.

Folglich fehlt, wenn irgendein Einzelteil vom Ganzen fehlt, diese Unterscheidung auch in den Individuen, und sie werden in der Reihenfolge der Stufen wiedergeboren. Und wenn sie alle vollendet sein werden, wird dies das Ende der Korrektur sein. Davor werden sie auftauchen und eine nach der anderen korrigiert werden.

Nun können wir verstehen, was die Weisen sagten: „Die Tora geht der Welt voraus.“ Bevor also die Begrenzung der Welt gemacht wurde, gab es die Tora bereits.

Und wie kann sie später in der Welt scheinen, welche eine Grenze darstellt? Vielmehr scheint  die Tora über „eins nach dem anderen“. Und wenn alle Unterscheidungen vervollständigt wurden, ist er gezwungen, die Welt zu verlassen, da er alle Unterscheidungen der Tora geerntet hat. Daher sollte uns jeder Abschluss Stärkung geben, um weiterzumachen. Das Konzept der fünf Bücher Mose entspricht dabei den sieben Sefirot, welche im Wesentlichen fünf sind, denn Malchut und Jessod sind nicht das Wesentliche, sondern nur eingeschlossen.



[1] Chasak bedeutet stark, ein Segen, der nach jedem Buch der fünf Bücher Mose (Pentateuch), das man beendet hat,  gesprochen wird.

 

Shamati 163. Was die Autoren des Sohar sagten

Ich hörte nach Shabbat, Wochenabschnitt Mase, am 7. August 1948 in Tel Aviv

Die Art und Weise wie die Autoren des Sohar ihre Enthüllungen in der Form von Moral wiedergaben, ist keine Notwendigkeit. Ihre Geheimnisse hätten sie auch auf andere Weise offenbaren können. Sie wollten ihre Geheimnisse jedoch in Moral kleiden, damit es für den Studierenden offensichtlich wird, dass nicht die Weisheit in der Tora, sondern der Geber der Tora wichtig ist, dass das Wesentliche an Tora und Mizwot[1] ist, dem Geber der Tora anzuhaften.

Da die Kleidung von Moral am besten daran erinnern kann, drückten sie deshalb ihre Geheimnisse in dieser Form aus. Und der Grund, weshalb sie sehr oft die Form von Weisheit verwendeten, ist, damit sich die Menschen nicht irren und sagen, der Sohar spreche nur über Moral und dort sei keine Weisheit verborgen, sondern nur einfache Moral. Deshalb schrieben sie den Sohar in zweierlei Einkleidungen, sodass eine auf die andere deute. 



[1] Das Empfangen des Lichtes mit Hilfe der Korrektur der Verlangen.

 

Shamati 164. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Materiellen und dem Spirituellen

Ich hörte am 8. August 1948

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Materiellen und dem Spirituellen: Im Materiellen geht die Kraft der Handlung voraus, wie es geschrieben steht: „Bevor sie rufen, werde ich antworten“[1], wo die Reihenfolge bereits gemäß Gmar Tikun (der Endkorrektur) ist, dass man nichts tut, bevor man die Kraft dazu hat.  

Im Spirituellen hingegen, wo es noch nicht gemäß der Endkorrektur angeordnet ist, sondern entsprechend der Reihenfolge der [inneren] Analysen[2], muss man die Arbeit beginnen, bevor man die Kraft erlangt, wie es geschrieben steht: „Die ihr Sein Wort ausführt, auf die Stimme Seines Wortes hörend.“[3]



[1] Jesaja 65, 24

[2] entsprechend der Reihenfolge nacheinander zutage kommender Wünsche, die zur Korrektur geeignet sind, von den leichten hin zu den schweren

[3] Psalm 103, 20

 

Shamati 165. Eine Erklärung für Elishas Bitte an Elia

Ich hörte

Elia fragte ihn: „Was soll ich für dich tun?“ Und er antwortete: „Eine doppelte Menge deines Geistes.“ Und er antwortete: „Du hast etwas Schwieriges gefragt.“

Es ist so, dass es die Klärung der 248 gibt und die Unterscheidung des steinernen Herzens (Lew Ha Ewen), das nicht geklärt werden kann. Wenn man jedoch die 248 klärt, wird das steinerne Herz dadurch ebenfalls geklärt. Das steinerne Herz selbst jedoch darf nicht berührt werden. Und derjenige, der diese 248 klärt, klärt dadurch auch das steinerne Herz.

 

Shamati 166. Zwei Aspekte des Erlangens

Ich hörte

Es gibt zwei Aspekte:

  1. die Abstufung der Welten (Hishtalshelut haOlamot) von Oben nach unten
  2. von unten nach Oben.

Der erste Aspekt: „Das Gott geschaffen hat, um zu tun.“[1] Dies bedeutet, der Schöpfer hat uns einen Platz für die Arbeit vorbereitet.

Der zweite Aspekt: wenn wir beginnen, uns [mit der Tora] zu beschäftigen und von unten nach Oben einzukleiden. Bevor man jedoch zur Vollkommenheit der Stufe gelangt, kann man nichts mit Sicherheit wissen, und das heißt „zuerst lernen und dann verstehen“[2].

Ein Kleinkind, das beginnt, Brot zu essen, besitzt noch keine Erkenntnis, sondern kennt nur das Brot. Wenn es aber zu wachsen anfängt, dann beginnt es zu verstehen, dass es eine Ursache für das Brot gibt, welche dem Brot eine Form gibt, wie sie vor unseren Augen erscheint: weiß, weich und schmackhaft usw.

Und dann erfasst das Kind die Form des Brotes, wie es ist, nachdem man es aus dem Ofen genommen hat: Das Brot ist zu weich und sehr heiß und somit nicht essbar. Ein Vorgang fehlt noch – das Trocknen und Abkühlen, indem Zeit vergeht, wenn die Luft das Brot geeignet macht, damit es die Form des Brotes annimmt, so wie es erscheint, wenn es auf den Tisch kommt.

Doch dann beginnt das Kind, weiter zu forschen, und dann sieht es noch eine Form, und zwar wie das Brot war, bevor man es in den Ofen schob. Da hatte es zwar fast die gleiche Form, aber es finden auch große Veränderungen statt. Durch die Hitze des Ofens nämlich wird das Brot größer und fester, und seine Oberfläche wird krustig. Vorher war es weiß, und jetzt hat es eine andere Farbe. Und wenn das Kind beginnt, nachzuforschen, dann sieht es, dass das Brot seine Form und sein Gewicht erhielt, noch bevor es in den Ofen geschoben wurde.

So geht es weiter, bis es zu dem Zustand zurückgeht, wo man Weizenkörner nimmt und sie auf den Acker streut. Und bis zu diesem Zeitpunkt kann [der Mensch] vom Brot nur empfangen, das heißt, er verringert das Brot, das es in der Welt gibt, doch später weiß er auch schon, wie er etwas hinzufügen kann.

Genauso ist es im Spirituellen. Zunächst muss er von unten nach Oben empfangen, und in dieser Zeit kann er nur empfangen, ohne hinzuzufügen. Doch später, im zweiten Zustand, kann er auch hinzufügen.



[1] 1. Buch Mose 2, 3

[2] Derech Ez Chaim

 

Shamati 167. Der Grund, warum er Shabbat Teshuwa heißt

Ich hörte am Shabbat Teshuwa, am 9. Oktober 1948, in Tel Aviv

Er wird aus dem Grund „Shabbat Teshuwa“ (Shabbat der Reue) genannt, weil wir (am Ende der zehn Tage der Reue am Versöhnungstag) „für die Sünde“ sagen. Und jeder, der genau dieses „für die Sünde“ untersucht, findet sich dort in sechzig Prozent davon sicherlich nicht wieder. Doch hinsichtlich der restlichen vierzig Prozent kann er mit einem gewissen Anteil an Zweifel zulassen, dass vielleicht auch er darin inbegriffen ist, zumal er nicht fühlt, [dass er sündigte]. Doch in sechzig Prozent von dem, was im Sündenbekenntnis steht, sieht er sich keinesfalls.

Daher existiert eben das wundervolle Hilfsmittel des Shabbat, wenn das Licht des Shabbat scheint und einem zeigt, sich selbst als zu hundert Prozent als Sünder betrachten zu können, und zu verstehen, dass dieses nur ihm und keinem anderen gegeben ist. Und ohne das Licht [des Shabbattages] fühlt man dies nicht.

Daher bezeichnet man [den Shabbat vor Jom Kippur] als „Shabbat Teshuwa“ (Shabbat der Reue). Der Shabbat ist gut zur Reue, damit man die Sünde fühlen kann. Denn man muss sich zuerst zur Sünde bekennen, und erst dann kann man um Vergebung bitten. Wenn man aber das Sündenbekenntnis spricht und nicht fühlt, dass man gesündigt hat – was ist das für ein Bekenntnis?! Denn in seinem Herzen sagt man, man habe nicht gesündigt. Und was man mit den Lippen spricht, ohne dass das Herz zustimmt – solch ein Geständnis ist natürlich nichts wert!

 

Shamati 168. Die Bräuche Israels

Ich hörte

Die Bräuche Israels sind dermaßen wichtig, dass man vertrauensvoll sagen kann, dass sie einem Menschen mehr Spiritualität vermitteln als die Mizwot selbst. Dies ist so, auch wenn das Verstoßen gegen Bräuche keine Strafe nach sich zieht, aber es sehr wohl bestraft wird, wenn man gegen ein Gesetz verstößt. Dennoch gilt in Bezug auf die Nutzbringung, also darauf, was Ehrfurcht vor dem Himmel (Gottesfurcht) erzeugt, dass die Bräuche mehr Spiritualität hervorbringen. Denn die Großen, welche die Bräuche einführten, richteten sie so ein, dass Spiritualität durch sie leuchten würde.

Deshalb sagte er [Baal HaSulam], dass derjenige, der dem Brauch des Fleisch- und Fischessens am Shabbat aus dem Wege geht, auch die Spiritualität zurückweist. Doch dies gilt in Bezug auf einen Menschen, der immer noch keine Vollkommenheit erlangte, also erkennt, was er tut. Das heißt, ihm wurden immer noch nicht die Geschmäcker der Mizwot zuteil – und darum muss er die Bräuche einhalten.
Es ist wie ein Apfel, der zuerst verdirbt, bevor er verfault. Wenn er verdorben ist, so ist die Fäulnis sicher. So auch ein Mensch – bevor er frei wird, weist er die Bräuche zurück. Und nach dieser Zurückweisung wird entweder er selbst frei oder seine Söhne werden frei.

 

Shamati 169 Das Konzept eines vollkommenen Gerechten

Das Konzept eines vollkommenen Gerechten, der also nicht sündigte. Steht aber nicht etwa geschrieben: "Denn es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, daß er anur Gutes tue und nicht sündige"[1]. Und er antwortete, dass es auf jeder einzelnen Stufe den Aspekt von einem vollkommenen Gerechten gibt, wo keine Sünde hin gehört, und auf dieser Stufe hat er niemals gesündigt (Also der Aspekt jeder Stufe ab dem Chase nach oben, der als Ez Chaim (Baum des Lebens) und verdeckte Chassadim definiert wird), wohingegen zum Aspekt von Chaseh an nach unten Sünde und Rückkehr gehören. Und wenn man diese korrigiert, kommt man auf eine höhere Stufe, und dort beginnt ebenfalls diese Reihenfolge, also vollkommener Gerechte, und "Denn es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, daß er nur Gutes täte und nicht sündige".


[1] Prediger 7:20

 

Shamati 170. In deiner Tasche soll kein großer Stein sein

Ich hörte

„Du sollst nicht in deiner Tasche einen großen und einen kleinen Stein haben.“[1] Als Ewen (Stein) wird der Aspekt des Glaubens bezeichnet (der den Messstein darstellt). Das ist der Aspekt von klein, der über dem Verstand ist. Doch zugleich solltest du dann sagen, dass du einen „großen Stein“ hast, also dass du Verstand besitzt. Es bedeutet, dass das, was du machst, nicht der restlichen Welt gleicht, sondern dass du über eine starke Basis verfügst, welche Gadlut (Größe) und nicht Katnut (Kleinheit) ist, also ohne Basis und einen vollkommenen Stein[2].

Es muss einen „kleinen Stein“ geben, der jedoch „vollkommen“ sein soll, also ausreichend, um die ganze Tora und die Mizwot basierend auf dem „kleinen Stein“ zu erfüllen, und nur dann wird dieser als „vollkommen“ bezeichnet.

Wenn er jedoch „klein“ ist und einen veranlasst, nur kleine Taten zu tun, wird das nicht als „vollkommener Stein“ bezeichnet. Und wo sind das kleine und das große Maß? Wenn man über eine kleine Grundlage verfügt, dann gilt man in Bezug auf sich selbst als klein. Wenn man jedoch einen „großen Stein hat“, also eine große Basis, dann hält man sich selbst für groß, also dass man groß ist. Und ein „vollkommener Stein“ heißt es dann, wenn man einer persönlichen Vorsehung würdig wird.



[1] 5. Buch Mose 25, 13

[2] 5. Buch Mose 25, 15

 

Shamati 171. Sohar, Abschnitt Emor

Ich hörte am 18. April 1949

Im Sohar, Abschnitt „Emor“, steht: Die Versammlung Israels sagte: „Ich schlafe im ägyptischen Exil“[1].

Die Verflüchtigung der Mochin heißt „Schlaf“. „Und mein Herz ist wach.“ Das Herz bedeutet die 32 Kanäle der Weisheit. Das heißt Chochma (Weisheit) hat in ihnen geleuchtet, doch sie war ohne die Einkleidung in Chassadim (Gnade), und das wird „das  ägyptische Exil“ genannt und heißt deswegen „Schlaf“. Doch damit waren sie würdig, Mochin de Chochma zu empfangen, aber im Aspekt von Achoraim (Rückseite).

„Die Stimme meines Geliebten klopft“, gemeint ist die Stimme von Seir Anpin, der als Chassadim gilt. Und das ist, was der Schöpfer sagt: „Öffne Mir einen Spalt so groß wie ein Nadelöhr.“ Also zur Stunde der Erlösung sagte Er ihnen, sie sollen aufs Neue Chochma heranziehen; und zu der Zeit, wenn er [der Spalt] ohne Chassadim ist, heißt ihr Spalt „wie ein Nadelöhr“, da sie ohne Chassadim nicht leuchtet.

„Und ich werde dir die höheren Tore öffnen“, gebe ihr also vom Aspekt von Chassadim, und das wird eine Erweiterung für sie sein, dass sie nämlich Chochma und Chassadim haben wird.

„Öffne Mir einen Spalt [...] denn die Öffnung, um in Mich einzutreten, liegt in dir, damit Meine Söhne nur durch dich in Mich hineinkommen.“ Das bedeutet, dass Er den Söhnen, die Mochin de Chochma benötigen, nicht geben kann, weil Sein Aspekt nur Chassadim ist. Wenn sie jedoch Chochma anzieht, dann ist es möglich, dass auch die Söhne Chochma erhalten. Daher heißt es, dass nur sie diesen Spalt öffnen kann, wohingegen „Ich bin verschlossen, damit sie Mich nicht finden“ meint „damit sie Mich nicht in Vollkommenheit finden“.

Wenn Seir Anpin nur über Chassadim verfügt, hat er nur WaK, und dann heißt er  einfache, leere Luft“. Wenn er jedoch zusätzlich über Chochma verfügt, dann heißen seine Chassadim – obwohl er nur Chassadim empfängt –  „reine Luft“, wobei dann seine Chassadim über Chochma erhaben sind, man ihn aber ohne Chochma nicht in Vollkommenheit finden kann.

Dies ist die Bedeutung der Worte: „Um mit dir vereint zu sein und mit Dir auf ewig in Frieden zu leben. Komm und siehe, zu einer Stunde, als der Schöpfer die Erstgeborenen von Ägypten tötete, also all jene, die er um Mitternacht tötete, und die Stufen, die oben waren, nach unten herabsenkte“, das heißt mittels der Korrektur des Massach de Chirik, die zwei Aspekte verursacht: die Verflüchtigung von GaR genauso wie das Ausweiten von Chassadim, wobei durch diese Hitkalelut (Zusammenschluss) die Möglichkeit besteht, dass Mochin sich von oben nach unten verbreiten.

„Zu der Stunde, als die Israeliten in den Bund des heiligen Buchstabens eintraten, wurden sie beschnitten.“ Die Erstgeborenenplage, das Pessachblut und das Beschneidungsblut sind ein und dasselbe. Es ist ein bekanntes Geheimnis, dass der Gott Ägyptens ein Schaf war. Dies bedeutet, dass das Pessach-Opfer auf ihren Gott abgezielt war.

Denn die Klipa Ägyptens bestand darin, dass sie von Gmar Tikun anziehen wollten, wie bei der Sünde am Baum der Erkenntnis, wobei sie das Licht der GaR von oben nach unten ausbreiten wollten. Durch das Schlachten des Pessach-Opfers schlachtete man GaR von Chochma, wodurch es zur Erstgeborenenplage kam.

Ein Erstgeborener ist GaR, und sie annullierten GaR und zwar mittels des Massach de Chirik, der die Erhebung von Manula (Türschloss) darstellt, was zur Annullierung von GaR führt.

Dam (Blut) kommt vom Wort Dmama (Stille), das GaR tötet. Und das ist die Bedeutung des Beschneidungsblutes. Das Beschneidungsmesser ist Dinim de Nukwa, und diese annullieren die Dinim de Dechura. Es steht geschrieben: „Es gab zwei Arten Blut – das Blut des Pessach-Opfers und das Beschneidungsblut.“ Durch das Sprenkeln des Bluts vom Pessach-Opfer fand die Annullierung von GaR und der Einschluss in die Korrektur der Linien statt. Das ist die Bedeutung des Türpfostens und der zwei Mesusot.

„Und am vierzehnten [Tag des Monats] [...] und Israel entfernt sich aus fremder Herrschaft [...] und sie wurden mit einem heiligen Knoten Maza vereint.“  Das gesäuerte Brot (Chamez) sind Mochin, die sich von Chase nach unten verbreiten, zu welcher Zeit sie von Oben nach unten leuchten. Und Maza sind Mochin, die von Chase nach Oben leuchten, und in diesem Aspekt gibt es keinen Halt für Äußere. Und der Grund dafür besteht darin, dass Manula (Schloss), welches sich in der Pessach-Nacht offenbarte, wodurch das Schlachten des Pessach-Opfers sowie die Erstgeborenenplage stattfanden, nur von sich aus nach unten wirkt, was heißt, dass es sich am Chase offenbarte.

Daraus ergibt sich, dass sie bei allem über ihr nicht mit dem Aspekt von Din, welches in ihr enthalten ist, wirkt. Im Gegensatz dazu ist es von Chase abwärts, wo all die Ausbreitung unter ihrem eigenen Aspekt liegt, weshalb das Din, welches in ihr ist, gefühlt wird. Darum achtete Israel einst in der Pessachnacht darauf, Maza und kein gesäuertes Brot zu essen.

Dabei hat die Maza einen Vorteil, welchen Chamez (gesäuertes Brot) nicht hat. Und Chamez hat einen Vorteil, welchen die Maza nicht hat. Der Vorteil der Maza liegt darin, dass es in Hinsicht auf GaR de Chochma vollständige Mochin sind, welche als die zwei großen Lichter bezeichnet werden. Sie sind jedoch im Aspekt von Achoraim und können aufgrund des Fehlens von Chassadim nicht leuchten.

Und Chamez hat den Vorteil, dass, auch wenn es nur WaK sind, sie doch bereits in Chassadim eingekleidet sind. Und im Tempel, wo es Mochin de Chochma gab, waren sie auch ab Chase aufwärts, was als Maza gilt, weswegen geschrieben steht: „Weder Sauerteig noch Honig sollt ihr dem Schöpfer als Feueropfer in Rauch aufgehen lassen.“



[1] Sohar, Emor, S. 43

 

 

 

Shamati 172. Verhinderungen und Verzögerungen

Ich hörte am 7. Tag von Pessach, dem 20. April 1949, in Tel Aviv

Alle Verhinderungen und Verzögerungen, die vor unseren Augen erscheinen, sind nur eine Form der Annäherung, denn der Schöpfer möchte uns näherbringen. Und erst alle diese Verhinderungen lassen uns näher kommen, da wir ohne sie keine Möglichkeit hätten, uns Ihm anzunähern. Dies ist so, da es von Natur aus keine größere Entfernung gibt, da wir aus reiner Materie gemacht sind und der Schöpfer ist Höher als Hoch. Und nur wenn man beginnt, näherzukommen, beginnt man, diese Entfernung zwischen uns zu spüren. Und jegliche Verhinderung, die der Mensch überwindet, bringt ihm den Weg näher.

(Das kommt daher, weil sich der Mensch daran gewöhnt hat, sich auf dem Pfad der Entfernung zu bewegen. Wann immer er sich deshalb als entfernt empfindet, ruft dies folglich keine Veränderung im Prozess hervor, da er vorab wusste, dass er sich auf dem Pfad der Entfernung bewegt. Es ist so, denn dies ist die Wahrheit: Es gibt nicht genügend Worte, um die Entfernung zwischen uns und dem Schöpfer zu beschreiben. Jedes Mal wenn er diese Entfernung in einem größeren Ausmaß verspürt als er dachte, erweckt das in ihm somit keinen Ärger.)

 

Shamati 173. Warum man „LeChaim!“ sagt

Ich hörte während eines Shabbatmahls, am 7. Mai 1949

Über das LeChaim!-Sagen[1] während des Weintrinkens erklärte er [Baal HaSulam], dass dies sich auf den Ausspruch der Weisen bezieht, die sagten: „Wein und Leben entsprechend der Weisen und deren Schüler!“ Im Nachhinein fällt es einem schwer zu verstehen, warum gerade „entsprechend der Weisen usw.“ und nicht für die Ungelehrten.

Es ist so, dass das Aussprechen von LeChaim auf das höhere Leben hindeutet. Zu der Zeit nämlich, wenn man Wein trinkt, soll man sich ins Gedächtnis rufen, dass Wein auf den Wein der Tora hindeutet, sich daran zu erinnern, dass man das Licht der Tora heranziehen muss, genannt Leben. Das physische Leben dagegen heißt in den Worten der Weisen: „Sünder werden in ihrem Leben ‚Tote‘ genannt.“

Daher kann man gerade den Weisen sagen: „Wein und Leben!“[2] Das bedeutet, dass nur sie dazu geeignet sind, spirituelles Leben heranzuziehen. Ungelehrten Menschen jedoch, die keine Werkzeuge dazu besitzen, müsste man sagen, dass sie es heranziehen mögen. (Und vielleicht bedeutet „entsprechend der Weisen“ „laut der Meinung der Weisen“. Dies bedeutet, dass das Leben, welches sie Leben nennen, sich auf das spirituelle Leben bezieht.)



[1] „Aufs Leben!“ – ein Trinkspruch

[2] babylonischer Talmud, Traktat Shabbat, Seite 67b

 

Shamati 174. Die Verhüllung

Ich hörte

In Bezug auf die Verhüllung, die eine Korrektur ist: Wäre dies nicht zu diesem Zweck, wäre der Mensch nicht in der Lage, jegliche Vollkommenheit zu erreichen, da er der Erlangung der Wichtigkeit dieser Sache nicht würdig wäre. Wenn es aber eine Verhüllung gibt, dann wird ihm diese Sache wichtig. Selbst wenn der Mensch die Wichtigkeit, so wie sie tatsächlich ist, nicht zu schätzen weiß, gewährt ihm die Verhüllung deren Wert. Denn entsprechend dem Ausmaß, in dem er die Verhüllung wahrnimmt, wird in ihm eine Schicht an Wichtigkeit geschaffen.

Und das ist wie mit Stufen; er steigt Stufe für Stufe auf, bis er an den für ihn bestimmten Platz gelangt. Das heißt, er erreicht ein gewisses Maß an Wichtigkeit, um sich jedenfalls festhalten und Bestand haben zu können, obwohl Seine wahre Wichtigkeit und Erhabenheit unmessbar sind –  er erfasst nur ein Maß, das für seinen Fortbestand ausreicht.

Verhüllung allein heißt allerdings noch nicht Verhüllung, denn Verhüllung wird anhand des Verlangens gemessen. Je intensiver nämlich das Verlangen nach einer Sache ist, in einem umso ferneren Maße wird die Verhüllung wahrgenommen. So wird auch verständlich, was geschrieben steht: „Das ganze Land ist Seines Ruhmes voll“ – obwohl wir das glauben, füllt dennoch auch die Verhüllung „das ganze Land“ aus.

Und über die Zukunft steht geschrieben: „Und ich werde eine feurige Mauer umher sein und Ruhm und Herrlichkeit wird darin sein.“[1] Und „Feuer“ ist die Verhüllung, aber dennoch sind Ruhm und Herrlichkeit darin, das heißt, dann wird sich der Ruhm offenbaren und das Verlangen dann so groß sein, obwohl es auch da Verhüllung gibt. Und der Unterschied besteht darin, dass es zu dieser Zeit eine Verhüllung gibt, jedoch kein Verlangen. Dies wird als Verbannung oder Exil (Galut) definiert. Obwohl es dort zwar die Verhüllung geben wird, wird aber auch das Verlangen da sein. Und das ist das Wesentliche: nur das Verlangen.



[1] Sacharia 2, 9

 

Shamati 175. Wenn aber des Weges dir zu viel ist …

Ich hörte während eines Shewatmahls, Wochenabschnitt Behar-Bechukotai, am 22. Mai 1949

 „Wenn aber des Weges dir zuviel ist, dass du solches nicht tragen kannst.“[1]

Er [Baal Sulam] interpretierte: Warum ist der Weg so lang? Weil „du solches nicht tragen kannst“ – weil er das Joch von Tora und Mizwot nicht tragen kann: Deswegen kommt ihm der Weg lang vor. Und als Rat sagt der Vers: „So halte das Geld in deiner Hand fest“, wobei „Geld“ (Kessef) „Begehren“ (Kissufin) bedeutet, also dass er den Aspekt von Kissufin in die Arbeit hineinziehen soll. Somit wird kraft des Begehrens und des Verlangens nach dem Schöpfer der Mensch das Joch der Tora und Mizwot tragen können. 

„Geld“ betrifft auch „Scham“. Denn der Mensch ist für das Ziel erschaffen worden, den Himmel zu verherrlichen, wie es geschrieben steht: „Gelobt sei … Der uns zu Seinen Ehren erschuf.“

Denn im Allgemeinen sind Tora und Mizwot Dinge, die der Mensch tut, um Wohlwollen in den Augen des Schöpfers zu finden. Dies ist so, weil es in der Natur eines Dieners liegt, Gefallen in den Augen seines Herrn finden zu wollen, denn dann ist ihm das Herz seines Herrn zugewandt. Genauso ist es hier, dass [nämlich] alle Taten und genaue Spitzfindigkeiten, in denen sich der Mensch spezialisiert, nur ein Mittel sind, um dadurch Gefallen in Seinen Augen zu finden; und dann wird er das gewünschte Ziel von Ihm haben.

Und ein Mensch hält Tora und Mizwot ein, um in den Augen der Menschen Gefallen zu finden. Und aus den Bedürfnissen des Himmels macht er ein Mittel, das heißt, durch sie wird er Gefallen bei den Menschen finden. Und solange der Mensch noch nicht Tora liShma (für Ihren Namen) würdig wurde, arbeitet er für Menschen.

Und obwohl der Mensch keine andere Möglichkeit hat, als für die Geschöpfe zu arbeiten, sollte er sich trotzdem für diesen Dienst schämen. Und dann wird er mithilfe dieses Kessefs des Kessefs der Heiligkeit würdig, also der Sehnsucht nach Heiligkeit.

„Und binde das Geld zusammen in Deiner Hand“, das heißt, obwohl die Sehnsucht nicht in des Menschen Hand liegt – wenn er keine Lust auf eine Sache hat, dann kann er nichts tun. Dennoch muss er den Willen nach Kissufin offenbaren, also den Willen zur Sehnsucht (und vielleicht kommt von hier wezarta – „binde“, von razita – „du wolltest“). Er muss also das Bedürfnis danach enthüllen, muss also den Wunsch und das Verlangen enthüllen, sich nach dem Schöpfer zu sehnen, nämlich sich zu sehnen, die Ehre des Himmels zu mehren, Ihm Zufriedenheit zu bereiten und Gefallen in Seinen Augen zu finden.

Es gibt den Aspekt von Gold und den Aspekt von Kessef (Silber, Geld). Kessef bedeutet, dass er allgemein Kissufin (Sehnsüchte) hat, und Sahaw[2] (Gold, geformt aus den Worten „gib dies“) bedeutet, dass er nur eine Sache will, und alle Kissufin und Sehnsüchte, die er nach mehreren Dingen hat, werden in diesem einen Verlangen aufgelöst. Und er sagt: „Gib dieses“ (Se haw), womit gemeint ist, dass er nichts anderes als nur „die Shechina aus dem Staub zu erheben“ will. Dies ist alles, was er will. 

Auch wenn der Mensch sieht, dass er kein richtiges Verlangen und keine Lust hat, sollte er trotzdem zusehen, sich in Taten und Gedanken zu bemühen, um das Verlangen zu erhalten. Und dies wird genannt: „Und binde das Geld in deiner Hand zusammen.“ Doch der Mensch darf nicht denken, dies sei eine kleine Sache, wenn es in der Hand des Menschen liegt. Vielmehr „in Rinder (mit Wohlwollen) und in Schafe“[3], das heißt, dadurch und nur dadurch wird er der großen, erhabensten Lichter würdig.



[1] 5. Buch Mose 14, 24

[2] von den Worten „gib dies“

[3] 5. Buch Mose 14, 26

 

Shamati 176. Beim Trinken des Branntweins nach der Hawdala

(Unterscheidung von Jom Tow - Feiertag zum normalen Tag)

Ich hörte am Ausgang von Jom Kippur, am 21. September 1950

„Und er würde einen Jom Tow (Festtag) machen, als er aus der Heiligkeit hinaustrat.“ Heiligkeit (Kodesh) wird als Chochma (Weisheit) und Linke Linie angesehen, dort wo es Angst vor den Dinim (Urteile) gibt. Daher gibt es dort keinen Platz für Jom Tow. Vielmehr „als er aus der Heiligkeit heraustrat“, genannt „Chochma“ und „Linke Linie“, dann würde er einen Jom Tow machen, definiert als Or Chassadim (Licht von Chassadim).

 

 

Shamati 176. Beim Trinken des Branntweins nach der Hawdala

Ich hörte am Ausgang von Jom Kippur, am 21. September 1950

„Und er würde einen Jom Tow (Festtag) machen, als er aus der Heiligkeit hinaustrat.“ Heiligkeit (Kodesh) wird als Chochma (Weisheit) und Linke Linie angesehen, dort wo es Angst vor den Dinim (Urteile) gibt. Daher gibt es dort keinen Platz für Jom Tow. Vielmehr „als er aus der Heiligkeit heraustrat“, genannt „Chochma“ und „Linke Linie“, dann würde er einen Jom Tow machen, definiert als Or Chassadim (Licht von Chassadim).

 

Shamati 177. Sühne

Ich hörte

„Die Sühne der Sünden“ geschieht durch die Enthüllung des Lichtes Chochma (Weisheit). Die Beichte, das heißt das Selbstbekenntnis, zieht Chochma an. Je mehr der Mensch beichtet, desto mehr Chochma offenbart sich ihm. Darüber wird gesagt: „Und an jenem Tag, ... soll der Frevel Jakobs gesucht werden, doch es wird keinen geben.“ Das ist so, da jede vergebene Sünde nicht eher vergeben ist, als bis Chochma sich darauf ausgebreitet hat. Dies ist der Grund, warum sie nach Frevel gesucht haben, um das Licht Chochma auf ihn zu ziehen.

Die „Umarmung der Linken“ bedeutet die Ausdehnung der Linken Linie: An jedem der zehn Bußtage (zehn Tage zwischen Rosh HaShana und Jom Kippur) wird eine Bchina der zehn Sefirot de Mochin de Chochma, genannt „Linke Linie“, herangezogen. Und an Jom Kippur (Versöhnungstag) findet der Siwug (Paarung) statt.

Die „Umarmung der Rechten“ ist die Anziehung von Chochma unterhalb des Chase (Brust), welcher der Ort der Enthüllung ist, wo es bereits in Chassadim (Barmherzigkeit) versüßt wurde. Es wird hauptsächlich als Heranziehen von Chassadim betrachtet. Das Bilden von Nukwa selbst dauert bis zum achten Tag von Sukkot (Shmini Azeret) an, und am achten Tag findet dann der Siwug statt.

Sühne der Sünden” geschieht durch Offenbarung des Lichtes Chochma (Weisheit). Die Beichte, d.h. die Selbstbekenntnis, zieht Chochma an. Je mehr der Mensch beichtet, desto mehr Chochma erscheint in ihm. Darüber wird gesagt: „und zu diesem Zeitpunkt, .. soll der Frevel Jakob’s gesucht werden, doch es wird dort nichts sein.“ Das ist so, da jede vergebene Sünde nicht eher vergeben ist, als bevor Chochma sich darauf ausgebreitet hat. Dies ist der Grund, warum sie nach Frevel gesucht haben, um das Licht der Weisheit auf ihn zu ziehen.

Die “Umarmung von links“ bedeutet Ausdehnung der linken Linie:  An jedem der zehn Bußtage (10 Tage zwischen Rosch HaSchana und Jom Kippur, Anm. Ü.) wird eine Erkenntnis der zehn Sfirot de Mochin de Chochma, genannt „linke Linie“, erweitert. Und an Jom Kippur (Versöhnungstag) findet der Sivug (Ankopplung/Paarung) statt.

Die „Umarmung von rechts” ist die Anziehung von Chochma unter den Chaseh (Brust), den Ort der Offenbarung, wo es bereits in Chassadim (Barmherzigkeit) versüßt wurde. Es wird hauptsächlich als Erweiterung von Chassadim betrachtet. Das Bilden von Nukva selbst dauert bis zum achten Tag von Sukkot (Schmini Azeret) an, und am achten Tag findet dann der Sivug statt.

 

Shamati 178. Drei Partner im Menschen

Ich hörte während eines Festmahls zur Feier der Vollendung von Teil Neun des Buches Der Sohar am 9. Mai, 1951

Betreffend der drei Teilhaber im Menschen: der Schöpfer, der Vater und die Mutter.

Und [hierzu] sagte er [Baal Sulam], dass es noch einen vierten Teilhaber gibt, nämlich das Land. Denn wenn der Mensch keine Nahrung vom Land aufnimmt, kann er nicht existieren. Das Land ist als Malchut definiert, die dafür gilt, dass sie im Allgemeinen vier Unterscheidungen hat, genannt CHuB TuM (Chochma und Bina, Tiferet und Malchut). Und die Nahrung, die der Mensch vom Land aufnimmt, sind die Aufklärungen und Analysen, wobei durch die Nahrung, die Klipot (Hülle) von der Speise getrennt (wörtlich: geklärt) werden,

In Malchut gibt es zwei Unterscheidungen:

  1. Kedusha (die Heiligkeit) 
  2. die Böse Lilit

Wenn daher der Mensch isst und einen Segensspruch vor und nach dem Essen spricht, verlässt die Speise dadurch die Herrschaft von Sitra Achra. Und da die Speise zum Blut wird, und das Blut Nefesh (Seele) darstellt, ist seine Seele nun weltlich und gehört nicht mehr der Sitra Achra.

Wenn der Mensch dagegen von der Mizwa-Mahlzeit isst, wobei die Speise als Kedusha angesehen wird, und zwar, wenn er das mit einer Absicht isst, dann wird die Speise zum Blut, und das Blut wird Nefesh, und dann gelangt er zum Aspekt der heiligen Seele (Nefesh de Kedusha).

Daher kommt der Böse Trieb zum Menschen und gibt ihm immer zu verstehen, dass es sich aus verschiedenen Gründen nicht lohnt, bei einer Mizwa-Mahlzeit zu speisen. Seine primäre Absicht nichts von einer Mizwa-Mahlzeit zu sich zu nehmen basiert auf oben Gesagtem, da dies ein Teil der Kedusha ist.

 

Shamati 179. Drei Linien

Ich hörte am 23. April 1951

Es gibt das Thema der drei Linien und das Thema von Israel, welche sich am Körper des Königs festhalten. Es gibt die Angelegenheit des ägyptischen Exils, als das Volk Israel gezwungen war, nach Ägypten hinabzusteigen, und die Angelegenheit des Auszugs aus Ägypten; die Angelegenheit von „wer dabei ist, eine Frau zu heiligen, wird einen [der Tora] ungelehrten Menschen mitbringen“.

Und dann gibt es Abrahams Frage: „Woran soll ich merken, dass ich es erben werde?“, und der Schöpfer antwortete ihm: „Wisse, dass deine Nachkommen Fremdlinge sein werden in einem Lande, das nicht das ihre ist; und da wird man sie zu dienen zwingen und vierhundert Jahre plagen, und danach werden sie ausziehen mit großem Besitz.“ Es gibt die Angelegenheit von GaR sowie die Angelegenheit von WaK und die Angelegenheit von WaK de GaR.

Der Schöpfungsgedanke bestand darin, Seinen Geschöpfen Genuss zu schenken, und nur damit sie nicht das Brot der Scham essen, gab es den Zimzum (Einschränkung) und den Massach (Schirm), wodurch Raum für die Arbeit entstand. Und daraus resultiert der Aspekt der drei Linien: Die erste Linie ist die Rechte, definiert als WaK ohne Rosh (Kopf), erachtet als „Glaube“. Und es gibt eine zweite Linie, welche als die Linke definiert wird, und das ist der Aspekt des Erlangens (Erkenntnis). Und dann treten beide in einen Streit, denn der Glaube widerspricht der Erkenntnis, und die Erkenntnis widerspricht dem Glauben.

Und dann gibt es die Mittlere Linie, definiert als WaK de GaR oder Chochma und Chassadim, oder die Linke und Rechte Linie ineinander eingeschlossen. Das heißt, der Mensch erlangt Erkenntnis gemäß dem Glauben, den er hat. Das bedeutet, dass er genau in dem Maße, wie er Glauben hat, Erkenntnis erlangt, und da, wo er keinen Glauben hat, zieht er keine Erkenntnis heran, die ihn vervollständigen würde; sondern er wiegt stets die Linien auf, damit die eine die andere nicht überwiegen möge.

Und GaR (welche vor ihm erscheinen) wird „Erkenntnis ohne Glauben“ genannt. Und das wird als die „Arbeit der Völker“ bezeichnet. Und die Arbeit von Israel besteht im Aspekt des Glaubens, worin die Erkenntnis eingeschlossen ist, und das wird als der „Körper des Königs“ bezeichnet, also der Glaube und die Erkenntnis.

Abraham wird „der Vater des Glaubens“ genannt, gemeint sind Chassadim. Dann wird er wissen, dass jeder, der sich dem Schöpfer nähern möchte, zunächst den Aspekt der „Rechten“ erlangen muss, also den Glauben.

Doch der Glaube widerspricht der Erkenntnis. Wie können sie den Aspekt der Erkenntnis heranziehen, wenn sie keine Kelim (Gefäße) dazu haben? Und darum sagte Er ihm, dass „deine Nachkommen Fremdlinge sein werden in einem Lande, das nicht das ihre ist“, was die Bedeutung ist von „sie mischten sich unter die Nationen und lernten von ihren Handlungen“. Das heißt, dass sie unter der Herrschaft der Nationen standen, dass auch sie sich unter ihrer Herrschaft befanden und GaR de Chochma heranziehen würden.

Und darum geht es beim ägyptischen Exil, dass auch Israel GaR de Chochma heranzogen: Und darin besteht ihr Exil, dass [dabei] die Finsternis herangezogen wurde.

Der Auszug aus Ägypten fand mittels der Erstgeborenenplage statt, wobei mit den „Erstgeborenen“ GaR de Chochma gemeint ist, dass der Schöpfer die Erstgeborenen von Ägypten schlug, was das Pessachblut und das Beschneidungsblut darstellt. Und das ist es, was im Sohar geschrieben steht: „Zur Stunde, als der Schöpfer die Erstgeborenen von Ägypten tötete [...] zu der Stunde trat Israel in den Bund des heiligen Buchstabens ein, als sie sich beschnitten und in der Versammlung Israels vereinigten.“[1]

Die Linke Linie wird als „Vorhaut“ bezeichnet, da sie die Lichter blockiert. Als Er daher die Erstgeborenen tötete, also GaR annullierte, wurde Israel unten beschnitten, das heißt, sie schnitten ihre Vorhaut ab. Dies wird als Dinim de Dchura (männliche Urteile) bezeichnet, welche die Lichter blockieren. So werden mittels einer Beschneidung mithilfe eines Beschneidungsmessers, das Eisen darstellt, genannt Dinim de Nukwa (weibliche Urteile), die Dinim de Dechura aufgehoben, und dann breiten sich WaK de Chochma zu ihnen aus. 

Das bedeutet, dass man zu Beginn gezwungen ist, Vollkommenheit heranzuziehen, also GaR de Chochma. Es ist unmöglich, eine halbe Stufe heranzuziehen; und das muss einzig mittels der Ägypter geschehen, und dies wird als Exil bezeichnet, zu der Zeit, wo auch die Juden unbedingt unter ihrer Herrschaft stehen müssen. Und später befreien sie sich aus ihrer Herrschaft durch den Auszug aus Ägypten, also durch die Korrektur des Massach de Chirik, das heißt, dass die Ägypter selbst schrieen: „Macht euch auf und zieht weg!“

Und das bedeutet: „Ich [selbst] und kein Bote.“ „Ich“, also Malchut, welche das Schloss (Manula) ist, das GaR aufhebt. Dadurch kommt es zum Einschluss der Linken in der Rechten und der Rechten in der Linken.

Und das ist die Bedeutung von: „Wer eine Frau heiligen möchte“, also Chochma, genannt „die Linke“, „wird einen [der Tora] ungelehrten Menschen mitbringen“, weil er in der Rechten ist, was Glauben ist. Jedoch will er die Erkenntnis. Er kann also gerade mithilfe des [der Tora] ungelehrten Menschen Chochma heranziehen, da er Reue hat, aber nicht für den Glauben, sondern für die Erkenntnis.

„Da stand ich auf, um meinem Geliebten zu öffnen; meine Hände troffen von Myrrhe und meine Finger von fließender Myrrhe am Griff des Riegels.“[2] „Myrrhe“ heißt: „Und dein Lehrer wird sich nicht mehr verbergen, sondern deine Augen werden deinen Lehrer sehen.“ „Und meine Hände“ bedeuten Erkenntnis, wobei die Finger „Sehen“ bedeutet, wie in: „Jeder Einzelne zeigt mit seinem Finger und sagt: ‚Siehe, das ist unser Gott.‘“ „Am Riegel“ bezieht sich auf das Schloss. 



[1] Sohar, Abschnitt Emor, 43

[2] wörtlich: „des Schlosses“

 

Shamati 182. Moses und Salomon

Ich hörte am 10. Mai 1951

Moshe (Moses) und Shlomo (Salomon) stellen den Aspekt von Panim (Vorderseite, Angesicht) und Achoraim (Hinter- oder Rückseite) dar. Über Moses steht geschrieben: „Und du siehst meine Rückseite.“[1] Salomon dagegen ist der Aspekt der Vorderseite (des Angesichts). Und nur Salomon nutzte die Achoraim von Moses. Das ist der verborgene Sinn dessen, dass „Shlomo“ [שְׁלֹמֹה] aus den Buchstaben von „für Moshe“, LeMoshe [לְמשֶׁה], besteht.



[1] 2. Buch Mose 33, 23

 

Shamati 180. Im Sohar, Abschnitt Emor

Ich hörte am 2. Zwischentag von Pessach, am 23. April 1951, in Tel Aviv

Im Sohar, Abschnitt Emor, steht: „Ich schlafe, doch mein Herz ist wach. Die Versammlung Israels sagte: ‚Ich schlafe im ägyptischen Exil, wo meine Söhne sich in schwerer Versklavung befanden, und mein Herz ist wach, um auf sie Acht zu geben, damit sie nicht im Exil dahinscheiden.‘ ‚Mein Geliebter klopft an‘, das ist der Schöpfer, der sagte: ‚Ich werde meines Bundes gedenken‘“.

Man muss die Bedeutung des Schlafes verstehen. Als Israel in Ägypten war, war es unter ihrer Herrschaft und zog ebenfalls den Aspekt von GaR de Chochma heran. Und da Chochma ohne Chassadim nicht leuchtet, heißt dies Schlaf. Und das wird „schwere ägyptische Versklavung“ genannt, also in schwerer Arbeit, genannt Dinim de Dchura.

Und „mancherlei Frondienst auf dem Felde“wird als Dinim de Nukwa betrachtet.

Und mein Herz ist wach, das heißt, obwohl [die Versammlung Israels] in Hinsicht der Linken Linie schläft, wobei dann Malchut als „Zwei große Leuchten“ bezeichnet wird, wird Malchut als „vierter Fuß“ bezeichnet. Sie gilt als Tiferet, welche über dem Chase ist. „Und mein Herz ist wach“, denn dort befindet sich bereits der Punkt von Manula (Türschloss), der dazu führt, dass die Mittlere Linie den Ausschlag gibt, damit [Malchut] zum Punkt des Aspektes Panim zurückkehrt, wodurch sie im Exil nicht dahinscheiden.

Und das ist die Bedeutung von: „Öffnet mir einen Spalt so groß wie ein Nadelöhr“, das heißt, Seir Anpin sagt zu Malchut, dass sie Chochma heranziehen soll. Und obwohl Chochma nicht ohne Chassadim leuchten kann, weswegen sie nur „Nadelöhr“ genannt wird, „und ich werde dir höhere Tore öffnen“, also danach wird er ihr Chassadim geben, und dadurch wird er an sie das volle Maß der herangezogenen Fülle weiterleiten. Wenn sie aber nicht Chochma heranzieht, das heißt hinsichtlich der Tatsache, dass kein Heranziehen von Chochma stattfindet, sondern Chessed, wird sie „Öffne mir, Schwester“ genanntalso hinsichtlich Chochma wird Malchut „Schwester“ genannt.

 

 

Shamati 181. Ehre

Ich hörte am 25. Nissan, dem 1. Mai 1951


Ehre ist etwas, das den Körper bremst, und auf diese Weise schädigt sie die Seele. Folglich war es für alle Gerechten, die berühmt und geachtet wurden, eine Strafe. Aber die großen Gerechten – wenn der Schöpfer nicht will, dass sie durch ihre Berühmtheit als Gerechte Verlust erleiden, so beschützt Er sie davor, geehrt zu werden, damit ihre Seelen keinen Schaden erleiden.

Deshalb, in dem Maß in dem sie einerseits geehrt werden, stehen ihnen andererseits Widersacher gegenüber, welche diese Gerechten mit allen Arten von Herabwürdigungen verleumden. Um der Ehre, die einem Gerechten gegeben wurde, ein gleichwertiges Gegengewicht zu geben, gibt die Gegenseite genau im gleichen Maße Herabwürdigung.

 

Shamati 183: Der Aspekt von Messias (Maschiach)

Ich hörte

Es gibt den Aspekt von Mashiach ben Josef (Messias, der Sohn von Josef) und den von Mashiach ben David (Messias, der Sohn Davids) und beide müssen sich vereinen. Dann wird es in ihnen die wahre Vollkommenheit geben.

 

Shamati 182: Moses und Salomon

 

       

Ich hörte am 10. Mai 1951

Moshe (Moses) und Shlomo (Salomon) stellen den Aspekt von Panim (Vorderseite, Angesicht) und Achoraim (Hinter- oder Rückseite) dar. Über Moses steht geschrieben: „Und du siehst meine Rückseite.“[1] Salomon dagegen ist der Aspekt der Vorderseite (des Angesichts). Und nur Salomon nutzte die Achoraim von Moses. Das ist der verborgene Sinn dessen, dass „Shlomo“ [שְׁלֹמֹה] aus den Buchstaben von „für Moshe“, LeMoshe [לְמשֶׁה], besteht.




[1] 2. Buch Mose 33, 23



 

Shamati 184. Der Unterschied zwischen dem Glauben und dem Verstand

Ich hörte am 14. Februar 1949

Der Unterschied zwischen Glaube und Verstand. Der Glaube hat den Vorzug, dass er einen größeren Einfluss auf den Körper hat als der Verstand, weil er dem Körper nähersteht. Der Glaube stellt den Aspekt von Malchut dar, und der Körper hat einen Bezug zu Malchut, weshalb der Glaube ihn beeinflusst.

Der Verstand dagegen, der sich auf die Oberen Neun (Sefirot) bezieht, kann den Körper nicht richtig beeinflussen. Doch damit einher hat der Verstand den Vorzug, dass er als spirituell definiert wird, verglichen mit dem Glauben, der sich auf den Körper bezieht.

Und im Spirituellen gilt die Regel, dass es „keine Abwesenheit in der Spiritualität gibt“, sowie: „Jede Münze sammelt sich zu einem großen Betrag an.“ Der Glaube dagegen wird als Körperlichkeit definiert, die als Trennung erachtet wirdDenn es gibt keinerlei Anhäufung im Materiellen. Sondern was vergangen ist, ist nicht da. Das heißt, was in der Vergangenheit war, schließt sich nicht der Gegenwart und der Zukunft an.

Obwohl den Menschen  der Glauben an etwas zum Zeitpunkt der Handlung hundertprozentig mehr beeinflusst als der Verstand, so wirkt jener deshalb jedoch nur eine Zeitlang. Der Verstand dagegen wirkt zwar nur zu einem Prozent, doch dieses eine Prozent bleibt beständig und bestehen. Deswegen wird er nach einhundert Malen dem Maß hinzugefügt, welches der Glauben in einem einzigen Mal hätte beeinflussen können. Wenn er einhundert Mal im Aspekt des Glaubens arbeitet, wird er im gleichen Zustand verbleiben. Mit dem Verstand dagegen wird das Resultat dauernd bei ihm verbleiben.

Es ist so, wie wenn wir etwas mit dem Verstand studieren. Obwohl man vergisst, verbleiben die Aufzeichnungen im Verstand. Je mehr Wissen man anhäuft, dementsprechend ist auch die Entwicklung des Verstands. In materiellen Dingen dagegen, die sich über Ort und Zeit hinziehen, wo der Osten niemals zum Westen kommen wird, wird auch niemals die vergangene Stunde zur jetzigen hinzukommen. Doch im Spirituellen kann alles zur gleichen Zeit stattfinden.

 

Shamati 185. Auf dem Ungelehrten ruht die Ehrfurcht vor dem Shabbat

Ich hörte

Die Weisen sagten: „Auf dem Ungelehrten ruht die Ehrfurcht vor dem Shabbat.“ Der weise Schüler gilt als Shabbat, und der Shabbat wird als Gmar Tikun (Endkorrektur) erachtet. Wie in Gmar Tikun die Kelim bereits korrigiert und geeignet sein werden, um das Höhere Licht zu empfangen und zu bekleiden, so gilt somit auch der Shabbat als Gmar (Abschluss/Ende), was bedeutet, das Höhere Licht kann in den Unteren erscheinen und sich einkleiden, doch gilt das nur als Erweckung von Oben.

 

Shamati 186. Mache aus deinem Shabbat einen Werktag und bedürfe der Geschöpfe nicht mehr

Ich hörte

Am Shabbat ist es verboten, Arbeit zu verrichten, womit die Erweckung von unten gemeint istUnd ein weiser Schüleralso ein Schüler, der würdig wurde, der Schüler des Schöpfers zu werden, der „Weiser“ genannt wird, gilt auch als eine Erweckung von Oben, indem er die Geheimnisse der Tora enthüllt.

Wenn daher eine Erweckung von Oben kommt, wird auch das als Shabbat bezeichnet. Zu dieser Zeit fürchtet sich der Ungelehrte, womit der Körper gemeint ist. Er fürchtet sich und dann gibt es sowieso keinen Platz für die Arbeit.

 

Shamati 187. Im Bemühen überwiegen

Ich hörte

 Das Konzept des unteren Hej in Ejnaim (Augen) bedeutet, dass es auf den Augen einen Massach (Schirm) und eine Bedeckung gab, wobei Augen die Vorsehung bedeutet, wenn also der Mensch die verborgene Lenkung sieht.

Eine Prüfung heißt, dass ein Mensch nicht nach Belieben entscheiden kann; wenn er nicht in der Lage ist, weder den Wunsch des Schöpfers noch die Absicht seines Lehrers zu bestimmen. Obwohl er hingebungsvoll arbeiten kann, liegt es doch nicht in seiner Hand, abzuwägen, ob diese [konkrete] Arbeit der Hingabe hier angebracht ist oder nicht, dass als diese schwere Arbeit hier entgegen der Meinung seines Lehrers und der des Schöpfers sein würde.

Um dieses zu bestimmen, wählt er das, was seine Bemühungen vermehren kann was bedeutet, er muss entsprechend seinem Lehrer handeln. Dem Menschen ist nur die Bemühung auferlegt und nichts anderes. Daher gibt es keinen Platz für Zweifel in seinen Gedanken, Worten und Handlungen. Er sollte stattdessen immer seine Bemühungen mehren.

 

Shamati 188. Die ganze Arbeit ist nur da, wo es zwei Wege gibt

Ich hörte nach dem Shabbat, am  25. Januar 1948 

Alle Arbeit ist nur da, wo es zwei Wege gibt, wie wir [in der Schrift] fanden: „Und er soll in ihnen [den Geboten] leben und nicht in ihnen sterben.“ Und die Bedeutung von „soll getötet werden, aber [die Gebote] nicht übertreten“ wendet man üblicherweise nur bei drei Geboten an. Gleichzeitig fanden wir, dass die ersten Chassidim sich für positive Gebote aufopferten.

Doch in Wahrheit ist das die ganze Arbeit. Während der Mensch die Tora bewahren muss, empfindet er dies als eine Zeit der schweren Bürde. Und während die Tora den Menschen behütet, ist es überhaupt nicht schwer, denn „die Seele des Menschen wird ihn lehren.“ Und das heißt, die Tora behütet den Menschen.

 

Shamati 189. Die Handlung beeinflußt den Gedanken

Ich hörte am 27. Tishrei

Verstehe den Grund für den Scharfsinn, die Begeisterung und die Schlauheit, wenn alle Organe in voller Geschwindigkeit koordiniert zusammenarbeiten, während jemand an materielle Besitztümer denkt. Aber was die Seele und deren Bedürfnisse betrifft, so arbeiten der Körper des Menschen und alle seine Sinnesorgane schwermütig.

Die Sache ist die, dass der Verstand und die Gedanken des Menschen ausschließlich Abdrücke der Handlungen des Menschen sind, die wie bei einem Spiegel gespiegelt werden. Wenn die meisten Handlungen des Menschen materielle Bedürfnisse betreffen, dann wird dies daher im Spiegel des Verstands reflektiert. Dies bedeutet, die Bedürfnisse wurden im Verstand wahrgenommen, und dann kann man den Verstand einsetzen für was auch immer man sich wünscht, da der Verstand seine Lebenskraft durch materielle Dinge erhält. Daher dient der Verstand dem Ort, von dem er seine Lebenskraft empfängt.

Und hinsichtlich der Bedürfnisse der Seele gibt es nicht genügend Reshimot (Aufzeichnungen/Erinnerungen) im Verstand, die ihm für das Empfangen von Lebenskraft ausreichen und um beeindruckt zu werden. Deshalb ist der Verstand nicht bereit, den Bedürfnissen der Seele zu dienen.

Aus diesem Grund sollte der Mensch sich überwinden und viele Handlungen unternehmen, bis diese im Verstand Eindrücke hinterlassen haben. Und dann vermehrt sich das Wissen auf jeden Fall und der Verstand wird ihm mit Scharfsinn und Geschwindigkeit dienen, auf noch größere Weise als für die materiellen Bedürfnisse, da der Verstand eine Kleidung ist, die der Seele nah ist. 

 

Shamati 190. Jede Handlung hinterlässt einen Eindruck

Ich hörte bei einer Mahlzeit am 1. Tag von Pessach, am 15. April 1949

Er [Baal Sulam] fragte, ob die Erlösung unseres Landes von den Unterdrückern Einfluss auf uns habe. Wir sind mit der Befreiung von der Last der Völker belohnt und sind wie alle Völker geworden, wo der eine nicht Sklave des anderen ist. Wirkt diese Freiheit auf uns, sodass wir ein Gefühl für die Arbeit für den Schöpfer haben?

Und er sagte, wir sollten nicht denken, dass dies keinen Einfluss auf uns hätte, dass also keine Veränderung von der Sklaverei zur Freiheit erkennbar wäre. Dies ist unmöglich, da der Schöpfer nicht umsonst handelt. Vielmehr wirkt all Sein Handeln sowohl im Guten wie auch im Schlechten auf uns ein. Dies bedeutet, von jeder Seiner Handlungen, seien sie positiv oder negativ, also Licht oder Dunkelheit, wird zusätzliche Kraft auf uns ausgedehnt. Auch können wir von dieser Handlung zu einem Aufstieg gelangen, da es in der Spiritualität nicht immer Erlaubnis und Kraft gibt und wir unter dieser Kraft weitermachen müssen.

Daher kann der Mensch nicht sagen, dass die von uns erlangte Freiheit keine Veränderung in uns bewirkt hätte. Verspüren wir jedoch keine Veränderung zum Guten, dann müssen wir sagen, dass hier eine Veränderung zum Schlechten stattgefunden hat, auch wenn wir es nicht fühlen.

Und nach dem Feiertag, nach der Hawdala (Ende des Feiertagsegnens) erklärte er dies. Es ist wie bei einer Mahlzeit am Shabbat oder an einem Feiertag, wo man mithilfe der körperlichen Genüsse – auf dem Wege der Wurzeln und Zweige – die spirituellen Genüsse erweckt, was eine Art „nächste Welt“ ist. Und um einen Geschmack der nächsten Welt verspüren zu können, bedarf es in der Tat großer Vorbereitungen während der sechs Werktage. So wird entsprechend dem Maß seiner Vorbereitung eben auch seine Wahrnehmung davon sein. [Wenn man versucht,] ohne richtige Vorbereitung den spirituellen Geschmack des Shabbat anzuziehen, geschieht das Gegenteil: Durch die weltlichen Freuden wird der Mensch schlimmer. Denn nach einer weltlichen Mahlzeit wird man nur vom Schlaf angezogen und von nichts anderem, denn nach dem Essen kommt der Schlaf. So hat ihn sein Essen noch weiter nach unten gebracht.

Hingegen wird zusätzliche Anstrengung benötigt, um durch die weltlichen Genüsse zur Spiritualität zu gelangen, da dies der Wille des Königs war. Obwohl sie im Gegensatz zueinander stehen, da die Spiritualität sich unter der Linie des Gebens und das Weltliche sich unter dem Empfangen befindet, und dies der Wille des Königs war, wird die Spiritualität von den weltlichen Genüssen angezogen, die unter Seine Mizwotgestellt sind, was die Freuden des Shabbat und des Feiertags sind.

Ebenso müssen wir sehen, dass wir auch bei dieser Freiheit, die wir erlangten, große Vorbereitung und Ausrichtung benötigen, um die spirituelle Freiheit heranzuziehen, die „Freiheit vom Engel des Todes“ genannt wird. Dann würden wir „die ganze Erde ist Seines Ruhmes voll“ erlangen, genannt Mochin de AwI. Dies bedeutet, wir würden keine Zeit und keinen Ort sehen, wo der Schöpfer nicht eingekleidet wäre, damit wir nicht sagen können, dass Er zu dieser Zeit oder an diesem Ort sich nicht einkleiden könne, sondern: „Die ganze Welt ist voll Seines Ruhmes.“

Und zuvor gibt es einen Unterschied „zwischen Licht und Dunkelheit und zwischen Israel und den Völkern“: An einem lichtvollen Ort ist der Schöpfer anwesend, was an einem Platz der Dunkelheit nicht so ist.

Auch bei Israel gibt es einen Ort, wo das göttliche Licht Israels sein kann. Nicht so ist es bei den Völkern der Welt, wo der Schöpfer sich nicht in sie einkleidet. „Und zwischen dem siebenten Tag und den sechs Werktagen.“ Wenn wir jedoch Mochin de AwI erlangen, werden wir „die ganze Welt ist Seines Ruhmes voll“ gewürdigt. Zu dieser Zeit gibt es keinen Unterschied zwischen den Zeiten, und so ist Sein Licht an allen Orten und zu allen Zeiten gegenwärtig.

Und dies ist die Bedeutung von Pessach, als Israel die Freiheit erlangte, was Mochin de AwI ist, was als „die ganze Welt ist Seines Ruhmes voll“ angesehen wird. Und natürlich gibt es keinen Platz für den Bösen Trieb, da er [jemanden] nicht durch seine Handlungen von der Arbeit des Schöpfers fernhält. Im Gegenteil, wir sehen, wie er den Menschen Seiner Arbeit nähergebracht hat, obwohl es nur durch das Erwecken von Oben war.

Deshalb sagten sie, die heilige Shechina (göttliche Gegenwart) sprach: „Den Tropfen einer roten Rose sah ich.“ Dies bedeutet, er sah, dass es einen Ort gibt, der noch der Korrektur bedarf, dass Er daher an diesem Ort nicht scheinen konnte. Deshalb mussten sie die sieben Wochen des Omerzählens durchführen, um diese Stellen zu korrigieren, damit er sieht, dass „die ganze Welt Seines Ruhmes voll ist“.

Es ist ähnlich einem König, der einen mit kostbaren Gütern gefüllten Turm, aber keine Gäste hat. Deshalb erschuf Er die Menschen, damit sie all seine Fülle empfangen könnten. Jedoch sehen wir nicht den mit all den Gütern angefüllten Turm, sondern das Gegenteil: Die ganze Welt ist voller Leid. Und die Ausrede ist, dass „königlicher Wein im Überfluss“ ist, dass seitens Malchut keinerlei Mangel nach dem Wein besteht, das heißt nach den dem Wein vergleichbaren Genüssen. Vielmehr existiert der Mangel nur aufseiten der Gefäße, dass wir nicht die geeigneten Gefäße haben, um die Fülle zu empfangen, da wir nur in den Gefäßen des Gebens empfangen können.

Der Größe der Gefäße entsprechend ist die Größe der Fülle. Daher sind alle Veränderungen nur in den Gefäßen und nicht in den Lichtern. Dies sagt uns der Text: „Gefäße – Gefäße, die sich voneinander unterscheiden – und königlicher Wein im Überfluss“, so wie es im Schöpfungsgedanken war: den Geschöpfen Gutes zu tun, Seinem Können entsprechend.

 

Shamati 191. Die Zeit des Abstiegs

Ich hörte am 14. Juni 1938

Es ist schwer, den Zustand während eines Abstiegs zu beschreiben, wenn dem Menschen all sein Dienst und alle seine Anstrengungen, die er vom Beginn des Dienstes bis zum Abstieg ständig investiert hat, verlorengehen. Jenem, der noch nie den Geschmack am Dienst für den Schöpfer empfunden hat, scheint es, als wäre diese Sache ihm fremd. Das heißt, dies geschieht also jenen, die sich auf Hohen Stufen befinden, nicht aber den einfachen Leuten, die keinerlei Zugehörigkeit zum Dienst des Schöpfers empfinden, sondern nur dem körperlichen Verlangen zu empfangen nachlaufen, das dem Fluss der Welt innewohnt, der die ganze Welt mit diesem Verlangen überschwemmt.

Wir müssen jedoch verstehen, warum sie zu solch einem Zustand gelangten. Denn schließlich gibt es im Schöpfer von Himmel und Erde keine Veränderung, ob der Mensch einwilligt oder nicht; Er handelt im Aspekt von „gut und Gutes tuend“. Und was ist dann das Ergebnis dieses Zustands? Wir sollten sagen, dass dies geschieht, um Seine Größe zu verkünden. Man darf sich darüber nicht ärgern. Vielmehr sollte man aus Ehrfurcht vor der Erhabenheit handeln, um sowohl den Wert als auch die Entfernung zu kennen, die es zwischen ihm und dem Schöpfer gibt. Es ist schwer, dies mit einem oberflächlichen Verstand zu verstehen bzw. eine Möglichkeit der Verbindung und Vereinigung zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung zu haben. 

Während des Abstiegs spürt er jedoch, dass es ihm nicht möglich ist, eine Verbindung und Zugehörigkeit zum Schöpfer im Aspekt von Dwekut (Anhaftung) zu haben, denn er empfindet den Dienst als eine Sache, die der ganzen Welt fremd ist.

Und in Wahrheit ist es tatsächlich so. Doch: „Wo man Seine Größe findet, dort findet man auch Seine Bescheidenheit.“ Das bedeutet, dass es eine übernatürliche Sache ist, ein Geschenk, das der Schöpfer den Geschöpfen machte, um ihnen zu ermöglichen, mit Ihm verbunden zu sein und Ihm anzuhaften.  

Wenn der Mensch wieder eine Verbindung zum Schöpfer erreicht, muss er sich stets an die Zeit seines Abstiegs erinnern, um die Zeit der Dwekut zu kennen, sie zu verstehen und zu schätzen, damit er weiß, dass er nun eine Rettung hat, über den natürlichen Weg hinaus.

 

Shamati 192. Die Lose

Ich hörte im Jahr 1949 in Tel-Aviv

Die Lose bedeuten, dass zwei [Sachen] gleichwertig sind und man nicht mit dem Verstande klären kann, welche der beiden wichtiger ist. Daher benötigt man das Los. Im Sohar, Abschnitt Emor, wird gefragt: „Wie können ein Ziegenbock für den Schöpfer und ein Ziegenbock für Asasel gleichwertig sein?“

Und die Sache ist die, dass der Ziegenbock für den Schöpfer der Aspekt der „Rechten“ ist, und der Ziegenbock für Asasel ist der Aspekt der „Linken“, wo es GaR de Chochma gibt.

Darüber wird gesagt: „Erlangten sie [es] – gut; erlangten sie [es] nicht – schlecht.“ Dies bedeutet, Malchut offenbarte sich mit der Eigenschaft von Din (Urteil), was als Manula (Türschloss) und als eine Blockierung auf den Lichtern betrachtet wird. Und Manula ist auf der Stelle von Chase in jedem Parzuf, daher kann Chochma bis zur Stelle von Manula leuchten, hört aber an der Stelle von Chase auf, da jede Einschränkung nur von Chase selbst hinunter, aber nicht hinauf wirksam wird.

Und der Ziegenbock für den Schöpfer wird in die Linke des Ziegenbocks für Asasel eingeschlossen, das heißt in die Eigenschaft Chochma. Es ist jedoch nicht wie die Linke von Asasel, wo es von Oben nach unten ist. Folglich hört das Licht auf, da Manula wirksam wird. Allerdings nur von unten nach Oben, weil dann Manula verborgen ist und Miftacha (Schlüssel) enthüllt wird. Daraus folgt, dass Chochma betreffend der Ziegenbock für Asasel Chochma von GaR hat, während der Ziegenbock für den Schöpfer als WaK angesehen wird. WaK jedoch können leuchten. GaR hingegen muss gestoppt werden, und daher [wird] ein Bock für Asasel [geschickt], damit Satan (der Teufel) sich nicht beklage.

Und er beklagt sich nur, weil sein einziger Wunsch darin besteht, Chochma weiter heranzuziehen, die zu Bchina Dalet gehört, denn keine andere Stufe vervollständigt ihn, da seine Quelle Bchina Dalet ist.

Wenn er daher nicht auf seiner Stufe bekommt, ist er nicht vollständig. Daher verlockt er den Menschen stets, dass er [Licht] in Bchina Dalet hineinziehen möge. Und wenn dieser nicht willens ist, dann wendet er alle möglichen Kniffe an, dass der Mensch gezwungen sei, [Licht] heranzuziehen. Wenn man ihm daher einen Teil von Chochma gibt, dann beklagt er sich nicht über Israel, da er fürchtet, die Fülle, die er bereits hat, würde beendet werden.

Wenn er jedoch GaR de Chochma weiter heranzieht, dann zieht Israel WaK de Chochma an. Dieses Licht von Chochma wird das Licht der Vergebung genannt, durch das man die Reue aus Liebe erlangt und die Vergehen zu Verdiensten werden. Dies ist die Bedeutung des Ziegenbocks für Asasel, der die Sünden der Söhne Israels auf sich lud, was bedeutet, dass alle Vergehen Israels jetzt zu Verdiensten wurden.

Es gibt eine Parabel, wo im Sohar von einem Narren eines Königs erzählt wird. Wenn man ihm Wein gibt und ihm alles erzählt, was er getan hat, sogar die schlechten Taten, die er begangen hat, so sagt er über diese Taten, dass es gute Taten seien und dass es in der ganzen Welt niemanden gebe, der ihm gleiche. Mit anderen Worten: Der Teufel wird „der Narr“ genannt. Wenn man ihm Wein gibt, also Chochma (Weisheit), und er sie anzieht, ist sie das Licht der Vergebung, und so werden alle Vergehen zu Verdiensten.

Daraus folgt, dass er über alle schlechten Taten sagt, es seien gute, da aus den Vergehen Verdienste geworden sind. Und da der Teufel seinen Anteil zu bekommen wünscht, beklagt er sich nicht über Israel. Dies ist die Bedeutung der Klagen, die es in Ägypten gab, als er fragte: „Worin unterscheiden sich jene von jenen? Entweder Israel stirbt wie die Ägypter oder Israel kehrt nach Ägypten zurück.“ Die Sache ist die, dass Ägypten die Quelle des Heranziehens von Chochma ist, aber dort ist Chochma im Aspekt von GaR, und als Israel in Ägypten war, befand es sich unter ihrer Herrschaft.

 

Shamati 193. Eine Wand dient beiden

Ich hörte am 19. März 1944 in Jerusalem

Bei den Achoraim (Rückseite) geht es hauptsächlich um die Abwesenheit des Lichtes der Weisheit, Or Chochma, welches das Wesen der Lebenskraft ist, das „Or Yashar (Direktes Licht) genannt wird. Und dieses Licht wurde eingeschränkt, damit es nicht zur Ungleichheit der Form kommen möge. Daher haben SoN keine GaR, solange sie nicht korrigiert sind, damit Sitra Achra nicht von ihnen saugen.

Da es jedoch einen Mangel an GaR gibt, besteht die Befürchtung, dass die Äußeren sich festhalten könnten. Denn sie erfreuen sich an jedem Ort, wo es in der Kedusha einen Mangel gibt, da sie kommen und die Frage stellen: „Wo ist Seine Ehre?“ Und es ist unrealistisch, diese Frage zu beantworten, bevor es Chochma (Weisheit) gibt. Daher gibt es eine Korrektur für SoN: Sie steigen auf und werden in Bina integriert, die als Chafez Chessed (erfreut sich in Gnade) gilt und Chochma zurückstößt, während es in Bina selbst keinen Bedarf an Chochma gibt, da sie selbst im Grunde Chochma ist.

Und das heißt, dass sie in allem der Ansicht ihres Rav folgen, dass ihre gesamte Grundlage ihre Wurzel ist, was die Ansicht des Rav ist. Und dort ist die Frage „Wo ist Seine Ehre?“ nicht von Belang. Und sie befinden sich in Bina, bis sie durch das Erheben von MaN von Anstrengungen und Mühen korrigiert werden, bis sie vom Empfangen für sich selbst gereinigt werden. Dann sind sie für den Empfang von Chochma geeignet, und erst dann dürfen sie ihre eigene Unterscheidung enthüllen – dass sie einen Mangel haben, weil sie kein Chochma besitzen – und die Antwort akzeptieren, Or Chochma auszubreiten, damit es in ihnen in der Art des Leuchtens von Chochma scheinen möge. In diesem Zustand sind sie in ihrer eigenen Herrschaft und unterstehen nicht mehr der Herrschaft von Bina. Denn sie haben das Or Chochma. Und das Licht klärt und vertreibt die Äußeren. Und vielleicht ist dies die Bedeutung von „Wisse, was Du einem Genusssüchtigen antworten sollst“.

Dies wird „eine Wand“ genannt, also die Achoraim von Bina, welche für beide genug ist und einen Schutz vor Sitra Achra bietet. Mit anderen Worten: Wenn der Mensch auf die Ansicht seines Rav vertraut, indem er eins mit seinem Rav ist, bedeutet dies, dass die gleiche Wand, die sein Rav hat, also die Eigenschaft von Chafez Chessed (erfreut sich in Gnade), auch für ihn ausreicht. Doch danach, wenn er das Leuchten von Chochma heranzieht und sich unter seiner eigenen Herrschaft befindet, indem er alle Fragen der Sitra Achra beantworten kann, sind sie jedoch voneinander getrennt.

 

Shamati 194. Die vollständigen Sieben

Abgeschrieben von den Schriften meines Vaters, Herrn, Lehrer und Meister

In der Angelegenheit der vollständigen Sieben der Heiligung des Neumondes ist es Brauch, auf die vollen Sieben und auch auf den Ausgang des Shabbat zu warten. Es ist nicht wie bei dem Brauch, dass man den Mond heiligt, wenn der Ausgang des Shabbat in die Mitte der sieben Tage fällt, oder wenn die sieben Tage von Zeit zu Zeit vervollständigt wurden, man nicht auf den Ausgang des heiligen Shabbat wartet. Dies ist nicht so, da man die vollständigen Sieben abwarten muss und besonders am Ausgang des heiligen Shabbat.

Es ist so, dass der Mond als Malchut erachtet wird, genannt „der Siebente“, was „Er ist in mir“ ist. Dies bedeutet, wenn sich der Shabbat von den sechs Tagen der Handlung füllt, „Er“ genannt, sagt der Shabbat: „In mir ist Er.“ Und „Er“ ist die Sonne, und „mir“ ist der Mond, der von der Sonne all sein Licht erhält – und nichts Eigenes hat.

Jedoch gibt es zwei Bchinot (Unterscheidungen) in ihr, welche „Shabbat“ und „Monat“ genannt werden. Denn Malchut selbst gilt als die vier bekannten Unterscheidungen CHuB und TuM, wobei die drei ersten Bchinot (Chochma, Bina und Tiferet) Shabbat sind. Diese sind die drei Mahlzeiten, die in der heiligen Tora im dreimaligen „heute“ genannt und einbezogen werden. Tatsächlich ist Bchina Dalet in ihr der Ausgang des Shabbat oder des Monats und ist nicht enthalten im „heute“, da sie Nacht und nicht Tag ist.

Und man könnte fragen: Die erste Mahlzeit des heiligen Shabbats ist auch Nacht. Warum nennt die heilige Tora dies „heute“? Der Vorabend des Shabbats jedoch ist „Und es wird ein einziger Tag sein, er wird erkannt werden als des Schöpfers, nicht Tag und nicht Nacht; aber es geschieht: um die Abendzeit wird es Licht werden“.

Die Nacht am Ausgang des heiligen Shabbat jedoch ist noch Dunkelheit und nicht Licht. Daher wiesen uns unsere Weisen in der mündlichen Tora an, einen Tisch auch am Ausgang des heiligen Shabbat zu decken, um auch diese Dunkelheit und diese Nacht zu korrigieren, die noch ohne Korrektur geblieben sind. Dies wird Melawe Malka (die Königin begleiten) genannt, was eben den Luz-Knochen nährt und ergänzt, der Bchina Dalet ist, die, wie bereits beschrieben, nichts von den drei Mahlzeiten des Shabbat erhält. Jedoch wird diese Bchina Dalet allmählich durch „der Monat, der Tag“ ergänzt. Dies ist die Heiligung des Monats, wenn Israel die Zeiten heiligt, was jenen Rest von Israel bezeichnet, der nicht von der Mahlzeit des Shabbat genährt wird.

Daher wird selbst der Hohepriester unter seinen Brüdern, über dem es in der Kedusha keinen Höheren gibt, gewarnt, sich an keinem Toten aus seiner Verwandtschaft zu verunreinigen. Die Schrift warnt ihn: „[…] sondern nur an seinem Blutsfreunde, der ihm am nächsten verwandt ist, soll er sich verunreinigen.“ Aus allem Gesagten kann man verstehen, dass jede Höhere Kedusha von Shabbat kommt. Und da jener Luz-Knochen, was die Bchina Dalet meint, „sein Blutsfreund“ genannt, die Mahlzeit nicht vom Shabbat erhält, ist der Hohepriester nicht davor gefeit, davon verunreinigt zu werden.

Die Bedeutung der Korrektur in der Heiligung des Monats erstreckt sich vom Shabbat und seinem Leuchten aus. Dies ist die Bedeutung von „Moses war verwirrt bis der Schöpfer ihm eine Art Münze aus Feuer zeigte und zu ihm sagte: ‚Siehe dies und heilige es‘“. Dies bedeutet, dass Moses sehr verwirrt war, da er es nicht heiligen konnte, da die gesamte Kraft von Moses im Shabbat ist, da die Tora am Shabbat gegeben wurde.

Und deshalb konnte er für diesen Rest keine Korrektur finden in allen Lichtern der heiligen Tora, da dieser Rest nicht durch all dies genährt wird. Und daher war Moses verwirrt.

Und was tat der Schöpfer? Er nahm es und bildete darin eine Form innerhalb der Form, eine Art Münze aus Feuer, wo die auf der einen Seite eingeprägte Form nicht wie der Form auf der anderen Seite entspricht. Dies erinnert uns an unsere Weisen, die über die Münze von Abraham sagten, dass ein alter Mann und eine alte Frau auf der einen Seite waren, die Bchina Bet – die Eigenschaft der Gnade – darstellen, und ein junger Mann und eine Jungfrau auf der anderen Seite, die Bchina Dalet – die strenge Eigenschaft des Urteils – darstellen, entsprechend den Worten „und kein Mann kannte sie“.

Und diese zwei Formen wirken auf so eine Weise zusammen, dass in dem Augenblick, wo der Schöpfer durch die Arbeit der Gerechten eine Korrektur auf die Lichter des Shabbat erstrecken will, der Schöpfer den Gerechten die gleiche Form zeigt, die von den drei ersten Unterscheidungen von Malchut ausgebreitet wurde. Diese nennen wir Bchina Bet, welche die Gerechten mit den Lichtern des Shabbat heiligen können. Dies ist die Bedeutung von ... (Abbruch des Manuskriptes).

 

Shamati 197. Das Buch, Der Autor, Die Geschichte

Ich hörte im Jahr 1938


Das Buch, der Autor, die Geschichte. „Buch“ wird [der Zustand] vor der Schöpfung genannt.

„Autor“ ist der Besitzer des Buches. Der Autor ist die Vereinigung des Autors und des Buches, die zusammen die Form der Geschichte annehmen sollten, das heißt die Tora zusammen mit dem Geber der Tora.

 

Shamati 195: Sind sie würdig, werde Ich es beschleunigen

Ich hörte im Jahr 1938

„Sind sie würdig, dann werde Ich es beschleunigen“, damit ist der Weg der Tora gemeint; „sind sie nicht würdig, dann durch Leiden“, was der Weg der Entwicklung ist, der alles letztendlich zur vollkommenen Perfektion bringen wird. Und was den Weg der Tora angeht, so sind jedem gewöhnlichen Menschen Tugenden gegeben, mit denen er sich dafür geeignete Gefäße machen kann. Und die Gefäße entstehen durch die Ausbreitung des Lichtes und dessen Verschwinden.

Ein Kli (Gefäß) wird speziell der Wille zu empfangen genannt. Dies bedeutet, dass ihm etwas fehlt. Und „es gibt kein Licht ohne ein Kli“; das Licht muss in einem Kli aufgefangen werden, damit es sich dort halten kann.

Aber ein gewöhnlicher Mensch kann keine Verlangen nach erhabenen Dingen verspüren, denn es ist unmöglich, ein Bedürfnis zu haben, bevor es Erfüllung gibt, wie es geschrieben steht: „die Ausdehnung des Lichtes usw.“ Zum Beispiel ist ein Mensch, wenn er eintausend Pfund hat, reich und zufrieden. Wenn er später mehr verdient, bis zu fünftausend Pfund, und nachher Verluste macht, bis er nur noch zweitausend Pfund hat, dann fehlt ihm etwas und er hat einen Mangel. Nun hat er Kelim (Gefäße) für die dreitausend Pfund, denn er besaß sie ja bereits, das heißt, sie wurden zunichte gemacht.

Und dafür gibt es den Weg der Tora. Wenn man an den Weg der Tora gewöhnt ist, die Spärlichkeit des Erlangens zu bereuen, und er jedes Mal einige Erleuchtungen hat, die sich teilen, dann bewirken diese in ihm mehr Kummer und weitere Kelim.

Dies ist die Bedeutung davon, dass es jedem Kli an Licht mangelt. Es ist noch ungefüllt, weil das Licht fehlt. Somit wird jeder mangelhafte Ort ein Ort für den Glauben. Wäre es hingegen gefüllt, dann würde das Kli nicht existieren, dann gäbe es keinen Ort für den Glauben. 

 

Shamati 196. Ein Halt für die Äußeren

Ich hörte im Jahr 1938


Wir sollten wissen, dass sich die Klipot nur an einem Ort festhalten können, an dem ein Mangel besteht. Vor einem Ort aber, an dem es Vollkommenheit gibt, fliehen sie und können nichts berühren. Nun können wir das Thema des Zerbrechens verstehen, wobei an mehreren Stellen geschrieben steht, dass es die Absonderung des Or Chochma vom Or Chassadim ist. Das heißt, da ein Parssa (Spaltung) zwischen Azilut und BYA vorgenommen wurde, kann das Or Chochma nicht länger nach unten kommen. Nur das Or Chassadim, das zuvor Or Chochma enthielt, wurde nun vom Or Chochma getrennt und kam nach unten. So haben sie immer noch jene Kräfte, die sie vorher hatten, und dies heißt „Kedusha (Heiligkeit) in die Klipa (Schale, Hülle) senken“.

 

Shamati 199: Jeder Mann Israels

Ich hörte am 3. Tag von Chol HaMoed

Jeder Mann Israels besitzt einen inneren Punkt im Herzen. Dieser stellt den einfachen Glauben dar und stammt aus dem Erbe unserer Vorväter, die am Berge Sinai standen. Nur wird er [dieser Punkt] von vielen Klipot (Hüllen) verborgen, die vielerlei Arten von Einkleidungen in lo liShma darstellen. Und man muss all diese Klipot entfernen. Dann wird seine Grundlage „Glaube allein“ genannt werden, ohne jegliche Unterstützung und Hilfe von außen.

 

Shamati 197: Buch, Autor, Geschichte

 

 

Ich hörte im Jahr 1938


Buch, Autor, Geschichte.

Buch wird [der Zustand] vor der Schöpfung genannt.

Autor ist der Besitzer des Buches. Autor ist die Vereinigung zwischen dem Autor und dem Buch, die zusammen den Aspekt der Geschichte annehmen müssen, das heißt, die Tora und der Geber der Tora zusammen.

 

Shamati 198. Freiheit

Ich hörte im Jahr 1938

Ich hörte im Jahr 1938

 Charut (eingemeißelt) – lies nicht Charut (eingemeißelt), sondern Cherut (Freiheit)! Dies bedeutet, dass geschrieben steht: „Schreibe sie auf die Tafel deines Herzens.“[1] Denn schreiben ist mit Tinte, was der Aspekt der Dunkelheit ist. Und jedes Mal, wenn der Mensch schreibt, was bedeutet, dass er Entscheidungen darüber trifft, wie er sich verhalten soll, und dann auf seine Bösen Wege zurückkehrt, so geschieht dies, weil das Geschriebene gelöscht wurde. Und jedes Mal muss man so schreiben, dass es in der Form von Charut (eingemeißelt) ist, sodass es in sein Herz eingemeißelt ist, auf dass er es nicht löschen könne.

 

Und dann wird er augenblicklich des Aspektes Cherut (Freiheit) würdig, wobei das Maß, in welchem es in seinem Herzen geschrieben steht, das Kli für Cherut (Freiheit) ist. Gemäß dem Maß der Eingravierung, ist auch die Erlösung. Denn das Wesen des Kli ist die Leere, wie geschrieben steht: „[…] mein Herz ist ein leerer Raum in meiner Mitte.“[2] Und dann erlangt er die Freiheit vom Todesengel, da die Niedrigkeit SaM (Todesengel) selbst ist und er ihn im ganzen Ausmaß kennen und überwinden muss, bis der Schöpfer ihm hilft.



[1] Sprüche 3, 3

[2] Psalm 109, 22

 

Shamati 201. Spiritualität und Materialität

Ich hörte am ersten Tag von Chanukka, am 18. Dezember 1938

 

Warum sehen wir, dass es viele Menschen gibt, die viel Energie in materielle Arbeit stecken, sogar dort, wo Lebensgefahr besteht – im Spirituellen jedoch jeder Einzelne über seine Seele wacht und sie schön prüft? Und noch etwas: Auf der körperlichen Ebene arbeitet der Mensch, auch wenn man ihm als Gegenleistung für seine Arbeit keinen großen Lohn bezahlt. Im Spirituellen aber willigt der Mensch nur ein zu arbeiten, wenn er mit Sicherheit weiß, dass er eine gute Belohnung dafür erhält.

Es ist bekannt, dass der Körper keinerlei Wert hat, denn jedermann sieht, dass er, ohne Spuren zu hinterlassen, kommt und geht, und so ist es eben einfach, ihn aufzugeben, da er sowieso wertlos ist.

Im Spirituellen dagegen gibt es den Aspekt der Klipot (Hüllen), die den Körper bewachen und seine Existenz beschützen, weswegen es schwer ist, ihn aufzugeben. Daher sehen wir, dass es den Säkularen leichter fällt, ihre Körper aufzugeben, und sie keinerlei Schwere in ihrem Körper sehen; im Spirituellen gilt aber das Gegenteil. Und das ist die Rückseite (Achoraim) der Heiligkeit, die als „seelische Hingabe“ bezeichnet wird. Gerade durch sie wird man des Lichtes des Schöpfers würdig. Und bevor der Mensch hinsichtlich seiner seelischen Hingabe nicht vollkommen ist, kann er keine (spirituelle) Stufe erreichen.   

 

Shamati 199. Jeder Mann Israels

Ich hörte am 3. Tag von Chol HaMoed

Jeder Mann Israels besitzt einen inneren Punkt im Herzen. Dieser stellt den einfachen Glauben dar und stammt aus dem Erbe unserer Vorväter, die am Berge Sinai standen. Nur wird er [dieser Punkt] von vielen Klipot (Hüllen) verborgen, die vielerlei Arten von Einkleidungen in lo liShma darstellen. Und man muss all diese Klipot entfernen. Dann wird seine Grundlage „Glaube allein“ genannt werden, ohne jegliche Unterstützung und Hilfe von außen.

 

Shamati 200. Die Reinigung des Massach

Ich hörte in Tiberias am 1. Kislew, einem Shabbat

 

Die Reinigung (Hisdakchut) des Massach, die im Parzuf stattfindet, führt auch dazu, dass das Licht sich entfernt. Denn das Licht kann nach dem Zimzum (Einschränkung) nur im Kli des Massach wahrgenommen werden, welcher die zurückweisende Kraft darstellt. Und dies ist die Essenz des Klis.

Und wenn jenes Kli verschwindet, dann schwindet auch das Licht, das heißt, das Kli wird als Glauben über dem Verstand erachtet. Und dann tritt das Licht zutage.

Wenn das Licht zutage tritt, dann liegt es in seiner Natur, das Kli zu reinigen, also das Kli des Glaubens zu annullieren. Da es so ist, das heißt, weil es in ihm zu einer Form des Wissens wird, entfernt sich das Licht augenblicklich von ihm. Deswegen muss man darauf achten, dass man das Kli des Glaubens vergrößert, also den Massach über dem Wissen, und dann wird die Fülle nicht vor ihm Halt machen. 

Und das ist die Bedeutung davon, dass es jedem Kli an Licht mangelt, also dass es nicht vom Licht erfüllt ist, welches ihm fehlt. Es folgt, dass jeder Ort, an dem es ihm fehlt, zum Ort für den Glauben wird. Wäre es gefüllt, dann hätte kein Kli die Möglichkeit, ein Ort für den Glauben zu sein.   

 

Shamati 202. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen

Ich hörte

Die Verringerung des Lichtes ist seine Korrektur. Somit wird nichts ohne Anstrengungen erreicht. Und da es unmöglich ist, das Licht gänzlich in vollkommener Klarheit zu erreichen, lautet der Ratschlag, das Licht zu verringern. Auf diese Weise wird es möglich, dieses mit dem geringen Bemühen zu erlangen, das der Untere aufzubringen vermag.

Wenn zum Beispiel jemand ein großes Gebäude versetzen will, dann ist das natürlich unmöglich. Was tut er aber? Er zerlegt das Gebäude in kleine Bausteine und kann so die Teile einzeln transportieren. So gilt auch hier, dass man sich aufgrund der Verringerung vom Licht weniger anstrengen muss.

 

Shamati 203. Die Überheblichkeit des Menschen wird ihn erniedrigen

Ich hörte am 2. Zwischentag von Sukkot, dem 12. Oktober 1938

 

„Die Überheblichkeit des Menschen wird ihn erniedrigen.“[1] Es ist bekannt, dass der Mensch in vollkommener Niedrigkeit erschaffen wurde. Wenn jedoch der Unwürdige seinen ihm zugehörigen Platz kennt, dann erleidet er wegen seiner Niedrigkeit keine Qualen, weil er ja dort hingehört. Ähnlich den Beinen, die keineswegs geringgeschätzt werden, weil sie etwa immer im Abfall wandern und gezwungen sind, die ganze schwere Last des Körpergewichts zu tragen, im Gegensatz zum Kopf, der immer Oben ist. Da sie ihren Platz kennen, fühlen die Beine keinerlei Erniedrigung und leiden nicht darunter, dass sie auf einer niedrigen Stufe stehen.

Wenn sie aber Oben sein wollten, jedoch gezwungen wären, unten zu sein, dann würden sie Leid empfinden. Und das ist die Bedeutung des Verses: „Die Überheblichkeit des Menschen wird ihn erniedrigen.“ Das heißt, wenn der Mensch in seiner Unwürdigkeit verbleiben wollte, dann würde er keinerlei Unwürdigkeit und Erniedrigung spüren, das heißt keinerlei Leiden, weil „der Mensch als wilder Esel geboren wird“. Weil sie aber überheblich sein wollen, fühlen sie die Erniedrigung und leiden.

Und die Leiden und die Niedrigkeit gehen Hand in Hand, das heißt, wenn der Mensch keine Leiden hat, dann hat er auch kein Gefühl der Niedrigkeit. Es ist genau gemäß seinem Maß an Überheblichkeit, die er hat oder die er besitzen will, aber nicht hat. So fühlt er die Niedrigkeit. Und diese Niedrigkeit wird später zu einem Kli für den Stolz, wie geschrieben steht: „Der Schöpfer ist König, in Stolz kleidet er sich.“ Wenn man dem Schöpfer anhaftet, hat man Kleider aus Stolz, wie geschrieben steht: „Der Stolz und die Größe sind des Schöpfers“, diejenigen, die dem Schöpfer anhaften, haben also Stolz und Größe. Und entsprechend dazu, wie der Mensch das Ausmaß seiner Niedrigkeit spürt, und gemäß den ihn plagenden Leiden wird er auch der Kleidung des Schöpfers würdig.



[1] Sprüche 29,23 

 

Shamati 204. Das Ziel der spirituellen Arbeit

Ich hörte im Jahr 1938

In der Vorbereitungszeit besteht alle Arbeit in den Verboten, also im „Nicht“, wie es geschrieben steht: „Sie werden geknechtet in einem Lande, das nicht das ihre ist.“[1] Was jedoch die Sprache angeht, welche als „ich“ gilt, muss man hier zuerst dem Aspekt der Liebe würdig werden.

In der Vorbereitungszeit jedoch gibt es nur die Arbeit im Aspekt der Verbote[2] und zwar im Aspekt von „Du sollst nicht haben“[3], denn durch viele „nicht“ (lo – "לא") gelangt man zu"אל"  (El), zum Gott von Chessed (Barmherzigkeit). Doch zuvor gibt es viele „nicht“, also andere Götter – viele „nicht“, da man von lo liShma zu liShma gelangt.

Und da die Sitra Achra Unterstützung bietet, fällt man sogar später, wenn man bereits arbeitet und Heiligkeit erweitert, dennoch von seiner Stufe, sobald sie ihre Unterstützung entzieht. Und dann nimmt sie die gesamte Fülle, die man herangezogen hatte. Dadurch hat nun die Sitra Achra Kraft, um über den Menschen zu herrschen, auf dass der Mensch gezwungen ist, ihren Willen zu erfüllen. Und es gibt für ihn keinen anderen Ausweg, als sich auf eine Höhere Stufe zu erheben.

Und dann beginnt die Reihenfolge wieder wie zuvor mit den 49 Toren der Unreinheit. Dies bedeutet, dass der Mensch bis zu den 49 Toren auf den Stufen der Heiligkeit geht, doch dort hat sie (Sitra Achra) die Macht, ihm alle Lebenskraft und Fülle wegzunehmen, sodass der Mensch jedes Mal in ein Tor von größerer Unreinheit fällt, denn „Eines gegenüber dem Anderen erschuf der Schöpfer“[4].

Und wenn er in das 49. Tor tritt, kann sich der Mensch nicht mehr selbst emporheben, bis der Schöpfer kommt und ihn erlöst, und dann [gilt]: „Die Reichtümer, die er verschlungen hat, speit er wieder aus, und Gott wird sie aus seinem Bauch stoßen.“[5] Das bedeutet, der Mensch nimmt nun all die Fülle und die Lebenskraft zurück, welche die Klipa von allen 49 Toren der Heiligkeit genommen hatte, was „die Plünderung des Meeres“ heißt. Solange man das Exil nicht gefühlt hat, kann man nicht erlöst werden. Wenn man auf den 49 [Toren] wandelt, spürt man das Exil, und am 50. Tor erlöst der Schöpfer. Und der einzige Unterschied zwischen Galut (Exil) und Geula (Erlösung) besteht im Buchstaben Alef, der für Alufo shel Olam (Meister der Welt) steht. Wenn also der Mensch das Exil nicht entsprechend erfasst, dann fehlt ihm [etwas] von der Stufe.



[1] 1. Buch Mose 13, 15

[2] Lavin, Mehrzahl von „nein“ oder von „nicht“, meint hier die Verbote (also „Du sollst nicht …“) der Tora.

[3] 2. Buch Mose 20, 3

[4] Prediger 7, 14

[5] Hiob 20, 15

 

Shamati 205. Die Weisheit klagt draußen

Ich hörte im Jahr 1938

„Die Weisheit klagt laut draußen, auf den Plätzen lässt sie ihre Stimme hören.“[1]

„Wer einfältig ist, kehre hier ein. Wer unverständig, den spricht sie an.“[2]  Das bedeutet, sobald der Mensch der Anhaftung an den Schöpfer würdig wird, sagt ihm die heilige Shechina, dass der Grund, warum er zuvor einfältig sein musste, nicht darin liegt, dass er in Wahrheit so ist, sondern weil er herzlos war. Denn wir sagen: „Und alle glauben, dass Er der Gott des Glaubens ist.“[3]

Das bedeutet, wenn wir später der wahren Dwekut (Anhaftung) würdig werden, wird es nicht als „einfältig“ bezeichnet, damit man sagt, dass er über dem Verstand ist. Vielmehr muss er arbeiten und glauben, dass seine Arbeit über dem Verstand ist, obwohl seine Sinne und Gefühle ihm sagen, dass sein Dienst innerhalb des Verstandes ist. Es ist das Gegenteil: Zuvor sah er, dass der Verstand nicht zur Arbeit und zum Dienst verpflichtet, und er musste über dem Verstand arbeiten und sagen, dass es darin wahren Verstand gibt. Er glaubt also, dass sein Dienst die wahre Wirklichkeit ist. Und danach wendet es sich zum Gegenteil: Seine ganze Arbeit verpflichtet seinen Verstand. Das heißt, die Dwekut (Anhaftung) verpflichtet zum Arbeiten. Er glaubt aber daran, dass alles, was er innerhalb des Verstandes sieht, über dem Verstand ist. Zuvor war dies aber anders, wenn alles, was über dem Verstand schien, innerhalb der Form des Verstandes war.



[1] Sprüche 1, 20

[2] Sprüche 9, 4

[3] aus dem Gebetsbuch für Rosh HaShana

 

Shamati 206. Glaube und Genuss

Ich hörte im Jahr 1938

 

Der Mensch wird niemals den Zweck eines Genusses hinterfragen. Und wenn im Verstand [des Menschen] der kleinste Gedanke auftaucht, nach dem Endzweck zu fragen, dann ist das ein Zeichen dafür, dass es kein wahrer Genuss ist. Dies ist so, weil der Genuss jeden leeren Raum ausfüllt und es dann selbstverständlich keinen leeren Raum im Verstand gibt, um nach dem Zweck zu fragen. Und wenn man nach dem Zweck fragt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass der Genuss unvollkommen ist, da er nicht den ganzen Raum ausgefüllt hat.

Und genauso ist es in Bezug auf den Glauben, also dass der Glauben alle Räume des Wissens ausfüllen muss. Deshalb muss man sich vorstellen, wie es wäre, wenn man Wissen hätte, und in genau diesem Ausmaß muss man im Glauben sein.  

 

Shamati 207. Das Empfangen, um zu geben

Ich hörte am 13. Tewet, einem Shabbat 

Die Menschen der Welt gehen auf zwei Beinen, was man „Genuss und Leiden“ nennt, wobei sie immer dem Genuss hinterherjagen und vor dem Leid fliehen. Wenn also der Mensch würdig wird, den Geschmack der Tora und der Gebote zu spüren, wie es geschrieben steht: „Kostet und sehet, dass der Schöpfer gut ist“[1], dann jagt er dem Dienst für den Schöpfer hinterher. Und das zieht nach sich, dass er stets der Stufen in der Tora und den Geboten würdig wird, wie es geschrieben steht: „und über Seine Tora denkt er Tag und Nacht nach.“[2]

Wie kann aber der Mensch seinen Verstand auf eine Sache beschränken? Vielmehr binden die Liebe und der Genuss stets die Gedanken des Menschen, auf dass sich der Kopf und der Körper des Menschen an die Liebe und den Genuss haften mögen, wie wir das in der körperlichen[3]Liebe sehen. Das gilt gerade dann, wenn der Mensch bereits einer Erweiterung des Verstandes würdig wurde, welche die Liebe gebiert. Und dieser Aspekt heißt „innerhalb des Verstandes“. Doch der Mensch muss „über dem Verstand“ arbeiten, denn dies heißt „Glauben und Geben.“

Innerhalb des Verstandes ist dies aber anders, denn da willigen alle Organe in seine Arbeit ein, da auch sie Liebe und Genuss erhalten, weswegen dies als „innerhalb des Verstandes“ bezeichnet wird.

Und in einer solchen Zeit befindet sich der Mensch in einer schwierigen Situation, denn es ist verboten, den Aspekt zu verderben, da er eine göttliche Erleuchtung in ihm ist, die Fülle von Oben. Stattdessen sollte er sie beide korrigieren, und zwar den Aspekt des Glaubens und den Aspekt des Verstandes.

Und dann muss er die Dinge [in seinem Kopf] so ordnen: Woher kommt alles, was er nun erfasst und erhalten hat, also die jetzt von ihm erfasste Tora und die Fülle, die er jetzt hat? Dies ist nur, weil er sich zuvor vorbereitet hatte, indem er den Aspekt „über dem Verstand“ auf sich nahm.

Das heißt, indem er sich der Anhaftung (Dwekut) gewidmet und sich der Wurzel angehaftet hatte, wurde er des Aspekts des Verstandes würdig. Das bedeutet, dass der Verstand, den er im Aspekt des Glaubens erfasst hat, eine wahre Enthüllung war. Dadurch wird klar, dass er den Aspekt „über dem Verstand“ als das Wesentliche schätzt, und er schätzt auch den Verstand, also dass er nun der Enthüllung Seiner Namen zur Heranziehung der Fülle würdig wurde.

Daher muss er jetzt mittels des Verstandes stärker werden und ein höheres Maß von über dem Verstand auf sich nehmen, da die Anhaftung (Dwekut) an die Wurzel hauptsächlich durch den Glauben stattfindet und dies den Kern seines Ziels ausmacht. Und das heißt Kabbala (empfangen), gemeint ist der Verstand, der auf ihn ausgebreitet wurde, um zu geben, was ihn in die Lage versetzt, den Aspekt des Glaubens über dem Verstand in sowohl quantitativ als auch qualitativ größtem Ausmaß auf sich zu nehmen.



[1] Psalm 34,9

[2] Psalm 1,2

[3] Gemeint ist „Liebe in dieser (körperlichen) Welt“ 

 

Shamati 208. Die Anstrengung

Ich hörte

 

Die Mühen, die sich der Mensch macht, sind nur eine Vorbereitung, um zur Hingabe zu gelangen. Daher sollte er sich zunehmend an die Hingabe gewöhnen, denn ohne Hingabe kann man keine Stufe erlangen. Sie ist das einzige Hilfsmittel, das den Menschen befähigt, all der Stufen würdig zu werden. 

 

Shamati 209. Drei Bedingungen beim Gebet

Ich hörte

Beim Gebet gibt es drei Bedingungen:

  1. Zu glauben, dass Er ihn erretten kann, obwohl er von allen seinen Zeitgenossen die schlimmsten Umstände hat. Doch „ist denn die Hand des Schöpfers zu kurz, um ihn zu erretten“? Denn wenn nicht, dann „wird der Wirt Seine Gefäße nicht retten können“.
  2. Er weiß sich keinen Rat mehr, da er schon alles getan hat, was in seinen Kräften lag, und doch sah er keine Heilung für seine missliche Lage.
  3. Wenn Er ihm nicht hilft, dann ist ihm sein Tod lieber als sein Leben. Gebet bedeutet Arbeit bzw. „verloren“[1] im Herzen. Je verlorener er ist, desto stärker ist sein Gebet. Denn natürlich gleicht einer, dem es an Überflüssigem und an Luxus fehlt, nicht einem zum Tode Verurteilten, wenn nur noch bleibt, das Urteil zu vollstrecken. Und er ist bereits in Eisenketten gelegt und steht nun da und fleht um sein Leben. Und gewiss wird er „weder ruhen noch schlafen“ und sich für keinen Augenblick davon ablenken lassen, um sein Leben zu beten.


[1] Im Manuskript steht dieses Wort mit zwei Anfangsbuchstaben (Alef und Ajin) geschrieben. Mit Alef bedeutet es „verloren“ und mit Ajin bedeutet es „Arbeit“. Es hat den Anschein, als ob es für die richtige Bedeutung korrekt wäre, „Arbeit“ zu schreiben, da es ein Teil des Satzes ist: „Ein Gebet ist die Arbeit im Herzen“, dennoch hat er wohl absichtlich beide Buchstaben verwendet, um „verloren“ anzuzeigen, da dieses das Wort ist, welches sich durch den Rest des Artikels durchzieht. 

 

Shamati 210: Der schöne Makel an Dir

Im Talmud heißt es: „Derjenige, der zu seiner Frau sagte“ usw, „... bevor du nicht den schönen Makel an dir entdeckst“[1]. Rabbi Ismael, der Sohn von Rabbi Yossi, sagte Folgendes: der Heilige, gelobt sei Er, sagt: Du kannst dich nicht an Mich anheften, „bevor du nicht den schönen Makel an dir entdeckst“ (Nedarim 66, 70b). Gemäß der ersten Interpretation der Tossafot besteht das Verbot in dem Vergnügen, nach ansehlichen Dingen zu suchen. Das bedeutet, wenn der Mensch sagen kann, dass es auch schöne Dinge an ihm gibt, mit denen er dem Schöpfer half, damit sie sich aneinander anheften können, das heißt, wenn es diese Dinge nicht gäbe, warum hat Er dann nicht einem Anderen geholfen? Dieses muss so sein, denn er besitzt Gutes, Sondern, es muss natürlich in ihm Dinge geben, also muss er einen guten Glauben oder gute Eigenschaften besitzen, weil er ein gutes Herz habe, das beten könne.

 

Und das ist die Deutung von „Er sagte ihnen, vielleicht ist ihr Kopf schön?“[2] Das heißt, vielleicht hat er einen besseren äußeren Verstand, als alle seinen Zeitgenossen? Oder „vielleicht ist ihr Haar ansehlich?“[3], also dass er sich haargenau prüft. Oder „vielleicht sind ihre Augen schön?“[4], also dass er mehr Anmut der Heiligkeit besitzt als alle Menschen seiner Generation. Oder „vielleicht sind ihre Ohren schön?“[5], also dass er keinerlei üble Nachrede hören kann.



[1] Der babylonische Talmud, Seder Nashim, Massechet Nedarim, Kap.9, S.66b

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

 

Shamati 211. Der vor dem König steht

Ich hörte am 1. Elul, dem 28. August 1938

 

 Einer, der zuhause sitzt, gleicht nicht demjenigen, der vor dem König steht. Das bedeutet, der Glaube muss so sein, dass der Mensch sich den ganzen Tag so fühlt, als stünde er vor dem König, und dann sind natürlich seine Liebe und seine Ehrfurcht vollkommen. Und solange er noch nicht zu diesem Ausmaß an Glauben gelangt ist, soll er weder ruhen noch rasten, denn „das ist unser Leben und die Länge unserer Tage“, und er soll keinerlei Belohnung in der Welt empfangen wollen. Und der Mangel an Glauben muss in seinen Gliedern verankert sein, bis die Gewohnheit in einem solchen Ausmaß zur zweiten Natur wird,  dass, „sobald ich mich Seiner erinnere, Er mich nicht schlafen lässt.“ Und alle physischen Dinge löschen diesen Mangel aus, denn bei jeder dem Menschen Genuss und Vergnügen bringenden Sache, hebt der Genuss den Mangel und den Schmerz auf.

Der Mensch soll keinerlei Gemütlichkeit annehmen wollen und er sollte sich bei jeder physischen Sache, die er in Empfang nimmt, in Acht nehmen, dass sie seinen Mangel nicht auslösche. Das tut er, indem er bedauert, dass es ihm durch diesen Genuss an Funken und Kräften der Gefäße der Kedusha (Heiligkeit) fehlen wird, also an Verlangen der Kedusha. Und durch diesen Kummer kann er sich davor bewahren, die Gefäße der Heiligkeit zu verlieren.

 

Shamati 212. Umarmung der Rechten und Umarmung der Linken

Ich hörte am 8. November 1941

 

Es gibt die Umarmung der Rechten, und es gibt die Umarmung der Linken, und beide müssen auf ewig sein. Das bedeutet, solange der Mensch sich im Zustand der „Rechten“ befindet, soll er denken, dass es gar keinen Aspekt der „Linken“ auf der Welt gibt. Und genauso in der Zeit, da er sich der Linken widmet: Solange soll er denken, dass es keinen Aspekt der „Rechten“ auf der Welt gibt. 

„Rechts“ bedeutet die persönliche Vorhersehung. Und „links“ bedeutet die Führung durch Belohnung und Strafe. Und auch wenn es den Verstand gibt, der ihm sagt, dass es vollkommen unmöglich sei, dass die Rechte und die Linke zu einem verbunden sind, so muss er doch über dem Verstand arbeiten, also dass der Verstand ihn nicht stoppen wird.

Das Wichtigste ist das über dem Verstand. Das bedeutet, seine ganze Arbeit wird daran gemessen, wie viel er über dem Verstand arbeitet. Und obwohl er später ins Innere vordringt, bedeutet das nichts, da seine Basis über dem Verstand ist, und so wird er immer aus seiner Wurzel saugen.  

Wenn er aber in den Verstand eindringt, dann will er gerade innerhalb des Verstandes saugen. Doch dann verschwindet das Licht augenblicklich, und wenn er [es] ausbreiten will, dann muss er über dem Verstand beginnen, denn dies ist seine ganze Wurzel. Und dann gelangt er zum Verstand der Heiligkeit.  

 

Shamati 213. Die Enthüllung des Mangels

Ich hörte

 

Das wesentliche und grundlegende Prinzip ist die Vergrößerung des Mangels (Chissaron), denn er ist das Fundament, auf dem das ganze Gebäude aufgebaut wird, und die Stärke des Gebäudes wird an der Stärke seines Fundaments gemessen.

Denn es gibt viele Gründe, die den Menschen dazu bringen, sich anzustrengen, sie sind aber nicht auf das Ziel gerichtet. Daher verdirbt das Fundament das ganze Gebäude. Denn auch wenn man von lo liShma zu liShma gelangt, braucht man längere Zeit, bis man zum Ziel zurückkehrt.

Man muss also immer darauf achten, dass man das Ziel stets vor Augen behält, wie es im Shulchan Aruch (der gedeckte Tisch) heißt: „Ich nehme den Schöpfer mir stets vor Augen.“[1] Und einer, der zuhause sitzt, gleicht nicht demjenigen, der vor dem König steht. Wer nämlich an die Existenz des Schöpfers glaubt, daran, dass die „Erde voll von Seiner Ehre“ ist, der ist voller Ehrfurcht und Liebe, und er bedarf keinerlei Vorbereitungen und Beobachtung, sondern nur der vollkommenen Annullierung seiner Natur vor dem König.

So wie wir es auch in der materiellen Welt sehen, dass, wenn jemand seinem Freund in wahrer Liebe verbunden ist, er nur Gutes für seinen Freund ersehnt und alles meidet, was für seinen Freund nicht von Vorteil sein könnte. Und all dies findet ohne jegliche Berechnungen statt. Und man braucht dafür keinen großen Intellekt, da es so natürlich ist, wie die Liebe der Mutter zu ihrem Kind, deren ganze Ausrichtung auf das Wohl des Kindes ist, und die Mutter braucht weder Vorbereitung noch Verstand, um ihr Kind zu lieben. Eine natürliche Sache bedarf nämlich keines Verstandes, um diese Sache notwendig zu machen, sondern dies geschieht seitens der Sinne selbst, da die Sinne selbst in wahrer Hingabe arbeiten. Denn so ist die Natur, dass man sich aufgrund der Liebe einer Sache hingibt, bis man das Ziel erreicht hat. Und solange man es nicht erreicht hat, ist das eigene Leben kein Leben.

Wer also so fühlt, wie der Shulchan Aruch es beschreibt, dass es für ihn ähnlich ist usw., der weilt natürlich in Vollkommenheit, was heißt, dass er Glauben besitzt. Und solange er nicht fühlt, dass er vor dem König steht, so befindet er sich im Gegensatz. Deswegen muss der Mensch einsehen, dass der Dienst zuerst kommt, also dass er selbst bereut, nicht genügend Glauben zu haben. Und der Mangel an Glauben ist sein Fundament. Und er muss um ein Verlangen und um Anstrengungen beten, um dieses Bedürfnis zu spüren. Denn ohne Bedürfnis hat er auch kein Gefäß, um die Erfüllung zu erhalten. Und er muss glauben, dass der Schöpfer die Gebete aus jedem Munde hört und dass auch er in vollkommenem Glauben erlöst werden wird. 



[1] Psalm 16, 8

 

Shamati 214: An den Toren ist bekannt

„Ich bin der EWIGE, dein HERR“[1] , und dementsprechend auch im Sohar: „An den Toren ist bekannt“. Frage: warum haben die Weisen seligen Andenkens die Bezeichnung aus der Schrift verändert und nennen [den Feiertag] Shmini Azeret „Matan Torateinu“(„[Den Tag der] Gabe unserer Tora“)? In der Tora wurde dieser Feiertag als die „Darbringung der Erstlingsfrüchte“[2] hervorgehoben, wie es geschrieben steht: „Und am Tag der Erstlingsfrüchte“ . Doch dann kamen die Weisen und nannten [dieses Fest] „Die Gabe unserer Tora“.

Und eigentlich veränderten unsere Weisen nichts, sondern sie deuteten und erklärten lediglich das Konzept der Erstlingsfrüchte. Denn es steht geschrieben: „das Feld frohlocke und alles, was darauf ist; und lasset rühmen alle Bäume im Walde“[3]. Und der Unterschied zwischen dem Feld und dem Wald besteht darin, dass das Feld Früchte hervorbringt, und der Wald besteht aus unfruchtbaren Bäumen, die keine Früchte hervorbringen. Und die Deutung dieser Sache ist die Folgende: „Feld“ heißt die Kategorie der Malchut, d.h. die Annahme des Jochs des Himmlischen Königreichs, also das Konzept des Glaubens über dem Wissen.

Doch was ist das Maß des Glaubens? Dafür gibt es einen Maßstab. Und zwar muss der Glaube in genau demselben Ausmaß erfüllen wie das Wissen. Und dann heißt er „Ein Feld, das der HERR gesegnet hat“[4], also eines, das Früchte bringt. Und nur dadurch kann man sich an den Ewigen, gelobt sei Er, anhaften. Denn dadurch wird er nicht eingeschränkt, weil es über dem Wissen ist.

Das Wissen dagegen ist beschränkt: gemäß dem Ausmaß des Wissens ist auch seine Größe. Und dieses heißt: „ein anderer Gott ist unfruchtbar und bringt keine Früchte hervor“ (Sohar) und wird deswegen als „Wald“ bezeichnet. Aber wie dem auch sei heißen beide „Enden“ (Ränder/Extreme, Anm.Ü.). Es sollte vielmehr aber den Aspekt der „Säule in der Mitte“ (Sohar) geben. Das bedeutet, dass der Mensch auch das Wissen braucht, jedoch unter der Bedingung, dass es ihm den Glauben über dem Verstand nicht verdirbt.

Wenn er aber mit dem Wissen ein wenig besser arbeitet als mit dem Glauben, dann geht ihm augenblicklich alles verloren. Deshalb braucht er beide ohne jeglichen Unterschied. Und dann „das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; und lasset rühmen alle Bäume im Walde“. Und dann gibt es Korrektur sogar für einen „anderen Gott“, also für die Kategorie „Wald“, weil der Mensch durch den Glauben gestärkt wird.

Und das ist die Bedeutung dessen, was im Bezug auf Abraham geschrieben steht: „Wandle vor mir und sei fromm“[5]. Raschi erklärt, dass er keine Stütze braucht. Und im Bezug auf Noah steht geschrieben: „Noah wandelte in Gott“[6], also dass er eine Stütze brauchte, was jedoch in jedem Fall eine Hilfe vonseiten des Schöpfers ist. Und das Schlimmste wäre, wenn er Hilfe von Menschen bräuchte. Und hier gibt es zwei Konzepte:

    1. Geschenk
    2. und Anleihe

Ein Geschenk, das man von Menschen annimmt, ist die Hilfe, die man annimmt. Und der Mensch will es nicht zurückgeben, sondern er will es sein Leben lang benutzen. Eine Anleihe dagegen ist es dann, wenn er es stundenweise bezieht, also immer dann, wenn er keine Kraft und keine Energie von sich aus hat. Doch er hofft, mittels seiner Arbeit und Bemühung in Heiligkeit und in Reinheit eigene Kraft zu erwerben. Und dann gibt er die gleiche Hilfe, die er annahm, zurück. Doch auch das ist nicht gut, denn wenn er keines Erwerbs würdig wird, stürzt er sowieso ab.

Und kommen wir auf das Thema zurück, dass der Grund dafür, dass es Matan Toratenu („Die Gabe unserer Tora“) heißt und nicht Kabalat haTora („Empfang der Tora“), darin besteht, dass sie des Aspektes des Gebers der Tora würdig wurden, wie es geschrieben steht, „Wir wollen unseren König sehen“[7]. Daher besteht das Wesentliche darin, dass sie des Aspektes des „Gebers der Tora“ würdig wurden. Und dann heißt es Kategorie des „Feldes, das der HERR gesegnet hat“, also ein Feld, das Früchte bringt. Und das ist das Prinzip der Erstlingsfrüchte, also der ersten Früchte des Feldes. Denn sie sind das Zeichen dafür, dass man des „Gebers der Tora“ und der vollkommenen Erkenntnis würdig wurde. Deswegen sagt er: „Mein Vater war ein heimatloser Syrer“[8]. D.h. zuvor hatte er Ab- und Aufstiege, und nun hat er eine feste Verbindung. Deswegen erklärten die Weisen, dass das Konzept der „Erstlinge“ „Gabe der Tora“ bedeutet, also dass sie des Aspektes des „Gebers der Tora“ würdig wurden.

 

[1] 2.Mose 20,2
[2] 4.Mose 28,26
[3] Psalmen 96,12
[4] 1.Mose 27,27
[5] Eigenübersetzung, 1.Mose 17,1
[6] Eigenübersetzung 1.Mose 6,9
[7] Rashi auf 2.Mose 19,9
[8] 5.Mose 26,5

 

Shamati 215. Der Glaube

Ich hörte

Besonders der Glaube ist reine Arbeit. Dies ist so, weil der Wille zu empfangen an dieser Arbeit nicht teilnimmt. Sondern im Gegenteil, der Wille zu empfangen widersetzt sich ihr. Denn die Natur dieses Willens besteht darin, dass er nur dort arbeitet, wo er sieht und weiß. Doch über dem Verstand ist es nicht so. Also kann auf diese Weise die Anhaftung in Vollkommenheit stattfinden, weil es darin das Prinzip der Angleichung gibt, das heißt, dass er tatsächlich [in der Absicht] um zu geben ist. Wenn deshalb diese Basis sogar beim Empfangen von guten Dingen bei ihm vorhanden und beständig ist, dann betrachtet er sie als „einen Ort“ (Atarja), der entsprechend dem Zahlenwert Tora ist. Und diese Tora sollte von Furcht begleitet sein, also man sollte zusehen, dass man keinerlei Hilfe und Unterstützung von der Tora bezieht, sondern nur vom Glauben. Und auch wenn ihm dies überflüssig erscheint, da er ja bereits vom ersehnten Land empfängt, soll er dennoch glauben, dass dies die Wahrheit ist. Und das ist die Bedeutung von: „Und alle glauben, dass Er ein Gott des Glaubens ist“[1], weil der Mensch gerade mittels des Glaubens die Stufe halten kann.



[1] Aus dem Gebetsbuch von Rosh haShana

 

Shamati 216. Rechts und Links

Ich hörte am 6. Tewet

Es gibt den Aspekt der Rechten und den Aspekt der Linken. „Rechts“ gibt es Chochma, Chessed und Nezach, und „links“ gibt es Bina, Gwura und Hod. Rechts wird als persönliche Vorsehung angesehen und links heißt „Belohnung und Strafe“.

Während man sich mit der Rechten beschäftigt, muss man sagen, dass alles in der persönlichen Vorhersehung ist, und dann tut man naturgemäß nichts [von selbst]. Folglich begeht man auch keine Sünden. Doch auch die Mizwot, die der Mensch erfüllt, sind [dann] nicht seine eigenen, sondern ein Geschenk von Oben. Deshalb sollte man dafür dankbar sein, wie auch für die materiellen Vorteile, die der Schöpfer einem schenkt.

Und dies heißt „Nezach“, wenn er die Sitra Achra besiegt (Nizeach). Davon breitet sich Chessed aus, also Liebe, und dadurch gelangt er zu Chochma, genannt „Reisha de lo Etjada“ („der unbekannte Kopf“). Danach sollte er zur Linken Linie gehen, die als Hod gilt.     

 

Shamati 217. Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?

Ich hörte am 27. Adar Alef

„Wenn ich nicht ich für mich bin, wer ist dann für mich, und wenn ich für mich selbst bin, was bin ich dann?“[1] Das ist paradox. Die Sache ist die, dass der Mensch all seine Arbeit unter dem Aspekt von „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich“ tun muss, also dass es niemanden gibt, der ihm helfen könnte, sondern „In deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust“[2], was Belohnung und Strafe bedeutet. Doch für sich selbst sollte er in Bescheidenheit wissen, „wenn ich für mich selbst bin, was bin ich dann?.“ Das heißt, dass alles der persönlichen Vorsehung unterliegt und es niemanden gibt, der etwas tun kann.

Doch wenn man sagt, dass alles unter persönlicher Vorsehung steht, warum gibt es dann die Arbeit in der Form von „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich??“

Es ist so, dass man durch die Arbeit in der Form von „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“ der persönlichen Vorsehung, also der Erkenntnis, würdig wird, das heißt, alles schreitet auf dem Wege der Korrektur voran. Und der Unterschied zwischen der Pflicht und der Tora, genannt „Söhne des Schöpfers“[3], wird nur offenbart, wenn dem die Arbeit in der Form von „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“ vorangeht.



[1] Awot (Sprüche der Väter) 1, 14

[2] 5. Buch Mose 30, 14

[3] Awot 3, 18

 

Shamati 218. Die Tora und der Schöpfer sind Eins

Ich hörte

 

„Die Tora und der Schöpfer sind eins.“ Während der Arbeit sind dies natürlich zwei verschiedene Dinge; nicht nur das, sie widersprechen sich sogar. Denn „Schöpfer“ ist der Aspekt der Anhaftung (Dwekut), und Anhaftung ist Angleichung, also die Annullierung aus der Wirklichkeit. (Und der Mensch muss sich immer vorstellen, wie es war, als er ein wenig Anhaftung hatte und wie voller Lebenskraft und Genuss er damals war, und er sollte fortwährend im Zustand der Anhaftung sein wollen, denn Spirituelles lässt sich nicht halbieren.

Mehr noch, wenn dies eine erfüllende Sache ist, dann muss er doch immer das Gute haben. Und es ist richtig, dass er sich diese Zeit vorstellen soll, die er hatte, weil der Körper nicht das Negative spürt, sondern nur Existierendes, also Zustände, die er schon erlebt hat, und diese Zustände kann er sich als Beispiel nehmen.) Und Tora heißt „Licht“, das in ihr ist. Das heißt, während des Studiums, wenn man das Licht spürt, und man will mit diesem Licht dem Schöpfer geben, wie es geschrieben steht: „Wer die Befehle seines Herrn kennt, wird Ihm dienen.“ Deswegen fühlt er, dass er existiert und dass er dem Schöpfer geben will, und dies ist seine Selbstwahrnehmung. Wenn man jedoch des Aspekts von „Tora und der Schöpfer sind eins“ würdig wird, dann stellt sich heraus, dass alles Eins ist. Und dann fühlt er den Schöpfer in der Tora. Er sollte sich immer nach dem Licht in ihr sehnen, und wir können das Licht aus dem Lernstoff [beziehen], obwohl es leichter ist, das Licht in den Dingen des Empfangens zu finden.

Und während der Arbeit sind diese zwei Extreme. Den Einen zieht es zum Schöpfer, und dann kann er nicht die Tora studieren, und er sehnt sich nach den Büchern der Chassidim. Der Andere dagegen sehnt sich nach dem Aspekt der Tora, also danach die Wege des Schöpfers zu kennen, die Welten sowie die Vorgänge in ihnen und die Angelegenheiten der Lenkung. Dies sind zwei Extreme. Doch in Zukunft gilt: „Und die Schläfen Moabs werden zerschmettert“[1], das heißt, beide werden in den Baum eingeschlossen.



[1] 4. Buch Mose 24, 17

 

Shamati 219. Die HIngabe

Ich hörte

Der Dienst [für den Schöpfer] muss aus Ehrfurcht und in Liebe stattfinden. Es ist unbedeutend zu sagen, dass wir mit Hingabe lieben sollen, denn dies ist ganz natürlich, da die Liebe so heftig wie der Tod ist, wie es geschrieben steht: „Denn die Liebe ist so stark wie der Tod.“ Vielmehr sollte die Hingabe hauptsächlich der Ehrfurcht gewidmet sein. Das gilt, wenn er beim Dienen noch nicht den Geschmack der Liebe verspürt und er seinen Dienst durch Zwang ausübt.

Es gibt ein Gesetz, dass nämlich der Körper eine ihm aufgezwungene Sache nicht spürt, da er durch die Korrektur geschaffen ist. Und die Korrektur besteht darin, dass der Dienst ebenfalls aus Liebe erfolgen muss, denn dies ist der Zweck der Dwekut (Anhaftung), wie es geschrieben steht: „Dort, wo die Arbeit ist, dort gibt es die Sitra Achra.“

Der Dienst, der hauptsächlich in Hingabe sein sollte, gilt der Ehrfurcht. Denn dann widersetzt sich der ganze Körper seiner Arbeit, weil er keinerlei Geschmack am Dienst spürt. Und bei jeder einzelnen Handlung, die er ausführt, rechnet ihm der Körper vor, dieser Dienst sei doch sowieso nicht vollkommen. Was hat man dann von dieser Arbeit?

Und da es also weder einen greifbaren Wert noch Geschmack an diesem Dienst gibt, kann die Überwindung nur durch Hingabe stattfinden. Das bedeutet, dass ihm sein Dienst bitter schmeckt und er bei jeder seiner Handlungen schreckliche Qualen verspürt, da der Körper ja nicht gewöhnt ist, zwecklos zu arbeiten: Die Anstrengung sollte entweder ihm selbst oder anderen Nutzen bringen.

Doch in der Zeit von Katnut (Kleinsein) fühlt er keinen Nutzen für sich selbst, da er jetzt keinerlei Genuss am Dienst verspürt. Deshalb glaubt er auch nicht, dass es anderen nützen wird, da die Sache für ihn selbst nicht wichtig ist, und welches Vergnügen würden dann andere daran haben?

Und dann sind die Qualen groß. Und je mehr er arbeitet, desto größer werden seine Leiden. Bis sich die Leiden und die Bemühung zu einem bestimmten Maß ansammeln, bis sich der Schöpfer seiner erbarmt und ihm den Geschmack an der Arbeit des Schöpfers gibt, wie es geschrieben steht: „bis dass der Geist sich von den Höhen auf uns ergießt.“ 

 

Shamati 220. Die Leiden

Ich hörte

Die schweren Leiden, die man spürt, gibt es nur, weil die Lebenskraft fehlt. Aber was kann der Mensch machen, wenn es doch nicht in seiner Hand liegt, sich Lebenskraft zu nehmen? Zu solch einer Zeit fällt er in die Hände der Langeweile. Und gerade in solch einer Zeit braucht man eine zusätzliche Stärkung - du aber nimmst sie nicht. 

 

Shamati 221. Gesamtherrschaft

Ich hörte


Das Kli kann aus seiner eigenen Herrschaft nur austreten, wenn man es mit etwas Anderem füllt. Es kann aber nicht leer bleiben. Da es also unter der Herrschaft von Sitra Achra steht, muss man es dort natürlich herausbringen, und deshalb muss man versuchen, es mit anderen Dingen zu füllen. Aus diesem Grunde ist es notwendig, es mit Liebe zu füllen. Es steht geschrieben: „Und dann strebt er nach ihr, aus der Selbstliebe heraus.“

 

Shamati 222: Der Teil, den man an die Sitra Achra abtritt, um sie von der Heiligkeit zu trennen

Ich hörte

Es steht geschrieben: „Zu Beginn schuf Er die Welt in der Eigenschaft von Din (Gericht). Doch Er sah, dass die Welt nicht fortbesteht.“ Interpretation: Die Eigenschaft von Din ist Malchut, wo auch der Ort des Zimzum (Einschränkung) war, und von da an und abwärts stehen die Äußeren.

In den Neun Oberen [Sefirot] hingegen kann man die Fülle bedenkenlos empfangen, doch die Welt würde nicht fortbestehen, das heißt Bchina Dalet. Die Welt kann keine Korrektur erfahren, weil dies ihr Platz ist, und es ist unmöglich, die Gefäße des Empfangens weder zu ändern noch zu annullieren. Denn so ist die Natur, und diese kann man nicht ändern. „Natur“ bedeutet nämlich die Höhere Kraft, also dass so Sein Wille war, dass es einen vollkommenen Willen zu empfangen geben soll und es unmöglich ist, ihn auszulöschen.

So auch im Menschen unten: Man kann die Natur nicht verändern. Und die Lösung dafür war die Verbindung mit der Eigenschaft von Rachamim (Barmherzigkeit). Damit ist gemeint, dass Er eine Grenze einführte, die es in Malchut an der Stelle von Bina gibt. Das heißt, Er tat so, als ob es ein Verbot zu empfangen gäbe. Und dort kann man bereits arbeiten, also empfangen, um zu geben. Denn diese Stelle (dieser Platz) gehört nicht zu Bchina Dalet, und man kann Letztere demnach annullieren.

Folglich ist Bchina Dalet im Prinzip korrigiert, und zwar durch die Herabsenkung von Bchina Dalet. Das bedeutet, sie entdeckt, dass dies nicht ihr Platz ist. Dies geschieht mittels Geboten und guten Taten. Wenn man enthüllt, untersucht man Bchina Dalet in Bchina Bet, was zeigt, dass dort unten ihr Platz ist. Und dann steigt der Siwug (die Paarung) auf und Mochin breiten sich nach unten aus. Zur selben Zeit steigt das untere Hej zu Ejnaim (Augen) auf, und die Arbeit, die Gefäße des Empfangens umzuwandeln, beginnt von neuem.

Und der Kern der Korrektur besteht darin, dass man einen Teil an die Sitra Achra abtritt. Das heißt, zuvor konnte sie nur von Bchina Dalet saugen, weil nur dort die Eigenschaft von Din ist, was in Bina nicht so ist. Doch jetzt nahm auch Bina den Aspekt der Verminderung an, da die Eigenschaft von Din auch mit ihr vermischt wurde. Folglich wuchs der Platz der Eigenschaft von Din an. Durch diesen Teil aber gibt es Platz für die Arbeit, um die Möglichkeit der Zurückweisung zu haben, da dies nicht ihr wirklicher Platz ist. Und wenn man dann gewohnt ist, sie von dort wegzustoßen, wo es möglich ist, stellt man fest, dass man sie nun auch von dort wegstoßen kann, wo es zuvor nicht möglich war.

Und das ist „Die Reichtümer, die er verschlungen hat, speit er wieder aus.“  Das heißt, indem sich ihre Grenze erweitert, verschlingt sie viele Reichtümer, und dadurch folgt, dass sie vollständig korrigiert wird. Und das ist das Konzept vom „Ziegenbock für Asasel[1] usw., dass man ihr also einen Teil gibt, wodurch sie später dafür von der Heiligkeit (Kedusha) getrennt wird, wenn sie an dem Ort korrigiert wird, den Er ihr gibt und der nicht ihr Platz ist.



[1] „Sündenbock“, der für die Sünden Israels in die Wüste zu Asasel geschickt wird.

 

Shamati 223. Kleidung, Sack, Lüge. Mandel

Ich hörte

„Denn man durfte nicht eingehen zum Tore des Königs in einem Sackkleide.“ Das bedeutet, zu einer Zeit, wenn der Mensch zu der Erkenntnis erwacht, wie weit entfernt er vom Schöpfer ist, wie er voller Übertretungen, Sünden und Verbrechen ist, kann er weder dem Schöpfer anhaften noch irgendwelche Errettung vom Schöpfer empfangen, weil er als Kleidung einen Sack anhat und nicht in des Königs Gemach kommen kann.

Es ist daher vonnöten, dass der Mensch seinen wahren Zustand sieht, so wie er ist, ohne ihn zu verdecken. Der ganze Zweck der Klipot (Hüllen) besteht hingegen darin zu verdecken. Wenn dem Menschen jedoch vom Himmel ein Verdienst zuteilwird, dann kann er seinen wahren Zustand entdecken und sehen. Doch er muss wissen, dass dies nicht Vollkommenheit, sondern Notwendigkeit ist. Und die Zeit der Bitterkeit wird der Aspekt von Dalet (hebr. Buchstabe) genannt. Fügt man ihn zu [dem Wort] Sak (שק, Sack) hinzu, kommt Shaked (שקד, Mandel) zustande, welche die Erlösung beschleunigt.

Wenn er jedoch selbst die Bitterkeit in der Arbeit schafft, das heißt in der Zeit, wo er Selbstanalyse betreiben kann, freut er sich, dass er nun endlich die Wahrheit sieht. Dann gilt, dass er das zum „Kopf“ (Rosh) macht, also zu etwas Wichtigem. Und dies wird Resh genannt, was in Verbindung mit Sak (שק, Sack) [das Wort] Sheker (שקר, Lüge) ergibt. Doch diese Arbeit sollte aus Furcht und aus Zittern sein, und er sollte sich augenblicklich im vollkommenen Glauben stärken, dass alles zur Korrektur kommen wird. 

 

Shamati 224. Jessod de Nukwa und Jessod de Dchura

Ich hörte

Das Prinzip des Aufstiegs von Malchut an den Ort von Ejnaim (Augen) heißt Jessod de Nukwa. Dies ist so, weil Nukwa der Aspekt des Mangels (Chissaron) ist, wobei die Verringerung der Aspekt des Chissaron ist. Und weil es in Ejnaim ist, welches Chochma bedeutet, heißt es dennoch Bchina Alef der vier Bchinot. Wenn allerdings das untere Hej in Keter ist, wobei Keter das Verlangen zu geben ist, wo keinerlei Verringerung sein kann, da das Verlangen zu geben keinerlei Beschränkungen hat, so heißt es dann Jessod de Dchura

 

Shamati 225. Sich selbst erheben

Ich hörte

Es ist unmöglich, sich selbst über seinen eigenen Kreis zu erheben. Folglich ist der Mensch verpflichtet, von seiner eigenen Umgebung zu saugen. Und er hat keinen anderen Rat außer dem Weg der Tora und vielen Anstrengungen.

Wenn der Mensch für sich selbst eine gute Umgebung wählt, erspart er sich demzufolge Zeit und Anstrengung, da er entsprechend seiner Umgebung geformt wird, also ihr folgt.     

 

Shamati 226. Schriftliche und mündliche Tora

Ich hörte am 2. Februar 1943, in Tel-Aviv 

Die schriftliche Tora ist der Aspekt des Erweckens von Oben, und die mündliche Tora ist der Aspekt des Erwachens von unten. Und beide zusammen heißen „Sechs Jahre soll er arbeiten, und im siebten soll er in die Freiheit entlassen werden.“

Denn Arbeit gibt es gerade dort, wo es Widerstand gibt. Und das heißt Alma (Welt), kommend von He’elem (Verhüllung), denn während der Verhüllung gibt es einen Widerstand und somit Platz für die Arbeit. Und das ist der verborgene Sinn dessen, was die Weisen sagten: „Sechstausend Jahre existiert die Welt, und in einem wird sie zerstört“, was bedeutet, die Verhüllung wird zerstört werden, und dann gibt es keine Arbeit mehr. Deshalb macht ihm der Schöpfer Flügel, alsoVerhüllungen, damit er Arbeit hat. 

 

Shamati 227.Die Belohnung für eine Mizwa ist eine Mizwa

Ich hörte

 Der Mensch muss sich danach sehnen, der Belohnung einer Mizwa (Gebot, gute Tat) würdig zu werden. Das bedeutet, durch die Erfüllung der Mizwot (Plural für Mizwot) wird er der Anhaftung an den Mezaweh (Gebietenden) würdig.

 

Shamati 228. Fisch kommt vor Fleisch

Ich hörte am 21. Februar 1947, in Tiberias

 

Es ist üblich bei einer Mahlzeit Fisch vor Fleisch zu verzehren, weil man den Aspekt „Fisch“ kostenlos erhält, ohne Vorbereitung. Deswegen isst man ihn zu Beginn, da man keine Vorbereitung braucht. Wie es geschrieben steht: „Wir gedenken der Fische, die wir in Ägypten kostenlos aßen“[1], und im Sohar wird erklärt: „Kostenlos bedeutet „ohne Gebote“, also ohne Vorbereitung.

Und warum bedarf man für die Fische keiner Vorbereitung? Die Sache ist darin begründet, dass wir bei einem Fisch sehen, dass er nur aus einem Rosh (Kopf) besteht, und weder Arme noch Beine hat. Und „Fisch“ ist wie in „Josef wollte Fisch und fand einen Margalit (Edelstein) in seinem Fleisch“ (Sohar).

Margalit bedeutet Meragel (Spion), und „Fisch“ bedeutet, dass es da keine Verhandlungen gibt, was im Verborgenen bedeutet, dass er weder Arme noch Beine hat. Und „halbiert“ heißt, dass alle Stufen sich durch den Aufstieg von Malchut zu Bina halbierten, wobei durch die Teilung ein Platz für die Meraglim (Mehrzahl von Meragel) entstand. Und alle Verhandlungen drehen sich nur um diese Meraglim, da sich die ganze Tora von hier aus erstreckt. Und das ist die Bedeutung dessen, dass ein Margalit an seinem Halse hing, und dass jeder Kranke, der darauf schaute, augenblicklich geheilt wurde.

Doch der Fisch allein bringt einem keinerlei Lohn, sondern er ist kostenlos, wie es geschrieben steht: „Die wir in Ägypten kostenlos aßen.“ „Ein offenes Auge, das niemals schläft, braucht auch keinen Schutz“, da der Aspekt der Fische als Chochma (Weisheit) und von Shabbat gilt, die der Tora vorausgehen.

Und die Tora bedeutet Verhandlungen, was der Sinn des Satzes ist: „Ich konnte weder meine Hände noch meine Füße im Lehrhaus finden“, das heißt, es gab keine Verhandlungen. Und „umsonst“ heißt ohne Verhandlungen. Und Tora heißt die zukünftige Welt, definiert als „gesättigt und genießend“, und dass also die Sättigung den Genuss nicht auslöscht, weil es der Genuss der Seele ist. Beim „Shabbat, welcher der Tora vorausgeht“, also Chochma, gelangt er dagegen in den Körper (Guf), und der Körper ist eine Begrenzung, wo eine Sättigung den Genuss auslöscht.



[1] 4.Buch Mose 11,5

 

Shamati 229. Hamantaschen

Ich hörte in der Nacht von Purim, nach der Lesung der Megilla, am 3. März 1950

Über den Brauch, Haman-Tashim, also Hamans Taschen[1] zu essen: Er [Baal Sulam] sagte, da der Mensch verpflichet sei, an Purim so betrunken zu sein, dass er zwischen dem verfluchten Haman und dem gesegneten Mordechai nicht mehr zu unterscheiden vermag, esse man Hamantaschen. Dadurch sollen wir uns daran erinnern, dass Haman uns nichts als Taschen gebracht hat, also Kelim (Gefäße), nicht aber das Innere. Das bedeutet, dass man nur die Kelim von Haman empfangen kann, und nicht die Lichter, genannt „Inneres“. Dem ist so, weil sich die größten Kelim des Empfangens in Hamans Hand befinden, und diese müssen wir ihm wegnehmen.

Die Lichter können aber nicht mit den Kelim von Haman angezogen werden, und das geschieht eben nur durch die Kelim von Mordechai, welche Kelim des Gebens sind; auf die Kelim des Empfangens aber gab es einen Zimzum (Einschränkung). Und das wird in dem Vers erklärt: „Haman aber dachte in seinem Herzen: Wem wird wohl der König verlangen Ehre zu erzeigen, außer mir?“[2], und das wird wahres Verlangen zu empfangen genannt. Deswegen sagte er, man solle die Königskleider bringen, die der König getragen, und ein Pferd, das der König geritten habe. Doch in Wahrheit können die Kelim von Haman, genannt Kelim des Empfangens, aufgrund des Zimzum nichts empfangen. Sondern er hat nur ein Verlangen und einen Mangel (Chissaron), das heißt, er weiß, was er zu fordern hat. Deswegen steht geschrieben: „Der König sprach zu Haman: ‚Eile und nimm das Kleid und das Pferd, wie du gesagt hast, und tu also mit Mordechai, dem Juden.‘“[3]

Und das wird genannt „Lichter von Haman in den Kelim von Mordechai“, also in den Kelim des Gebens.



[1]Traditionelles Purim-Gebäck, auch „Hamans Ohren“ genannt, gefüllte süße Teigtaschen, Anm. Ü

[2]Ester 6,6

[3]Ester 6,10

 

Shamati 230. Erhaben ist der Schöpfer, und der Untere wird es sehen

Ich hörte am Shabbat Teruma, am 5. März 1949, in Tel Aviv

„Erhaben ist der Schöpfer und der Untere wird es sehen.“[1] Wie kann man dem Schöpfer gleichen, wenn der Mensch empfängt und der Schöpfer gibt? Darüber sagt dieser Vers: „Erhaben ist der Schöpfer und der Untere wird es sehen.„ Wenn der Mensch sich selbst annulliert, gibt es nichts, was ihn vom Schöpfer trennt. Dann „wird er sehen“, das heißt, er wird Mochin (Leuchten) von Chochma (Weisheit) würdig.

„Und den Erhabenen erkennt er aus der Ferne.“ Doch derjenige, der überheblich ist, der also seinen eigenen Herrschaftsbereich hat, ist weit entfernt, da ihm die Gleichheit mit dem Schöpfer fehlt.

Und Niedrigkeit heißt nicht, dass der Mensch sich selbst vor anderen erniedrigt –  das ist Demut, wobei der Mensch in dieser spirituellen Arbeit Vollkommenheit empfindet.

Niedrigkeit bedeutet, dass ihn die Welt demütigt. Gerade dann, wenn die Menschen ihn demütigen, wird dies als Niedrigkeit bezeichnet, denn dann spürt er überhaupt keine Vollkommenheit, da es ein Gesetz ist: Das, was andere Menschen denken, wirkt auf den Menschen. Deshalb ist es so, dass er sich ganz und vollkommen fühlt, wenn die Menschen ihn wertschätzen. Und jener, der von den Menschen gedemütigt wird, hält sich für niedrig.



[1] Psalm 138, 6

 

Shamati 231. Die Reinheit der Kelim de Kabbala

Ich hörte im Januar 1928, in Giwat Shaul (Jerusalem)

Der Mensch sollte mit allem, in dem der Körper Genuss findet, vorsichtig sein. Man sollte dies bedauern, weil man durch das Empfangen vom Schöpfer entfernt wird. Dies deshalb, da der Schöpfer der Geber ist und wenn er nun ein Empfänger sein wird, kommt er dadurch in eine Gegensätzlichkeit der Form. Im Spirituellen ist der Unterschied der Form eine Entfernung und so hat er dann keine Anhaftung an den Schöpfer.

Dies ist die Bedeutung von „und Ihm anhaften“. Durch den Kummer, den man beim Empfangen von Genuss empfindet, hebt der Kummer den Genuss auf. Es ähnelt einem Menschen, der unter Krätze am Kopf leidet. Er muss sich den Kopf kratzen und es bereitet ihm Genuss. Jedoch weiß er gleichzeitig, dass dies seine Krätze nur verschlimmern und seine missliche Lage sich ausbreiten wird, und er wird nicht imstande sein zu heilen. Somit hat er während des Genusses kein wirkliches Vergnügen, obwohl er den Erhalt des Genusses vom Kratzen nicht stoppen kann.

Er sollte auch einsehen, dass, wenn er Genuss an etwas empfindet, der Genuss von Kummer begleitet werden sollte, zumal er jetzt [durch den Empfang des Genusses] sich vom Schöpfer entfernt. Der Kummer sollte so groß sein, dass er spürt, dass sich der Genuss - verglichen mit dem Verlust, den dieser Genuss ihm danach bringen wird - nicht lohnt. Und dies ist die Arbeit des Herzens.

Kedusha (Heiligkeit): Das, was ihn näher an das Werk des Schöpfers bringt, heißt Kedusha.

Tuma‘a (Unreinheit): Das, was ihn vom Werk des Schöpfers entfernt, heißt Tuma‘a.

 

Shamati 230 Der Schöpfer ist erhaben und der Niedere wird es sehen".

 

Ich hörte am Shabbat Teruma, am 5. März, 1949, Tel Aviv

 

„Der Schöpfer ist erhaben und der Untere/Demütige/Niedere wird es sehen“. Wie kann man dem Schöpfer gleichen, wenn der Mensch empfängt und der Herr gibt? Darüber sagt dieser Vers: „Der Schöpfer ist erhaben und der Demütige wird es sehen". Wenn der Mensch sich selbst annulliert, gibt es nichts, was ihn vom Schöpfer trennt. Dann wird er sehen, dass er mit Mochin (Leuchten) von Chochma (Weisheit) belohnt wird.

 

„Und den Niederen erkennt er aus der Ferne". Derjenige, der stolz ist, der seinen eigene Macht hat, ist weit entfernt, da ihm die Gleichheit mit dem Schöpfer fehlt.

 

Und Demut/Niedrigkeit heißt nicht, dass der Mensch sich vor anderen demütigen muss, sondern Demut, die der Mensch in der spirituellen Arbeit spürt, und dann empfindet er Vollkommenheit in dieser Arbeit.

 

Niedrigkeit bedeutet, dass ihn die Welt verachtet. Gerade dann, wenn die Menschen ihn verachten, wird dies als Niedrigkeit bezeichnet, und so spürt er überhaupt keine Vollkommenheit, da es ein Gesetz ist, dass, was andere Menschen denken, Einfluß auf den Menschen hat. Das heißt, wenn die Menschen ihn wertschätzen, dann fühlt er sich ganz und vollkommen. Und jener, der von den Menschen gedemütigt wird, hält sich für niedrig.


 

Shamati 232. Die Vervollständigung der Anstrengung

Ich hörte

„Ich bemühte mich und fand nicht – glaube [es] nicht.“
Man muss hier die Bedeutung des Begriffs „ich fand“ verstehen; was soll man finden? Finden bezieht sich auf das Wohlwollen in den Augen des Schöpfers zu finden. „Ich strengte mich nicht an und fand – glaube es nicht.“

Hier müssen wir fragen; es ist hier nicht die Rede von einem, der lügt oder einem, der sich als Individuum beschreibt. Vielmehr geht es um eine für alle [Menschen] gültige Regel. Wenn er sieht, dass er das Wohlwollen in den Augen des Schöpfers gewonnen hat – was soll daran „unglaubwürdig“ sein?

Die Sache ist so: Manchmal gibt es einen Menschen, der durch sein Beten das Wohlwollen der Höheren Kraft gewinnt. Es ist die außergewöhnliche Kraft des Gebetes, die wie eine Anstrengung funktionieren kann. (Wir erleben das in unserer materiellen Welt. Es gibt den einen, der sich seinen Lebensunterhalt durch Anstrengung erarbeitet; und es gibt den anderen, der seinen Lebensunterhalt durch sein Gebet erzielt. Er bittet [die Höhere Kraft] um seinen Lebensunterhalt und bekommt seine Versorgung durch sein Gebet.)

In der spirituellen Welt funktioniert das nicht. Obwohl er Wohlwollen gefunden hat, muss er dennoch später in jedem Fall den vollen Preis dafür entrichten, das heißt den Wert (das Ausmaß) der Anstrengung, den jeder andere gibt. Tut er das nicht, wird er sein Kli (Gefäß) verlieren. Darum sagte er: „Ich bemühte mich nicht und fand [das Wohlwollen] – glaube es nicht“, da er sonst alles verlieren wird. Hinterher muss er mit seiner ganzen Anstrengung bezahlen. 

 

Shamati 233. Vergebung, Verzeihung und Sühne

Ich hörte

Mechila (Vergebung), wie [es heißt] „vom Verderben zum Lob“. Dies bedeutet, dass für ihn gerade durch „Reue aus Liebe“ Sünden zu Verdiensten wurden. Demnach verwandelt er die Sünden in Lob um, also in Verdienste.

Slicha (Verzeihung) kommt von we shalach et Be’iro („und er entlässt sein Vieh“[1], wobei das Samech das Shin ersetzt). Dies bedeutet, er schickt die Sünden von sich und sagt, dass er von nun an nur noch Verdienste ausführen wird. Dies gilt als „Reue aus Furcht“, wenn [boshafte] Sünden für ihn zu [unabsichtlichen] Vergehen werden.

Kapara (Sühne) kommt von we chiper et haMisbe‘ach („und auch den Altar sühne er“[2]) und von „er wünscht, seine Hände in diesem Menschen zu sühnen“[3]. Folglich hat jemand, wenn er weiß, dass er unrein ist, nicht die Vermessenheit und Unverschämtheit, in das Gemach des Königs einzutreten. Erkennt dies jemand und erinnert sich seiner schlechten Taten, die gegen den Willen des Königs sind, ist es also schwierig für ihn, sich mit der Tora und den Mizwot zu beschäftigen; umso schwieriger ist es, vom König zu verlangen, Ihm anzuhaften und sich mit Ihm zu vereinigen.

Deshalb braucht er Sühne, damit er seinen armseligen Zustand nicht sieht, dass er sich in äußerster Niedrigkeit befindet, und sich auch nicht an seinen eigenen Zustand erinnert, um einen Raum zu schaffen, Freude zu empfangen, indem es ihm möglich wird, sich mit der Tora und der [spirituellen] Arbeit zu beschäftigen. Und dann, wenn er Freude hat, wird er fähig sein, die Verbindung mit dem König zu erbitten, denn „die Shechina verweilt nur an einem Ort der Freude“.

Daher brauchen wir zuerst Reue und dann, wenn wir aus Furcht bereuen, werden wir der Verzeihung würdig. Und danach „Reue aus Liebe“ – dann werden wir mit der Vergebung gewürdigt.

Wir sollten darauf vertrauen, dass alles, was in unserer Welt geschieht, gelenkt ist, dass es keine Zufälle gibt. Wir sollten auch wissen, dass all das, was als Ermahnung geschrieben steht – damit sind die Flüche in „wenn ihr nicht hören werdet“ gemeint –, schreckliche Qualen sind und nicht so, wie jedermann denkt. Das heißt, manche sagen, sie seien Segenswünsche und keine Flüche. Als Beweis für ihre Worte führen sie den Maggid aus Kosniz an, der beim Wochenabschnitt Tochachot[4] stets die rituelle Toralesung beim Gottesdienst durchführte. Er sagt, dass diese wirkliche Flüche und Qualen sind.

Wie wir selbst sehen, ist es so, dass Flüche tatsächlich existieren, dass man also in dieser Welt furchtbare Empfindungen und unerträgliche Qualen verspürt. Wir müssen daran glauben, dass all diese Qualen der Vorsehung zuzuschreiben sind, dass Er alles macht. Moses nahm diese Flüche und schrieb sie dem Schöpfer zu. Dies ist die Bedeutung von „und nach allem Großen und Furchtbaren“[5].

Und wenn man daran glaubt, glaubt man auch an: „Es gibt einen Richtspruch und es gibt einen Richter.“ Dies ist, warum der Maggid die Toralesung zum Wochenabschnitt Tochachot durchgeführt hat, weil nur er die Flüche und die Leiden dem Schöpfer zuschreiben konnte, da er an „es gibt einen Richtspruch und es gibt einen Richter“ glaubte. Und durch all dies kamen aus diesen Flüchen wirkliche Segenssprüche hervor, denn „der Schöpfer hat es so gemacht, dass man sich vor Ihm fürchte“.

Und dies ist die Bedeutung von „aus dem Schlag selbst ist der Verband gemacht“. Das heißt, genau aus dem Ort, wo der Frevler scheitert, werden die Gerechten hervorgehen. Denn wenn man zu einem Ort kommt, an dem es keine Unterstützung gibt, hat die Sitra Achra auf diesen Ort Einfluss. Und dann scheitert der Frevler an ihm. Dieser Frevler, der sich nicht über den Verstand erheben kann, fällt deshalb, weil er keine Unterstützung hat. Dann bleibt er zwischen Himmel und Erde, da sie böse sind und nur Dinge innerhalb des Verstandes tun können, mit „Bösem Auge“ [und] „Stolzem Blick“[6].

Aber die Gerechten gelten als „meine Augen waren nicht stolz und mein Herz erhob sich nicht, und sie wandeln darin“. Daraus ergibt sich, dass er [der Fluch] sich in Segenswünsche verwandelt. Dadurch, dass er [der Gerechte] all die Leiden der Vorsehung zuschreibt und alles über den Verstand erhebt, erschafft er innerhalb in sich die geeigneten Kelim (Gefäße), um [die] Segenswünsche zu empfangen.



[1] 2. Buch Mose 22, 5

[2] 3. Buch Mose 16, 33

[3] 1. Samuel 10, 5

[4] ein bestimmter Abschnitt der Tora, genannt „Abschnitt der Ermahnung"

[5] 5. Buch Mose 34, 12

[6] Psalm 101, 5

 

Shamati 234. Derjenige, der von den Worten der Tora ablässt und sich in Gespräche verwickelt

Adar Alef  im Jahr 1940, auf dem Weg nach Gaza

„Derjenige, der von den Worten der Tora ablässt und sich in Gespräche verwickelt, wird mit brennender Kohle gefüttert.“ Dies bedeutet, wenn der Mensch sich mit der Tora beschäftigt und nicht damit aufhört, gilt die Tora für ihn als lodernde Flamme, die den Bösen Trieb verbrennt – und so kann er mit seiner Arbeit weitermachen. Wenn er aber inmitten seines Studiums aufhört, auch wenn er gleich zurückkommen und weitermachen wird, ist die Tora für ihn wie brennende Kohle. Das heißt, sie hat keine Kraft mehr, um den Bösen Trieb zu verbrennen. Dann verdirbt bei ihm der Geschmack der Tora, und er wird automatisch gezwungen mit seiner Arbeit aufzuhören. Wenn er wieder zu seinem Studium zurückkehrt, muss er daher beachten, dass er auf sich nehmen soll, nie mehr mitten in seinem Studium aufzuhören. Und mit der Entscheidung für die Zukunft wird die lodernde Flamme der Tora wieder entfachen.

 

Shamati 235. Erneut in das Buch schauen

235. Erneut in das Buch schauen

Nachdem der Mensch einige Worte der Tora in einem Buch gesehen und sie sich eingeprägt hat, ist es so, dass, was in den Verstand eingetreten ist, bereits mangelhaft ist. Wenn er daher erneut in das Buch schaut, kann er das Licht herausholen, sodass er Erleuchtung empfangen wird von dem, was er jetzt sieht. Und dies wird bereits als neu und makellos angesehen.

 

Shamati 236. Meine Feinde verhöhnen mich den ganzen Tag

Ich hörte am 6. Tishri, dem 17. September 1942

 

„Denn der Eifer um Dein Haus verzehrt mich“[1], „weil meine Feinde mich den ganzen Tag verhöhnen“[2]. Die Form der Schmähung und Beschimpfung erscheint in verschiedenen Formen:

  1. Während der Arbeit, wenn er eine Handlung der Mizwa macht, dann sagt der Körper zu ihm: „Was wirst du davon haben? Welcher Nutzen wird dir daraus erwachsen?“ Auch wenn er sich daher überwindet und die Sache unter Zwang tut, bleibt diese Mizwa dennoch eine Last und eine Bürde. Hier stellt sich die Frage: Wenn er wirklich das Gebot des Königs einhält und dem König dient, müsste er doch voller Freude sein, da es für jemanden, der dem König dient, natürlich ist, voller Freude zu sein. Hier ist jedoch das Gegenteil der Fall. Demzufolge fühlt er einen Zustand der Schmähung und Beschimpfung. Der Zwang beweist, dass er nicht glaubt, dass er dem König dient. Es gibt keine größere Verschmähung als diese.
  2. Oder er sieht, dass er den ganzen Tag nicht dem Schöpfer angehaftet ist, weil er nichts Echtes empfindet und es unmöglich ist, an etwas Leeres angehaftet zu sein. Daher wendet er seinen Verstand vom Schöpfer ab (wohingegen etwas Echtes, das Vergnügen birgt, schwer zu vergessen ist. Und wenn er seinen Geist abwenden möchte, so muss er sich anstrengen, um die Sache aus seinen Gedanken zu verbannen). Und dies ist, „weil meine Feinde mich den ganzen Tag verhöhnen“[3].

Dies trifft auf jeden Menschen zu. Der Unterschied besteht jedoch im Empfinden. Selbst wenn der Mensch es nicht fühlt, so aus dem Grund, weil ihm die Aufmerksamkeit fehlt, um den Zustand so zu sehen, wie er ist. Und dies gleicht einem Menschen, der ein Loch in der Tasche hat, durch welches das Geld herausfällt und er so das ganze Geld verliert. Und es spielt keine Rolle, ob er weiß, dass er ein Loch hat oder nicht. Und der Unterschied besteht nur darin, dass, wenn er weiß, er hat ein Loch, es in seiner Hand liegt, dies zu reparieren: was aber den Verlust des Geldes angeht, so besteht kein Unterschied.

Wenn er daher fühlt, wie der Körper, „meine Feinde“ genannt, den Schöpfer schmäht, so sagt er: „Denn der Eifer um Dein Haus verzehrt mich“ und wünscht dieses zu korrigieren.



[1] Psalm 69, 10

[2] Psalm 42, 11

[3] Psalm 42, 11

 

Shamati 237. Denn Mich schauet kein Mensch und bleibt leben

 

„Denn Mich schauet kein Mensch und bleibt leben.“[1] Dies bedeutet, wenn jemand die Enthüllung des Göttlichen in größerem Ausmaß sieht, als er zu sehen bereit ist, kann er in den Zustand des Empfangens kommen, was als Gegensätzlichkeit zum Leben des Lebens erachtet wird, und dann gelangt er in den Zustand des Todes. Daher muss er auf den Wegen des Glaubens voranschreiten.



[1] 2. Buch Mose 33, 20

 

Shamati 238. Glücklich ist der Mann, der Dich nicht vergisst, und der Sohn des Menschen, der sich in

Ich hörte am 10. Elul

„Glücklich ist der Mann, der Dich nicht vergisst, und der Sohn des Menschen, der sich in Dir müht.“ (Mussaf-Gebet an Rosh HaShana). Wenn der Mensch im Aspekt von „Weiß“ voranschreitet, muss er sich immer daran erinnern, dass er alles nur erlangt hat, weil er den Aspekt der „Schwärze“ auf sich genommen hat. Und er muss sich gerade im Aspekt von „in Dir“ mühen, in der Weise „und alle glauben, dass Er ein Gott des Glaubens ist“, auch wenn er im Augenblick keinen Platz sieht, an dem er im Glauben arbeiten muss, da alles offen vor ihm liegt. Dennoch muss er über dem Verstand glauben, dass es durch Vertrauen noch mehr Raum zum Glauben gibt.

Und dies ist die Bedeutung von „und Israel sah die gewaltige Hand [...] und sie glaubten an den Schöpfer“. Das heißt, obwohl sie den Aspekt von „sie sahen“ erlangt hatten, was die Bedeutung von „Sehen“ ist, hatten sie immer noch die Kraft,